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Full text of "Petronii Cena Trimalchionis"

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Pe/Vt»öTmo* . A^bit-cr» 



PETBONII 
CENA TEIMALCHIONIS. 



MIT DEUTSCHER ÜBERSETZUNG UND ERKLÄRENDEN 
ANMERKUNGEN 



VON 



LUDWIG FELEDLAENDER 



ZWEITE NEU BEARBEITETE UND VERMEHRTE AUFLAGE. 



LEIPZIG 

VERLAG VON 8. HIRZEL 
1906. 



£77. * 

1 3 f ff 



158395 



FRANZ BÜCHELER 



GEWIDMET. 



Inhaltsverzeichnis. 



Seite 

Einleitung 3—76 

1. literarhistorisches 3—19 

2. Leibnitz ä Madame la Princesse Louise de 
Hohenzollern. Hannovre 25 Fevr. 1702 . . 19—23 

3. Städtewesen in Italien im ersten Jahrhun- 
dert 23—72 

4. Puteoli 73—76 

Text und Übersetzung 77—207 

Anmerkungen 208—365 

Register 356-363 



EINLEITUNG. 



Petronii Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 



1. Literarhistorisches. 

Das Gastmahl des Trimalchio ist eine Episode eines 
römischen Romans, von dem nur Exzerpte erhalten sind. 
In den Handschriften derselben wird der Verfasser Pe- 
tronius Arbiter genannt. Wahrscheinlich ist es ein Gajus 
Petronius 1 , der längere Zeit zn Neros engstem Kreise 
gehörte, dann aber bei ihm verdächtigt, im Jahre 66 
n. Chr. durch Selbstmord der Hinrichtung zuvorkam. Er 
war einer der auch in der neueren Geschichte hier und 
da begegnenden Männer, die, nachdem sie in hohen Stel- 
lungen Energie und Tatkraft bewiesen, sich mit Osten- 
tation einem müßigen Genußleben hingeben. Den Ruhm 
eines Virtuosen in der Kunst des Genießens erlangte er 
in so hohem Grade, daß er an Neros Hofe darin als 
Autorität galt und von Nero selbst stets als > Schieds- 
richter in Geschmackssachen« (arbiter elegantiae) um Bat 
gefragt wurde. Seine bevorzugte Stellung zog ihm den 
Neid anderer Höflinge zu, und der Erfolg ihrer Intrigen 
trieb ihn zu dem Entschlüsse, sich die Adern zu öffnen. 
Er bewies im Sterben dieselbe kühle, unerschütterliche 
Gelassenheit, die man während seines Lebens so sehr an 
ihm bewundert hatte. Er verzögerte sein Ende, indem 
er die durchschnittenen Adern verbinden und wieder 



1 Bei Plutarch De adulatore et amico 27 TIto; IleTptfmoc. 

1* 



4 * *** Literarhistorisches. 

öjraen ließ. Er unterhielt sich mit seinen Freunden, doch 
! dicht von ernsten Dingen, etwa von Unsterblichkeit und 
•... den Ansichten der Philosophen darüber, sondern ließ 
/.. /sich leichtfertige Gedichte vorlesen. Er beschenkte einige 
%/'/ seiner Sklaven und ließ andere peitschen. Er begab sich 
•!"• zur Mahlzeit und legte sich schlafen, so daß sein Tod 
fast wie ein natürlicher erschien. Nicht einmal in seinem 
Testamente dem Nero oder einem der Mächtigen zu 
schmeicheln (was die unfreiwillig Sterbenden damals zu 
tun pflegten, um für die Ihrigen einen Teil ihres Ver- 
mögens zu retten), ließ er sich herbei. Er schrieb einen 
Bericht über Neros Ausschweifungen und Schandtaten mit 
Angabe der Namen der Beteiligten beiderlei Geschlechts, 
sandte ihn versiegelt an Nero und zerbrach seinen Siegel- 
ring, damit er niemand Gefahr bringe. So erzählt 
Tacitus 1 ; durch Plinius erfahren wir außerdem, daß Pe- 
tronius vor seinem Tode eine ihm gehörige, mit mehr als 
60000 Mark heutigen Geldes bezahlte Schöpfkelle aus 
Murrha (vielleicht orientalischer Achat) zerbrach, damit 
sie nicht die Tafel Neros zieren sollte 2 . 

Die durch den Beinamen Arbiter* nahe gelegte Ver- 
mutung, daß dieser Petronius der Verfasser des erwähnten 
Romans war, erhält eine wesentliche Unterstützung da- 
durch, daß derselbe offenbar in der Zeit Neros geschrieben 
ist, und sicherlich von einem Manne, der auf der Höhe 



* Tac. A. XVI 16 sq. 

2 Plin. N. H. XXXVII 20. Plutarch de adulat. et amico 27: 
eine Kunst der Schmeichler besteht z. B. darin, 8xav tou; aaa>xou; — 
xat TroXüxeXetc eU p-ixpoXo^iav xotl jiuiraptav foet&tCa»3tv, &07tep Nipawa 
Tlxoc IleTpamo;. 

3 Er kommt allerdings als cognomen vor CIL X 5490 1 
(L. Luci 1. 1.) Arbitris [so] und als Name einer Person im Querolus. 
Collignon Etüde sur Patrone (1892) p. 338. 



Literarhistorisches. 5 

der damaligen Bildung stand und eine große Weltkennt- 
nis besaß 1 . 

Den Inhalt des Romans bilden Vorgänge und Aben- 
teuer mannigfaltiger Art, die von einem Encolpios als 
eigene Erlebnisse erzählt werden. Schon Bücheier hatte 
darauf hingewiesen, daß zur Disposition der Handlung die 
Berührungen gehörten, in die Encolpios in drei von ihm 
besuchten Städten (Massilia, Cumä und Eroton) mit Priapus 
gekommen war 2 ; und Elimar Klebs hat es sehr wahr- 
scheinlich gemacht, daß der Zorn des Priapus das leitende 
Motiv war, das die lose zusammenhängenden Teile der 
Erzählung zu einem Ganzen verband 3 . Dieser Zorn, den 
sich Encolpios (auf welche Weise, wissen wir nicht) 4 zu- 
gezogen hatte, bedeutete für die Handlung des Romans 
dasselbe, was der Zorn des Poseidon für die Odyssee. 
»Die Wendung des Motivs ins Komische und die tra- 
vestierende Behandlung des dem Epos und der Tragödie 
eigenen Pathos ergab sich aus dem komischen Grund- 
charakter des Ganzen von selbst. So umschlang die lebens- 
vollen Schilderungen der Wirklichkeit ein phantastisches 
Band, und damit wurde das Ganze aus der Sphäre 
der gemeinen Wirklichkeit in die ideale der Kunst ent- 
rückt.« 



1 Voltaires Verwerfung der Identifikation des Autors mit dem 
Günstling Neros rührte wol daher, daß die Vertreter dieser An- 
sicht in dem Eoman den Bericht über Neros Schandtaten erkennen 
wollten, was er le comble de l'absurditä nennt. Collignon Patrone 
au moyen äge et dans la litterature francaise (1893) p. 43. 

2 Sittenzüge der römischen Eaiserzeit. N. Schweiz. Museum 
III 1863 S. 29, 6. 

3 Zur Composition von Petronius Satirae. Philologus N. F. I 
1889 S. 623 ff. 

4 Heinze Petron u. d. griechische Roman. Hermes XXXIV 
(1899) 602, 1. 



6 Literarhistorisches. 

Der Umfang des Romans war nicht unbeträchtlich; 
wir haben Exzerpte ans dem fünfzehnten und sechzehnten 
Buch. Der Titel war Satirae. Die Form ist die der durch 
Varro in die römische Literatur eingeführten, nach ihrem 
Begründer, dem Cyniker Menippus von Gradara, benann- 
ten Menippeischen Satire, in der Vers und Prosa abwech- 
seln. Doch im Gastmahl des Trimalchio ist diese Form 
ebenso wenig festgehalten als in einer anderen Episode, 
der Geschichte der Matrone von Ephesus: hier wie dort 
ist die Erzählung ausschließlich prosaisch. 

Der Roman ist, wie GBoissier bemerkt 1 , der erste 
realistische, den wir kennen 2 . Über sein Verhältnis zu 
etwaigen griechischen Vorbildern haben wir nur Ver- 
mutungen. Mag Petron aber auch in der griechischen 
Romanliteratur solche gefunden 3 , und Motive von dort 
entlehnt oder parodiert haben 4 , so ist er doch völlig 



1 Le festin de Trimalchion. Journal des Savants. Juillet et 
Aoüt 1892. 

2 Vergl. Emile Thomas L'envers de la sociäte* Eomaine 1892 
(die zweite sehr vermehrte Ausgabe 1901 kenne ich nicht). Paul 
Thomas Le realisme dans Patrone. Revue de Instruction publique 
en Belgique XXXVI 1893 p. 225 u. 316. 

Renan (L'antechrist p. 140) nennt Petron ce Merim6e sceptique, 
Huysmans (bei Collignon P. dans le moyen äge etc. p.48) in dem Ro- 
man A rebours die Satirae ce roman realiste, cette tranche d6coup£e 
dans le vif de la vie Romaine. Er stellt ihn dans le raffinement 
du style, dans Tacuit6 de 1 ; Observation, dans la fennete* de la m6- 
thode modernen französischen naturalistischen Romanen zur Seite. 

3 Bticheler bei Collignon Etüde p. 324, 1. K. Bürger der antike 
Roman vor Petronius Hermes XXVII 1892 S. 365: ,es muß in der 
Zeit etwa von 100 vor bis 100 nach Chr. eine ziemlich bedeutende 
realistische Romanlitteratur geblüht haben'. 

4 Heinze Petron und der griechische Roman Hermes XXXIV 
1899 S. 619: ,Der Liebesroman der Griechen wird in annähernd der 
Gestalt, in der wir ihn erst aus erheblich späterer Zeit besitzen, 
schon durch Petron vorausgesetzt, dessen komisch-erotischer Reise- 
roman den pathetisch-erotischen parodiert 1 . Emile Thomas Patrone 



Literarhistorisches. 7 

original geblieben *, und vielleicht der einzige unter allen 
römischen Dichtern, der »unabhängig von griechischen 
Mustern seinen eigenen genialen Weg gegangen ist« 2 . 
Notwendig ist die Annahme, daß er griechische Vorbilder 
nachgeahmt hat, keineswegs. »In der römischen Aus- 
bildung der Satire, besonders der menippeischen, waren 
die Ansätze vorhanden, aus denen die Entwicklung einer 
Schöpfung, wie der Petrons, vollkommen begreiflich ist 8 .« 



et le roman grec. Revue de l'instr. publ. en Belgique XLIII 1900 
p. 164: ,tout autant (als realistisch) un roman d'ironie et une paro- 
die da roman grec traditionnel '. Le Coultre Notes sur Petrone 
Melanges Boissier 1903 p. 330: ,en resumä les Satirae sont peut- 
€tre une parodie de romans grecs perdus'. 

1 Collignon Etüde p. 324: ,s'il a imit6 un roman grec, son 
imitation reste profondement originale *. 

2 Mommsen Trimalchios Heimath u. Grabschrift Hermes XIII 
S. 106 ff. 

3 Klebs Petroniana, Philologus Supplementband VI (1891—93) 
S. 680, 69. Derselbe (brieflich) : Die Kluft zwischen der varronisch- 
menippeischen Satire und Petron ist zu groß, als daß sein Werk 
als unmittelbare Fortbildung jener betrachtet werden könnte. Es 
ist mir ebenso unzweifelhaft, daß die verlorenen Mittelglieder grie- 
chisch gewesen sind. Für mich ist dabei das Entscheidende die 
künstlerische Stilisierung des gesamten Stoffes bei Petron, die 
ebensogut sich auf die Behandlung der Volkssprache als auf die 
des Obszönen erstreckt. (Welch ein Unterschied gegen Rabelais 
und Zola.) Diese Stilisierung trägt durchaus griechisches Gepräge. 

Aber ich glaube nicht, daß wir nach Lage der Überlieferung 
über diese allgemeine Erkenntnis hinauskommen. Der Versuch 
Heinzes, Petrons Werk als Parodie ernster griechischer Romane zu 
erklären, erscheint mir durchaus verfehlt. Diese Parodie soll aber 
durchaus nicht den Zweck haben, die Vorlagen lächerlich zu machen 
(Heinze S. 503 Anm.). Dann bleibt also kein anderer Zweck übrig 
als der, durch die Nachahmung komisch zu wirken. Das bedingt 
zweierlei: 1. Die parodierten Originale müssen allgemein bekannt 
sein; man wird also schwerlich Parodien von Werken in fremder 
Sprache schreiben. 2. Die Parodie muß sich äußerlich eng an das 
Original anschließen und besonders seine Eigenheiten nachbilden. 
Vergleicht man aber den Typus Xenophon-Heliodor-Tatius mit 



8 Literarhistorisches. 

Unter den erhaltenen Bruchstücken des Eomans, die 
sich eben so sehr durch Geist, Witz und Eleganz der 
Form, wie durch zügellose Frechheit auszeichnen, ist das 
Gastmahl des Trimalchio das interessanteste und wert- 
vollste. Der Verfasser hat hier seine offenbar mit großem 
Behagen gemachten Studien der süditalischen Klein- 
städterei zu einem mit Meisterschaft ausgeführten, von 
Karikatur ganz freien Bilde verwertet. Der Eealismus 
seiner Darstellungs weise führt auf die Annahme, daß er 
einen bestimmten Ort im Auge gehabt und auch genannt 
hat 1 . Dieser Ort ist eine in Campanien am Meer gele- 
gene Kolonie (cap. 44. 57. 76), die c. 81 Graeca urbs ge- 
nannt wird. Mommsens Ansicht, daß es Cumä sei 2 , ist 
mit der Äußerung Trimalchios, c. 48, er habe die Sibylle 
in Cumä gesehn, unvereinbar, und auch die Erwähnung 
eines Prätors (c. 65), welchen in dieser Gegend sonst nicht 
vorkommenden Titel die Magistrate von Cumä führten, 
beweist nichts, da das Wort hier nur einen hohen Beamten 
im allgemeinen bezeichnet und nicht als offizielle Titula- 



Petron, so bleiben nur Dinge übrig, die der gesamten antiken 
Prosadichtung gemeinsam sind aus dem einfachen Grunde, weil sie 
auf den reellen Verhältnissen des antiken Lebens beruhen. Dahin 
gehört m. E. beiläufig auch die Einförmigkeit der Liebesfabel in 
den ehrbaren Romanen. Sie ergibt sich mit einer gewissen Not- 
wendigkeit aus der sozialen Stellung der Frau, noch mehr daraus, 
daß die antike Gesellschaft das Junge Mädchen' nicht kennt. In 
der französischen Literatur haben analoge soziale Verhältnisse ver- 
wandte Wirkungen gehabt. 

1 Die Ansicht von Lommatzsch Lexicon Petronianum p. III, * 
daß Petron Neapel und ein cam panisches Krähwinkel miteinander 
verschmolzen habe, ist für mich unannehmbar, und auch daß das 
Lokal in der Cena Trimalchionis ein anderes sei als in der übrigen 
Erzählung, kann ich nicht finden. 

2 Trimalchios Heimath und Grabschrift. Hermes XIII S. 106 ff. 
und CIL X S. 361. 



Literarhistorisches. 9 

tur aufzufassen ist 1 . Auch die einzige im eigentlichen 
Sinne des Wortes griechische Stadt Campaniens, Neapel, 
kann der Ort der Handlung nicht sein, auch abgesehn 
davon, daß es in Neros Zeit noch nicht Kolonie war. 
Denn Petron schildert eine völlig latinisierte Stadt, die 
Umgangssprache, auch der ans dem Osten stammenden 
Freigelassenen, ist die lateinische; lateinisch werden öffent- 
liche Bekanntmachungen gegeben (c. 38. 97); lateinisch 
sind die Weih- und die Grabinschrift für Trimalohio 
(30. 71)2. 

1 Klebs Petroniana, a. a. 0. S. 661—698, der Mommsens An- 
sicht ausführlich widerlegt hat; ebenso Beloch Campanien 2 S. 4öOf. 

2 Klebs a. a. 0. S. 677. Neapolitanische Gelehrte halten ebenso 
fest an Neapel als Ort der Handlung wie an dem Titel Satyrioon 
oder Satiricon. A. Sogliano (Miscellanea epigrafica napoletana, 
Archivio storico por le province napoletano XIX 1894, XX 189Ö, 
XXI 1896) nimmt (XIX p. 560) mit Niebuhr einen Zusammenhang 
des Petronischen Romans mit der Inschrift CIL VI 14672 — Orelli 
1175 an, und setzt ihn in eine Zeit, wo Neapel (nach einer Inschrift 
zu Ehren des Alexander Severus) bereits Colonia Aurelia Aug. | 
Antoniniana Felix | Neapolis war (XIX p. 164). Enrico Cocchia (Un 
romanzo di costumi nell 1 antichita, Nuova Antologia CXXVIII 
(1893) 103, 3. Serie XLIV; Napoli e il Satyricon di Petronio Arbitro 
Archiv, stör. XVIII 1893; La satira e la parodia nel Satiricon di 
Petronio Arbitro studiate in rapporto coli' ambiente storico in cui 
visse T autore, Rivista di filologia XXV 1897), der den Verfasser 
des Romans für den Günstling Neros hält, glaubt aus dem Prädikat 
Aug(usta) in der angeführten Inschrift schließen zu dürfen, daß 
Neapel schon durch August Kolonie geworden war (Riv. d. f. XXV 
p. 410 ff.); er sowohl wie Sogliano (Arch. st. XIX p. 168) glauben, 
mit Ignarra, daß in der Stelle c. 57 puer capillatus in hanc colo- 
niam veni, adhuc basilica non erat facta das Wort basilica für ein 
Adjektivum gehalten werden und Augusta bedeuten könne. Nach 
Cocchia (N. Antol. a. a. 0. p. 6) ist der Roman die Schrift, in der 
Petron flagitia prineipis sub nominibns exoletorum femioarumque — 
perscripsit (Tac. A. XVI 17). In Trimalchio erkennt er ein wohl- 
getroffenes Porträt Neros (Riv. di fiL XXV p. 393 ff); bei Fortunata 
sei an Acte, bei Agamemnon an Seneca zu denken (N. Antol, a. a, 0. 
p. 683). Die c. 44 beklagte religiöse Indifferenz halten Sogliano und 



10 Literarhistorisches. 

So bleibt also als Wohnort Trimalchios nur Puteoli 
übrig, das schon 194 v. Chr. eine Kolonie geworden war, 
und von Nero 63 n. Chr. abermals zum Sänge einer 
solchen erhoben wurde 1 . Eine griechische Stadt konnte 
es genannt werden, weil es aus der samischen Nieder- 
lassung Dicaearchia hervorgegangen war, und mit dem 
Fortleben dieses Namens sich auch die Anschauung vom 
griechischen Ursprung der Stadt erhielt (Plin. N. h. III 61 
Puteoli colonia, Dicaearchia dicti 2 ), doch ist eher zu glau- 
ben, daß Petron es so nennt, weil man dort tiberall 
Griechisch als die Verkehrssprache der einen so großen 
Bruchteil der Bevölkerung bildenden Orientalen hörte, 
also in ähnlichem Sinne, wie Juvenal 3, 61 Kom Graecam 
urbem nennt 8 . Der Einwand, daß die c. 44 von Ganymedes 
über den Verfall der Stadt geäußerte Klage auf das 
blühende Puteoli nicht passe, ist nicht stichhaltig, da sie 
ihm nur in den Mund gelegt ist, um ihn als Pessimisten 
zu charakterisieren 4 . 

Die Frage, in welche Zeit Petronius die Abenteuer des 
Encolpius verlegt hat, ist verschieden beantwortet wor- 
den: nach Bttcheler und Bibbeck in die letzte Zeit Tibers, 



Cocchia für eine Wirkung der Ausbreitung des Christentums; in 
c. 112 sehen beide una spiegazione naturale della risurrezione del 
Cristo, und im Verzehren der zerschnittenen Leiche c. 141 eine 
Anspielung auf Ev. Joh. 6, 53 nisi manducaveritis carnem filii ho- 
minis et biberitis ejus sanguinem, non habebitis vitam in vobis. 
(Ebenso Ribbeck Gesch. d. röm. Poesie III 1892 S. 164: es sieht 
wie eine Verhöhnung des christlichen Abendmahls aus.) 

1 Puteoii halten für den Ort der Handlung HWHaley Quaesti- 
ones Petronianae (Harvard Studies in classical philology Vol. II 
1891 p. 1—10). Klebs a. a. 0. S.677 ff. Beloch Campanien« S. 88 bis 
143 u. 451. Nissen Italische Landeskunde II 2 (1902) S. 737—743. 

2 Klebs a. a. 0. S. 678. 

3 Beloch S. 451. 
* Klebs S. 678. 



Literarhistorisches. 11 

nach Mommsen und Haley unter August 1 . Bei der An- 
setzung unter Tiber muß man annehmen, daß die cam- 
panischen Spießbürger nicht gewußt oder sich nicht daran 
gekehrt haben, daß Tiber den Titel pater patriae, der 
c. 60 dem regierenden Kaiser gegeben wird, beharrlich 
verschmäht hat 2 . Ich glaube, daß an die letzte Zeit des 
Claudius oder an den Anfang der Regierung Neros zu 
denken ist. 

Alles, was bei Petronius vorkommt, läßt sich damit 
sehr wohl vereinigen. Daß der (77) erwähnte Scaurus 
nicht einer der 34 n. Chr. ausgestorbenen Aemilii Scauri 
(Nipperdey zu Tac. A. VI 29) zu sein braucht, ist längst 
bemerkt worden. Wenn auch (außer den nach dem 7. Jahr- 
hundert nicht mehr erwähnten Aurelii Scauri) kein an- 
deres vornehmes Geschlecht bekannt ist, das dies cogno- 
men führte, so konnte es immerhin in Trimalchios Munde 
einen in Born angesehenen Mann bezeichnen, dessen 
Bekanntschaft für ihn eine Ehre war. Daß der Monat 
August 53 Sextilis heißt, beweist nicht, daß dies vor oder 
bald nach 746 geschrieben ist, in welchem Jahre die Um- 
taufe stattfand; denn gerade im Volke erhalten sich die 
alten Benennungen besonders lange, und es ist keines- 
wegs unmöglich, daß der Autor absichtlich Trimalchios 
Schreiber die nur noch dort gebräuchliche Benennung 
anwenden läßt. Das angeblich hundertjährige Alter des 
Opimianerweins (34), das wörtlich verstanden auf das 
Jahr 733 führen würde, soll nur einen Beweis mehr von 
Trimalchios Aufschneiderei und Unwissenheit geben. Den 
Cäsar (d. h. den damals regierenden Kaiser), unter dem 



i Bücheier ed. I. p. VII. Ribbeck Gesch. d. röm. Poesie III 
S. 151. Mommsen a. a. 0. S. 111 f. Haley a. a. 0. 

2 So Klebs a. a. 0. S. 666—68, der aber jetzt glaubt, daß Petron 
die Zeit der Handlung seiner eigenen Gegenwart nahe gerückt hat. 



12 Literarhistorisches. 

ein unzerbrechliches Glas erfunden sein sollte, für einen 
andern zu halten als Tiberius (51), unter dem diese Er- 
findung nach Plinius und Cassius Dio gemacht wurde, 
haben wir keine Veranlassung. 

Wenn nun der Name des Gesangsvirtuosen Apelles (64) 
und des Komponisten Menecrates (73) als solche genannt 
werden, die jedermann kannte, ist es kaum möglich, an 
andere als an die auch uns bekannten beiden Träger dieser 
Namen zu denken. Es wäre in der Tat ein überaus selt- 
samer Zufall, wenn zwei uns ganz unbekannte Homo- 
nymen derselben neben jenen in der Zeit des Petronius 
ebenfalls allgemein bekannt gewesen wären. Von Apelles, 
der unter Caligula glänzte, wird so gesprochen, als ob 
er bereits der Vergangenheit angehörte. Die Annähme, 
daß der von Nero ausgezeichnete Citharöde Menecrates 
schon unter Claudius berühmt war, hat keine Schwierig- 
keit. Die Art, wie beide Namen genannt werden, spricht 
also dafür, daß die Zeit des Gastmahls des Trimalchio 
die spätere Zeit des Claudius oder die erste Neros ist. 
Hatte Petronius übrigens die des Claudius im Auge, so 
konnte ihn dies doch nicht abhalten, manches, was erst 
der Neronischen Zeit eigentümlich war, in seine Dar- 
stellung aufzunehmen. 

Die Sprache der Erzählung ist die Umgangssprache 
der Gebildeten der damaligen Zeit, die sich manche in 
der strengern Schriftsprache nicht zulässige Freiheiten 
gestattet, hier und da auch an den dichterischen Aus- 
druck streift. Wie sehr sie mit der Sprache des jüngeren 
Seneca übereinstimmt, hat bereits Studer nachgewiesen 1 : 
zu den von ihm zahlreich gesammelten Parallelen habe 



1 Über das Zeitalter des Petronius Arbiter. Rhein. Mus. II 
(1843) 50 u. 202. 



Literarhistorisches. 13 

ich nicht viel nachzutragen gefanden. Bei Petron tritt 
übrigens ein gewisses Sichgehenlassen in der Neigung, 
dieselben Ausdrücke wiederholt zu gebrauchen, hervor 1 . 

Dagegen ist die Sprache, in der Trimalchio und seine 
Mitfreigelassenen reden, die damalige süditalisohe Volks- 
sprache, allerdings nicht rein, sondern so weit »stilisiert«, 
daß sie nicht zu stark mit der Eleganz der Erzählung 
kontrastiert 2 : immerhin jedoch reich an vulgären Aus- 
drücken und Wendungen, Sprachfehlern und Idiotismen 
(und daher eine Hauptquelle unserer Kenntnis des Vulgär- 
lateins), namentlich aber an Sprichwörtern und sprich- 
wörtlichen Redensarten. 

Schon im Altertum 3 wurde der Roman des Petronius 
exzerpiert und ausgewählte Stücke daraus zusammen- 
gestellt, wobei die Kürzungen auch Änderungen zur Folge 
hatten. Diese Epitomierung hat den Untergang des Gan- 
zen beschleunigt. Mindestens seit dem siebenten Jahr- 
hundert existierte davon nicht mehr, als was wir besitzen. 
Die sämtlichen Handschriften stammen, wie die allen 
gemeinsamen Lücken und Korruptelen beweisen, aus einer 
Urhandschrift, die außerdem kleinere lateinische Gedichte 
und Glossensamn^lungen enthielt. Eine vollständige Ab- 
schrift derselben gibt es nicht; es ist im Mittelalter dar- 
aus mit verschiedener Auswahl bald mehr, bald weniger 
abgeschrieben worden. 

Den Anfang des Gastmahls (bis 37 Trimalchionis 
topanta est) enthielt (außer den übrigen Fragmenten des 
Petron) ein codex (wie es scheint des Cujacius), von dem 
Scaliger eine noch jetzt in Leyden befindliche Abschrift 



1 Vergl. die Anm. zu 26 interpellavit, 27 notaviraaa; cum bat 
ergo miraremur lautiti&s, 30 hilaretque convivae 63 excanduit u, a, 

* Klebe Philologns N F, I 8, 634, 1& 

* Für alle« Folgende wergl Bflebeler ed. I p, XI «gq. 



14 Literarhistorisches. 

(L) machte. Dieselbe (oder sehr ähnliche, aus demselben 
Original geflossene) sind in den Drucken, die bei Tornaes 
Leyden 1575 (1) und Patisson Paris 1587 (besorgt von 
P. Pithöus) (p) erschienen, benutzt. Die tibereinstimmende 
Überlieferung derselben ist am Bande des Textes mit L 
bezeichnet. Zu den Herausgebern der schon vor 1650 
bekannten Fragmente gehörte auch Jan van der Does 
(Janus Dousa) Herr von Nordwyk (1545—1604), Kom- 
mandant von Leyden während der Belagerung 1574; seine 
Ausgabe erschien 1585. 

Das vollständige Gastmahl enthält nur eine einzige, 
von einem verständnislosen Schreiber sehr nachlässig 
gemachte, mit allen Fehlern junger Handschriften (beson- 
ders Auslassungen von ein bis zwei Worten) behaftete 
Handschrift (H). Sie wurde erst um 1650 von Marinus 
Statilius in Trau (Tragurium) in Dalmatien gefunden und 
befindet sich jetzt in Paris. Gedruckt wurde das Stück 
zuerst in Padua 1664 und zu Ende desselben Jahres in 
Paris mit Emendationen und Konjekturen von Cajus Tile- 
bomenus (pseudonym für den Arzt Jac. Mentel) ; dann mit 
den Anmerkungen von Joh. Scheffer (1621 — 1679) in 
Upsala 1665 und mit denen von Th. Rein^sitts (1587—1667) 
in Leipzig 1666. Im Jahre 1669 gab Michael Hadrianides 
bei Jo. Blaeu in Amsterdam zum erstenmal die sämt- 
lichen Fragmente des Petron in der seitdem unverändert 
gebliebenen Gestalt heraus, dabei das Gastmahl nach 
einer völlig genauen Abschrift. Die Sammelausgaben von 
PBurmann (1688—1741) 1709 und 1743 enthalten die 
bis dahin unedierten Anmerkungen von Nicolaus Heinsius 
(1620 — 1681); auch die auf der Bibliothek zu Leyden 
befindlichen Anmerkungen von Jacob Gronov (1645 — 1716) 
sind darin reichlich benutzt. In der zweiten Burmann- 
schen Ausgabe hat Reiske (1716—1774) höchst willkürliche, 



literarhistorisches. 15 

meist verkehrte Änderungen des Textes vorgenommen. 
Auf Burmanns Text beruht im wesentlichen der von Anton 
(1745—1814) 1782S der in der Bipontina 1790 wieder- 
holt ist. Von den hier genannten Bearbeitern des Petron 
hat für den Text am meisten Heinsius, nächst ihm Scheffer 
geleistet. 

Die erhaltenen Bruchstücke erregten auch außerhalb 
der gelehrten Welt lebhaftes Interesse, besonders in Frank- 
reich, so bei den Stammgästen des Hotel Rambouillet; 
St. Evremond (1613—1703) nannte Petron 'durchaus be- 
wunderungswürdig'; der große Cond6 (1621 — 86), der einen 
Lektor eigens um sich Petron erklären zu lassen, besoldet 
haben soll, wohnte 1668 den Sitzungen von Gelehrten bei, 
in denen die Echtheit des Fragments von Trau erörtert 
wurde. Das Gefallen, das so weite Kreise an dem Roman 
fanden, veranlaßte 1693 einen Franzosen, Franz Nodot } 
ihn mit Ergänzungen herauszugeben, die er in einem aus 
Belgrad stammenden, vollständigem Exemplar gefunden 
haben wollte 2 : eine Fälschung, die trotz ihrer Plumpheit 
mehrere damalige Philologen täuschte. Um die Mitte des 
18. Jahrhunderts war Petron (ganz oder teilweise) bereits 
sechsmal ins Französische übersetzt. Ins Deutsche über- 
setzte ihn 1773 der Verfasser des Ardinghello, der in ihm 
einen Geistesverwandten zu erkennen glaubte 9 . In einer 



1 Petronii satyricon ex recensione Petri Burmanni pasßim re- 
ficta cum supplementis Nodotianis et fragmentis Petronianis. No- 
tas criticas addidit C. A. Anton. Lipsiae 1782. 8. 

2 Nach Petrequin Nouvelles rechercbes historiques et critiques 
sur Patrone (1869) p. 99 — 110 rührten sie nicht von ihm, sondern 
von Chorier und Linage her. 

3 Begebenheiten des Encolp, aus dem Satirikon (so) des Petron 
übersetzt. Rom [Schwabach] 1773. 2 Bände. 8. — Geheime Ge- 
schichte des römischen Hofes unter der Regierung des Kaisers 
Nero, aus dem Lateinischen des Petron übersetzt, mit einigen 



16 Literarhistorisches. 

unglaublich schamlosen Vorrede (»geschrieben während 
meiner Reise nach Italien, am den Winckelmannschen 
Apollo zu betrachten«) wendet er sich an die Anbeterinnen 
und Anbeter der Sokratischen Grazien als Leser und 
Leserinnen; die »triefaugigen, weinerlichen Dudeldumianer« 
scheinen ihm nur ein mutwilliges Gelächter zu verdienen. 
Am Hofe von Hannover wurde im Karneval des Jahres 
1702 das Gastmahl des Trimalchio aufgeführt Eine aus- 
führliche, von Leibniz auf den Wunsch der Königin 
Charlotte von Preußen (die selbst an der Aufführung teil- 
genommen hatte) für die Fürstin Luise von Hohenzollern- 
Hechingen verfaßte Beschreibung derselben folgt unten. 
Trimalchio wurde von einem Neffen der Kurfürstin von 
Hannover, dem Raugrafen Karl Moritz, seine Frau For- 
tunata von der bei der Königin in hoher Gunst stehenden 
schönen Hofdame Fräulein von Pöllnitz dargestellt 1 . Das 
Fest war von einer solchen Ausgelassenheit, daß der 
königliche Gemahl Sophie Charlottens ein Jahr lang den 
Teilnehmern grollte 2 . 

Eine mit größter Genauigkeit durchgeführte Wieder- 
holung von Trimalchios Gastmahl veranstaltete zu Saint 
Cloud der Abbe Margon in der Zeit der Regentschaft 
(1715—23). Er verwendete darauf die Summe von 30000 
Francs, die er von dem Regenten zum Geschenk erhalten 
hatte. Der Regent wohnte der Aufführung bei und er- 
klärte, nie etwas so Originelles gesehen zu haben 3 . 

Daß Petronius zu den Lieblingsautoren des achtzehnten 



Anmerkungen. Rom [Schwabach] 1773. 2 Bände. 8. Vergl. Gödeke, 
Grundriss z. Gesch. d. deutschen Dichtung 112 1862 S. 676 und 
Matthisson Schriften (Zürich 1825) II 105. 

1 Vehse, Geschichte der deutschen Höfe Bd. II S. 61 ff. 

2 Guhrauer, Leibniz II 191. 

3 Pötrequin p. 110 f. 



Literarhistorisches. 17 

Jahrhunderts gehörte 1 , ist ebenso begreiflich, als daß er in 
der ersten Hälfte des neunzehnten geflissentlich gemieden 
wurde. In der von N. E. Lemaire unter dem Patronat 
Ludwigs XVIII 1819—23 in 132 Bänden herausgegebenen 
Bibliotheca classica latina (in der Luorez nur mit großem 
Widerstreben zugelassen wurde) mußte er durch Abwesen- 
heit glänzen 2 . Die Absicht, ihn neu herauszugeben, hatten 
Friedrich Jacobs (1764—1847) und Otto Jahn (1813—1869); 
doch keiner von beiden hat sie ausgeführt. Der letztere, 
der die Aufzeichnungen des ersteren erworben hatte, trat 
seinen ganzen Apparat an Franz Bücheier ab, dessen erste 
Ausgabe 1862 erschien. Durch ihn hat der Text nicht 
bloß zum erstenmal eine methodisch festgestellte, durch- 
aus zuverlässige und soweit als möglich vollständige 
Grundlage erhalten, sondern ist auch seiner ursprüng- 
lichen Gestalt erheblich näher gebracht worden, sowohl 
durch eine so gut wie vollständige Benutzung der gelun- 
genen Verbesserungen früherer Bearbeiter, als durch sehr 
zahlreiche glückliche neue des Herausgebers. Durch drei 
auf diese Ausgabe folgende Revisionen (1871, 1882, 1904) 
hat Bücheier den Text immer mehr von Fehlern gereinigt 
Der von mir gegebene Text des > Gastmahls« ist im 
wesentlichen durchaus der seiner letzten Ausgabe, die 
nicht zahlreichen Abweichungen sind großenteils dadurch 
veranlaßt, daß hier der Vermutung und dem subjektiven 
Ermessen mehr Spielraum gegeben ist als anderwärts; 
einige derselben haben Büchelers Zustimmung erhalten. 
Durch ausführliche Mitteilung seiner Ansichten über eine 
Reihe fraglicher Textstellen, sowie durch zahlreiche wert- 



1 Über das von dem Spanier Marchäna 1800 veröffentlichte an- 
geblich neue Fragment (Ergänzung von c. 26) s. Pätrequin p. 185—187 
und Collignon P. au moyen äge etc. p. 45. 

2 PStrequin p. 162. 

Petronii Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 2 



18 Literarhistorisches, 

volle Beiträge zur Erklärung hat er mich bei meiner 
Arbeit aufs freundlichste unterstützt. 

In meiner Übersetzung habe ich mich bemüht, den 
Ton des Originals wiederzugeben, doch allerdings nur, 
soweit dies ohne Reproduktion der in den Reden der Frei- 
gelassenen so überaus zahlreichen Idiotismen und Sprach* 
fehler geschehen konnte. Sprichwörter und sprichwört- 
liche Redensarten habe ich, soweit es erforderlich schien, 
durch entsprechende jetzt übliche zu ersetzen gesucht. 
Eine ähnliche Freiheit mußte ich mir bei Wortspielen 
nehmen. An unverständlichen oder zweifelhaften Stellen 
ist gesetzt, was der Sinn zu fordern oder zuzulassen schien. 
Sonst ist die Übersetzung möglichst treu. 

Das Verständnis des »Gastmahls« ist durch das große, 
jetzt benutzbare inschriftliche Material sowohl sachlich 
als sprachlich sehr gefördert worden. Den Inschriften 
verdanken wir die wertvollsten Aufschlüsse über die Zu- 
stände der Munizipien und Kolonien Italiens, und da die 
Unterhaltung am Tische Trimalchios die Kenntnis der- 
selben teils voraussetzt, teils hier und da ergänzt, wird 
eine Zusammenstellung der wichtigsten und am meisten 
charakteristischen Erscheinungen des Städtewesens im 
damaligen Italien manchen Lesern erwünscht sein. Auch 
unsre Kenntnis des Vulgärlateins ist durch die Inschriften 
eine umfassendere und eindringendere geworden. 

Ich benutze die Gelegenheit, um den Herren G Gröber 
in Straßburg, EHübner in Berlin (f 1901), FHvltsch in 
Dresden, RKöfder in Weimar (f 1892), ÄMau in Rom und 
meinen Kollegen WFleischmann, ALudwich und ASchöne 
in Königsberg für die Beantwortung meiner an sie gerich- 
teten Fragen, sowie Herrn AHolder in Karlsruhe für die 
mir bei meiner Arbeit mehrfach gewährte freundliche 
Unterstützung meinen besten Dank zu sagen. 

Königsberg. 1891. 



Leibnitz a princesse Louise. 19 

In der vorliegenden zweiten Ausgabe ist dieser erste 
Abschnitt zum Teil umgearbeitet. Der Worterklärung ist 
am meisten die wol erschöpfende Verwertung der Glossen 
(von deren kritisch begründetem Text mir 1891 erst zwei 
Bände vorlagen) in der ausgezeichneten, eine Fülle von 
Belehrung enthaltenden Arbeit von W Heraus c Die Sprache 
des Petroniu8 und die Glossen 3 (1899) zu gute gekommen. 
Derselbe Gelehrte hat die Güte gehabt, mir seine sehr 
zahlreichen noch unveröffentlichten Bemerkungen zur Cena 
Trimalchionis mitzuteilen. Wertvolle Beiträge zur Wort- 
erklärung verdanke ich ferner einem der besten Kenner 
des lateinischen Sprachgebrauchs, meinem unvergeßlichen 
Freunde CFWMüller (f 1. Juni 1903). Endlich bin ich 
auch meinen Freunden Offirschfeld, EKlebs, Ad. Michaelis 
und Th. Nöldeke für ihre Mitteilungen, sowie den Herren 
MBartoli und OLend in Straßburg und AMau in Rom für 
die Beantwortung meiner an sie gerichteten Fragen zu 
Dank verpflichtet. 

Straßburg. Juni 1906. 



2. Leibnitz a Madame la princesse Lonise 
de Hohenzollern. Hannovre 25. Fevr. 1702 

bei Feder Commercii epistolici Leibnitiani typis nondum vul- 
gati selecta specimina. Hannoverae 1805 p. 464 ff. 

Madame 
Ayant 6t6 ä Berlin ou ä Luzenbourg l'automne pass6 
et le commencement de Phiver jusqu'ä ce que la Reine 
est venue ici, j'ai entendu plus d'une fois, combien S. M. 
etoit touchee de la maladie et des incommoditäs de V. 
A. S. tant a cause de Taffection qu'EUe vous porte, 

2* 



20 Leibnitz & princesse Louise. 

Madame, que parce que cela la privoit de l'avantage de 
vous voir. Maintenant esp6rant sur les nouvelles qu'EUe 
a regues de votre part, que V. A. sera remise ou achfe- 
vera bientöt de se retablir entierement, Elle se flatte de 
vous poss6der F6t6 qui vient, et s'en fait une joie par 
avance. 

Elle a voulu cependant, (Madame, que je vous fisse 
un petit recit de ce qui se fait ici, ou Elle ne se divertit 
pas mal, aussi bien que Madame la duchesse de Cour- 
lande. Les masques et bals, le jeu, la comedie se rele- 
vent l'un l'autre; il y a quelques fois des interm&des qui 
servent ä varier les plaisirs. On fit un festin dernifere- 
ment ä la Romaine, qui devoit repr^senter celui du ce- 
l&bre Trimalcion, dont Patrone a fait la description. Le 
Trimalcion moderne 6tait Mr. le Baugrave et sa femme 
Portunata 6tait repr6sent6e par M delle de Poelnitz qui dis- 
posoit toutes choses, comme l'aneienne Fortunata dans 
la maison de son Trimalcion. II y avoit des lits pour 
les conviis dont les principaux etoient la Keine, Mon- 
seigr l'Electeur et Msgr le duc Erneste Auguste. Mais 
Madame l'Electrice, Msgr le duc de Zell et d'autres prin- 
cipaut6s n'y vinrent que pour voir. On voyoit les tro- 
phees d'armes de Trimalcion, c'ötoient des bouteilles 
vuidees. II y avoit aussi quantitä de dövises, qui mar- 
quoient ses belles qualites, surtout son courage et son 
esprit. Lorsque les convi^s entroient dans la salle, un 
esclave crioit le pied droit devant. On etoit d6jä plac6 
dans les lits, et Eumolpe r6citoit les louanges en vers 
du grand Trimalcion, lorsqu'il arriva lui mgme porte sur 
une machine, pr6c6d6 des chasseurs, tambours, musiciens, 
esclaves, et tout cela faisoit bien de bruit. On chantoit 
des vers k sa louange, comme p. e. 



Leibnitz ä princesse Louise. 21 

A la cour comme ä l'armee on connoit sa renomee, 
II ne craint point les hazards ni de Bachus ni de Mars. 
Ses grandes actions de Pesearet, de Vienne et d'autres 
lieux, et particuli&rement la mani&re dont il s'etoit pris 
pour ammolir le coeur de Madame de Winzingerode» 
comme Annibal les rochers des Alpes, c'&oient les sujets 
des vers. En cette mani&re ayant fait plus d'une fois 
le tour de la salle comme en triomphe, il se pla§a sur 
son lit et se mit ä manger et ä boire, invitant les con- 
vi6s fort gracieusement ä Pimiter. Son 6cuyer tranchant 
s'appelloit Monsieur Coupt, en fin que disant coupt il püt 
l'appeller et Commander en meme tems. C'ätoit comme 
le Garpus dans Petrone, ä qui le maitre disoit carpe, ce 
qui signifie autant que coupez. On vit une poule dont 
les oeufs lorsqu'on les ouvrit, furent sur le point d'gtre 
jettes, oar on crut qu'il y avoit des poussins, mais c'etoient 
des ortolans. On vit des petits enfants portant des pätee 
et des oiseaux s'envolant d'un autre päte que les chasseurs 
reprirent. Un äne portant des olives et plusieurs autres 
figures extraordinaires, qui diversifioient le festin et sur- 
prenoient les spectateurs; le tout ä Pimitation de Porigi- 
nal romain. II y avoit meme un Zodiaque avec des mets 
qui repondoient aux douze signes, et Trimaloion se mit 
ä debiter lä dessus une fort plaisante astrologie. For- 
tunata fut appellee plusieurs fois avant que de se vouloir 
mettre a table, car tout rouloit sur eile. Trimalcion 
6tant en humeur de cracher Erudition, fit apporter le ca- 
talogue de sa bibliothfeque burlesque, et a mesure qu'on 
nommoit les livres en lisant le catalogue, il en disoit les 
beaux endroits, ou en faisoit la critique. On ne but que 
du Falerne, et Trimalcion, qui pr6ffere celui de Hongrie 
ä tout autre, se menagea pourtant assez pour Pamour 
des conviös. II est vrai, qu'ä P6gard de ses necessit6s 



22 Leibnitz ä princesse Louise. 

il ne se contraignit point. Car se trouvant pressä il sortit 
et rentra en cer6monie. D'ailleurs nn pot de chambre 
d'une grandeur enorme, oü il auroit pu se noyer la nuit, 
le suivoit partout. II disoit que c'etoit celui que Bachus 
avoit jett6 ä la töte d'un geant pour le terrasser dans la 
Gigantomachie, quand le grand Encelade voulut escala- 
der le ciel. Enfin contemplant sa f61icite et la vanite 
en meme tems des grandeurs de ce monde, il fit apporter 
et lire son testament; oii il ordonnoit comme il vouloit 
etre enterr6, et quel monument on lui devoit dresser, et 
faisoit des legs, le tout d'une manifere assez dröle. II 
affranchit ses esclaves, qui pendant la lecture du testa- 
ment faisoient des grimaces et des exclamations lamen- 
tables. Mais dans le festin meme il donna sur le champ 
la liberte ä celui qui s'appelloit Bachus, faisant le fier 
qu'il avoit des dieux en sa puissance. L'esclave alla 
prendre d'abord le ehapeau, marque de la libert6. "Lors- 
que le maitre buvoit, ces memes esolaves faisoient un 
bruit qui ressembloit au bruit des canons, ou plütöt au 
tonnerre de Jupiter qui 6toit de bon augure, s'il venoit 
du cöte gauche. 

Mais au milieu de la rejouissance la deesse de la 
discorde y jetta une de ses pommes. Une quereile s'eleva 
entre Trimaleion et Fortunata, il lui jetta un verre et on 
eut de la peine ä les accorder. On en vint pourtant a 
bout, le tout se termina le plus agreablement du monde. 
La procession avec des corps de chasse, tambours, in- 
struments de musique et chants, finit comme eile avoit 
commenc6. Et pour ne rien dire de Fortunata, on peut 
dire que Trimaleion s'est surpass6 lui meme. 

Je voudrois qu'on en fit une description plus com- 
plfete pour rdjouir V. A. S. Pour moi j'ai voulu me ser- 
vir de cette occasion ä fin de marquer au moins, combien 



Städtewesen in Italien. 23 

je souhaite de me conserver l'honneur de ses bonnes 
gräces, 6tant avec respect 
Madame 

de V. A. S. 
le tr&s humble et tr&s obeissant serviteur 
Leibnitz. 



3. Städtewesen in Italien im ersten Jahrhundert. 1 

i. 

Die Nähe einer Stadt kündigte sich dem Beisenden 
im alten Italien dnrch dreierlei an: durch Landhäuser, 
Gärten und Grabdenkmäler. Die Sitte, die heiße Jahres- 
zeit auf dem Lande zuzubringen, war allgemein, und an 
Orten, die sich durch Gesundheit oder Schönheit der Lage 
auszeichneten, erhoben sich zwischen den Villen der Stadt- 
bewohner auch Paläste römischer Senatoren und selbst 
der Kaiser, da die Großen und Reichen Wert darauf 
legten, so viele Landhäuser zu besitzen, daß sie jede 
Jahreszeit in einem besonders geeigneten Klima zubringen 
konnten 2 . Die Parke und Gärten, die diese Villen um- 
gaben, glichen in ihrer Anlage, in ihrer Ausstattung mit 
geschorenen Wänden und Hecken, künstlich zugestutzten 
Bäumen, Wasserkünsten und Statuen, den modernen ita- 
lienischen 8 ; doch fehlten ihnen mehrere Bäume und 
Pflanzen, die wir als charakteristisch für die Vegetation 
Italiens zu betrachten gewohnt sind, vor allem die Zitrone 
und Orange. Andere waren damals noch neu. Pfirsiche und 



1 Zuerst gedruckt in der Deutschen Bundschau 1879 Bd. XIX 
S. 210 ff. 2 SG I 246 f. II 107 f. III 100 ff. 3 SG II 267 ff. 



24 Städtewesen in Italien. 

Aprikosen waren erst im Laufe des ersten Jahrhunderts 
eingeführt worden, die Pistazie in dessen erstem Drittel, 
und um die Zeit der Verschüttung Pompejis erregten die 
ersten Melonen durch Duft und Gestalt in den Gärten 
Gampaniens das Interesse der Naturforscher und Garten- 
freunde 1 . Außer diesen Lustgärten umgab jede größere 
Stadt ein ihrer Größe entsprechender Eayon von Handels- 
gärten, in welchen die Luft oft von Übeln Gerüchen er- 
füllt war, da ihnen unterirdische Eöhrenleitungen Dung- 
stoffe aus den städtischen Kloaken zuführten 2 . Daß in 
der Zeit der Verschattung Pompejis Ackerbau und Garten- 
wirtschaft, sowie die dazu gehörige Tierzucht, so gut wie 
ganz aus der Stadt verdrängt war, ergibt sich aus der 
geringen Zahl der dort gefundenen Tiergerippe, da doch, 
mit Ausnahme der Hunde, fast alle Tiere in jener Kata- 
strophe umgekommen sein müssen. In den zwölf Jahren 
1861 — 1872 fand man in Pompeji außer 93 menschlichen 
Skeletten 3 von Hunden, 7 von Pferden, 11 von Hühnern, 
2 von Schildkröten, 1 von einem Schwein 3 . In jenen 
Gärten vor den Toren wurden auf großen Feldern Lilien, 
Rosen und Violen (d. h. Levkojen und Goldlack) 4 teils 
zur Fabrikation wohlriechender Essenzen 5 , teils zur un- 
mittelbaren Verwendung gezogen. Der Blumenluxus des 
Tömischen Altertums bestand hauptsächlich in einem mas- 
senhaften Verbrauch dieser drei und einiger anderer 
Gattungen zur Bekränzung, zum Bestreuen von Ruhe- 
betten und Fußböden bei Festen, zum Schmuck der 
Wohnungen und Gräber. Öl-, Wein-, Obst- und Gemüse- 
gärten versorgten oft nicht bloß die Märkte der Stadt, 
zu welcher sie gehörten, sondern auch entferntere: aus 

i SG m 61 f. 2 SG III 172. 3 Nissen Pompejan. Stu- 

dien 571. * SG III 110; II 284 ff. * Blümner Gewerbl. Tätig- 
keit d. Völker d. klass. Altertums 116. 



Städtewesen in Italien. 25 

Pompeji wurden z. B. Wein, Kohl, Feigen und Zwiebeln 
ausgeführt 1 . Gemüse war neben dem fast ausschließlich 
aus überseeischen Ländern, namentlich Afrika und Ägyp- 
* ten, eingeführten Weizen die Hauptvolksnahrung, wie 
Wein das allgemeine Getränk, und Öl vertrat auch in 
der antiken italienischen Küche die Stelle der Butter, 
welche die Alten nur als Medikament verwendeten 2 . Auch 
die Grabdenkmäler, welche so gut wie überall außerhalb 
der Städte zu beiden Seiten der Landstraßen lagen 3 (ob- 
wohl in manchen Stadtrechten das Begraben der Toten 
innerhalb der Mauern dem allgemeinen Gebot zuwider 
gestattet war, bis Hadrian dies durch ein Reskript auf- 
hob) 4 , waren oft von gartenartigen Anlagen eingefaßt 6 . 

Zwischen solchen Umgebungen gelangte man, etwa 
durch eine von kleinen Leuten, wie Maultiertreibern und 
Fuhrleuten, bewohnte Vorstadt 6 , zu einem Tor der inneren 
Stadt. Auch die früher befestigten Städte waren damals 
offne. Seit der allgemeine Friede durch das römische 
Weltreich für immer gesichert schien, und der Gedanke 
an eine Bedrohung seines Zentrallandes Italien vollends 
fernlag, waren die zinnengekrönten und turmbewehrten 
Mauern, wie auch Pompeji sie hat, zwecklos geworden 
und wurden eingerissen, wo sie dem wachsenden Verkehr 
hinderlich waren; wie sie auch in Pompeji auf der ganzen 
Strecke vom Forum Trianguläre bis zum Herkulanertor 
durch dreistöckige Häuser ersetzt sind 7 . 

Die Straßen glichen denen der heutigen orientalischen 
Städte: wie hier gab es Straßen mit und Straßen ohne 



i Nissen P.St. 267. 2 Marquardt Prl. I 328, 2. 3 Petron. 62 
venimus intra monumenta. SG III 771. 4 Ulpian. Digg. XLVII 
12, 396. * SG III 759. « SG I 73, 1. t Overbeck-Mau 

Pompeji« (1884) 42. 



26 Städtewesen in Italien. 

Läden 1 . Die letzteren waren die vornehmeren, wie z. B. 
die jetzt so genannte Merkurstraße in Pompeji mit einer 
Reihe sehr stattlicher Häuser mit Recht als strada della 
Signoria bezeichnet worden ist 2 . Diese Straßen waren 
überaus still und tot; ihren Fronten fehlten die Reihen 
von Fenstern, die wir als deren belebendes Element zu 
betrachten gewohnt sind. Man ging hier wie zwischen 
Gartenmauern, die von Zeit zu Zeit durch verschlossene 
Türen unterbrochen waren, und sah in den oberen Stock- 
werken nur hier und da mit . Holzläden verschlossene 
Fenster und erkerartige Vorbauten 3 . Im römischen Wohn- 
hause lagen die Zimmer rings um innere Höfe, von denen 
aus sie ihr Licht empfingen (eine Bauart, die sich in 
Europa nur noch in den Patios von Sevilla erhalten hat); 
Fenster auf der Straßenseite wurden im Erdgeschoß gar 
nicht, in den oberen Stockwerken vereinzelt und unregel- 
mäßig angebracht. Es ist die (um 1330 in Frankreich 
gemachte) Erfindung des weißen durchsichtigen Glases 
gewesen, die mit dem Hausbau auch das Aussehen der 
Straßenfronten allmählich völlig umgestaltet bat 4 . Doch 
sind die Glasfenster, die in Deutschland seit dem 16. Jahr- 
hundert in Bürgerhäusern Eingang gefunden haben, in 
Italien erst viel später allgemein geworden: noch im 
18. Jahrhundert sah man dort in den größten Städten wie 
Florenz und Mailand, die Fensteröffnungen vielfach mit 
Papier verklebt 6 . 

So still und einsam in den antiken Städten die Straßen 
ohne Läden waren, so sehr waren die eigentlichen Ver- 
kehrsstraßen von Geräusch und Getümmel erfüllt 6 . Hier 
waren die Mauern der Erdgeschosse durchweg von Vor- 



i Das. 57. Mau Pompeji in Leben und Kunst (1900) S. 112 u. 269. 
2 Nissen 544. 3 Nissen 28. Overbeck-Mau 266. * Nissen 597. 
5 Nach Keyssler (1729—1731). « Overbeck-Mau 57 u. 376 ff. 



Städtewesen in Italien. 27 

bauten verdeckt, die, in ihrer ganzen Breite auf die Straße 
öffnend, den freiesten Einblick in ihr Inneres gestatteten, 
falls sie nicht durch Vorhänge geschlossen waren. Sie 
dienten als Läden, Werkstätten, Geschäftslokale und 
Restaurationen. Da reichte der Händler in losgegürteter 
Tunica dem Kunden die Ware über den gemauerten 
Ladentisch; da arbeiteten Handwerker aller Art in Kappe 
und Schurzfell auf ihrem Schemel; da nahmen kleine 
Leute ihre Mahlzeiten in rauchgeschwärzten Garküchen 
und ließen sich einen T Trunk aus der an den Pfeiler ge- 
ketteten Weinflasche einschenken; da rasierten die Bar- 
biere ihre Kunden halb auf offener Straße 1 . In solchen 
Lokalen arbeiteten auch Maler und Bildhauer und stellten 
ihre fertigen Arbeiten zur Schau; erteilten Ärzte ihren 
Bat, schröpften und operierten; ließen Schullehrer ihre 
Kinder im Chor buchstabieren, und nahmen Züchtigungen 
vor den Augen des Publikums vor. In den Lokalen der 
Ärzte und Barbiere kam man, wie jetzt an kleineren 
Orten Italiens in den Apotheken, zur Unterhaltung zu- 
sammen 2 . 

Die Straßen waren verhältnismäßig schmal, was man 
wegen des reichlichen Schattens mit Recht für gesünder 
hielt 3 ; in Pompeji sind die fünf durchlaufenden Haupt- 
straßen noch nicht 8 Meter, die Nebengassen etwa 4, die 
schmälsten Gäßchen 2y 2 bis 3 Meter breit 4 . Aber trotz 
dieser Schmalheit und der Verengung durch Vorbauten 
war das Gedränge lange nicht so gefährlich, als z. B. auf 
dem Toledo zu Neapel. Denn erstens hatten die Straßen 
Trottoirs, die in Pompeji zusammengenommen die Breite 
des Fahrdammes haben 6 ; sodann war das Reiten und 



i SG 1 10. 2 SG I 420, 7. 3 Tac. A. XV 43. * Nissen 
544 u. 667. Overbeck-Mau 58. Mau Pompeji S. 210. & Overbeck- 
Mau 58. 



28 Städtewesen in Italien. 

Fahren von Personen, mit Ausnahme der letzten Tages- 
stunden, in welchen der Verkehr schon sehr abgenommen 
hatte, verboten, und Keisende passierten daher die Städte 
oft bei Nacht 1 . Das Pflaster war überall vortrefflich, 
wenn möglich aus Lava, wie in Pompeji, welches an- 
nähernd eine Million Quadratfuß Lavapflaster besitzt 2 ; 
die Fahrdämme bestanden aus genau aneinander gepaßten 
polygonen Platten. Im Mittelalter ist (abgesehen von dem 
arabischen Spanien) die Straßenpflasterung zuerst (bereits 
vor dem Jahre 1000) in Palermo 3 , dann in Paris (zu Ende 
des 1£. Jahrhunderts) begonnen worden und hat sich in 
den Städten Mittel- und Nordeuropas sehr langsam ver- 
breitet. Dresden hat erst im 16., Berlin erst im 17. Jahr- 
hundert Straßenpflaster erhalten 4 . Straßenbeleuchtung ist 
dagegen im Altertum eben so unbekannt gewesen, wie 
im Mittelalter. Die Vorbauten der Häuser wurden nachts 
durch Bretterwände geschlossen, durch Riegel und Ketten 
gesichert 5 ; die Inhaber schliefen teils darin, teils in 
darüber befindlichen Wohnräumen, die ihnen von den 
Hausbesitzern mit vermietet waren 6 . 

Wie in Pompeji Häuser von mehr als einem Ober- 
geschoß zu den Ausnahmen gehörten 7 , so wahrscheinlich 
auch in der Mehrzahl der Städte Italiens. Denn die 
Gründe, die in Rom das Aufsetzen zahlreicher Stockwerke 
herbeiführten, der hohe Wert des Bodens und eine stetige 
Zunahme der Bevölkerung, können dort, wenn überhaupt, 
nur ausnahmsweise eingetreten sein. 

i SG I 73 f. 2 Nissen 523. » Hartwig Aus Sicilien 1869 

II 158: Nach Cordova (das Abderrhaman II um 850 pflastern ließ) 
scheint Palermo die erste Stadt Europas gewesen zu sein, in der 
(nach Ibn Haukai) wenigstens die Hauptstraße vor dem Jahre 1000 
unserer Ära mit Steinplatten belegt war. * Nissen 517. SG 

III 26, 3. 5 Juvenal 3, 303 sq. « Overbeck-Mau 376 ff. SG I 66. 
t Nissen 377. 



Städtewesen in Italien. 29 

Die Hauptstraßen führten von den Toren zum Mittel- 
punkte der Stadt, dem Forum, das oft zugleich Piazza und 
Markt, mit Fliesen gepflastert, von den schönsten, mit 
Säulenreihen prangenden öffentlichen Gebäuden, nament- 
lich Basiliken und Tempeln umgeben, mit Statuen (beson- 
ders auch verdienter Bürger) reich geschmückt und für den 
Wagenverkehr wol immer ganz abgesperrt war. 

Die Straßenmauern der Häuser sah man vielfach mit 
Anzeigen bedeckt, die in Pompeji mit Mennig angemalt 
sind. Etwas einer Zeitung Ähnliches hatte nur die Stadt 
Rom, wo täglich auf einer geweißten Holztafel ein amt- 
licher Bericht über die städtischen Ereignisse von allge- 
meinem Interesse ausgestellt wurde: zahlreiche Abschriften 
desselben gingen fort und fort in das ganze Reich, und 
wurden in den Provinzen mit Begierde gelesen, oft mit 
Spannung erwartet 1 . Um so mehr muß dieser römische 
Tagesanzeiger in allen Städten Italiens seine Abonnenten 
gehabt haben, da man dort alles, was in der Hauptstadt 
geschah, mit größtem Interesse verfolgte, und die römi- 
schen Moden und Einrichtungen nachzuahmen bemüht war. 
In Ermangelung einer solchen Tageszeitung bediente man 
sich in diesen Städten zum Anschreiben von Anzeigen der 
Häusermauern und der Mauern der Grabdenkmäler 2 . Dies 
zu verbieten hatten die Besitzer offenbar kein Recht; sie 
konnten es nur verbitten, was zuweilen durch Inschriften 
geschieht, oder man ließ zwei Schlangen malen, die, als 
Bilder der Schutzgottheiten des Hauses, jede Verunstal- 
tung desselben verhindern sollten. Das Schreiben der 



* Hübner de senat. p. q. E. actis. 2 pur a n e s Folgende: 

CIL IV. Kiessling N. Jahrbb. 1872 S. 67 ff. Overbeck-Mau 468 ff. 
Willems Les ßlections municipales ä Pompei, Bull, de TAcad. de 
Belgique 1886 p. 61—190 (auch besonders erschienen). Mau Pompeji 
S. 473—76. 



30 Stadtewesen in Italien. 

Anzeigen war ein Gewerbe; in Pompeji zeigen die den 
letzten Jahren der Stadt angehörigen durch die Gleich- 
förmigkeit der Schriftzüge, daß sie von denselben Händen 
herrühren. Es sind (außer Anzeigen bevorstehender Schau- 
spiele, zu vermietender Wohnungen, gestohlener Sachen) 
fast ausschließlich Aufrufe und Empfehlungen zu den 
Wahlen für die städtischen Ämter. Unter 1300—1400 
solchen von den Mauern Pompejis kopierten 1 überwie- 
gen in der letzten Zeit die auf die Wahlen der Ädilen 
bezüglichen, da die Amtsbefugnisse derselben, als der 
Polizeibeamten, am meisten in das Leben der kleinen 
Leute eingriffen. Neben allgemeinen Empfehlungen der 
Kandidaten als ehrenwerter, höchst ehrenwerter, würdi- 
ger junger Männer, finden sich auch speziellere: »Wählt 
den Gajus Julius Polybius: er schafft gutes Brot! Wählt 
den Bruttius Baibus (zum Duumvirn): er wird die Stadt- 
kasse in Ordnung halten!« Unterzeichnet sind diese Auf- 
rufe nicht bloß von Stimmberechtigten, denn hier und da 
stehen auch Frauennamen darunter. Teils gehen sie von 
einzelnen aus, teils von mehreren in Gemeinschaft (z. B. 
von einem Kaufmann mit seinen Kunden, von einem 
Meister »mit seine Lehrlinge«); hauptsächlich aber von 
Vereinen, Gilden und Genossenschaften, und auch hier 
zeigt sich, welche Bedeutung das Vereinswesen für das 
städtische Leben hatte. Bei der Wahlbewegung in Pompeji 
finden wir beteiligt oder berücksichtigt: die Innungen der 
Holzfuhrleute, Salinenarbeiter, Maultiertreiber, Sackträger; 
ferner der Färber, Walker, Mantelhändler, Parfümerie- 
und Fruchthändler, Bäcker, Gastwirte, Barbiere, Gold^ 
schmiede; einen Ballspielklub, endlich zwei religiöse 
Brüderschaften, die Verehrer der Isis und der Venus. 



i Willems p. 54. 



Städtewesen in Italien, 31 

Die letztere war die Stadtgöttin von Pompeji, das auch 
offiziell > Venusstadt« genannt wird. Wahrscheinlich sind 
übrigens alle derartigen Vereine ursprünglich religiöse, 
d. h. zum Zweck des Kultus einer bestimmten Gottheit 
zusammengetretene gewesen, wie auch im Mittelalter die 
Innungen und Zünfte ihre bestimmten Heiligen verehrten. 
In den Städten Italiens scheinen Vereine »der jungen 
Männer« oder »der Jugend« sehr gewöhnlich gewesen zu 
sein, die öfter den Herkules als Schutzgott verehrten 1 ; 
ihre mehrfach erwähnten Spiele mögen zu den beliebtesten 
städtischen Lustbarkeiten gehört haben. Auch sonst veran- 
stalteten die Vereine Feste und Aufzüge, bei welchen letz- 
teren ohne Zweifel die Bilder ihrer Schutzgottheiten in Pro- 
zession getragen wurden 2 . Das ganze Vereinswesen war 
streng beaufsichtigt, zur Bildung neuer Vereine bedurfte 
es besonderer Erlaubnis des Kaisers oder des Senats, die 
offenbar nur sparsam und mit großer Vorsicht bewilligt 
wurde: ohne eine solche waren nur die Sterbekassen- 
vereine der kleinen Leute gestattet, die ohne Zweifel 
nirgend fehlten 3 . In manchen Städten gab es Veteranen- 
vereine, deren im Dienst ergraute Mitglieder jahrelang 
am Ehein oder am Euphrat gestanden haben mochten, 
und nun den Rest ihres Lebens an ihrem Heimatsort 
verbrachten 4 . 

IL 

Die städtische Verfassung war im wesentlichen un- 
verändert aus der republikanischen Zeit in die monar- 
chische tibergegangen 5 , in deren erster Periode die Städte 



i Henzen-Orelli III Ind. p. 173. 2 SG I 307, 2. 3 Mar- 

quardt StV III 140 ff. * Wilmanns E. I. II Ind. p. 636. 5 Für 

alles Folgende vgl. Marquardt StV I 132—208 und den Abschnitt 
Res municipales in den Indices von CIL X 2 u. XIV, Henzen-Orelli 
und Wilmanns. 



32 Städtewesen in Italien. 

die vollste Freiheit der Selbstverwaltung behielten; das 
Recht, ihre Beamten zu wählen, haben sie auch später 
behalten, wenngleich dessen Ausübung je länger je mehr 
auf eine Akklamation zu den vom Gemeinderate getrof- 
fenen Vorwahlen hinauslief 1 . Die Wahlen erfolgten stets 
auf ein Jahr, und die regelmäßig wiederkehrenden Wahl- 
bewegungen erregten, wie sehr sie auch Stürmen im Glase 
Wasser gleichen mochten, in der frühern Zeit zuweilen 
die Bevölkerungen aufs tiefste: so kamen z. B. im Jahre 
4 n. Chr. in Pisa wegen der Wühlereien der Bewerber 
überhaupt keine Wahlen zustande 2 . Das höchste Amt 
war das der beiden Duumvirn oder Gerichtsherren, mit 
deren Namen, wie mit denen der Konsuln in Born, in der 
städtischen Zeitrechnung das Jahr bezeichnet wurde. Sie 
führten den Vorsitz im Senat und in der Bürgerschaft, 
übten die Zivilgerichtsbarkeit bis zu einer gewissen Höhe 
des Streitobjekts und auch die Kriminalgerichtsbarkeit, 
bis sie im Lauf des ersten Jahrhunderts auf die kaiser- 
lichen Reichsbeamten überging. In Zwischenräumen 
von je fünf Jahren stellten die gerade im Amt befind- 
lichen Duumvirn den Etat der städtischen Einnahmen und 
Ausgaben auf, und wegen dieser erweiterten Kompetenz, 
zu welcher auch die Feststellung der Senats- und Bürger- 
listen gehörte, hatten diese sogenannten Quinquennalen 
einen höheren Rang als die sonstigen Duumvirn. Den 
letzteren im Range zunächst standen die beiden Ädilen 
oder Polizeiherren. Zu ihrer Kompetenz gehörte die Auf- 
sicht über die Straßen 3 , ferner über öffentliche Gebäude, 
Bäder und Märkte, namentlich die Sorge fftr die Zufuhr 
und die Kontrolle der Maße und Gewichte; auch hatten 



i Mommsen StR III 1, 349—351. 2 Orelli 643. 3 Marquardt 
StV I 166, 7. 



Städtewesen in Italien. 33 

sie ein gewisses Züchtigungsrecht gegen die Marktbesucher. 
In manchen Städten gab es auch besondere Kassenbeamte 
(Quästoren), aber nicht in allen. 

Die Ehrenrechte der städtischen Beamten waren: die 
Tracht der römischen Magistrate (eine Toga mit einem 
Purpursaum) und der kurdische Stuhl (ein Klappstuhl 
ohne Lehne) ; auch traten ihnen Liktoren voraus, die aber 
nur Stöcke, keine Beile führten. 

Die Bedingungen der Wählbarkeit zu den städtischen 
Ämtern waren: freie Geburt, Unbescholtenheit, ein Alter 
von 25 Jahren, der Nachweis eines gewissen Vermögens; 
endlich durfte der zu Wählende kein unanständiges Ge- 
werbe betreiben. Zu diesen gehörten nicht bloß diejeni- 
gen, die nach römischem Becht bürgerliche Ehrlosigkeit 
zur Folge hatten, wie das des Kupplers, des Schauspie- 
lers und Gladiators, sondern auch das des Auktionsaus- 
rufers (vermutlich weil es dem des Spaßmachers verwandt 
war), des Leichenbesorgers und Ordners von Leichen- 
zügen. Die Amter mußten in der gesetzlichen Beihenfolge 
bekleidet werden, so daß man vom untersten zum ober- 
sten aufrückte; und eine zweimalige Bekleidung desselben 
Amtes konnte nur nach einem Zwischenräume von fünf 
Jahren erfolgen. Das nachzuweisende Vermögen betrug 
an mehreren Orten, z. B. in Comum, etwa 20000 Mark, 
in größeren Städten ohne Zweifel mehr; in Padua, der 
damals bedeutendsten Stadt Oberitaliens, gab es unter 
August 500 Familien, die das vierfache Vermögen und 
darüber besaßen 1 . In Wirklichkeit war wol überall 
mehr erforderlich, als der gesetzliche Zensus. Denn die 
städtischen Ämter waren nicht bloß unbesoldet, sondern 
auch mit erheblichen Kosten verbunden. Das Herkommen, 



* SG m 179. 

Petronii Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 



34 Städtewesen in Italien. 

zum Teil auch gesetzliche Bestimmungen, verpflichteten 
die Gewählten zu Leistungen für die Kommune, nament- 
lich Aufführung öffentlicher Bauten und Veranstaltung 
von Schauspielen; außerdem hatten sie an die Stadtkasse 
eine gewisse Summe als »Ehrengeld« zu zahlen, die nach 
der Größe der Stadt und dem Sänge des Amtes verschie- 
den normiert war; in Pompeji betrug sie für das höchste 
Amt etwa 2000 Mark. Ausnahmsweise konnte sie, um 
jemand besonders auszuzeichnen, erlassen werden. Sehr 
häufig wurde mehr gezahlt als die gesetzliche Summe, 
oder es wurden Leistungen an die Stelle der Zahlung 
gesetzt, die viel größere Kosten erforderten. 

Der Senat oder Stadtrat, gewöhnlich die Kurie ge- 
nannt und mit einem stehenden Prädikat (splendidissimus, 
etwa »der Hochansehnliche«) bezeichnet, bestand in der 
Kegel aus 100 lebenslänglichen Mitgliedern, den Deku- 
rionen, deren Liste wie gesagt in Intervallen von fünf 
Jahren von den Quinquennalen festgestellt wurde. Alle 
gewesenen Beamten gehörten als solche zum Senat. Wir 
besitzen noch auf einer Steintafel eine Senatsliste von 
Canusium vom Jahre 223 n. Chr., in welcher (außer 39 
Ehrenmitgliedern) die 100 Dekurionen nach den Bang- 
klassen aufgeführt sind, zu welchen sie gehörten, und 
nach denen sich die Keihenfolge ihrer Sitze und ihrer 
Stimmabgabe im Senat richtete. Es sind 7 gewesene 
Quinquennalen, und 4, denen diese höchste Bangklasse 
durch Senatsbesohluß verliehen war, ohne daß sie das 
Amt bekleidet hatten; 29 gewesene Duumvirn, 19 ge- 
wesene Adilen, 9 gewesene Quästoren, und 32, die noch 
kein Amt bekleidet hatten. Am Schlüsse stehen die Namen 
von 25 unerwachsenen Söhnen von Dekurionen, welche 
(wie die Söhne der römischen Senatoren) das Becht hatten, 
den Sitzungen als Zuhörer beizuwohnen, in die Senatsliste 



Städtewesen in Italien. 35 

aber nur auf besonderen Beschluß aufgenommen wurden. 
Dies geschah namentlich beim Tode von Dekurionen, 
deren Familie der Senat die Würde zu erhalten wünschte; 
oder auf den ausdrücklichen Wunsch der Väter, oder aus 
Dankbarkeit für eine von denselben der Gemeinde er- 
wiesene Munifizenz. Ihre oft noch in sehr zartem Alter 
stehenden Söhne (oder Neffen), die dann in die Liste ein- 
getragen wurden, nahmen fortan an den Ehrenrechten der 
Dekurionen teil, erhielten Sitz und Stimme aber erst mit 
dem Alter von 25 Jahren. 

Die Ehrenrechte der Dekurionen waren gewisse, bei 
den verschiedenen Bangklassen verschiedene, doch nicht 
näher bekannte Abzeichen der Tracht, mit welchen sie 
auch bestattet wurden; Ehrenplätze bei allen öffentlichen 
Festen und Schauspielen, wobei ihnen der Gebrauch eines 
besonderen Sitzes, des Bisellium (einer breiten Bank ohne 
Lehne mit Schemel), zustand 1 ; Anspruch auf höhere An- 
teile bei Bewirtungen und Geldverteilungen; endlich (in 
späterer Zeit) das ehrende Prädikat Wohllöblich (Lauda- 
bilis), das auch den Mitgliedern ihrer Familien zukam 2 . 
Auch konnten die Dekurionen als Personen der besseren 
Stände (honestiores) nicht zu gewissen schweren Strafen 
verurteilt werden 3 . Die Bedingungen der Wählbarkeit 
waren dieselben wie bei den städtischen Ämtern; auch 
die Dekurionen zahlten bei ihrem Eintritt in den Senat 
ein Ehrengeld, dessen Erlaß auch bei ihnen als beson- 
dere Auszeichnung eintreten konnte. Vielleicht hatten sie 
das Recht, die städtische Wässerleitung unentgeltlich zu 



1 Doch nach Joh. Schmidt De Seviris Augustalibus p. 93 nur 
den gewesenen Beamten. 

2 De Rossi Bull, crist. III 26 V 24. 

3 Hartmann de exilio p. 58 sq. 

3* 



36 Städtewesen in Italien. 

benutzen 1 ; doch erfreuten sie sich (wenigstens an einzel- 
nen Orten) noch anderer Bevorzugungen 2 . 

Obwohl nun die städtischen Ämter keine materiellen 
Vorteile brachten, sondern erhebliche Opfer auferlegten, 
und auch die mit dem Dekurionat verbundenen Vorteile 
schwerlich eine auch nur nennenswerte Kompensation für 
dieselben gewährten, so waren doch Dekurionat und Ämter 
eifrig erstrebte und deshalb oft nicht leicht zu erreichende 
Ziele des munizipalen Ehrgeizes. Was Cicero gesagt hat, 
es sei leichter in Born Senator, als in Pompeji Dekurio 
zu werden, galt auch für eine spätere Zeit. Allerdings 
hatte ohne Zweifel der Wunsch, über seinesgleichen 
emporzusteigen, ihren Neid und ihre Eifersucht zu er- 
regen, an kleinen Orten einen noch prickelnderen Beiz, 
als an den größten. Doch darf man auch etwas anderes 
nicht vergessen. Von der Teilnahme an der politischen 
Gestaltung des römischen Beiches waren die Munizipalen 
völlig ausgeschlossen; eine solche wäre nur bei einer 
Repräsentativverfassung möglich gewesen, und diese hat 
das Altertum nicht gekannt. So reichte denn ihr Hori- 
zont wol in der Begel nicht über das Weichbild ihrer 
Stadt hinaus; sie war ihre Welt, und die volle Freiheit 
der Selbstverwaltung eröffnete in der früheren Kaiserzeit, 
wo die Staatsgewalt nicht einmal Vertreter bei den Kom- 
munen hatte, ein Feld, auf dem nicht nur Eitelkeit und 
Ehrgeiz, sondern auch Talent und Tüchtigkeit Befriedigung 
finden konnten. 

Im Laufe des zweiten (zum Teil vielleicht schon des 



1 Mommsen Zeitschr. f. histor. Rechtswissenschaft XV 311. 

* CIL X 4760 » Wilmanns E.L 2038 (Suessa) huic (Aug. II) 
ordo decurionum — ut aquae digitus in domo ejus flueret commo- 
disque publicis ac si decurio frueretur — decrevit. XI 1, 1607 
(Florentia): — filio an. XXIIII commodis decurioni(s) uso d. d. 



Städtewesen in Italien. 37 

ersten) Jahrhunderts ist dann aber ein Verfall des städti- 
schen Wesens eingetreten. Die Mangelhaftigkeit der 
Rechtspflege veranlaßte die Kaiser (zuerst Hadrian) wie- 
derholentlich, sie neu zu organisieren 1 . Sodann scheinen 
Unordnungen in den Finanzen der Städte, zum Teil 
ohne Zweifel durch Überschreitung der verfügbaren Mittel 
zu Verschönerungsbauten hervorgerufen, zu Defizits und 
Bankrotten geführt zu haben. Die Kaiser unterzogen 
die städtischen Haushalte, deren Ordnung bisher den 
Quinquennalen allein überlassen gewesen war, ihrer Kon- 
trolle und ernannten eigene Kommissare (Kuratoren) zur 
obersten Leitung der städtischen Verwaltungen, die nie- 
mals aus dem Orte gewählt wurden, wo sie zu fungieren 
hatten, sondern entweder aus einer anderen Stadt, oder 
aus den beiden höchsten Ständen des Reichs, dem Ritter- 
und Senatorenstande; öfter führte ein solcher Kommissar 
die Aufsicht über den Haushalt mehrerer Städte zugleich. 
Nachdem einmal diese Einmischung der Regierung in die 
Kommunalangelegenheiten erfolgt war, lag es in der Natur 
der Sache, daß die Staatsgewalt je länger, je mehr um 
sich griff, und ihre Vertreter die städtischen Beamten 
und den Senat zu einer immer abhängigeren Stellung 
herabdrückten, während sie zugleich ihre Verantwortlich- 
keit für die finanziellen Leistungen der Kommune stei- 
gerten. Während so die kommunalen Stellungen einen 
großen Teil ihrer Anziehungskraft einbüßten, bot seit dem 
Anfang des zweiten Jahrhunderts der Staatsdienst sehr 
viel reichere und günstigere Aussichten als bisher. Da- 
mals wurde durch Hadrian eine allmählich die ganze 
Verwaltung umfassende Beamten-Hierarchie geschaffen, 
ein vielgegliederter, höchst komplizierter Organismus, der 



* Marquardt StV I 223 ff. 



38 Städtewesen in Italien. 

eine sehr große Anzahl von Kräften in Anspruch nahm, 
und glänzende Laufbahnen eröffnete. Der Zudrang zum 
Staatsdienst nahm zu, während der Zudrang zum städti- 
schen Dienst abnahm. Immer größer wurde die Zahl 
derjenigen, die aus Furcht, zum Dekurionat und den 
städtischen Ämtern herangezogen zu werden, ihr Ver- 
mögen verheimlichten. Vielleicht schon im 2. Jahrhun- 
dert mußten die Kurien aus der Zahl der Besitzer des 
erforderlichen Zensus zwangsweise ergänzt und mit der 
Zeit immer strengere Maßregeln zu ihrer Erhaltung ge- 
troffen werden. Infolge derselben wurde der Dekurionat 
ein im Mannesstamme erblicher Stand, welchem die Söhne 
der Dekurionen als solche vom 18. Jahre ab angehörten. 
Erforderlichen Falles erfolgte eine Ergänzung aus der 
übrigen Bürgerschaft, bei welcher nur Sklaven, Freige- 
lassene und Bescholtene nicht herangezogen wurden. Im 
4. Jahrhundert sind die Kurien sogar als Strafanstalten 
benutzt worden, in welche man wegen eines Vergehens 
eingestellt wurde. 

III. 
Unter dem städtischen Patriziat, welches die Deku- 
rionen bildeten, nahmen die zum zweiten Stande des 
Reiches, dem ritterlichen, gehörenden Familien die erste 
Stelle ein, deren Zahl, mindestens seit Galigula, durch 
neue Verleihungen in Italien wie im ganzen Reich je 
länger je mehr zunahm 1 . Oft wurde damals der Ritter- 
stand durch Militärdienst erworben. Wer in einer Legion 
bis zu der obersten unter den 60 Centurionenstellen, dem 
Primipilat, aufgerückt war, wurde bei seiner Entlassung 
häufig in den Ritterstand erhoben. Diese sogenannten 
Primipilaren bildeten eine besondere, sehr angesehene 



i SG I 278. 



Städtewesen in Italien. 39 

Klasse, zumal da sie sich infolge der günstigen, ihnen 
bei der Entlassung gewährten Bedingungen einer nicht 
geringen Wohlhabenheit erfreuten K Sie und andere ehe- 
malige Offiziere von ritterlichem Sänge, namentlich die 
Tribunen der Legionen und Kohorten, finden wir oft in 
den Städten Italiens mit den höchsten Ämtern und Priester- 
tttmern bekleidet, auch zu Patronen der Gemeinde erwählt: 
so war Juvenal (wol der Satirendichter), der als Tribun 
eine Hilfskohorte befehligt hatte, in seiner Vaterstadt 
Aquinum Duumvir, Quinquennal und Priester des ver- 
götterten Kaisers Vespasian 2 . Aber auch schon die ehe- 
maligen Centurionen gehörten zur städtischen Aristokratie; 
bereits August hatte ihnen bei ehrenvoller Verabschiedung 
die Toga mit dem Purpursaum und den Rang der Deku- 
rionen verliehen 3 . Auch sie erscheinen öfter als ton- 
angebende Personen und genossen allem Anscheine nach 
nicht weniger Ansehn, als sie durch Wichtigtuerei und 
breitspuriges Auftreten beanspruchten. Sie sahen auf ge- 
lehrte, besonders philosophische Bildung verächtlich herab, 
und waren des Beifallsgelächters ihrer Zuhörer gewiß, 
wenn sie die Nutzlosigkeit derselben demonstrierten und 
sich in schalen Spaßen darüber ergingen 4 . 

Daß zwischen der städtischen Aristokratie und der 
übrigen Bürgerschaft nicht immer Eintracht herrschte, 
würde auch ohne ausdrückliche Zeugnisse anzunehmen 
sein 5 . Wie es scheint, wurde den Beamten und Senaten 
vorzugsweise Eigennutz (bei der Verwaltung der städti- 
schen Einkünfte), auch Bestechlichkeit vorgeworfen 6 , und 



i SG I 376. 2 SG III 494. 3 Appian B. civ. V 128. SG 
I 377, 2. 4 pers. 3, 77; 5, 189. SG III 678 f. ß Tac. Orat. 41 
municipium — quod — domestica discordia agitat. e Petron. 44 
aediles — qui cum pistoribus colludunt — aedilem qui — plus in 
die nummorum accipit, quam alter Patrimonium habet. 



40 Städtewesen in Italien. 

man verklagte sich dann gegenseitig bei dem Senat in 
Rom. Zuweilen führten die Streitigkeiten der Gemeinden 
auch zu Tumulten. Ein solcher brach in Puteoli im Jahre 
58 n. Chr. aus; es kam zu Stein würfen und Drohungen 
von Brandlegung; Bürgerschaft und Kurie schickten Ge- 
sandtschaften nach Born, von welchen die eine über Hab* 
sucht der Beamten und Vornehmen, die andere über die 
Gewalttätigkeit der Menge klagte. Dem ersten von Rom 
dort hingesandten Kommissar gelang die Unterdrückung 
der Unruhen nicht, erst nachdem die Stadt mit einer 
prätorischen Kohorte (1000 Mann) besetzt und einige Hin- 
richtungen erfolgt waren, wurde die Eintracht wieder- 
hergestellt K 

Den Dekurionen zunächst an Rang und Ansehn, wenn 
auch durch eine große nicht zu tiberschreitende Kluft 
von ihnen getrennt, standen in der Gesellschaft der Städte 
die Korporationen der Augustalen, zu welchen diejenigen 
gehörten, die durch unfreie Geburt, ein zu geringes Ver- 
mögen oder ein unanständiges Gewerbe vom Dekurionat 
ausgeschlossen waren, jedoch eine Stellung über dem 
Niveau der Menge beanspruchen durften 2 . Die Augustalen 
waren religiöse, zum Zweck des Kaiserkultus gebildete 
Genossenschaften; auch zu diesen war der Zudrang in 
der Zeit der Blüte der Städte groß. Die Mitgliedschaft 
einer Korporation gewährte nicht nur manche Vorteile, 
sondern vor allem auch Ansehn: bei Geldverteilungen 
wurden die Vereine bevorzugt, erhielten eigene Plätze in 
den Theatern u. dgl. Unter allen Korporationen war aber 
die der Augustalen bei weitem die hervorragendste, nicht 
bloß durch ihr Vermögen und die Ansehnlichkeit ihrer 
Mitglieder, sondern auch durch ihre Leistungen für die 

* Tac. A. XIII 48. 2 j. Schmidt De seviris Augustalibua. 

(Halis 1878.) Marquardt StV I 197—208. 



Städtewesen in Italien. 41 

Kommune, und ihre Bestimmung für den Kaiserkult. Sie 
werden in der Kegel wie die Dekurionen als ein Stand 
bezeichnet, und standen als solcher zwischen den Herren 
und kleinen Leuten in der Mitte. Sie fühlten sich geehrt, 
wenn einer der ersteren ihren Gruß freundlich erwiderte, 
sie beim Namen anredete, »wie einer von uns« 1 . 

Wie in Rom schon unter Augustus der Genius des 
regierenden Kaisers Gegenstand eines Kultus war, der 
offiziell von den Vorstehern der Stadtbezirke, außerdem 
aber von zahlreichen, zu diesem Zweck zusammengetre- 
tenen Privatvereinen geübt wurde, so setzten auch außer- 
halb Roms vielfach religiöse Vereine den Kaiserkultus 
an die Stelle der früher von ihnen geübten Götterkulte, 
wie in Pompeji die Diener des Merkur und der Maja 
diesen beiden Gottheiten zuerst den Namen des August 
hinzufügten, seit dem Jahre 2 n. Chr. aber seinen Namen 
allein führten 2 ; außerdem entstanden auch in den Städten 
Süditaliens zahlreiche neue Vereine für diesen Zweck, 
die sich von Anfang an Augustalen nannten. Ihre jähr- 
lich wechselnden Vorstände, die sogenannten Sevirn 
(Sechsmänner) wurden von den Dekurionen ernannt An- 
ders in Norditalien, dessen Bevölkerung noch zu sehr mit 
barbarischen (keltischen), nicht hinlänglich romanisierten 
Elementen vermischt war, als daß überall die erforder- 
liche Anzahl zur Bildung solcher Korporationen vorhan- 
den gewesen wäre. Hier, namentlich in der Lombardei, 
bildeten sich für den Kaiserkult Kollegien von Sechs- 
männern (die Sechszahl ist die der römischen Kolonial- 
priester), aus denen sich mit der Zeit Korporationen ent- 
wickelten 8 . 



i Petron. 44. * Nissen 183 und 272. * Hirschfeld Zeitschr. 
f. Österreich. Gymnasien 1878 S. 291 ff. Marquardt StV T 902. 



42 Städtewesen in Italien. 

Auch mit dem Sevirat waren erhebliche Lasten ver- 
bunden; die Sevirn hatten an den zahlreichen, dem Kai- 
serkult geweihten Tagen Opfer zu bringen und andere 
Festlichkeiten zu veranstalten; auch sie zahlten ein An- 
trittsgeld an die Stadtkasse und setzten eine Ehre darin, 
mehr als die gesetzlich normierte Summe zu entrichten. 
Dafür durften sie bei ihren Funktionen goldene Hinge 
und die purpurumsäumte Toga anlegen (in welcher sie 
auch nach Ablauf ihres Amtsjahres bei Kaiserfesten er- 
schienen, und bestattet wurden) 1 , hatten Liktoren zur 
Verfügung 2 , erhielten bei Schauspielen Ehrenplätze und 
bei Geldverteilungen größere Anteile. Den Augustalen 
konnte durch Senatsbeschluß ein Anteil an den Ehren- 
rechten der Dekurionen zuerkannt werden, und dies scheint 
das hüchste Ziel ihres Ehrgeizes gewesen zu sein. Ihre 
zahlreich erhaltenen Ehren- und Grabdenkmäler melden 
der Nachwelt in prunkenden Worten: daß der eine durch 
Beschluß der Dekurionen mit Zustimmung der Bürger- 
schaft für seine Verdienste das Bisellium erhalten habe; 
daß einem anderen die Abzeichen der Dekurionen oder 
Adilen oder Duumvirn erteilt, einem dritten das Ehren- 
geld beim Antritt des Sevirats erlassen sei 3 ; daß ein 
vierter den Titel »der erste der Augustalen« erhalten 
habe, u. dgl. mehr. Übrigens konnten die Rechte der 
Augustalität auch Nichtaugustalen verliehen werden; auch 
wurden solche zuweilen auf Beschluß des Gemeinderats 
mit den Ehren der Augustalen bestattet 4 . Es war also 



1 Zu Petron. 71 facias — me in tribnnali sedentem praetexta- 
tum cum anulis aureis quinque, 77 profer vitalia in quibus volo 
efferri, 78 stragulam albam et praetextam attulit. 2 Zu 65 inter 
haec triclinii yalyas lictor percussit.' 3 P. 57 sevir gratis factus 
sum. 4 CIL IX 58 (Brundisium) : huic ordo decurionum f(unus) 
l(ocum) p(ublice) ornamentaque augustalitatis decrevit. 



Städtewesen in Italien. 43 

kaum irgend jemand von der Möglichkeit ausgeschlossen, 
anter seinesgleichen eine hervorragende Stellung einzu- 
nehmen, und von dieser wieder zu einer höheren aufzu- 
steigen. Auch abgesehen von den Opfern, die für diese 
Auszeichnung gebracht wurden, beweist schon allein das 
mit einem wahrhaft erfinderischen Scharfsinn ersonnene 
System der so zahlreichen, mannigfach abgestuften und 
genau begrenzten Titel, Würden, Rangstufen und Deko- 
rationen, in wie hohem Grade die Sucht des far figura 
alle Schichten der Bevölkerung durchdrang. 

Die Korporationen der Augustalen, die in der Regel 
zahlreicher gewesen sein werden als die der Dekurionen, 
waren in derselben Weise organisiert, wie die übrigen 
Genossenschaften. Wie diese wählten sie ihre Patrone 
und Beamten, besaßen in größeren Städten Versammlungs- 
lokale, Speisesäle für die gemeinschaftlichen Mahlzeiten, 
Weinkeller, Grundstücke, von deren Erträgen die Kosten 
ihrer Feste bestritten wurden, und wo die Mitglieder 
Begräbnisplätze erhalten konnten. Sie erhielten von Mit- 
gliedern und Gönnern Vermächtnisse, sie erließen teils 
selbständig, teils in Gemeinschaft mit anderen Vereinen 
oder den Dekurionen, Adressen und Ehrendekrete an 
Personen, die sich um sie verdient gemacht hatten, und 
errichteten denselben Statuen. 

Die Augustalen waren ausschließlich oder größten- 
teils Freigelassene, besonders Händler und Handwerker, 
Gewerbtreibende oder Kauf leute, zuweilen sehr vermögend, 
und dann auch wol bestrebt, durch ihre Freigebigkeit 
für die Kommune die Dekurionen in Schatten zu stellen. 
Überhaupt scheint das kleinstädtische Geldprotzentum in 
diesen Kreisen seine hervorragendsten Vertreter gehabt 
zu haben. Einen solchen hat Petronius in seinem Tri- 
malchio dargestellt. Trimalchio, ein durch Handel sehr 



44 Städtewesen in Italien. 

reich gewordener Freigelassener, ehemaliger Sevir der 
Augustalen in Puteoli, bestellt bei dem mit derselben 
Würde bekleideten befreundeten Fabrikanten von Grab- 
denkmälern Habinnas sein eigenes Monument, auf welchem 
als ruhmvollste Tat seines Lebens eine von ihm auf eigene 
Kosten veranstaltete Bewirtung der ganzen Gemeinde 
dargestellt sein soll. Ihn selbst soll man auf einer er- 
höhten Bühne sitzen sehn, mit der purpurumsäumten Toga 
angetan, fünf goldene Ringe an den Fingern, wie er aus 
einem Beutel Gold unter das Volk streut, ringsumher 
Tafeln, an denen die ganze Bürgerschaft sich gütlich tut. 
In seiner Grabschrift soll man lesen : ihm sei der Sevirat 
während seiner Abwesenheit übertragen worden, er habe 
klein angefangen und sei groß geworden, er habe 6 Mil- 
lionen (Mark) hinterlassen und nie einen Philosophen ge- 
hört 1 . Alles ist hier aus dem Leben genommen, nicht 
bloß die selbstverständliche Verachtung des Emporkömm- 
lings für höhere Bildung, sondern auch die genaue An- 
gabe der Summe der Hinterlassenschaft auf dem Grabstein, 
die zuweilen den Erben zur Pflicht gemacht wurde; auch 
existiert noch ein Grabstein eines Sevirn in Assisi (eines 
freigelassenen Arztes) mit einer solchen 2 . Es hat sich 
auch der Grabstein eines Sevirn der Augustalen in 
Brescia erhalten, mit Darstellungen, die den von Tri- 
malchio bestellten ganz ähnlich sind. Man sieht diesen 
Sevir, einen kleinen dicken Herrn, sich mit seinen fünf 
Kollegen, unter dem Vortritt zweier Liktoren auf das 
Forum begeben; sodann dort breit und selbstgefällig 
auf einer erhöhten Bühne auf dem Bisellium sitzen, wie es 
scheint, mit einem Beutel in der Hand; auch ein Opfer 



1 Petron. 71. 2 Orelli 2983: zu 71 sestertium reliquit 

trecenties. 



Städtewesen in Italien. 45 

und Spiele, die er veranstaltet hatte, sind abgebildet 
oder angedeutet 1 . 

Neben den Bürgern wohnten in jeder Stadt auch 
Insassen, d. h. solche Fremde, die am Orte ihren dauern- 
den Aufenthalt genommen hatten, ohne das Bürgerrecht 
ihrer Gemeinde verloren zu haben. Zur Übernahme der 
Gremeindelasten waren auch sie verpflichtet, zur Beklei- 
dung von Ämtern in älterer Zeit nur die Bürger berech- 
tigt; erst in der Zeit des Verfalls der Städte wurden zur 
Erleichterung der Bürger auch die Insassen herangezogen. 
Die Zahl dieser angesiedelten Fremden wird in großen 
Städten überall beträchtlich gewesen sein. Jüdische Ge- 
meinden scheint es in mehreren derselben schon sehr früh 
gegeben zu haben 2 , und da bei diesen die Missionäre des 
Christentums den ergiebigsten Boden für die Verbreitung 
der neuen Lehre fanden, wird es auch an Bekennern der- 
selben, wenigstens in den unteren Volksschichten, schon 
im ersten Jahrhundert nicht gefehlt haben. In Pompeji 
ist in einer, leider bald wieder verlöschten Inschrift, mit 
einiger Sicherheit nur der Name der Christen zu ent- 
ziffern gewesen 3 . 

Daß die Massen der städtischen Bevölkerungen oft 
übermütig bis zur Frechheit waren 4 , bestätigen einige 
gelegentlich berichtete Tatsachen. Im Jahre 71 war in 
Siena ein römischer Senator (angeblich sogar auf Antrieb 
der Magistrate) gemißhandelt und durch eine über ihn 
gehaltene Totenklage und die Nachäffung sonstiger Be- 



* CIL V 4482. Schmidt De seviris Augustalibus p. 81 sqq. 
nebst der Abbildung; vgl. Hübner Hermes XH 414 ff. 2 SG III 620 f. 
» CIL IV 679. * Tac. H. III 32 (Gremonenses) tertiadecimanos 
— ut sunt procacia urbanae plebis ingenia, petulantibus jurgiis 
inluserant. A. XIV 17 (Nucerini Pompejanique) oppidana lascivia 
invicem incessentes. 



46 Städtewesen in Italien. 

gräbniszeremonien verhöhnt worden; auch hatte man 
Beschimpfungen und Schmähungen gegen den römischen 
Senat ausgestoßen. Dieser forderte die Schuldigen vor, 
zog sie zur Strafe und ließ der Stadt Siena eine Er- 
mahnung und Rüge zugehn 1 . 

IV. 

Eine Besteuerung der Bürger zu kommunalen Zwecken 
ist in Italien in den ersten Jahrhunderten, wenn über- 
haupt, nur ausnahmsweise vorgekommen. Die Bestreitung 
der erforderlichen Ausgaben lastete ausschließlich auf den 
Wohlhabenden, welche die städtischen Einnahmen, in- 
sofern dieselben nicht hinreichten, durch ihre freiwilligen 
Leistungen ergänzten, und so einen viel größeren Teil 
ihres Vermögens opferten, als es bei der höchsten Ein- 
kommensteuer der Fall gewesen wäre. Diese Opfer wur- 
den ihnen allerdings dadurch erleichtert, daß die an den 
Staat zu entrichtenden Abgaben verhältnismäßig gering 
waren. An diesen zahlten die in Italien wohnenden Bürger 
weder Vermögens- noch Grundsteuer, sondern nur eine 
Erbschaftssteuer (5 Prozent von allen Erbschaften und 
Legaten über 20000 Mark, mit Ausnahme der von den 
nächsten Blutsverwandten herrührenden) und einige in- 
direkte Steuern. Um so schwerer drückte die Steuerlast 
auf die Bevölkerung der Provinzen. Erst Diocletian setzte 
Italien durch Aufhebung der Grundsteuerfreiheit völlig auf 
das Niveau der untertänigen Länder herab. 

Die regelmäßigen städtischen Einnahmen flössen erstens 
aus einem oft sehr bedeutenden Grundbesitz, der zuweilen 
auch außerhalb des städtischen Weichbildes in Italien und 
selbst in den Provinzen gelegen war, wie z. B. die Stadt 
Capua Besitzungen auf der Insel Kreta hatte 2 . Dies 

i Tac. H. IV 46. 2 Marquardt StV I 167, 5. 



Städtewesen in Italien. 47 

Grundeigentum, das nicht bloß in Acker, Weideland und 
Wäldern, sondern auch in Seen und Bergwerken bestand, 
wurde in Zeit- und Erbpacht gegeben. Hierzu kamen die 
Einkünfte aus städtischen Anstalten, für deren Benutzung 
ein Zins gezahlt wurde, wie Buden, Läden und Bäder, 
wohl auch Gasthäuser (wie das von der Stadt Hispellum 
[Spello] an der vielbesuchten Quelle des Clitumnus er- 
richtete) 1 , vor allem die Wasserleitungen, aus denen 
Haus- und Grundbesitzer das Wasser in ihre Häuser und 
auf ihre Felder leiten ließen, und deren außerdem be- 
sonders gewisse Handwerker, namentlich aber die Besitzer 
von Privatbadeanstalten bedurften 2 ; auch wurden von 
manchen Städten Chausseegelder erhoben 3 . Eine dritte 
Einnahme waren die bereits erwähnten Ehrengelder der 
Beamten, Dekurionen, Augustalen, Priester und Priesterin- 
nen. Endlich besaßen die Städte in der Regel ein aus 
Vermächtnissen und Legaten (seit der Kaiser Nerva ihnen 
gestattet hatte, solche anzunehmen 4 ) entstandenes Kapital- 
vermögen. Bei Unglücksfällen und Kalamitäten, wie 
Erdbeben und Feuersbrünsten, erfolgten überdies stets 
reichliche kaiserliche Unterstützungen (z. B. erhielt die 
Stadt Bologna nach einem großen Brande im Jahre 53 
über zwei Millionen Mark); auch berücksichtigten die Kaiser 
bei ihren großartigen Bauunternehmungen und Anlagen 
vorzugsweise die Städte Italiens 6 . 

Auf der anderen Seite hatten dieselben nicht alle 
Ausgaben zu tragen, welche die Haushalte unserer Städte 
belasten. Der Kultus war auch dort besonders fundiert 6 . 



1 Plin. Epp. VIII 8, 6 balineum Hispellates — publice praebent, 
praebent et hospitinm. 2 Mommsen Ztschr. f. gesch. Rechts- 

wissenschaft XV 305 f. SG III 146, 3. 3 Vectigal rotarium. 

Mommsen Hermes I 55. * SG III 202, 2. » SG HI 206 ff. 

« Marquardt StV II 83. 



48 Städtewesen in Italien. 

Für Verpflegung von Truppen war nicht zu sorgen, da in 
keiner Stadt Italiens außer Born Soldaten standen. Die 
Kommunalverwaltung kann keine großen Kosten verur- 
sacht haben, da die höheren Ämter, wie gesagt, unbe- 
soldet waren, und für den Subalterndienst gewiß immer 
eine große Anzahl von Gemeindesklaven zur Verfügung 
stand. Das Unterrichtswesen blieb anfangs ganz und 
später zum großen Teil der Initiative der Privaten über- 
lassen; vom Medizinalwesen wissen wir sehr wenig. Die 
regelmäßigen Hauptausgaben waren : für Ausführung nnd 
Instandhaltung der städtischen Bauten, Anlagen und An- 
stalten; für Vergnügungen und Festlichkeiten; endlich für 
Ankäufe von Mehl und ÖL Man tiberließ den Vertrieb 
dieser beiden Hauptvolksnahrungsmittel nicht der Privat- 
spekulation allein, sondern überwachte und leitete dieselbe 
(wie es scheint auch durch Ansetzung fester Marktpreise); 
außerdem aber hatte jede Stadt ihre, von den Ädilen 
oder eigenen Kommissaren verwalteten Korn- und 01- 
kassen, um beides, namentlich in Teuerungszeiten, reich- 
lich und wohlfeil liefern zu können 1 . 

Auf allen diesen Gebieten nun wurden die Bestre- 
bungen der Kommunen durch die freiwilligen Leistungen 
der wohlhabenden Bürger in wahrhaft staunenswerter 
Weise unterstützt. Als beste Erbschaft aus der republi- 
kanischen Zeit hatte sich in den Kommunen ein opfer- 
bereiter Gemeinsinn erhalten, der die höchste Anerkennung 
verdient. Auch erwartete, ja forderte die öffentliche 
Meinung nach wie vor große Leistungen für die Gemeinde 
von den Reichen und Angesehenen, die sich dadurch ohne 
Zweifel oft gegen ihren Willen zu bedeutenden Opfern 
bestimmen ließen. Die Bestrebungen der Munizipal- 



i Hirschfeld Philologus XXIX 83— 85. 



StädteweseD in Italien. 49 

Patrioten waren vor allem darauf gerichtet, nach Kräften 
und zuweilen über ihre Kräfte, ja bis zu ihrem völligen 
Kuin zum Glanz und Ansehn ihrer Vaterstadt beizutragen. 
»Bauen und Schenken« ziemte nach damaliger Ansicht 
dem reichen Manne vor allem 1 ; durch die Nichtachtung 
des Geldes, welche man dabei bewies, erwarb man den 
höchsten Ruhm. Eine besondere gesetzliche Bestimmung 
verbürgte die Unvergänglichkeit von Inschriften, in denen 
die Erbauer öffentlicher Gebäude sich genannt hatten 2 . 
Der leidenschaftliche Wetteifer der Städte, deren jede es* 
den Nachbarstädten gleich oder zuvor zu tun mit äußer- 
ster Anstrengung bemüht war, rief auch nicht selten 
Bäuunternehmungen Einzelner ins Leben. Dies wird aus- 
drücklich dadurch bestätigt, daß für öffentliche Bauten 
aus Privatmitteln, die in der Regel einer kaiserlichen 
Erlaubnis nicht bedurften, eine solche eingeholt werden 
mußte, wenn sie durch Rivalität gegen eine andere Stadt 
veranlaßt waren 8 . Welchen Wert auch die kaiserliche 
Regierung auf den Glanz der Städte legte, beweist das 
in dem lateinischen Stadtrecht erhaltene Verbot des Ab- 
bruchs von Häusern außer zum Zweck eines baldigen 
Neubaus 4 . Vielleicht haben die Städte Italiens in keiner 
Zeit einen so stattlichen Anblick geboten, als damals, wo 
ein großer Teil ihrer Bürger mit dem Staat und der 
Gemeinde zu ihrer Verschönerung zusammenwirkte. Zahl- 
reiche Inschriften bezeugen noch heute die Errichtung der 
größten öffentlichen Gebäude, wie Tempel, Portiken, 
Theater, Amphitheater, Brücken durch einzelne aus eige- 
nen Mitteln. Andere Inschriften zeigen, daß auch minder 
Wohlhabende zur Wohlfahrt und Behaglichkeit der Städte 

i Martial. IX 22. SG III 161, 1. 2 Digg. L 10. SG III AML, 4. 
s Digg. L 10. SG in 201, 6. * Mommsen Abhandl. d. Sachs. 

Gesellschaft II 480. 

Petronii Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 4 



50 Städtewesen in Italien. 

beizutragen bemüht waren, indem sie z. B. Straßen 
pflastern, die öffentlichen Spielplätze ebnen nnd einfassen, 
Sonnenuhren aufstellen, auf den Märkten Buden für die 
Verkäufer und Steintische für die Waren errichten ließep, 
für Normalmaße und Gewichte sorgten u. dgl. 1 . 

Ganz besonders waren die Bemühungen der Kommu- 
nen wie der Einzelnen auf reichliche Versorgung der 
Städte mit Wasser zum Trinken und Baden durch Wasser- 
leitungen, Brunnen und Quellen gerichtet. Die Allgemein- 
heit der Wasserleitungen im römischen Reich ist für das 
19. Jahrhundert beschämend 2 . Durch nichts unterschieden 
sich die Städte des damaligen Italien von den heutigen 
so sehr zu ihrem Vorteil, als durch den Luxus der Rein- 
lichkeit. Bäder, teils Privat-, teils Kommunalanstalten 
(für deren Heizung das Holz im Stadtwalde gefällt wurde 8 ), 
fehlten nirgend, selbst an dorfartigen Orten gab es mehr 
als eins. In wie hohem Grade auch die kleinsten Kom- 
munen es als ihre Pflicht anerkannten, ihren Angehörigen 
gute und wohlfeile Bäder zur Verfügung zu stellen, er- 
gibt sich noch deutlicher, als aus früher bekannten Tat- 
sachen, aus der vor kurzem entdeckten Gemeindeordnung 
eines Bergmannsdorfes im südlichen Portugal 4 . Der Päch- 
ter des dortigen öffentlichen Bades mußte dasselbe von 
Tagesanbruch bis zur ersten Nachmittagsstunde für Män- 
ner, von da ab bis zur zweiten Nachtstunde für Frauen 
geöffnet halten; die ersteren hatten ein Eintrittsgeld von 
etwa drei, die letzteren von etwa sechs Pfennigen zu 
zahlen (das Doppelte der in Born üblichen Sätze); frisches 
fließendes Wasser mußte in den kalten und warmen Bas- 



i SG III 202 f. 2 SG III 145 ff. 3 Frontin. De controv. 
agr. EL. Gromat. ed. Lachmann II 55 : sunt silvae de qnibus lignorum 
cremia in lavacra publica ministranda caeduntur. * Hübner et 

Mommsen Lex metalli Vipascensis Ephem. epigr. III 165—189. 



Städtewesen in Italien. 51 

sins vor- und nachmittags vorhanden sein und bis zn 
einer bestimmten Höhenmarke reichen; die Kessel mußten 
monatlich gereinigt und frisch mit Fett eingerieben wer- 
den. Was in einem Bergmannsdorf in einer entfernten 
Provinz geleistet wurde, darf auch für die kleinsten Orte 
Italiens vorausgesetzt werden. Für keinen Zweck sind 
hier Stiftungen und Vermächtnisse häufiger bezeugt, als 
für die Erbauung und Ausstattung von Bädern und ihre 
Freistellung zu unentgeltlicher Benutzung, und zwar zu- 
weilen nicht bloß für Insassen und Bürger, sondern auch 
für Fremde, Sklaven und Sklavinnen 1 . In Bologna ver- 
machte z. B. jemand ein Kapital von etwa 87000 Mark, 
damit Männer und Kinder beiderlei Geschlechts ein be- 
stimmtes Bad unentgeltlich benutzen konnten 2 ; ein Bürger 
von Tivoli legte seinen Erben die Verpflichtung auf, eine 
mit seinem Hause zusammenhängende Badeanstalt zum 
allgemeinen Gebrauche geöffnet zu halten 8 ; ein Kommunal- 
beamter von Misenum schenkte dem dortigen öffentlichen 
Bade 400 Fuder hartes Holz unter der Bedingung, daß 
seine Nachkommen (ohne Zweifel bei Erfüllung der gesetz- 
lichen Bedingungen) städtische Ämter erhalten sollten 4 . 
Beamte mieteten Bäder für die Dauer ihres Amtsjahres 
zu allgemeiner unentgeltlicher Benutzung *. In Präneste 
(Palestrina) erhielt ein Vorsteher der Genossenschaft der 
Freigelassenen ein Begräbnis auf Gemeindekosten und 
einen Platz für seine Statue auf dem Forum, weil er durch 
testamentarische Verfügung der Bürgerschaft für einen 
Zeitraum von drei Jahren freie Bäder gewährt hatte*. 
Mit der Spendung derselben wurde zuweilen auch die des 



* Vgl. in dem Absebnitt NotabiHa Taria der Iodiees CIL X 2 
uid XIV: Balneum. Orelli 2287. Henzen 6965. * Orelii 3925. 

.* Di«. XXXII 36, 3. * IKN 2^75 - OreiH 3772 — CIL X 307*. 
* Digg. XIX 2, 30. «CIL XIV 3015. 



52 Städtewesen in Italien. 

Öls zum Salben an Feiertagen verbunden. Der Vater 
des jüngeren Plinius, L. Gäcilius Cilo, vermachte der Stadt 
Como 8 bis 9000 Mark, von deren Zinsen jährlich am 
Neptunsfeste das Ol zum Salben bei den gymnastischen 
Übungen auf dem Spielplatze, in den Thermen und allen 
Bädern in Como verabfolgt werden sollte 1 . 

Die Sitte des täglichen Bades machte übrigens, bei 
der noch heute fortdauernden Vorliebe der Südländer, zur 
Unterhaltung an öffentlichen Orten zusammenzukommen, 
die hohen, weiten, hellen und geschmückten Räume der 
Bäder (wie sie auch Pompeji aufweist), zu den besuch- 
testen Lokalen, wo man sich auch einfand, um Bekannte 
zu sehn, Neuigkeiten zu hören, müßige Stunden zu ver- 
plaudern. In dieser Beziehung vertraten die hauptsächlich 
in den Nachmittagsstunden, wenn die Geschäfte ruhten, 
gefüllten Bäder, in denen sich gewöhnlich auch Restau- 
rationen befanden, durchaus die Stelle der Kaffees. 

Wie auf dem Gebiete der öffentlichen Anstalten und 
Bauten, so ging auch in der Sorge für die Ernährung des 
ärmeren Teils der Bevölkerung die Freigebigkeit der 
Wohlhabenden mit den Maßregeln der Kommunalbehör- 
den Hand in Hand. Stiftungen und Vermächtnisse zu 
Ankäufen von Ol und Mehl behufs unentgeltlicher Verteilung 
oder Lieferung für Durchschnittspreise in Teuerungszeiten 
waren häufig 2 . Aber dabei blieb die Privatwohltätigkeit 
nicht stehen. Auch Stiftungen, durch welche arme Eltern 
in den Stand gesetzt werden sollten, ihre Kinder bis zum 
erwerbsfähigen Alter zu erziehen, waren offenbar nicht 
ungewöhnlich. So vermachte z. B. eine vermögende Frau 
in Terracina ein Kapital von mehr als 200000 Mark, von 
dessen Zinsen hundert Knaben und Mädchen monatlich 



* Mommsen Hermes III 60. 2 SG III 151, 2. 



Städtewesen in Italien. 53 

das zum Ankauf hinlänglicher Mehlrationen erforderliche 
Geld erhalten sollten, die ersteren bis zum Alter von 
sechzehn, die letzteren von dreizehn Jahren; in diesem 
Alter heirateten die Mädehen schon zum großen Teil 1 . 
Bei einer anderen derartigen Stiftung zu Atina erhielten 
die Kinder bei der Entlassung noch ein Geldgeschenk von 
mehr als 200 Mark. Seit Nerva begannen auch die Kaiser 
Kapitalien zur Erziehung armer freigeborener Kinder zu 
fundieren 2 ; Trajan dehnte diese sogenannten >Alimenta- 
tionsinstitute< über ganz Italien aus; deshalb stellt ein 
im Jahre 1872 auf dem Forum zu Korn gefundenes Belief 
die Italia mit ihren Kindern vor diesem Kaiser dankend 
dar. Doch wurden bei den kaiserlichen Stiftungen vor- 
zugsweise Knaben berücksichtigt; so sollten an einer für 
die (untergegangene) Stadt Veleja (bei Parma) bestimmten 
Stiftung Trajans 246 Knaben und nur 35 Mädchen teil- 
nehmen. 

Es gab nicht bloß wohltätige Stiftungen für das Kindes-, 
sondern auch für das hilflose Greisenalter 3 . Von der Für- 
sorge der Kommunen für die Kranken wissen wir sehr 
wenig; doch scheint es seit dem Anfange des 2. Jahr- 
hunderts bereits an den meisten Orten Kommunalärzte 
gegeben zu haben, welche aus der Stadtkasse besoldet 
wurden. Galenus erwähnt auch, daß in vielen Städten 
den Ärzten geräumige Säle mit großen, reichliches Licht 
einlassenden Türöffnungen zur Behandlung der Kranken 
zur Verfügung gestellt waren 4 . Bedenkt man, über wie 
viele im Altertum weit verbreitete Institutionen wir nur 
durch dürftige, zufällig erhaltene Notizen unterrichtet sind, 



* Marqnardt StV II 143, 6 (Stiftung von Atina) 144, 4 (Terra- 
cina) und CIL XIV 360 (Ostia). 2 Marqnardt a. a. 0. S. 141ff. 

8 Paulus Digg. XXX 122 (legata) in alimenta infirmae aetatis puta 
senioribus vel pueris puellisque. 4 SG I 336 f. 



54 S^ädtewesen in Italien. 

so kann man die Möglichkeit nicht in Abrede stellen, daß 
Armen- nnd Krankenpflege auch in der heidnischen Zeit 
in riel umfassenderer Weise organisiert gewesen sind, als 
man bisher angenommen hat 1 . Endlich ist hier noch zu 
erwähnen, daß Begräbnisplätze für Arme nicht bloß yon 
den Kommunen 2 , sondern auch von Einzelnen angelegt 
wurden. So schenkte z. B. in Sassina in Umbrien jemand 
einen Begräbnisplatz, auf dem zehn Quadratfuß für jedes 
Grab bestimmt waren, für Bürger und Insassen, mit Aus- 
nahme derer, die sich zu dem ehrlosen Gewerbe der 
Gladiatoren vermietet, oder als Selbstmörder die für 
schimpflich geltende Todesart des Erhängens gewählt 
haben würden 3 . In Bergamo stiftete jemand ein Kapital, 
mit welchem die an die Gemeinde zu entrichtenden Ab- 
gaben für Bestattungen auf immer abgelöst, und diese so 
für alle Bürger unentgeltlich werden sollten 4 . 

Auch in der Sorge für das Unterrichtswesen wurden 
die Kommunen durch den Gemeinsinn Einzelner unter- 
stützt. Staatliche Unterrichtsanstalten gab es im römischen 
Reiche nur an den Hauptzentren des wissenschaftlichen 
Lebens, wie Rom, Alexandria, Athen und später Konstan- 
tinopel. In den übrigen Städten gab es nur städtische 
Schulen. Auch diese entstanden erst nach und nach; 
anfangs war das Unterrichtswesen, wie gesagt, ganz der 
Privattätigkeit überlassen, welche jedoch tiberall dadurch 
gefördert wurde, daß die Lehrer (ebenso wie die Ärzte) 
von städtischen Lasten befreit waren 5 . Diese Bestimmung 
enthält selbst die erwähnte Gemeindeordnung des Berg- 



* Doch die Inschrift 114 = Wilmanns 2696 «* CIL XI 1, 426* 
(unentgeltliche Verteilung von Medikamenten in Lorium) hält Bor- 
mann mit Recht für unecht. 2 Frontin. 1. 1. 3 Orelli 4404. 
Mommsen de colleg. p. 100 nr. 11. * CIL V. 5228. * SG I 
316 f. u. 336 f. 



Städtewesen in Italien. 55 

mannsdorfes in Portugal; auch dort war also eine Schule 
vorhanden oder wenigstens in Aussicht genommen. Und 
so werden auch an den kleinsten Orten Italiens wenig- 
stens Elementarschulen nicht gefehlt haben, während nur 
die größeren und größten Schulen für den wissenschaft- 
lichen Unterricht und dessen höchste Stufe, den Unter- 
rieht in der Beredsamkeit, besaßen. Aus kleineren Orten 
schickten daher die Eltern oft ihre Kinder, denen sie eine 
höhere Bildung zu geben wünschten, nach einer größeren 
Stadt oder nach Rom. Die Schule, die der ältere Statins 
in Neapel hielt, wurde von Knaben aus Lucanien und 
Apulien besucht 1 . Horaz sagt, daß die Schule eines 
Flavius in seiner Vaterstadt Venusia, in welche die großen 
Jungen großmächtiger Genturionen mit ihren Tafeln und 
Pennalen am Arme gingen, seinem Vater nicht genügte; 
trotz seiner beschränkten Mittel schickte er den Sohn nach 
Rom und ließ ihm eine Bildung erteilen, wie sie die 
Söhne von Rittern und Senatoren erhielten 2 . Um das Jahr 
100 n. Chr. gab es in Comum noch keinen Lehrer der 
Beredsamkeit, und die jungen Leute, die sich darin aus- 
bilden wollten, mußten in dem freilich sehr nahen Mailand 
studieren. Der jüngere Plinius schlug den beteiligten 
Familien vor, die Besoldung für einen Lehrer durch ge- 
meinschaftliche Beiträge aufzubringen; er selbst zeichnete, 
obwohl kinderlos, den dritten Teil der erforderlichen 
Summe. Sie der Stadt ganz zu schenken, hielt ihn nur 
die Furcht vor Wahlumtrieben ab, die auf die Besetzung 
der Lehrämter an Orten, wo sie durch die Gemeinde ver- 
geben und besoldet wurden, häufig einen Übeln Einfluß 
übten 3 . Wie in diesem Falle, wendete man sich wol 



i Stat. Silv. V 3, 162 ss. * Horat. S. I 6, 71 ss. 3 PH n . 
Epp. IV 13. 



56 Städtewesen in Italien. 

häufig nach Born, um eine geeignete Kraft zu gewinnen \ 
und die Bewerber um das zu vergebende Amt stellten 
sieh, mit Empfehlungssehreiben dortiger Notabilitäten ver- 
sehen, vor, und legten auch öffentliche Proben von 
ihrem Wissen und ihrer Unterrichtsgabe ab. Gellius 
wohnte in Brindisi einer solchen öffentlichen Probelektion 
eines aus Rom verschriebenen Lehrers bei. Dieser trug 
eine Stelle aus Virgil sehr ungeschickt und fehlerhaft vor 
und forderte dann die Zuhörer auf, Fragen über das Ge- 
lesene an ihn zu stellen. Bei der Beantwortung einer 
von Gellius an ihn gerichteten Frage verriet er vollends 
seine Unwissenheit 2 . Verdiente Lehrer erhielten außer 
ihrem Gehalt auch Ehrenbezeigungen, so z. B. ein Lehrer 
des Lateinischen in Verona, der dem Stande der Augusta- 
len angehörte, die Abzeichen der Dekurionen 3 ; manchen 
wurden (wenigstens nach ihrem Tode) Statuen errichtet 4 . 
Da übrigens Plinius der Stadt Comum auch eine Bibliothek 
von bedeutendem Werte schenkte und ein Kapital von 
100 000 Sesterzen zur Unterhaltung und Vermehrung der- 
selben hinzufügte 6 , darf man annehmen, daß die Frei- 
gebigkeit der Munizipalpatrioten nicht selten auch für die 
Lehrmittel sorgte. 

V. 
War nun die Fürsorge der Kommunen wie die Libe- 
ralität der Einzelnen so vielfach auf die besten und 
edelsten Zwecke gerichtet, so erhält man doch allerdings 
den Eindruck, daß auf öffentliche Vergnügungen und 
Festlichkeiten noch mehr verwandt wurde, namentlich 
von Reichen, welche sich die Gunst ihrer Mitbürger zu 



i Fronto ad amicos I 11. SG I 326. 2 Gell. N. A. XVI 6. 

3 SG I 317, 3. * SG III 257, 3. & SG I 252. 



Städtewesen in Italien. 57 

erwerben wünschten. Von diesen forderte überdies die 
Sitte, daß sie auch bei ihren Privatfesten einen großen 
Teil der Gemeinde zuzogen. Jedes freudige und feier- 
liche Ereignis in ihrer Familie wurde auf diese Weise 
für sie sehr kostspielig. Feierte ein reicher Mann seinen 
Geburtstag, ließ er seinen Sohn mit 'der Männertoga be- 
kleiden, richtete er die Hochzeit einer Tochter aus, trat 
er ein städtisches Amt an, weihte er einen auf eigene 
Kosten aufgeführten öffentlichen Bau ein: in allen solchen 
Fällen mußte er in der Regel den Gemeinderat, oft auch 
noch einen großen Teil der Bürgerschaft, im ganzen viele 
hundert, ja tausend Personen und darüber zu Gaste laden, 
oder ihnen statt der Bewirtung eine Gabe in Geld verab- 
reichen 1 . 

Die öffentlichen Lustbarkeiten waren hauptsächlich 
Bewirtungen der ganzen Gemeinde und Schauspiele 2 . Bei 
den ersteren wurden oft Tafeln im Freien aufgeschlagen 
(in Ostia einmal 217) 3 , und die Bewirtung war ohne 
Zweifel nicht selten eine vollständige; so wurden in 
Amiternum am 29. Juni 338 n. Chr. außer Brot und Wein 
mindestens zwei Ochsen und fünfzehn Hammel verzehrt 4 . 
Doch oft wurde bei solchen Gemeindespeisungen nur Brot 
und Wein gereicht und Geld zum Einkauf der übrigen 
Speisen, auch wol Geld Verteilungen mit vollständigen 
Bewirtungen verbunden. Sehr gewöhnlich war es, daß 
hierbei die Dekurionen je drei, vier, fünf, die Augustalen 
je zwei und mehr 5 , die übrigen Bürger je einen Denar 



i Plin. ad Tr. 116 sq. Apulej. Apol. 88. 2 Für das Fol- 

gende: Divisiones CIL X 2 p. 1181—1183 u. CIL XIV p. 596. 
Henzen Ind. p. 192 sq. Wilmanns Ind. p. 663. 3 Orelli 3882 = CIL 
XIV 376. 4 irn 5792 = CIL IX 4215. * OToller De spec- 

taculis cenis distributionibus in municipiis Romanis Occidentis im- 
peratorum aetate exhibitis. 1889. p. 94 s. 



58 Städtewesen in Italien. 

(ein Denar = 87 Pf.) erhielten. Zuweilen fand auch eine 
Art von Lotterie statt; so ließ in Benevent einmal der 
höchste Beamte Lose unter das Volk werfen, die Gewinne 
bestanden in Gold, Silber und Kupfer, Wäsche, Kleidern 
und anderen Dingen 1 . Sehr beliebt war in Italien 2 die 
Bewirtung mit Gebackenem und Honigwein. Die noch 
erhaltene Anzeige einer solchen in Ferentinum lautet in 
Hendekasy Haben 3 : 

Honigwein und Gebacknes wird hier jedem 
Auf Verlangen verabfolgt bis zum Mittag. 
Wer erst später sich meldet, hat das Nachsehn. 

An solchen Festmahlzeiten nahmen in der Begel nur 
die Männer teil, die auch bei den Geldverteilungen 
meistens allein (oder doch mit größeren Gaben als die 
Frauen) bedacht wurden. Zuweilen aber wurden auch 
die Bürgerinnen allein von den Honoratiorenfrauen be- 
wirtet 4 . Eine Inschrift in Veji meldet, daß eine dortige 
Dame den Müttern, Schwestern und Töchtern der Deku- 
rionen (die Frauen sind wol nur aus Versehen aus- 
gelassen) und den Frauen von jedem Stande ein Mahl, an 
den Tagen aber, an welchen ihr Mann Spiele und ein 
Mahl veranstaltete, ein Bad mit unentgeltlichem Öl gegeben 
habe 5 . Man sieht aus dieser Inschrift, daß bei solchen 
Mahlzeiten die dem Dekurionenstande angehörigen Frauen 
nicht weniger streng von den übrigen Bürgerinnen ge- 
schieden waren, als ihre Männer von der übrigen Gemeinde. 
Zuweilen wird auch erwähnt, daß bei derartigen Fest- 
lichkeiten Nüsse unter die Kinder (manchmal sogar die 



i Orelli 3994 = CIL IX 1665. 2 Nur dort wie es scheint. 

Toller p. 92, 5. 3 Henzen 7083 « CIL X 6844. * CIL IX 3171 
(Corfinium) — quae ob dedication. statuar. filiorum suorum epulum 
dedit, mulieribus sing, x s. (denarios singulos). 5 Orelli 3738 = 
CIL XI 1, 3811. 



Städteweeen ih Italien. 59 

Sklavenkinder mit einbegriffen) verteilt worden seien, 
auch wurden die überhaupt sehr beliebten Beleuchtungen 
damit verbunden. Es gab auch reiche Leute, welche die 
Gemeinde jährlich (etwa an ihrem Geburtstage oder dem 
des Kaisers) bewirteten, und durch Stiftungen und Ver- 
mächtnisse für die jährliche Wiederholung solcher Feste 
nach ihrem Tode sorgten 1 . In Ferentinum schenkte ein- 
mal der höchste Beamte der Gemeinde mehrere Grund- 
stücke, die er ihr für 70 000 Sesterzen (etwa 15 000 Mark) 
abgekauft hatte, damit von deren Ertrage (4200 S., also 
6 Prozent) den jährlich an seinem Geburtstage anwesen- 
den Bürgern und Insassen und den verheirateten Frauen 
ein Pfund (= 19,65 Lot) Gebackenes und eine Hemina 
(= 0,275 Liter) Honigwein, und an den Tafeln der Deku- 
rionen außer Honigwein und Gebacknem jedem 10 Sester- 
zen (etwa 2 Mark), ferner den Söhnen der Dekurionen und 
den Sevirn der Augustalen Honigwein und Gebacknes 
und je 8 Sesterzen gereicht würden; > außerdem soll an 
meiner Tafel jeder Mann noch einen Sesterz mehr er- 
halten«. Auch sollten den Kindern, und zwar ohne Unter- 
schied der Freiheit, Nüsse (262 1 /» Liter) gestreut werden 2 . 
Noch kostspieliger als diese Bewirtungen waren nicht 
selten die Schauspiele. Die in Rom so leidenschaftlich 
begehrten Spiele des Zirkus (Wagenrennen) gab es in den 
übrigen Städten Italiens nicht; wahrscheinlich hat August 
diese Schauspiele, die zu Parteiungen und Tumulten der 
schlimmsten Art führten, auf Rom beschränkt 3 . Von den 

i Digg. XXXIII 1, 23. 2 CIL X 5853 (favorabiie est, si pueris 
plebeis sine distinctione libertatis nucum sparsionem modiorum XXX 
— praestiterint). 3 Ni ssen S. 111; vgl. StV III 628, 6. Daß 

die Zirkusspiele im wesentlichen auf Rom beschränkt waren, zeigt 
auch Juvenal 3, 223 : si potes avelli circensibus. optima Sorae Aut 
Fabrateriae domus aut Frusinone paratur und 11, 254 sq. : ille do- 
lor solus patriam fugientibus — caruisse anno circensibus uno. 



60 Städtewesen in Italien. 

übrigen Schauspielen waren die des Amphitheaters, d. h. 
Tierhetzen und Gladiatorenkämpfe, bei weitem beliebter 
als die des Theaters 1 . Schon die Verhältnisse der für 
beide Gattungen bestimmten Gebäude in Pompeji lassen 
dies erkennen 2 : das große Theater faßte dort etwa 5000, 
das kleine (auch zu konzertartigen Aufführungen be- 
stimmte) etwa 1500, das Amphitheater nach der niedrig- 
sten Schätzung gegen 13 000, wahrscheinlich aber 20 000 
Personen 3 . Mögen auch in Campanien die Gladiatoren- 
spiele am beliebtesten gewesen sein, so ist das Verhältnis 
doch schwerlich irgendwo ein wesentlich anderes gewesen. 
Auch die griechischen Schauspiele der Athleten verbrei- 
teten sich aus der Griechenstadt Neapel in die übrigen 
Städte*. 

Die Schauspiele, vor allen, wie gesagt, die amphi- 
theatralischen, waren im damaligen Italien eine ebenso 
allgemein begehrte Belustigung, wie im jetzigen eine 
Tombola und ein Feuerwerk. Es war daher eine sehr 
harte Strafe, wenn einer Stadt für eine gewisse Zeit alle 
Schauspiele untersagt wurden 5 ; der römische Senat ver- 
hängte dieselbe über Pompeji nach einer blutigen Schlä- 
gerei, welche dort bei einem Schauspiel im Amphitheater 
zwischen der Stadtbevölkerung und den zahlreich herbei- 
gekommenen Bewohnern von Nuceria im J. 59 stattgefun- 
den hatte 6 . Die Einrichtung neuer, regelmäßig zu wieder- 
holender Schauspiele bedurfte der kaiserlichen Erlaubnis 7 . 
Diese wurden an Götterfesten und anderen Feiertagen 
durch Beamte oder eigens ernannte Kuratoren ausgerichtet, 



i Toller 1. 1. p. 38—41. 2 Nissen 116 u. 262. Über Zirkus- 
spiele in Puteoli vgl. den 4. Abschnitt der Einleitung. 3 Mau 
Pompeji S. 130. 142. 197. * SG II 418, 10 u. 636. 5 h. A. M. 
Antonin. 5. Avid. Cass. 9. « Tac. A. XIV 17. ? Mommsen 
StR 113 887, 8. CIL IX 1156. X 1211 u. a. 



Städtewesen in Italien. 61 

teils auf Gemeindekosten oder aus den Zinsen von 
Stiftungen, die zu diesem Zweek gegründet waren, wobei 
aber die Veranstalter wol immer erhebliche Zuschüsse 
zu machen hatten; teils von Beamten und Priestern in 
Anerkennung der ihnen durch die Gemeinde erwiesenen 
Ehren auf eigene Kosten 1 . Sehr häufig jedoch wurden 
auch Schauspiele von Reichen, die sich Gunst erwerben 
wollten, gegeben; besonders liebten Emporkömmlinge, wie 
es scheint, mit ihrem Reichtum gerade in dieser Weise zu 
prunken. Martial spottet, daß ein Schuster in Bologna, 
ein Walker in Modena (wo dies mit der Wollproduktion 
zusammenhängende Gewerbe blühte) ein Gladiatorenspiel 
gegeben habe 2 . Menschen, die einst von Stadt zu Stadt 
gezogen waren, um sich als Hornbläser bei Fechterspielen 
zu vermieten, und dann durch anrüchige Geschäfte Geld 
erworben hatten, veranstalteten solche nun selbst und 
gaben, in herablassender Weise den Wünschen der Zu- 
schauer entsprechend, das Zeichen, besiegten Fechtern 
den Gnadenstoß zu erteilen 3 . Auch zur Gedächtnisfeier 
für Verstorbene und bei Leichenbegängnissen wurden die 
Spiele des Amphitheaters oft gegeben. Der jüngere 
Plinius lobt einen Freund, daß er der Stadt Verona ein 
Fechterspiel versprochen habe, da er dort so allgemeine 
Liebe und Achtung besitze und überdies dem Andenken 
seiner verstorbenen Frau, einer Veroneserin, eine solche 
Feierlichkeit schuldig gewesen sei. Freilich habe man 
auch so allgemein in ihn gedrungen, daß er es nicht ab- 
schlagen konnte; doch verdiene seine Freigebigkeit in 
der Ausstattung noch besonderes Lob, denn in solchen 
Dingen zeige sich ein großer Sinn. Unter anderem war 
zu diesem Schauspiel eine Anzahl von Panthern aus 



i Sg. II 423. 2 Martial. m 16. 59. 99. 3 juvenal. 3, 35 ff. 



62 Städtewesen in Italien. 

Afrika verschrieben worden 1 . Nicht selten scheint die 
Veranstaltung solcher Spiele durch die nichts weniger als 
blöde geäußerten Volkswünsche geradezu erzwungen zu 
sein 2 . Unter Tiberius ließ einmal in einer Stadt im 
Genuesischen der Pöbel den Leichenzug eines Primipi- 
laren nicht eher den Marktplatz überschreiten, als bis er 
den Erben das Versprechen eines Fechterspiels abgetrotzt 
hatte; Tiberius, der davon Anzeige erhielt, legte Militär 
in die Stadt und ließ einen großen Teil des Senats 
und der Bürgerschaft ins Gefängnis werfen 3 . Auch zur 
Veranstaltung von Schauspielen wurden sehr oft Ver- 
mächtnisse gemacht 4 . So vermachte z. B. in Pisaurum 
(Pesaro) ein gewesener Duumvir ein Kapital von 217 500 ML 
mit der Bestimmung, daß die Zinsen von zwei Fünfteln 
desselben zu einem jährlich am Geburtstage seines Sohnes 
auszurichtenden Festmahl verwendet, von den Zinsen 
der übrigen drei Fünftel in jedem fünften Jahr ein Gla- 
diatorenBpiel gegeben werden sollte 6 . Überhaupt wurden 
für diese Spiele ungeheure Summen verschwendet. Sie 
dauerten oft zwei, drei, auch vier Tage; an den größeren 
Orten traten 20 und 30 Paare von Fechtern auf 6 , zuweilen 
in kostbaren Rüstungen; außer Hirschen, Hasen, Stieren, 
Ebern und Bären wurden auch Panther und Strauße ge- 
hetzt. Je mehr Blut floß, desto mehr wurde der Fest- 
geber gepriesen, auch die scheußlichen Hinrichtungen 
Verurteilter durch wilde Tiere wurden als ein Teil des 
Schauspiels angesehn 7 . An der Tafel Trimalchios ist von 



i Plin. Epp. VI 34. 2 Digg. XL VIII 6, 10: qui ludos pecu- 
niamve ab aliquo invito polliceri publice privatimve per injuriam 
exegerit. » Suetpn. Tiber. 37. * Digg. XXXIII 1, 6 u. 1, 21, 3. 
CIL II 4514 u. a. & Orelli 81. • Vielleicht war 30 seit An- 
fang der Kaiserzeit die höchste außerhalb Roms zulässige Zahl. 
Toller 64 s. i SG. II 423 ff. 



Städtewesen in Italien. 63 

einem kürzlich am Orte gegebenen und einem demnächst 
bevorstehenden Gladiatorenspiel die Rede; das letztere, 
das ausgezeichnet sein und drei Tage dauern wird, kann 
wohl 87 000 Mark kosten; die verwundeten Fechter wer- 
den in der Arena vor den Augen der Zuschauer umge- 
bracht werden; den Namen des Veranstalters wird man 
ewig mit Ruhm nennen 1 . Übrigens blieben neben den 
Spielen des Amphitheaters theatralische Aufführungen, 
wenn auch weniger begehrt, doch schon wegen ihrer ge- 
ringeren Kostspieligkeit immer häufig, und auch Athleten- 
kämpfe waren nicht selten. Unter August gab in Pompeji 
der Duumvir Anlas Glodius Flaccus am Apollofeste (6. bis 
13. Juli) auf dem Forum einen Aufzug, einen Stierkampf, 
griechische und römische Faustkämpfe, und im Theater 
eine Aufführung mit Musik und Ballett, wobei der berühmte 
Pantomimentänzer Pylades aus Rom auftrat. Als derselbe 
zum zweiten Mal Duumvir und zugleich Quinquennal war, 
wiederholte er am ersten Tage des Apollofestes den größ- 
ten Teil des früheren Schauspiels; am zweiten gab er für 
eigene Rechnung 30 Paar Athleten und 5 Paar Gladia- 
toren, gemeinschaftlich mit seinem Kollegen aber 35 Paar 
Gladiatoren und eine Tierhetze von Stieren, Ebern, Bären 
und anderen Tieren 3 . 

Die wohlhabenden Munizipalen, die durch solche 
Leistungen für den Nutzen und das Vergnügen ihrer 
Mitbürger einen großen Teil ihres Vermögens opferten, 
ja sich zu Grunde richteten, ernteten oft nicht einmal 
Dank'; auf eine materielle Entschädigung hatten sie so 
gut wie gar nicht zu rechnen. Höchstens ließ hin und 
wieder ein Senat aus der öffentlichen Wasserleitung eine 



1 Petroo. Ab. * LRN 2378 = CIL X 1074d. * p e troiL 46 
et rererm, quid ille nobis boni fecit etc. 



64 Städtewesen in Italien. 

fingerbreite Röhre in das Haus eines Augustalen in An- 
erkennung der von ihm bewiesenen Munifizenz leiten 1 . 
In der Regel aber belohnte man den opferbereiten Ge- 
meinsinn durch Übertragung städtischer Amter und Priester- 
ttimer oder Ehrenbezeigungen, von welchen die Errichtung 
einer Statue die hauptsächlichste war 2 . Die hohe Aus- 
bildung des Kunsthandwerks, der fabrikmäßige Betrieb 
desselben und die Sklavenarbeit machten eine äußerst 
wohlfeile Herstellung von Skulpturarbeit möglich. Diese 
Ehre konnte daher eine so allgemeine sein, wie wir es 
uns jetzt kaum vorzustellen vermögen. Wollte man also 
jemand besonders auszeichnen, so votierte man ihm 
mehrere Statuen oder eine Reiterstatue, eine Statue auf 
einem Zweigespann, eine Statue aus vergoldeter Bronze usw. 
In Brescia ließ der Senat einmal einem im Alter von sechs 
Jahren verstorbenen Sohn eines Dekurionen eine Reiter- 
statue aus vergoldeter Bronze errichten. Auf den zu Hun- 
derten erhaltenen Postamenten von Statuen liest man nun 
aber äußerst häufig den Satz: »mit der Ehre zufrieden, 
hat er die Kosten erlassen«. Man kann daher nicht zwei- 
feln, daß die Statuen in der Regel erst votiert worden 
sind, wenn man sich vergewissert hatte, daß der zu 
Ehrende die Kosten selbst tragen werde. Außerdem mußte 
er dann noch bei der Enthüllung ein Fest geben. Und 
so muß in guten Zeiten in diesen Städten ein Kreislauf von 
Schenkungen, feierlichen Einweihungen, Adressen, Ehren- 
bezeigungen, Festmahlen, Geldverteilungen und Schau- 
spielen stattgefunden haben, wobei der vermögende Teil 
der Einwohnerschaft die Ehre, die übrigen den Genuß 



1 CIL X 4760 (Suessa) : — Aug. II — quod — munus familiae 
gladiatoriae ex pecunia sua diem privatum secundum dignitatem 
coloniae ediderit; vgl. oben S. 36, 2. 2 Für das Folgende SG. 

III 257 ff. 



Städtewesen in Italien. 65 

hatten. Auch der Tod eines angesehenen Mannes war 
eine Veranlassung zu Ehrenbezeigungen und Festlich- 
keiten. Der Senat votierte eine Beileidsadresse an die 
Familie, schenkte den Platz zum Begräbnis, bezahlte die 
Kosten desselben aus der Stadtkasse (einige Male wird 
erwähnt, wieviel Pfund Weihrauch verwandt worden 
seien), ordnete an, daß die Bahre von Standespersonen 
getragen werden und die Bürgerschaft vom Forum aus 
das Geleit geben solle. Zuweilen wurden, behufs einer 
möglichst großen Beteiligung, die auf den betreffenden 
Tag angesetzten gerichtlichen Termine verschoben. End- 
lich errichtete man dem Verstorbenen eine oder mehrere 
Statuen. Die' Familie trug die Kosten derselben und gab 
überdies ein Fest oder Schauspiel 1 . 

Von dem mit dem bürgerlichen aufs innigste zusam- 
menhängenden religiösen Leben in den Städten Italiens 
wissen wir äußerst wenig. Wenn auch im großen und 
ganzen tiberall gleichartig, bewahrte es doch an vielen 
Orten sehr abweichende Eigentümlichkeiten. Neben den 
Kulten der allgemein verehrten Götter hatten sich aus 
vorrömischer Zeit manche uralte Lokalkulte erhalten, die 
meist auf ein enges Gebiet beschränkt waren: so in 
Oberitalien keltische (z. B. die der von den Römern 
»Mütter« oder »Matronen« genannten Gottheiten), im Ge- 
biet von Verona rätische, in Toskana altetruskische, wie 
die der Schicksalsgöttin Nortia in Volsinii (Bolsena) u. a. 
Manche altitalische Kulte erstreckten sich nicht über das 
Weichbild einer Stadt hinaus: so war die Verehrung der 



1 Vgl. Funus publicum unter Notabilia varia in den Indices 
von CIL X u. XIV. X 3903 (Capua) — vadimoniaque ejus diei 
dif[ferantur ne per quas r]es possit inpedßtus esse populus]. Schen- 
kung eines Grundstücks zum Begräbnis bei Lebzeiten des Be- 
schenkten CIL XIV 2466 (Castrimoenium). 

Petronii Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 5 



66 Städtewesen in Italien. 

Valentia auf Otricoli, der Hostia auf Sutri, der Ancharia 
auf Ascoli beschränkt usw. Auch sehr eigentümliche 
Feste und Gebräuche bestanden an verschiedenen Orten 
fort 1 . Bei dem in den Hochsommer fallenden Fest der 
Diana von Aricia, deren Tempel am Abhänge des Sees 
von Nemi, unterhalb des jetzigen Ortes stand, glänzte 
nachts der ganze See von Fackeln 2 . Bei dem Feste der 
Juno in Falerii (in der Gegend von Civita Gastellana} 
zog eine feierliche Prozession aus dem altehrwürdigen 
Haine der Göttin zur Stadt. Flöten gaben das Zeichen 
zum Auszuge. Zuerst kamen schneeweiße Kühe und 
andere Opfertiere, voran ein auserlesener Stier mit ge- 
wundenen Hörnern. Ein Zug von Jungfrauen im höchsten 
Schmuck folgte, Gold und Geschmeide in den Haaren, 
nach griechischer Weise verhüllt, in langen weißen Klei- 
dern und goldgestickten Schuhen, Heiligtümer auf dem 
Kopfe tragend; dann die Priesterinnen, zuletzt das Bild 
der Göttin selbst. Überall wo der Zug sich nahte, brei- 
teten Knaben und Mädchen Teppiche über die Straßen 
aus 8 . Bei solchen Festen strömten Wallfahrer und Schau- 
lustige von weit und breit zusammen. Überdies zog zu 
allen Zeiten eine große Menge alter und berühmter Hei- 
ligtümer Pilger von nah und fern herbei; vor allem die 
Tempel der Heilgötter, in denen zahlreiche Votivtafeln 
und -gaben wunderbare Heilungen von Krankheiten aller 
Art meldeten, und die Orakeltempel, besonders der der 
beiden Fortunen zu Antium, und der der Fortuna zu 
Präneste, wo das Orakel durch Lose erteilt wurde, die 
ein Knabe mischte und zog. Prozessionen bei Götter- 
festen wie bei außerordentlichen Veranlassungen werden 



i SG III 693 f. 2 Ovid F. III 269. SG II 117, 7. 

3 Ovid. Am. III 13. 



Städtewesen in Italien. 67 

tiberall häufig gewesen sein; wenn bei großer Dürre 
Jupiter um Regen angefleht werden sollte, zogen sie barfuß 
einher, die Frauen mit aufgelösten Haaren 1 . 

Mit Götterfesten wurden oft Messen und Märkte (zu 
deren Abhaltung eine Erlaubnis des römischen Senats 
nötig war 3 ) verbunden. Auch diese zogen selbstverständ- 
lich Menschen von allen Seiten herbei: bei einer mehr- 
tägigen Messe in Gremona im Jahre 69 war »ein großer 
Teil von Italien zusammengeströmt« 3 . Auf solchen Märk- 
ten sah man ohne Zweifel die anerkanntesten Erzeug- 
nisse der italienischen Industrie beisammen 4 : grobe Woll- 
stoffe und Tuche von der genuesischen Küste, feine aus 
Parma und Moden a, Zeuge aus braunroter Wolle zu 
Soldatenmänteln und Livreen aus Ganosa di Puglia, Pur- 
purkleider aus Tarent, kostbare Teppiche und Frieszeuge 
aus Padua, rotes und schwarzes Tongeschirr aus Arezzo 
und Guma, Eisenwaren aus dem in den Werkstätten von 
Pozzuoli verarbeiteten Eisen von Elba, Bratwürste aus 
Lucanien, Fischbrühe aus Pompeji, Ol und Oliven aus 
Venafro, Umbrien und den Marken, Wein aus den ver- 
schiedensten Gegenden; denn Italien war das Hauptwein- 
land des Altertums, das von den 80 berühmten Sorten, 
die im Handel waren, etwa zwei Drittel lieferte. 

Zu Rom müssen alle Städte Italiens zahlreiche und 
mannigfache Beziehungen schon deshalb gehabt haben, 
weil viele ihrer Angehörigen sich zeitweilig oder auf die 
Dauer dort aufhielten, um an den Genüssen der Haupt- 
stadt teilzunehmen, der Studien halber, in Geschäften 
aller Art, besonders Prozeßangelegenheiten, im Staats- 
und Militärdienst. Die durch hohen Sold, kürzere Dienst- 

1 Zn Petron. 44 antea stolatae ibant nudis pedibus in clivuui. 
1 Wilmanns Ephem. epigr. III 279 sq. 3 Tacitus H. III 30. 

4 Bltimner Gewerbl. Tätigkeit d. Völker d. klass. Altertums. 

5* 



68 Städtewesen in Italien. 

zeit und auch sonst bevorzugte Kaisergarde der Prätorianer 
(9000 — 10 000 Mann) wurde, wie auch die Stadtwache von 
Born (3000 Mann), vorzugsweise in Italien rekrutiert, 
dessen waffenfähige Jugend sich zu diesem vorteilhaften 
und glänzenden Dienst drängte; als Severus die Garde 
durch Aufnahme von Veteranen der Legionen neu orga- 
nisierte, wandte sich ein großer Teil der jungen Mann- 
schaft Italiens dem Gladiatoren- und Räuberhandwerk zu 1 . 
Aber auch um in den verschiedensten bürgerlichen Be- 
rufsarten ihr Glück zu macheu, strebten die Ehrgeizigsten 
und Talentvollsten aus ganz Italien nach Rom, und vielen 
gelang es, sich zu hohen Stellungen aufzuschwingen. 
Fort und fort wurden Munizipalen nicht bloß in den 
Ritterstand erhoben, sondern stiegen auch zum Senatoren- 
stande empor. Als Mitglieder des letzteren schieden sie 
aus dem Gemeindeverbande ihrer Vaterstadt aus, denn 
der erste Stand des Reiches gehörte der Hauptstadt allein 
an. Die Ritter, die an ihren Heimatsorten blieben, waren 
(wie gesagt) dort die Ersten und Angesehensten; aber 
auch von ihnen verließen viele die Vaterstadt für immer, 
um im kaiserlichen Dienst oder im Heer teils in Rom, 
teils in den Provinzen, von einer einflußreichen Stellung 
zur andern aufzurücken. Daß jede Stadt auf die hervor- 
ragenden Männer stolz war, die sie hervorgebracht hatte, 
ist selbstverständlich. Über die glänzende Laufbahn 
Ciceros und seines Bruders freuten sich, wie er selbst 
sagt, »selbst die Berge und Felder von Arpinunu; traf 
man mit einem Arpinaten zusammen,' so bekam man 
sicher etwas von Marius, vielleicht auch von Cicero zu 
hören 2 , was übrigens auch jetzt noch der Fall ist, wo 
jedermann dort die Namen beider kennt, ihre Geburts- 



i SG I 372—376. 2 Cic. pro Plancio 8, 9. 



Städtewesen in Italien. 69 

hänser gezeigt werden, und ihre Büsten das Stadthaus 
schmücken. Sicherlich unterließ im Altertum keine Stadt, 
denjenigen ihrer Angehörigen, auf die sie stolz sein konnte, 
Statuen zu errichten, wie Herculaneum der Familie des 
Nonius Baibus. Aber auch ihrerseits bewiesen die aus 
dem Munizipaladel hervorgegangenen Männer des Ritter- 
und Senatorenstandes ihre Anhänglichkeit an die Heimat, 
vor allem durch Bauten und Schenkungen. Die beiden 
Brüder Stertinius, die als Leibärzte des Kaisers und durch 
ihre sonstige ärztliche Praxis in Rom Reichtum erworben 
hatten, erschöpften denselben durch große Bauten zur 
Verschönerung ihrer Vaterstadt Neapel 1 . Von einigen 
Zuwendungen des jüngeren Plinius für die Stadt Como 
ist schon die Rede gewesen; er schenkte ihr auch ein 
Kapital zur Alimentierung freigeborener Knaben und 
Mädchen, und vermachte ihr ein anderes zur Erbauung, 
Einrichtung und Instandhaltung von Thermen; von den 
(mehr als 24 000 M. betragenden) Zinsen eines dritten, 
das zunächst zur lebenslänglichen Versorgung von hundert 
seiner Freigelassenen bestimmt war, sollte nach deren 
Ableben jährlich eine Bewirtung der ganzen Gemeinde 
veranstaltet werden 2 . Eine unter Trajan im Alter von 
80 Jahren verstorbene sehr vornehme Frau, Ummidia 
Quadratilla, war aus Casinum (San Germano, unterhalb 
Monte Cassino) gebürtig. Eine kurze Inschrift meldet dort, 
daß sie der Stadt einen Tempel und ein Amphitheater 
erbaut habe; die Ruine des letzteren ist noch vorhanden 3 . 
In fortwährender Beziehung zu ihrem Geburtsort 
blieben die Männer der beiden ersten Stände, die das 
Patronat desselben und damit für sich und ihre Nach- 



* SG I 130, 4. 2 Mommsen Hermes III 102. Sg. I 

8 Orelli 781. SG III 205. 



70 Städtewesen in Italien. 

kommen die Verpflichtung übernahmen, die Stadt und im 
vorkommenden Fall auch einzelne Mitglieder derselben in 
Rechtsangelegenheiten und sonst zu vertreten, und über- 
haupt auf jede Weise für ihr Bestes zu sorgen 1 . Zu 
Patronen wurden zwar auch angesehene Mitglieder der 
Gemeinde ernannt, namentlich Primipilaren ; aber beson- 
ders Bitter und Senatoren, und zwar zunächst gewiß 
überall solche, welche der Stadt durch Geburt angehör- 
ten oder durch Familienbeziehungen nahe standen. Die 
oben erwähnte Senatsliste von Ganosa führt vor dem 
Verzeichnis der Dekurionen die Namen von 39 Patronen 
der Stadt auf, von denen 31 Senatoren und 8 Ritter 
waren. Daß überhaupt jede Stadt sich bemühte, sich in 
hohen Kreisen, vor allem am Hof und im Senat Gönner 
zu erwerben, ist selbstverständlich. Wie sehr man sich 
in der Regel beeiferte, jeden Wunsch eines Senators zu 
erfüllen, beweist folgende Tatsache. Der sehr reiche und 
einflußreiche Senator Aquilius Regulus versandte (unter 
Trajan) einen Nekrolog, den er für einen im Knabenalter 
verstorbenen Sohn verfaßt hatte, in 1000 Exemplaren in 
die Städte Italiens und der Provinzen, mit der Aufforde- 
rung, daß die Dekurionen denselben überall durch einen 
aus ihrer Mitte zu wählenden mit besonders guter Stimme 
begabten Vorleser öffentlich vortragen lassen sollten: und 
es geschah 2 . 

Die römischen Autoren sprechen von den Städten 
Italiens nur selten und beiläufig; doch wissen wir, daß 
die dortigen Zustände den Bewohnern der Hauptstadt 
manchen Stoff zur Belustigung boten. In dem älteren 
römischen Lustspiel waren die Kleinstädter oft auf die 
Bühne gebracht worden; leider kennen wir nur noch die 



i Marquardt Prl. I 202. 2 pij n . Epp. IV 7, 2. 



Städte wesen in Italien. 71 

Titel solcher Stücke: die Frauen von Brindisi, die Frau 
von Sezza, die Frau von Velletri. Öfter wird die ge- 
spreizte Würde und Wichtigtuerei der Munizipalbeamten 
verspottet: die strenge Miene und steife Haltung, mit 
der z. B. ein Ädil von Arezzo das falsche Maß eines 
Händlers zu zerbrechen befahl, oder ein anderer ein Ge- 
richt Fische, für welches ein zu hoher Preis gefordert 
war, durch seinen Amtsdiener zerstampfen ließ 1 . Ge- 
legentlich wird bemerkt, daß kleinlicher Neid und Übel- 
wollen Weniger sich in der Enge und Beschränktheit des 
kleinstädtischen Lebens ganz anders fühlbar mache, als 
in der Weltstadt Rom 2 . Auf der anderen Seite erkannte 
man an, daß in den Städten Italiens mehr Ehrbarkeit, 
Zucht und Sitte zu finden war, als in der Hauptstadt: in 
besonders gutem Rufe standen in dieser Beziehung die 
Städte der Lombardei, namentlich Padua und Brescia 3 . 
Nach der Zwanglosigkeit, Stille und Wohlfeilheit einer 
kleinen Stadt sehnten sich viele, denen sich die Schatten- 
seiten des aufreibenden, teuren und zwangvollen Lebens 
in Rom besonders fühlbar machten. An einem kleinen 
Ort konnte man auch mit geringen Mitteln im Überfluß 
leben 4 . Man speiste dort von Ton und kleidete sich in 
einen groben blauen Kapuzenmantel ; die Toga, die lästige 
und kostspielige Staatstracht der römischen Bürger legte 
man dort vielleicht zweimal im Monat an, und mancher 
wurde zum ersten Male damit bekleidet, wenn er auf der 
Bahre lag ; ein Anzug für die Tafel hielt zehn Jahre vor. 
Wenn in einer kleinen Stadt an Feiertagen in dem gras- 



i Horat. S. I 4, 34. Pers. 1, 129. Juvenal. 10, 100. Apulej. 
Metam. I 24 sq. 2 Martial. XII praef. 3 Plin. I 14, 4. 

Martial. XI 16, 8. Tac. A. XVI 5: sed qui remotis e municipiis 
severaqne adhuc et antiqui moris retinente Italia — advenerant etc. 
* Martial. IV 66. 



72 Städtewesen in Italien. 

bewachsenen Theater eine oft gesehene Gespensterkomödie 
zur Aufführung kam, und ländliche Kinder im Schreck 
über die bleiche Maske des kinderfressenden Gespenstes 
mit aufgerissenem Maule sich in den Schoß der Mutter 
flüchteten, dann sah man Senat und Bürgerschaft in der- 
selben Tracht, und selbst die hohen Ädilen begnügten 
sich an solchen Tagen mit weißen Tuniken 1 . In Capua, 
in Neapel konnte man ungestört von lästigen Zerstreu- 
ungen und Verpflichtungen seine Zeit zwischen Arbeit 
und Erholung teilen 2 . In Präneste, Volsinii und anderen 
schön gelegenen Orten brauchte man nicht, wie in Rom, 
in schlecht gebauten Mietkasernen zu wohnen, die immer 
den Einsturz drohten und wo es bei Feuersgefahr kaum 
eine Möglichkeit des Entrinnens gab. Dort oder in Sora, 
in Frusino konnte man ein vortreffliches Haus für eine 
Summe kaufen, die man in Rom für eine finstere Wohnung 
als Jahresmiete zahlte. Man zog dann seinen Kohl in 
seinem eigenen G^rtchen, das aus einem wohlgefüllten 
Brunnen bewässert wurde; es war doch etwas, in welchem 
Winkel auch immer, ein Stückchen Land sein eigen zu 
nennen, wenn auch nur eine Eidechse darauf Raum hatte. 
Aus solchen Gründen läßt Juvenal (in einer in der letzten 
Zeit Trajans verfaßten Satire) einen Freund, dem das 
Leben in Rom unerträglich geworden ist, nach dem da- 
mals sehr stillen und einsamen Cumä tibersiedeln 3 . 



1 Juvenal. 3, 168 ss. 2 Cass. Dio LXXVI 2. Stat. Silv. III 
6, 78 ss. 3 Juvenal. 3, 190 ss, 223 ss. 



Puteoli. 73 



4. Puteoli. 

Beloch Campanien 2 1890 S. 88—144 und 451. Nissen Italische 

Landeskunde II 2 (1902) S. 736—743. Meine Darstellungen 

aus der Sittengeschichte Roms II 6 8. 139 — 142. 

Puteoli verdankte seine Bedeutung als erste Handels- 
stadt Italiens seinem vortrefflichen Hafen, der, bis zur 
Vollendung der großartigen Hafenbauten an der Tiber- 
mündung unter Claudius und Trajän, der Hafen Roms 
war. In seinem jetzt so stillen Becken drängten sich da- 
mals Mast an Mast Schiffe von allen Küstenländern des 
Mittelmeers. Ägyptische Handelsflotten brachten jahraus 
jahrein während der Zeit der Schiffahrt die Erzeugnisse 
und Fabrikate Ägyptens (Korn, Leinwand, Papier, Weih- 
rauch, Glaswaren, Teppiche) und des innern Afrika (Gold- 
staub, Elfenbein und Schildkrötenschalen), die Gewürze 
und Wohlgerüche Arabiens, Perlen aus dem persischen 
Meerbusen, Byssus und Edelsteine aus Indien, Seide aus 
China und viele andre Waren, meist von höchster Kost- 
barkeit. Nicht weniger lebhaft war der Handelsverkehr 
mit Kleinasien, Cypern, Syrien, Phönizien, sowie mit Sar- 
dinien, Spanien und Afrika. Nach Strabo war in Puteoli 
die Zahl der spanischen (mit Korn, Wein, Öl, Wachs, 
Honig, Pech, Scharlach, Mennig befrachteten) Kauffahrtei- 
schiffe nicht viel geringer als die der afrikanischen. Zur 
Ausfuhr lieferte das Land den besten Wein (den Falerner 
vom Gaurus), außerdem hatte Trimalchio Speck, Bohnen, 
Parfümerien und Sklaven exportiert; auch die Puzzolan- 
erde muß ein Artikel der Ausfahr gewesen sein. Neben 



74 Puteoli. 

dem Handel bestand eine nicht unbedeutende Industrie. 
Färberei und Farbenbereitung, Fabrikation von roten Ton- 
gefäßen wurden hier betrieben, und das Eisen von Elba 
zu Werkzeugen verarbeitet, die in alle Welt gingen. Zur 
Steigerung des Fremdenverkehrs werden die heißen 
Schwefelquellen, die die Stadt zu einem der berühmtesten 
Badeorte machten, nicht wenig beigetragen haben. Auf 
Glasgefäßen, die die Badegäste als Andenken mitnahmen, 
und die sich an verschiedenen Orten erhalten haben, ist 
die Stadt dargestellt, wie sie sich bei der Einfahrt zeigte, 
amphitheatralisch aufsteigend wie das heutige Neapel. 
Man wählte sie auch zur Villeggiatur, und römische Große, 
wie schon Sulla, ließen sich hier auf die Dauer nieder, 
und ihre Villen krönten die, eine prachtvolle Aussicht auf 
Stadt und Hafen, den blauen Golf, auf Sorrent und Capri 
bietende Anhöhe. Ihre Blütezeit hatte die Stadt unter 
Claudius und Nero. Ihren Glanz und ihre Größe bekun- 
den ansehnliche Überreste. Von dem im Altertum als 
Wunderbau gepriesenen, weit ins Meer hinausgreifenden 
Molo sind noch 16 gemauerte Pfeiler nachweisbar, die 
einst durch Bogen verbunden waren. Der untere Stadt- 
teil war die Geschäftsgegend (emporium). Vom Hafen 
aus erstreckte sich nach Westen der zwei Kilometer lange 
Staden (ripa) mit seinen Säulenhallen, Kaien und Speichern, 
zu deren Schutz gegen Brandschaden unter Claudius eine 
Kohorte der römischen Feuerwehr (vigiles) hierher ver- 
legt wurde; von einer auf dem Staden erbauten Markt- 
halle sind noch die Fundamente erhalten (der sogenannte 
Serapistempel). Auf der Höhe der steil ansteigenden 
Hügel, hoch über dem Lärm und Gewühl des Emporiums 
war das vornehme Quartier. Hier erhob sich eine Reihe 
prächtiger Paläste, darunter ein kaiserlicher (palatium), 
und Villen, das Theater, das Amphitheater, die Thermen, 



Puteoli. 75 

ans Inschriften oder Überresten sind der Zirkus, zwei 
Basiliken, verschiedene Tempel bekannt. Daß Pnteoli in 
einer Zeit, wo in Italien außerhalb Korns Zirknsspiele 
nicht stattfanden, einen Zirkns besaß, erklärt sich wol, 
ebenso wie die Großartigkeit seines (mit Snbstruktionen 
versehenen) Amphitheaters daraus, daß die Kaiser, die an 
dieser Küste oft und gern verweilten, hier Schauspiele 
gaben, oder den ihnen zu Ehren gegebenen beiwohnten i . 
Die Stadt war in Regionen geteilt, Wasser erhielt sie 
durch zwei Leitungen. Die Bauten, die Gräberstraßen, 
die Inschriften entsprechen nach antikem Maßstab einer 
Großstadt, die hinter einer Einwohnerzahl von 100000 
nicht allzuweit zurückgeblieben sein kann. Die Bevölke- 
rung war so stark mit orientalischen Elementen versetzt, 
daß man hier ein Stück der Levante vor Augen hatte. 
Griechen, Halbgriechen, Ägypter, Syrer und Juden ließen 
sich hier zahlreich auf die Dauer nieder, die großen 
Handelsstädte des Ostens wie Hierapolis, Berytus, Tyrus 
hatten in Puteoli ihre Faktoreien und ihre Gottesdienste; 
auch das Christentum fand hier früh Eingang. Die dor- 
tigen Augustalen, die im Jahre 17 eine Kolossalstatue 
Tibers errichteten, stammten aus den 14 am Postament 
abgebildeten Städten der Provinz Asia (darunter Ephesus, 
Sardes, Cibyra) oder standen mit ihnen in Handelsbezie- 
hungen. Die Stadtverfassung war die in allen Kolonien 
bestehende. Die Oberbeamten hießen Duumvirn. Die 
Zahl der Dekurionen wird auch hier 100 gewesen sein, 
in einem ihrer Beschlüsse werden 82 als anwesend an- 
gegeben. Die Augustalen mögen in einer Stadt, wo die 
ganz tiberwiegende Mehrheit der Bevölkerung eine handel- 

1 Neros Freigelassener Patrobius gab hier prachtvolle amphi- 
theatralische Spiele zu Ehren des Partherkönigs Tiridates. C. Dio 
LXIII 3. 



76 Puteoli. 

und gewerbetreibende war, mehr Ansehn beansprucht 
und genossen haben als in den Städten des übrigen 
Italien. Sie waren in Centurien geteilt; es gab unter 
ihnen dupliciarii (die bei Schmausen und Geldverteilungen 
doppelte Anteile erhielten) und sich zu den übrigen ver- 
halten haben mögen, wie geheime Kommerzienräte zu 
gewöhnlichen. Die Denkweise und den Bildungsgrad 
dieser Kreise lernen wir aus den Tischgesprächen der 
Gäste Trimalchios kennen. 



TEXT UND ÜBERSETZUNG. 



L bezeichnet die vollständigem, von Scaliger und in den Ausgaben 
von Tornaes und Pithöus benutzten, die geringern Handschrif- 
ten, H den codex Traguriensis. Sternchen bezeichnen Lücken, 
die sich aus den Handschriften erkennen lassen. Mit Kursivschrift 
sind (in Text und Übersetzung) Worte und Silben gedruckt, die 
in den Handschriften fehlen. 



Verzeichnis 
der in den Anmerkungen gebrauchten Abkürzungen, 

Archiv = Wölfflin Archiv f. lateinische Lexicographie u. Grammatik. 
Birt = Birt Zu Catull und Petron. Rhein. Mus. N. F. LI (1896) 

S. 468-470. 
Bloch = Leo Bloch Vindiciae Petronianae. Philolog. LVI (1897) 

S. 642-550. 
Bücheier = 1) Bücheier in allen Ausgaben. 2) Briefliche Mitteilungen 

von Bücheier. 
Bücheier I = Petronii Arbitri Satirarum reliquiae ex rec. Fr. Bü- 

cheleri. 1862. 
Bücheier 3 und 4 = Petronii Satirae et über Priapeorum. Tertium 

edidit Fr. Bticheler. 1882. Quartum edidit. 1904. 
Bücheier 5 = Bticheler Eine Verbesserung Petrons. Rhein. Mus. 

N. F. LVIII (1903) S. 624—626. 
Bücheier- Windekilde — Bücheier Grundriß der lateinischen Dekli- 
nation. Aufs neue herausgegeben von Windekilde. 1879. 
Gesareo «= IACesareo De Petronii sermone. Romae 1887. 
Gocchia = ECocchia Napoli e il Satyricon di Petronio Arbitro. 

Archivio storico per le province Napoletane. Anno XVIII 

1893 p. 278—315. 

Collignon * = ACollignon Etüde sur Patrone. 1892. 

Collignon 2 = ACollignon Patrone au moyen äge et dans la litt6- 

rature frangaise. 1893. 
CGI = Corpus Glossariorum latinorum a Gustavo Löwe incohatum 

— edidit Georgius Götz. Vol. II 1888. III 1892. IV 1889. V1894. 

VI 1899. VII 1901. 
Crusius = Crusius Märchenreminiszenzen im antiken Sprichwort. 

Verhandlungen der 40. Philologenversammlung 1890 S. 31 — 47. 
Crusius * « Crusius Petron. Sat. c. 56. Philolog. LH 1893 S. 488. 
Crusius 2 = Crusius Nachträgliches über acetabulum Philol. LIII 

1894 S. 131. 

Diez Et.W = Diez Etymologisches Wörterbuch der romanischen 
Sprachen. Vierte Aufl. mit einem Anhange von Scheler. 1878. 

Funck = AFunck Zu Petron und lateinischen Glossaren. Philolog. 
LIII S. 127—131. 

Genthe = HGenthii epistula de proverbiis Romanorum ad anima- 
lium naturam pertinentibus. Programm des Hamburger Gym- 
nasiums 1881. 

Gilbert = Jo. Gilbert Ad Petroni saturas. Rhein. Mus. LI S. 471. 



80 Verzeichnis der in den Anmerk. gebrauchten Abkürzungen. 

Gudeman = Gudeman zu Petron. c. 46. Berliner philol. Wochenschr. 

1900 S. 189 f. 
Guericke *=* AaGuericke De linguae vulgaris reliquiis apud Pe- 

tronium et in inscriptionibus parietariis Pompejanis. Diss. 

Regina. 1876. 
Hayley = Hayley Petronius c. 61 ad f. Harvard Studies VII 1896 

p. 217—219. 
Heraus = WHeräus Die Sprache des Petronius und die Glossen. 1899. 
Heraus- V. = Heraus Zum Gastmahl des Trimalchio in der Fest- 
schrift für Vahlen 1901. 
Heraus = Heraus brieflich. 
Hirschfeld = 1) OHirschfeld Petron u. Lucian. Rhein. Mus. LI 

S. 470 f. 2) Derselbe brieflich. 
Klebs = 1) Elimar Klebs Petroniana. Philologus Supplementband VI 

1891—93 S. 659— 698. 2) Derselbe brieflich. 
Lex. Petr. =» Segebade et Lommatzsch Lexicon Petronianum 1898. 
Ludwig = Ludwig De Petronii sermone plebejo. Diss. Marb. 1869. 
Marquardt Prl = Marquardt Privatleben der Römer. Zweite Auf- 
lage besorgt von AMau. 1886. 
Marquardt StV = Marquardt Römische Staatsverwaltung. Zweite 

Auflage Bd. I 1881. Bd. II (bes. von Dessau u. Domaszewski) 

1884. Bd. m (bes. von Wissowa) 1886. 
Martial = Martialis Epigrammata ed. LFriedlaender. 1886. 
Müller = CFW Müller brieflich. 
Ohlert = KOhlert Petroniana. Philolog. LVH 1898 S. 663 f. und N. F. 

XIII 1900 S. 154 f. 
Otto Spr. = Otto Die Sprichwörter und sprichwörtlichen RedeLS- 

arten der Römer. 1890. 
Rönsch = Rönsch Itala und Vulgata. 1875. 
Schmidt = Joh. Schmidt De seviris Augustalibus. 1878. 
Segebade = Segebade Observationes grammaticae et criticae in 

Petronium. Diss. Hai. 1880. 
SG = Friedender Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms. 

I— III. Sechste Auflage. 1888— 1890. 
Studer = Studer Über das Zeitalter des Petronius Arbiter. Rhein. 

Mus. II (1843) 50—92. 202-223. 
Thielmann = Thielmann Zu Petronius. Philolog. XLIII 1884 S. 

356-358. 
Vidossich = GVidossich Un pregiudizio italiano e un passo os- 

curo della Cena Trimalchionis. Atene e Roma III. 1900 De- 

cembre p. 373-376. 
V. d. Vliet « V. d. Vliet Petron. c. 52. Mnemosyne N. S. XXIV 

1896 p. 198. 



Verzeichnis der in den Anmerk. gebrauchten Abkürzungen. 81 

Waters =» William £. Waters Petronius Cena Trimalchionis edited 

with introduction and cominentary. Boston 1902. 
Wehle « GWehle Observationes criticae in Petronium. Diss- 

Bonn. 1861. 
Zielinski = Zielinski Eine Bannformel in Petron. c. 64. Philologus 

LX 1901 S. 6. Derselbe Petron. c. 31 und Aristoph. Eqq. 1206. 

Phüolog. LXIV — N.-F. XVIII S. 20. 

Für die kritischen Anmerkungen verweise ich auf Bachelors 
erste Ausgabe und meine Berichte über die Literatur der 
römischen Satiriker 1872—1885 in den Jahresberichten über 
die Fortschritte der klassischen Altertumswissenschaft. 



Petronii Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 



Bücheler 
p. 19 
| venerat iam tertius dies, id est expectatio liberae H 

cenae, sed tot vulneribus confossis fuga magis placebat, 

quam quies. itaque cum maesti deliberaremus, quonam 

genere praesentem evitaremus procellam, unus servus 

6 Agamemnonis interpellavit trepidantes et c quid? vos' inquit 
c nescitis, hodie apud quem fiat? Trimalchio, lautissimus 
homo, horologium in triclinio et bucinatorem habet sub- 
ornatum, ut subinde sciat, quantum^jde vita perdiderit'. 
amicimur ergo diligenter obliti omnium malorum et Gitona 

10 libentissime servile officium tuentem usque hoc iubemus 
in balneo sequi. 

27 nos interim vestiti errare coepimus immo iocari 

magis et circulis ludentum accedere, cum subito | videmus EL 
senem calvum, tunica vestitum russea, inter pueros capillatos 

15 ludentem pila. nee tarn pueri nos, quamquam erat operae 
pretium, ad speetaculum duxerant, quam ipse pater fa- 
miliae, qui soleatus pila prasina exercebatur. nee amplius 
eam repetebat quae terram contigerat, sed follem plenum 
habebat servus sufficiebatque ludentibus. notavimus etiam 

20 res novas. nam duo spadones in diversa parte circuli 

1 id est expectatio] et expectatio? Bücheler* vgl die Anm. 

10 libentissime servile officium tuentem usque hoc] usque hoc 
libentissime servile officium tuentem? vgl. die Anm. usque boc] 
usque h[oram] oc[tavam]? vgl. Marquardt Prl. 270, 3 u. 4 Hirschfeld, 

11 balneo H balnea Jahn Bücheler*. 12 nos interim ohne Lücke 
Bücheler. 13 ludentum Heinsius Bücheler I Bloch ludentem H 
17 qui] quia K 



Schon war der dritte Tag und mit ihm die Aussicht 
anf die Henkermahlzeit herangekommen, doch wir, die 
wir aus so vielen Wunden bluteten, dachten mehr an 
Flucht als an Ruhe. Als wir nun niedergeschlagen hin 
und her überlegten, auf welche Art wir dem jetzigen 
Sturm entgehen könnten, machte ein Sklave des Aga- 
memnon unsrer ängstlichen Unschlüssigkeit mit den Wor- 
ten ein Ende: »Wie? wißt ihr nicht, bei wem es heute 
etwas gibt? Trimalchio, ein sehr feiner Mann; er hat 
eine Sonnenuhr im Speisesaal und einen eigens dabei xum 
Blasen nach jeder Stunde angestellten Trompeter, so daß 
er immer wissen kann, ein wie großes Stück vom Leben 
er bereits hinter sich hat.« Wir kleiden uns, alle Leiden 
vergessend, sorgfältig an, und heißen Giton, der diesen 
Sklavendienst sehr gern auf sich nahm, im Bade hinter 
uns hergehn. 

Unterdessen schlendern wir noch angekleidet umher 27 
scherzen vielmehr, und treten an die einzelnen Grup- 
pen heran, als wir plötzlich einen kahlköpfigen alten 
Mann in einer roten Tunica erblicken, der in einem 
Kreise von schöngelockten Pagen Ball spielte. Und zwar 
hatten nicht sowol die Pagen unsere Blicke auf sich ge- 
lenkt, obwohl sie des Ansehns wohl wert waren, als der 
Herr selbst, der, mit Pantoffeln bekleidet, grüne Bälle 
warf. Und wenn einer auf die Erde gefallen war, fing 
er ihn nicht mehr, sondern ein Sklave hielt einen mit 

6* 



84 Cena Trimalchionis 27. 28. 

stabant, quorum alter matellam tenebat argenteam, alter 
numerabat pilas, non Quidem eas quae inter manus lusu 
expellente vibrabant, sed eas quae in terram decidebant. 
cum has ergo miraremur lautitias, | accurrit Menelaus et H 
5 c hic est' inquit c apud quem cubitum ponetis, et quidem 
iam principium cenae videtis 3 . etiamnum loquebatur Me- 
nelaus cum | Trimalchio digitos concrepuit, ad quod Signum HL 
matellam spado ludenti subiecit. exonerata ille yesica 
aquam poposcit ad manus, digitosque paululum adspersos 
10 in capite pueri tersit. 

Bücheier' 
p. 20 

28 longum erat singula excipere. itaque intravimus bal- HL 
neum, et sudore calfacti 7 momento temporis ad frigidam 
eximus. iam Trimalchio unguento perfusus tergebatur, non 
linteis, sed palliis ex lana mollissima factis. tres interim 

16 iatraliptae in conspectu eins Falernum potabant, | et cum H 
plurimum rixantes effunderent, Trimalchio hoc suum pro- 

"* pinasse dicebat. | hinc involutus coccina gausapa lecticae HL 
impositus est j)raecedentibus phaleratis cursoribus quattuor 
et chiramaxio, in quo deliciae eius vehebantur, puer ve- 

20 tulus, lippus, domino Trimalchione deformior. cum ergo 
auferretur, ad caput eius symphoniacus cum minimis tibiis 
accessit et tanquam in aurem aliquid secreto diceret, toto 
itinere cantavit. 

sequimur nos admiratione iam saturi et cum Aga- 
memnone ad ianuam pervenimus, | in cuius poste libellus H 

4 ergo fehlt im, L. 5 ponetis Scheffer ponitis H quidem Bü- 
cheier quid K 6 etiamnum Scheffer, Heinsius et iam non H 
Bücheler. 8 subjecit H supposuit L. 11 longum erat ohne 
Lücke Bücheler. 14 bibebant L. 16 boc suum propinasse] hoc 
suum popinam esse Ftmck vgl. die Anm. 19 ferebantur L 
21 symphoniacus cum minimis Wehle p. 15 cum minimis sympho- 
niacus HL. 



Cena Trimalchionis. 85 

BäUen gefüllten Beutel bereit, der für die Spieler aus- 
reichte. Wir bemerkten auch sonst Ungewöhnliches. Denn 
auf einer andern Seite des Kreises standen zwei Eunuchen, 
von denen der eine einen silbernen Nachttopf hielt, der 
andere die Bälle zählte, und zwar nicht die, welche im 
Prellspiel zwischen den Händen der Spieler hin und her 
wirbelten, sondern die, welche auf die Erde fielen. Als 
wir nun diese Feinheiten bewunderten, eilte Menelaus 
herbei und sprach: »Dieser ist es, bei dem ihr speisen 
werdet, und das Vorspiel der Mahlzeit seht ihr bereits.« 
Noch redete Menelaus, als Trimalchio mit dem Fiuger 
schnalzte, auf welches Zeichen der Eunuch ihm den 
Nachttopf unterhielt, während er zu spielen fortfuhr. Nach 
Entleerung der Blase forderte er Wasser zum Hände- 
waschen und trocknete die ein wenig besprengten Finger 
an dem Lockenkopf eines Pagen ab. 

Es hätte viel Zeit erfordert, auf alle Einzelheiten zu 28 
merken. Wir gehen also ins Bad und kommen, nachdem 
wir geschwitzt, im Nu wieder zu der kalten Übergießung 
heraus. Trimalchio, der mit einem wohlriechenden Wasser 
übergössen worden war, ließ sich bereits abreiben, nicht 
mit Leintüchern, sondern mit Mänteln aus feinster Wolle. 
Unterdes tranken drei Heilgymnasten vor seinen Augen 
Falerner, und da jsie zankend das meiste verschütteten, 
nannte Trimalchio dies seinen Vortrunk. Darauf wurde 
er, in eine scharlachrote Friesdecke gehüllt, auf eine 
Sänfte gesetzt, während vier mit Blechschildern ver- 
sehene Läufer vorausgingen und ein Handwägelchen, in 
dem sein Liebling gefahren wurde, ein ältlich aussehen- 
der Junge mit entzündeten Augen, der noch häßlicher 
war als sein Herr Trimalchio. Als er davon getragen 
wurde, trat ein Musikant mit ganz kurzen Flöten dicht 



86 Cena Trimalchionis 28. 29. 

erat cum hac inscriptione fixus: c quisquis servus sine £ c %£ 
dominieo iussn foras exierit, accipiet piagas centum\ | in HL 
aditn autem ipso stabat ostiarius prasinatns, cerasino suc- 
cinctns cingulo, atque in lance argentea pisum purgabat. 

5 super limen autem cavea pendebat aurea, in qua pica 

29varia intrantes salutabat. ceterum ego dum omnia stu- 
peo, paene resupinatus crura mea fregi. ad sinistram 
enim infantibus non longe ab ostiarii cella canis ingens, 
catena vinctus, in pariete erat pictus superque quadrata 

10 litera scriptum c cave canem*. et collegae quidem mei 
riserunt, ego autem collecto spiritu non destiti totum 
parietem persequi. erat autem venalicium cum titulis 
pictum, ubi ipse Trimalchio capillatus caduceum tenebat 
Minervaque ducente Romam intrabat. hinc quemadmodum 

15 ratiocinari didicisset, denique dispensator factus esset, 
omnia diligenter curiosus pictor cum inscriptione reddi- 
derat. in deficiente vero iam porticu elevatum mentopin 
tribunal excelsum Mercurius rapiebat. praesto erat For- 
tuna cum cornu abundanti [copiosa] et tres Parcae ; aurea 
J 20 pensa torquentes. notavi etiam in porticu gregem curso- 
rum cum magistro se exercentem. praeterea grande ar- 
marium in angulo vidi, in cuius aedicula erant Lares 
argentei positi Venerisque Signum marmoreum et pyxis 
aurea non pusilla, in qua barbam ipsius conditam esse 

25 dicebant. 



3 autem fehlt in L. 4 lance fehlt in H. 6 ad omnia 

Hemsius. 12 cum Bücheier nach Burmann. 13 ubi Mütter 

vgl. die Anm. aut H et Bücheier. 14 Romam] coloniam Studer 

15 deinque oder denique H [Büeheler I p. XXXIIII) dein oder deinde L. 
18 rapiebat H capiebat L. 19 cum cornu abundanti [copiosa] 

Goes cum cornu [abundanti] copioso Wehle p. 16 cornu abundanti 
conspicua? Bücheler* cornu abundanti copiosa Bücheier*. 23 mar- 
moreum et] marmoreum positum et H. 



Cena Trimalchionis. 87 

an seinen Kopf heran und blies auf dem ganzen Wege, 
als wenn er ihm heimlich etwas ins Ohr sagte. 

Wir, schon ganz voll von Bewunderung, folgen und 
gelangen zusammen mit Agamemnon an die Tür, an 
deren Pfosten ein Plakat mit folgender Inschrift ange- 
schlagen war: > Jeder Sklave, der ohne herrschaftliche 
Erlaubnis ausgeht, soll hundert Hiebe erhalten.« Am 
Eingange selbst stand der Türhüter, grün gekleidet, mit 
einem kirschroten Gürtel gegürtet, und reinigte Erbsen 
in einer silbernen Schüssel. Über der Schwelle aber 
hing ein goldener Käfig, mit einem Buntspecht, der die 
Eintretenden bewillkommnete. Übrigens hätte ich bei- 29 
nahe die Beine gebrochen, als ich mit hinten übergeboge- 
nem Kopf alles anstaunte. Denn zur Linken der Ein- 
tretenden, hart an der Kammer des Türhüters war ein 
riesiger Kettenhund an die Wand gemalt, und darüber 
mit großen Buchstaben geschrieben: > Vorsicht! Er beißt!« 
Meine Gefährten lachten, ich aber, als ich wieder zu 
Atem gekommen war, unterließ nicht, die ganze Wand 
zu mustern. Ein Gemälde stellte einen Sklavenmarkt mit 
Beischriften vor, man sah Trimalchio als Knaben, mit 
dem Stabe Merkurs in der Hand, von Minerva geführt 
in Born ankommen; dann, wie er rechnen gelernt und 
Kassierer geworden war, welches alles der sorgfältige 
Maler mit erklärenden Inschriften genau abgebildet hatte. 
Am Ende der Kolonnade hatte ihn Merkur am Kinn 
emporgehoben und führte ihn durch die Luft auf eine 
hohe Tribüne. Zu seinem Empfange stand Fortuna mit 
einem übervollen Füllhorn und die drei Parzen, goldene 
Fäden spinnend, bereit. Ich bemerkte in der Kolonnade 
auch eine Schar von Läufern, die mit einem Exerzitien- 
meister ihre Übungen machten. Außerdem sah ich in einer 



88 Cena Trimalchionis 29. 30. 

interrogare ergo atriensem coepi, quas in medio pic- 

turas haberent. c Iliada et Odyssian' inquit | c ac Laenatis H 

30gladiatorium munus'. non licebat multaciam considerare Büoheiei* 

P . 21 

nos | iam ad triclinium perveneramus, in cnius parte HL 
5 prima procurator rationes accipiebat.y et quod praecipue 
miratns sum, in postibus triclinii fasces erant cum secu- 
ribus fixi, quorum unam partem quasi embolum navis 
aeneum finiebat, in quo erat scriptum: C C. Pompeio Tri- 
malchioni, seviro Augustali, Ginnamus dispensator'. sub 

10 eodem titulo et lucerna bilychnis de camera pendebat, 
et duae tabulae in utroque poste defixae, quarum altera, 
si bene memini, hoc habebat inscriptum: 'III. et pridie 
kalendas Ianuarias G. noster foras cenat 3 , altera lunae 
cursum stellarumque Septem imagines pictas; et qui dies 

15 boni quique incommodi essent, distinguente bulla nota- 
bantur. 

| his repleti voluptatibus cum conaremur in triclinium H 
intrare, exclamavit unus ex pueris, qui super hoc officium 
erat positus: c dextro pede'. sine dubio paulisper trepi- 
20 davimus, ne contra praeceptum aliquis nostrnm Urnen 
transiret. | ceterum ut pariter movimus dextros gressus, HL 
servus nobis despoliatus procubuit ad pedes ac rogare 
coepit, ut se poenae eriperemus: nee magnum esse pecca- 



1 ergo H ego L Bloch in medio] in cavaedio? Hirschfeld 

3 multaciam wol entstellt aus simul omnes lautitias Bücheier I oder 
aus multa (multas) jam mit einem nomen Bücheier* multa ad aciam 
oder per otium multa Beinsius multiciam im Sinne von 7toX6fxtTa 
Orelli Lect. Petron. p. 3. maltaceam (Freskomalerei auf Stuck von 
maUha Plin. N h. XXXVI 181) Ellis Jonrn. of philol. 1886 nro 29, 1. 

4 yeneramus L 7 unam] imam Lipsius. 8 C pt Cxi HL. 10 et H 
etiam L 21 pariter fehlt m L. 22 ad pedes H ante pedes L. 



Cena Trimalcbionis. 89 

Ecke einen großen Schrank, und darin ein Kapellchen: 
in diesem standen silberne Laren, eine marmorne Venus- 
statue und eine nicht kleine goldne Büchse, in der, wie sie 
sagten, der erste Bart des Hausherrn aufbewahrt wurde. 

Ich fragte den Haushofmeister, was für Gemälde sie 
in der Mitte hätten. Er sagte: die Ilias und Odyssee und 
das Gladiatorenspiel des Länas. Ich konnte nicht alles 30 
auf einmal betrachten. 

Wir waren bereits bis zum Speisesaal gelangt, in 
dessen vordem Teil der Geschäftsführer Rechnungen 
abnahm. Und, was ich besonders mit Verwunderung be- 
merkte, an den Türpfosten des Speisesaals waren Buten- 
bündel mit Beilen angebracht, deren eines Ende etwas 
wie ein bronzener Schiffsschnabel abschloß, auf welchem 
geschrieben war: dem Gajus Pompejus Trimalchio, Sevir 
der Augustalen, Cinnamus, Kassierer. Unter dieser Inschrift 
hing auch eine Lampe mit zwei Flammen vom Gewölbe 
herab, und an den beiden Pfosten waren zwei Tafeln 
angeschlagen; auf der einen stand, wenn ich mich recht 
erinnere, folgendes: >Am 30. und 31. Dezember speist 
unser Herr Gajus auswärts.« Auf der andern Seite war 
die Bahn des Mondes und die Bilder der sieben Planeten 
gemalt und die günstigen und ungünstigen Tage mit ver- 
schiedenfarbigen Knöpfen bezeichnet. 

Als wir von all diesen Genüssen gesättigt in den 
Speisesaal treten wollten, rief einer der Sklaven, der 
eigens dazu angestellt war: >Mit dem rechten Fuß!« 
Natürlich entstand unter uns einiges Hin- und Hertrippeln, 
damit keiner die Schwelle in vorschriftswidriger Weise 
überschritte. Als wir nun alle zugleich mit dem rechten 
Fuß antraten, fiel uns ein entkleideter Sklave zu Füßen, 



90 Cena Trimalchionis 30. 31. 

Bücheier 4 
p. 21 
tum suum, propter quod periciitaretur; subducta enim BL 

sibi yestimenta dispensatoris in balneo, quae vix fuissent 
decem sestertiorum. rettulimus ergo dextros pedes dis- 
pensatoremque in atrio aureos numerantem deprecati su- 
6 mus, ut servo remitteret poenam. snperbus ille sustulit 
vultum et c non tarn iactura me movet' inqnit c quam ne- 
gligentia nequissimi servi. yestimenta mea occubitoria 
perdidit, qnae mihi natali meo cliens quidam donaverat, 

31Tyria sine dubio, sed iam semel Ma-^^^iaergo est? 

10 dono vobis eum*. 

obligati tarn grandi baaaficio cum intrassemus tricli- 
nium, occurrit nobis ille idem servus, pro quo rogavera- 
mus, et stupentibus spississima basia impegit gratias agens 
humanitati nostrae. c ad summam, statim scietis 3 ait c cui 

15 dederitis beneficium. vinum dominicum ministratoris 
gratia est 3 



tandem ergo discubuimus pueris Alexandrinis aquam 
in manus nivatam infundentibus aliisque insequentibus ad 
pedes ac paronychia cum ingenti subtilitate tollentibus. 
20 ac ne in hoc quidem tarn molesto tacebant officio, sed 
obiter cantabant. ego experiri volui, an tota familia can- 
taret, itaque potionem poposci. paratissimus puer non Bücheier* 
minus me acido cantico excepit, et quisquis aliquid roga- p ' 



4 in atrio Bückeier in precario HL. inpraesentiarum Baase 
MiscelL phüol. III 1861 p. 19. 7 accubitoria Lipsius Reinsms 

cubitoria EL Bücheier. 8 cliens quidam donaverat H donaverat 
cliens quidam L. 10 eum fehlt m L. 13 stupentibus hinter 

basia in L. 14 c ad summam, statim scietis'] ad summam c statim 
scietis* Bücheier K 19 pedes ac L ped . . . ad H ad pedum cu- 
ram oder ad pedes curandos Hemsius. 21 ego HL ergo Hemsws. 



Cena Trimalchionis. 91 

und bat, wir möchten ihn seiner Strafe entziehen: auch 
sei das Vergehen, wegen dessen er sie erleiden solle, 
kein großes: er habe sich im Bade die Kleider des 
Kassierers stehlen lassen, die kaum 10 Sesterzen wert 
gewesen seien. Wir setzten also die rechten Füße wieder 
rückwärts und baten den Kassierer, der im Atrium Gold- 
stücke zählte, dem Sklaven die Strafe zu erlassen. Jener 
erhob hochmütig sein Gesicht und sprach: »Mich ärgert 
nicht so sehr der Verlust als die Unachtsamkeit des nichts- 
würdigen Burschen. Ich bin durch ihn um meine Tafel- 
kleider gekommen, die mir einer meiner Klienten an 
meinem Geburtstage geschenkt hatte, es war natürlich 
echt tyrischer Purpur, aber schon einmal gewaschen. 
Was macht es aus? Ich schenke ihn euch.« 

Als wir durch diesen großartigen Beweis des Wohl- 31 
wollens verpflichtet, den Speisesaal betreten hatten, kommt 
uns derselbe Sklave entgegen, für den wir gebeten hatten, 
und überschüttet uns zu unserm höchsten Erstaunen, für 
unsere Güte dankend, mit einem Schauer von Küssen. 
Kurz und gut, sagte er, ihr werdet gleich erfahren, wem 
ihr etwas Gutes erwiesen habt. Herrschaftlicher Wein ist 
Dank des Mundschenken. 

Endlich nahmen wir also an der Tafel Platz, und 
alexandrinische Sklaven gössen schneegekühltes Wasser 
über die Hände, und hinter ihnen kamen andre, die sich 
an die Füße stellten und mit unermeßlicher Sorgfalt die 
Nietnägel abschnitten. Und selbst bei diesem lästigen 
Geschäft waren sie nicht still, sondern sangen dazu. Ich 
wollte mich überzeugen, ob die ganze Dienerschaft aus 
Sängern bestehe, und forderte zu trinken. Ein sehr dienst- 
fertiger Sklave erwiderte mir ebenso mit einer gellenden 
Melodie und so jeder, von dem man etwas verlangte. 



92 Cena Trimalchionis 31. 32. 

. Bücheier* 

p. 22 

tus erat ut daret pantomimi chorum, non patris fa- ^L 

miliae triclinium crederes. 



allata est tarnen gustatio valde lauta; nam iam omnes 
discubuerant praeter ipsum Trimalchionem, cui locus novo 
ömore primus servabatur. ceterum in promnlsidari asellus 
erat Corinthins cum bisaccio positns, qni habebat olivas 
in altera parte albas, in altera nigras. tegebant asellum 
dnae lances, in quarum marginibus nomen Trimalchionis 
inscriptum erat et argenti pondns. ponticuli etiam ferru- 

lOminati snstinebant glires melle ac papavere sparsos. 
fuerunt et tomacnla snpra craticulam argenteam ferventia 
posita, et infra craticulam Syfiaca pruna cum granis Pu- 
nici mali. 

32 in his eramus lautitiis, cum ipse Trimalchio ad sym- 

löphoniam allatus est positusque inter cervicalia minutissima 
expressit imprndentibus risnm. pallio enim coccineo ad- 
rasum excluserat caput circaque oneratas veste cervices 
laticlaviam immiserat mappam fimbriis hinc atqne illinc 
pendentibns. habebat etiam in minimo digito sinistrae 

20 manus anulum grandem subauratum, extremo vero articnlo 
digiti sequentis minorem, ut mihi videbatur, totum aureum, 
sed plane ferreis veluti stellis ferruminatum. et ne has 
tantum ostenderet divitias, dextrum nudavit lacertum 
armilla aurea cultum et eboreo circulo lamina splendente 

~2 conexo. ut deinde pinna argentea dentes perfodit, c amici J 



1 ut daret, simid cantdbat. Bücheier L 3 tarnen H tum L 

tandem Heinsius. 3 ipsum L unum H. 5 in promulsidari HL 
Bücheier* inter promulsidaria Bücheier I. 11 tomacnla Bü- 

cheier tumatula L thumatula H vgl. Heraus Spr. d. Petron 8. 48f. 
supra H super Bücheier argenteam ferventia] ferventia argenteam JET. 
12 et fehlt in L. 15 minutissima L munitissima H Bücheier, 

17 excluserat H incluserat L. 25 conexo Bücheier connexum H 
conexis Wehle p. 12. . 



Cena Trimalchionis. 93 

Man konnte glauben im Theater bei der Aufführung einer 
Pantomime mit Chorbegleitung, nicht in dem Speisesaal 
eines Privathauses zu sein. 

Doch wurde ein sehr feines Voressen aufgetragen, 
denn alle hatten bereits Platz genommen, außer Trimal- 
chio, für den nach einer neuen Mode der erste Platz leer 
blieb. Auf dem Speisebrett stand ein Esel aus korinthi- 
scher Bronze mit einem Quersack, der auf der einen Seite 
grüne, auf der andern schwarze Oliven enthielt. Über dem 
Esel waren zwei Schalen angebracht, auf deren Rändern der 
Name Trimalchio und das Gewicht des Silbers eingraviert 
war. Kleine angelötete Stege trugen gebratene, mit Honig 
und Mohn bestreute Haselmäuse. Auch lagen auf einem 
kleinen silbernen Rost heiße Würste, und unter diesem 
Damascenerpflaumen nebst Granatäpfeln. 

Mit diesen Feinheiten waren wir beschäftigt, als Tri- 32 
malchio unter den Klängen von Instrumentalmusik auf 
lauter ganz kleinen Kissen liegend hereingetragen wurde. 
Bei diesem unerwarteten Anblick konnten wir das Lachen 
nicht verbeißen; denn er streckte seinen glattrasierten 
Kopf aus einem scharlachroten Schlafrock heraus und 
um den mit Zeug bepackten Hals hatte er noch ein Tuch 
mit breiter roter Borte und links und rechts herabhängen- 
den Fransen gelegt. An dem kleinen Finger der linken 
Hand hatte er auch einen kleinen, etwas vergoldeten 
Ring, am letzten Gliede des folgenden Fingers aber einen, 
wie mir schien, ganz goldnen, der jedoch mit einer Art 
von aufgelöteten eisernen Sternchen besetzt war. Und 
um nicht bloß diese Kostbarkeiten zu zeigen, hatte er den 
rechten Arm entblößt, der mit einem goldnen Armbande 
und einem elfenbeinernen, von einer glänzenden Platte zu- 
sammengehaltenen Reif geschmückt war. Als er darauf33 



94 Cena Trimalcbionis 33. 34. 

Bücheier 

p. 22 

inquit c nondum mihi suave erat in triclinium venire, sed ne J2L 
diutius absentivos morae vobis essem, omnem voluptatem 
mihi negavi. permittetis tarnen finiri lusum\ sequebatur puer 
cum tabula terebinthina et crystallinis tesseris, notavique 
5 rem omnium delicatissimam. pro calculis enim albis ac 
nigris aureos argenteosque habebat denarios. interim dum 
ille omnium textorum dicta inter lusum consumit, gustan- 
tibus adhuc nobis repositorium allatum est cum corbe, in 
quo gallina erat lignea paientibus in orbem alis, quales 

10 esse solent qnae incubant ova. accessere contiuuo duo 
servi et symphonia strepente scrutari paleam coeperunt 
erutaque subinde pavonina ova divisere convivis. con- 
vertit ad hanc scaenam Trimalchio vultum et c amici' ait 
c pavonis ova gallinae iussi supponi. et mehercules timeo 

15 ne iam concepti sint; temptemus tarnen, si adhuc sorbilia Bücheier 
sunt.' accipimus nos cochlearia non minus selibras pen- p ' 
dentia ovaque ex farina pingui figurata pertundimus. ego 
quidem paene proieci partem meam, nam videbatur mihi 
iam in pullum coisse. deinde ut audivi veterem convivam: 

20 c hic nescio quid boni debet esse', persecutus putamen 
manu pinguissimam ficedulam inveni piperato vitello cir- 
cumdatam. 

34 iam Trimalchio eadem omnia lusu intermisso poposce- 

rat feceratque potestatem clara voce, si quis nostrum 

25iterum vellet mulsum sumere, cum subito Signum sym- 

1 triclinium bis 2 voluptatem wie im Text Bemsius absens 
more vobis venire sed ne diutius absenti vos essem voluptatem 
mihi B triclinium venire sed ne diutius absentius essem omnem 
voluptatem mihi L. 2 omnem voluptatem Bücheier voluptatem 
omnem Eeinsiits omnem fehlt in H. 6 ac H aut L. 7 omnium H 
omnia Heinsius. 7 textorum H testorum L (wo dicta fehlt). 9 quo 
E qua L. 11 strepente H adstrepente Heinsius. 15 concepti H 
concepta L. 18 mihi fehlt m H. 22 Ohne Lücke Bücheier. 



Cena Trimalchionis. 95 

sich mit einem silbernen Zahnstocher gestochert hatte, 
sagte er: »Freunde, ich hatte eigentlich noch keine Lust 
zum Essen zu kommen, aber um euch nicht durch meine 
Abwesenheit aufzuhalten, habe ich auf mein Behagen ver- 
zichtet. Ihr werdet jedoch gestatten, daß ich mein Spiel 
beende.« Ein Sklave mit einem terebinthenen Spielbrett 
und Würfeln aus. Kristallglas kam hinter ihm und ich 
bemerkte etwas äußerst Feines: statt weißer und schwar- 
zer Steine hatte er Gold- und Silberdenare. Während 
er nun bei seinem Spiel sämtliche Knotenspäße ver- 
brauchte, wurde uns, die wir noch beim Voressen waren, 
ein Speisebrett mit einem Korbe gebracht, in dem eine 
hölzerne Henne mit wie beim Brüten ausgebreiteten 
Flügeln saß. Zwei Sklaven traten heran, durchsuchten 
unter rauschender Musikbegleitung das Stroh und ver- 
teilten Pfaueneier, die sie immer von neuem heraus- 
scharrten, unter die Gäste. Trimalchio wandte einen Blick 
auf diese Szene und sagte: »Freunde, ich habe der Henne 
Pfaueneier unterlegen lassen. Und ich fürchte wahrhaftig, 
daß sie schon angebrütet sind; laßt uns jedoch versuchen, 
ob man sie noch schlürfen kann. « Wir erhalten also Löffel 
(die nicht unter einem halben Pfund wogen) und durch- 
stoßen die aus fettem Mehlteig geformten Eier. Ich hätte 
beinahe mein Teil fortgeworfen, denn es schien mir be- 
reits ein Tierchen zu sein. Als ich dann einen Stamm- 
gast sagen hörte: »Hier muß etwas Gutes sein«, durch- 
suchte ich die Schale mit der Hand, und fand eine sehr 
fette Feigenschnepfe von gepfeffertem Eidotter umgeben. 

Trimalchio hatte bereits sein Spiel unterbrochen, sich 34 
ebenfalls von allem reichen lassen, und uns mit lauter 
Stimme freigestellt, zum zweiten Mal Honigwein zu neh- 
men, als plötzlich das Orchester ein Zeichen gibt und 



96 Cena Trimalchionis 34. 

Bücheler« 
p. 23 
phonia datur et gustatoria pariter a choro cantante rapiun- j^ 

tur. ceterum inter tumultum cum forte paropsis excidisset 

et puer iacentem sustulisset, animadvertit Trimalchio oo- 

laphisque obiurgari puerum ac proicere rursus paropsidem 

öiussit. insecutus est swpeZlecticarius argentumque inter 

reliqua purgamenta scopis^coepit everrere. | subinde in- .ff 

traverunt duo Aethiopes capillati cum. pusillis utribus, 

quales solent esse qui harenam in amphitheatro spargunt, 

vinumque dedere in manus; aquam enim nemo porrexit. EL 

10 | laudatus propter elegantias dominus 'aequum 3 inquit 
c Mars amat. itaque iussi suam cuique mensam assignari. 
obiter et putidissimi servi minorem nobis aestum frequen- 
tia sua facient'. 

statim allatae sunt amphorae vitreae diligenter gyp- 

15 satae, quarum in cervicibus pittacia erant affixa cum hoc 
titulo: c Falernum Opimianum annorum centum\ dum 
titulos perlegimus, complosit Trimalchio manus et c eheu' 
inquit c ergo diütius vivit | virium quam homuncio. quare ff 
tangomenas faciamus. | vinum vita est. verum Opimianum EL 

20praesto. heri non tarn bonum posui, et multo honestiores 
cenabant 3 . potantibus ergo nobis et accuratissime lautitias 
mirantibus larwam argenteam attulit servus sie aptatam, 
ut articuli eins vertebraeque luxatae in omnem partem 
flecterentur. hanc cum super mensam semel iterumque 



4 objurgari] objugari E obj urgare L. 5 insecutus] insecu- 

tusque L. 5 supellecticarius Dousa lecticarius E Bücheier ana- 
lectarius Burmarm. 6 everrere Ooes verrere EL. 11 jussi Bur- 
mawn jussi t E jussit senex L. 12 putidissimi Eemsius pudissimi 
E pdissimi L paedidissimi Scheffer vgl Heraus Archiv IX 596- 
19 tangomenas E Bücheier* tengomenas Bücheier* xirf^e 7rve6fM>vac 
Mtmcker Orusius Jahn Bücheier 1 x&flwpev tjpäc Jacobs tengomenias 
SM Archiv VI 44b* Terfopivat Heraus- V. 427—29. 19 vinum vita est 
Ooes vita vinum est E 21 nobis in den codd. hinter accuratissime 
(curatissime E) oder attulit. 23 luxatae Eeinsius laxate JTlocatae L. 



Cena Trimalchionis. 97 

die Speisebretter des Voressens von einem singenden 34 
Chor eilig abgeräumt werden. Als in dem hierbei ent- 
stehenden Durcheinander eine Sehüssel auf die Erde ge- 
fallen war, und ein Sklave sie aufgehoben hatte, bemerkte 
es Trimalchio, ließ den Burschen ohrfeigen und die Schüssel 
wieder hinwerfen. Hierauf kam ein Sklave aus der Ab- 
teilung für den Hausrat und fegte das Silber unter dem 
übrigen Kehricht mit dem Besen aus. Gleich darauf traten 
zwei langgelockte Mohren mit kleinen Schläuchen ein, wie 
die, welche im Amphitheater Sand streuen, und gössen 
Wein auf die Hände, denn Wasser reichte niemand. 

Als wir dem Hausherrn wegen dieser Feinheiten Bei- 
fall spendeten, sagte er: »Wind und Sonne müssen gleich 
verteilt sein. Daher habe ich jedem seinen besonderen 
Tisch anweisen lassen. Zugleich werden die ekligen 
Sklaven uns weniger Hitze durch ihre Menge verursachen.« 

Sogleich wurden sorgfältig mit Gips verschlossene 
gläserne Amphoren gebracht, an deren Hälsen Etiketten 
mit der Aufschrift: »Hundertjähriger Falerner vom Jahr- 
gange des Opimius« befestigt waren. Während wir die 
Aufschriften studierten, schlug Trimalchio in die Hände 
und sprach: »Ach, ach! also lebt Wein länger als ein 
Menschenkind! Daher laßt uns fidel sein. Wein ist Leben. 
Ich leiste echten Opimianer. Gestern setzte ich nicht so 
guten vor, und es speisten viel anständigere Leute bei 
mir.« Während wir nun tranken und alle Feinheiten aufs 
eingehendste bewunderten, brachte ein Sklave ein Skelett 
aus Silber, das so eingerichtet war, daß seine Gelenke 
und Wirbel durch Biegen nach allen Seiten gewendet 
werden konnten. Als er es einige Male auf den Tisch 
hatte fallen lassen, so daß die bewegliche Verkettung 
eine Anzahl von Stellungen hervorbrachte, sprach Tri- 
malchio dazu: 

Petronii Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 7 



98 Cena Trimalchionis 34. 36. 

BucheL 

p. 23 
abiecisset, et catenatio mobilis aliquot figuras exprimeret, HL 

Trimalchio adieoit: 

c eheu nos miseros, quam totus homuncio nil est. 

sie erimus euneti, postquam nos auferet Orcus. 

5 ergo vivamus, dum licet esse bene. 3 

35 laudationem ferculum est insecutnm plane non pro 
expeetatione magnum; novitas tarnen omnium convertit 
oculos. rotnndnm enim repositorium duodeeim habebat BücheL 
signa in orbe disposita, super quae proprium convenien- p ' 

lOtemque materiae struetor imposuerat eibum: super arie- 
tem cicer arietinum, super taurum bubulae frustum, super 
geminoslesticulos ae rienes, super cancrum coronam, su- 
per leonem ficum Africanam, super virginem steriliculam, 
super libram Stateram in cuius altera parte scriblita erat, 

16 in altera placenta, | super scorpionem pisciculum mari- R 
num, | super sagittarium oclope^tam, super capricornum EL 
locustam marinam, super aquarium anserem, super pisces 
duos mullos. in medio autem caespes cum herbis excisus 
favum sustinebat. circumferebat Aegyptius puer clibano 

20argenteo panem 

atque ipse etiam taeterrima voce de Lajserpiciario mimo 
canticum extorsit. nos ut tristiores ad tarn viles accessi- 
mus eibos , c suadeo' inquit Trimalchio c cenemus' [hoc est 
3ßiü. cenae]. haec ut dixit, ad symphoniam quattuor tripu- 
2ödiantes procurrerunt, superioremque partem repositorii 
abstulerunt. quo facto videmus infra [scilicet in altero 



1 et] ut Jahn. 6 laudationem E lavationem Jacobs est in- 
secutnm E insecutnm est L. 16 oclopectam Bücheier* vgl. die 
Anm. oclopetam H odopetam L. 22 extorsit H extorquet L. 
23 [hoc est in. (i. e. initium) cenae] Eeiske, Welüe p. 17 hoc est in 
cenae E hoc est jus cenae L Bücheier. 



Oena Trimalchionis. 99 

Ach wir armen Menschlein klein! 
Alle werden so wir sein! 
Nichts von uns bleibt als Gebein! 
Darum laßt uns fröhlich sein! 
Schenket ein! 

Auf den allgemeinen Beifall folgte ein Gang, der 35 
unter unserer Erwartung blieb; doch seine Ungewöhnlich- 
keit wandte die Augen auf ihn hin. Ein rundes Speise- 
brett enthielt nämlich die zwölf Himmelszeichen nach 
ihrer Reihenfolge geordnet, und der Anrichter hatte auf 
jedes ein für den Gegenstand passendes und angemesse- 
nes Gericht gelegt: auf den Widder Widdererbsen, auf 
den Stier ein Stück Rindfleisch, auf die Zwillinge Hoden 
und Nieren, auf den Krebs einen Kranz, auf den Löwen 
eine afrikanische Feige, auf die Jungfrau die Bärmutter 
einer unausgewachsenen Sau, auf die Wage eine wirk- 
liche Wage, in deren einer Schale eine warme Torte, in 
der andern ein andrer Kuchen war, auf den Skorpion 
einen kleinen Seefisch, auf den Schützen ein Glotzauge, 
auf den Steinbock einen Heuschreckenkrebs, auf den 
Wassermann eine Gans, auf die Fische zwei Seebarben. 
In der Mitte war ein mit dem Grase ausgeschnittenes 
Stück Basen, und darauf eine Honigwabe. Ein ägypti- 
scher Sklave bot Brot auf einer silbernen Backpfanne 
umher 

und auch er selbst quetschte mit einer höchst widerlichen 
Stimme eine Arie aus dem Singspiel »Asafötida« hervor. 
Als wir uns etwas verstimmt an diese geringen Speisen 
machten, sagte Trimalchio: »Ich schlage vor, die Mahl- 
zeit zu beginnen.« [Anfang der Mahlzeit.] Als er dies ge-36 
sagt hatte, eilten vier Diener unter Orchesterbegleitung 
im Tanzschritt herbei und hoben den oberen Teil des 
Speisebretts ab, worauf wir unter demselben fettes Ge- 

7* 



100 Cena TrimalchioniB 36. 37. 

Bucht 
p.2 
ferculo] altilia et sumina leporemque in medio pinnis sub- HL 

ornatum, ut Pegasus videretur. notavimus etiam circa 
angulos repositorii Marsyas quattuor, ex quorum utriculis 
garum piperatum carrebat super pisces, qui tanquam in 
5 euripo natabant. damus omnes plausum ^a familia in- 
ceptum > et res electissimas ridentes aggredimur. non mi- 
nus et Trimalchio eiusmodi methodio laetus c Carpe* in- 
quit. processit statim scissor et ad symphoniam gesticula- 
tus ita laceravit obsonium, ut putares essedarium hydraule 

lOcantante pugnare. ingerebat nihilo minus Trimalchio len- 

^<* %oU fissima voce: c Carpe, Carpe\ ego suspicatus ad aliquam 

urbanitatem totiens iteratam vocem pertinere, non erubui 

eum qui supra me accumbebat, hoc ipsum interrogare. 

at ille, qui saepius eiusmodi ludos spectaverat, Vides 

15 illum' inquit c qui obsonium carpit: Carpus vocatur. ita 

quotiescunque dicit cc Carpe M , eodem verbo et vocat et 

imperat*. 

37 non potui amplius quicquam gustare, sed conversus 

ad eum, ut quam plurima exciperem, longe accersere 

20fabulas coepi sciscitarique, quae esset mulier illa, quae 
huc atque illuc discurreret. c uxor* inquit 'Trimalchionis, 
Fortunata appellatur, quae nummos modio metitur. et 
modo, modo quid fuit? ignoscet mihi genius tuus, noluis- 
ses de manu illius panem accipere. nunc, nee quid nee 

25quare, in caelum abiit et Trimalchionis topanta est. ^ ad 

summam, mero meridie si dixerit illi tenebras esse, cre- Buckel 

p. 86 



4 qni tanquam in euripo Bücheier quieunque in euripo H qui 
in euripo L. 6 ineeptum E coeptum L. 8 gesticulatus ita H 
ita gesticulatus L. 15 illum inquit H inquit illum L 15 ita JE? 
Bücheier* itaque L Bücheler*. 19 quam fehlt in L. 23 modo 
nur einmal L. 24 iilius H ejus L. 



Cena Trimalchionis. "".-!•* 101 

flügel und Saueuter erblickten, und in der Mitte.» 'einen 
mit Flügeln ausgestatteten Hasen, so daß er wieVdn 
Pegasus aussah. Wir bemerkten auch in den Ecken "riet 
Marsyasfiguren, aus deren Schläuchen eine gepfefferte ..^ 
Fischbrühe auf die Fische floß, welche in einer Art vott 
ringsumlaufendem Kanal schwammen. Wir klatschen samt- > 
lieh in die Hände (wozu die Dienerschaft das Zeichen gab) 
und fallen lachend über die guten Dinge her. 

Trimalchio seinerseits nicht weniger durch das Ge- 
lingen der Attrappe erfreut, sagte: »Schneide«. Sogleich 
trat der Vorschneider herzu und zerlegte das Gericht 
unter rhythmischen, nach dem Takte der Musik ausgeführ- 
ten Gesten, so daß man glauben konnte, einen Wagen- 
kämpfer einen Scheinkampf unter Orgelbegleitung aus- 
führen zu sehn. Nichtsdestoweniger wiederholte Trimalchio 
immer von neuem in langgezogenen Tönen: »Schneide! 
Schneide!« Ich dachte, daß in diesem so off; wiederholten 
Wort irgend ein Witz stecken müsse, und entblödete 
mich, denjenigen, der über mir lag, danach zu fragen. 
Dieser, der schon oft dergleichen Schauspielen beigewohnt 
hatte, sagte: »Du siehst den, der das Gericht zerlegt, er 
heißt Schneide. Sobald er also sagt , Schneide S ruft er 
ihn und erteilt ihm zugleich seinen Befehl.« 

Ich konnte nun keinen Bissen mehr essen, sondern 37 
wandte mich an meinen Nachbar, um möglichst viel zu 
erfahren; ich holte weit aus und erkundigte mich, wer 
die Frau sei, die fortwährend geschäftig hin und herlief. 
»Trimalchios Frau, sagte er, sie heißt Fortunata, eine die 
das Geld mit dem Scheffel mißt. Und ganz vor kurzem, 
was war sie da? Mit Bespekt zu sagen, du hättest nicht 
ein Stück Brot aus ihrer Hand genommen. Jetzt ist sie, 
Gott weiß wie und warum, Nummer Eins geworden, und 
Trimalchios rechte Hand. Kurz r " ' wenn sie ihm 



102 •.*%■••" Cena Trimalchionis 37. 38. 

•„ '•- Bücheier 4 

•V'- p.26 

deW^ipse nescit quid habeat, adeo saplutus est; sed^ 

h*te°.lupatria providet omnia et nbi non putes. est sicca, 

göbria, bonorum consiliorum [tantum auri vides], est ta- 

., men malae linguae, pica pulvinaris. quem amat, amat; 

.. ölquem non amat, non amat. ipse Trimalchio fandos ha- 

//•!'bet, qua milvi volant, nummorum nummos. argentum in 

,*;•.' ostiarii illius cella plus iacet, quam quisquam in fortunis 

habet, familia vero babae babae, non mehercules puto 

decumam partem esse quae dominum suum noverit. ad 

10 summam, quemvis ex istis babaecalis in rutae folium con- 

38iciet. nee est quod putes illum quiequam emere. omnia 

domi naseuntur: lana, credrae, piper, lacte gallinaceum 

si quaesieris, invenies. ad summam, parum illi bona 

lana nascebatur; arietes a Tarento emit et eos culavit in 

lögregem, mel Atticum ut domi nasceretur, apes ab Athe- 

nis iussit affer ri; obiter et vernaculae quae sunt, melius- 

culae a Graeculis fient. ecce intra hos dies scripsit, ut 

illi ex India semen boletorum mitteretur. nam mulam 

quidem nullam habet, quae non ex onagro nata sit. vides 

20 tot euleitras: nulla non aut conehyliatum aut coccineum 

tomentum habet, tanta est animi beatitudo. reliquos 

autem collibertos eius cave contemnas. valde sueossi sunt. 



2 haec lupatria H haec eupateria Remesius , Jacobs (hoc Caput 
rei) Klussmann Phüol XX 179 haec lupatia SM. 2 et ubi H 

et est ubi Rohde. 3 [tantum auri vides] narraiionis ordinem tur- 
bemtia seclusi. mihi mterpretamentum illorum adeo saplutus est viden- 
twr tU nesciarn cm dives scriptum fuerit. 'haec sunt in iüa laudabilia 
interpretabatur Studerus Obss. p. 10. Büeheler L 10 in rutae fo- 
lium coniciet] Io. Sarisb. Epist. 196 : neque hoc ille impediit vester 
collega Bratoniensis, qui utinam submergatur in thermis quibus 
dignus est, quas (qui?) meruit ut conjiciatur in rutefolium, cujus 
Pecronus in poenam delinquentium meminit, aut sepeliatur in sali- 
nario Heduorum. ÄEolder. 12 credrae HBücheler* cedrae Büeheler* 
cerae Hemsius Büeheler I. 14 culavit H Bücheier 4 Curavit Patavma 
testiculavit (Paul. Festi p. 306 M. testieuiari) Büeheler*. 21 tanta 



Oena Trimalchionis. 103 

am hellen Mittag sagen wird, daß es Nacht ist, wird er 
es glauben. Er selbst weiß gar nicht, wie viel er hat, 
so steinreich ist er; aber dieser Backer hat die Augen 
überall und ist hinten und vorn. Sie ist nüchtern, genüg- 
sam, weiß guten Bat, hat aber eine böse Zunge, eine 
Sofaelster. Wen sie gern hat, den hat sie gern; wen sie 
nicht gern hat, den hat sie nicht gern. Trimalchio hat 
Güter, so weit als die Habichte fliegen, und Geld wie 
Heu. In der Kammer seines Türhüters ist mehr Silber 
als irgend wer im Vermögen hat. Aber erst seine Skla- 
ven! Potz Wetter! Ich glaube, daß nicht der zehnte 
Teil von ihnen seinen Herrn kennt. Kurz und gut, er 
ist im stände, jeden von diesen dummen Jungen in ein 
Mausloch zu jagen. Und du kannst mir glauben, daß 38 
er nicht nötig hat, irgend etwas zu kaufen. Alles wächst 
auf seinem eigenen Boden: Wolle, Pomeranzen, Pfeffer, 
ja wenn man Hühnermilch sucht, wird man sie da finden. 
Kurz und gut, die Wolle, die er produzierte, war ihm 
nicht fein genug: er ließ Widder von Tarent kommen, 
und stellte sie ein, um seine Herde zu veredeln. Um 
attischen Honig auf seinem Grund und Boden zu erzeugen, 
ließ er Bienen von Athen bringen; zugleich werden die 
hiesigen durch die griechischen verfeinert werden. Und 
was hat er in den letzten Tagen für einen Auftrag ge- 
geben? Champignonsamen soll ihm aus Indien geschickt 
werden. Was Maultiere betrifft, so hat er keins, das 
nicht von einem Wildesel stammt. Du siehst all diese 
Kissen: da ist keins, das nicht mit Purpur- oder Schar- 
lachwolle gefüllt wäre. Ja er kann alles haben, was 
sein Herz begehrt. Auch seine übrigen Mitfreigelassenen 

est animi beatitudo] tanta est nemini beatitudo [Reichtum) Hirsch- 
feld. 16 quae sunt verstümmelt oder aus quaestu (?) verdorben 
Bücheler*. 20 culcitras H Bücheier 4 culcitas Bückeier 9 . 



104 Cena Trimalchionis 38. 

Bücheier 4 
p. 25 
vides illum qui in imo imus recumbit: hodie sua octin-jEf 

genta possidet. de nihilo creyit. modo solebat collö suo 

ligna portare. sed quomocfö ^<ficunt — ego nihil scio, sed 

audivi — quom Incuboni pilleum rapuisset, [et] thesau- 

5rnm invenit. ego nemini invideo, si qnoi deus dedit. 
est tarnen snbalapo et non vult sibi male, itaque pro- 
xime ±cum hoc titulo proscripsit: "C. Pompeius Diogenes 
ex kalendis Iuliis cenacnlum locat; ipse enim domum 
emit". quid ille qui libertini loco iacet, quam bene se 

lOhabuit. non impropero Uli. sestertium suum vidit de- 
cies, sed male vacillavit. non puto illum capillos liberos 
habere, nee mehercules sua culpa; ipso enim homo me- 
lior non est; sed liberti scelerati, qui omnia ad se fece- 
runt. scito autem: sociorum olla male fervet, et ubi 

lösemel res inclinata est, amici de medio. et quam ho- 
nestam negotiationem exereuit, quod illum sie vides. libi- 
tinarius fuit. solebat sie cenare, quomodo rex: apros 
gausapatos, opera pistoria, avis, cocos, pistores. plus 
vini sub mensa effundebatur, quam aliquis in cella habet. 

20phantasia, non homo. * inclinatis quoque rebus suis, cum 

timeret ne creditores illum conturbare existimarent, hoc Bücheier* 

p. 26 



2 modo solebat collo Wehle p. 13 Bücheier solebat collo modo H. 
4 quom Bücheier quomodo H. 5 si quoi Hvrschfdd si quid Büche- 
ier si quo H. 6 subalapo Heraus vgl. die Anm. sub alapa H 
fortasse subalapa Bücheier* Leo. 7 cum H cenaculum Bücheier I ca- 
sam Bücheier 9 ' 1 locationem? 18 avis cocos Scheffer vis cocos H 
bis, cocos? Bücheler*. 18 pistores] piscatores Heumus. 



Gena Trimalchionis. 105 

darf man nicht gering ästimieren: sie haben viel Moos. 
Du siehst den, der auf dem untersten zu unterst liegt: 
er ist heute seine 800000 gut. Er hat mit nichts ange- 
fangen. Noch ist es nicht lange her, daß er Holzbündel 
auf dem Rücken trug. Aber wie die Leute sagen — ich 
weiß nichts Sicheres, sondern habe es nur gehört: er hat 
einem Kobold die Kappe weggenommen, und der hat ihm 
einen Schatz gezeigt. Ich mißgönne keinem, wenn ihm 
Gott etwas gegeben hat. Aber er ist etwas protzig und 
gönnt sich das Beste. So hat er neulich ein Plakat mit 
folgender Anzeige anschlagen lassen: »Die Mietwoh- 
nung des Gajus Pompejus Diogenes ist vom 1. Juli an 
zu vermieten; denn er hat sich ein Haus gekauft.« 
Und der dort, welcher auf dem Platz des Freigelassenen 
liegt, der hat sich auch nichts abgehn lassen. Ich werfe 
keinen Stein auf ihn. Er hat einmal seine Million ge- 
habt, aber er hat auf der Kippe gestanden. Ich glaube, 
daß ihm nicht die Haare auf dem Kopf gehören, aber 
es ist, meiner Treu, nicht seine Schuld, er ist der beste 
Mensch von der Welt. Aber die Spitzbuben von Frei- 
gelassenen, die alles eingesackt haben! Du mußt wis- 
sen: viele Köche verderben den Brei, und fängt die 
Sache an schief zu gehn, dann machen die Freunde 
sich aus dem Staube. Und was für ein anständiges Ge- 
schäft hat er betrieben, daß er so weit gekommen ist. 
Er war Begräbnisunternehmer. Er pflegte zu speisen 
wie ein König: Wildschweine in der Decke, Konditor- 
aufsätze, Geflügel, Köche, Konditoren! Unter den Tisch 
wurde mehr Wein gegossen, als mancher im Keller hat. 
Nicht wie ein Mensch, sondern wie ein Prinz aus einem 
Märchen. Als es mit ihm schief ging und er fürchtete, 
daß die Gläubiger ihn für bankerott halten würden, 
zeigte er auf folgende Weise eine Auktion an: 'Julius 



106 Cena Trimalchionis 38. 39. T> „ v , . 

p. 26 

titulo auctionem proscripsit: "C. Iulius Proculus auctio-H 
nem faciet rerum supervacuarum". 

39 interpellavit tarn dulces fabulas Trimalchio; nam 
iam sublatum erat ferculum, hilaresque convivae vino 
5 sermonibusque publicatis operam coeperant dare. is ergo 
reclinatus in cubitum c hoc vinum > inquit c voe oportet suave 
faciatis. pisces natare oportet, rogo, me putatis illa 
cena esse contentum, quam in theca repositorii videratis? 
<c sio notus Vlixes?" quid ergo est? oportet etiam inter 

lOcenandum philologiam nosse. patrono meo ossa bene 
quiescant, qui me hominem inter homines voluit esse, 
nam mihi nihil novi potest afferri, sicut ille fericulus iam 
habuit praxim. caelus hie, in quo duodeeim dii habitant, 
in totidem se figuras convertit, et modo fit aries. itaque 

löqüisquis nascitur illo signo, multa pecora habet, multum 
lanae, caput praefcereiT durum, frontem expudoratam, cor- 
num acutum, plurimi hoc signo scholastici naseuntur et 
arietilli". laudamus urbanitatem mathematici; itaque ad- 
iecit: c deinde totus caelus taurulus fit. itaque tunc cal- 

20 citrosi naseuntur et bubulei et qui se ipsi pascunC in 
gemipis autem naseuntur bigae et boves et colei et qui 

. utrosque parietes linunt. in cancro ego natus sum. ideo 
multis pedibus sto, et in mari et in terra multa possi- 
deo; nam Cancer et hoc et illoc quadrat. et ideo iam 



7 putatis] putastia? Bücheier 9 ' *. 12 fericulus jam habuit Bü- 
cheier* ferilueusta mel (fericulus jam mei? Bücheier 9 } habuit H. 
18 arietilli Beinesius. Heinsius arieti Uli K 



Cena Trimalchionis. 107 

Proculus wird seine überflüssigen Sachen versteigern 
lassen'.« 

Diese angenehmen Reden unterbrach Trimalchio, denn 39 
der Gang war bereits abgeräumt, und die munteren Gäste 
hatten begonnen dem Weine zuzusprechen, und eine all- 
gemeine Unterhaltung war im Gange. Auf seinen Ellenbogen 
zurückgelehnt, sagte er: »Diesen Wein müßt ihr selbst 
schmackhaft machen. Fische müssen schwimmen. Ihr 
werdet doch nicht glauben, daß ich mit der Mahlzeit zu- 
frieden bin, die ihr auf dem Deckel des runden Speise- 
bretts gesehn habt? 'Kennt ihr Ulyß nicht besser?' Man 
muß auch beim Essen sich mit Bildung beschäftigen. 
Mögen die Gebeine meines ehemaligen Herrn sanft ruhen, 
der mich nicht wie ein Stück Vieh hat aufwachsen lassen. 
Mir kann man nichts Neues vorbringen: dieser Gang 
hat auch dafür den Beweis geliefert Dieser Himmel, in 
dem die zwölf Götter wohnen, verwandelt sich in eben- 
soviel Figuren und wird erst ein Widder. Wer also unter 
diesem Zeichen geboren ist, hat viel Vieh, viel Wolle, 
außerdem einen harten Kopf, eine ausverschämte Stirn, 
ein spitzes Hörn. In diesem Zeichen werden viel Studierte 
und Widderchen geboren.« Wir spenden der Höflichkeit 1 
des gelehrten Astrologen Beifall, und er fuhr fort: »Darauf 
wird der ganze Himmel ein Stierchen; daher werden 
dann solche geboren, die hinten ausschlagen, und Ochsen- 
hirten und Leute, die sich selbst nähren. In den Zwillingen 
werden Zweispänner geboren und Ochsen und Hoden und 
solche, die auf beiden Achseln tragen. Im Krebs bin 
ich geboren. Daher stehe ich auf vielen Füßen, und 
habe viel Eigentum zu Lande und zur See. Denn der 
Krebs paßt zu beidem. Daher habe ich schon lange 



1 oder: dem Witz. 



108 Cena Trimalchionis 39. 40. 

BücheleH 
p. 26 
dudum nihil supra illum posui, ne genesim meam pre-jj 

merem. in leone cataphagae nascuntur et imperiosi; in 

virgine mulieres et fugitivi et compediti; in libra lanio- 

nes et unguentarii et quicunque aliquid expendunt; in 

öscorpione yenenarii et pereussores; in sagittario strabo- 
nes, qui holera gpectant, lardum tollunt; in capricorno 
aerumnosi, quibus prae mala sua cornua nascuntur; in 
aqnario copones et Cucurbitae ; in piscibus obsonatores et 
rhetores. sie orbis vertitur tanquam mola, et semper ali- 

10 quid male facit, ut homines aut nascantur aut pereant. 
quod autem in medio caespitem videtis et supra caespi- 
tem favum, nihil sine ratione facio. terra mater est in 
medio. quasi ovum > corrotundata, et omnia bona in se ha- 

_.bet tanquam favus. 5 

15 c sophos 3 universi clamamus et sublatis manibus ad 
eameram iuramus Hipparchum Aratumque comparandos 
illi homines non fuisse, donec advenerunt ministri ac to- 
ralia praeposuerunt toris, in quibus retia erant pieta sub- 
sessoresque cum venabulis et totus venationis apparatus. 

20necdum sciebamus, quo mitteremus suspiciones nostras, 
cum extra triclinium clamor sublatus est ingens, et ecce BücheieH 
canes Laconici etiam circa mensam discurrere coeperunt. p 
secutum est hos repositorium, in quo positus erat primae 
magnitudinis aper, et quidem pilleatus, e cuius dentibus 



1 supra (sup) H super Bücheier. 4 expendunt Bwnnawn 

Hirschfeld expediunt H Bücheier. 10 male facit H mali facit 

Bücheier moliti facit oder moli facit Bohde. 16 comparandos illi 
homines H comparatos illi, homines Bohde. 17 ante donec cUia 
perüsse suspicor Bücheier I. 17 toralia praeposuerunt Tilebome- 
nus tolaria proposuerunt H. 



Cena Trimalchionis. 109 

nichts darauf legen lassen, um meine Nativität nicht zu 
drücken. Im Löwen werden Fresser geboren und solche, 
die immer kommandieren wollen, in der Jungfrau Weiber 
und weggelaufene Sklaven und solche, die in Ketten 
liegen; in der Wage Metzger und Parfümeriehändler und 
solche, die etwas abwägen; im Skorpion solche, die 
mit Gift und Dolch hantieren; im Schützen Schieläugige, 
die nach dem Gemüse sehen und nach dem Speck langen; 
im Steinbock geplagte Leute, denen vor lauter Kummer 
Hörner wachsen; im Wassermann Schenkwirte und Kür- 
bisse 1 , in den Fischen Köche und Professoren der Bede- 
kunst. So dreht sich der Kreis wie eine Mühle, und 
bringt immer eine Hexerei zustande, daß Menschen 
entweder sterben oder geboren werden. Aber was das 
Stück Rasen betrifft und die Honigwabe darauf, so müßt 
ihr wissen, daß ich nichts ohne Grund tue. Unser 
Mütterchen Erde ist ganz in der Mitte von allem, rund 
wie ein Ei, und hat alles Gute in sich, wie eine Honig- 
wabe.« 

»Bravo!« rufen wir sämtlich und schwören mit zur 40 
Decke aufgehobenen Händen, daß Leute wie Hipparch 
und Arat mit ihm gar nicht zu vergleichen seien. Hier- 
auf kamen Diener und legten Teppiche vor die Polster, 
auf denen Netze und Jäger auf dem Anstände mit Jagd- 
spießen eingewirkt waren, und alles, was zur Jagd ge- 
hört. Und noch wußten wir nicht, wie wir uns dies 
zurecht legen sollten, als außerhalb des Speisesaals ein 
gewaltiges Geschrei erhoben wurde, und ehe wir uns 
dessen versahen, lakonische Hunde herein und um den 
Tisch liefen. Hierauf folgte ein Speisebrett, auf dem ein 
Eber erster Größe lag und zwar mit einer Freiheitsmütze 
auf dem Kopf, von dessen Hauern zwei aus Palmzweigen 

1 oder: Schröpf köpfe. 



HO Cena Trimalchionis 40. 41. 

Bücheier* 
p. 27 
sportellae dependebant dnae palmulis textae, altera esr h 

ryotis altera thebaicis repleta. circa autem minores por- 

oetti ex coptojplacentis facti, quasi uberibus imminerent, 

scrofam esse positam significabant. et hi quidem apo- 

rü^^ öphoreti fuerunt. ceterum ad scindendum aprum non ille 

Carpus accessit, qui altilia laoeraverat, sed barbatus in- 

gens, fasciis cruralibus alligatns et alicula subornatus po- 

lymita, strictoque venatorio cultro latus apri vehementer 

percussit, ex cuius plaga turdi evolaverunt. parati au- 

lOcupes cum harundinibus fuerunt et eos circa triclinium 
volitantes momento exceperunt. inde cum suum cuique 
iussisset referri Trimalchio, adiecit: c etiam videte, quam 
porcus ille silvaticus lotam comederit glandem'. statim 
pueri ad sportellas accesserunt, quae pendebant e denti- 

löbus, thebaicasque et caryotas ad numerum divisere ce- 

41nantibus. interim ego 7 qui privatum habebam secessum, 
in multas cogitatioires diductus sum, quare aper pilleatus 
intrasset. postquam itaque omnis bacalusias consumpsi, 
duravi interrogare illum interpretem meum, quod me tor- 

2oqneret. at ille: c plane etiam hoc servus tuus indioare 
potest; non enim aenigma est, sed res aperta. hie aper, 
cum heri summa cena eum vindioasset, a convivis dimis- 
sus est; itäque hodie tanquam libertus in convivium re- 
vertitur'. damnavi ego stuporem meum et nihil amplius 

25interrogavi, ne viderer nunquam inter honestos cenasse. 



13 lotam Mimcker totam H. 17 diductus H Heraus deduetus 
Bücheier. 18 bacalusias] baucalesis? Büchelev* ab acia causas 

OMert. 19 duravi H Bücheier I decrevi Bücheler*. 19 quod 
Bücheier quid R. 22 cena eum vindicasset Bücheier cenam vin- 
dicasset K 



Gena Trimalchionis. Hl 

geflochtene Körbchen herabhingen, das eine mit trocknen, 
das andere mit frischen Datteln gefüllt. Kleinere Schwein- 
chen, ans hartem Gebäck gefertigt, die rundum gelegt 
waren, als ob sie saugen wollten, deuteten an, daß das 
Tier eine Sau vorstellte: diese waren zur Verteilung unter 
die Gäste bestimmt. Zum Zerlegen des Ebers erschien 
nicht jener Schneide, der das Geflügel zerlegt hatte, son- 
dern ein riesiger, bärtiger Kerl mit Binden um die Beine 
und einem Jagdmäntelchen angetan: er zog ein Jagdmesser 
heraus und führte einen tüchtigen Stoß gegen die Seite des 
Ebers, aus dessen Wunde Krammetsvögel herausflogen. 
Vogelsteller .standen mit Leimruten bereit und fingen sie, 
während sie im Saale umherflatterten, sofort ein. Als 
Trimalchio hierauf jedem seinen Vogel hatte bringen las- 
sen, sagte er: »Nun seht auch, was für feine Eicheln diese 
wilde Bestie gefressen hat.« Sogleich traten Sklaven an 
die Körbchen heran, die von den Hauern herabhingen, 
und verteilten die frischen und getrockneten Datteln, 
genau abgezählt, unter die Speisenden. 

Unterdessen dachte ich auf dem ungestörten Platz, 41 
den ich für mich hatte, viel hin und her, weshalb der 
Eber mit einer Freiheitsmütze auf die Tafel gekommen 
war. Nachdem ich nun alle Möglichkeiten erschöpft hatte, 
faßte ich mir ein Herz, um meinen kundigen Nachbar 
nach dem zu fragen, was mir keine Buhe ließ. Jener 
sagte: »Auch dies kann dein gehorsamster Diener dir be- 
richten; denn es ist kein Rätsel, sondern etwas ganz 
Einfaches. Gestern, als dieser Eber zum Hauptgericht 
bestimmt war, verzichteten die Gäste auf ihn; daher 
kehrt er heute als Freigelassener zu der Tischgesellschaft 
zurück.« Ich schalt mich wegen meiner Dummheit und 
fragte nichts weiter, damit es nicht aussähe, als ob ich 
niemals unter anständigen Leuten gespeist hätte. 



112 Cena Trimalchionis 41. 42. 

Bücheier* 
p. 27 
dum haec loquimur, puer speciosus, vitibus hederisque h 

redimitus, modo Bromium, interdnm Lyaeum Euhiumque 

confessas, calathisco uvas circumtulit et poemata domini 

sui acutissima voce, traduxit. ad quem sonum conversus 

öTrimalchio c Dionyse 3 inquit c liber esto 3 . puer detraxit 

pilleum apro capitique suo imposuit. tum Trimalchio 

rursus adiecit: c non negabitis me J inquit c habere Liberum 

patrem'. laudavimus dictum Trimalchionis et circum'euntem 

puerum sane perbasiamus. 

10 ab hoc ferculo Trimalchio ad lasanum surrexik nos 
libertatem sine tyranno nacti coepimus invitare convivarum 
sermones. Dama itaque primus,cum pataracina poposcisset, 
Mies 3 inquit c nihil est. dum versas te, nox fit. itaque 
nihil est melius, quam de cubiculo recta in triclinium ire. 

15 et mundum frigus habuimus. vix me balneus calfecit. 
tarnen calda potio vestuttSis est. staminatas duxi, et plane Büciieier* 
matus sum. vinus mihi in cerebrum abiit 3 . p * 

42 excepit Seleucus fabulae partim et c ego' inquit c non 
cotidie lavor; balniscus enim tulto^est, aqua dentes habet, 

20 et cor nostrum cotidie liquescit. sed cum mulsi pultarium 
obduxi, frigori laecasinpdico. nee sane lavare potui; fui 
enim hodie in funus. ^homo bellus, tarn bonus Chrysan- 



^ 



8 circumeuntem Scheffer circumeuntes H. 9 sane H ins an e 
Reinsms. 12 Dama (Damas) itaque Hemsius clamat itaque JS 

pataracina JS patera capaci vina Heinstus. 'non tarn meracum 
quam gremdioris potorii genus appettatum fuisse puto qualia anan- 
caea erant vel Aüifcma ab Horatio vel batiacae a Plauto Athenaeo 
Amobio memoratae. — c poscunt majoribus poculis dixit Oicero 
Verr. II, I 26,66'. Büeheler I. 16 potio vestiarius] potio optimus 
vestiarius? Bücheier I. 16 staminatas B heminatas oder emina- 
rias Eeinsius geminatas oder heminarias JFQronov jam IM he- 
minas Wehte p. 23. 19 balniscus Scheffer baliscus H balaniscus 
Beinesius balneus JFQronov. 21 laecasin] wol leieazin, vgl. die 

Anm. 22 bellus] tarn bellus Jacobs, Wehle p. 17. 



Ce'na Trimalchionis. 113 

Während dieses Gesprächs reichte ein schöner, mit 
Weinlaub und Efeu bekränzter Knabe, der bald den 
schwärmenden, bald den trunkenen, bald den träumenden 
Bacchus vorstellte, in einem Körbchen Trauben umher und 
gab in einem hohen Diskant Gedichte seines Herrn zum 
besten. Bei diesem Gesänge wandte sich Trimalchio zu 
ihm und sagte: »Dionysos, du sollst frei sein.« Sogleich 
nahm der Knabe dem Eber die Mütze ab und setzte sie 
sich auf den Kopf. Darauf sagte Trimalchio wieder: »Ihr 
müßt gestehn, daß ich einen freien Vater habe 1 .« Wir 
spenden diesem Witz Trimalchios unsern Beifall und küssen 
den im ganzen Kreise umhergehenden Knaben gehörig ab. 
Nach diesem Gange erhob sich Trimalchio, um sich 
auf den Nachtstuhl zu begeben. Da wir nun jedes 
Zwanges entledigt waren, suchten wir die Gäste gesprä- 
chig zu machen. Zuerst sagte Dama, nachdem er größere 
Becher verlangt hatte: »Der Tag ist doch im Nu vorbei. 
Kaum ist man einmal hin und her gegangen, so wird es 
Nacht. Daher ist es am besten, aus dem Bett geraden 
Wegs zu Tische zu gehn. Und eine hübsche Kälte haben 
wir gehabt. Kaum hat mich das Bad erwärmt. Doch 
ein warmer Trunk ist wie ein Schneider, der einem einen 
dicken Rock auf den Leib schafft. Ich habe tief in die 
Flasche gesehn und bin ganz dämlich. Das Weinchen ist 
mir in den Oberstock gestiegen.« 

Hier fiel Seleucus ein: »Ich bade nicht alle Tage; 42 
ein Badewässerchen bearbeitet einen wie ein Walker und 
hat Zähne, und von unserm bißchen Leben schmilzt täg- 
lich etwas ab. Aber wenn ich ein Töpfchen Honigwein 
übergezogen habe, pfeife ich auf die Kälte. Übrigens 
konnte ich auch nicht baden; ich war heute zu einem 
Begräbnis. Der nette Mann, der gute Chrysanthus ist 
1 Ein unübersetzbares Wortspiel. Vgl. die Anmerkung. 

Petronii Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 8 



// 



114 €ena Trimalchionis 42. 43. 

Büchelei 
p. 28 
thus animam ebulliit. modo, modo me appellavit. videor jt 

mihi cum illo loqui. heu, eheu. utres inflati ambulamus. 

minoris quam muscae sumus, muscae tarnen aliquam vir- 

tutem habent, nos non pluris sumus quam bullae. et 

5 quid si non abstinax fuisset. quinque dies aquam in os 

suum non coniecit, non micam panis. tarnen abiit ad 

plures. medici illum perdiderunt, °immd inkgis malus 

Fatus; medicus enim nihil aliud est quam animi conso- 

latio. tarnen bene elatus est, vitali lecto, stragulis bonis* 

lOplanctus est optime — manu— misit aliquot — etiam si 
maligne illum ploravit uxor. quid si non illam optime 
accepisset. sed mulier quae mulier milvinum genus. 
neminem nihil boni facere oportet; aeque est enim ac si 
in puteum conicias. sed antiquus amor cancer est 3 . 

™ molestus fuit, Philerosque proelamavit: 'vivorum me- 
minerimus. ille habet, quod sibi debebatur: honeste vixit, 
honeste obiit. quid habet quod queratur ? ab asse crevit et 
paratus fuit quadrantem de stercore mordicus tollere, itaque 
erevit, quicquid crevit, tanquam favus. puto meherculea 

20 illum reliquisse solida centum, et omnia in nummis habuit. 
de re tarnen ego verum dicam, qui linguam caninam comedi : 



2 heu eheu Jacobs, Bücheier hey est hey H. 3 minoris 

Scheffer minores H vgl. die Änm. muscae addidit Hewsius quae An- 
ton. 13 neminem nihil H feminae nihil Joe. Gronov neminem 
feminae nihil P Archiv III 67. 14 antiquus] anticus Hirschfeld. 
15 Philerosque Bücheier Phileros qui H. 17 ab asse crevit Scheffer 
abbas secrevit H. 



Gena Trimalchionis. 115 

abgekratzt. Noch ganz vor kurzem hat er mich ange- 
sprochen, mir ist, als ob ich noch mit ihm rede. Ach, ach, 
wir gehen doch umher, wie Schläuche, die mit Luft voll- 
geblasen sind ! Wir sind nicht so viel wert wie Fliegen. 
Fliegen haben doch noch einige Kraft in sich, wir sind nicht 
mehr wert als Wasserblasen. Und wie wäre es erst gegan- 
gen, wenn er nicht die Hungerkur gebraucht hätte ? Fünf 
Tage lang hat er keinen Tropfen Wasser in den Mund ge- 
nommen, kein Krümchen Brot, und doch hat er ins Gras 
beißen müssen. Die Ärzte haben ihm den Garaus gemacht, 
oder nein, es stand für ihn so geschrieben. Denn ein 
Arzt ist weiter nichts als eine Beruhigung für das Ge- 
müt. Aber sein Begräbnis war sehr anständig, mit 
einem Paradebett, guten Teppichen. Auch die Toten- 
klage war sehr gut — er hatte eine ganze Anzahl frei- 
gelassen — wenn auch seine Frau ihn nicht sehr be- 
weinte. Und wie wäre es erst gewesen, wenn er sie 
nicht so gut behandelt hätte? Aber die Weiber, eine wie 
die andre, sind falsche Katzen. Man muß niemand 
nichts Gutes erweisen, es ist ganz ebenso, als wenn man 
es in den Brunnen wirft. Aber eine alte Liebe ist wie 
ein unheilbarer Schaden 1 .« 

Er wurde langweilig und Phileros rief: »Laßt uns 43 
•an die Lebenden denken! Jener hat, was ihm gebührte; 
anständig hat er gelebt, anständig ist er gestorben. Wor- 
über hat er zu klagen? Mit einem As hat er angefangen, 
und es war ihm nicht zu schlecht, einen Dreier mit den 
Zähnen aus dem Mist zu nehmen. Und so ist er ge- 
wachsen, so viel er gewachsen ist, wie ein Pilz. Ich 
glaube, so wahr ich lebe, daß er ganze Hunderttausend 
hinterlassen hat, und alles hatte er bar. Übrigens will 



s. 

1 oder: hält fest wie mit Klammem. 

8* 



116 Cena Trimalchionis 43. 44. 

Büchelei' 
p. 28 
dnrae buccae fuit, linguosus, discordia, nOn homo. frater-a 

eins fortis fuit, amicus amico, manu plena, uncta mensa. 
et inter initia malam parram pilavit, sed recorrexit costas 
illius prima vindemia; vendidit enim vinum, quanti ipse 
övoluit. et quod illius mentum sustulit, hereditatem accepit, 
ex qua plus involavit, quam illi relictum est. et ille 
stips, dum fratri suo iraseitur, nescio cui terrae filio Patri- 
monium elegavit. longe fugit, quisquis suos fugit. habuit 
autem oricularios servos, qui illum pessum dederunt. | nun- HL 

10 quam autem reete faciet, qui cito credit, | utique homo ne- H 

gotians. tarnen verum quod frunitus est, quam diu vixit 

cui datum est, non cui destinatum. plane For- 

tunae filius, in manu illius plumbum aurum fiebat. fa- 

cile est autem, ubi omnia quadrata currunt. et quot putas 

15 illum annos secum tulisse? septuaginta et supra. sed 
corneolus fuit, aetatem bene ferebat, niger tanquam corvus. Bücheier 
noveram hominem olim oliorum. et adhuc salax erat, 
(non mehercules illum puto in domo canem reliquisse.) 
immo etiam pullarius erat, omnis minervae homo. nee 

20improbo; hoc solum enim secum tulit\ 

44 haec Phileros dixit, illa Ganymedes: c närratis quod 
nee ad caelum nee ad terram pertinet, cum interim nemo 



2 manu plena, uncta mensa Remesius Heimius manu uncta 
plena mensa H. 4 quanti Bücheier quantum H quanti tum 

Scheffer. 9 oricularios Beinesms Hemsius Bücheier I oracularios 
H Bücheier 9 ' 4 . 12 cui datum est, datum est Muncker habet enim 
cui datum est Bücheier L 17 noveram hominem olim oliorum 

H Bücheier* olim olimorum Wehle p. 17 mulierarium, mulierosum 
Scheffer Hemsius molitor mulierum (oder molitor allem: Auson. 
epigr. 90,3) oder molimolierum? Bücheier hominem: olim oliorum 
Bücheier * Miodonski hominem olim oliorem van der Vliet. 18 canem 
intaetam reliquisse Qoes. 19 pullarius Burmann Bücheier 9 '* 

puellarius H Bücheier I. 



Cena Trimalchionis. H7 

ich die Wahrheit sagen, wie einer, der eine Hundezunge 
gegessen hat: er hatte ein böses Maul, war ein Krakehler, 
nicht ein Mensch, nein, die reine Unverträglichkeit. Sein 
Bruder war ein braver Mann, ein Freund für seine Freunde, 
hatte eine offene Hand und führte einen guten Tisch. 
Als er noch ein Anfänger war, konnte er auf keinen 
grünen Zweig kommen, aber die erste Weinlese stellte 
ihn auf die Füße: denn er konnte damals für seine 
Weine fordern, soviel er wollte. Und wodurch er recht 
in die Höhe kam, das war, daß er eine Erbschaft machte, 
von der er mehr einsteckte, als ihm vermacht war. Und 
jener Klotz hat, weil er auf seinen Bruder böse war, 
irgend einem Quidam, der ihn gar nichts anging, sein 
Vermögen vermacht. Wer sein Fleisch und Blut nicht 
achtet, achtet gar nichts. Aber er hatte Ohrenbläser unter 
seinen Sklaven, die haben ihn zu Grunde gerichtet. Aber 
niemals wird es einer recht machen, der zu schnell ver- 
traut, besonders ein Geschäftsmann. Doch wahr bleibt, 
daß er sichs wohl sein ließ, solange er lebte. Wem 
es zu teil wird, dem wird es zu teil, nicht wem es 
bestimmt gewesen ist. Wahrhaftig ein Glückskind, in 
seiner Hand wurde Blei zu Gold. Mit einem Wagen, der 
von selbst läuft, ist leicht fahren. Und wie viel Jahre 
glaubt ihr, daß er auf dem Bücken hatte? Siebzig und 
darüber. Aber er war wie von Eisen, das Alter hatte 
ihm nichts an. Schwarz wie ein Babe. Ich kannte den 
Burschen seit Olims Zeiten und er war noch ein rechter 
Bock, ich glaube, so wahr ich lebe, daß in seinem Hause 
keine Sie vor ihm sicher war. Ja auch ein Knabenjäger 
war er, in allen Sätteln gerecht. Ich sage nichts dagegen; 
das ist doch das einzige, das er mit sich genommen hat.« 

Dies sagte Phileros. Ganymedes ließ sich folgender- 44 
maßen vernehmen: »Ihr sprecht von Dingen, nach denen 



118 Cena Trimalchionis 44. 

Bücheier 
p. 29 
curat quid annona mordet, non mehercules hodie buccamj? 

panis invenire potui. et quomodo siccitas perseverat. iam 

annum esuritio fuit. aediles male eveniat, qui cum pisto- 

ribus colludunt "serva me, servabo te". itaque populus 

öminutus laborat; nam isti maiores maxillae semper Satur- 
nalia agunt. o si haberemus illos leones, quos ego hie 
inveni, cum primum ex Asia veni. illud erat vivere. + si- 
' milia sicilia interiores et laruas sie istos percolopabant, 
ut Ulis Iupiter iratus esset, [sed] memini Safinium: tunc 

lOhabitabat ad arcum veterem, me puero, piper, non homo. 
is quaeunque ibat, terram adurebat. sed rectus, sed 
certus, amicus amico, cum quo audacter posses in teüe- 
bris micare. in curia autem quomodo singulos [vel] pila- 
bat [traetabat] , nee Schemas loquebatur sed directum. 

15 cum ageret porro in foro, sie illius vox crescebat tanquam 
tuba. nee sudavit unquam nee expuit, puto eum nescio 
quid Asiadis habuisse. et quam benignus resalutare, no- 
mina omnium reddere, tanquam unus de nobis. itaque 
illo tempore annona pro luto erat, asse panem quem 

20 emisses, non potuisses cum altero devorare. nunc oculum 
bublum vidi maiorem. heu heu, quotidie peius, haee 



3 esuritio Bücheler* * esurio H esurigo Bücheier I. 7, 8 si- 
milia sicilia interiores et R etwa simila si siligine inferior esset 
Büeheler* oder si similia silicia interior esset Bücheler* si milia 
sicilico interior esset Bloch si milia, si cilia (yjXia) Heraus. 14 direc- 
tum Reiske dilectum H Bücheier I derectum Bücheler* 4 . 16 eum 
Tilebomenus enim H. 17 Asiadis H Asiatici Reinesius^ assi a dis 
Bimnarm 5aau a dis Scheffer apathis? Bücheier* quasi a dis Stre- 
ut* asidae EUis. 



Cena Trimalchionis. 119 

kein Hahn kräht, aber darum kümmert sich keiner, in 
was für einer Klemme wir durch die hohen Kornpreise 
stocken. Ich habe heute, so wahr ich lebe, nicht einen 
Bissen Brot auftreiben können. Und wie die Dürre an- 
hält Schon ein Jahr lang hat man sich nicht satt ge- 
gessen. Die Kränk sollen die Ädilen kriegen, die mit 
den Bäckern unter einer Decke stecken. Eine Hand 
wäscht die andre. Darum haben wir kleinen Leute es 
schlecht; denn für die großen Kinnbacken ist alle Tage 
Feiertag. Ach wenn wir noch die Hauptkerle hätten, die 
ich hier vorfand, als ich damals aus Asien ankam. Das 
war ein Leben, und wenn das Brot nicht von erster Güte 
war, dann nahmen sie diese Fratzen ordentlich zwischen 
die Finger, so daß ihnen angst und bange wurde. Ich 
kann mich noch auf den Safinius besinnen; er wohnte 
damals am alten Bogen, als ich noch ein Junge war. 
Das war euch nicht ein Mensch, sondern der reine Pfeffer. 
Wo er ging, versengte er den Boden. Aber aufrichtig, 
aber zuverlässig, ein Freund für seine Freunde ; mit dem 
konnte man dreist im Finstern Morra spielen. Und auf 
dem Bathaus, wie wusch er ihnen den Kopf, und er 
sprach nicht mit solchen schönen Redensarten, sondern 
immer gerade heraus. Und wenn er auf dem Forum auf- 
trat,- da schwoll seine Stimme wie eine Posaune. Und 
niemals schwitzte er oder spuckte er aus, ich glaube, das 
war eine Gabe, die er von den Göttern hatte *. Und wie 
freundlich grüßte er wieder, nannte jeden bei Namen, 
wie einer von uns. Darum war damals auch das Korn 
spottwohlfeil. Ein Brot, das man für einen As gekauft 
hatte, konnte man zu zweien nicht aufessen. Jetzt sind 
sie noch kleiner als ein Ochsenauge. Ach ja, alle Tage 

1 oder vielleicht: ich glaube, er hatte etwas von der asiati- 
schen Manier weg. 



120 Cena Trimalchionis 44. 45. 

Büchelei 
p. 29 
colonia retroversus crescit tanquam coda vituli. sed quare H 

nos habemus aedilem triiim caiutyarum, qui sibi mavult 

assem quam vitam nostram? itaque domi gaudet, plus in 

die nummorum accipit, quam alter Patrimonium habet. 

5iam scio, unde acceperit denarios mille aureos. sed si 

nos coleos haberemus, non tantum sibi placeret. nunc 

populus est domi leones, foras vulpes. quod ad me atti- 

net, iam pannos meos comedi, et si perseverat haec 

annona, casulas meas vendam. quid enim futurum est, 

10 si nee dii nee homines huius coloniae miserentur? ita 
meos fruniscar, ut ego puto omnia illa a diibus fieri. | HL 
nemo enim caelum eaelum putat, nemo ieiunium servat, 
nemo Iovem pili facit, sed omnes .opertis oculis bona suaJ? 
computant. | antea stolatae ibant nudis pedibus in clivum, 

15 passis capillis, mentibus puris, et Iovem aquam exorabant. 
itaque statim urceatim plovebat: aut tunc aut nunquam: Bücl J£j e] 
et omnes ridebant, udi tanquam mures. itaque dii pedes 
lanatos habent, quia nos religiosi non sumus. agri 
iacent 3 — 

*B c oro te' inquit Echion centonarius c melius loquere. 
"modo sie, modo sie' 3 inquit rusticus; varium porcum 
perdiderat. | quod hodie non est, cras erit: sie vita tru- HL 



2 nos Tilebomenus non H trium] non triam? Bücheier *'*. 4 Pa- 
trimonium] in patrimonio Thiebncmn. 10 hujus Seheffer ejus H. 
11 a diibns Bikkeler aedilibus H fieri Tilebomenus fleri H. 13 pili 
H pluris L. 17 ridebant H redibant Jacobs Wehte p. 21 Bücheier 
udi Triller ut dii K 



Cena Trimalchionis. 121 

schlimmer. Die Stadt geht rückwärts wie ein Krebs. 
Aber warum haben wir einen Ädilen, der keinen Pfiffer- 
ling wert ist! Der es lieber hat, wenn er einen Denar 
einstecken kann, als wenn wir das liebe Leben behalten! 
Daher lacht er sich zn Hanse ins Fäustchen und nimmt 
an einem Tage mehr ein , als ein andrer im Vermögen 
hat. Ich weiß recht gut, von wem er tausend Golddenare 
bekommen hat. Aber wenn wir Haare auf den Zähnen 
hätten, würde ihm nicht so wohl in seiner Haut sein. 
Jetzt sind unsre Bürger zwischen ihren vier Wänden 
wahre Löwen, aber wenn sie herauskommen, Füchse. Ich 
für meinen Teil habe schon aufgegessen, was ich auf 
dem Leibe trage, und wenn wir diese Eornpreise behalten, 
bleibt mir nichts übrig, als meine paar Häuserchen zu 
verkaufen. Denn was soll werden, wenn weder Götter 
noch Menschen sich dieser Stadt erbarmen? So wahr ich 
an meinen Kindern Freude erleben will, ich glaube, daß 
das alles von den Göttern herkommt. Niemand glaubt 
ja mehr an eine Vorsehung, niemand beobachtet eine 
Fastenzeit, niemand fürchtet Jupiter, sondern alle rech- 
nen, ohne rechts und links zu sehn, nur nach, was sie 
haben. Wenn sonst Dürre war, dann gingen die Frauen 
in langen Kleidern barfuß auf den Berg, mit aufgelöstem 
Haar und reinem Gemüt, und erlangten von Jupiter durch 
Beten Wasser vom Himmel. Und dann regnete es mit 
Kannen, dann oder niemals, und alle freuten sich und 
waren naß wie gebadete Mäuse. Darum haben die 
Götter für uns das Podagra, weil wir nicht fromm sind. 

Der Ackerbau liegt darnieder « 

»Ich bitte dich, sprach Echion, ein Fabrikant von 45 
Lappendecken, rede nicht so schlimm. Einmal so, ein- 
mal so, sagte der Bauer, da hatte er sein geflecktes 
Schwein verloren. Was heute nicht ist, kann morgen 



122 Cena Trimalchionis 45. 

Bücheier' 
p.30 
ditur. | non mehercules patria melior dioi potest, si ho-tf 

mines saperent. sed laborat hoc tempore, nee haee sola. 

non debemus delicati esse, ubique medius caelus est. tu 

si aliubi fueris, dices hie porcos coctos ambulare. et ecce 

öhabituri sumus munus excellente in triduo die festa; fa- 

milia non lanisticia, sed plurimi liberti. et Titas noster 

magnum animum habet et est caldicerebrius: aut hoc aut 

illud erit, quid ntique. riam illi domesticus sum, non est 

miseix. ferrum Optimum daturus est, sine fuga, carnarium 

10 in medio, ut amphitheater videat. et habet unde: relictnm 
est illi sestertium tricenties, decessit illius pater.+male. 
ut quadringenta impendat, non sentiet Patrimonium illius, 
et sempiterno nominabitur. iam Manios aliquot habet et 
mulierem essedariam et dispensatorem Glyconis, qui de- 

15prehensus est, cum dominam suam delectaretur. videbis 
populi rixam inter zelotypos et amasiuneulos. Glyco autem, 
sestertiarius homo, dispensatorem ad bestias dedit. hoc 
est se ipsum traducere. quid servus peceavit, qui coac- 
tus est facere ? magis illa matella digna fuit, quam taurus 

20iactaret. sed qui asinum non^ potest, Stratum caedit. quid 
autem Glyco putabat Hermogenis filicem unquam bonum 



2 saperent Bücheier * (Anm.) haberet H Bücheier [Text) sola 
Reiske sua K 4 aliubi Seheifer alieubi H. 5 in triduo Hern- 
sites inter duo H in terduo? (tervium = trivium CIL IX 2476} 
Funch 8 quid Heinsius quod H Mimeker. 9 miseix Anton 

mixeix K 10 amphitheater Bücheier ampliteatur E amphitheatrum 
Bücheler* videat H rideat Bimncnm madeat Hirschfeld. 13 Ma- 
nios H Bücheler 9 ' 4 nanos Scheffer Heinsius Bücheier I mannos Bei- 
nesiics Qudemcm manicarios Keller. 21 filicem H filiam Patavina. 



Cena Trimalchionis. 123 

sein, so geht das Leben immer vorwärts. Wahrhaftig, 
es könnte gar keine bessere Stadt geben, wenn die Leute 
nur Vernunft haben wollten. Jetzt ist sie freilieh übel 
daran, aber andre doch auch. Wir dürfen es so genau 
nicht nehmen, der Himmel ist uns überall gleich nahe. 
Wenn du anderswo gewesen sein wirst, wirst du sagen, 
daß hier die Ferkel gebraten herumlaufen. Und gebt 
acht, nächstens werden wir ein extrafeines Gladiatoren- 
spiel bekommen, drei Tage lang, an den Festtagen, nicht 
eine Bande von einem Unternehmer, sondern sehr viel 
Freigelassene. Und unser Titus ist in allem, was er tut, 
großartig und ein Hitzkopf, bei ihm heißt es entweder 
— oder, was Ordentliches auf alle Fälle. Ich bin mit 
ihm intim, er tut nichts halb. Richtiges kaltes Eisen 
wird es geben, kein Davonlaufen, Abschlachtung vor dem 
Publikum, damit das ganze Amphitheater es sehen kann. 
Und er hat die Mittel, er hat dreißig Millionen geerbt, 
sein Vater ist ja gestorben. Wendet er 400000 an, so 
wird es seine Kasse noch gar nicht spüren und man wird 
künftig immer von ihm reden. Er hat schon einige Kerle 
und ein Weib, das auf einem Wagen fechten wird, und 
den Kassierer des Glycon, der ergriffen wurde, als er 
seine Herrin amüsierte. Da wird man den Streit des Pu- 
blikums zwischen den eifersüchtigen Ehemännern und den 
galanten jungen Herrchen sehn. Aber daß Glyco, dieser 
nichtsnutzige Mensch , seinen Kassierer für die wilden 
Tiere hergegeben hat! Das heißt ja sich selbst an den 
Pranger stellen. Was hat denn ein Sklave für Schuld, 
der tun mußte, was ihm befohlen war? Weit mehr 
hätte das Mensch verdient, von einem Stier auf die 
Hörner genommen zu werden. Freilich man schlägt den 
Sack und meint den Esel. Wie konnte aber auch Glyco 
sich einbilden, daß das Kräutchen des Herrn ogenes je- 



124 Cena Trimalchionis 45. 46. 

Büchelei* 
p.30 
exitum facturam? ille milvo volanti poterat ungues rese- h 

care; colubra restem non parit. Glyco, Glyco dedit suas; 

itaque quamdiu vixerit, habebit stigmam, nee illam nisi 

Orcus delebit. sed sibi quisque peccat. sed subolfacio 

öquod nobis epnlum daturus est Mammaea, binos denarios 
mihi et meis. quod si hoc fecerit, eripiat Norbano totum 
favorem. scias oportet, plenis velis^hunc vinciturum. et 
revera, quid ille nobis boni fecit? dedit gladiatores sester- 
tiarios iam decrepitos, quos si sufflasses, cecidissent; iam 

lOmeliores bestiarios vidi, oeeidit de lucerna equites, pu- 
tares eos gallös gallinaceos; alter burdubasta, alter lori- 
pes, tertiarius mortuus pro mortuo, qui habebat nervia 
praecisa. nnus alieuius flaturae fuit Thraex, qui et ipse 
ad dietata pugnavit. ad summam, omnes postea secti 

15 sunt; adeo de magna turba <c adhibete" aeeeperant, plane 
fugae merae. cc munus tarnen" inquit "tibi dedi", et ego 
tibi plodo. computa, et tibi plus do quam aeeepi. manus 

46manum lavat. videris mihi, Agamemnon, dicere: cc quid Bücheiei« 
iste argutat molestus?" quia tu, qui potes loquere, non 

201oquis. non es nostrae fasciae, et ideo pauperorum verba 



2 suas H suos Scheffer suum os Tritter. 12 habebat Bü- 

cheier habet K 13 flaturae H staturae Scheffer facturae? Heraus. 
15 adhibete Bücheier adhebete H havete ? Bücheier I fugae] nugae ? 
Hirschfeld. 19 loquere, non loquis Bücheier* loquere, non loqui 
H loqui, non loquere Scheffer [loqui], non loquere BüchderK 



Gena Trimalchionis. 125 

mala gut einschlagen würde? Der war ja im stände, 
einem Habicht im Fluge die Klauen zu beschneiden, und 
der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Glyco, Glyco ist 
der Geprellte: solange er lebt, wird er ein Brandmal 
tragen, und das wird erst der Orcus auslöschen. Aber 
jeder begeht seine Torheiten zu seinem eignen Schaden. 
Doch was ich sagen wollte, ich habe eine Witterung, 
daß Mammaea uns eine Bewirtung geben wird, ich und 
meine Leute werden je zwei Denare bekommen. Wenn 
er das tut, wird er den Norbanus ganz ausstechen. Ihr 
könnt mir glauben, daß er ihn um mehrere Pferdelängen 
schlagen wird. Und es ist auch wahr, was hat jener denn 
Großes für uns getan? Er hat Gladiatoren gegeben, 
die keinen Groschen wert waren, abgelebte alte Kerle, 
hätte man sie angeblasen, wären sie umgefallen; ich habe 
schon bessere Leute mit wilden Tieren fechten gesehn. 
Die Reiter, die er töten ließ, waren wie Männerchen 
von Lampendeckeln, man glaubte Hähne vor sich zu 
sehn, der eine ein lendenlahmer Esel, der andere schlepp- 
füßig, der Ersatzmann für den Gefallenen selbst schon 
mehr als halbtot, mit zerhauenen Sehnen. Einer war 
noch von einigem Kaliber, der Thracier, der auch schul- 
mäßig focht. Kurz und gut, alle wurden nachher ge- 
hauen, es war aus dem Publikum zu sehr gerufen worden : 
c gebt es ihnen!' Wahrhaftig die reinen Hasenfüße. Und 
da sagt er noch, ich habe dir doch ein Gladiatorenspiel 
gegeben. Und ich habe dafür geklatscht. Rechne nach 
und du wirst finden, daß du mehr erhalten als gegeben 
hast. Eine Hand wäscht die andre. — Du siehst so aus, 46 
Agamemnon, als ob du sagen willst: was plappert der 
langweilige Kerl? Weil du, der du dich aufs Reden ver- 
stehst, nicht redest. Du bist nicht von unserm Schlage 
und deshalb machst du dich über die Worte von uns ge- 



126 Cena Trimalchionis 46. 

Bücnelei * 

p.31 

derides. scimus te prae literas fatuum esse, quid ergoj? 
est? aliqua die te persnadeam ut ad villam venias et 
videas casulas nostras? inveniemus quod manducemus, 
pullum, ova: belle erit, etiam si omnia hoc anno tem- 
öpestas dispare pallavit: inveniemus ergo unde saturi fia- 
mus. et iam tibi discipulus creseit cicaro mens, iam 
quattuor partis dicit; si vixerit, habebis ad latus servu- 
lnm. nam quicqnid illi vacat, caput de tabula non tollit. 
ingeniosus est et bono filo, etiam si in aves morbosus est. 

lOego illi iam tres cardeles occidi, et dixi quod mustella 
comedit. invenit tarnen alias nenias, et libentissime 
pingit. ceterum iam Graeculis calcem impingit et Latinas 
coepit non male appetere, etiam si magister eius sibi 
plaeens fit' nee uno loco consistit, sed venit, dem literas, 

15 sed non vult laborare. est et alter non quidem doctus, 
sed curiosus, qui plus docet quam seit, itaque feriatis 
diebus solet domum venire, et quiequid dederis, conten- 
tus est. emi ergo nunc puero aliquot libra rubricata, 
quia volo illum ad domusionem aliquid de iure gustare. 

20 habet haec res panem. nam literis satis inquinatus est. 
quod si resilierit, destinavi illum aliquid artificii docere, 
aut tonstreinum aut praeconem aut certe causidicum, quod 
illi auferre non possit nisi Orcus. ideo.illi cotidie clamo: 



5 dispare pallavit H Bückeier 9 '* dispare pullavit Beiske, vgl. 
die Anm. dispalavit Oretti. 9 aves Triller Beiske naves H. 

14 fit Bücheler* sit fi"est Bücheier I venit, dem H Bückeler* * (Text) 
Ventilat quidem? Bücheier 9 (Anm.). 21 aliquid artificii Frdl. ohne 
aliquid H Bücheier nonnihilum artificii Hemsius. 22 tonstreinum 
Bücheler tonstrinum Scheffer constreinum H. 



Cena Trimalchionis. 127 

ringen Leuten lustig. Wir wissen wohl, daß du Tor 
lauter Gelehrsamkeit übergeschnappt bist Was macht 
es aus? Ich möchte dich einmal bereden, daß du auf 
mein Gütchen kommst und dir meine Hauserohen ansiehst 
Wir werden etwas zu beißen finden, ein Hähnchen, Eier; 
es wird nett sein, wenn auch in diesem Jahr die Witte- 
rung alles hat in verkehrter Ordnung wachsen lassen. 
Wir werden schon etwas finden, wovon wir satt werden. 
Und in meinem Bttrschchen wächst ein Schüler für dich 
heran. Er kann schon etwas dividieren : wenn er am Leben 
bleibt, wirst du ein Dienerchen an ihm haben. Denn wenn 
er nur freie Zeit hat, hebt er den Kopf nicht von der Tafel 
auf. Er hat einen guten Kopf und ist von guter Art, 
nur auf die Vögel ist er zu. sehr versessen. Ich habe 
schon drei Stieglitzen den Hals umgedreht und gesagt, 
das Wiesel hat sie gefressen. Aber er hat sich auf 
andres dummes Zeug gelegt und malt für sein Leben 
gern. Übrigens hat er schon Griechisch angefangen und 
zum Latein hat er rechte Lust, wenn auch sein Lehrer 
eingebildet wird und nicht bei der Stange bleibt, sondern 
er kommt, ich soll ihm was zu schreiben geben, aber 
arbeiten will er nicht. Ich habe auch einen andern, der 
zwar nicht viel gelernt hat, aber sich viel Mühe gibt und 
mehr lehrt, als er selbst weiß. Er kommt an Feiertagen, 
und was man ihm dann gibt, damit ist er zufrieden. loh 
habe dem Jungen einige solcher Bücher mit roten Über- 
schriften gekauft, weil ich will, daß er zum Hausgebrauch 
etwas vom Recht aufschnappen soll: diese Sache gibt 
Brot. Denn von Bildung hat er schon genug weg. 
Wenn er abspringen sollte, hatte ich vor ihn ein Geschäft 
lernen lassen, Barbierladen oder Auktionskommissar oder 
wenigstens Rechtsanwalt, und das kann ihm dann doch 
nur der Tod nehmen. Daher predige ich ihm täglich: 



128 Oena Trimalchionis 46. 47. 

Bücheier* 
p. 31 
"Primigeni, crede mihi, quicquid discis, tibi discis. vides# 

Phileronem cansidicnm: si non didicisset, hodie famem a 

labris non abigeret. modo, modo collo suo circumferebat 

onera venalia, nunc etiam ad versus Norbanum se exten- 

5 dit. literae thesaurum est, et artificium nunquam mo- 

ritur." 

47 eiusmodi fabulae vibrabant, cum Trimalchio intravit 
et detersa fronte unguento manus lavit spatioque minimo 
interposito c ignoscite mihi' inquit c amici, multis iam diebus 

10 venter mihi non respondit. nee medici se inveniunt. pro- 
fuit mihi tarnen malicorium et taeda ex aceto. spero ta- 
rnen, iam veterem pudorem sibi imponet. alioquin circa 
stomachum mihi sonat, putes taurum. itaque si quis 
vestrum voluerit sua re [causa] facere, non est quod illum 

löpudeatur. nemo nostrum solide natus est. ego nulluni 
puto tarn magnum tormentum esse quam continere. hocßücheier* 
solum vetare ne Iovis potest. rides, Fortunata, • quae p ' 
soles me nocte desomnem facere? nee tarnen in triclinio 
ullum vetuo facere quod se iuvet, et medici vetant con- 

20tinere. vel si quid plus venit, omnia foras parata sunt: 
aqua, lasani et cetera minutalia. credite mihi, anathy- 
miasis in cerebrum it et in toto corpore fluetum facit. 
multos scio sie periisse, dum nolunt sibi verum dicere*. 
gratias agimus liberalitati indulgentiaeque eins, et subinde 

25castigamus crebris potiuneulis risum. nee adhuc scieba- 



4 onera H olera Scheffer Hemsius. 12 veterem Heinsms 

ventrem H. 14 sua re — facere H Bücheier suam rem facere? 
sua reclusa facere Michaelis vgl. die Anm. 17 ne Heraus Büche- 
ier* nee Hemsius Bücheier 3 vetare] mutare? Bücheier. 19 vetuo 
Bücheier vetui Ä 20 si quid plus usu venit Hirschfeld. 21 la- 
sani Bücheier lassant H. 



Cena Trimalchionis. 129 

c Primigenius, glaube mir, was du lernst, das lernst du zu 
deinem Besten. Du siehst den Rechtsanwalt Phileros: hätte 
er nichts Ordentliches gelernt, so hätte er nichts zu beißen. 
Es ist noch gar nicht lange her, daß er Säcke zum 
Verkauf auf dem Rücken trug, und jetzt macht er sich 
sogar gegen den Norbanus breit. Ja ja, Bildung ist ein 
Schatz und was man gelernt hat, das bleibt ewig. 9 « 

Dergleichen Gespräche waren im Gange, als Trimal-47 
chio hereinkam, sich die Stirn wischte, die Hände in 
wohlriechendem Wasser wusch und nach einer ganz 
kurzen Pause sagte: »Nehmt es mir nicht übel, Freunde, 
schon seit mehreren Tagen war mein Leib nicht in Ord- 
nung, und die Ärzte wissen nicht aus noch ein. Aber 
Granatäpfelschale und Kien in Essig hat mir geholfen. 
Ich hoffe, daß er nun wieder wie früher seine Schuldig- 
keit tun wird. Übrigens brummt es mir um den Magen 
herum, man möchte denken, es sei ein Ochs. Wenn also einer 
yon euch seinerseits machen will, so hat er keinen Grund, 
sieh zu genieren. Keiner von uns ist mit einem Verschluß 
zur Welt gekommen. Ich bin der Meinung, daß es keine 
so große Pein auf der Welt gibt, als einhalten. Das ist 
das einzige, was selbst Jupiter nicht verbieten kann. Du 
lachst, Fortunata, du, die es nachts so treibt, daß ich 
nicht schlafen kann. Auch beim Essen halte ich keinen 
ab, sich Erleichterung zu verschaffen. Und die Ärzte 
verbieten einzuhalten. Oder wenn mehr kommt, so steht 
draußen alles bereit: Wasser, Nachtstühle und die son- 
stigen kleinen Erfordernisse. Glaubt mir, die Flatulenz 
steigt ins Gehirn und macht eine Wallung im ganzen 
Leibe. Ich weiß viele, die so ums Leben gekommen 
sind, weil sie nicht der Stimme der Natur haben fol- 
gen wollen.« Wir sagen unsern Dank für seine Groß- 
mut und Nachsicht und nehmen öfter einen Schluck, um 

Petronii Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 9 



130 Cena Trimalchionis 47. 48. 

Bücheier' 
p. 32 
mus nos in medio lautitiarum, quod aiunt, clivo labo-JT 

rare, nam cum-mundatis ad symphoniam mensis tres 

albi sues in triclininm adducti sunt capistris et tintinna- 

bnlis culti, qnornm nnnm bimum nomenculator esse dice- 

6 bat, alterum trimum, tertium vero iam sexennem, ego 

putabam petanristarios intrasse et porcos, sicnt in circnlis 

mos est, portenta aliqua factnros; sed Trimalchio ex- 

pectatione discussa 'quem 5 inquit c ex eis vultis in cenam 

statim fieri? gallum enim gallinaceum, penthiaenm et 

lOeiusmodi Kenias rustici faciunt: mei coci etiam vitulos 
aeno eoctos solent facere*. continnoqne cocum vocaitf 
iussit, et non expectata electione nostra maximnm natu 
inssit oecidi, et clara voce: c ex quota decuria es?' cum 
ille se ex quadragesima respondisset, c empticius an' inquit 

15 c domi natus?' 'neutrum* inquit cocus c sed testamento Pansae 
tibi relictus sum*. Mde ergo' ait e ut diligenter ponas; 
si non, te iubebo in decuriam viatorum conicf . et cocum 

48quidem potentiae admonitum in culinam obsonium duxit, 
Trimalchio autem miti ad nos vultu respexit et 'vinum' 

20 inquit c si non placet, mutabo; yos illud oportet bonum 
faciatis. deorum beneficio non emo, sed nunc quicquid ad 



1 quod Heinsites quo H 2 cum mundatis H Bücheier com- 
mundatis Heinsites. 5 sexennem Wehte p. 21 senem H. 13 c ait 
aut inquit post quota adicimdum Bückeier *•* Dock vgl. die Anm. 
von Heraus. 15 natus es K 17 viatorum] vinitorum? Hirschfeld 
bojatorum? Heraus vgl. die Anm. cocum quidem Bücheier quidem 
cocum HL 18 potentiae Scheffer potentia H. 



Cena Trimalchionis. 131 

das Lachen zu unterdrücken. Wir wußten aber nicht, 
daß wir noch lange nicht, wie man sagt, den Gipfel der 
Genüsse erklommen hatten, sondern erst auf dem halben 
Wege waren. Denn als nach einer unter Orohesterbe- 
gleitung erfolgten Säuberung der Tische drei weiße mit 
Maulkörben und Glöckchen ausgestattete Schweine in den 
Speisesaal geführt wurden, von denen der Anmelder sagte, 
daß das eine zwei-, das andere drei-, das dritte sechs- 
jährig sei, dachte ich, daß Gaukler gekommen seien und 
die Schweine einige Kunststücke machen würden, wie es 
vor einem Gassenpublikum zu geschehen pflegt. Doch 
Trimalchio machte der Spannung durch die Frage ein 
Ende: »Welches wollt ihr sofort für die Mahlzeit zube- 
reiten lassen? Denn einen Hahn, ein PentheusfricassÄ und 
dergleichen Bagatellen können Bauern machen. Meine 
Köche sind gewohnt, sogar ganze Kälber im Kessel fertig 
zu kochen«. Und sogleich ließ er den Koch rufen, be- 
fahl ihm, ohne unsere Wahl abzuwarten, das älteste 
Schwein zu schlachten, und fragte mit lauter Stimme: 
»Aus welcher Abteilung bist du?« Als jener geantwortet 
hatte: »Aus der vierzigsten:« »Bist du angekauft oder im 
Hause geboren?« »Keines von beiden,« sagte der Koch, 
»sondern dir durch das Testament des Pansa hinterlassen.« 
»Gib dir also Mühe, ordentlich aufzutragen,« sagte Trimal- 
chio, »sonst werde ich befehlen, daß du in die Abteilung 
der Boten gesteckt wirst.« 

Den Koch, der auf diese Weise an die Großmäch- 48 
tigkeit seines Herrn erinnert war, führte das Gericht 
in die Küche. Trimalchio aber richtete einen milden 
Blick auf uns und sagte: »Wenn euch der Wein 
nicht schmeckt, werde ich andern reichen lassen: 
ihr müßt ihm seinen Wert geben. Durch die Gnade 
der Götter brauche ich nicht zu kaufen, sondern wächst 

9* 



132 Cena Trimalchionis 48. 49. 

Bücheier 4 

p.32 

ealivam facit, in suburbano nascitur eo, quod ego adhucjj 

non novi. dicitur confine .esse Tarraciniensibus et Taren- 

tinis. nunc coniungere agellis öiciliam volo, ut cum Afri- 

cam libuerit ire, per meos fines navigem. sed narra tu 

5 mihi, Agamemnon, quam controversiam hodie declamasti? 
ego etiam si cansas non ago, in domuflionpm tarnen lite- 
ras didici. et ne me putes studia fastußtum, II byblio- 
thecas habeo, uMm Graecam, alteram Latinam. die ergo, 
si me amas, peristasim declamationis tuae\ cum dixisset 

10 Agamemnon: c pauper et dives inimici erant 3 , ait Trimal- 
chio 'quid est pauper? 3 'urbane 3 inquit Agamemnon et 
nescio quam controversiam exposuit. statim Trimalchio 
'hoc' inquit c si factum est, controversia non est; si factum 
non est, nihil est 3 , haec aliaque cum effusissimis prosequere- 

15 mur laudationibus, c rogo 3 inquit 'Agamemnon mihi carissime, Bücheier 
numquid duodeeim aerumnas Herculis tenes, aut de Ulixe p * 
fabulam, quemadmodum Uli Cyclops pollicem +poricin^ex- 
torsit? solebam haec ego puer apud Homerum legere, nam 
Sifcrdlam quidem Gumis ego ipse oculis meis vidi in 

20ampulfa pendere, et cum Uli pueri dicerent: 2(ßoMa, t£ 
öiXet?; respondebat illa: dwroöaveiv <HXa>. 3 

49 nondum efflaverat omnia, cum repositorium cum sue 
ingenti mensam oecupavit. mirari nos celeritatem coepi- 



6 ego etiam si Bücheier Wehle p. 21 ego autem si H vielleicht 
richtig Segebade p. 41,29 domusionem Wehte divisione H. 7 II 

Tilebomenus Bücheier tres H. 17 pollicem H podicem Jacobs 

Orioli poricino H penicillo Reinesius ericio Jacobs foreipe oder per 
jocum Studer Obss. p. 15 ricino Bücheier Rhein. Mus. XV HI 323 
porcino Bücheier extorsit H extersit Jacobs. 



Gena Trimalchionis. 133 

mir jetzt alles, was gut schmeckt, auf meinem Landgut 
vor dem Tor, das ich noch nicht kenne. Es soll an 
meine Besitzungen bei Terracina und Tarent grenzen. 
Jetzt will ich meine Grundstücke durch Ankäufe 
in Sicilien arrondieren, damit, wenn ich einmal Lust 
bekomme, nach Afrika zu gehn, ich die Fahrt durch 
mein eigenes Land machen kann. Aber erzähle du mir 
einmal, Agamemnon, über welchen Fall hast du heute in 
der Schule eine Bede gehalten? Denn wenn ich auch 
keine Beden vor Gericht halte, habe ich doch zum Haus- 
gebrauch Bildung gelernt. Und damit du nicht glaubst, 
daß ich die Gelehrsamkeit verachte, ich habe zwei Biblio- 
theken, eine griechische und eine lateinische. Sage mir 
also gefälligst den Gegenstand deiner Bede.« Als Agamem- 
non anfing: »Ein Armer und ein Beicher waren Feinde«, 
fragte Trimalchio: »Was ist ein Armer?« »Sehr witzig,« 
sagte Agamemnon und setzte irgend einen Bechtsfall aus- 
einander. Sogleich bemerkte Trimalchio: »Wenn dies 
sich zugetragen hat, so ist nicht darüber zu streiten; 
wenn es sich nicht zugetragen hat, so ist es gar nichts.« 
Als wir diese und andere Äußerungen mit enthusiasti- 
schem Beifall begleiteten, sagte Trimalchio: »Sage mir, 
mein lieber Agamemnon, kannst du die zwölf Arbeiten 
des Herkules, und die Geschichte vom Ulysses, wie ihm 
der Cyklop mit einer Zange den Daumen ausdrehte? Ich 
pflegte dies in meiner Jugend im Homer zu lesen. Denn 
was die Sibylle betrifft, so habe ich sie selbst in 
Cumä in einer Flasche hängen gesehn; und wenn die 
Kinder sagten: 'Sibylle, was willst du?* antwortete sie: 
'Sterben will ich 3 . 

Noch hatte er nicht völlig zu Ende gesprochen, als 49 
ein Speisebrett mit einem gewaltigen Schwein den Tisch 
einnahm. Wir bewunderten die Schnelligkeit und schwu- 



134 Cena Trimalchionis 49. 50. 

Bücheier* 

p.33 

mus et iurare, ne gallum quidem gallinaceum tarn citojg- 

percoqui potuisse, tanto quidem magis, quod longe maior 

nobis porcus videbatnr esse, quam paulo ante aper fuerat. 

deinde magis magisque Trimalchio intuens eum 'quid? 

5 quid?' inquit c porcus hie non est exinteratus? non meher- 

eules est. voca, voca eocum in medio\ cum eonstitisset 

ad mensam coeus tristis et dieeret se oblitum esse exin- 

terare, c quid? oblitus?' Trimalchio exclamat c putes,illum 

piper et cuminum non coniecisse. despolia\ non fit 

10 mora, despoliatur cocus atque inter duos tortores maestus 
consistit. deprecari tarnen omnes coeperunt et dicere: 
'solet fieri; rogamus, mittas; postea si fecerit, nemo 
nostrum pro illo rogabit*. ego, crudeüssimae severitatis, 
non potui me tenere, sed inclinatus ad aurem Agamem- 

lönonis € plane 3 inquam c hic debet servus esse nequissimus; 
aliquis oblivisceretur porcum exinterare? non mehercules 
illi ignoscerem, si piscem praeterisset 3 . at non Trimalchio, 
qui relaxato in hilaritatem vultu c ergo* inquit c quia tarn 
malae memoriae es, palam nobis illum exintera 3 . reeepta 

20 cocus tunica eultrum arripuit porcique yentrem hinQ atque 
ittinc timida manu seeuit. nee mora, ex plagis pon- 
deris inclinatione crescentibus tomacula cum botulis 
effusa sunt. 

50 plausum post hoc automatum familia dedit et c Gaio 

25feliciter 3 conclamavit. nee non cocus potione honoratus 



12 mittas Hemsius mittes K 17 at non Trimalchio H Bü- 
cheler* at non üa Trimalchio Bückeier I. 



Cena Trimalchionis. 135 

ren, nicht einmal ein Hahn hätte so schnell gar gekocht 
werden können, um so mehr, da uns das zahme Schwein 
weit größer zu sein schien, als kurz zuvor das wilde. 
Als Trimalchio es dann immer genauer betrachtete, sagte 
er: »Was? Was? Das Schwein ist nicht ausgenommen? 
Nein, so wahr ich lebe, es ist nicht. Sofort, sofort soll 
der Koch herkommen.« Als der Koch traurig an den 
Tisch getreten war und sagte, er habe vergessen, das 
Schwein auszunehmen, ruft Trimalchio: >Was vergessen! 
man möchte glauben, der Kerl hätte Kümmel und Pfef- 
fer daran zu tun vergessen. Zieht ihn aus!« Ohne 
Verzug wird der Koch entkleidet und steht traurig 
zwischen zwei Prügelknechten da. Alle baten für ihn, 
man sagte : »Das kommt ja wol vor, bitte laß ihn gehn, 
wenn er es noch einmal tut, wird keiner von uns für 
ihn bitten«. Ich blieb streng und unbarmherzig und 
konnte nicht schweigen, sondern zu Agamemnons Ohr 
geneigt, sagte ich: »Dies muß doch wirklich ein ganz 
nichtsnutziger Sklave sein: jemand sollte vergessen, ein 
Schwein auszunehmen? Ich würde ihm nicht verzeihen, 
wenn er es auch nur bei einem Fisch unterlassen hätte«. 
Nicht so Trimalchio, der wieder eine heitere Miene an- 
nahm und sagte : »Also da du ein so schlechtes Gedächt- 
nis hast, nimm es vor unsern Augen aus«. Der Koch, 
der seine Tunica wieder erhalten hatte, ergriff ein Messer 
und schnitt mit schüchterner Hand rechts und links in 
den Bauch des Schweins. Sogleich fielen aus den 
Schnitten, die sich durch den Druck von innen erweiter- 
ten, Brat- und Blutwürste in Menge heraus. 

Die Dienerschaft klatschte hierauf Beifall, ohne ein 50 
Signal abzuwarten, und rief unisono: »Gajus hoch!« Auch 
der Koch ging nicht leer aus, er wurde mit einem Trunk 
und einem silbernen Kranz geehrt und empfing den 



136 Cena Trimalchionis 60. 61. ,_ , _ 

v Bachelor« 

p.33 
est et argentea Corona , poculumque in lance accepit Co- H 

rinthiä, quam com Agamemnon propius consideraret, ait 

Trimalchio: c solus sum qui vera Corinthea habeam\ ex- 

pectabam, nt pro reliqua insolentia diceret sibi vasa 

öCorintho afferri. sed ille melius: c et forsitan' inquit 

'quaeris, qnare solus Corinthea vera possideam: quia scilicet 

aerarius, a quo emo, Corinthus vocatur. quid est autem 

Cörintheum, nisi quis Corinthum habet? et ne me putetis 

nesapinm esse, valde bene scio, unde primnm Corinthea 

lOnata sint. Cum Ilium captum est, Hannibal, homo vafer 

et magnus steliq, omnes stataas aeneas et aureas et argen- 

teas in unum rogum congessit et eas ineendit; factae sunt in Bücheler* 

p. 34 
unum aera miscellanea. ita ex hac massa fabri sustule- 

runt et fecerunt catilla et paropsides et statuncula. sie 

15 Corinthea nata sunt, ex omnibus in unum, nee hoc nee 

illud. ignoscetis mihi, quod dixero : ego malo mihi vitrea, 

certe non olunt. quod si non frangerentur, mallem mihi 

51 quam aurum; nunc autem vilia sunt, fuit tarnen faber 

qui fecit phialam vitream, quae non frangebatur. ad- 

missus ergo Caesarem est cum suo munere, deinde fecit 

20reporrigere Caesarem et illam in pafimentum proiecit 

Caesar non pote valdius quam expavit. at ille sustulit 

phialam de terra; collisa erat tanquam vasum aeneum; 

deinde martiolum de sinu protulit et phialam otio belle 

1 et Bücheier 9 etiam H etiatu argenteam coronam Bücheier I. 
6 qnaeris H Bücheler quaeritis Wehle p. 28 Corinthea H, auch bei 
Isidor Origg. XVI 20,4. 8 nisi quis Corinthum, habet] nisi qu[od] 
Corinthn[8] habet? Htrschfeld. 11 stelio Eemsius scelio 2?. 16 quod 
Mtmcker Bücheler quid H vgl. die Anm. von Heraus. 17 certe non 
olunt Bücheler certe nolunt H ceteri nolint Scheffer Hemsius. 
20. 21 fecit reporrigere Caesarem Scheffer f. r. Caesari H petiit 
r. Caesari Hemsius fecit se porrigere Caesari Bücheler ThieVmawn 
Archiv Hl 179. 22 valdius] validius H validius Bücheler* val- 

dius Bücheler*. 24 martiolum H Io. Sarisb. Policrat. W 6 Bür 

chder* mareeolum Bücheler I marculum Isidor. Origg. XVI 16 } 6. 



Cena Trimalchionis. 137 

Becher auf einer Schale von korinthischer Bronze. Als 
Agamemnon diese näher in Augenschein nahm, sagte 
Trimalchio : »loh bin der einzige, der eohte korinthische 
Sachen besitzt«. Ich war darauf gefaßt, daß er gemäß 
seiner sonstigen Unverschämtheit sagen würde, ihm wür- 
den die Gefäße direkt ans Eorinth gebracht. Aber es 
kam noch besser. »Vielleicht möchtest dn wissen, sagte 
er, weshalb ich allein echte korinthische Sachen besitze: 
weil nämlich der Fabrikant, von dem ich kaufe, Eorin- 
thus heißt. Was ist aber korinthisch, wenn es nicht 
Ton einem Eorinthus kommt? Übrigens damit ihr mich 
nicht für unklug haltet, ich weiß sehr wohl, wie die 
korinthische Bronze entstanden ist. Als Troja erobert 
war, ließ Hannibal, ein schlauer Bursche und großer 
Spitzbube, alle bronzenen, silbernen und goldenen Sta- 
tuen auf einen Scheiterhaufen werfen und anzünden. So 
veramalgamierten sie sich, eine Mischung von allerlei Me- 
talL Von dieser Masse nahmen dann die Metallarbeiter 
und machten Näpfe, Schüsseln und kleine Figuren. So 
sind die korinthischen Bronzen entstanden, alles in eins, 
nicht Fisch, nicht Fleisch. Nehmt mir nicht übel, was 
ich sagen will: ich habe Glas lieber, wenigstens riecht 
es nicht Wenn es nicht so zerbrechlich wäre, würde 
ich es noch lieber haben als Gold: jetzt freilich ist es 
wohlfeil. Es hat aber einmal einen Glasarbeiter gegeben, 51 
der eine gläserne Trinkschale machte, die nicht zer- 
brechen konnte. Er wurde mit seinem Geschenk beim 
Eaiser vorgelassen, dann ließ er sie sich von ihm zurück- 
reichen, und warf sie auf den Estrich. Der Eaiser hatte 
fast den Tod vor Schreck Aber jeder hob die Glas- 
schale von der Erde auf, sie war verbogen, wie ein 
kupfernes Gefäß. Dann nahm er ein Hämmerchen aus 
der Brustfalte und brachte die Schale gemächlich in Ord- 



138 Cena Trimalchionis 51. 52. « ,. , 

Bücheler 
P . 34 
correxit. hoc facto putabat se soleum Iovis tenere, utique H 

postquam Caesar Uli dixit: "numquid alins seit hane con- 

ditnram vitreorum?* > vide modo, postquam negavit, 

goinssit illum Caesar decollari: quia enim, si scitum esset, 

5aurum pro luto haberemus. in argento plane Studiosus 

sum. habeo scyphos urnales plus minus C 

quemadmodum Gassandra oeeidit filios suos, et pueri 

mortui iacent sie ut vivere putes. habeo capides M, quas 

reliquit patrono meo Mummius 

10 ubi Daedalus Niobam in equum Troianum includit. 

nam Herrn erotis pugnas et Petraitis in poculis habeo, 

omnia ponderosa; meum enim intelligere nulla peounia 

vendo. 3 *' :U,A 

haec dum refert, puer calicem proiecit. ad quem 

lörespiciens Trimalchio 'cito* inquit c te ipsum caede, quia 

nugax es', statim puer demisso labro orare. at ille c quid 

me' inquit c rogas? tanquam ego tibi molestus sim. suadeo 

a te impetres, ne sis nugax' tandem ergo exo- 

ratus a nobis missionem dedit puero. ille dimissus circa 

mensam percueurrit 

et c aquam foras, vinum intro' clamavit excipimus 

urbanitatem iocantis, et ante omnes Agamemnon, qui scie- 



1 soleum Bücheier* solium Heinsites coleum H coelum Io. Sarisb. 
Seheffer. 2 Caesar Bücheier. 6 C ohne Lücke Bücheier. 8 sie 
uti vivere Heinsius sicuti vere EL 8. 9 capides M, quas reliquit 
patrono meo Mummius ohne Lücke Bücheier capidem quas reliquit 
patronorum mens H. 16 labro orare Seheffer Heinsius labrore H 
orare coepü Strelüx, rogare coepit Heerdegen Ftmck. 18 c ergo 

corruptum ex vero aut praecesserunt alia ab epitomatore recisd Bür 
cheler*. 20 percueurrit H discueurrit WeMe p. 25 (p. 98,22) ter 

cueurrit Burmann. 



Cena TrimAlchionis. 139 

nung. Als er dies getan hatte, glaubte er am Ziel sei- 
ner höchsten Wünsche zu sein, besonders als der Kaiser 
zu ihm sagte: c Kennt noch ein andrer diese Art der 
Glasbereitung?* Aber gebt acht! Als er nein gesagt 
hatte, ließ ihm der Kaiser den Kopf abschlagen, weil 
wir nämlich, wenn es bekannt geworden wäre, Gold für 
Dreck achten würden. Auf Silber habe ich eine wahre 52 
Passion. Ich habe Pokale, die je 13 Liter fassen, an 
hundert 

wie Kassandra ihre Söhne tötet, und die toten 
Kinder so daliegen, daß man sie für lebendig hält. Ich 
habe tausend gehenkelte Schalen, die Mummius meinem 
früheren Herrn hinterlassen hat 

wo Dädalus die Niobe in das trojanische Pferd 
einschließt. Die Kämpfe des Hermeros und Petraites 
habe ich natürlich auch auf Pokalen, alles von schwerem 
Gewicht. Denn daß ich mich auf diese Dinge ver- 
stehe, das möchte ich nicht für alles Geld in der Welt 
hingeben. 

Während er dies sagte, ließ ein Sklave einen Trink- 
becher fallen. Trimalchio blickte auf ihn und sagte: 
»Schnell haue dich selbst, weil du ein Schafskopf bist«. 
Sogleich begann der Sklave die Lippe hängen zu lassen 
und zu bitten. Aber jener sagte: »Weshalb bittest du 
mich? Als ob ich dir etwas tun will! Ich rate dir, bitte 
dich selbst, kein Schafskopf zu sein«. Endlich ließ er 
sich von uns bewegen, dem Sklaven die Strafe zu erlassen. 
Dieser lief nach erhaltener Verzeihung um den Tisch 
herum 

und rief: »Wasser hinaus, Wein hinein!» Wir 

nahmen diesen Scherz mit Beifall auf und vor allem 
Agamemnon, der wohl wußte, wodurch er sich eine 



140 Cena Trimalchionis 52. 63. 

Bücheier* 
p. 34 
bat, quibus meritis revocaretur ad cenam. ceterum lau-H 

datus Trimalohio hilarius bibit et iam ebrio proximus 

'nemo' inquit c vestrum rogat Fortunatam meam, ut aaltet? 

credite mihi: cordacem nemo melius ducit'. 

öatque ipse ereqtis supra frontem manibus Syrum histrio- 

nem exhibebat concinente tota familia: madeia perimadeia. 

et prodisset in medium, nisi Fortunata ad anrem acoessisset; 

[et] credo, dixerit non deeere gravitatem eins tarn hnmiles 

ineptias. nihil autem tarn inaequale erat; nam modo For- Bücheier* 

lOtnnatam vwefaiur, modo ad natnram snam revertebatnr. p ' 

53 et plane interpellavit saltationis libidinem actüarius, 
qui tanqnam nrbis acta recitavit: C VII. kalendas sextiles: 
in praedio Cumano, qnod est Trimalchionis, nati sunt pueri 
XXX, puellae XL; sublata in ho^renm ex area tritici 

lömilia modinm qningenta; boves domiti qningenti. eodem 
die: Mithridates servns in crnoem actus est. quia Gai 
nostri geniq, male, dixerat eodem die: in arcam relatum 
est, qnod collocan non potuit, sestertium centies. eodem 
die: incendium factum est in hortis Pompeianis, ortum 

20 ex aedibus Nastae vilici 3 . c quid?' inquit Trimalchio 
c quando mihi Pompeiani horti empti sunt? 3 c anno priore* 
inquit actüarius c et ideo in rationem nondum venerunt.' 
eätcancfuit Trimalchio et 'quicunque' inquit c mihi fundi 



6 madeia perimadeia H Mdtöeia nepipdtöeta Bücheier 3 {xaSeta ite- 
pi|xd5eta Bücheier* p-a* Ata, irepl {nlpi?) pd z/la? Waters Petron. Cen. 
Trimalch. 1902 p. 100. 9 nam modo — 10 revertebatnr wie im 
Text Bücheier (der bemerkt, daß hinter Fortunatam vielleicht etwas 
wie indignantem ausgefallen ist — verebatur schon Eeinsius) nam 
modo fortunam suam reverebatur, modo ad naturam revertebatnr 
van der Vliet nam modo Fortunatam suam revertebatnr modo ad 
naturam et H. 



Cena Trimalchionia. 141 

abermalige Einladung zu Tische verdienen könnte. Übri- 
gens trank Trimalohio nach diesem Beifall immer mun- 
terer und sagte, der völligen Betrunkenheit schon sehr 
nahe: »Fordert denn niemand von euch meine Fortunata 
auf zu tanzen? Glaubt mir, niemand tanzt den Eordax 
besser«. 

und er hob selbst die Hände über den Kopf und kopierte 
den Pantomimentänzer Syrus, während die ganze Diener- 
schaft einen griechischen Text dazu im Chor sang. Und 
er wäre förmlich als Tänzer aufgetreten, wenn ihm nicht 
Fortunata etwas ins Ohr geflüstert hätte: ich denke, sie 
mag ihm wohl gesagt haben, daß dergleichen gemeine 
Possen zu seiner Würde nicht paßten. Es gab nichts 
Unbeständigeres als sein Betragen: bald nahm er auf 
Fortunatas Unwillen Bücksicht, bald fiel er wieder in seine 
eigentliche Natur zurück. 

Der Lust zum Tanzen machte ein Schreiber ein Ende, 53 
der wie aus dem amtlichen Tagesanzeiger vorlas: »Am 
26. Juli. Auf dem Landgute bei Gumä, welches Trimal- 
chio gehört, geboren 30 Knaben, 40 Mädchen. Von der 
Tenne auf den Speicher gebracht 500000 Scheffel Weizen; 
500 Ochsen eingefahren. Am selben Tage: Der Sklave 
Mithridates wurde ans Kreuz geschlagen, weil er den 
Genius unseres Herrn gelästert hatte. Am selben Tage : In 
die Kasse abgeführt, was nicht angelegt werden konnte, 
10 Millionen Sesterzen. Am selben Tage : In dem Pompeja- 
nischen Park ist ein Brand gewesen, im Hause des Ver- 
walters Nasta ist das Feuer ausgekommen«. >Wie, sagte 
Trimalchio, wann ist der Pompejanische Park für mich 
gekauft worden?« >Im vorigen Jahr, sagte der Schreiber, 
deshalb ist er noch nicht gebucht worden*. Trimalchio 
geriet in große Aufregung und sagte: »Wenn ein Grund- 
stück für mich gekauft ist, es sei welches es wolle, und 



142 Cena Trimalchionis 53. 54. 

Bücheier 

p.35 

empti fuerint, nisi intra sextum mensem sciero, in ratio- H 

nes meas inferri vetao*. iam etiam edicta aedilium reci- 

tabantnr et saltuariorum testamenta, quibus /Trimalchio 

cum elogio exheredabatui\;. iam nomina vilicorum et re- 

ö pudiata a cireiföre fiberta in , balueatori^ontubernio de- 

prehensa et atriensis Baias relegatus;' iam reufeiactus 

dispensator et iudicium inter cubicularios actum. 

petauristarii autem tandem venerunt baro insulsissi- 
mus cum scalis constitit puerumque iussit per gradus et 

10 in summa parte odaria saltare, circulos deinde ardentes 
tränsiftfe et dentibus amphoram sustinere. mirabatur 
haec solus Trimalchio dicebatque ingratum artificium esse. 
ceterum duo esse in rebus humanis, quae libentissime 
spectaret, petauristarios et cornicines; reliqua [animalia] 

15acroamata tricas meras esse. c nam et comoedos' inquit 
c emeram, sed malui illos Atefianam facere et choraulen 
meum iussi Latine cantare.' 

54 cum maxime haec dicente + Gaio puer • 

Trimalchionis delapsus est. conclamavit familia, nee 

20 minus convivae, non propter hominem tarn putidum, cuius 
et cervices fractas libenter vidissent, sed propter malum 
exitum cenae, ne necesse haberent alienum mortuum plo- 



5 circitore Bücheier circumitore EL 9 per gradus H ire per 
gradus Muncker p. gr. erigi, fem Heinsius eniti ? Bückeier I. 11 tran- 
silire Heinsius transire H. 14 cornicines Heinsius cornices K 

14. 15 [animalia] acroamata tricas Bückeier enim talia acroamata 
tricas J Gilbert animalia cromataricas H 16 sed Heinsites et H 
Atellanam Scheffer Bücheier I Atellaniam Bückeler*' 4 Atellam H. 
18 Vielleicht gehörten xu der ausgefallenen Stelle die im Glossarium 
S. Dionysii unter petaurus genus ludi angeführten Worte: Petronius, 
petauroque jubente modo superior(?) (fr. XV) Bückeier. 



Cena Trimalchionis. 143 

ich es nicht innerhalb 6 Monaten erfahren habe, so ver- 
biete ich, daß es in meine Bücher eingetragen wird«. 
Hierauf wurden Erlasse von Gutspolizeibeamten verlesen, 
und Testamente von Waldhütern, in denen Trimalchio 
unter Angabe des Grundes von der Erbschaft ausge- 
schlossen war, dann die Listen der Guts Verwalter und 
die Scheidung einer Freigelassenen von einem Flurhüter, 
weil es herausgekommen war, daß sie mit einem Bade- 
diener zusammengelebt hatte, und die Verweisung eines 
Haushofmeisters nach Bajä: ferner die Versetzung eines 
Kassierers in den Anklagezustand und eine Gerichtsver- 
handlung unter den Kammerdienern. 

Endlich kamen die Gaukler. Ein äußerst plumper 
Tölpel stellte sich mit einer Leiter auf und ließ einen 
Knaben auf den Sprossen und dem obersten Ende zu der 
Musik von kleinen Liedern tanzen, dann durch brennende 
Reifen springen und eine Amphora mit den Zähnen hal- 
ten. Niemand bewunderte dies außer Trimalchio, wel- 
cher sagte, es sei eine undankbare Kunst. Zwei Dinge 
gebe es aber, die er vor allen auf der ganzen Welt am 
liebsten sehe, Gaukler und Hornbläser, die übrigen Ohren- 
genüsse seien alle reines dummes Zeug. Dann sagte er: 
»Ich hatte auch Schauspieler für griechisches Lustspiel 
gekauft, aber ich habe öie lieber Pulcinellstticke auffüh- 
ren lassen, und meinen griechischen Chorflötenbläser lasse 
ich auf Lateinisch blasen«. 

Gerade als er dies sagte, fiel der Knabe herunter 54 
und auf Trimalchios Arm. Die Dienerschaft erhob ein 
Geschrei und nicht minder die Gäste, nicht wegen des 
widerwärtigen Menschen, den sie sogar gern das Genick 
brechen gesehn haben würden, sondern aus Furcht, das 
Gastmahl könnte ein schlechtes Ende nehmen, und sie 



144 Cena Trimalchionis 54. 55. 

Bücheier' 
p.35 

rare, ipse Trimalchio cum graviter ingemuisset superquejy 

brachiam tanquam laesum incubuisset, concurrere medici, 

/et inter primos Fortunata crinibus passis cum scypho, 

miseramque se atque infelicem proclamavit. nam puer 

5 quidem, qni ceciderat, circumibat iam dudum pedes nostros 

et missionem rogabat. pessime mihi erat, ne his preci- 

bus per ridiculum aliquid catastropha quaereretur. nec Büc ^ er< 

enim adhuc exciderat cocus ille, qui oblitus fuerat porcum 

exinterare. itaque totum circumspicere triolinium coepi, 

10 ne per parietem automatnm aliquod exiret, ntiqne postqaam 

servns verberari coepit, qui brachium domini contusum 

alba potius quam conchyliata involverat lana. nee longe 

aberravit suspicio mea; in vicem enim poenae venit de- 

cretum Trimalchionis, quo puerum iussit liberum esse, 

15 ne quis posset dicere, tantum virum esse a servo vul- 

neratum. 
55 | eomprobamus nos factum | et quam in prae- HLO | JE 

cipiti res humanae essent, | vario sermone garrimus. [ c ita* HLO \ H 
inquit Trimalchio c non oportet hunc casum sine inscrip- 
20tione transire' statimque codicillos poposcit et non diu 
cogitatione distorta haec recitavit: 

| c quod non expectes, ex transverso fit ^ — HL 

- et supra nos Fortuna negotia curat. 
| quare da nobis vina Falerna, puer.' h 



7 per ridiculum aliquid Bücheler** periculo aliquid H periculo 
nostro aliquid catastrophae Bücheler I. 13 poenae Hadrianides 
Hemsius cenae H. 15 vulneratum Scheffer Heinsiics liberatum H. 
17. 18 eomprobamus factum varioque sermone garrimus LO. Im 
Original folgte dann etwa et recordati quam oder et cum Agamem- 
non expromere coepisset quam Bücheler*. 22 expectes H expec- 
tas L am Ende icbique Heinsiics. 23 am Anfang nostra Hemsius 
supra Heinsius super HL. 



Cena Trimalchionis. 145 

vielleicht gezwungen sein, einen Todesfall zu betrauern, 
der sie gar nichts anginge. Als Trimalchio selbst laut 
gestöhnt und sich auf den Arm gelegt hatte, als ob er 
verletzt sei, rannten die Ärzte herbei und allen voran 
Fortunata mit aufgelöstem Haar, einen Pokal in der 
Hand, sie rief laut: Ich Arme, Unglückliche! Was 
den Knaben betrifft, so machte er schon längst auf der 
Außenseite unserer Polster die Bunde und bat um Er- 
laß der Strafe. Mir war gar nicht wohl zu Mut : ich 
fürchtete, daß durch die Bitten eine Überraschung ver- 
mittelst eines Scherzes herbeigeführt werden sollte; 
denn mir lag noch der Koch im Sinn, der vergessen 
hatte, das Schwein auszunehmen. Daher sah ich mich 
im ganzen Speisesaal um, ob nicht irgendwo sich die 
Wand auftun und eine Maschinerie herauskommen würde, 
besonders als man sich anschickte den Sklaven zu 
peitschen, der den gequetschten Arm des Herrn mit 
weißer statt mit purpurner Wolle umwickelt hatte. 
Auch traf meine Vermutung nicht weit vom Ziel, denn 
statt der Strafe erfolgte eine Verfügung Trimalchios, 
daß der Sklave frei sein sollte, damit man nicht sagen 
könne, daß ein so großer Mann von einem Sklaven be- 
schädigt worden sei. 

Wir äußern uns beifällig über diesen Akt und 55 

ergehen uns in mancherlei Gesprächen über die plötz- 
lichen Wendungen, denen die menschlichen Dinge unter- 
worfen seien. »Ja, sagte Trimalchio, man darf diesen 
Unfall nicht ohne ein Sprüchlein vorübergehen lassen«; 
sogleich forderte er eine Schreibtafel und ohne sich lange 
mit Hin- und Hersinnen gequält zu haben, las er folgen- 
des vor: 

Was wir nicht gehofft, 
Das begibt sich oft. 

Petronii Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 10 



146 Cena Triuialchionis 65. 66. 

Büchelei 

p. 36 
ab hoc epigrammate | coepit poetarum esse mentio ELO 

diuque summa carminis penes Mopsam Thracem 
memorata est donec Trimalchio c rogo* 

inqnit 'magister, quid putas inter Ciceronem et Publicum 
hinteresse? ego alterum puto disertiorem fuisse, alterum 
honestiorem. quid enim his melius dici potest? 
"luxuriae rictu Martis marcent moenia. 
tuo palato clausus pavo pascitur 
plumato amictus aureo Babylonico, 
10 gallina tibi Numidica, tibi gallus spado; 

ciconia etiam, grata peregrina hospita 
pietaticultrix gracilipes crotalistria, 
avis exul hiemis, titulus tepidi temporis, 
nequitiae nidum in caccabo fecit modo. 
15 quo margarita cara, tribacia Indica? 

/an ut matrona ornata phaleris pelagiis 
Jtollat pedes indomita in Strato extraneo? 
zmaragdum ad quam rem viridem, pretiosum vitrum? 
quo Carchedonios optas ignes lapideos? 
20 nisi ut scintillet probitas e carbunculis. 

aequum est induere nuptam ventum textilem, Bücheie 
palam prostare nudam in nebula linea?" 
56 | quod autem* inquit c putamus secundum literas diffi-JT 

cillimum esse artificium? ego puto medicum et nummu- 
2ölarium: medicus, qui seit quid homunciones intra prae- 



1 coepit poetarum H poetarum coepit LO. 2 memorata] com- 
mor ata codex Messcmius. dempsii epitomator ex Petroniano Trimalchionis 
sermone erat, de suo addidit que et memorata est Bückeler*. 4 pu- 
tas H putes LO Publilium Bücheier publium ELO. 7 rictu Biir 
cheler victu Heinsius ab ictu Mößler. 8 pascitur Scaliger Dousa 
nascitur H. 12 pietaticultrix L pietatis eultrix HO. 14 modo 
Bücheier meo HL. 16 Wie im Text Heraus quo margarita cara tibi, 
bacam Indicam Bücheier*' * tribaca Indica HM Bücheier I Ribbeck 



Cena Trimalchionis. 147 

Unser einer denkt 
Und 'Fortana lenkt. 

Damm Barsch, Falerner eingeschenkt! 
Von diesem Epigramm kam das Gespräch auf die 
Dichter 

und lange wurde der erste Bang dem 
Mopsus ans Thracien zuerkannt, 

bis Trimalchio sagte: > Bitte lieber 
Professor, welcher Unterschied ist nach deiner Ansieht 
zwischen Cicero und Publilius? Ich denke, jener war 
beredter, dieser moralischer. Denn was kann besser sein 
als diese Stelle: 

Maßloses Schwelgen hat der Römer Mark verzehrt 
Für eure Gaumen mästet man im Stall den Pfau, 
Dess' Kleid dem bunten babylonischen Teppich gleicht; 
Für euch Kapaunen nnd Numidiens HUhnervolk. 
Der hochgebeinte Klapperstorch sogar, der Gast 
Aas Süden, der so treu die Kindespflicht erfüllt, 
Der Feind des Winters, der als Frühlingsbote kommt, 
Maß nisten jetzt im Tiegel schnöder Schlemmerei. 
Wozu gibt Indiens Maschel teure Perlen euch? 
Damit sogar mit des Meeresgrundes Schätzen sich 
Für ihren Buhlen schmück* ein ehrvergeßnes Weib! 
Wozu begehrt ihr der Smaragde grünen Schein? 
Wozn karthagischer Steine rote Feuerglut? 
Gibt Ehrbarkeit im Karfunk elglanze denn sich kund? 
Und sollen Fraun sich kleiden dürfen in dünnen Flor? 
Wie nackt in ganz durchsichtiger Hülle stehn zur Schau? 

»Welche Kunst aber, sagte er, dünkt euch am 56 

schwersten nächst der Gelehrsamkeit? Ich meine, Arzt 

und Geldwechsler. Der Arzt, weil er weiß, was die 

Menschenkinder inwendig hinter den Rippen haben, und 



W'ölfflm [W. mit einer Lücke nach diesem Verse) tibi baca Indica 
Bernensis vitri baca Indica Bücheier 2 . 18 viridem c malo viride 
Bücheler*. 20 wie im Text Büeheler* nisi ut scintillet, probitas est 
(e Bernensis) carbunculus (carbunculos, carbunculas) HL Bücheier I 
nisi ut scintilles? probitas est carbunculus Ribbeck Wölfflm. 

10* 



148 Cena Trimalchionis 66. 67. 

Büchelei 

p.37 

cordia sua habeant et quando febris veniat, etiam si illos h 
odi pessime, quod mihi iubent saepe anatinam parari; 
nummularius, qui per argentum aes videt. nam mntae 
bestiaejaboriosissimae boves et oves: boves, quorum bene- 
5ficio panem manducamus; oves, quod lana illae nos glo- 
riosos facinnt. et faeinus indignum, aliquis ovillam est 
et tunicam habet, apes enim ego divinas bestias puto, 
quae mel vomunt, etiam si dicuntur illud a Iove afferre; 
| ideo autem pungunt, qnia ubicunque dulce est, ibi et HL 

lOacidum invenies'. 

| iam etiam philosophos de negotio deiciebat, cum H 
pittaeia in seypho circumferri coeperunt, puerque super 
hoc positus officium apophoreta recitavit. c argentum sce- 
leratum 3 : allata est perna, super quam acetabula erant 

löposita. c cervical': offla collaris allata est. c serisapia et 
contumelia': xerophagi e sapa dati sunt et contus cum 
malo. c porri et persica 3 : flagellum et cultrum aocepit; 
c passeres et muscarium 3 : uvam passam et mel Atticum. 
'cenatoria et forensia': offlam et tabulas accepit. c canale 

20 et pedale 3 : lepus et solea est allata. c muraena et litera 3 : 
murem cum rana alligata fascemque betae accepit diu 
risimus: sexcenta huiusmodi fuerunt, quae iam exciderunt 
memoriae meae. 

57 ceterum Ascyltos, intemperantis licentiae, cum omnia 

25sublatis manibus eluderet et usque ad lacrimas rideret, 
unus ex conlibertis Trimalchionis excanduit, is ipse qui 



6 est et Statilius Scheffer esset H. 16 xerophagi e sapa 

und dati Frdl aecrophagiae saele — datae H saprophagiae ex sale 
Bücheier Rhein. Mus. XVIII 322 xerophagia (ae) ex sale? Buche- 
ler*- * contus Burmcmn centus H. 19. 20 canale et pedale — mu- 
raena et litera Bücheier canalem et pedalem — murenam et litte- 
ram H. 21 alligata Bücheier alligatam H. 22 exciderunt Ha- 
dritmide8 Bücheier ceciderunt H. 



Cena Trimalchionis. 149 

wann das Fieber kommt, obgleich ich sie gar nicht leiden 
kann, weil sie mir so oft Entenbraten 1 verordnen; der 
Geldwechsler, weil er durch die Silberplattierung das 
Kupfer sieht. Was das stumme Vieh betrifft, so sind 
darunter die arbeitsamsten die Ochsen und die Schafe: 
die Ochsen, denen wir es verdanken, daß wir Brot essen, 
die Schafe, weil sie machen, daß wir mit der feinen 
Wolle dick tun können. Und es ist schändlich, einer 
ißt Hammelbraten und trägt dabei eine Tunica. Aber 
die Bienen sind ganz himmlische Tiere, weil sie Honig 
speien, obwohl man sagt, daß sie ihn von Jupiter 
bringen; daß sie aber stechen, geschieht deshalb, weil 
wo etwas Süßes ist, auch etwas Saures sein muß«. 

Bereits pfuschte er auch der Philosophie ins Hand- 
werk, als Lose in einem Becher umhergereicht wurden, 
und ein mit diesem Geschäft beauftragter Sklave die Ge- 
winne verlas 2 . 



Wir mußten viel lachen, es gab noch eine Menge 
von derartigen Spaßen, die mir entfallen sind. 

Als nun Ascyltos in ausgelassenster Lustigkeit allem 57 
mit übertriebenen Gebärden ironischen Beifall spendete und 
bis zu Tränen lachte, wurde einer von den Mitfreigelasse- 
nen Trimalchios, eben der, welcher seinen Platz über mir 



1 oder: Aniswasser. 

2 Die Aufschriften der Lose bezeichnen die dazu gehörigen 
Geschenke durch Wortwitze im Geschmacke Trimalchios, die un- 
übersetzbar sind; z. B. gewinnt ein mit >Muräne« bezeichnetes 
Los eine Maus und einen Frosch (mus — rana) usw. 



150 Cena Trimalchionis 57. 

Buche! 

c > P- 37 

supra me discumbebat , et quid rides inqnit c vervex?# 

an tibi non placent lautitiae domini mei? tu enim beatior 

es et convivare melius soles. ita Tutelam huius loci ha- 

beam propitiam, ut ego, si secundum illum discumberem, 

öiam illi balatum cluxissem. bellum pomum, qui rideatur 

alios; ad summam, si circumminxero illum, nesciet qua 

fugiat. non mehercules soleo cito fervere, sed in molle 

carne rermes nascuntur. ridet. quid habet, quod rideat? 

numquid pater fetum emit lamna? eques Eomanus es: et 

10 ego regis filius. "quare ergo servivisti?" quia ipse me 
dedi in servitutem et malui civis Romanus esse quam tribu- 
tarius. Et nunc spero me sie vivere, ut nemini iocus sim. 
homo inter homines sum, capite aperto ambulo; assem 
aerarium nemini debeo; constitutum habui nunquam; nemo Bücheie 

16 mihi in foro dixit "redde , quod debes*. glebulas emi, p ' 
lamellulas paravi; viginti yentres pasco et canem; con- 
tubernalem meam redemi, ne quis in sinn illius manus 
tergeret; mille denarios pro capite solvi; sevir gratis 
factus sum; spero, siemoriar, ut mortuus non erubescam. 



5 balatum cluxissem Frdl balatum cluxissem H Bücheier ba- 
latu interdixissem Eemsius. 10 lamna darübergeschrieben al. 

lena H. 18 sinu Heinsius capite Remesius vülis Scheffer capiüis 
Kaibel Sophocl. Mectra p. 142. 



Gena Trimalchionis. 151 

hatte, böse und sagte: »Was lachst da Schöps? Gefallen 
dir die hübschen Unterhaltungen nicht, die unser hoch- 
geehrter Hausherr veranstaltet? Du bist natürlich 
reicher und an bessere Bewirtung gewöhnt. So wahr 
ich hoffe, daß mir die Schutzgöttin dieses Orts gnädig 
sein werde, wenn ich meinen Platz neben ihm hätte, 
würde ich seinem Geblöke schon ein Ende gemacht haben. 
Ein sauberes Früchtchen! und untersteht sich, über andre 
Leute zu lachen! Irgend ein fortgejagter Tunichtgut, 
der nachts sein Wesen treibt, der nicht so viel wert ist 
wie das Wasser, das er läßt. Kurz und gut, wenn ich 
um ihm rund herum gepißt haben werde, wird er nicht 
wissen, wohin er entwischen soll. So wahr ich lebe, ich 
gerate nicht so leicht in Hitze; aber wenn das Fleisch 
faul wird, gibt es Würmer. Er lacht. Was hat er zu 
lachen? Ist er aus kostbarerem Material gemacht, als 
andre Menschen? Du bist ein römischer Eitter? Und 
ich aus königlichem Geblüt. Weshalb ich also gedient 
habe? Weil ich freiwillig in Dienst gegangen bin und 
lieber ein römischer Bürger sein wollte, als ein Kopf- 
steuerzahler. Und jetzt schmeichle ich mir so dazustehn, 
daß niemand über mich lachen darf. Ich bin so gut 
wie andre Leute, brauche mich nicht zu verstecken, bin 
niemand einen kupfernen Dreier schuldig, ich bin noch 
nie vor Gericht gewesen, niemand hat auf dem Forum zu 
mir gesagt: 'Bezahle, was du schuldig bist'. Ich habe mir ein 
Paar Stückchen Land gekauft,ein Geldchen erworben, ich 
füttere zwanzig Manier und einen Hund; meine Mitsklavin 
habe ich freigekauft ; damit niemand sich an ihrem Busen 
die Hände abtrocknen soll. Tausend Denar habe ich für 
meine eigene Freiheit bezahlt. Ich bin mit Erlaß der 
Gebühren zum Sevir ernannt worden. Ich hoffe so zu 
sterben, daß ich mich nach meinem Tode nicht zu schä- 



152 Cena Trimalchionis 57. 58. »-,.,, 

Bücheier« 

p.88 
tu autem tarn laboriosus es, ntpost te non respicias? in .ff 

alio peduclum vides, in te ricinnm non vides. tibi soli 

ridiclei yidemur; ecce magister tuus, homo maior natus: 

placemns illi. tu lacticulosus nee mu nee ma argutas, 

övasus fictilis, immo lorus in aqua, lentior, non melior. tu 

beatior es: bis prande, bis eena. ego fidem meam malo 

quam thesauros. ad.summam, quisquam me bis poposeit? 

annis quadraginta servivi ; nemo tarnen seiit, utrum servus 

essem an Über, et puer eapillatus in hanc coloniam veni; 

lOadhue basiliea non erat facta, dedi tarnen operam, ut 
domino satis facerem, homini maiiesto et dignitosso, cuius 
pluris erat unguis, quam tu totus es. et habebam in 
domo qui mihi pedem opponerent, hac illac; tarnen — 
genio illius gratias — enatavi. haec sunt vera athla; nam 

15 [in] ingenuum nasci tarn facile est quam "accede istoc". 
quid nunc stapes tanquam hircus in ervilia?' 

58 post hoc dictum Giton, qui ad pedes stabat, risum 
iam diu compressum etiam indecenter effudit. quod cum 
animadvertisset adversarius Ascylti, flexit convicium in 

20 pnerum et c tu autem" inquit 'etiam tu rides, caepa cirrata? 
io Saturnalia, rogo, mensis december est? quando vieesi- 
mam numerasti? quid faciat, crucis offla, corvorum 



8 seiit Scheffer seit H. 11 maiiesto Muncker mali isto H. 

20 tu rides, caepa cirrata Reinesius {aber pioa für caepa) Bücheier 
turdes cepa pirrata H. 21 io Heinsius o H. 22 numerasti 

stigmatia, crucis offla oder nesdt quid faciat er. o. Bücheier nu- 
merasti? quid fatuat crucis offla? Hirschfeld. Vgl die Änm. 
von Heraus. ' 



Cena Trimalchionis. 153 

men brauche. Aber du hast wohl so viel Geschäfte, daß 
du keine Zeit hast, hinter dich zu sehn? An einem 
andern siehst du den Splitter, an dir selbst nicht ein- 
mal den Balken. Du bist der einzige, dem wir lächerlich 
vorkommen. Da ist dein Lehrer, ein älterer Mann, er 
findet an uns Gefallen. Du Milchbart, du Grünschnabel, 
bringst nicht Mu, nicht Ma heraus, du Ausschußware, 
du Waschlappen, nein noch schlapper als ein Wasch- 
lappen, nicht besser! Bist du reicher als ich? Dann iß 
zweimal zu Mittag und zweimal zu Abend. Mir ist mein 
Kredit lieber als Schätze. Kurz und gut, wer hat mich 
zweimal gemahnt? Vierzig Jahre habe ich gedient, aber 
niemand hat unterscheiden können, ob ich ein Sklave 
war oder ein Freier. Ich war noch ein Junge, der langes 
Haar trug, als ich in diese Stadt kam, und die Basilica 
war noch nicht gebaut. Ich habe getan, was ich konnte, 
um meinen Herrn zufrieden zu stellen, einen hochnobeln 
und würdigen Mann, dessen kleiner Finger mehr wert 
war, als du vom Kopf bis zu den Füßen. Und es gab 
Leute im Hause, die mir ein Bein stellen wollten, bald 
hier, bald dort, doch Dank und Preis seinem Genius! 
ich wickelte mich immer heraus. Das sind die richtigen 
Proben. Denn frei auf die Welt kommen ist so leicht 
wie Brot essen. Was stierst du mich jetzt an wie die 
Kuh den Kaiser?« 

Bei diesen Worten brach Giton, der hinter uns stand, 
unschicklicher Weise in ein lange verhaltenes Gelächter 
aus. Als dies Ascyltos' Gegner bemerkte, richtete er 
seine Scheltworte gegen den Knaben und sagte: »Du 
lachst auch, du betroddelte Zwiebel? Hurrah Saturnalien! 
Ich frage, haben wir Dezember? Wann hast du die 
fünf Prozent bezahlt? 

Du Galgenfutter, du Rabenfraß! Ich 



154 Cena Trimalchionis 68. ^ ^ 

Bücheier 

p.38 

cibaria. curabo, iam tibi Iovis iratus sit, et isti qui tibi J5T 

non imperat. ita satur pane fiam, ut ego istud conliberto 

meo dono; alioquin iam tibi depraesentiarum reddidissem. 

bene nos habemus, at isti nugae, qui tibi non imperant. 

5 plane qualis dominus, talis et servus. vix me teneo, nee 

sum natura ealdieerebrius, sed eum coepi, matrem meam 

dupundii non facio. reete, videbo te in publicum, mus, 

immo terrae tuber: nee sursum nee deorsum non cresco, 

nisi dominum tuum in rutae folium [non] conieei, nee 

10 tibi parsero, licet mehercules Iovem Olympium clames. 
curabo, longe tibi sit comula ista besalis et dominus du- 
punduarius. recte, venies sub dentem: aut ego non me 
novi, aut non deridebis, licet barbam auream habeas. 
Athana tibi irata sit, curabo, et qui te primus + deurode 

15 fecit. 

non didici geometrias, critica et alogias menias, sed la- 
pidarias literas scio, partes centum dico ad aes, ad pon- 
dus, ad nummum. ad summam, si quid vis, ego et Bücl J®* ei 
tu sponsiuneulam: exi, defero lamnam. iam scies pa- 
20trem tuum mercedes perdidisse, quamvis et rhetoricam 
scis. ecce 

c qui de nobis? longe venio, late venio: solve me.' 

4 at Burmann aut H isti nugae Bücheier 9, * isti geuge H istic 
enge {ut fiat msultatio cum ironia) Bücheier I. 5 nee Jahn et H. 
6 ealdieerebrius Jahn Bücheier caldus cicer ejus H sed Bücheier. 
8 non cresco E Bücheier non crescam Hadrianides. 9 conjeei 

Bücheier* conjeeero Heinsius Bücheier * conjeeit H. 10 parsero 

Reinesius par ero H. 14 denro defecit H nervo desuefecit? 

Bücheier I demode fecit? Bücheier 2 eleutherode fecit? Büchelet* 
lerode fecit Ludwich an Öeupo Stj? t. accedere ad se vel sequi ut 
delicium Bücheier* delirode fecit? depudefecit? Heraus. 16 Mene- 
nias? Heraus menias H naenias Heinsius Scheffer meras Tüebome- 
nus vgl Bücheier I. 19 lamnam Heinsius läna H. 21 scis 

Beiske scio H 22 qui de nobis Bücheier qnidem vobis H. 



Cema TrimjJchkmift. 155 

will schon dafür sorgen, daß da den Zorn Jupiters fühlen 
sollst, und nach jener, der dich nicht in Zucht hält So 
wahr ich von Brot satt werden will, es ist nur ans 
Respekt vor meinem Mitfreigelasaenen, sonst würde ich 
dir gleich dein Teil gegeben haben! Wir sind hier ganz 
vergnügt, aber jene Hansnarren, die dich nicht in Zaum 
halten! Natürlich, wie der Herr so der Knecht Ich 
kann mich kaum halten und ich bin von Natur kein 
Hitzkopf aber wenn ich einmal anfange, respektiere ich 
meine eigene Mutter nicht Schon recht! ich werde dich 
einmal auf der Straße treffen, du Wurm! nein, du Pils! 
ich will nicht nach oben und nicht nach unten wachsen, 
wenn ich deinen Herrn nicht in ein Mausloch jage, und 
dich werde ich auch nicht mit Handschuhen anfassen, 
meiner Treu, wenn du auch zum Jupiter Olympius 
sehreist! Ich will schon dafür sorgen, daß dir dein 
dr e i vi ert el Ellen langes Haar und dein nichtsnutziger 
Herr nichts helfen soll. Schon recht! Du wirst mir zwi- 
schen die Zahne kommen! Entweder ich kenne mich nicht, 
oder du wirst aufhören über midi zu lachen, wenn du 
auch ein noch so feiner Käfer bist Ich will machen, 
daß du den Zorn der Athene fühlen sollst, und auch der 
Keil, der dich hat so naseweis werden lassen. 

Ich habe keine Mathematiken und Ästhetiken und 
all den andern Unsinn gelernt, aber ich kenne die Buch- 
staben auf den Steinen und dividiere mit Hundert in Münze, 
Maß und Gewicht Kurz und gut, probiere es, ich und 
du wollen eine kleine Wette machen. Komm her, ich 
lege das Blech hin. Du sollst jetzt erfahren, daß dein 
Vater das Schulgeld für dich umsonst bezahlt hat, wenn 
du auch Rhetorik weißt Paß auf! 
* Wer tob uns? Ich taue laug, ich komme breit: nun Hfee mieft/ 



156 Cena Trimalchionis 58. 69. m v 

Bücheier* 

p.39 

dicam tibi, qui de nobis currit et de loco non movetur; h 

qui de nobis crescit et minor fit. curris, stupes, satagis, 

tanqnam mns in matella. ergo ant tace aut meliorem 

noli molestare, qni te natum non putat; nisi si me iudi- 

öcas annlos buxeos curare, qnos amicae taae involasti. 

Occnponem propitium. eamns in forum et pecunias mu- 

tuemur. iam scies hoc ferrum fidem habere, vah, bella 

res est volpis uda. ita lucrum faciam et ita bene mo- 

riar ut populus per exitum meum iuret, nisi te ubique 

lOtoga perversa fuero persecutus. bella res et iste, qui te 
haec docet, mufrius, non magister. nos alia didicimus, 
dicebat enim magister : "sunt vestra salva ? recta domum; 
cave, circumspicias ; cave, maiorem maledicas." at nunc 
mera mapalia: nemo dupondii evadit. ego, quod me sie 

lövides, propter artificium meum diis gratias ago.' 

59 coeperat Ascyltos respondere convicio, sed Trimalchio 
delectatus colliberti eloquentia c agite' inquit c scordalias de 
medio. suaviter sit potius, et tu, Hermeros, parce adu- 
lescentulo. sanguen illi fervet, tu melior esto. | semper-HZ' 

20 in hac re qui vincitur, vincit. | et tu cum esses capo, E 
cocococo, aeque cor non habebas. simas ego, quod me- 



2 curris] muttis oder minurris? Bücheier I. 9 ut Jahn aut 

H ubique toga Bücheier toga ubique H. 11 nos alia FrcU nos 

Bücheier. 12 sunt] satin? Bücheier. 14. 15 Wie im Text 

Heraus aut numera mapalia H Bücheier aut numero vapula Sege- 
bade cave mera mapalia Birt evadet Wehle Bücheier I und 2 evadit 
H Bücheler*- 4 . 21 aeque Heinsiue, vgl. die Anrn. von Heraus* 

atque H 



Cena Trimalchlonis. 157 

loh will dir sagen, wer von uns sich bewegt und 
nicht von der Stelle kommt, wer von uns wächst und 
kleiner wird. Du mucksest, dn stierst, du quälst dich 
ab, wie eine Maus im Nachttopf. Also entweder halt dein 
Maul oder laß bessere Leute ungeschoren, für die du Luft 
bist, falls du nicht glaubst, daß ich mich um deine gelben 
Reifen kümmere, die du deinem Liebchen gestohlen 
hast. Heiliger Greifzu, sei mir gnädig! Wir wollen 
einmal aufs Forum gehn und Geld borgen, dann wirst 
du sehn, daß dies Eisen Kredit hat. Ei! ein nettes 
Ding, so ein begossener Hund. So wahr ich gute Ge- 
schäfte machen und einen so guten Tod haben will, daß 
die Leute bei meinem Ende schwören, wenn ich dir nicht 
überall auf den Hacken bleibe, bis ich dir den Garaus 
gemacht habe. Wahrhaftig, niedlich ist auch jener, der 
dich dies lehrt, ein Affe, nicht ein Lehrer. Zu meiner 
Zeit lernte man andre Dinge: unser Lehrer sagte: c habt 
ihr alles in Ordnung? geradewegs nach Hause, sich nicht 
umsehn, ältere Leute nicht schimpfen!' Aber jetzt! Die 
reinen Possen! Keiner ist einen Dreier wert, der aus 
der Schule kommt. Ich, wie du mich hier siehst, danke 
den Göttern für das, was ich gelernt habe!« 

Ascyltos war im Begriff, auf diese Scheltworte zu 59 
erwidern, aber Trimalchio, erfreut über die Beredsamkeit 
seines Mitfreigelassenen, sagte: »Na, na, laßt die Zän- 
kereien beiseite! Wir wollen es lieber gemütlich haben, 
und du, Hermeros, sei nachsichtig gegen den jungen 
Menschen! Sein Blut ist heiß, sei du vernünftiger! In 
einer solchen Sache gewinnt immer der, welcher den 
kurzem zieht. Als du ein junges Hähnchen warst, 
krähtest du auch dein Kikeriki und hattest nicht Ver- 
nunft. Wir wollen von Frischem lustig sein, das ist 
besser, und uns die Homeristen anschaun. Sogleich trat 



158 Cena Trimalchionis 69, 60. M ,. , 

*"" Bücheier 

p.39 

lius est, a primitiis hilares et Homeristas spectemus. in-H 

travit factio statim hastisque ßcuta concrepuit. 

ipse Trimalchio in pulvino consedit, et cum Homeristae 

Graecis versibus colloquerentur, ut insolenter solent, ille 

öcanora voce Latine legebat librum. mox silentio facto 

c scitis 5 inquit 'quam, fabulam agant? Diomedes et Gany- 

medes duo fratres fuerunt. horum soror erat Helena. 

Agamemnon illam rapuit et Dianae cervam subiecit. ita 

nunc Homeros dicit , quemadmodum inter se pugnent 

lOTroiani et Parentini. vicit scilicet et Iphigeniam, filiam 
suam, Achilli dedit uxorem. ob eam rem Aiax insanit 
et statim argumentum explicabit 3 . haec ut dixit Trimalchio, 
olamorem Homeristae sustulerunt, interque familiam dis- 
currentem vitulus in lance ducenaria elixus allatus est, 

15 et quidem galeatus. secutus est Aiax strictoque gladio, 
tanquam insaniret, concidit, ac modo versa modo supina 
gesticulatus mucrone frusta collegit mirantibusque vitulum 
partitus est. 

60 nee diu mirari lieuit tarn elegantes strophas; nam re- Bücl Vj} ei4 

20pente lacunaria sonare coeperunt totumque triclinium in- 
tremuit. consternatus ego exsurrexi et timui, ne per tec- 
tum petauristarius aliquis descenderet. nee minus reliqui 
convivae mirantes erexere vultus, expeetantes quid novi 
de caelo nuntiaretur. ecce autem diduetis lacunaribus 

25 subito circulus ingens, de cupa videlicet grandi excussus, 



1 a primitiis hilares] asperis mites et Hirschfeld. 2 ohne 

Lücke Bücheier. 10 Parentini H Tarentini Scheffer. 14 duce- 
naria Burmann dunaria E denaria (dnodenaria) Bücheier I donaria 
Bücheier ^'^ 15 *twrbatum aliquid esse omissum hoc loco vitu- 

lum atä eum demonstrai Bücheler^- 4 . 16 supina Scheffer spuma H. 
42 diduetis Scheffer deduetus H. 



Cena Trimalchionis. 159 

eine Schar von Griechen und eine von Trojanern ein, 
und beide schlugen mit den Lanzen an die Schilde. Tri- 
malehio setzte sich auf sein Kissen, und als die Home- 
risten einen Dialog in griechischen Versen hielten, wie 
sie frecher Weise zu tun pflegen, las er mit singender 
Stimme einen lateinischen Text Als dann bald eine 
Pause eintrat, sagte er: »Wißt ihr, was für ein Stück 
sie aufführen? Es waren einmal zwei Brüder, Diomedes 
und Ganymedes, die hatten eine Schwester Helena. 
Agamemnon raubte sie und schob der Diana eine Hirsch- 
kuh unter. Und so erzählt Homer jetzt, wie die Trojaner 
und Parentiner miteinander kämpfen. Er siegte nämlich 
und gab seine Tochter Iphigenia dem Achilles zur Frau. 
Deshalb ist Ajax rasend und wird euch gleich das Sujet 
klar machen«. Als Trimalchio dies gesagt hatte, erhoben 
die Homeristen ein Geschrei, und mitten unter der hin- 
und herlaufenden Dienerschaft wurde ein gesottenes Kalb 
auf einer 200 Pfund schweren Silberschüssel aufgetragen, 
und zwar mit einem Helm auf dem Kopf. Dann kam 
Ajax, und ein entblößtes Schwert schwingend, hieb er 
es, als ob er raste, in Stücke, und im Takt hin und her 
fuchtelnd, spießte er die Stücke auf und verteilte so das 
Kalb unter die erstaunten Gäste. 

Wir hatten nicht lange Zeit, diese geschmackvollen 60 
Überraschungen zu bewundern; denn plötzlich ertönte 
von der Decke ein Geräusch und der ganze Sal dröhnte. 
Bestürzt sprang ich auf, ich fürchtete, daß durch die 
Decke irgend ein Jongleur herunter kommen möchte. 
Auch die übrigen Göste, nicht minder erstaunt, reckten 
die Hälse und harrten des Neuen, das vom Himmel her 
kund getan werden würde. Und siehe da, plötzlich 
wird aus der voneinander geschobenen Täfelung der 
Decke ein gewaltiger Reifen , offenbar von einem Faß 



160 Cena Trimalchionis 60. 61. 

Bi 

] 

demittitur, cuius per totum orbem coronae aureae cum ala- H 
bastris unguenti pendebant. dum haeo apophoreta iube- 
mur sumere, respiciens ad mensam 
iam illio repositorium cum placentis aliquot erat positum, 
ö quod medium Priapus a pistore factus tenebat, gremioque 
satis amplo omnis generis poma et uvas sustinebat more 
vulgato. avidius ad pompam manus porreximus , et re- 
pente nova ludorum missio hilaritatem [hie] refecit. om- 
nes enim placentae omniaque poma etiam minima vexa- 

lOtione contaeta coeperunt eflFundere crocum, et usque ad 
os molestus umor aeeidere. rati ergo sacrum esse feri- 
culum tarn religioso apparatu perfusum, consurreximus 
et altius c Augusto, patri patriae, feliciter' diximus. qui- 
busdam tarnen etiam post hanc venerationem poma ra- 

löpientibus et ipsi mappas implevimus, ego praeeipue, qui 

4 nullo satis amplo munere putabam me onefSreGitonis sinum. 

inter haeo tres pueri Candidas succineti tunicas intra- 

verunt, quorum duo Lares b ullatos super mensam po- 

suerunt, unus pateram vini circumferens c dii propitii* 

20 clamabat. 
aiebat autem unum Cerdonem, alterum Felicionem, tertium 
Lucrionem vocari. nos etiam veram imaginem ipsius Trimal- 
chionis, cum iam omnes basiarent, erubuimus praeterire. 

j$ postquam ergo omnes c bonam mentem bonamque vali- 

3 ausgefallen ist etwa rursus rem novam notavi Büeheler I. 
7 ad pompam] ad Priapum Keller et H Büeheler* * sed Bücheier I 
und 2 . 8 missio Bücheier* remissio H Büeheler 4 hie refecit Bü- 

eheler*-* [hie] refecit Frdl liquefecit? Büeheler' 1 minorem fecit? Bü- 
eheler* hiare fecit Bohde frigefecit Heraus remissio hilaritatem hinc 
rejeeit? Bücheier. 11 os Büeheler nos H aeeidere Bücheier acce- 
dere H fericulum Remesius Büeheler* periculum E peniculum Schef- 
fer Büeheler I und 2 . 12. 13 consureximus et altius Ohlert con- 
sureximus altius et H Büeheler. lö ipsi Büeheler ipsas H ipsi iis 
Heinsius. 22 Lucrionem Beinesms Heinsius lucronem H veram] 
auream Jahn Hirschfeld. 23 ohne Lücke Büeheler. 



Cena Trimalchioniß. 161 

abgesehlagen, herabgelassen, an dem rund herum goldne 
Kränze nebst Flaschen wohlriechender Essenzen hingen. 
Während man uns aufforderte, diese als Geschenke in 
Empfang zu nehmen, blickte ich wieder auf den Tisch. 

Schon war dort ein Speisebrett mit mehreren Kuchen 
hingestellt, dessen Mitte ein vom Konditor verfertigter 
Priapus einnahm, der in der gewohnten Weise in einem 
ziemlich weiten Schurz Früchte aller Art und Trauben 
emporhielt. Begierig streckten wir nach diesem Aufsatz 
die Hände aus, worauf wir darm gewahr tvurdm, daß die 
Früchte Attrappen waren. Doch eine neue Überraschung 
stellte die allgemeine Heiterkeit wieder her. Denn alle 
Kuchen und Früchte spritzten auch beim geringsten 
Drucke Safran aus und die widerliche Flüssigkeit kam 
uns bis in den Mund. In der Meinung, der Gang, der 
mit diesem rituellen Duft getränkt war, sei ein geheiligter, 
erhoben wir uns und sagten: >Dem Kaiser, dem Vater 
des Vaterlandes Heil!« Als jedoch nach dieser Huldigung 
einige nach den Früchten griffen, füllten auch wir unsre 
Servietten, besonders ich, da mir kein Geschenk reich 
genug schien, um Gitons Brustfalte zu beladen. 

Unterdes traten drei Knaben in hochgeschürzten 
Tuniken ein, von denen zwei die Laren mit Kapseln um 
den Hals auf den Tisch setzten, der dritte eine Schale 
Wein umherreichend, rief: > Götter seid gnädig!« 

Trimalchio sagte aber, der eine heiße Profitmann, der 
andre Glückmann, der dritte Gewinnmann. Da nun Alle 
das Porträt Trimalchios küßten, schämten auch wir uns, 
es vorbeigehn zu lassen. 

Nachdem sich nun Alle 'gesunden Verstand und gute 61 
Gesundheit 3 gewünscht hatten, sah Trimalchio den Niceros 
an und sagte: >Du pflegtest sonst bei Tische gemütlicher 

Petronii Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 11 



162 Cena Trimalchionis 61. 62. 

Bücneler* 

p. 40 
tudinem' sibi optarunt, Trimalchio ad Nicerotem respexit IT 

et 'solebas' inquit c suavius esse in convictu; nescio quid 

nunc taces nee muttis. oro te, sie felicem me videas, 

narra illud quod tibi usu venit 5 . Nieeros delectatus affa- 

5 bilitate amiei c omne me' inquit c luerum transeat, nisi iam 

dudum gaudimonio dissilio, quod te talem video. itaque 

hilaria mera sint, etsi timeo istos scholasticos, ne me ri- 

deant. viderint: narrabo tarnen; quid enim mihi aufert, 

qui ridet? satius est rideri quam derideri'. c haee ubi dieta 

lOdedit', talem fabulam exorsus est: 

c eum adhue servirem, habitabamus in vico angusto; 
nunc Gavillae domus est. ibi, quomodo dii volunt, amare 
coepi uxorem Terentii coponis^ jaoveratis Melissam Taren- Buc ^J er 
tinam, pulcherrimum baceiDallum. sed ego non meher- 

löcules corporaliter iUam aut propter res venerias caravi, 
sed magis quod benemoria fuit. si quid ab illa petii, 
nunquam mihi negatum; fecit assem, semissem habui; 
quiequid habui , in illius sinum demandavi, nee unquam 
fefellitus sum. huius eontubernalis ad villam supremum 

20diem obiit. itaque per scutum per oeream egi aginavi,: 
quemadmodum ad illam pervenirem: seitis autem, in an- 

62g U stiis amici apparent. forte dominus Gapuam exierat 
ad scruta scita expedienda. nactus ego occasionem per- 
suadeo hospitem nostrum, ut mecum ad quintum miliarium 



7. 8 rideant. viderint Scheffer derideant. vident H. 15 illam 
Bücheier 9 * 4 autem H eam Muncker Bückeier 2 . 16 benemoria Bür 
cheler* b. moriar H bene morata Eadricmides Bücheier 9 . 18 quie- 
quid habui Bücheier. 19 fefellitus sum H Hemsius Bücheier 9 
fefellit uafsjum Scheffer Bücheier I und 2 . 20 egi aginavi H Bür 
cheler ego aginavi Bücheier 9 [egi] aginavi Bücheier I p. XXXVI. 
21 seitis Bücheier 9 scito Segebade p. 41,30 veri Bücheier 9 ohne Zusatx 
in angustiis autem amici apparent Bücheier I. 22 Gapuam Scheffer 
Capue K 23 ego] praestcU ergo Bücheier I. 



Cena Trimalchionis. 163 

zu sein, ich weiß nicht, warum du so still bist und nicht 
mucksest. Ich bitte dich, erzähle die Geschichte, die dir 
passiert ist ; tue mir den Gefallen, so wahr du wünschest, 
mich glücklich zu sehn«. Niceros, durch die Leutseligkeit 
seines Freundes erfreut, sagte: »Mag mir jeder Profit an 
der Nase vorbeigehn, wenn ich nicht schon längst vor 
Pläsier platze, daß ich dich so vergnügt sehe. Darum 
soll Amüsement die Parole sein, wenn ich auch vor den 
Studierten Furcht habe, daß sie mich auslachen. Aber 
laß sie nur! Ich will doch erzählen; denn was nimmt 
mir einer, der lacht? Besser belacht werden als ausge- 
lacht«. »Als er nun dieses gesagt,« begann er folgender- 
maßen zu erzählen: 

»Als ich noch diente, wohnten wir in einer ganz engen 
Gasse, jetzt gehört das Haus der Gavilla. Da verliebte 
ich mich, wie denn so etwas wol von den Göttern be- 
stimmt sein mag, in die Frau des Schenkwirts Terentius: 
ihr kanntet doch die Melissa, die Tarentinerin, ein aller- 
liebstes Weibchen. Aber ich verkehrte, so wahr ich 
lebe, mit ihr nicht fleischlich oder um mein Vergnügen 
zu haben, sondern weil sie einen guten Charakter hatte. 
Wenn ich sie um etwas bat, wurde es mir niemals ab- 
geschlagen; machte sie sich einen As, so hatte ich einen 
halben; was ich ersparte, wanderte in ihre Tasche und 
nie wurde ich bemogelt. Dieser Frau ihr Mann starb 
auf der Villa, wo sie wohnten. Ich setze also alle Segel 
bei, um zu ihr zu gelangen, mochte es kosten, was es 
wollte: in der Not, wißt ihr, zeigen sich die Freunde. 
Zufällig war der Herr nach Capua gereist, um aller- 
lei Geschäfte zu besorgen 1 . Diese Gelegenheit benutzte 
ich und überrede einen Gast, der bei uns wohnte 2 , 

1 oder: um seinen Kram loszuschlagen. Heraus. 

2 oder: einen unsrer Mieter. Heraus. 

11* 



164 Cena Trimalchionis 62. 

Bücheier 4 

A*°V* p. 41 

veniat. erat autem miles fortis tanquam Orcus. apocu-Ji 
lamus nos circa gallicinia, luna lucebat tanqnam meridie. 
venimus intra monimenta: homo mens coepit ad stelas 
facere se, eo ego cantabundus et stelas numero. deinde 

5 ut respexi ad comitem, ille exuit se et omnia vestimenta 
secundum viam posuit. mihi anima in naso esse, stabam 
tanqnam mortnns. (at ille circnmminxit vestimenta sna et 
snbito lnpns factus est.) nolite me iocari pntare; nt men- 
tiar, nullius Patrimonium tanti faoio. sed, quod coeperam 

lOdicere, postquam lupus factus est, ululare coepit et in 
Silvas fugit. ego primitus nesciebam ubi essem, deinde 
accessi, ut vestimenta eius tollerem: illa autem lapidea 
facta sunt, qui mori timore nisi ego? gladium tarnen 
strinxi et in tota via umbras cecidi, donec ad villam 

15 amicae meae pervenirem. ut larua intra vi, paene animam 
ebullivi, sudor mihi per bifurcum volabat, oculi mortui, 
vix unquam refectus sum. Melissa mea mirari coepit, 
quod tarn sero ambularem, et cc si ante M inquit "venisses, 
saltem nobis adiutasses; lupus enim villam intravit et 

20 omnia pecora jpercwfeY, tanquam lanius sanguinem Ulis mi- 
sit. nee tarnen derisit, etiam si fugit; servus enim noster 
lancea Collum eius traiecit". haec ut audivi, openfJT 
oculos amplius non potui, sed luce clara Gai nostri do- 



3 intra Bückeier inter H. 4 facere se, eo ego cantabundus 

Müller sed ego H sedeo ego Scheffer Jahn Bücheier*'* sed ego eo 
Hemsius Bücheier I sed ego cantabundus Stellas numero Boßbach 
Rhein. Mus. XLVI3U stelas] Stellas (aT/)XXac) H Bücheier I. 6 anima 
Mtmcker in animo H. 14 in tota via Scheffer matavita tau H 

rimata via Strelitx matan icatan (jaä xäv 'Exaxav) Heraus. 15 ut 
larva Bücheier in larvam H. 16 volabat H colabat Beinesms. 

20 perculit Bücheier* 3* *. 23 Gai Bücheier hac E huc Scheffer. 



Cena Trimalchionis. 165 

mich zutn fünften Meilenstein zu begleiten. Es war ein 
Soldat, stark wie der Teufel. Wir machen uns etwa um 
die Zeit des Hahnenschreis auf die Sohlen, der Mond schien 
so hell wie die Sonne am Mittag. Wir kommen zwischen die 
Grabmal er; mein Mann macht sich an die Stelen; ich gehe 
hin und her, summe ein Liedchen und zähle die Stelen. Wie 
ich mich wieder nach meinem Gefährten umsehe, zieht er 
sich aus und legt all seine Kleider neben die Landstraße. 
Mir stockte der Atem , ich stand da wie ein Toter. Aber 
jener pißte um seine Kleider und wurde plötzlich ein Wolf. 
Glaubt nicht, daß ich scherze, das größte Vermögen ist mir 
nicht so viel wert, daß ich lügen möchte. Aber was ich 
eben sagte, nachdem er ein Wolf geworden war, fing er an 
zu heulen und floh in die Wälder. Anfangs wußte ich 
gar nicht, wo ich war; dann ging ich heran, um die 
Kleider aufzuheben: sie waren zu Stein geworden. Wer 
war da mehr halbtot vor Furcht als ich? Doch zog ich 
meine Plempe und hieb auf dem ganzen Wege immer 
nach den Gespenstern, bis ich auf den Hof meiner Freun- 
din kam. Wie einer, der im Grabe gelegen hat, kam 
ich an, beinahe wäre es mein letztes Stündchen gewesen. 
Der Schweiß lief mir in Strömen rechts und links vom 
Kreuz herab, die Augen erloschen, kaum konnte ich mich 
erholen. Meine Melissa wunderte sich, daß ich so spät 
unterwegs war, und sagte: »Wenn du früher gekommen 
wärest, hättest du uns wenigstens beistehen können; denn 
ein Wolf brach in den Hof ein und fiel alles Vieh an, 
wie ein Metzger ließ er ihnen zur Ader. Aber er hat 
uns nicht zum besten gehabt, wenn er auch davon ge- 
kommen ist; Unser Knecht hat seinen Hals mit einer 
Lanze durchbohrt«. Als ich dies gehört hatte, konnte ich 
kein Auge mehr schließen, sondern lief, da es schon 
heller Tag war, spornstreichs bis zum Hause unseres 



166 Cena Trimalchionis 62. 63. nm v i . 

v Bücheier* 

JLoaJü^^ P. 41 

mum fugi tanquam copo compilatus, et postquam veni in H 

illum loeum, in quo lapidea vestimenta erant facta, nihil 

inveni nisi sanguinem. ut vero domum veni, iacebat miles 

mens in lecto tanqnam bovis, et Collum illins medicus 

6 cnrabat. intellexi illum versipellem esse, nee postea eum 

illo panem gustare potui, non si me oceidisses. viderint 

alii quid de hoc exopinissent; ego si mentior, genios vestros 

iratos habeali).' 

63 attonitis admiratione universis 'salvo* inquit c tuo ser- Büc ^ er * 

lOmone' Trimalchio c si qua fides est, [ut] mihi pili inhor- 

ruerunt, quia scio Niceronem nihil nugarum narrare: immo 

certus est et minime linguosus. nam et ipse vobis rem 

horribilem narrabo. asinus in tegulis. cum adhuc capil- 

latus essem, nam a puero vitam Chiam gessi, ipsimi nostri 

lödelicatus deeessit, mehercules margaritum, caccitus et 

omnium numerum. cum ergo illum mater misella plan- 

geret et nos tum plures in tristimonio essemus, subito 

strigae stridere coeperunt; putares canem leporem persequi. 

habebamus tunc hominem Cappadocem, longum, valde auda- 

20culum et qui valebat: poterat bovem iratum tollere, hie 

audacter stricto gladio extra ostium procueurrit, involuta 

sinistra manu curiose, et mulierem tanquam hoc loco — 

salvum sit, quod tango — mediam traiecit. audimus ge- 

cvv.e^^^mitum, et — plane non mentiar — - ipsas non vidimus. baro "' ■* 

^ 25autem noster introversus se proiecit in lectum, et corpus 



6. 7 viderint alii quid de hoc Bücheier viderint qui hoc de 
alibi H. 10 nt ohne Klammern Bücheier 9 '*. 12 nam] iam Ja- 
cobs. 14 ipsimi nostri Bücheier ipim mostri H. 15 caccitus H 
catamitus Jacobs Jahn eceritus Remesius zacritus Bönsch. 17 nos 
tum plures H nostrum plures Heinsites. 20 poterat delevit editor 
Patavinits bovem Beiske Jovem H. 24 et — plane Bücheier 4 et 

plane H Bücheier 9 sed plane Bücheier I und 2 . 



Cena Trimalchionis. 167 

Gajus, wie der bestohlene Schenkwirt, und als ich an 
den Ort kam, wo die Kleider zu Stein geworden waren, 
fand ich nichts als Blut. Als ich aber nach Hause kam, 
lag der Soldat im Bett wie ein Ochs, und ein Arzt 
verband seinen Hals. Da sah ich denn, daß es ein 
Werwolf war, und ich konnte seitdem keinen Bissen Brot 
mit ihm zusammen essen, nicht wenn man mich tot ge- 
schlagen hätte. Mögen andre davon denken, was ihnen 
gut dünkt, mir aber mögen, wenn ich lüge, eure Schutz- 
geister ungnädig sein!« 

Als alle vor Staunen stumm waren, sagte Trimalchio: 
»Ohne deiner Erzählung zu nahe zu treten, mir, das 
könnt ihr mir glauben, haben sich die Haare auf dem 
Kopfe gesträubt, weil ich weiß, daß Niceros keine Flau- 
sen erzählt: nein, er ist zuverlässig und nichts weniger 
als ein Zungendrescher. Ich will euch auch eine gruse- 
lige Geschichte erzählen. Der Esel auf dem Dach! Als 
ich noch langes Haar trug (denn ich habe von Jugend 
auf fein gelebt), starb der Lieblingsknabe unsres Prinzi- 
pals, wirklich eine Perle, ein ganz rarer Junge und in 
allen Stücken perfekt. Als nun die arme Mutter ihn be- 
klagte und mehrere von uns damals an der Trauer teil 
nahmen, fingen plötzlich die Nachtunholdinnen an zu 
sausen, es war, als ob ein Hund einen Hasen jagte. Wir 
hatten damals einen Kerl aus Kappadocien, einen langen 
Menschen, der viel Courage und Kräfte hatte: er konnte 
einen wütenden Stier aufheben. Dieser lief mutig mit 
gezogenem Schwert vor die Haustür, die linke Hand 
sorgfältig eingewickelt, und bohrte das Weib etwa an 
dieser Stelle — was ich berühre, soll gesund bleiben! — 
durch und durch. Wir hören ein Gestöhne, aber — lügen 
will ich nicht — sie selbst sahen wir nicht. Unser Töl- 
pel aber kam zurück und warf sich auf das Bett und 



168 Cena Trimalchionis 68. 64. „ . , , 

Bücheler* 
p.42 
totum lividum habebat quasi flagellis caesus, quia scilicet R 

illum tetigerat mala manus. nos cluso ostio redimns ite- 

rum ad officium, sed cum mater amplexaret corpus filii 

sui, tangit et videt manuoiolum de stramenißs factum. 

5non cor habebat, non intestina, non quicquam: scilicet 

iam puerum strigae involaverant et supposuerant stramen- 

ticium vavatonem.. rogo vos, oportet credatis, sunt mu- 

lieres plussciae, sunt nocturnae, et quod sursum est, 

deorsum faciunt. ceterum baro ille longus post hac fac- 

10 tum nunquam coloris sui fuit, immo post paucos dies phre- 
neticus periit'. 

64 miramur nos et pariter credimus, osculatique mensam 
rogamus Nocturnas, ut suis se teneant, dum redimus 
a cena. 

15 et sane iam lucernae mihi plures videbantur ardere 
totumque triclinium esse mutatum, cum Trimalchio c tibi 
dico' inquit c Floeame, nihil narras? nihil nos delectaris? 
«t solebas suavius esse, belle deverbia dicere, melica can- 
turire. heu heu, abistis dulcis caricae 3 . 'iam* inquit ille 

20 c quadrigae meae decucurremnt, ex quo podagricus factus 

sum. alioquin cum essem adulescentulus, cantando paene 

tisicus factus sum. quid saltare? quid deverbia? quid 

. tonstrinum? quando parem habui nisi unum Apelletem?' 

oppositaque ad os manu nescio quid taetrum exsibilavit, 

25 quod postea Graecum esse affirmabat. 

3 cum Bücheier dum H. 7 vavatonem H vavatorem Hewr 

sitcs. 13 suis se teneant Bücheler* suis sedibus se teneant Bü- 

cheler*. 18 suavius Bücheier Buavis K 18. 19 belle diverbia di- 
cere, melica canturire Bücheler 9 canturire belle deverbia, adicere 
melicam H Bücheler*. 19 abistis H ubi estis Heinsim caricae 

Scheffer carica K 22 tisicus H phthisicus Bücheier I. 23 quando 
Bücheler qn (= quando Bursicm) H quem Bücheler 2 . 34 opposi- 
taque B Fimck appositaque Heinsites Bücheler. 



Cena Trimalchioniß. 169 

sein ganzer Körper war braun und blau, als wenn er 
mit Peitschen gehauen wäre, weil ihn nämlich die böse 
Hand berührt hatte. Wir schließen wieder die Hanstür 
und gehen an nnsre Verrichtung, aber als die Mutter die 
Leiche ihres Sohnes umarmen wollte, rührt sie sie an 
und sie sieht ein Bündel aus Stroh. Es hatte kein Herz, 
keine Eingeweide, nichts: nämlich die Unholdinnen hatten 
den Knaben schon geraubt und einen Wechselbalg aus 
Stroh untergeschoben. Ich bitte euch, das müßt ihr 
glauben, es gibt Weiber, die hexen können, es gibt Un- 
holdinnen und die kehren das Unterste zu oberst. Übri- 
gens kam jener lange Tölpel niemals wieder in seinen 
alten Schick, sondern in wenigen Tagen starb er in 
Baserei.« 

Wir hören dies eben so staunend als gläubig an, 64 
und den Tisch küssend, bitten wir die Nachtunholdinnen zu 
Hause zu bleiben, wenn wir von der Mahlzeit heimkehren. 

Und schon kam es mir vor, als ob die Zahl der 
Lampen sich vervielfacht und der ganze Saal sich ver- 
ändert habe, als Trimalchio sagte: »Du, Plocamus, er- 
zählst du gar nichts? Amüsierst du uns gar nicht? Du 
pflegtest doch gemütlicher zu sein, hübsch Stellen aus 
Theaterstücken zu deklamieren, Lieder zu singen. Ach, 
ach, all die netten Sachen sind futsch«. »Bei mir, 
sagte jener, ist Spiel und Tanz vorbei, seit ich das Po- 
dagra habe. Sonst als ich noch ein junges Bürschchen 
war, hab' ich mir beinahe die Schwindsucht an den Hals 
gesungen. Und erst tanzen! und deklamieren! Und die 
Barbierstube! Wann habe ich meines gleichen gehabt, 
außer dem einzigen Apelles?« Dann legte er die Hand an 
den Mund und pfiff etwas Abscheuliches, wovon er nach- 
her sagte, daß es Griechisch sei. 



170 Cena Trimalchionis 64. 

Bücheier 

p. 43 

nec non Trimalchio ipse cum tubicines esset imitatus, h 
ad delicias suas respexit, quem Croesum appellabat. puer 
autem lippus, sordidissimis dentibus, catellam nigram at- 
que indecenter pinguem prasina involvebat fascia panem- 

5que semissem ponebat super torum atque [hac] nausea 
recnsantem saginabat. quo admonitus officii Trimalchio 
Scylacem iussit adduci c praesidium domus familiaeque\ 
nec mora, ingentis formae adductus est canis catena vinc- 
tus, admonitusque ostiarii calce, ut cubaret, ante mensam 

10 se posuit. tum Trimalchio iactans candidum panem 'nemo 5 
inquit c in domo mea me plus amat 3 . indignatus puer, 
quod Scylacem tarn effuse laudaret, catellam in terram 
deposuit hortatusque est, ut ad rixam properaret. Scylax 
canino scilicet usus ingenio, taeterrimo latratu triclinium 

löimplevit Margaritamque Groesi paene laceravit. nec intra 
rixam tumultus constitit, sed candelabrum etiam super 
mensam eversum et vasa omnia crystallina comminuit et 
oleo ferventi aliquot convivas respersit. Trimalchio ne 
videretur iactura motus, basiavit puerum ac iussit super 

20dorsum ascendere suum. non moratus ille usus est equo 
manuque plena scapulas eins subinde verberavit, interque 
risum proclamavit: c bucca, bucca, quot sunt hie?' 

repressus ergo aliquamdiu 
Trimalchio camellam grandem iussit misceri et potiones 

25 di vidi omnibus 8 er vis, qui ad pedes sedebant, adieota 



5 semissem E semesum Burmarm atque [hac] Bücheier 9, * atque 
hoc oder hanc Hadrianides c kaec gravius turbata puto, hac corrnp- 
tum ex lac Bücheier 2 cm atque delendum et ac scribendum est? Bü- 
cheier I torum ac nausea Thielmann. 6 officii Bücheier officio H. 
24 misceri et potiones Anton misceri potionesgue Bücheier I 'vereor 
ne plura desinf Bücheier*. 



Cena Trimalchionis. 171 

Als dann auch Trimalchio den Posannenbläsern nach- 
geahmt hatte, sah er seinen Lieblingsknaben an, den er 
Crösus nannte. Dieser, ein Junge mit entzündeten Augen 
und £ehr schmutzigen Zähnen, umwickelte eine schwarze 
unförmlich dicke Schoßhündin mit einer grünen Binde, legte 
ein halbes Brot auf das Polster und fütterte das Tier, ob- 
wohl es aus Übersättigung widerstrebte. Hierdurch gleich- 
sam an seine Pflicht erinnert, befahl Trimalchio den Soylax 
zu bringen, c den Schützer des Hauses und seiner Bewohner', 
wie er sagte. Sogleich wurde ein riesiger Hund an einer 
Kette hereingeführt, und durch einen Pußtritt des Tür- 
hüters bedeutet, sich niederzulegen, streckte er sich vor 
dem Tisch aus. Darauf warf ihm Trimalchio feines Brot 
hin und sagte: »Niemand im ganzen Hause liebt mich 
mehr als dieser«. Der Junge, der sich ärgerte, daß er den 
Scylax so übermäßig lobte, setzte die Hündin auf die 
Erde und hetzte sie, ihn anzugreifen. Scylax erfüllte nach 
Hundenatur den Saal mit scheußlichem Gebell und riß die 
'Perle' des Crösus fast in Stücke. Und die Störung be- 
schränkte sich nicht auf einen Kampf zwischen den Hun- 
den, sondern es wurde ein Kandelaber umgeworfen, der 
auf den Tisch fiel, alle Kristallgefäße zerbrach und mehrere 
Gäste mit siedendem Öl bespritzte. Um nicht durch den 
Verlust verstimmt zu erscheinen, küßte Trimalchio den 
Knaben und ließ ihn auf seinen Kücken steigen. Jener 
bediente sich seiner ohne Zaudern als Pferd, klatschte 
ihm wiederholt mit der vollen Hand auf die Schulter und 
rief unter Gelächter: »Backe, Backe, wie viel sinds?« 

Nachdem also Trimalchio für einige Zeit zur Kühe 
gebracht war 1 , ließ er in einem großen Napf Wein 
mischen und den Sklaven, die zu den Füßen der Gäste 

1 oder: sich einige Zeit (von dem Jungen) hatte drücken lassen. 



172 Cena Trimalchionis 64. 66. 

Büchele 

p.43 

exceptione ; c si quis' inqnit c noluerit accipere, Caput illi per- H 
fände, interdiu severa, nunc hilaria'. 

65 hanc hnmanitatem insecutae sunt matteae, quarum 
etiam recordatio me, si qua est dicenti fides, offendit. 
5 singulae enim gallinae altiles pro tnrdis circumlatae sunt 
et ova anserina pilleata, quae ut comessemus, ambitio- 
sissime a nobis Trimalchio petiit dieens exossatas esse 
gallinas. 

inter haec trielinii valvas lictor percussit, amietusque 

lOveste alba cum ingenti frequentia comissator intravit. ego 
maiestate conterritus praetorem putabam yenisse. itaque 
temptavi assurgere et nudos pedes in terram deferre. 
risit hanc trepidationem Agamemnon et c contine te' inquit 
c homo stultissime. Habinnas sevir est idemque lapidarius, 

15qui videtur monumenta optime facere'. 

recreatus hoc sermone reposui cubitum, Habinnamque 
intrantem cum admiratione ingenti spectabam. ille autem 
iam ebrius uxoris suae umeris imposuerat manus, onera- 
tusque aliquot coronis et unguento per frontem in oculos Buc ^ le 

20fluente praetorio loco se posuit continuoque vinum et cal- 
dam poposcit. delectatus hac Trimalchio hilaritate et ipse 
capaciorem poposcit scyphum quaesivitque, quomodo ac- 
ceptus esset. c omnia* inquit c habuimus praeter te; oculi 
enim mei hie erant. et mehercules bene foit. Scissa lau- 

25 tum novemdiale servo suo misello faciebat, quem mortuum 



16 videtur Scheffer videretur H profitetur Hirschfeld. 24. 25 
lautum novemdiale Bücheier laucnm novemdialem H. 



Cena Trimalchionis. 173 

saßen, Mann für Mann einen Trunk austeilen, mit dem 
Vorbehalt: >wenn einer nicht nehmen will, gieß es ihm 
über den Kopf. Bei Tage ernsthaft, jetzt lustig! « 

Auf diesen Beweis . von Leutseligkeit folgten Deli- 65 
katessen, an die auch nur zu denken, wie ich versichern 
kann, mir unangenehm ist. Denn statt der Krammets- 
vögel wurde jedem Gast ein Masthuhn gereicht und. 
Gänseeier in Kappen, die zu verspeisen uns Trimalchio 
aufs angelegentlichste aufforderte, indem er sagte, es seien 
Hühner mit ausgelösten Knochen. 

Während dessen schlug ein Lictor an die Tür des 
Saals und ein offenbar von einem Gelage kommender, 
weißgekleideter Mann trat mit einem sehr großen Gefolge 
ein. Ich, durch diese imponierende Erscheinung erschreckt, 
glaubte, es sei ein Prätor gekommen. Ich versuchte also 
aufzustehn und die bloßen Füße auf den Boden zu setzen. 
Agamemnon lachte über meine Unruhe und sagte: »Bleibe 
liegen, du Narr, es ist der Sevir Habinnas, Inhaber einer 
Steinmetzenwerkstatt, der im Bufe steht, die besten Grab- 
denkmäler zu liefern.« 

Durch diese Worte beruhigt, nahm ich meinen Platz 
wieder 'ein und betrachtete den eintretenden Habinnas 
mit großem Erstaunen. Bereits betrunken, hatte er die 
Hände auf die Schultern seiner Frau gelegt, er war mit 
mehreren Kränzen beladen und wohlriechendes Wasser 
lief ihm über die Stirn in die Augen. Er ließ sich auf 
dem vornehmsten Platze nieder und forderte Wein und 
warmes Wasser. Trimalchio, durch seine heitere Stim- 
mung erfreut, forderte auch seinerseits einen großen 
Becher und fragte, wie er aufgenommen worden sei. 
»Es fehlte nichts, sagte er, außer dir, denn in Gedanken 
war ich hier. Und, meiner Treu, es war schön. Scissa 
richtete zu Ehren ihres armen Sklaven, den sie im Tode 



174 Cena Trimalchionis 65. 66. 

Bücheier 
\ p. 44 

mann miserat, et puto, cnm vicensimariis magnam man- H 
tissam habet; qninqnaginta enim millibns aestimant mor- 
tuum. sed tarnen suaviter fuit, etiam si coacti snmns di- 

66aridias potiones snper ossucnla eins effundere\ 'tarnen 3 
5 inqnit Trimalchio 'quid habuistis in cena ?' Micam* inqnit 
c si potnero ; nam tarn bonae memoriae sum, nt freqnenter 
nomen menm obliviscar. habnimns tarnen in primo por- 
cnm botnlo coronatum et cirea sayinncnlum et gizeria op- 
time facta et certe betam et panem autopyrum de sno 

losibi, quem ego malo quam candidnm; et vires facit, et 
cum mea re [causa] facio, non ploro. sequens ferculum 
fuit scriblita frigida et super mel caldum infusum excel- 
lente Hispanum. itaque de scriblita quidem non minimum 
edi, de melle me usque tetigi. circa cicer et lupinum, 

löcalvae arbitratu et mala singula. ego tarnen duo sustuli 
et ecce in mappa alligata habeo; nam si aliquid muneris 
meo vernulae non tulero, habebo convicium. bene me 
admonet domina mea. in prospectu habuimus ursinae 
frustum, de quo cum imprudens Scintilla gustasset, paene 

20 intestina sua vomuit. ego contra plus libram comedi, nam 
ipsum aprum sapiebat. et si, inquam, ursus homuncionem 
comest, quanto magis homuncio debet ursum comesse? in 
summo habuimus caseum möllern ex sapa et cocleas singu- 
las et cordae frusta et hepatia in catillis et ova pilleata 



8 botulo Joe. Qronov poculo H Bücheier saviuDCulum Hilde- 
bremd Bückeier 9 ' 4 saucunculuin H savunculum Bücheier I. 9 et 

certe] et circa? Bücheier. 10 vires] vices H. 11 cum mea re 
[causa] facio Bücheier meam rem facio? mea reclusa facio Michae- 
lis vgl S. 128,14. 13 non minimum] non nimium Joe. Qronov. 
23 ex sapa Bücheier 2 ' »• * et sapa H et sapam Bücheier I. 



Cena Trimalchionis. 175 

freigelassen hatte, ein Leichenmahl aus. Und ich glaube, 
sie hat mit den Pächtern der Freilassnngsstener noch eine 
große Schererei, denn sie schätzen den Verstorbenen auf 
Fttnfzigtansend. Aber es war doch gemütlich, obwohl wir 
genötigt wurden, die Hälfte von dem, was wir tranken, auf 
seine Gebeinchen zu gießen«. »Doch was hattet ihr zu es- 66 
sen?« sagte Trimalchio. »Ich will es sagen, antwortete er, 
wenn ich kann. Den ich habe ein so schlechtes Gedächtnis, 
daß ich häufig meinen eigenen Namen vergesse. Zuerst 
hatten wir ein mit Würsten behangenes Schwein und rund 
herum süßes Eingemachtes und Eingeweide von Hühnern, 
sehr gut zubereitet, und natürlich Rüben und selbstgebacke- 
nes Kleienbrot, das ich lieber habe als feines, denn es gibt 
Kraft, und wenn ich meinen Stuhlgang habe, beklage ich 
mich nicht 1 . Der nächste Gang war kalter Pudding und da- 
zu exzellenter spanischer Wein auf warmen Honig gegossen. 
Und so aß ich von dem Pudding nicht das Geringste, 
aber mit dem Honig feuchtete ich mich gehörig an. Bund 
herum Erbsen und Wolfsbohnen, Nüsse nach Belieben 
und für jeden ein Apfel. Ich nahm aber zwei und habe 
sie hier in meiner Serviette eingebunden; denn wenn ich 
nicht meinem kleinen Sklaven ein Geschenk mitbringe, 
bekomme ich Schelte. Bichtig, meine Frau Gemahlin 
hilft mir gut ein. Als Beservegericht hatten wir ein 
Stück Bärenfleisch; als Scintilla unbedacht davon aß, 
brach sie beinah ihr ganzes Gekröse aus. Dagegen ich 
aß mehr als ein Pfund, denn es schmeckte recht nach 
Wildschwein. Und wenn, sage ich, ein Bär ein Menschen- 
kind frißt, um wie viel mehr muß ein Menschenkind 
einen Bären fressen. Zuletzt hatten wir weichen Käse 
in Most und eine Schnecke für jeden und Stückchen 
von Kaidaunen und Leberohen in Näpfchen und Eier in 

1 oder: brauche ich nicht zu drücken Heraus. 



176 Cena Trimalchionis 66. 67. 

p.44 
et rapam et senape et catillum ooncacatum. pax Pala-# 

medes. etiam in alveo circumlata sunt oxyoomina, nnde 

qoidam etiam improbe ternos pugnos sustoleront nam 

67pernae missionem dedimus. sed narra mihi, Gai, rogo, 

ö Fortnnata quare non recumbit? 5 c qnomodo nosti' inqnit 
c illam # Trimalchio c nisi argentnm composuerit, nisi reli- 
quias pueris diviserit, aquam in os sunm non conioiet'. 
c atqui D respondit Habinnas c nisi illa disoumbit, ego me 
apoculo 3 et coeperat surgere, nisi signo dato Fortnnata 

lOqnater amplins a tota familia esset vocata. venit ergo 
galbino suecincta cingillo, ita ut infra cerasina appareret 
tnnica et periscelides tortae phaecasiaeque inauratae. tone 
sudario manus tergens , quod in collo habebat, appücat Bt< *^ 
se Uli toro, in quo Scintilla Habinnae discumbebat uxor, 

löosculataque^plaudentem/est te' inquit Videre?* 

eo deinde perventum est, nt Fortnnata armillas suas 
crassissimis detraheret lacertis Scintillaeqne miranti osten- 
deret. ultimo etiam periscelides resolvit et reticulum 
aureum, quem ex obrussa esse dicebat. notavit haec Tri- 
20malehio iussitque afferri omnia et Videos* inquit c mulieris 
compedes: sie nos barcalae despoliamur. sex pondo et 
selibram debet habere, et ipse nihilo minus habeo decem 
pondo armillam ex millesimis Mercurii faetam 9 . ultimo 



1 concacatum Burmann concagatum H. 3 improbe (-i) ter- 
nos pugnos Joe. Oronov Bücheier 2 ' 3 * * improbiter nos pugno H 
Bücheier L 9 apoculo] apocalo K 15 'ante eo forsüan midta 
periermt Büeheler L 17 crassissimis H crassissimas Seheffer. 

21 barcalae H babaecali Hemsius berbeculi Reinesiics. 



Cena Trimalchioijis. 177 

der Kappe and Rüben und Senf und die vollgemachte 
Schüssel: Punktum Palamedes. Auch wurde in einem 
Becken eingemachter Kümmel herumgereicht, von dem 
einige unverschämter Weise drei Hände voll nahmen. Was 
den Schinken betrifft, so verzichteten wir darauf. — Aber 
sage mir, Gajus, ich bitte dich, warum ist Fortunata nicht 67 
bei Tische?« »Kennst du sie so schlecht? sagte Trimal- 
chio. Wenn sie nicht das Silbergeschirr verwahrt hat, 
wenn sie nicht die Überreste unter die Sklaven verteilt 
hat, wird sie keinen Tropfen Wasser in den Mund nehmen«. 
»Aber, sagte Habinnas, wenn sie nicht zu Tische kommt, 
drücke ich mich,« und er war im Begriff aufzustehn, wenn 
nicht auf ein gegebenes Zeichen Fortunata von der ganzen 
Dienerschaft mehr als viermal gerufen worden wäre. Sie 
kam also, das OberUeid mit einem gelben Gürtel hoch ge- 
gürtet, so daß darunter eine kirschrote Tunica zum Vor- 
schein kam und gewundene Einge um die Beine und ver- 
goldete griechische Schuhe. Mit einem Schweißtuche, das 
ihr am Halse hing, die Hände trocknend, lehnte sie sich 
auf das Polster, auf dem Scintilla lag, und indem sie 
diese, die in die Hände klatschte, küßte, sagte sie: »Be- 
kommt man dich einmal zu sehn?« 

Es kam dann so weit, daß Fortunata ihre Armbän- 
der von ihren sehr dicken Armen abzog und der staunen- 
den Scintilla zeigte, zuletzt nahm sie auch ihre Beinringe 
und ihr goldenes Haarnetz ab, von dem sie sagte, daß 
es von sechzehnkarätigem Golde sei. Trimalchio be- 
merkte das, ließ alles herbeibringen und sagte: »Da seht 
ihr die Fesseln des Frauenzimmers: so werden wir dum- 
men Teufel geplündert. Sechs und ein halbes Pfund 
muß sie haben. Aber ich habe nichtsdestoweniger noch 
ein Armband von zehn Pfund, das aus dem Tausendstel 

Petronii Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 12 



178 Cena Trimalchionis 67. 68. 

Büohelei 
p. 45 

etiam, ne mentiri videretur, Stateram iussit afferri et cir- H 
cumlatum approbari pondus. nee melior Scintilla, quae 
de cervice sua capsellam detraxit aureolam, quam Feli- 
cionem appellabat. inde duo erotalia protulit et Fortu- 
5 natae in vicem eonsideranda dedit et Momini' inquit c mei 
beneficio nemo habet meliora 9 . c quid? 3 inquit Habinnas 
c excatarissasti me, nt tibi emerem fabam vitream. plane 
si filiam haberem, aurieulas Uli praeeiderem. mulieres 
si non essent, omnia pro lato haberemus; nunc hoc est 
lOcaldum meiere et frigidum potare. 9 

interim mulieres sauciae inter se riserunt ebriaeque 

iunxerunt oscula, dum altera diligentiam matris familiae 

iaetat, altera delicias et indiligentiam viri. dumque sie 

cohaerent, Habinnas furtim consurrexit pedesque Fortu- 

15 natae correptos super lectum immisit. c au au' illa pro- 

clamavit aberrante tunica super genua. composita ergo 

in gremio Scintillae^incensissimam rubore ^faciem^sudario 

abseondit. 

68 interposito deinde spatio cum seeundas mensas Tri- 

20malchio iussisset afferri, sustulerunt servi omnes mensas 

et alias attulerunt, scobemque croco et minio tinetam 

sparserunt et, quod nunquam ante videram, ex lapide 

speculari pulverem tritum. statim Trimalchio c poteram 



1 circumlatum Hemsius circulatum H. 11 'deeurtasse narra- 
ionem compüator viäetwf Bücheier I sauciae H sociae Studemund 
15 correptos Scheffer correctos H. 17 incensissimam (indecen- 

tissimam) Remesius indecens imam H. 22 scobemque Scheffer 

scrobemque B 



Cena Trimalchionis. 179 

für Mercurius gemacht ist«. Schließlich ließ er, um 
nicht für einen Aufschneider gehalten zu werden, eine 
Wage bringen und herumreichen, um die Richtigkeit des 
Gewichts prüfen zu lassen. Scintilla blieb nicht zurück: 
sie nahm von ihrem Halse eine kleine goldene Kapsel, 
die sie ihren Glückmann nannte. Dann zog sie daraus 
zwei Ohrgehänge hervor und gab sie ihrerseits der For- 
tunata zu betrachten und sagte: »Dank meinem Herrn 
Gemahl hat niemand schönere«. »Na, sagte Habinnas, 
du hast mich so lange gequält, bis ich dir die gläsernen 
Bohnen gekauft habe. Wahrhaftig, wenn ich eine Toch- 
ter hätte, würde ich ihr die Ohren abschneiden. Wenn 
es keine Weiber gäbe, würden wir spottwohlfeil leben; 
jetzt heißt es: warm pissen und kalt trinken«* 

Unterdes lachten die bespitzten Weiber unter sich 
und küßten sich in der Trunkenheit, während die eine 
mit ihrer Sorgfalt als Hausfrau prahlte, die andre über 
die Launen und die schlechte Wirtschaft ihres Mannes 
redete. Während sie so die Köpfe zusammensteckten, stand 
Habinnas heimlich auf, faßte Fortunatens Füße und 
streckte sie auf dem Sofa aus. c Ahi Ahi', schrie jene, 
während ihre Tunica über die Kniee zurückschlug. Dann 
sich in Scintillas Schoß verbergend, verhüllte sie das 
vor Röte ganz brennende Gesicht mit dem Schweiß- 
tuche. 

Als darauf Trimalchio nach einer Pause befohlen hatte, 68 
den Nachtisch zu bringen, nahmen die Sklaven alle Tische 
fort, brachten andre und streuten Sägespäne, die mit 
Rötel und Safran gefärbt waren, und, was ich nie zuvor 
gesehen hatte, zerriebenes Frauenglas. Sogleich sagte 
Trimalchio: »Ich hätte mich ja mit diesem Gange begnü- 
gen können: denn jeder hat jetzt nach dem ersten Tisch 

12* 



180 Cena Trimalchionis 68. 69. 

Büchelei 

p. 45 

quidem* inquit c hoc fericulo esse contentus; secundas enim .et 
mensas habetis. sed si quid belli habes, affer 3 . 

interim puer Alexandrinus, qui caldam ministrabat, 
luscinias coepit imitari claniante Trimalchione snbinde: 

o'muta*. ecce alias ladns. servus qai ad pedes Habinnae 
sedebat, iussus, credo, a domino suo proclamavit subito 
canora voee: 

'interea medium Aeneas iam classe tenebat. 
nullus sonus unquam acidior percussit aures meas; nam 

10 praeter errantis barbariae aut auetum aut deminutum cla- 
morem miseebat Atellanicos versus, ut tunc primum me Bücheier 
etiam Vergilius offenderit. plausum tarnen, cum aliquando 
desisset, adiecit Habinnas et c nunquam' inquit c didicit, 
sed ego ad circulatores eum mittendo erudibam. itaque 

loparem non habet, sive muliones volet sive circulatores 
imitari. desperatum valde ingeniosus est: idem sutor est, 
idem cocus, idem pistor, omnis musae mancipium. duo 
tarnen vitia habet, quae si non haberet, esset omnium 
numerum: recutitus est et stertit. nam quod strabonus 

20 est, non curo; sicut Venus spectat. ideo nihil tacet, vix 

69oculo mortuo unquam. illum emi trecentis denariis'. in- 
terpellavit loquentem Scintilla et 'plane 5 inquit c non omnia 
artificia send nequam narras. agaga est; at curabo, 
stigmam habeat.' risit Trimalchio et c adcognosco 3 inquit 



10 errantis H recitantis Hemsius Bücheier I und 2 barbariae 
Scheffer Bücheler*'* barbarie Bücheier lund 2 barbare Heinsius aue- 
tum Frdl abjeetum üTadjectum Scheffer Muncker Bücheier. 11 misee- 
bat H Bücheler^' 4 immiscebat Bücheier 2 . 12 plausum tarnen Bü- 
cheler lassus tarnen H. 13 desisset Scheffer dedisset H nunquam 
inquit Bücheier nunquid H 14 erudibam Bücheier 2 ' 3 ' 4 audibät 

H erudiebam Jahn. 16 desperatum Bücheier desperatus H. 

19 numerum Baase nnmmorum H numerorum Scheffer strabonus] 
strabus? Heraus. 21 trecentis Scheffer retentis H. 



Cena Trimalchionis. 181 

einen andern erhalten. Aber wenn etwas Hübsches da ist, 
her damit!« 

Unterdes ahmte ein alexandrinischer Knabe, der war- 
mes Getränk einschenkte, den Nachtigallen nach, wobei 
Trimalchio fortwährend rief: > Andre Melodie!« Der 
Sklave, der zu den Füßen des Habinnas saß, brüllte plötz- 
lich, wie ich glaube, auf Befehl seines Herrn mit singen- 
der Stimme: 

'Jetzt befand in der Mitte sich schon mit den Schiffen Äneas*. 

Nie verletzte ein widrigerer Ton % mein Ohr; denn 
abgesehn von dem bald gesteigerten, bald gedämpften 
Geschrei bei der Entstellung des Textes durch die gröbste 
Unwissenheit, mischte er auch Verse aus Pulcinellkomö- 
dien ein, so daß Virgil mir damals zum ersten Male 
mißfiel. Doch Habinnas klatschte, als er endlich aufge- 
hört hatte, und sagte: »Er ist nie in die Schule gegangen, 
aber ich habe ihn dadurch ausgebildet, daß ich ihn 
immer zu den Marktschreiern schickte. Daher hat er 
nicht seinesgleichen im Nachmachen von Fuhrleuten und 
Marktschreiern. Er hat verdammt viel Talente, er ist 
zugleich Schuster, zugleich Koch, zugleich Bäcker, ein 
Sklave, der sich auf alles versteht. Zwei Fehler hat er 
aber, wenn er die nicht hätte, wäre er ganz perfekt: er 
ist beschnitten und schnarcht; denn daß er schielt, daraus 
mache ich mir nichts: darin gleicht er der Venus. Des- 
halb kann er nichts verschweigen, weil seine Augen 
immer offen sind. Dreihundert Denar habe ich für ihn 
bezahlt«. Scintilla unterbrach seine Eede mit den Worten: 69 
»Du hast noch nicht alle Eigenschaften des nichtswürdigen 
Burschen aufgezählt: er ist ein Bruder Liederlich, aber 
ich will schon dafür sorgen, daß er seine Brandmarke 
erhält«. Trimalchio lachte und sagte: »Daran erkenne 



182 Cena Trimalchioniß 69. 

Bücheier* 
p. 46 

c Cappadocem: nihil sibi defraudit. et mehercules laudojr 
illum; hoc enim nemo parentat. tu autem, Sein tili a, noli 
zelotypa esse, erede mihi, et vos novimus. sie me sal- 
vum habeatis, ut ego sie solebam ipsumam meam debat- 
ötuere, nt etiam dominus suspicaretur; et ideo me in vili- 
cationem relegavit. sed tace, lingua, dabo panem.' tan- 
quam laudatus esset nequissimus servus, lueernam de 
sinn fictilem protulit et amplius semihora tnbicines imi- 
tatns est snecinente Habinna et inferins labrum manu de- 

lOprimente. ultimo etiam in medium processit et modo 
harundinibus quassis ehoraulas imitatus est, modo lacer- 
natus cum flagello mulionum fata egit, donec vocatum 
ad se Habinnas basiavit, potionemque illi porrexit et 
'tanto melior 9 inquit Massa, c dono tibi caligas.' 

15 nee ullus tot malorum finis fuisset, nisi epidipnis 
esset all ata, turdi siliginei uvis passis nueibusque farsi. 
insecuta sunt Cydonia etiam mala spinis confixa, ut echi- 
nos efficerent et haec quidem tolerabilia erant, si non 
fericulum longe monstrosius effecisset, ut vel fame perire 

20mallemus. nam cum positus esset, ut nos putabamus, 
anser altilis circaque pisces et omnia genera avium, 
'amici* inquit Trimalchio c quicquid videtis hie positum, 
de uno corpore est factum*, ego, scilicet homo pruden- 
tissimus, statim intellexi quid esset, et respiciens Aga- 

26memnonem c mirabor J inquam c nisi omnia ista de fimo facta 



4 ipsumam meam Bücheier ipsam ammeam E. 16 turdi 

siliginei Eemsius turdis iligine H. 18 efficerent H effingerent 

Heinsius. 21 omnia Bücheier omnium K 22 cvmdei Bücheier. 
25 de fimo facta Bücheier defaeta am Bernde defuneta H. 



Gena Trimalohionis. 183 

ich den Kappadocier: er läßt sich nichts abgehn. Und 
meiner Treu, ich lobe ihn, denn nach dem Tode schenkt 
uns das niemand. Dn aber, Scintilla, sei nicht eifer- 
süchtig. Glaube mir, wir kennen euch auch. So wahr 
ich gesund bleiben will, auch ich pflegte meine Prinzipa- 
lin so zu bedienen, daß der Herr sogar Verdacht schöpfte; 
und deshalb verwies er mich in die Landwirtschaft. 
Aber still, Zunge! Du sollst auch Brot bekommen!« Der 
nichtswürdige Sklave tat, als ob er gelobt worden wäre, 
nahm eine Tonlampe aus der Brustfalte und ahmte 
länger als eine halbe Stunde den Posaunenbläsern nach, 
wobei ihn Habinnas mit Gesang begleitete, indem er die 
Unterlippe mit der Hand herabzog. Zuletzt trat er in 
die Mitte des Saals und ahmte bald mit zerbrochenen 
Bohrstücken den Ghorbläsern nach, bald führte er im 
Kutschermantel und mit der Peitsche Szenen aus dem 
Leben der Vetturine auf, bis Habinnas ihn zu sich rief, 
ihn küßte, ihm einen Trunk reichte und sagte: > Bravo 
Massa, ich schenke dir ein Paar Stiefel«. 

Diese Leiden hätten kein Ende gehabt, wenn nicht 
der Nachtisch aufgetragen worden wäre, Krammetsvögel 
aus feinem Weizenmehl mit Bosinen und Nüssen gefüllt. 
Darauf kamen Quittäpfel mit Dornen besteckt, so daß 
sie wie Stacheligel aussahen. Und dies wäre noch er- 
träglich gewesen, wenn nicht ein weit abenteuerlicherer 
Gang bewirkt hätte, daß wir hätten lieber Hungers ster- 
ben mögen, als ihn anrühren. Denn als, wie wir glaub- 
ten, eine gemästete Gans und rund herum Fische und 
alle Arten von Vögeln aufgetragen waren, sagte Trimal- 
chio: »Freunde, alles was hier aufgetragen ist, ist aus 
einer Masse gemacht«. Ich erkannte nach meiner be- 
währten Klugheit sogleich, was es war, und Agamemnon 
ansehend, sagte ich: »Es soll mich wundern, wenn nicht 



184 Cena Trimalchionis 69. 70. 

Bücheier« 

p. 46 

sunt aut certe de luto. vidi Romae Saturnalibus eiusmodi H 

70cenarum imaginem fieri 3 . necdum finieram sermonem, 
cum Trimalchio ait: c ita crescam patrimonio, non corpore, 
ut ista cocus meus de porco fecit. non potest esse pre- 
ötiosior homo. volueris, de vulva faciet piscem, de lardo 
palumbum, de perna turturem, de colaepio gallinam. et Bücheiet« 
ideo ingenio meo impositum est illi nomen bellissimum; 
nam Daedalus vocatur. et quia bonam m entern habet, 
attuli illi Roma munus cultros Norico ferro 3 , quos statim 

lOiussit afferri inspectosque miratus est. etiam nobis po- 
testatem fecit, ut mucronem ad buccam probaremus. 

subito intravernnt duo servi, tanquam qui rixam ad 
lacum fecissent; certe in collo adhuc amphoras habebant. 
cum ergo Trimalchio ins inter litigantes diceret, neuter 

lösententiam tulit decernentis, sed alterius amphoram fuste 
percussit. consternati nos insolentia ebriorum intentavi- 
mus oculos in proeliantes notavimusque ostrea pectines- 
que e gastris labentia, quae collecta puer lance circum- 
tulit. has lautitias aequavit ingeniosus cocus; in crati- 

20cula enim argentea cochleas attulit et tremula taeterri- 
maque voce cantavit. 



5 vulva Bücheier bulla H bulba Sckeffer. 9 attuli Heinstus 
attulit H. 10 etiam nobis] potius et nobis Bücheler*' *. 13 in 

collo Heinstus in loco H, 



Cena Trimalchionis. 185 

das alles aus Kot und mindestens ans Ton gemacht 
ist. Ich habe in Rom gesehn, daß an den Saturnalien 
auf diese Art Nachbildungen von ganzen Mahlzeiten ge- 
arbeitet werden«. Und noch hatte ich nicht zu Ende ge-70 
sprochen, als Trimalchio sagte: »So wahr ich zuzunehmen 
hoffe (aber nur an meinem Vermögen, nicht an meinem 
Leibe), mein Koch hat dies alles aus einem Schwein ge- 
macht. Es gibt keinen kostbareren Menschen. Wenn es 
verlangt wird, macht er aus dem Euter einer Sau einen 
Fisch, aus Pökelfleisch eine Waldtaube, aus Schinken 
eine Turteltaube, aus einem Hüftknochen eine Henne. 
Und deshalb hat er durch einen guten Einfall von mir 
einen sehr hübschen Namen erhalten: er heißt Dädalus. 
Und weil er so gescheit ist , habe ich ihm aus Born zum 
Geschenk Messer aus norischem Eisen mitgebracht«. 
Dies ließ er sogleich bringen und besah und bewunderte 
sie. Er gab auch uns die Erlaubnis, die Schärfe der 
Schneide an der Backe zu prüfen. 

Plötzlich traten zwei Sklaven ein, so als wenn sie 
am Brunnen einen Streit gehabt hätten, wenigstens hat- 
ten sie noch Amphoren am Halse. Als nun Trimalchio 
zwischen den Streitenden die Entscheidung traf, waren 
beide mit seinem Urteilsspruch unzufrieden, und jeder 
schlug mit seinem Knüttel die Amphora des andern ent- 
zwei. Wir, durch die Frechheit der trunkenen Bursche 
außer Fassung gebracht, richteten die Blicke auf ihre 
Balgerei und bemerkten nun, daß aus den Bäuchen der 
Amphoren Austern und Kammmuscheln herausfielen, die 
ein Knabe sammelte und auf einer Schüssel herumgab. 
Der talentvolle Koch blieb hinter diesen Überraschungen 
nicht zurück: er brachte auf einem kleinen silbernen 
Rost Schnecken und sang dazu mit einer tremulierenden 
und ganz abscheulichen Stimme. 



186 Cen» Trimalchionis 70. 71. «-,_,, 

w Bücheier* 

p.47 

pndet referre, qnae seeuntur: inaudito enim moreH 
pneri capillati attulerunt unguentum in argentea pelve 
pedesqne recninbentium unxerunt, cum ante crnra talos- 
qne corollis vinxissent. hinc ex eodem unguento in vi- 
önarium atqne lncernam aliqnantnm est infusum. 

iam coeperat Fortnnata velle saltare, iam Scintilla 
frequentius plandebat quam loquebatur, cnm Trimalchio 
'permitto' inquit c Philargyre et Cario, etsi prasinianns es 
famosus, die et Menophilae, eontnbernali tuae, discum- 

10 bat', qnid multa? paene de lectis deiecti sumus, adeo 
totnm trielininm familia oecupaverat. certe ego notavi 
super me positnm eoeum, qui de poreo anserem fecerat, 
muria condimentisqne fetentem. nee eontentus fuit re- 
cumbere, sed eontinno Ephesnm tragoedum eoepit imi- 

lötari et subinde dominum suum sponsione provoeare 'si 
prasinus proximis eircensibus primam palmam'. 

71 diffusus hae contentione Trimalchio c amici' inquit 'et 
servi homines sunt et aeque unum lactem biberunt, etiam 
si illos malus Fatus oppressit. tarnen me salvo eito 

20aquam liberam gustabunt. ad summam, omnes illos in 
testamento meo manumitto. Philargyro etiam fundum 
lego et contubernalem suam, Carioni quoque insulam et 



5 aliquantum Bückeier liquatum H. 19 oppressit Bückeier 

oppresserit H. 



Cena Trimalchionis. 187 

Man schämt sich, zu berichten, was hierauf erfolgte. 
Nach einer noch nirgend erhörten Sitte brachten nämlich 
Sklaven wohlriechendes Wasser in einem silbernen Wasch- 
becken und rieben damit die Füße der bei Tische Lie- 
genden ein, nachdem sie vorher die Beine und Knöchel 
mit kleinen Kränzen umwunden hatten. Dann wurde von 
demselben wohlriechenden Wasser ein guter Teil in das 
Weingefäß und die Lampen gegossen. 

Bereits bekam Fortunata Lust zu tanzen, bereits 
klatschte Scintilla häufiger als sie sprach, als Trimalchio 
sagte: >Ich erlaube euch, Philargyrus und Cario, obwohl 
du auch als einer von den Grünen bekannt bist, Platz 
xu nehmen, und du kannst auch deiner Mitsklavin Me- 
nophila sagen, daß sie es tut. Um es kurz zu machen, 
beinahe wurden wir von den Polstern verdrängt, in sol- 
chem Umfange hatte die Dienerschaft den Saal angefüllt. 
Ich bemerkte, daß über mir der Koch lag, der eine 
Gans aus Schweinefleisch gemacht hatte, und der nach 
Saucen und Gewürzen stank. Und er war nicht zufrie- 
den, einen Platz an der Tafel erhalten zu haben, son- 
dern begann sogleich dem Tragöden Ephesus nachzu- 
ahmen, und seinen Herrn wiederholt zu einer Wette auf- 
zufordern, ob der Grüne bei den nächsten Zirkusspielen 
den ersten Preis gewinnen würde. 

Trimalchio, durch diesen Streit erheitert, sagte : Freunde, 71 
Sklaven sind auch Menschen und haben dieselbe Milch ge- 
trunken wie wir, wenn auch ihr Unglück sie degradiert hat. 
Doch sie sollen noch zu meinen Lebzeiten Speise und Trank 
als freie Leute genießen. Kurz und gut, ich lasse sie alle 
in meinem Testament frei. Dem Philargyrus vermache ich 
überdies ein Grundstück und seine Mitsklavin, auch dem 
Cario ein Zinshaus und die fünf Prozent und ein Bett mit 



188 Cena Trimalchionis 71. 

Bücheier 

p. 47 

vicesimam et lectum Stratum, nam Fortunatam meamji 
heredem facio, et commendo illam Omnibus amicis meis. 
et haec ideo omnia publico, ut familia mea iam nunc sie 
me amet tanquam mortuum 3 . gratias agere omnes in- 
ödulgentiae coeperant domini, cum ille oblitus nugarum 
exemplar testamenti iussit afferri et totum a primo ad 
ultimum ingemescente familia recitavit. respiciens deinde 
Habinnam c quid dicis' inquit c amice carissime? aedificas Bücheier 
monumentum meum, quemadmodum te iussi? valde te 

10 rogo, ut seeundum pedes statuae meae catellam ponas et 
Coronas et unguenta et Petraitis omnes pugnas, ut mihi 
contingat tuo beneficio post mortem vivere; praeterea ut 
sint in fronte pedes centum, in agrum pedes ducenti. 
omne genus enim poma volo sint circa cineres meos, et 

lövinearum largiter. valde enim falsum est vivo quidem 
domos eultas esse, non curari eas, ubi diutius nobis ha- 
bitandum est. et ideo ante omnia adici volo: <c hoc mo- 
numentum heredem non sequitur 3 . ceterum erit mihi 
curae, ut testamento caveam, ne mortuus iniuriam acci- 

20piam. praeponam enim unum ex libertis sepulcro meo 
custodiae causa, ne in monumentum meum populus ca- 
catum currat. te rogo, ut naves etiam monu- 

menti mei facias plenis velis euntes, et me in tribunali 
sedentem praetextatum cum anulis aureis quinque et 

25nummos in publico de saeculo effundentem; scis enim, 



10 ponas Bücheier* 3 * 4 pingas H fingas Bücheier L 18 se- 

quitur Bücheier sequatur H Mommsen Hermes XIII 116. 



Cena Trimalchionis. 189 

allem Zubehör. Aber meine Fortunata setze ich als Erbin 
ein und empfehle sie allen meinen Freunden. Und das alles 
mache ich deshalb bekannt, damit meine Leute mich eben 
so lieben, als wenn ich schon gestorben wäre.« Alle waren 
im Begriff, ihrem Herrn für seine Güte zu danken, als jener, 
um zu zeigen, daß er im Ernst geredet habe, eine Ab- 
schrift seines Testaments bringen ließ und es von Anfang 
bis zu Ende vorlas, wozu die Dienerschaft seufzte. Dann 
sah er Habinnas an und sagte: »Wie steht es, liebster 
Freund, baust du mein Denkmal, wie ich es dir aufgetra- 
gen habe? Ich bitte dich sehr, zu den Füßen meiner Statue 
ein Schoßhündchen und Kränze und Essenzfläschchen anzu- 
bringen und alle Kämpfe des Petraites, damit es mir durch 
dich zu teil werden möge, nach dem Tode zu leben; so- 
dann sollen in der Länge hundert Fuß sein und in der Tiefe 
zweihundert. Ich will auch alle Arten von Obst um meine 
Asche haben und reichlich Weinpflanzungen; denn es ist 
ganz verkehrt, wenn man zwar für die Ausschmückung der 
Wohnung sorgt, solange man lebt, aber sich um die nicht 
kümmert, in der man länger wohnen soll. Und deshalb 
will ich vor allem, daß bemerkt wird: c Dies Denkmal soll 
auf den Erben nicht tibergehn 3 . Übrigens werde ich 
es mir angelegen sein lassen, durch mein Testament da- 
für zu sorgen, daß ich nach meinem Tode nicht schlecht 
behandelt werde. Ich werde nämlich einen meiner Frei- 
gelassenen zur Bewachung meiner Grabstätte anstellen, 
damit nicht die Leute nach meinem Monument laufen, um 
da ihre Häufchen abzusetzen. Ich bitte dich, daß du auch 
Schiffe an der Frontseite meines Monuments machst, die 
mit vollen Segeln fahren, und mich selbst, wie ich auf 
der Tribüne sitze, mit einer Prätexta angetan und mit 
fünf goldnen Bingen, und Geld aus dem Beutel schütte; 
denn du weißt, daß ich eine allgemeine Bewirtung ge- 



190 Cena Trimalchionifl 71. 72. 

Buchelei 
p. 48 

quod epulum dedi binos denarios. faciatur, si tibi vi- j? 
detur, et triclinia. facias et totum populum sibi suaviter 
facientem. ad dexteram meam ponas statuam Fortunatae 
meae columbam tenentem: et catellam cingulo alligatam 
öducat: et cicaföneih^meum, et amphoras copiosas gypsa- 
tas, ne effluant vinum. et urnam licet fractam seulpas, 
et super eam pueram plorantem. horologium in medio, 
ut quisquis horas inspiciet, velit nolit, nomen meum le- 
gat. inscriptio quoque vide diligenter si haec satis ido- 

lOnea tibi videtur: CC G. Pompeius Trimalchio Maecenatianus 
hie reqniescit. huic seviratus absenti decretus est. cum 
posset in omnibns deennis Romae esse, tarnen noluit. 
pius, fortis, fidelis, ex parvo crevit, sestertinm reli- 
quit trecenties, nee unquam pbilosophnm audivit. vale: 

15 et tu" 

72 haec ut dixit Trimalchio, flere coepit ubertim. flebat 
et Fortunata, flebat et Habinnas, tota denique familia, 
tanquam in funus rogata, lamentatione triclinium imple- 
vit. immo iam coeperam etiam ego plorare, cum Tri- 

20malchio 'ergo' inquit c cum sciamus nos morituros esse, 
quare non vivamus? sie vos felices videam, coniciamus 
nos in balneum, meo periculo, non paenitebit. sie calet 
tanquam furnus'. Vero, verV inquit Habinnas c de una 



1 faciatur H Büehder faciantur Qoes. 2 facias Bücheier 

facies H. 6 urnam Joe. Oronov unam H licet H scilicet Sege- 

bade. 



Gena Trimalchionis. 191 

geben habe, zwei Denar für den Mann. Es können auch, 
wenn dn meinst, die Eßtische angebracht werden, und 
auch die ganze Bürgerschaft, wie sie sich gütlich tut. 
Zn meiner Rechten stelle die Statue meiner Fortunata 
mit einer Taube in der Hand, und sie soll auch ein 
Sehoßhündchen führen, das am Gürtel angebunden ist, 
und mein kleines Bürschchen und recht große Amphoren, 
gut mit Gips geschlossen, daß der Wein nicht ausfließen 
kann. Und dann kannst du noch eine zerbrochene Urne 
aushauen und darüber einen weinenden Jungen. In der 
Mitte eine Sonnenuhr, so daß jeder, der nach der Stunde 
sieht, er mag wollen oder nicht, meinen Namen lesen 
muß. Was die Inschrift betrifft, so überlege genau, ob 
dir folgende hinreichend erscheint. 'Gajus Pompejus 
Trimalchio Mäcenatianus ruht hier. Ihm ist der Sevirat 
während seiner Abwesenheit zuerkannt worden. Er hätte 
in Born zu allen Decurien Zutritt haben können, hat aber 
nicht gewollt. Er war anhänglich, brav und treu. Er 
hat klein angefangen und ist groß geworden. Er hat 
30 Millionen Sesterzen hinterlassen und nie einen Philo- 
sophen gehört. Lebe wohl. "Und du auch".'« 

Als Trimalchio dies gesagt hatte, fing er an heftig 72 
zu weinen. Es weinte auch Fortunata, es weinte auch 
Habinnas, und die ganze Dienerschaft erfüllte, als ob sie 
zu einem Leichenbegängnis geladen wäre, mit ihrem 
Jammergeschrei den Saal. Auch ich war schon im Be- 
griff zu weinen, als Trimalchio sagte: >Da wir nun wissen, 
daß wir sterben werden, warum sollen wir nicht das 
Leben genießen? So wahr ich wünsche, euch glücklich 
zu sehn, laßt uns ins Bad steigen, auf meine Gefahr, 
es wird euch nicht leid tun. Es ist so heiß wie ein 
Ofen.« »Wahrhaftig, wahrhaftig, sagte Habinnas, aus 
einem Tage zwei machen, nichts kann mir lieber sein«, 



192 Cena Trimalchionis 72. 73. 

Bücheler 
p. 48 

die duas facere, nihil malo 3 nudisque consurrexit pedibus H 
et Trimalchionem plaudentem subsequi coepit 

ego respiciens ad Ascylton c quid cogitas? 3 inquam 
c ego enim si videro balneum, statim expirabo\ c assen- 
ötemur* ait ille c et dum illi balneum petunt, nos in turba 
exeamus^ cum haec placuissent, ducente per porticum Bücheier« 
Gitone ad ianuam venimus, ubi canis catenarius tanto 
nos tumultu excepit, ut Ascyltos etiam in piscinam ceci- 
derit. nee non ego quoque ebrius, qui etiam pictum 

10 timueram canem, dum natanti opem fero, in eundem gur- 
gitem tractus sum. servavit nos tarnen atriensis, qui 
interventu suo et canem placavit et nos trementes ex- 
traxit in siecum. et Giton quidem iam dudum se ratione 
acutissima redemerat a cane; quiequid enim a nobis ac- 

loceperat de cena, latranti sparserat; [at] ille avocatus 
eibo furorem suppresserat. ceterum cum algentes udique 
petissemus ab atriense, ut nos extra ianuam emitteret, 
'erras* inquit c si putas te exire hac posse, qua venisti. 
nemo unquam convivarum per eandem ianuam emissus 

20 est; alia intrant, alia exeunt*. quid faciamus homines 

73miserrimi et novi generis labyrintho inclusi, quibus lavari 
iam coeperat votum esse? nitro ergo rogavimus, ut nos 
ad balneum duceret proiectisque vestimentis, quae Giton 



2 plaudentem Jacobs Wehte gaudentem 3 coepit Bwrmawn, 
4 assentemur [am Bernde absentemur) H Bücheter 7wwrf 4 assectemur 
Bücheter 2 und 3 . 9 ebrius] ^eaypectas territus 1 Bücheter*' *. 15 [at] 
Bücheter*'* et Wehte ita Heinsius. 16 udique Bücheter utique H. 



Cena Trimalchionis. 193 

und er stand mit bloßen Füßen auf und schickte sich an, 
dem erfreuten Trimalchio zu folgen. 

Ich sah Ascyltos an und sagte: »Was denkst du? 
Was mich betrifft, ich würde gleich sterben, sobald ich 
das Bad nur sähe. Tun wir, als wären wir einverstan- 
den, und während jene sich ins Bad begeben, gehn wir 
im Gedränge fort.« Als wir uns hierüber geeinigt hatten, 
gelangten wir unter der Führung Gitons durch die Kolon- 
nade zur Haustür, wo uns der Kettenhund mit solchem 
Gebell empfing, daß Ascyltos vor Schreck in das Bassin 
fiel. Und auch ich, der ich ja schon vor dem gemalten 
Hunde Furcht gehabt hatte, ließ mich in meiner Trunken- 
heit, während ich dem Schwimmenden zu Hilfe kam, in 
die Tiefe hinabziehn. Doch rettete mich der Haushof- 
meister, der durch sein Einschreiten auch den Hund be- 
ruhigte und uns, die vor Kälte zitterten, aufs Trockne 
zog. Giton hatte sich schon längst auf sehr scharfsinnige 
Weise von dem Hunde losgekauft, alles, was wir ihm von 
der Mahlzeit gegeben, hatte er dem bellenden Köter hin- 
geworfen, und dieser, durch den Fraß beschäftigt, hatte 
von seiner Wut abgelassen. Als wir nun frierend den 
Haushofmeister baten, uns jedenfalls aus der Tür heraus- 
zulassen, sagte er: »Du bist im Irrtum, wenn du glaubst, 
da herausgehn zu können, wo du hereingekommen bist. 
Noch nie ist ein Gast durch die Tür, durch die er ein- 
trat, herausgelassen worden: durch die eine treten sie 
ein, durch die andere gehn sie heraus.« Was sollten 73 
wir armen, in eine neue Art von Labyrinth eingesperrten 
Leute tun, für die das Bad bereits anfing, ein Gegen- 
stand des Wunsches zu werden? Wir baten also selbst, 
er möchte uns in das Bad führen, und nachdem wir die 
Kleider abgelegt hatten, welche Giton am Eingange gleich 
zu trocknen anfing, traten wir in das Badezimmer, das 

Petronii Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 13 



194 Cena Trimalchioniß 73. 74. 

Bücheier 

p. 49 

in aditu siccare coepit, balneum intravimus, angustum H 

scilicet et cisternae frigidariae simile, in quo Trimalchio 

rectus stabat. ac ne sie quidem pntidissimam eins iaeta- 

tionem lieuit effugere; nam nihil melius esse dicebat, 

5 quam sine turba lavari, et eo ipso loco aliquando pistri- 
num fuisse. deinde ut lassatus consedit, invitatus balnei 
sono diduxit usque ad cameram os ebrium et coepit Me- 
neeratis cantica lacerare, sicut illi dicebant, qui linguam 
eins intellegebant. ceteri convivae circa labrum manibus 

lOnexis currebant et gingilipho ingenti clamore exsonabant. 
alii autem [aut] restrictis manibus anulos de pavimento 
ore conabantur tollere aut posito genu cervices post terga 
flectere et pedum extremos pollices tangere. nos, dum 
alii sibi ludos faciunt, in solio, quod Trimalchioni tem- 

löperabatur, descendimus. 

ergo ebrietate discussa in aliud triclinium dedueti 
sumus, ubi Fortunata disposuerat lautitias [suas] ita ut 
supra lucernas aeneolosque piscatores notaverim et 

mensas totas argenteas calicesque circa fictiles inauratos 

20 et vinum in conspectu saeco defluens. tum Trimalchio 
c amici 3 inquit c hodie servus mens barbatoriam fecit, homo 
praefiscini frugi et micarius. itaque tangomenas faciamus 

74 et usque in lucem cenemus/ haec dicente eo gallus 
gallinaceus cantavit. qua voce confusus Trimalchio vinum 



2 quo Bücheier qua H c sine dubio haec Päronianis breviora 
Bücheler 9 ^. 3 sie] istic? Bücheler 3 * ejus jaetationem Hemsius ei ac- 
tionem H. 10 gingilipho H singuli sophos Heinsites Gai sophos 
Bücheier I subest tale y^yy^ 10 ^ Büeheler* exsonabant Bücheier 4 exo- 
nabant H sonabant Bücheler*. 12 ore [dentibus) Burmann. 14 alii] 
'malo illi 1 Bücheier*'* in solio Scheffer in solo Hin solium Bücheier*'* 
doch vgl. die Anm.. 15 temperabatur Heinsius pervapatur am 

Rande al. parabatur H. 17 lautitias [suas] Bücheier lautitias 

suas H. 21 barbatoriam Scheffer babatoriam H. 22 tango- 

menas H Bücheier* tengomenas Bücheier 9 . 



Cena Trimalehionis. 196 

eng und der Zisterne eines Kaltwasserbades ähnlich war, 
in welchem Trimalchio aufrecht stand. Und auch unter 
diesen Umständen konnten wir uns seiner widerlichen 
Prahlerei nicht entziehen; denn er sagte, nichts sei besser, 
als ohne Gedränge zu baden, und an dieser Stelle sei 
einmal ein Backofen gewesen. Als er sich darauf er- 
müdet niedersetzte, riß er, durch die Resonanz des Bade- 
zimmers zum Singen aufgefordert, den Mund bis an das 
Gewölbe auf und mißhandelte die Arien des Menecrates, 
wie diejenigen sagten, die sich auf seinen Gesang ver- 
standen. Die übrigen Gäste liefen, einander an den 
Händen haltend, um das runde Becken und brüllten über- 
laut »Lirum larum«. Einige versuchten mit auf dem 
Rücken gebundenen Händen Ringe vom Estrich mit dem 
Munde aufzuheben oder auf ein Knie niedergelassen, den 
Hals so weit zurückzubiegen, daß sie die Zehspitzen be- 
rührten. Wir stiegen, während die andern sich auf diese 
Art belustigten, in die Badewanne, in der das Wasser 
für Trimalchio gemischt wurde. 

Nachdem wir nun den Rausch losgeworden waren, 
wurden wir in einen andern Speisesaal geführt, in dem 
Fortunata ihre Prachtstücke aufgestellt hatte, so daß ich 
über Lampen und bronzene Figürchen von 

Fischern bemerkte, und Tische ganz von Silber und ver- 
goldete Tonbecher und Wein, der vor unsern Augen durch 
ein Tuch abfloß. Darauf sagte Trimalchio: > Freunde, 
heute hat einer meiner Sklaven sein Bartfest gefeiert, ein 
ordentlicher Mensch (unberufen!) und ein rechter Krümchen- 
sammler. Daher wollen wir fidel sein und bis Tages- 
anbruch bei Tische bleiben.« Als er dies sagte, krähte 74 
ein Hahn. Trimalchio, durch diesen Laut erschreckt, ließ 
Wein unter den Tisch gießen und auch die Lampe mit 
ungemischtem Wein besprengen. Er steckte auch den 

13* 



196 Cena Trimalchionis 74. 

Bücheier 4 
P.ÖO 
snb mensa iussit effundi lucernamque etiam mero spargi. H 

immo anulum traiecit in dexteram manum et c non sine 

causa' inquit c hie bucinus Signum dedit; nam aut incen- 

dium oportet fiat, aut aliquis in vicinia animam abieiet. 

ölonge a nobis. itaque quisquis hunc indioem attulerit, 
corollarium accipiet.' dicto citius de vicinia gallus alla- 
tus est, quem Trimalchio occidi iussit, ut aeno coctus 
fieret. laceratus igitur ab illo doctissimo coco, qui'paulo 
ante de porco aves piscesque fecerat, in caccabum est 

lOconiectus. dumque Daedalus potionem ferventissimam 
haurit, Fortunata mola buxea piper trivit. 

sumpti8 igitur matteis respiciens ad familiam Trimal- 
chio c quid vos' inquit c adhuc non cenastis? abite, ut alii 
veniant ad officium. 9 subiit igitur alia classis, et Uli 

löquidem exclamavere: Vale Gai', hi autem c ave Grai'. hinc 
primum hilaritas nostra turbata est: nam cum puer non 
inspeciosus inter novos intrasset ministros, invasit eum 
Trimalchio et osculari diutius coepit. itaque Fortunata, 
ut c ex aequo ius firmum' approbaret, male dicere Trimal- 

20chioni coepit et purgamentum dedecusque praedicare, qui 
non contineret libidinem suam. ultimo etiam adiecit: 
'canis*. Trimalchio contra offensus convicio calicem in 
faciem Fortunatae immisit. illa tanquam oculum perdi- 
disset, exclamavit manusque trementes ad faciem suam 

2öadmovit. consternata est etiam Scintilla trepidantemque 
sinu suo texit. immo puer quoque officiosus urceolum 



19 Trimalchioni Bücheier** Trimalchionem H Funck [Trimal- 
chionem] ei Bücheier I Awm. 



Cena Trimalchionis. 197 

King von der linken Hand an die rechte und sagte: 
»Dieser Trompeter hat nicht ohne Grund das Signal ge- 
geben ; denn nun muß es entweder einen Brand geben oder 
in der Nachbarschaft wird jemand mit Tode abgehn. 
Weit von uns! Also wer diesen Anzeiger bringt, soll ein 
Trinkgeld erhalten!« Kaum war dies gesagt, als der Hahn 
aus der Nachbarschaft gebracht wurde. Trimalchio ließ 
ihn schlachten, damit er in einem Kessel gekocht zube- 
reitet würde. Nachdem er also von jenem hochgebildeten 
Koch zerlegt war, der aus Schweinefleisch Geflügel und 
Fische gemacht hatte, wurde er in den Tiegel geworfen, 
und während Dädalus die siedende Brühe schöpfte, mahlte 
Fortunata in einer Mühle von Buchsbaum Pfeffer. 



Nachdem nun die Delikatessen eingenommen waren, 
sah Trimalchio die Dienerschaft an und sagte: »Wie ist es 
mit euch? Habt ihr noch nicht gespeist? Geht fort, damit 
andere zum Dienst kommen.« Es rückte also eine neue 
Abteilung zur Ablösung an, und jene riefen: »Lebewohl, 
Gajus!«, diese »Sei gegrüßt, Gajus!« Hierauf wurde 
zum erstenmal unsere Heiterkeit gründlich gestört. Denn 
da unter den neuen Dienern ein recht hübscher Knabe 
eingetreten war, fiel Trimalchio über ihn her und küßte ihn 
längere Zeit ab. Fortunata fing nach dem Grundsatz c was 
dem einen recht ist, ist dem andern billig 5 auf Trimalchio 
zu schimpfen an, erklärte ihn für einen Auswurf und Schand- 
fleck, da er seine Begierde nicht im Zaum zu erhalten 
vermöge; schließlich fügte sie noch hinzu: »Du Hund!« 
Trimalchio seinerseits, durch die Schimpfreden beleidigt, 
warf ihr einen Becher ins Gesicht. Sie schrie, als ob sie 
ein Auge verloren hätte, und hielt die zitternden Hände 
vor das Gesicht. Auch Scintilla geriet außer Fassung 
und bedeckte ihre Freundin, die sich nicht beruhigen 
konnte, mit einem Teil ihres Obergewandes. Selbst der 
Knabe hielt dienstfertig einen kleinen kühlen Krug an ihre 



198 Cena Trimalchionis 74. 75. „ , , , 

Büchelei* 
,p.50 

frigidum ad malam eins admovit, super quem incumbens H 
Fortnnata gemere ac flere coepit. contra Trimalchio 
c quid enim?' inquit c ambubaia non meminit, sed de ma- 
china illam sustuli, hominem inter homines feci. at inflat 
5 se tanquam rana, et in sinum snnm non spuit, codex, non 
mulier. sed hie, qui in pergula natus est, aedes non som- 
niatur. ita genium meum propitium habeam, curabo, do- 
mata sit Cassandra caligaria. et ego, homo dipundiarius, 
sestertium centies aeeipere potui. scis tu me non men- 

lOtiri. Agatho, unguentarius herae proximae, seduxit me 
et cc suadeo M inquit "non patiaris genus tuum interire". at 
ego dum bonatus ago et nolo videri levis, ipse mihi as- 
ciam in crus impegi. recte, curabo, me unguibus quae- 
ras. et ut depraesentiarum intelligas, quid tibi feceris: 

löHabinna, nolo, statuam eins in monumento meo ponas, 
ne mortuus quidem lites habeam. immo, ut sciat me 
posse malum dare, nolo, me mortuum basiet. 3 

75 post hoc fulmen Habinnas rogare coepit, ut iam de-jBL 
sineret irasci et | c nemo 5 inquit c nostrum non peccat. ho- H 

20mines sumus, non dei.' | idem et Scintilla flens dixit ac Büc ^ lei4 
per genium eius Gaium appellando rogare coepit, ut se 
frangeret. non tenuit ultra lacrimas Trimalchio et c rogo* 



1 quem H quam Heinsites. 3 meminit Heinsms me misit H 
sed de Bücheier sede H machina Bücheier machillam H machilla 
Bwrmarm Bücheier I; vgl. c. 77 cellationem H statt cenationem. 
ö non spuit Eeinesitcs conspuit H 8 sit Bücheier si H 10 herae 
proximae Bücheler 9 '* (Scheffer herae proxime) here proxime H Bü- 
cheier I. 21 ut se frangeret Hemsms ut effrangeret H 



Gena Trimalchionis. 199 

Backe, auf welchen sie weinend und stöhnend das Gesicht 
legte. Dagegen sagte Trimalchio: »Was? diese Gassen- 
musikantin hat wol gar kein Gedächtnis? Ich habe sie 
von dem Gerüst auf dem Sklavenmarkt heruntergeholt 
und zu einer reputierlichen Person gemacht. Aber sie 
bläst sich auf, wie der Frosch in der Fabel, und es fällt 
ihr nicht ein, in ihren Busen zu spucken. Ein Stück 
Holz, nicht eine Frau! Aber wer in einer Bude geboren 
ist, träumt nicht von einem Palast. So wahr mein Schutz- 
geist mir gnädig sein soll, ich will schon dafür sorgen, 
daß diese Kommißprinzessin zur Bäson gebracht wird. 
Und ich dummer Kerl hätte zehn Millionen bekommen 
können! Du weißt, daß ich keine Lüge sage. Agatho, 
der Parfümeriehändler der Hausbesitzerin von nebenan, 
hat mich beiseite genommen und gesagt: »Ich rate dir, 
dein Geschlecht nicht aussterben zu lassen.« Aber ich, 
weil ich ein gutes Schaf bin und nicht für flatterhaft 
gelten möchte, habe mir selbst eine Axt ins Bein ge- 
hauen. Schon recht! Ich werde dafür sorgen, daß du 
mich noch einmal aus der Erde wirst kratzen wollen. 
Und damit du sofort erkennst, was du dir selbst zugefügt 
hast: Habinnas, du sollst keine Statue von ihr auf mei- 
nem Monument aufstellen, damit ich nicht noch nach dem 
Tode Zank und Streit habe. Nein, nein! Damit sie weiß, 
daß ich auch strafen kann, soll sie mich nach dem Tode 
nicht küssen dürfen!« 

Nach diesem Donnerwort fing Habinnas an zu bitten, 75 
daß er doch nun aufhören möchte, zu zürnen. »Niemand 
von uns,« sagte er, »ist fehlerlos. Wir sind Menschen, 
nicht Götter.« Dasselbe sagte auch Scintilla unter Weinen, 
und beschwor ihn bei seinem Genius, indem sie ihn Gajus 
nannte, sich erweichen zu lassen. Trimalchio hielt nicht 
länger seine Tränen zurück und sagte: »Ich bitte dich, 



200 Cena Trimalchionis 76. 

BücheleH 

p.51 

inquit Habinna, sie peculium tuum fruniscaris: si quidj? 

perperam feci, in faciem meam inspue. puerum basiavi 

frugalissimum , non propter formam, sed quia frugi est: 

decem partes dieit, librum ab oculo legit, thraecium sibi 

öde diariis fecit, arcisellium de suo paravit et duas trul- 

las. non est dignus quem in oculis feram? sed Fortunata 

vetat. ita tibi videtur, fuleipedia? suadeo, bonum tuum 

concoquas, milva, et me non faeias ringentem, amasiun- 

cula; alioquin experieris cerebrum meum. nostime: quod 

lOsemel destinavi, clavo tabulari fixum est. sed vivorum 
meminerimus. vos rogo, amici, ut vobis suaviter sit. nam 
ego quoque tarn fui quam vos estis, sed virtute mea ad 
hoc perveni. corcillum est quod homines facit, cetera 
quisquilia omnia. cc bene emo, bene vendo"; alius alia 

16 vobis dicet. felicitate dissilio. tu autem, sterteia, etiam- 
num ploras? iam curabo, fatum tuum plores. sed ut coe- 
peram dicere, ad hanc me fortunam frugalitas mea per- 
duxit. tarn magnus ex Asia veni, quam bic candelabrus 
est. ad summam, quotidie me solebam ad illum metiri 

20 et ut celerius rostrum barbatum haberem, labra de lucerna 
ungebam. tarnen ad delicias [femina] ipsimi [domini] 
annos quattuordeeim fui. nee turpe est, quod dominus iu- 
bet ego tarnen et ipsimae [dominae] satis faciebam. 
scitis, quid dicam: taceo, quia non sum de gloriosis. 



4 thraecium Bücheier thretium H thoracium Orelli. 5 arci- 
sellium Remesius Heinsius BücJieler* archisellium Bücheler* artissel- 
lium deleta priore s J31 7 fuleipedia] c recttm fultipedia oder fulcri- 
pedia Bücheier. 8 faeias Tüebomenm faejes H. 



Cena Trimalchionis. 201 

Habinnas, so wahr du wünschest, dein Hab und Gut zu 
genießen, wenn ich etwas Unrechtes getan habe, spucke 
mir ins Gesicht. Ich habe diesen ordentlichen Jungen 
geküßt, nicht wegen seiner Schönheit, sondern weil er 
brav ist: er dividiert mit zehn, er liest Bücherschrift 
ohne anzustoßen, er bat sich von seinem Deputat ein 
Thracierkosttim gekauft und einen Stuhl mit einer Bogen- 
lehne und zwei Näpfe. Verdient er nicht, daß ich ihm 
gut bin? Aber Fortunata erlaubt es nicht. Ist das deine 
Meinung, hochnäsige Person? Ich rate dir, ganz still 
auszuessen, was du dir eingebrockt hast, und mich nicht 
böse zu machen, Liebchen: sonst sollst du meine Hitze 
kennen lernen. Du kennst mich: was ich beschlossen 
habe, das ist fest wie mit einem Brettnagel angeschla- 
gen. Aber wir wollen an die Gegenwart denken. Ich 
bitte, Freunde, macht es euch gemütlich, denn ich bin 
auch so gewesen, wie ihr seid, aber durch meine Tüch- 
tigkeit bin ich so weit gekommen. Das bißchen Grütze 
im Kopf ist es, was die Menschen macht, alles übrige ist 
Quark. c Kaufe ich gut, so verkaufe ich gut': ein andrer 
wird euch was andres sagen. Ich platze vor Glück. 
Aber du Schnarchliese, weinst noch immer? Ich will 
schon dafür sorgen, daß du Grund haben sollst, über 
dein Schicksal zu weinen. Aber was ich sagen wollte, 
zu diesem Vermögen hat mich mein gutes Wirtschaften 
gebracht. Als ich aus Asia kam, war ich so groß als 
dieser Kandelaber da. Kurz und gut, ich pflegte mich 
alle Tage an ihm zu messen, und um schneller einen 
bärtigen Schnabel zu haben, rieb ich mir die Lippen mit 
Lampenöl ein. Dennoch blieb ich vierzehn Jahre lang 
ein Liebling des Prinzipals. Und was der Herr befiehlt, 
ist keine Schande. Ich befriedigte aber auch die Prin- 
zipalin. Ihr wißt, was ich meine: ich schweige, weil ich 



202 Cena Trimalchionis 76. 

Buchelei 
p.öl 

76 eeterum, quemadmodum di volunt, dominns in domo factus H 
sum, et ecce cepi ipsimi cerebellum. quid multa? cohe- 
redem me Gaesari fecit, et accepi Patrimonium laticlavium. 
nemini tarnen nihil satis est. concupivi negotiari. ne 
5 multis vos morer, quinque naves aedificavi, oneravi vinum 
— ■ et tunc erat contra aurum — misi Rom am. putares 
me hoc iussisse: omnes naves naufragarunt, factum, non 
fabula. uno die Neptunus trecenties sestertium devoravit. I 

putatis me defecisse? non mehercules mi haec iactura jj 

lOgusti fuit. tanquam nihil facti, alteras feci maiores et % 

meliores et feliciores, ut nemo non me virum fortem di- ! ; 

ceret. scitis, magna navis magnam fortitudinem habet ■. 

oneravi rursus vinum, lardum, fabam, seplasium, man- '-. 

cipia. hoc loco Fortunata rem piam fecit; omne enim : 

15 aurum suum, omnia vestimenta vendidit et mi centum 
aureos in manu posuit. hoc fuit peculii mei fermentum. j 

cito fit, quod di volunt. uno cursu centies sestertium Büc ^^ 
conrotundavi. statim redemi fundos omnes, qui patroni p * 
mei fuerant. aedifico domum, venalicia coemo iumenta; 

20quicquid tangebam, crescebat tanquam favus. postquam 
coepi plus habere, quam tota patria mea habet, manum 
de tabula: sustuli me de negotiatione et coepi per libertos 
faenerare. et sane nolentem me negotium meum agere 
exhortavit mathematicus , qui venerat forte in coloniam 

25nostram, Graeculio, Serapa nomine, consiliator deorum. 



8 Neptunus] neptunno H fuit. tanquam nihil facti, alteras Mi- 
chaelis fuit, tanquan nihil facti, alteras Bücheier. 10 facti] 
'factum tä videtur primo erat scriptum' Bücheier. 12 scitis Bü- 
cheier scis H. 18 conrotundavi H nach Keller. 19 *aut jumen- 
taque scribendum aut verbum velut paro intercidisse statuendum Bü- 
cheier I. 22 per libertos Heinsms Bücheier I ohne per H Buche" 
ler 2 ' 3 * 4 . 23 nolentem Scheffer Heinsius nolente H. 24 ex- 
hortavit] exoravit am Bande al. exhortavit H. 



Cena Trimalchionis. 203 

nicht zu den Prahlern gehöre. Übrigens wurde ich mit 76 
göttlicher Hilfe Herr im Hause, und mir nichts dir nichts 
hatte ich den Prinzipal in der Tasche. Um es kurz zu 
machen, er setzte mich zum Miterben des Kaisers ein, 
und ich bekam ein sehr anständiges Vermögen. Aber nie- 
mand hat an nichts genug. Ich bekam Lust, Geschäfte 
zu machen. Um euch nicht lange aufzuhalten, ich baute 
fünf Schiffe, lud Wein — und damals war er Gold 
wert — und schickte sie nach Rom. Man hätte denken 
mögen, ich hätte es so bestellt: alle Schiffe litten Schiff- 
bruch: Tatsache, keine Erfindung. An einem Tage 
schluckte der alte Neptun 30 Millionen. Glaubt ihr, daß 
ich die Courage verlor? Nein, meiner Treu, ich merkte 
den Verlust gar nicht. Als wenn nichts geschehen wäre, 
baute ich andre, größere, bessere und glücklichere, so 
daß jeder mich einen tüchtigen Kerl nannte. Ein großes 
Schiff, wißt ihr, hat eine große Kraft in sich. Ich lud 
wieder Wein, Pökelfleisch, Bohnen, Parfümerien, Skla- 
ven. Damals bewies Fortunata ihre Anhänglichkeit; denn 
all ihren Goldschmuck, all ihre Kleider verkaufte sie und 
gab mir hundert Goldstücke in die Hand. Das war der 
Sauerteig für mein Vermögen. Was die Götter wollen, 
geschieht schnell. Mit einer Fahrt schlug ich 10 Mil- 
lionen zusammen. Sofort kaufte ich alle Besitzungen zu- 
rück, die meinem früheren Herrn gehört hatten. Ich 
baue ein Haus, kaufe Wagen und Pferde, Sklaven; 
was ich anrührte, wuchs wie ein Pilz. Als ich mehr 
hatte, als meine ganze Vaterstadt — einen Strich ge- 
macht! Ich zog mich vom Handel zurück und machte 
Geldgeschäfte durch die Freigelassenen. Und das ist wahr, 
J? als ich mich um meine Angelegenheiten nicht kümmerte, 
2$ da hat mich ein Sterndeuter ermahnt, der gerade in 
f unsere Stadt gekommen war, ein griechisches Kerlchen, 



#• 

M 



204 Cena Trimalchionis 76. 77. 

Bücnele 

P-62 

hic mihi dixit etiam ea, quae oblitns eram; ab acia et # 

acu mi omnia exposuit; intestinas meas noverat, tantum 

quod mihi non dixerat, quid pridie cenaveram. putasses 

77 illum semper mecum habitasse. rogo , Habinna — puto, 

6 interf üisti — : "tu dominam tuam de rebus Ulis fecisti. 
tu parum felix in amicos es. nemo unquam tibi parem 
gratiam refert. tu latifundia possides. tu viperam sub 
ala nutricas* et, quid vobis non dixerim? et nunc mi 
restare vitae annos triginta et menses quattuor et dies 

lOduos. praeterea cito accipiam hereditatem. hoc mihi di- 
cit Fatus meus. quod si contigerit fundos Apuliae iun- 
gere, satis vivus pervenero. interim dum Mercurius vi- 
gilat, aedificavi hanc domum. ut scitis, casula erat; nunc 
templum est. habet quattuor cenationes, cubicula viginti, 

löporticus marmoratos duos, susum cenationem, cubiculum 
in quo ipse dormio, viperae huius sessorium, ostiarii cel- 
lam perbonam; hospitium hospites capit. ad summam, 
Scaurus cum huc venit, nusquam mavoluit hospitari, et 
habet ad mare paternum hospitium. et multa alia sunt, 

20 quae 'statim vobis ostendam. credite mihi: assem habeas, 
assem valeas; habes, habeberis. sie amicus vester, qui fuit 
rana, nunc est rex. interim, Stiche, profer vitalia, in 



3 mihi am Bernde hinzugefügt in H. 5 dominam tuam] domum 
oder dominium tuum Heinsius rebus Ulis corruptum Bücheier /rebus 
pusillis Heinsius rebus imis Hirschfeld. 8 quid vobis non dixerim? 
Scheffer Bücheier I quod vobis non dixerim, Bücheier &* et nunc] 
etiam nunc Jahn. 13 casula Heinsius cusuc H. 15 marmora- 
tos duos] marmoratis duos H cenationem Scheffer Bücheier cella- 
tionem H vgl machillam statt machinam c. 74. 18 mavoluit H 

mavolt Heinsius. 



Cena Trimalchionis. 205 

Serapa mit Namen, der hätte im Rate der Götter sitzen 
können. Der hat mir auch das gesagt, was ich selbst 
vergessen hatte, bis aufs Tüpfelchen hat er mir alles an- 
gegeben; er sah mich durch und durch, bis auf Herz 
und Nieren, es fehlte nur, daß er mir sagte, was ich Tags 
zuvor gespeist hatte. Man hätte glauben mögen, er habe 
immer mit mir zusammen gelebt. Ich frage dich, Habin- 77 
nas, du bist, denke ich, dabei gewesen: c Du hast die 
Prinzipalin auf die bewußte Weise in der Tasche gehabt. 
Du bist nicht glücklich mit deinen Freunden. Niemand 
weiß dir so viel Dank, als du verdienst. Du besitzest große 
Begtiterungen. Du nährst eine Schlange an deinem Busen.' 
Und, warum sollte ich es euch nicht sagen? daß ich 
jetzt noch 30 Jahre, 4 Monate und 2 Tage zu leben habe. 
Außerdem werde ich bald eine Erbschaft machen. So 
sagt mein Horoskop. Wenn es mir also noch glückt, 
meine Besitzungen mit Apulien zu verbinden, werde ich 
. es in meinem Leben weit genug gebracht haben. Unter- 
des habe ich unter dem Beistande des Mercurius dies 
Haus gebaut. Wie ihr wißt, war es eine Baracke, jetzt 
ist es ein Tempel. Es hat vier Speisesäle, zwanzig 
Zimmer, zwei mit Marmor ausgelegte Kolonnaden, oben 
einen Speisesaal, das Schlafzimmer, in dem ich selbst 
schlafe, das Wohnzimmer dieser Viper, eine sehr gute 
Kammer für den Türhüter, die Gastzimmer haben Raum 
für Gäste. Kurz und gut, wenn Scaurus hergekommen 
ist, hat er nirgendwo anders wohnen wollen, und er hat 
ein Absteigequartier an der See von seinem Vater geerbt. 
Und da ist noch vieles andre, was ich euch zeigen will. 
Glaubt mir, habe einen As, so giltst du einen As, was du 
hast, dafür wirst du gelten. So ist euer Freund, der 
nur ein Wurm war, jetzt ein großer Mann. Unterdes 
Stichus, bringe einmal die Totenkleider, in denen ich 



206 Cena Trimalchionis 77. 78. „ , . 

Büchele 

P ,Ö2 
quibus volo me efferri. profer et unguentum et ex illas: 

amphora gustum, ex qua iubeo lavari ossa mea/ 
78 non est moratus Stichus, sed et stragulam albam et 
praetextam in triclinium attulit 
öiussitque nos temptare, an bonis lanis essent confecta. tum 
subridens c vide tu' inquit c Stiche, ne ista mures tangant 
aut tineae; alioquin te vivum comburam. ego gloriosus 
volo efferri, ut totus mihi populus bene imprecetur. 3 sta- 
tim ampullam nardi aperuit omnesque nos unxit et c spero' 
10 inquit c futurum ut aeque me mortuum iuvet tanquam vi- 
vum/ nam vinum quidem in vinarium iussit infundi et 
c putate vos* ait c ad parentalia mea invitatos esse/ 

ibat res ad summam nauseam, cum Trimalchio ebrie- Büc ^| le 

7 p. 00 

täte turpissima gravis novum acroama, cornicines, in tri- 
15 clinium iussit adduci, fultusque cerviealibus multis exten- 
dit se super torum extremum et c fingite me* inquit Mor- 
tuum esse, dicite aliquid belli/ consonuere cornicines 
funebri strepitu. unus praecipue servus libitinarii illius, 
qui inter hos honestissimus erat, tarn valde intonuit, ut 
20totam concitaret viciniam. itaque vigiles, qui custodie- 
bant vicinam regionem, rati ardere Trimalchionis domum, 

(S. X *■ 

effregerunt ianuam subito et cum aqua securibusque tumul- 
tuari suo iure coeperunt. nos occasionem opportunissimam 
nacti Agamemnoni verba dedimus raptimque tarn plane 
25 quam ex incendio fugimus. 



18 libitinarii Seheffer libertinarii H c unde coniciat aliquis qui 
inter collibertos (hos libertinos)' Büchder*' * inter hos] inter suos 
Heraus. 24 tarn plane quam H plane tamquam Jahn. 



Cena Trimalchionis. 207 

mich begraben lassen will. Bringe auch das wohlriechende 
Wasser und eine Probe zum Kosten aus jener Amphora, 
aus der meine Gebeine gewaschen werden sollen.« 78 

Stichus beeilte sich und brachte sofort einen weißen 
Teppich und eine Toga mit Purpursaum in den Speisesaal 
und er ließ uns sie befühlen, ob sie aus guter Wolle 
gearbeitet seien. Dann sagte er lächelnd: »Gib acht, Stichus, 
daß nicht die Motten oder die Mäuse darüber kommen, 
sonst lass' ich dich lebendig verbrennen. Ich will ein fa- 
moses Begräbnis haben, so daß die ganze Bürgerschaft mir 
gute Wünsche nachruft.« Sogleich öffnete er eine Flasche 
Nardenessenz, bestrich uns alle damit und sagte: »Ich 
hoffe, daß mir dies nach dem Tode eben so gut tun 
wird wie im Leben.« Was den Wein betrifft, so ließ er 
ihn in den Weinbehälter gießen und sagte: »Denkt euch, 
ihr seid zu meiner Leichenfeier eingeladen.« 

Die Sache wurde im höchsten Grade ekelhaft, als 
Trimalchio in der widerlichsten Trunkenheit zu einer 
neuen Unterhaltung Hornbläser in den Speisesaal kommen 
ließ, sich auf viele Kissen gestützt bis über den Band 
des Polsters ausstreckte und sagte: »Stellt euch vor, daß 
ich gestorben bin. Gebt etwas Hübsches zum besten.« 
Die Hornbläser bliesen ein Tutti wie bei einem Begräb- 
nis. Besonders ein Sklave jenes Begräbnisunternehmers, 
der in dieser Gesellschaft zu den anständigsten Personen 
gehörte, blies ein solches Fortissimo, daß er die ganze 
Nachbarschaft aufweckte. Daher glaubten die Feuer- 
wehrleute, welche den nächsten Bezirk bewachten, Tri- 
malchios Haus brenne, brachen plötzlich die Tür auf 
und begannen mit Wasser und Äxten zu wirtschaften, 
wie sie dazu befugt sind. Wir erhielten damit eine 
äußerst günstige Gelegenheit, schlugen dem Agamemnon 
ein Schnippchen und flohen eilig wie aus einer Feuers- 
brunst davon. 



Anmerkungen. 

c. 26 yenerat iam tertius dies, id est expectatio liberae 
cenae, sed tot Tulneribns eonfossis fnga magis placebat quam 
quies. itaque cum maesti deliberaremus, qnonam genere prae- 
sentem erftaremus procellam, etc. Welche Leiden der Erzähler 
Encplfrfos und sein Gefährte Ascyltos ausgestanden hatten, erfah- 
ren wir durch die in den Exzerpten erhaltenen Fragmente der Er- 
zählung ebensowenig, als welches Unheil ihnen drohte. Bei den 
Vorwürfen, die Ascyltos dem Encolpios macht (c. 9 gladiator ob- 
scene, quem de ruina harena dimisit — nocturne percussor, qui 
ne tum quidem, cum fortiter faceres, cum pura muliere pugnasti) 
bleibt es zweifelhaft, was davon als wirklich geschehen gelten 
soll. Nach den eigenen Angaben des Encolpios über seine jüng- 
sten Erlebnisse (81 effugi Judicium, harenae imposui, hospitem 
occidi) scheint er allerdings in Gefahr gewesen zu sein, als Gla- 
diator fechten zu müssen, oder dies wenigstens geglaubt zu haben. 
Aber da er dieser Gefahr entgangen, sein Gefährte ihr gar nicht 
ausgesetzt war, kann der Ausdruck libera cena (die den Gladia- 
toren am Tage vor ihrem Auftreten gegebene Mahlzeit, Frdl bei 
Marquardt StV III 561,8) unmöglich im eigentlichen Sinne des 
Worts verstanden werden. Vielmehr ist diese, vor dem Eintritt 
jener procella in Aussicht stehende > Henkermahlzeit < offenbar 
eben das Gastmahl des Trimalchio, zu dem Encolpios und Ascyl- 
tos als Schüler des Rhetors Agamemnon eingeladen sind (prae- 
ceptoris9, der seinerseits auch ferner eingeladen zu werden hofft: 
sciebat quibus meritis revocaretur ad cenam 52). Deshalb gehn 
sie mit Agamemnon zusammen hin (28) und müssen, da sie ohne 
ihn fortgehn wollen, von ihm unbemerkt aufbrechen (78 nos Aga- 
memnon! verba dedimus raptimque — fugimus). Encolpios hat sei- 
nen Platz an der Tafel neben Agamemnon (49 inclinatus ad aurem 
Agamemnonis 65 risit hanc trepidationem Agamemnon), Ascyltos 
wol in der Nähe (72 ego respiciens Ascylton). 

tertius dies, id est expectatio liberae cenae. Die Verbin- 



Anmerkungen zu 26. 209 

düng der beiden Glieder mit id est schrieb Jahn (bei Wehle p. 49 
adn.) dem hier stark abkürzenden Epitomator zu. Daß der ganze 
Zusatz id est expectatio liberae cenae (wie auch Bücheier vermutet) 
von ihm herrührt, ist sehr unwahrscheinlich, da sich sonst nirgend 
eine Spur einer selbständigen Interpolation zeigt. Falls die Worte 
id est-cenae von Petron herrühren, verlangt Bücheier et für id est: 
doch ist das letztere, wie Klebs bemerkt, hier nicht auffallender 
als c. 87 ut reverteretur in gratiam meorum , id est, ut pateretur 
satis fieri sibi und c. 130 cibis validioribus pastus, id est bulbis 
cochlearumque sine jure cervicibus. 

quonam genere soviel als qua ratione. Dieser Gebrauch findet 
sich, wie Madvig Fin. II 3 (alio genere = alio modo) p. 161 bemerkt, 
schon bei Cicero (De orat. II 186 Verr. II 149 ad Att. II 20,4 
VI 2,4 duobus generibus) und dann ganz gewöhnlich bei den Auto- 
ren der silbernen Latinität, besonders Seneca (quo genere Beneff. 
II 10,2; V 20,4 Epp. 64,1; multis generibus Epp. 95,29). Plin. N. h. 
XIX 144 genus inserendi. Müller. 

unus seryus Agamemnonis wie unus praecipue servus 78 
unius hominis 97 unum nautam 102. Vgl. Paul De unius numera- 
lis apud priscos scriptores usu p. 43—51. Eiese zu Catull 22,10. 

interpellavit. 39 interpellavit tarn dulces fabulas Trimalchio 
53 et plane interpellavit saltationis libidinem actuarius. 69 inter- 
pellavit loquentem Scintilla. Ebenso 94 f. 106. 107. 108—115. 

vos — nescitis. Über den pleonastischen Gebrauch des per- 
sönlichen Pronomens zu 31 damnavi ego. 

hodie apud quem flat: bei wem es einen Schmaus gibt, ist 
wol aus der Bedeutung facere »opfern« zu erklären, da Opfern 
und Schmaus stets verbunden waren. Müller. 

Trimalchio. Der Name scheint ein bezeichnender zu sein 
(von denen der übrigen hier vorkommenden Personen ist es kei- 
ner). In einem lateinisch-griechischen Glossar (Corp. Gloss. II 
p. 126,27) wird malchio mit d-rfi^ übersetzt. Ist das Wort semi- 
tischen Ursprungs, wie Bücheier vermutet (N. Schweiz. Mus. III 
[1863] S. 29,6), so muß es wol eigentlich einen »reichen übermü- 
tigen Herrn« bedeuten, was an der einzigen Stelle, wo es als ap- 
pellativum vorkommt (Martial. 11182,32), besonders gut paßt. Als 
cognomen findet es sich öfter: vgl. meine Anmerkung a. a. 0. und 
Nettleship Contributions to latin lexicography s. v. malchio. Tri- 
zur Bezeichnung der höchsten Potenz findet sich in den plautini- 
schen Wörtern trifur trifurcifer triparcus trivenefica, ferner in Tri- 
phallus Priap. 83,9 und Trismegistus. Für den Trimalchio Petrons 
paßt die angegebene Bedeutung am besten. Falls die Angabe 

Petronii Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 14 



210 Anmerkungen zu 26. 27. 

des Glossars zuverlässig ist, müßte sie sich mit der Zeit erweitert 
haben. 

lautissimus homo. Zu 27 lautitias. 

bneinatorem: der also am Schlüsse jeder Stunde blies. 

Gitona libentissime servile officium tuentem usque hoc in- 
bemus in balneo sequi. Falls die Stelle nicht durch die Epito- 
mierung gelitten hat (vgl. die krit. Anm.), ist usque hoc vielleicht 
nur verstellt. In der Bedeutung von huc usque (hoc die Form der 
Umgangssprache für das hochlateinische huc Wölfflin Archiv VII 
1890 S. 232, vgl. Bücheier- Windekilde 102) würde es vor libentis- 
sime vollkommen am Platze sein. Verstellungen sind in H nicht 
selten. Wie Heinze Hermes XXXIV 498,1 bemerkt, scheint Giton 
ingenuus zu sein. Aus dieser Stelle geht hervor, daß er zum ser- 
vile officium nicht verpflichtet war. Beim Sklaven würde man 
auch bildlich kaum von dies togae virilis sprechen (81). 

in balneo sequi: in dem Bade, in welches Encolpios und 
Ascyltos sich begeben wollen, als pedisequus (Marquardt Prl I 
148,1) hinter ihnen herzugehen. Vgl. 91, wo die Szene ebenfalls ein 
balneum ist: video Gitona cum linteis et strigilibus (die eben der 
pedisequus dem Herrn im Bade nachzutragen hatte) parieti appo- 
situm, tristem confusumque. scires non libenter servire. 

27 nos Interim vestiti errare coepimus. Hier befinden sich 
Encolpios und Ascyltos bereits in einem für Leibesübungen und 
Ballspiel eingerichteten Räume des balneum (Marquardt Prl I 281, 
6 u. 7). Es ist also vor nos eine Lücke, worauf auch interim 
deutet; vgl. zu 60 inter haec und zu 31 tandem ergo discubuimus. 

errare coepimus* Über coepi mit dem Infinitiv: Georges 
Berl. philol. Wochenschr. 1887 Sp. 260—252. Diese öfter beinahe 
einer Umschreibung des Präteritums gleichkommende Verbindung 
ist bei Petron häufig. Mit dem Infinitiv hat er es 93, ohne ihn 
nur 2 Mal (58 sed cum coepi 94 prior coepi). Vgl. 33 interrogare 
coepi 34 coepit everrere 37 longe accersere fabulas coepi 40 canes 
— circa mensam discurrere coeperunt 41 coepimus invitare con- 
vivarum sermones etc. Segebade und Lex. Petr. Vgl. zu 70 jam 
coeperat Fortunata velle saltare. 

inter pneros capiUatos. Pagen, die man, wie Knaben über- 
haupt, bis zur Mannbarkeit Locken tragen ließ. Zu Martial II 57,5. 
Daher sagt Trimalchio 63 cum adhuc capillatus (ein Knabe) es- 
sem; 29 ipse Trimalchio capillatus; 57 puer capillatus in hanc 
coloniam veni; vgl. zu 58 caepa cirrata und comula besalis (des 
16jährigen Giton). Auch 70 pueri capillati attulerunt unguentum. 



Anmerkungen zu 27. 211 

pater familiae. Ebenso 31 (pantomimi ehomm non patris fa- 
miliae trielinium crederes). 86. 113. 

notarimus etiam res novas« Notare in der Bedeutung von 
animadvertere ist bei Petron häufig: 11 f. 27. 29. 33. 36. 67. 70. 
bis. 73. 82. 102. 104; mit sibi (mihi) 6. 103. 111. Studer S. 90 
Wehle p. 41 Segebade p. 11. Ebenso bei Seneca Neo injur. nee 
contumel. 13,1 Epp. 30,13 Cons. ad Helv. 12,1 und Martiai II 71,1 
V 49,7 IX 25,2 XI 99,1. 

quorum alter mateilam tenebat argenteam. Gewöhnliche 
matellae waren fictiles Martiai XIV 129 oder aus Kupfer (Bronze) 
Juvenal 10,64; doch gab es auch silberne (scaphia) Ulpian. Digg. 
XXXIV 2,27 § 5 und solche, die mit Arbeiten berühmter Gold- 
schmiede verziert waren (Martiai. XI 11,6). 

alter numerabat pilas. Seneca Epp. 55,1 si vero pilicrepus 
supervenit et numerare coepit pilas, actum est. 

non qnldem eas quae inter manus lusu expellente ribra- 
bant, sed eas qnae in terram deeidebant* Nach den Worten 
lusu expellente (ein technischer Ausdruck?) muß hier von einem 
Prellen des Balls die Rede sein. Seneca Nat. qu. VI 10,2 more 
pilae, quae cum cecidit, exsultat ac saepius pellitur, totiens a solo 
in novum impetum missa. Doch kann das Spiel nicht das mit ex- 
pulsim ludere (Marquardt Prl II 843, 5 u. 6) bezeichnete sein. Dies 
wurde entweder von Einem gespielt, der den Ball auf den Boden 
(oder gegen eine Wand) warf, so daß er zurücksprang und mit 
der flachen Hand wiederholt geprellt werden konnte; oder, wenn 
von Mehreren, so, daß der siegte, der es am längsten fortsetzte, 
ohne den Ball fallen zu lassen. Hier dagegen fliegen die Bälle 
zwischen den Spielern hin und her. Es war also vermutlich eine 
Verbindung von expulsim und datatim ludere: der eine Spieler 
warf den Ball auf den Boden, und wenn er zurückprallte, wurde 
er von dem nächsten gefangen und wieder geprellt, um wieder 
von dem nächsten gefangen und geprellt zu werden, und so fort. 
Und während sonst die Sprünge der Bälle gezählt wurden (vgl. 
die oben angeführte Stelle Seneca Epp. 55,1) , werden hier die 
Bälle gezählt, die auf die Erde fallen. An diesem Spiel betei- 
ligt sich Trimalchio nur insofern, als er fortwährend Bälle auf die 
Erde wirft, ohne die zurückspringenden zu fangen (nee amplius 
eam repetebat quae terram contigerat). Bloch S. 542 f. findet hier 
eine Verbindung von Verschwendung und Knauserei, da die ge- 
fallenen Bälle scheinbar für Trimalchio nicht mehr existieren, in der 
Tat aber hernach wieder zusammengesucht werden. 

yibrabant. 47 ejusmodi fabulae vibrabant. Studer S. 89. Se- 
neca Epp. 49,8 quum hostilia in portis tela vibrarent. 

14* 



212 Anmerkungen zu 27. 

Cum has ergo miraremur lautitias. 34 potantibus ergo no- 
bis et accuratissime lautitias mirantibus. Lantitiae ist ein von 
Petron mit Vorliebe von Trimalchios (des lautissimus homo 26) Ver- 
anstaltungen (doch auch 21 reliquus lautitiarum apparatus 65 lau- 
tum novemdiale) gebrauchtes Wort: 32 in his eramus lautitiis 47 
in medio lautitiarum quod ajunt clivo laborare 57 an tibi non 
placent lautitiae domini mei? 70 has lautitias aequavit ingeniosus 
cocus 73 ubi Fortunata disposuerat lautitias. Vgl. 31 gustatio 
valde lauta. 

Menelaus s Der noch 81 erwähnte antescholarius, Vorschullehrer 
(subdoctor, proscholus SG I 322,1) des Agamemnon. 

hie est — apud quem cubitum ponetis: man stützte, bei 
Tische liegend, den linken Arm auf ein Kissen; 39 reclinatus in 
cubitum 65 reposui cubitum. Vgl. Horat. S II 4, 39 und andere 
Stellen bei Marquardt Prl I 303,2. [Calpurn. Ecl. 6,71 : Seu resi- 
dere libet, dabit ecce sedilia tophus, Ponere seu cubitum, melior 
viret herba tapetis. E&räus.] 

et quidem iam prineipium cenae videtis. Die gymnastischen 
Übungen und das Bad kann man kaum ohne Zwang von einem 
Anfange der Mahlzeit oder selbst einem Vorspiel zu derselben 
(Sueton. Nero 21 SG III 366,1) verstehn. Vielleicht ist am Ende 
dieses Kapitels die Erwähnung eines Imbisses ausgefallen, den Tri- 
malchio vor dem Bade einnahm (vgl. die Anm. zu 28 init.). Dazu 
stimmt, daß er an der Tafel erst erscheint, nachdem die gustatio 
schon größtenteils vorüber ist (32). Daß man in den Bädern ge- 
rade Speisen, die zur gustatio gehörten, zu sich nahm, zeigt Mar- 
tial. XII 19 In thermis sumit lactucas ova lacertum (vgl. meine 
Anm. u. Marquardt Prl I 326—328). 

Trimalehio digitos concrepuit, ad quod Signum matellam 
spado ludentl subiecit. Vgl. Martial. III 82,15 digiti crepantis 
signa novit eunuchus. XIV 89,1 Cum peteret seram media iam 
nocte matellam Arguto madidus pollice Panaretus etc. XIV 119 
Matella fictilis. Dum poscor crepitu digitorum et vena moratur, 
quotiens paelex euleita facta mea est. Marquardt Prl I 178,11. 
Otto Spr. concrepare (Cic. Off. III 19,76 si digitis concrepuerit. auf 
den ersten Wink). 

aquam poposcit ad manus. Über aquam poscere ad manus, 
in manus, manibus Heraus S. 31. 

digitosque paululum adspersos in capite pueri tersit. Vgl. 
57 contubernalem meam redemi, ne quis in sinu (so Heinsius, in 
capite Eeinesius) illius manus tergeret. 



Anmerkungen zu 28. 213 

28 longnm erat singnla excipere. Die Einzelheiten, deren 
Mitteilung zu weit führen würde, können nicht die des zuletzt 
erzählten Vorganges sein, da diese ja aufs genaueste beschrieben 
sind. In der ausgelassenen Stelle war erzählt, wie Trimalchio (wol 
nach Einnehmen eines Imbisses, s. oben) sich ins Bad begab und 
was alles dabei geschah: dies ist es, was mit allen Einzelheiten 
zu erzählen, zu lange gedauert haben würde. 

et sudore calfacti momento temporis ad frigidam eximus: 
zur kalten Übergießung nach dem Schwitzbade. Marquardt Prl 
1,280,6. momento temporis: um den mit seinem Bade bereits 
fertigen Trimalchio nicht warten zu lassen. 

tres Interim iatraliptae in conspeetn eins Falernnm pota- 
bant* Iatraliptae werden hier wol zuerst erwähnt. Vermutlich 
war die Heilgymnastik infolge von Neros Vorliebe für griechische 
Gymnastik Mode geworden. SG II 486 f. 

Falernnm potabant. Trinken von Falerner im Bade auch 
Martial. XII 70; vgl. Marquardt Prl I 281,4. 

et cnm plnrimnm rixantes effunderent, Trimalchio hoc 
snnm propinasse dicebat. Wenn, wie es scheint, Trimalchio hier 
einen abgeschmackten Scherz macht, bleibt es doch (vorausgesetzt, 
daß die Überlieferung richtig ist, vgl. die krit. Anm.) ungewiß, 
was er meint; denn in welchem Sinne er das Verschütten des 
Weins als Zutrinken bezeichnen kann, ist eben so wenig klar, als wie 
dies selbst nach seiner Ansicht komisch oder witzig sein soll. Bedeu- 
tet etwa propinare hier so viel als upoirlveiv bei Martial V 78 : vor 
der Mahlzeit trinken (vgl. meine Anm.)? Und will Trimalchio 
sagen, daß er diesen Teil des principium cenae (s. oben 27) von 
seinen Leuten ausführen läßt, da er jetzt selbst zu trinken nicht 
Lust hat? Oder ist suum für den Genetiv pluralis von sus zu 
halten? Wenn auch (nach Wölfflin Archiv III 76 ff.) bis in die 
erste Hälfte des 5. Jahrhunderts der substantivierte Infinitiv nur 
den Genetiv eines Pronomens zu sich nimmt, nicht den eines Sub- 
stantivs, so könnte immerhin die Vulgärsprache der Schriftsprache 
hierin um Jahrhunderte vorausgegangen sein (Bloch S. 643). Übri- 
gens bedeutet propinatio (das c. 113 in der gewöhnlichen Bedeu- 
tung vorkommt) CIL V 5272 (= Or. 7336) 4449 und cod. Corb. Esth. 
7,2 bei ßönsch Itala 321 ,Trinkgelage'. Heraus S. 26. 

Nach GVidossich Un pregiudizio italiano (p. 373—376) ist es 
ein im heutigen Italien, besonders auch im Süden, sehr verbreiteter 
Volksglaube, daß vergossener Wein als segno d'allegria von glück- 
licher Vorbedeutung sei. Diesen Glauben setzt V. auch bei Tri- 
malchio voraus, der sich über das brindisi bene augurante freue, 



214 Anmerkungen zu 29. 

das seine Sklaven ihm bringen. Hiernach wäre propinasse zu- 
trinken. 

praecedentibus phaleratis cursoribus quattuor. Mit phale- 
rae (metallenen Schildplatten, die zum Schmuck des Riemenzeugs 
an Kopf und Brust der Pferde, außerdem als militärische Ehren- 
zeichen dienten : Marquardt Prl II 675 StV II 575) versehene Läu- 
fer. Nero reiste stets mit armillata falerataque Mazacum turba 
atque cursorum Sueton Nero 30. War etwa dadurch auch dies 
Mode geworden? Die Angabe von Georges, daß bei Martial 
falerati cursores vorkommen, beruht auf einem Irrtum. 

deliciae eins — puer vetulus, lippus, domino Trimalchione 
deformior, 64 Trimalchio. — ad delicias suas respexit, quem 
Croesum appellabat. puer autem lippus, sordidissimis denti- 
bus etc. 

ad capnt eins symphoniacus cum minimis tibiis accessit« 
Die hier und später in dem Übermaß der Tafelmusik (31. 32. 33. 
35. 36. 41. 47) und eignem Dilettantismus (64. 73) zur Schau ge- 
tragene Liebhaberei Trimalchios für Musik gehört wol zu den Mo- 
den der neronischen Zeit. SG III 353,3; 367,5. 

ostiarius prasinatus. Etwa als Anhänger der grünen Zirkus- 
partei (prasinianus) ? Trimalchios Sklave Philargyrus ist ein pra- 
sinianus famosus und sein Koch fordert ihn zu einer Wette auf, si 
prasinus proximis circensibus primam palmam (70). Vgl. SG II 343,1, 
zu Martial. XIV 131 und oben S. 75. 

piscem purgabat. Ed. Diocl. 6,38 faba viridis purgata ausge- 
hülste (Blümner). Heraus. 

cavea — in qua pica varia intrantes salutabat. Eine Novi- 
tät? Plin. N. h. X 78: nuper et adhuc tarnen rara ab Appennino 
ad urbem versus cerni coepere picarum genera, quae longa insig- 
nes cauda, variae appellantur. Ib. 118 : expressior loquacitas generi 
picarum (sc. quam psittacorum) est. Vgl. Jahn ad Pers. Prol. 8 
und zu Martial. XIV 73. 

29 ceterum ego. Über den Gebrauch von ceterum bei Über- 
gängen Segebade 37. Vgl. 32 ceterum in promulsidari etc. 

non longe ab ostiarii cella canis Ingens, catena vinctus, in 
pariete erat pictus superque quadrata littera scriptum 'cave 
canem\ Die Wand, an der der Hund gemalt ist, ist die der Flur 
unmittelbar hinter der Schwelle, die sonst ins atrium, hier in eine 
porticus führt. In dem Hause des tragischen Dichters in Pompeji 
ist der Kettenhund mit der obigen Inschrift auf dem Fußboden 
dieser Flur in Mosaik dargestellt. Overbeck-Mau Pompeji 4 S. 255. 
Marquardt Prl I 236 f. Hier hat der ostiarius aber auch einen 



Anmerkungen zu 29. 215 

wirklichen Kettenhund bei sich: 64 ingentis formae canis catena 
vinctus. 72 canis catenarius. 

quadrata littera. Wenn auch nicht alle Buchstaben der da- 
maligen Steinschrift quadratische oder der quadratischen sich nä- 
hernde Form haben, so rührt diese Benennung doch gewiß von 
der Form der Buchstaben und nicht von dem Material der Schrift 
her, wie Hübner mit Hinweisung auf lapides quadrati, saxa qua- 
drata, opus quadratarium , artifices quadratarii annimmt (Exempla 
scriptur. epigraph. latinae 1885 p. XXVI: propterea igitur quod in 
opere quadrato litterae illae usurpabantur, quadratae dictae sunt 
sive lapidariae). 

ego autem. Über die Stellung der betonten, wie der ton- 
losen Pronomina bei Petronius s. Meyer-Lübke zur Stellung der 
tonlosen Objektspronomina, Ztschr. f. roman. Philologie XXI (1897) 
S. 332 f. 

non destiti totum parietem persequi. Dies ist nicht mehr 
die Wand der Flur, sondern die der Porticus. Denn in demselben 
Baum, an dessen Ende (in deficiente — iam porticu) das letzte 
Bild sich befindet , müssen auch die übrigen sein. Bloch (S. 543) 
hält die Porticus für das Atrium, den Platz für das armarium denkt 
er sich in einer der alae, die Gemälde, nach denen Encolpius fragt, 
an der Mittelwand der ala. Das Gastmahl finde im tablinum oder 
einen unmittelbar daneben gelegenen Speisesaal statt. 

Doch eine porticus, in der für die Übungen einer Schar von 
Läufern Raum , und überdies (c. 72) eine piscina ist, kann kein 
atrium sein. Mau versteht (nach brieflicher Mitteilung) unter por- 
ticus einen von Säulenhallen umgebenen Hof, etwas wie ein Peri- 
styl. Ob ein atrium als vorhanden zu denken ist, scheint ihm 
zweifelhaft (in atrio Bücheier 4 p. 21,23 ist Konjektur statt des in H 
überlieferten precario). Auch aus dem atriensis (dem Haushof- 
meister) ist nicht notwendig auf ein atrium zu schließen, noch 
weniger, daß der Raum, wo er auftritt, ein atrium ist >Wir müssen 
uns davor hüten, das pompejanische Hausschema ohne weiteres in 
der Stadt Trimalchios vorauszusetzen; schon in Herculaneum sehen 
die Häuser ganz anders aus. Ich mache mir von Trimalchios Haus 
keine Vorstellung, außer daß es zwei Peristylien hatte, von denen 
eines direkt von der Straße zugänglich war.« 

ubi ipse Trimalchio capillatus caduceum tenebat. Für ubi 
statt des überlieferten aut führt Müller folgende Parallelstellen 
an : Plaut. Most. 832 viden pictum ubi Ludificat cornix una vol- 
turios duos. Cure. 424 Signum ubi. Men. 143 tabula pieta ubi« 
Fronto 51 Nab. fabula ubi. Petron. 52. capides ubi 48 fabulam 



216 Anmerkungen zu 29. 

quemadmodum 52 scyphi quemadmodum. Capillatus als Knabe: 
oben zu 27 inter pueros capillatos. Trimalchio sagt 76 tarn magnus 
ex Asia yeni quam hie candelabrus est. 

caduceum: Das Attribut seines Beschützers, des Handelsgottes, 
als künftiger Handelsherr. Vgl. unten levatum mento in tribunal 
excelsum Mercurius rapiebat 67 ex millesimis Mercurii 77 dum 
Mercurius vigilat. 'Huius dei nomen in donationibus a seviris factis 
frequentissime reperitur.' Schmidt p. 83. 

Mlnerraque dueente: als der Verleiherin der Fähigkeiten, 
denen er sein Fortkommen verdankt, namentlich der Kunst des 
Rechnens. 

Romam intrabat. Die Konjektur von Studer (Observationes 
in Petronii cenam Trimalchionis 1839 p. 8) coloniam intrabat ist 
verfehlt. Allem Anschein nach ist Trimalchio aus seiner Heimat 
Asia zuerst auf den Sklavenmarkt zu Rom als den größten ge- 
bracht worden, und erst später als Sklave des C. Pompeius nach 
Campanien gekommen. 

quemadmodum — denique dispensator f actus esset: die 
höchste einem Sklaven zugängliche Vertrauensstellung. Marquardt 
Prl 1 155 SG 1 128. Wenn denique richtig ist, hat der Epitomator 
hier wol gekürzt. 

in defleiente — porticu. Martial. Sp. 5,10 ultima pars auiae 
deficientis erat. Petron. 11 deficiente iam die. 

levatum mento« Vielleicht wollte der Maler diese Gebärde 
in dem Sinne verstanden wissen, den 43 et quod illius mentum 
sustulit hat. 

in tribunal excelsum Mercurius rapiebat. 71 facias — me 
in tribunali sedentem praetextatum etc. Das Sitzen auf dem tri- 
bunal (partim dum ludis praesiderent, partim dum epulas se viral es 
dividerent) gehörte zu den Ehrenrechten der Sevirn. Schmidt p. 81. 

tres Parcae aurea pensa torquentes. Solche läßt Seneca 
Apocol. 4 die Parzen für Nero spinnen: (Lachesis) 5 Candida de 
niveo subtemine vellera sumit Felici moderanda manu, quae dueta 
colorem Adsumpsere novum. mirantur pensa sorores: Mutatur 
vilis pretioso lana metallo, Aurea formoso descendunt saeeuia filo. 

notavi: zu 27 notavimus. 

in porticu gregem cursorum cum magistro se exercentem. 
Primus Caes. n. servus exerchitator (sie) cursorum: Eph. ep. V 
p. 304 nr. 366 (Begräbnisplatz kaiserlicher Sklaven und Freige- 
lassener bei Karthago.) Vgl. Hirschfeld Verwaltungsbeamte S. 203 f. 
Lauf Übungen in der porticus Europae Martial. II 14,4; VII 32,12. 



Anmerkungen zu 29. 30. 217 

grande armarium — in culus aedicula erant Lares argentei 
positi Yenerisque Signum marmoreum. In vielen pompejanischen 
Häusern findet sich das Lararium in Form einer aedicula, am 
häufigsten im Atrium. Marquardt Prl I 240,3. Neben den beiden 
Laren befand sich dort gewiß auch die Figur des Genius des 
Hausherrn, alle drei werden später (60) auf die Tafel gesetzt. 
Außer den Laren waren im Lararium auch Bilder anderer als 
Schutzgötter oder sonst besonders hoch verehrter Götter (a. a. 0. 
Anm. 5). Venus mag Trimalchio als seine Beschützerin angesehn 
haben, da er ihr ehemals die Gunst seines Herrn und seiner Herrin 
verdankt hatte (75) und damit seinen Reichtum. 

et pyxis aurea non pusüla, in qua barbam ipsius conditam 
esse dicebant. Der erste Bart wurde den Göttern geweiht und 
diese depositio barbae (73 barbatoria) festlich begangen. Mar- 
quardt Prl H 600, Mayor zu Juvenal. 3,186 und die Anm. zu 73 
barbatoriam fecit. 

ipsius« Über den Gebrauch von ipse für dominus zu 63 ip- 
simi nostri. 

interrogare ergo atriensem coepi. Zu 26 errare coepimus. 

atriengem« Marquardt Prl 1 142.1. Befindet sich der Erzähler 
hier bereits in dem an die porticus stoßenden atrium, aus welchem 
der atriensis wol auch 72 in die porticus kommt? 

qnas in medio pictnras haberent. Die Beschreibung der 
übrigen im Atrium (?) befindlichen Gemälde ist also ausgefallen. 
Wenn der Erzähler sich nach dem Gegenstande der Bilder »in der 
Mitte« erkundigen muß, konnte er sie nicht deutlich sehn. Die 
Dimensionen des Atriumf?) sind also, wie die der Porticus (oben zu 
ergo autem — non destiti etc.) ganz ungewöhnlich große. 

Iliada et Odyssian, inquit, ac Laenatis gladiatorinm mnnns. 
Über mythologische Wandmalereien als die gewöhnlichsten SG III 
223,4; Bilder von munera II 521 ff. Beide Arten von Darstellun- 
gen (auf Pokalen) nennt Trimalchio neben einander 62. 

ac« Zu 42 ac si in puteum conicias. 

Laenatis« Cognomen der Vipsanii (Tac. A. XIII 30) Popillii 
Octavii Pompeii. 

30 triclininm — in cuius parte prima procurator rationes 
accipiebat. Seneca Epp. 14,18 rationes accipit, forum content, 
kalendarium versat, fit ex domino procurator. Vgl. Marquardt 
Prl I 155,4. 

in postibns triclinii faces erant cnm secnribns flxi, qno- 
rum unam partem qnasi embolnm navis aenenm flniebat. in qno 



218 Anmerkungen zu 30. 

erat scriptum etc. Bücheier nimmt an, daß das einem Schiffs- 
schnabel ähnliche (quasi embolum), tektonisch durch die darunter 
befindlichen secures vorgebildete Ornament auf das Türgesims 
fiel und Träger und Halter der Inschrift war. Er vergleicht CIL 
III 1083 (Apulum): J. 0. M. aetern. C. Julius Valentinus Inl vir 
primus annualis mun(icipii) Sep(timii) Apul(i) et patr. coli. fab. 
mun. s. s. ex voto pösuit, wo auf beiden Seiten duo viri pailiati 
promissis barbis fasces manu gereutes angebracht sind. Schmidt 
p. 80,1 vergleicht die fasces infra acuminati auf dem Stein eines 
Sevirs in Tridentum CIL V 5035. Auch an den Türpfosten von 
Trimalchios Triclinium beziehn sich die fasces natürlich auf den 
von ihm bekleideten Sevirat : die secures, die den Sevirn nicht zu- 
kommen, sind eine Licenz des Künstlers oder Dedikanten, doch 
keine ungewöhnliche; denn sie finden sich auch auf erhaltenen 
Monumenten von Augustalen: CIL V 6786 (Eporedia) 7031 (Tau- 
rini) u. a. Schmidt p. 80,3. Marquardt StV I 176,10. 

C. Pompeio Trimalchioni Seviro Augastali Clnnamus dls- 
pensator« Die vornehmen dem Julischen Hause verschwägerten 
Pompejer führen den Vornamen Gajus nicht. Der Consul 49 n. Chr. 
C. Pompeius Longinus (denn so, nicht Aulus scheint er geheißen 
zu haben; s. Nipperdey zu Tac. A. XII 5) gehört schwerlich zu dem 
Geschlecht des Magnus. Mommsen Trimalchios Heimat und Grab- 
schrift: Hermes XIII S. 118. Ein Mitfreigelassener Trimalchios 
nennt den Herrn Gaius noster 62. 

Seviro Augustali« 71 huic seviratus absenti decretus est. 
Vgl. Einl. S. 41 ff. 

Cinnamus ein gewöhnlicher Sklavenname, z. B. Martial. VI 17 
VII 64. 

dispensator« Vgl. zu 29 quemadmodum — dispensator factus 
esset. 

lucerna bilychnig sonst nur noch Orelli 3678 = CIL X 114. 
Heraus S. 3. 

in et pridie Kalendas Ianuarias C. noster foras cenat. 
Diese beiden Mahlzeiten am 30. und 31. Dezember sind nicht be- 
vorstehende, sondern haben vor kurzem stattgefunden. Der De- 
zember ist vorüber (58 rogo, mensis December est?). Die Zeit des 
von Trimalchio gegebenen Gastmahls ist der Januar; die Tage 
sind kurz und die Kälte empfindlich (41 dum versas te, nox fit — 
et mundum frigus habuimus). 

C. noster. Mit dem erst durch die Freilassung erworbenen, 
die Standeserhöhung am besten bezeichnenden Pränomen hörten 
Freigelassene sich am liebsten nennen. Quinte puta aut Publi 



Anmerkungen zu SO. , 219 

(gaudent praenomine molles Auriculae) Horat. S. II 5,32. Vgl. 
75 per genium ejus Gajum appellando rogare coepit. Die Sklaven 
nennen daher Trimalchio nie anders 50 Gajo feliciter 53 Gai nostri 
genio maledixerat 74 ave Gai — vale Gai; ebenso die Freunde, 
wie Habinnas 67. 

foras cenat. Wie ad aliquem cenare (und potare Plaut. Asin. 
825) Bücheier I; foras für foris auch 44 domi leones, foras vulpes 
47 foras omnia parata sunt. Guericke p. 58. 

(dnae tabulae — quarum altera habebat etc.) altera lnnae 
cursum gtellarumque imaglnes pietas etc. Trimalchios Glaube 
an Astrologie auch 76 sq ; über die Allgemeinheit dieses Glaubens 
SG I 362 ff. 

bis repleti roluptatibus. Auch vor diesen Worten ist etwas 
ausgelassen, da die Betrachtung der Inschrift und der astrologi- 
schen Tafeln selbst ironisch kaum als voluptas bezeichnet werden 
konnte, geschweige denn als voluptates. 

nnus ex pueris, qui super hoc officium erat positus. 56 
puerque super hoc positus officium apophoreta recitavit. [Curt. 
VI 7, 22 super armamentarium positus. Porph. Horat. Epp. II 2, 
31 super thesauros ejus positus. Heraus.] 

dextro pede. Ober diesen Aberglauben Apulej. Met. I 5. 
Haupt Opp. HI 596. 

sine dubio natürlich, wie 26 sine dubio non repugnaverat puer 
u. unten Tyria sine dubio. 

ceterum. Zu 29 init. ceterum ego. 

seyerus — despollatus zur Geißelung ausgekleidet; 49 Tri- 
malchio exclamat — despolia. — despoliatur cocus atque inter duos 
tortores maestus consistit. 

rogare coepit. Zu 27 nos — errare coepimus. 

subducta enim sibi yestimenta dispensatoris in balneo. 
Über die Häufigkeit der Diebstähle in Bädern Marquardt Prl 
I 281,2. 

negligentia nequlssimi servi. 96 et non discedunt ocius ne- 
quissimi servi? 

yestimenta accubitorla so viel als 21 cenatoria. 

Tyria sine dubio. Marquardt Prl II 508 ff. (Pupurne lacernae 
zu 10000 Sesterzen Martial. VIII 10 IV 61,4). 

quid ergo est? Häufig in der Umgangssprache, gern in Brief- 
stil angewendet, in Ciceros Reden 12 Mal. Landgraf zu Cic. Rose. 
Amer. (ed. maj.) p. 208. Auch 4. 39. 46. 129 und öfter bei Seneca: 
Provid. 5,6. Nee injur. nee contumel. 10,4 Vit. beat. 25 (5 Mal, darauf 



220 Anmerkungen zu 30. 31. 

quid ergo?) De otio 1,5 Tranq. an. 16,1 Clement. II 2,3 Beneff. V 
16,5 Quaest. nat. III 29,8 Epp. 1,5; 99,16. 

dono vobis enm. Ähnlich 58 istud conliberto meo dono. 

31 obligati tarn grandi beneflcio. 92 habebat enim ingui- 
num pondus tarn grande 108 inhibuitque Tryphaena tarn grande 
facinus. Wenn übrigens tarn magnus (Petron. 20. 92. 117. 136 Se- 
neca Ad Marc. 16 quam magnus Petron. 137; tarn magnus sonst vor- 
zugsweise in der Anaphora Martial. VI 36,1 XI 56,7 und Seneca) 
der Umgangssprache angehört (Studer S. 87), so ist dies deshalb 
noch nicht für tarn grandis anzunehmen. 

stupentibus spississima basia impegit. 18 basiavit me 
spissius. 

ad summam für denique bei Petron 10 Mal in Reden von 
Freigelassenen, 5 Mal in der Erzählung, doch nur bei Anführungen 
von Worten des Encolp oder eines andern (2. 31 bis. 38. 45. 57. 71. 
105. 110. 134. 140). Die Stellen, wo es bei Seneca und Horaz vor- 
kommt: Haase Miscell. philoi. III 1861 p. 16 (Seneca De otio 5,13. 
Beneff. VI 21,1 Epp. 31,2; 102,10; 119,9. Horat. Epp. I 1,106). 
Segebade p. 11. 

rinum dominicum ministratoris gratla est. Vielleicht ist 
es nicht zufällig, daß diese Worte, wie Bücheier I bemerkt, einen 
Senar bilden. Über die Unsitte, nicht allen Gästen denselben 
Wein vorzusetzen SG I 386,9. Zielinski Philologus LXIV S. 20 
schließt aus Aristoph. Eqq. 1205 dni^\ oü y<*P &&& T °3 irapa$£vTo; 
i\ xapi« auf ein Sprichwort, das etwa lautete: &eo7:oTixöc (äeairöauvoc) 
olvoc tou TOxpaft£vroc $i\ x«P 1 «- Wenn es ein solches gab, so paßte 
es hier nicht. Die gratia ministratoris besteht darin, daß er vinum 
dominicum, nicht einen geringeren, vorsetzt. Eine Interpunktion nach 
dominicum ist also unzulässig. 

tandem ergo discubuimus. Mit tandem ergo fährt der Epi- 
tomator nach einer Auslassung auch 52 fort (tandem ergo exoratus) 
mit tandem allein 53 (petauristarii autem tandem venerunt) mit ergo 
allein 61 (postquam ergo omnes) 64 (repressus ergo aliquamdiu) mit 
igitur 74 (sumptis igitur matteis), hier und da auch wol mit interim 
(27 nos interim vestiti etc.). 

discubuimus« 31 unten : nam jam omnes discubuerunt. Dis- 
cumbere von Einzelnen 57 is ipse qui supra me discumbebat und si 
secundum illum discumberem 67 toro in quo Scintilla — discum- 
bebat 70 die et Menophilae — discumbat. Dagegen 36 eum qui 
supra me aecumbebat 38 vides illum qui in imo imus recumbit 
70 pueri — pedes — recumbentium unxerunt ib. nee contentus fuit 
recumbere. 



Anmerkungen zu 31. 221 

In der ausgefallenen Stelle wird das Platznehmen der Gäste 
und ihre Verteilung auf den drei lecti beschrieben gewesen sein. 
Da sich von 32 ab mindestens 14 Personen an der Tafel befinden 
(Agamemnon Ascyltos Encolpios Diogenes Hermeros Niceros Phi- 
leros Plocamus Julius Proculus Echion Ganymedes Seleucus Dama 
Trimalchio: Bücheier N. Schweiz. Mus. III S. 30) und dann noch 
Habinnas Scintilla und Fortunata Platz finden (65 und 67), endlich 
auch ein Teil der Sklaven (70), müssen zuletzt auf jedem der 3 lecti 
des triclinium (denn daß es kein Sigma war, zeigt 38 qui in imo 
im us recumbit) 5 Personen und mehr gelegen haben, deren jede ein 
besonderes Tischchen vor sich hatte. Wenn dies in Ciceros Zeit 
für unanständig galt (Cic. in Pia. 27,67 nihil apud hunc lautum, 
nihil elegans — Graeci stipati, quini in lectis, saepe plures (4 auf 
jedem lectus dagegen war offenbar nichts ungewöhnliches Horat. 
S. I 4,86; ein Triclinium für mindestens 12 in Pompeji: Mau bei 
Marquardt Prl I 305,2), so kann dies später anders gewesen sein. 

pueris Alexandrinis: Marquardt Prl I 153,1. Vgl. auch zu 
34 larvam argenteam. 

aquam — nivatam. Auch in Glossen. Heraus S. 3. 

paronychla: Eine feminine, dem griechischen Tiapwvu^a ent- 
sprechende Form findet sich nur bei Marcell. Empir. Heraus S. 4. 

ac ne in hoc quldem tarn molesto tacebant officio, sed 
obiter cantabant. Vgl. 26. 34 obiter et putidissimi servi minorem 
nobis aestum frequentia sua facient 38 obiter et vernaculae (apes) 
quae sunt meliusculae a Graecis fient 92. Seneca De ira III 1,3 
nee (ira) in ea tantum quae destinavit, sed oecurrentia obiter furit. 
Juvenal. 3,241 atque obiter leget aut scribet 6,481 verberat atque 
obiter faciem linit. 

paratissimus puer non minus me aeido cantico excepit 
wie 36 non minus et Trimalchio ejusmodi methodio laetus. 

aeido: 31 aeidior sonus 92 negat sibi unquam aeidius fuisse. 

pantomimi chorum non patris familiae triclinium crederes: 
Der Chor, der, von einem starken Orchester begleitet, zu den Dar- 
stellungen der Pantomimen den Text sang. SG II 453 f. 

allata est tarnen gustatio valde lauta. Tarnen zeigt, daß 
vorher etwas ausgefallen ist. 

Trimalchionem, cui locus novo more primus serrabatur. 
Locus primus der summus in summo, der bei Plutarch Quaest. conv« 
I 3 Trpwiro;, wie später der entsprechende beim Sigma primus heißt 
(Sidon. Apoll. Epp. I 11). Mau. 

ceterum in promulsidari asellus erat Corinthius cum bi- 
saccio positus. Promulsidare oder gustatorium das Speisebrett, 



222 Anmerkungen zu 31. 32. 

auf dem die promulsis aufgetragen wurde Digg. XXXIV 2,19 § 10, 
Marquardt Prl I 324,3. CIL X 1698 [pr]omu[1]sidaria argentata IL 
Heraus S. 3. 

Corinthius aus aes Corinthium. Prl. II 688. 

bisaccio. Bisaccium (gebildet wie bisellium biennium biclinium 
bipalium bivium) nur hier. Die Form bisaccia (entweder Adjektiv 
sc. pera oder von der Form saccia [Corp. Gloss. II p. 429,35 
odtatoc haec saccia, Saccus] abgeleitet (wie bilibra, bilamna) wird 
in Glossen durch mantica erklärt, auch bei Pseudoacro Horat. S. 
I 6,106: pera quam dicunt bistaciam [sie], quia pauperes quum 
insident jumentis, post se sarcinas habent. Götz Quaest misc. 
III Ind. 1. Mb. 1889 Jenens. p. IV. Vgl. auch Ducange unter bisac- 
cia und Heraus S. 3 f. 

olivas — albas: unreife, hellgrüne. 

lances, in quarum marginibus — inscriptum erat — argenti 
pondus.: Über die Eingravierung des Gewichts auf Silbergerät 
(vgl. 33 cochlearia non minus selibras pendentia 59 lanx ducenaria 
und 67, wo die Richtigkeit der Angabe durch eine Wägung kon- 
statiert wird) SG III 123 f. Eingravierte Gewichtsangaben auf 
Silbergefäßen finden sich bei dem großen Schatz von Berthouville 
nur vereinzelt, bei dem Hildesheimer auf 27, bei dem von Bosco 
reale auf 6 Stücken. Ob die auf den letztern im Genetiv hinzuge- 
setzten Namen die des Verfertigers oder (wie bei Trimalchio) des 
Besitzers sind, ist zweifelhaft. Michaelis Der Schatz von Bosco 
reale. Preuß. Jahrb. LXXXV 1896 Juli S. 47 ff. 

glires. Marquardt Prl I 141,23; 430,18; SG III 29,6. 

Syriaca prana. Colum. XIV 41 Damascena a Syriae Damasco 
cognominata, jam pridem in Italia nascentia. Hehn Kulturpfl. u. 
Haust.* 310. 

cum granis Punici mal! d. h. mit (wol in Scheiben geschnitte- 
nen) Granatäpfeln. Zu Martial. I 43,6 (Punica grana) und VII 29,10 
(Punicorum — grana malorum). 

32 in Ms eramus lautitiis. Zu 27 cum has ergo miraremur 
lautitias. 

Trimalchio ad symphoniam allatns est. Zu 28 ad caput ejus 
symphoniacus. 

habebat etiam in minimo digito sinistrae manus anulum 
grandem subauratnm, extremo vero articulo digiti sequentis 
minorem, nt mihi videbatur, totnm aureum, sed plane ferreis 
velnti stellis ferrnminatum. In der Regel wurden Ringe am 
vierten Finger (der linken Hand, so auch 74) getragen. Marquardt 
Prl I 701,2. Trimalchio trägt zwei Ringe, die von weitem wie 



Anmerkungen tu 33. 223 

goldme (das Abzeichen des Ritterstandes) aussehn, wagt aber nicht, 
den wirkliehen Goldring in tragen, den er nur anlegen darf, so- 
lange er als Sevir funktioniert Vgl. an 71 cum annlis anreis 
quinque. Vielleicht ist hier eine Wirkung der strengen Maß- 
regeln des Kaisers Claudios gegen die Anmaßung des Ritterringes 
(SG I 294,3} an erkennen. 

gnlMMuratms für das klassische auratus oder inauratus aueh 
in Glossen. Heraus S. 4 

dextrum nrndarit lacertom armllla amrea cultum. Vgl. 67 
habeo decem pondo armillam ex millesimis Mercurii faotam. Sue* 
ton. Nero 6 (serpentis exuvias) aureae armillae ex voluntate matris 
inclusas dextro brachio gestavit aliquandiu. 

33 nt deinde pinna argentea dentes perfodit. Pinna argentea, 
weil auch Federn als Zahnstocher dienten. Martial XIV 22. 

abgentiros« Nur hier. Andre wie es scheint (mit Ausnahme 
der termini technici) vorzugsweise der Sprache des gemeinen Lebens 
angehörige Wörter auf ivus Guericke 32. 

pner cum tabula terebinthina et crystallinis tesseris. 
Arbeiten aus Terpentinholz (schwarz wie Ebenholz) Blümner Ter- 
minol. und Technol. II 290. — crystallinis tesseris. Wol nicht 
aus Bergkristall, sondern aus Kristallglas. 

Das Spiel ist der ludus duodecim scriptorum, bei dem man 
sich außer zweifarbiger Steine auch der Würfel bediente und sei- 
nen calculus nach Maßgabe des Wurfs auf einer mit Linien be- 
zeichneten Tafel vorrückte. Marquardt Prl II 867 f. 

notarique. Zu 27 notavimus. 

pro calculis enim albis et nlgris anreos argenteosque ha- 
bebat denarlos« 44 denarios mille aureos. Denarius aureus abu- 
sivisch für nummus aureus oder aureus Plin. N. h. XXXIII 3,42 
ex auro denarium signavit und XXXIV 7,37, wo denarius aureus 
von fremder Goldmünze steht. Hultsch Metrol. 2 308,1. 

omnium textorum dicta, Textor als Repräsentant der unge- 
schlachten Handwerker wol auch Martial. XII 59,6 Hinc instat tibi 
textor, inde fullo. Heraus- V. S. 427 hält textorum für den Genetiv 
von texta (= textus). 

gustantibus adhuc nobis repositorium allatum est: eine 
außerordentliche Zugabe zu der gustatio. 

repositorium. Heraus S. 4. 

symphonia strepente. Zu 28 ad caput ejus symphoniacus. 

scrutari paleam coepemnt. Zu 27 nos — errare coepimus. 

convertit ad hanc scaenam Trimalchlo vultum ähnlich wie 
36 ille qui saepius ejusmodi ludos spectaverat. 



224 Anmerkungen zu 33. 34. 

mehercules. Über die Häufigkeit von mehercules Segebade 
p. 9. Diese Form scheint vorzugsweise der Umgangssprache an- 
zugehören (Cic. Orat. 157 libentius dixerim — mehercule quam me- 
hercules). Apulejus, der in den rhetorischen Schriften hercule und 
und hercle hat, braucht mehercules in den Metamorphosen fast 
durchweg. HBecker Stud. Apulej. (Regimont. 1879) p. 14 sq. Zu 
Martial. II praef. 11. Auch bei Seneca steht mehercules (ed. Haase) 
mehr als 40 Mal und ist auch nach Haase vol. III p. XIV Nat. qu. 
I 16,4 statt hercule und Beneff. IV 11,6 statt mehercule zu lesen: 
(doch steht das letztere nicht bloß, wie Haase a. a. 0. sagt, dort, 
sondern auch Clement. I 9,10 II 6,4 Beneff. V 22,1 VII 10,2 Epp. 
117,31 und mehercle Beneff. VII 16,2). Hercules, hercule, hercle 
hat Seneca nicht, dagegen Petron. hercule 10, hercules 114. 

timeo ne iam concepti sint sc. pulli Bücheier I. 

cochlearia kleinere Löffel mit einer Spitze und kleiner Höh- 
lung zum Essen von Eiern und Schnecken. Marquardt Prl I 314 f. 

non minus selibras pendentia. Eine selibra = 163,73 Gramm. 
Diese cochlearia sind ungewöhnlich große. Bei Martial. VIII 71 
wiegt ein cochlear (acu levius) weniger als eine ligula, deren Ge- 
wicht unter Ve Pfund ist. Offenbar ist auch hier die Angabe des 
Gewichts eingraviert: zu 31 inscriptum erat — argenti pondus. 

ut audivi veterem convivam: hie nescio quid boni debet 
esse. Vor hie ist vielleicht dicentem ausgefallen. Bücheier I. 

34 iam Trimalchio eadem omnia lusu intermisso poposce- 
rat. Der Mangel der Beziehung auf das nächstvorhergehende zeigt, 
daß hier gekürzt worden ist. 

feceratque potestatem clara voce« 47 et clara voce, ex quota, 
inquit, decuria es? 

si quis nostrum iterum vellet mulsum sumere. Über mul- 
sum Marquardt Prl I 323,6. Das nochmalige Anbieten desselben 
zeigt, daß die gustatio nun beendet ist, daher werden die gusta- 
toria abgeräumt. 

Signum symphonia datur et gustatoria pariter a choro can- 
tante rapiuntur. Zu 28 ad caput ejus symphoniacus etc. 

paropsis eine viereckige Schüssel zu Beisätzen, doch auch 
allgemein (50 paropsides) gebraucht. Marquardt Prl II 655. Über 
die Vulgärform parapsis Heraus S. 48. 

insecutus est. 36 laudationem ferculum est insecutum 65 hanc 
humanitatem insecutae sunt matteae 69 insecuta sunt Cydonia 
etiam mala. 

supellecticarius. Wenn auch das Forträumen der purgamenta 
das Geschäft des analecta ist (Marquardt Prl I 2,147) , so kann es 



Anmerkungen zu 34. 225 

hier doch sehr wol von dem supellecticarius (das. I 143,6. Ulpian 
Digg. XXXIII 7,12 § 31 CIL X 1960 [Puteoli] Philarcyro (sie) su- 
pellecti. CIL VI 9914,3 supellectilarius) besorgt werden, da die zum 
Schein ausgefegte Schüssel nach wie vor ein Bestandteil der su- 
pellex bleibt. Das von Burmann vorgeschlagene analectarius ist 
eine (auch bei der Abteilung von analecta neutr. plur.) schwerlich 
mögliche Form. 

coepit everrere. Zu 27 errare coepimus. 

Aethiopes capillati: also unechte. Vgl. zu 34 larvam ar- 
gen team. 

cum pusillis ntribus, quales solent esse qui harenam in 
amphltheatro spargunt. SG II 388,5 u. 6. 

aquam enim nemo porrexit. Ohne Zweifel wurde (wie vor 
der Mahlzeit 31) nach jedem Gange Wasser zum Waschen gereicht, 
obwohl es nur hier erwähnt wird. 

laudatus propter elegantias dominus. Die fehlende Bezie- 
hung des Plurals elegantias auf das Vorhergehende (mindestens 
durch has oder dergl.) zeigt auch hier die Abkürzung. 

'aequum, inquit, Mars amat.' Eine Anspielung auf die Re- 
densarten aequo und pari Marte (P Archiv III 216), vielleicht 
ebenfalls sprichwörtlich (Otto Spr. Mars**) hält es nur für ein 
Witzwort). 

itaque iussi suam cnlqne mensam assignarl« In der Regel 
war der in der Mitte der drei lecti stehende quadratische Eßtisch 
allen Gästen gemeinsam. Marquardt I 302—304. Auch hier ist 
derselbe, der noch einige Male erwähnt wird, in der Mitte stehend 
zu denken, wie besonders daraus hervorgeht, daß auf ihn das 
Skelett gesetzt wird, das von allen Anwesenden gesehen werden 
soll, und ebenso später 60 die Bilder der Laren. Auf diesen Tisch 
werden die fercula gestellt (60). Außerdem hat hier ausnahms- 
weise jeder Gast sein eignes, wahrscheinlich rundes Tischchen vor 
sieb, auf das er sich das stellen läßt, was er essen will. 

obiter. Zu 31 obiter cantabant. 

putidissimi gervi. 54 hominem tarn putidum 73 putidissimam 
ejus jaetationem. 

amphorae. Marquardt Prl II 647, gypsatae Das. 462,6. 

pittacia. Das. 817,4. 

Falernum Opimianum annorum centum. Das Jahr des 
Opimius war 633 d. St. = 121 v. Chr. Man kann hieraus nicht 
mit Mommsen schließen, daß das Gastmahl etwa in die Zeit um 733 
zu legen ist, sondern auch dies ist nur ein Beweis der Prahlsucht 
Trimalchios und zugleich seiner Unwissenheit. Einl. S. 11. Nach 

Petronii Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 15 



226 Anmerkungen zu 34. 

Plinius N. h. XIV 94 trugen alle Weine aus dem Jahr des Opimius 
nur den Namen des Konsuls, die Sorten unterschied man noch nicht. 
Der Falerner kommt zuerst bei Catull und Varro vor, er war am 
besten im?lö. oder bis zum 20. Jahr, und vetulum Falernum (bei 
Catull und Martial) ist wol nur ein Wein von diesem Alter. Aller- 
dings bezieht sich ein Witz Ciceros bei Macrob. Sat. III 1 (zu 43 
aetatem bene ferebat) auf einen angeblich 40jährigen Falerner. 
Den Falerner aus dem Jahr des Opimius bezeichnet Cicero Brut. 
83,287 (708 u. c.) als zu alt. Marquardt Prl II 444 f. und 450. 

tangomenas faciamus. Ebenso 73. Bergk Lyrici Graeci 4 
p. 164 bemerkt zu Alcaeus 39 (28») tI^T 6 TCvetfp.ova; ofvtp: 'inire Jahn 
in Herme VI 427 Petronianum 'tengomenas faciamus' ad princi- 
pium Alcaici carminis revocat — atque alii quoque interpretes 
obscurum illud tengomenas vel potius tangomenas a graeco verbo 
zi^eis repetunt, quod quo jure faciant non intellego.' In der Tat 
ist diese Ableitung um so gewagter, da an beiden Stellen tango- 
menas überliefert ist. Bücheier glaubte früher, hier einen Ausdruck 
wie ludos sacra etc. facere zu erkennen, wobei die Form eines 
Femininum plurale wol im Anschluß an die entsprechenden lateini- 
schen Zeiten (Ealendas, Nonas) entstanden sei, während für die 
Partizipialform vielleicht schon mathematische Bezeichnungen wie 
epagomene (Schalttag) in Betracht kommen. Heraus- V. S. 427 — 
429 hält TeYTäpevat »die beschwipsten Weiber« für den Titel einer 
Komödie oder Atellane, und versteht faciamus wie Sueton. Nero 
39 ut bibentem natantemque fecerit. Doch auch wenn tengomenas 
so verstanden werden könnte, wäre diese Aufforderung in einer 
Männergesellschaft kaum am Platze. 

vinum Tita est. So, nicht wie überliefert vita vinum est, 
mußte der Satz lauten, um verständlich zu sein, besonders wenn 
er sprichwörtlich war (Otto Spr. vinum*). 

et multo honestiores cenabant. 41 ne viderer nunquam in- 
ter honestos cenasse. [Et 'und doch' auch c. 77 et habet. Juvenal. 
7,124 u. a. Heraus]. 

accnratissime lautitias mirantibus. Zu 27 cum has ergo 
miraremur lautitias. 

larvam argenteam attulit servus. Lumbroso L'Egitto al 
tempo dei Greci e dei Romani (1882) p. 70 not: L'uso egiziano 
dell' efötuXov" dvftpc&irou TeftvrjxtfTos a tavola (Herodot. II 78 Plutarch 
Is. et Osir. 17) fu verisimilmente adottato dai Greci d'Alessandria 
giacche lo ritroviamo alla mensa di Trimalcione, dove tutto(?) il 
servizio ha un 1 impronta Alessandrina (31 pueri Alexandrini 34 duo 
Aethiopes 36 Aegyptius puer 67 puer Alexandrinus etc.). Doch 



Anmerkungen zu 35. 227 

die in Rom so beliebten (Marquardt Prl I 153,1) pueri Alexandrini 
beweisen nicht Liebhaberei für Ägyptisches, ebenso wenig die 
Aethiopes. Gewiß werden ägyptische Gebräuche in Puteoli, dem 
Haupthafen für den Verkehr mit Ägypten und Aufenthaltsort 
zahlreicher Ägypter (SG II 141), Aufnahme gefunden haben. 

Ein Skelett mit beweglichen Gliedern: Archäol. Anzeiger 1889 
S. 106. Die in Gräbern gefundenen Puppen mit beweglichen Glie- 
dern hat Stephani mit Unrecht für Skelette gehalten. Treu De 
ossium humanorum larvarumque apud antiquos imaginibus (Beroi. 
1874) p. 60 sq. 

Auf Trinkgefäßen (wie auch auf Ringsteinen) war die Auffor- 
derung zum Lebensgenuß mit Hinweisung auf den Tod durch Ab- 
bildung von Gerippen nicht ungewöhnlich ; Fragmente solcher Ton- 
becher sind auch aus Puteoli bekannt. Von den Silberbechern in 
Bosco reale sind zwei (Winter Der Silberschatz von Bosco reale. 
Jahrb. d. k. deutschen archäol. Instituts Bd. XI 1896 S. 74—87 
Fig. 8 u. 9) sicher alexandrinischen Ursprungs, nach ägyptischer 
Sitte am obern Rande mit Rosenkränzen umwunden, mit Darstel- 
lungen von Gerippen berühmter Philosophen (Zeno Epikur Moni- 
mos) und Dichtern (Sophokles Moschion Menander Archilochus 
Euripides) verziert, nebst Inschriften, wie: C&v p.ex(£Xaße- zb y<*P 
aupiov dtStjXöv lazi, axipi\ 6 ßio;, T^pTie C&v aeatöv (so), tö t£Xoc "fj&ovf) 
(neben dem Gerippe Epikurs, dabei ein Schwein), eücppahou 8[v] 
Cfjc ypövov. Michaelis der Silberschatz von Bosco reale. Preuß. 
Jahrb. LXXXV 1896 Juli. 

hanc cum super mensam — abiecisset. Oben zu itaque jussi 
suam cuique mensam assignari. 

Trimalchio adiecit. Ebenso (39) 40. 41. 

postquam — auferet. Vgl. Gell. XV 9,10: postquam inve- 
neris, repetes nos. Heraus. 

ergo YiYamus, dum licet esse bene. Ein Pentameter nach 
zwei Hexametern, wie auch 56, ist in Grabschriften ungebildeter 
Leute nicht selten, z. B. Meyer Anthol. lat. 1334. Kaibel Epigr. 
Gr. p. 702 (hexametris duobus subjectus pentameter) zählt 11 Bei- 
spiele auf (ep. 52 wol das älteste, mit Resten des voreuklideischen 
Alphabets, aus dem 4. Jahrhundert vor Chr.). Carm. epigr. 1105. 
1179 u. a. Dieser Fehler ist also für den Bildungsgrad Trimal- 
chios charakteristisch, der seine Schulbildung gerade auch durch 
eigene Gedichte (41 poematia domini sui) dartun will, da die Fer- 
tigkeit Verse zu machen, wol in der Regel im ludus grammaticus 
erworben wurde (SG III 384 — 386). Über einige metrische Nach- 
lässigkeiten in diesem Gedicht (Hexameterschluß mit zwei Mono- 

15* 



228 Anmerkungen zu 34. 35. 

syllaben [nil est], Pentameterschluß mit einer Kürze [bene], Spon- 
däus im 1. Fuß des Hexameters [eheu] vgl. Krohn Quaestiones 
ad anthol. Latin, spectantes P. I. Halae S. 1887 p. 23—26. 

35 laudationem ferculum est insecutum. Abgekürzt wie 
34 laudatus propter elegantias. Vgl. 39 laudamus urbanitatem ma- 
thematici 41 laudavimus dictum Trimalchionis 52 laudatus Tri- 
malchio hilarius bibit. Hirschfeld versteht unter laudatio hier die 
Leichenrede. 

insecutum: zu 34. 

plane non pro expectatione magnum. Zu 41 f. 

noyitas tarnen omnium convertit oculos. Seneca Ira II 11,3 
Laberianus ille versus, qui — in theatro dictus totum in se popu- 
lum — convertit. 

strnctor. Marquardt Prl I 146. 

super arietem cicer arietinum. Plin. N. h. XVIII 124 (cicer) 
— arietino capiti simile, unde ita appeilant. Als Heilmittel 
XXII 150. 

super geminos testiculos ae rienes. c. 39 in geminis nas- 
cuntur bigae et boves et colei. Ohne Grund nimmt Birt Rhein. 
Mus. N. F. LI S. 468 — 70 an, daß gemini hier doppelsinnig zugleich 
die Hoden bezeichne. 

snper cancrum coronam. 39 in cancro ego natus sum — et 
ideo jam dudum nihil super illum posui, ne genesin meam pre- 
merem. 

snper leonem flcnin Africanam. Weil die Sonne in der Zeit 
der größten Hitze (im August) im Zeichen des Löwen steht. Zu 
Martial IV 59,5. Plin. N. h. XV 69 (ficus Africanas) multi prae- 
ferunt cunctis — cum id genus in Africam nuperrime transierit, 
patriae nomen optinent. Ib. 74 Sed a Catone appellata jam tum 
Africana ädmonet Africae ad ingens documentum usi eo pomo. 

snper virginem steriliculam i. e. vulvam sterilem de virgine 
porca. Bücheier I. Deminutiv des substantivierten sterilis wie aqua- 
liculus breviculus. Ein Rezept zur Bereitung von vulvae steriles 
Apic. VII 258. Vulva sterilis Cels. II 24. Iudic. coci et pistoris 
90 me sterilem Niobe, linguam Philomela rogat me. Heraus 
S. 28. 

scriblita — placenta. Die scriblita, ein Käsekuchen, in dessen 
Teig man nicht wie in den der placenta Honig nahm (Heraus 
S. 4 f.), wurde in der Regel warm oder heiß gegessen. Plaut. Pön. 
43. Martial. III 17 Circumiata diu mensis scriblita secundis Urebat 
nimio saeva caiore manus. Daher Petron. 66 scriblita frigida. Ver- 
mutlich war sie auch dadurch von der placenta verschieden. 



Anmerkungen zu 35. 229 

super sagittarium oclopectam. Das von Bücheier 4 statt des 
überlieferten oclopetam (Heraus S. 26,3: ein Rabe? corvus prior in 
cadaveribus oculum petit Isidor. XIII 7,43) in den Text gesetzte 
oclopectam kommt auf einer der spätem Kaiserzeit angehörigen 
Devotionstafel aus Hadrumetum als Name eines Rennpferdes vor: 
Oclopecta Virbosu cadant. Das hybride, aus oculus und irrjgat, 
einem nicht vorkommenden lateinischen oclifixor griech. öcpftaXfio- 
ir/)XT7)? (was ja der sagittarius ist) entsprechende Wort bezeichnet 
vielleicht ein Schaltier oder einen Fisch; »bei Krebsen und Asta- 
kiden ist das Glotzauge besonders auffällig und den Alten zum 
Sprichwort geworden«. Bticheler 5 . 

super capricornum locustam marinam« Gels. II 28 III 6 
Plin. N. h. IX 96 (locusta allein). 

super pisces duos mullos: als besonders geschätzte Fische. 
Marquardt Prl II 434 f. 

Aegyptius puer. Zu 34 larvam argenteam. 

atque ipse etiam. sc. Trimalchio. 'cantabat puer, laudavit 
eum Trimalchio atque ipse etiam cecinit.' Bücheier I. 

de Laserpiciario mimo canticum extorsit. Unica haec illius 
mimi notitia (de nomine cf. Catularium Centonariumque Laberii) 
Bücheier I. Ribbeck Fragm. com. 2 395. Das canticum war allen 
Gattungen des Drama gemein. Frdl bei Marquardt StV III 544,7. 

suadeo inquit Trimalchio cenemus. 58 suadeo impetres 74 
suadeo concoquas et me non facias ringentem und Ähnliches Gue- 
ricke p. 63. 

[hoc est in(itium) cenae]. Für die Lesart von L hoc est jus 
cenae ist eine befriedigende Erklärung nicht gefunden worden. 
Ein Spiel mit dem Doppelsinn von jus konnte Trimalchio nur 
machen, wenn bereits eine Brühe oder Sauce auf dem Tische stand. 
Daß in Griechenland die Brühe zu den Anfangsgerichten der Mahl- 
zeit gehörte, wie Bücheier annimmt (Meineke Fragm. com. III 357 : 
Der Parasit sagt Trporro; irdpetp.i — Cu>fJ>&c xaXoujxai) kann aus diesem 
Fragment des Aristophanes, da es lückenhaft ist, nicht mit Sicher- 
heit gefolgert werden (Crusius Philol. XL VI 616). In Rom zeigt 
sich davon keine Spur. Auch ist unter den angegebenen Speisen, 
den einzigen die bis jetzt auf der Tafel zu sehn sind, kein jus, 
und wenn dies selbst der Fall wäre , könnte jus cenae schwerlich 
jusculum quasi irritamentum stomachi ad cenam (zu welchem Zweck 
es, soviel wir wissen, niemals diente) et justam necessitatem ce- 
nandi bedeuten. Da nun in der Tat die eigentliche cena hier be- 
ginnt, ist wol mit Wehle p. 17,1 (nach Reiske) in. für eine Abktir- 



230 Anmerkungen zu 35. 36. 

znng von initinm und die Worte hoc est in[itinm] cenae (wie die 
gleich folgenden scilicet in altero ferculo) für eine Randglosse zu 
halten. 

36 haec nt dixit, ad symphoniam etc. Zu 28 ad caput ejus 
symphoniacus etc. 

altilia et snmina leporemque. Hirschfeld Philologus LI 471 
glaubt bei Lucian. hist. conscr. 20 in der Schilderung des oix&nqc 
vefoXoDToc , der nicht versteht Seiirnjoai xaxdt väpov, dXX 1 £p.7i7)ö^aac 
TtoXXdlxic — öpvUhuv %a\ auefoov xal Xaf<&tDV irpoxeipivayv &7iep6pL7tlfi7rXaxai, 
(bs fxvous xrvö; Tj xaptyou«, fax' av Stappaipj} iaJKcov — eine Reminiszenz 
an diese Stelle zu erkennen. 

notayimus. Zu 27 notavimus. 

garum. Eine aus den inneren Teilen des scomber (Art des 
Tunfisches) bereitete pikante Sauce. Marquardt Prl I 438 — 440. 

non minus et Trlmalchio eiusmodi methodio laetns 'Carpe* 
inquit« non minus »ebenso« wie 31 non minus me acido cantico 
excepit. 

methodio« Suidas : peft<föiov, piftoBo;, xfyvTj. Hier geht metho- 
dium in die Bedeutung von piedoöeia Betrug über. Paul. ad. Ephes. 
4,14; 6,11 (p-eOo&eia« xot3 oiaßöXou). Dies erklärt Joh. Chrysostomus : 
xi £axi p.eftoSe(a; {j.e$oBsuoai laxl x& dforaxfjaai xai hid. ouvx6p.o'j £XeTv. 
forep xal ^tc! xäW xe^vwv Y^erat *«l & Xöfot; xal h fp-ptc *al &v Tca- 
Xaiofxaaiv IttI xwv 7rapaY0vxwv ifj^ac. Vgl. auch Suidas fj.e&o&euei xe^- 
vdCexai, dbraxa. 'Vgl. noch Not. Tir. 107,64 fg. metodus, metodia, 
metodiarius mitten zwischen Bezeichnungen für Taschenspieler und 
Gaukler. CGI. V 024,8 methodias: adinventiones vel versutias.' 
Heraus S. ö. 

processit statim scissor. Marquardt Prl I 146,17. Heraus S. 5. 

et ad symphoniam gesticnlatus ita laceravit obsonium. Zu 
28 ad caput ejus symphoniacus. Die ars scindendi wurde bei be- 
sondern Meistern gelernt und an hölzernen Phantomen von Braten 
(Juvenal. 11,136 ss.) geübt (Marquardt Prl I 146,17 vgl. 321,5); 
tänzelnde Bewegungen waren bei den Virtuosen derselben offenbar 
gewöhnlich (structorem Saltantem spectes et chironomunta volanti 
Cultello, donec peragat dictata magistri Omnia; nee minimo sane 
discrimine refert. Quo gestu lepores et quo gallina secetur. Ju- 
venal. 5,120 bis 124). 

laceravit obsonium. 40 Carpus — qui altilia laceraverat. 74 
(gallus) laceratus ab ilio doctissimo coco. 

ut putares essedarium hydraule cantante pugnare: also nach 
dem Takte der Musik, was nur bei einem Scheingefecht oder equi- 
libristischen Kunststücken (Caesar B. G. IV 33: per temonem percur- 



Anmerkungen zu 36. 37. 231 

rere et in jugo insistere et se inde in currum citissime referre) 
möglich war. Über essedarii SG II 534 und zu 45 mulierem esse- 
dariam. 

hydraule cantante. Über Musik bei Gladiatorenspielen SG 
II 386,6; über die Wasserorgel SG III 341,1; 355,4 (auf dem amphi- 
theatralische Szenen darstellenden Mosaik von Nennig ein von einem 
Bläser begleiteter Spieler der Wasserorgel), Diese war vielleicht 
damals beliebt. Sueton. Nero 41: organa hydraulica novi et ignoti 
generis. 

non erubui eum, qui supra me accumbebat interrogare wie 
41 duravi interrogare. 57 is ipse qui supra me discumbebat. Sein 
Name ist Henneros. 59. 

eiusmodi ludos wie 33 ad hanc scaenam. 

qui obsonium carpit« Garpere zerlegen: zu Martial III 13,1 
carptor Juvenal. 9,109. 

37 Fortunata — quae nummos modio metitur. Otto Archiv 
VI 53 = Spr. modius. Plaut. Stich. 587 Edepol ne ego nunc mihi 
medimnum mille esse argenti velim. Juvenal. 3,220 modium argenti 
Cic. Philipp. 2,38,97 tanti acervi nummorum, ut jam expendantur, 
non numerentur pecuniae. Horat. S I 1,95 dives Ut metiretur 
nummos. Die ebenso im Griechischen (Xenoph. Hellen. III 2,27 
Lucian. Dial. meretr. 9,2 Navig. 28 Append. proverb. 3,83) gebräuch- 
liche Redensart stammt aus einem Märchen. SG I 527. 

modo modo, quid fuit? Über modo modo vgl. Wölfflin Über 
die Gemination im Lateinischen S. 482 Sitzungsber. d. Bayr. Aka- 
demie 1882 Phil. hist. Kl. I 422 ff. Bezeichnung der allernächsten 
Vergangenheit ist es auch 42 modo modo me appellavit. 46 modo 
modo collo suo circumferebat onera venalia. 

ignoscet mihi genius tuus. Auch Bitten und Beteuerungen 
beim Genius kommen nur in Reden der Freigelassenen vor. Sege- 
bade p. 10 (62 genios vestros iratos habeam 74 ita genium meum 
propitium habeam 75 per genium ejus Gajum appellando rogare 
coepit. Vgl. 53 Gai nostri genio maledixerat 57 genio illius [do- 
mini] gratias). Ebenso Seneca Epp. 12,2 vilicus — jurat per genium 
meum, se omnia facere. Schol. Juvenal. 2,98 (et per Junonem do- 
mini jurante ministro): ita, inquit, servi jurabant, quomodo sole- 
bant ancillae matronis adulcmtes 'per Junonem tuam\ 

noluisses de manu illius panem accipere. Weniger derb als 
die griechische (vermutlich auch lateinische) sprichwörtliche Re- 
densart Diphil. fr. 1 Kock (fab. ine. 6 Mein.) irap' fy töv Äpxov •/) 
xucöv ou Xafxßdlvet Otto Spr. panis 2) und die deutsche »kein Hund 
würde von ihr ein Stück Brot annehmen« Grimm DW I 401 unter 



232 Anmerkungen zu 37. 

Brot 1). Neapolitanisch : te faceva schifo de te pigliä lo ppane da 
mano a isso. Cocchia p. 315. 

nunc nee quid nee qnare: eine der allitterierenden Redens- 
arten der Vulgärsprache. Segebade p. 6. 

in caelum abiit. Cic. Att. II 19,2 Bibulus in caelo est; nee 
quare scio; sed ita laudatur etc. Ib. II 20,4 Bibulus hominum 
admiratione et benevolentia in caelo est. Otto Archiv III 221 = 
Spr. caelum 9 und die verwandten Phrasen 10 caelum attingere, 
tangere, sidera tangere 11 solium Jovis attingere. Neapolitanisch: 
senza sapp6 come e quanne-e sagliuto ncielo. Goochia das. 

et Trlmalchionis topanta est. Topanta Form des Jargons 
für tä TiavTa, was nicht den Genitiv, sondern den Dativ zu sich 
nimmt. Ältestes Beispiel Herodot. I 122 (xpacpfjvai hk IXeye bnb ttjs 
ßooxdXou fovauiäc, fy^ Te ^rqv alv£ojv Stot itavr6;, *?jv te ofc £v xqi 
X<$Y<p xd Tzdvza ^ Kuvcfc). Bücheier I. [Liv. XI 11,3 Demetrius iis 
unus omnia est. Mehr bei Marx zu Lucil. 612. Heraus.] 

ad summam (zu 31) in dieser Bede 3 Mal, und in einer andern 
desselben Freigelassenen (Hermeros) 57 sq. ebenfalls 3 Mal, wie in 
der letztern 2 Mal recte und 3 Mal curabo mit dem Konjunktiv 
(dies letztere auch 2 Mal in der Bede des Trimalchio). Ebenso 
wiederholt sich quid si non 42 in der Bede des Seleucus. 

mero meridie si dixerit Uli tenebras esse, credet. merus 
wie im Deutschen >rein« in der Vulgärsprache (nicht bloß bei Pe- 
tron. 45 fugae merae 53 tricae merae 58 mera mapalia 61 hilaria 
mera) häufig (besonders bei Plautus) Guericke p. 60 sq. 

Die von Otto Archiv IV 17 = Spr. sol 4 verglichenen verwandten 
Stellen sind etwas verschieden: Plaut. Bacch. 679 Si tu illum 
• solem sibi solem esse dixeris Se illum lunam credere esse et noctem 
qui nunc est dies. Anders Cic. Attic. 1 1,1 Catalina si judicatum erit 
meridie non lucere (d. h. am Nimmertage) certus erit competitor. 
Titin. 100 Eibb. bei Non. p. 227 qui illum sat sciat Delicere et 
noctem facere possit de die (der ihm das Blaue vom Himmel 
herunter lügen könnte). [Vgl. auch Prop. IV 1,143 illius (puellae) 
imperio lucem noctemque videbis. Heraus.] 

saplntns: WtcXoutoc nach der Aussprache des gemeinen Lebens 
wie Setus für Zetus CIL I 1047. 1299 üsalitani für üzalitani ib. 
200, 79. Corssen Ausspr. u Vokalism. I 2 295. Heraus S. 5. 

lupatria. Bücheier I: sententiae maxime convenit vocabulum ad 
visum speetans, potest autem ut lupatria vel lupacria apud rusticos 
superstitionibus obnoxios illud valuerit, quoniam acute cernere lupi 
atque in Italia visus eorum noxius esse credebatur. itaque si li- 
ceat Xüxd<p$aXfAov interpretari , primam saltem illius verbi partem 



Anmerkungen zu 37. 233 

servemus. an Xu*rfv&po)7ro; significatur, versipellis quae incognita 
appareat? Der ganz verfehlte Versuch von Sittl Archiv II 609 f. 
zur Begründung seiner Konjektur lupatia = lupacea, im Wider- 
spruch mit der Naturgeschichte und der Auffassung aller Völker 
nachzuweisen, daß wölfisch so viel sei als listig, beruht auf den 
beiden Stellen Aristot. hist. an. I 1, wo er zu den Tieren gerech- 
net wird, die ^eNwaTa xal Äfpia xal littßouXa sind, und Pollux IV 150, 
wo unter den weiblichen Masken der Komödie das Tpqfttov layybv 
tj Xuxatvtov (A Xuxwviov, ein durchaus problematisches Wort) erwähnt 
wird. Gesareo p. 30: vel mulier quae lupatur juvenis — vel quae 
servos furaces lupinis observat oculis. Zu seiner Zusammenstellung 
von lupatria mit ital. lupastro , frz. louvart (vgl. p. 48) bemerkt 
Gröber: »Das Wort ist weder etymologisch = ital. lupastro, noch 
der Bedeutung nach ihm gleichzusetzen. Lupastro an der von 
Cesareo angeführten Stelle Frescobaldi Viaggio in Egitto e in 
Terra Santa (14. Jahrh. gedr. Florenz 1867) : *que' lupastri si pas- 
cono di ciö 1 nennt die Wölfe als verächtliche, entartete Geschöpfe, 
in pejorativem Sinne, den das Suffix -aster allgemein romanisch 
hat; es ist eine Bildung der italienischen Sprache, wie poetastro, 
garzonastro ; lautlich sind -atria und -astra (dies = lat. -aster) un- 
vereinbar. Ebenso deutet frz. louvart jenes lupatria nicht, da 
die französische Jägersprache damit den ein- bis zweijährigen 
Wolf benennt. Sollte nicht lup-atria (zu lupa) eine Bildung sein 
nach dem Muster 7ropve6Tpia = 7r6pvir), dxatpicTpta zu £xa(pa, also etwa 
> Hurenmensch«? Daß lat. poetria geläufig ist, erleichterte jeden- 
falls die gewollte Auffassung einer Bildung wie lup-atria aus lupa 
nach griechischem Vorbild.« Diese (auch von Gesareo vermutete) 
Bedeutung stimmt zwar zu dem modo modo quid fuit? und zu 74 
ambubaja; doch erwartet man hier eher ein Anerkennung aus- 
drückendes Wort; auch wäre die Form nur durch Synecdrome zu 
erklären. 

sicca sobria. Die Zusammenstellungen von sanus siccus und 
sobrius sind stehende, teils mit Verbindung durch Partikeln, teils 
asyndetisch. Martial. XII 30,1 Siccus sobrius est Aper. Seneca 
Epp. 18,4 ebrio ac vomitante populo siccum ac sobrium esse. Id. 
ib. 114,3 si ilie (animus) sanus est, si compositus gravis temperans, 
ingenium quoque siccum ac sobrium est. Id. Vit. beat. 12,4 vo- 
luptas illa Epicuri — quam sobria et sicca sit. Wölfflin Alphabet. 
Verzeichnis d. alliterierenden Verbindungen d. latein. Sprache. 
Sitzungsberichte d. Bayr. Akad. 1881 S. 81. 

est tarnen malae linguae, pica pulvinaris. Eine befriedigende 
Erklärung dieses Ausdrucks ist noch nicht gefunden. Etwas wie 
pica stolata (Galigula nannte Livia Ulixem stolatum Sueton. Galig. 



234 Anmerkungen zu 37. 

23), würde für eine »Plaudertasche «, auch für eine >böse Zunge« 
verständlich sein. Pica pulvinaris in der Bedeutung callidae gar- 
rulitatis mulier domiseda Bücheier I (pica nel sofa Orioli p. 10) 
paßt für die bis zur Ruhelosigkeit geschäftige Fortunata (vgl. 
auch 67) nicht besonders. Die Erklärung von Otto Archiv III 395 
= Spr. s. pica »Elster beim Mahle« paßt nicht zu dieser Stelle 
und ist überhaupt kaum möglich. Was eine »Ackerbeetelster« sein 
soll (Georges s. pulvinaris), weiß ich nicht. 

ipse Trimalchio fundos habet, qua milyl volant. Pers. 4,26 
quantum non milvus oberret (Schol. secundum proverbium: quan- 
tum milvi volant) Juvenal. 9,55 (tot praedia) Appula, tot milvos 
intra tua pascua lassos. Genthe p. 3 führt eine Formel aus dem 
altnordischen Trygdamäl (Grimm Rechtsalt. S. 39) an: »soll land- 
läufig und vertrieben sein ... so weit — Habicht fliegt den lan- 
gen Frühlingstag und der Wind stehet unter seinen beiden Flü- 
geln«. Otto Spr. milvus 4. 

nummorum nummos. Diese als Hebraismus (fteöc fte&v, a^ta 
dfimv ^cfia aop.aTa)v, SoüXo« 5o6Xoöv, odä>ve; aldbvov) bekannte, auch 
im Griechischen nicht seltene (layaT' do^ctTtuv xaxa Soph. Phil. 65 
ittaTÄ irioTcbv Aeschyl. Pers. 862 dt^rjT' dj^Taw Oed. R. 464 %axd 
xaxäW Oed. Col. 1237 etc.) Form des Ausdrucks für den höchsten 
Grad scheint in der lateinischen Schriftsprache sehr selten gewe- 
sen zu sein. Haupt Opp. II 155—157 führt nur zwei Beispiele aus 
Florus an: II 26 (IV 12. 13) Moesi — quam ipsorum etiam barbari 
barbarorum horribile dictu est und I 22 (II 6,35) saevitum in ur- 
bes urbemque urbium Caralim. (Wölfflin Archiv VIII 452 will hier 
einen Punismus erkennen.) Unter den von Landgraf De figuris ety- 
mologicis linguae Latinae, Acta semin. Erlang. II p.35ff. angeführten 
Beispielen ist nur eins ganz gleichartig : divum (deorum) deus im carm. 
Saliare. Virium vi Liv. IX 16,13 ist verdorben (Madvig crurum vi), pater 
patrum zweifelhaft. Die übrigen (wie rex regum, victor victorum, 
reliquiae reliquiarum, summa summarum) gehören nicht hierher 
(ebensowenig mammarum maxima mamma Martial. I 100 Archiv 
VII 613); die bei christlichen Autoren vorkommenden sind (wie 
vanitas vanitatum) übersetzte Hebraismen. Disciplina disciplina- 
rum bei Macrob. I 24,21 entspricht wörtlich zwei Stellen des The- 
mistius (i7ri0TY)(x7) d7riOTT)fxä)v, tlyyr] Tex^äw) A. Klotz Archiv XIII 98. 
Der Genitiv steht in der Regel an zweiter Stelle. Vgl. 44 olim 
oliorum. 

argentum in ostiarii Ullas cella plus lacet quam quisquam 
in fortunis habet. Argentum Silbergeschirr (wie auch 67 Fortu- 



Anmerkungen zu 37. 235 

nata — nisi argentum composuerit — aquam in os suum non con- 
iciet 52 in argento plane Studiosus sum) SG III 164. 

mehercules. Zu 33. 

ad snmmam. Oben zu 37. 

quemris ex istis babaecalis in rutae folium conlciet. Nach 
Arnob. IV 22 p. 169,11 Reifferscheid (an uxore contentus una, 
concubinis pelicibus atque amiculis delectatus, impatientiam snam 
spargebat passim, ut babaecali adolescentes solent, salax deus 
— ?) wären babaecali liederliche oder frivole junge Leute, womit 
hier etwa die jungen Herrn aus dem Decurionenstande gemeint 
sein könnten. Falls dies richtig ist, hätte sich die Bedeutung des 
Wortes erweitert. Denn es gehört wol mit der Interjektion babae 
zusammen (so Gröber Archiv I 246 und Bücheier). Die davon ge-" 
bildeten Wörter bezeichnen einfältige Menschen, sowohl in den 
romanischen Sprachen (Ducange s. baburrus Diez Et. W. I babbeo 
babbaccio babbano babbuasso it. Schwachkopf Gimpel; prov. ba- 
bau pic. baba Geck it. babbole frz. babbioles Kinderpossen; vgl. 
Gröber a. a. 0. und Sittl Archiv II 609) als im Lateinischen. Ba- 
burrus sä stultus ineptus (Georges s. v.); auch babulus (so Fcp bei 
Apulej. Met. IV 14 tunc e re nata suptile consilium ego et iste 
babulus tale comminiseimur) , wofür Verschiedenes (auch baburrus) 
vermutet ist, und das Georges von babit yaupicj. herleitet und mit 
»Prahlhans« übersetzt, ist gewiß dasselbe; Baba ein Idiot bei Se- 
neca Apocol. 3,3 Epp. 15,10. 

»Für den Übergang von der Bedeutung des in babae ausge- 
drückten Verwunderns und Erstaunens zu der von 'Dummheit, 
Einfalt u. dgl.' spricht 1) daß im Provencalischen babai noch jetzt 
Interjektion der Verwunderung ist, und daneben das Substantiv 
babau (wahrscheinlich ■» *bab-al) besteht, das Tropf, auch portug. 
bab-äo (= bab + anus), das Dummkopf bedeutet, und beide Wörter 
im Romanischen keine nähern Lautverwandten besitzen, an die sie 
angeschlossen werden könnten. 2) beruht Erstaunen und Verwun- 
derung vorwiegend auf Unkenntnis, die Nichtwohlwollen als 
Dummheit und Beschränktheit auffaßt. Im Archivio glottologico 
II 34 schließt Flechia auch nordital. babbi baggiu babi = Kröte 
an babulus = stultus an, 'per essere rettile di aspetto stupido 
e goffo\ 3) Interjectionen bilden nicht selten den Ausgangspunkt 
für Nomina und Verba; Archiv I 246 habe ich eine solche (latei- 
nische) Grundlage vermutet für baba Schleim Geifer usw.; ba- 
bear geifern u. s. f. Ein deutlicher Fall ist romanisch ahan! 
keuchendes Atmen bezeichnend , wozu frz. ahan Not Kummer 
Mühsal, ahaner ausstehn, ital. affano affannare usw. gehören 
(Diez EtW I s. v.) : Wörter, die, wie Thurneysen , Keltoromanisches 



236 Anmerkungen zu 37. 38. 

s. v. gezeigt hat, nicht im Keltischen wurzeln, aber allgemein ro- 
manisch sind. Auch bei ital. badare gähnen usw. (Diez I s. v.), 
wozu sich eigenartig abgeleitete Bedeutungen gesellen, ist die 
Grundlage viel wahrscheinlicher ein Naturlaut als etwa ein kelti- 
sches Wort (vgl. auch Thurneysen a. a. 0. S. 41). Von ital. Wör- 
tern gehört hierher noch zittire flüstern und zitto (= st!), von 
französischen gai-menter weherufen, klagen, von der Interjektion 
guai = lat. vae goth. vai u. dgl. — Babaecali 'Schwachköpfe' 
würde sich mit den mit babae zusammenhängenden romanischen 
Wörtern, die 'Dummkopf bedeuten, begrifflich nahe genug be- 
rühren. Der Ausgang -cal- ist mir sonst in lateinischen Wörtern 
unbekannt , konnte aber den in babae liegenden Begriff wol nur 
nuancieren«. Gröber. 

in rutae folium sprichwörtlich für einen kleinen Baum. Zu 
Martial XI 31. Vielleicht stammt die Redensart aus einem Mär- 
chen vom Däumling SG I 628. 

38 omnia domi nascuntur und unten mel Atticum ut domi 
nasceretur. Cic. Farn. IX 3,2 Sed quid ego nunc haec ad te, cu- 
jus domi nascuntur? Attic. 1 19,3 cum haec domi nascantur. Acad. 
II 25,80 domi nobis ista nascuntur. Seneca Epp. 23,3 volo illam 
tibi domi nasci. Tac. Dial. 9 hi (versus) Basso domi nascuntur. 
Vgl. Plaut. Rud. 1335 quod domi est, nunquam ulli supplicabo. 
Cic. Attic X 14,2 (domi est) Verr. I 2,5 (id non apud eos nasci) 
Plaut. Mil. gl. I 91 (domi habet hortum et condimenta). Otto Ar- 
chiv V 8 f. = Spr. domus 3. 

credrae. Das griechische x£opo; (Bezeichnung der duftenden 
Eoniferenhölzer) war zwar in Italien durch populäre Entstellung 
zu citrus geworden (Hehn Kulturpfl.ö 369); doch dürfte der citrus 
genannte Baum (citrus medica cedra die Citronatcitrone) auch ce- 
drus genannt worden sein, wofür sein jetziger italienischer Name 
cedro (Diez Et. W. I s. cedro) spricht, das nicht aus citrus ent- 
standen sein kann, wenn dr aus tr gegen die italienische Lautregel 
ist (Gröber Archiv I 544). Allerdings ist, wie Olck in Pauli- Wis- 
sowa III 2617 unter Citrone bemerkt, diese Regel nicht ohne Aus- 
nahme (latro pater mater patronus: Körting Latein.-roman.Wörterb.), 
und es erscheint daher fraglich, ob Petron selbst credrae für citrea 
geschrieben hat. Immerhin sind wol die Früchte dieses Baums 
(mala citrea Dioscorid. I 166 z& hk p/yjäittol Xeyöfjieva iq irepcixot tj 
%e$p<5fJi7]Xa, (basalem he xfxpta; vgl. Galen, de alim. fac. II 37) 
hier gemeint. Sie mochten damals »als xetfrfjXta auf Tischen und 
Geräten prangen<, falls nicht schon der Baum (domus etiam deco- 
rans Plin. N. h. XIII 103) in Kübeln gezogen wurde (Hehn 361). 



Anmerkungen zu 38. 237 

Die Einschaltung des r kann im Volksmunde nicht befremden. 
Prob. App. daucus non draucus Gl IV 198,30, frustum non frustrum 
199,3. Vgl. unten culcitras. 

lacte: Ritschi Opp. II (330 f.) 574 ff. u. Ind. 794. Bücheler- 
Windekilde p. 13,10. Georges s. lac. II. Ludwig p. 21 ss. Gue- 
ricke p. 43. Heraus S. 44. 

lacte gallinacenm sprichwörtlich wie öpv&a» ?aXa (Dioge- 
nian. Vat. II 15 fdXa dpvtöow in\ täv anaviwv mit den Parallelen von 
Leutsch und Lucian. De merc. cond. 13) Genthe p. 4, auch bei 
Plin. N. h. praef. 24 alii (inscripsere) %epa; 'AfxaXdeta;, quod copiae 
cornu, ut vel lactis gallinacei sperare possis in volumine haustum. 
P. Zu den latein. Sprichw. Archiv III 274. Otto Spr. gallina 1. 
Crusius S. 37 rechnet es zu den Zügen der Schlaraffenmärchen. 
Allerdings ist auch in slavischen Märchen die Vogelmilch ein Aus- 
druck für den Begriff unerreichbarer Seligkeit. Zielinski Die Mär- 
chenkomödie in Athen. Progr. d. St. Annenschule zu St. Peters- 
burg 1885 S. 55. 

arietes a Tarento emit et eos culavit in gregem. Die 
Wolle von Tarent gehörte zu den feinsten. Marquardt Prl II 
476,15. [et eos wie c. 50 omnes statuas — congessit et eas in- 
cendit. Heraus.] 

culavit hält Bücheier jetzt für richtig, wol mit Recht: 'steißte 
sie.' »Das Wesentlichste bei diesem Bespringen ist doch die Be- 
rührung des culus (Aristot. hist. an. V. 2 Tzuyrfibv cwiövTa ö/eäeTat 
etc.). Daß das Verbum als solches bestand, kann man wol aus 
dem romanischen Kompositum (se) reculare (ital. rinculare, frz. 
reculer) schließen, es hat natürlich den Sinn von rcu-ftCeiv, 'den 
Steiß schlagen', nicht als Intransitiv, sondern faktitiv, und so an- 
ständig als möglich.« 

obiter. Zu 31 obiter cantabant. 

scripsit, ut Uli ex India semen boletorum mitteretur. 
Ille (wie is bei Sallust) öfter für das reflexivum; so bei Valer. 
Max. Seneca Juvenal. 13,203. Lactant. mort. pers. 23,8. Derselbe 
Freigelassene hat noch einmal dies ille: ne creditores illum con- 
turbare existimarent. >Ja man möchte selbst eine künstlerische 
Absicht des Schriftstellers darin erblicken, zumal wenn man sieht, 
mit welcher Vorliebe er die Freigelassenen das ille gebrauchen 
läßt, das ja nach Ausweis der romanischen Sprache, im Volkslatein 
eine auffallend große Rolle gespielt hat.« Is tritt auffallend gegen 
ille zurück, das sogar pleonastisch steht : »res, quod lana illae (elles) 
nos gloriosos faciunt.« Andrerseits wenden dieselben Leute das 
Reflexiv entweder nur direkt (non vult sibi male) oder wenn in- 
direkt, falsch an; c. 43 habet quod sibi debebatur. Heräus-V. 43. 



238 Anmerkungen zu 38. . 

semen boletorum. Marquardt Prl I 325,11. 

nam mulam quidem nullam habet, quae non ex onagro 
nata sit. Über den brachy logischen Gebrauch von nam, wenn 
(besonders nach Aufzählung einer Reihe von Einzelheiten) noch 
etwas nachträglich hinzugefügt wird (wobei immer ein Zwischen- 
glied ausgelassen ist) s. Hand Turs. IV 16 ff. Dräger Hist. Synt. 
II 154 (Praeteritio, occupatio besonders bei Cicero) Munro Critic. 
of Catull. 175, meine Anm. zu Juvenal. 10,204 CFWMüller 
Krit. Bern, zu Plinius N. h. (Breslau 1887) S. 7. Plinius verwendet 
dies nam sehr frei und schlechthin zum Übergang auf einen andern 
Gegenstand (Müller führt allein aus dem 28. Buch 14 Stellen an). 
Hier ist etwa zu ergänzen : 'überhaupt hat er von allen das Beste 1 . 
Auch Petron hat dies nam oft; so 48 f. nam Sibyllam quidem 52 
nam Hermerotis pugnas 53 nam et comoedos — emeram 56 nam 
mutae bestiae laboriosissimae 66 f. nam pernae missionem dedimus 
71 nam Fortunatam meam heredem facio 78 nam vinum quidem in 
vinarium jussit infundi. Ebenso c. 44. 46. 63. 68. 75. 91. 101. 107. 
117 (bis). 

ex onagro. SG II 544 f. 

culcitras. Diese Vulgärform, die sich auch in Handschriften 
findet (Orelli Cic. Tuse. III 46 Oudendorp Sueton. Tiber. 54 s. 
Georges s. culcita) ist das Substrat des span. colcedra ital. coltrice. 
Heraus S. 47 f. 

conchyliatum. Marquardt Prl II 508 f. coccineum das. 506. 

valde succossi sunt, Valde von Cicero (aus der Umgangs- 
sprache der Gebildeten? Abbott Valde in den Briefen an Cicero. 
Archiv IX 462 f.) in die Prosa eingeführt, von vielen Autoren (wie 
Gellius) gemieden, im 1. Jahrhundert auch bei Scribon. Largus 
Seneca Plin. N. h. (Wölfflin Z. latein. Gradation Archiv I 94), öfter 
bei Petron: 50 valde bene scio 51 non pote valdius 68 desperatum 
valde 71 valde te rogo; valde enim falsum est. 

succossi. Über Adjektiva auf osus Guericke p. 32 Schoenwerth- 
Weymann Archiv V 12 ff.; über die Aussprache und Schreibart ossus 
(57 dignitossus) Corssen Beiträge 480. 

qui in imo imus recumbit. So kann Hermeros nur sprechen, 
wenn er und Encolpius nicht auf dem lectus imus liegen. Wahr- 
scheinlich liegen sie auf dem medius; allenfalls in summo, wenn 
auch da vier waren und Herrn eros gleich unter Trimalchio lag. 
Mau. Daß der locus imus in imo ein andrer ist als der später 
erwähnte libertini locus, ist klar (bei Marquardt Prl I 304,3 sind 
sie irrtümlich für identisch erklärt). Auf dem letztern Platz liegt 
Julius Proculus, auf dem ersteren C. Pompejus Diogenes. 



Anmerkungen zu 38. 239 

octingenta. Das Doppelte des Rittercensus = 174000 Mark. 

de nihilo crevit wie 42 ab asse crevit 71 ex parvo crevit. Vgl. 
Otto Spr. nihil 3. 

modo solebat collo sno ligna portare wie 46 modo modo 
circumferebat onera venalia. 

quum Incubonl pilleum rapuisset, thesaurum inyenit. Der 
Glaube an Schätze hütende Kobolde, die man zwingen konnte, 
diese zu zeigen, wenn man ihnen ihre Kappe raubte, war also auch 
im Altertum verbreitet. Preller Rom. Mythol. 113 105,1. SG I 630 
Steuding Incubus, Incubo in Röscher Mythol. Lexicon. 

est tarnen subalapo et non mit sibi male. Die sämtlichen 
Erklärungen des überlieferten sub alapa, wobei alapa von dem bei 
der Freilassung üblichen, symbolischen Schlage verstanden wurde, 
[nach Phaedr. 11 5,25 multo majoris alapae mecum veneunt (wo 
meine Erklärung SG 1 127,7 wol zu künstlich ist), Schol. Pers. 
5,75 (Gloss. Pith.): quotiens (quos Pith.) manumittebant, eos alapa 
percussos circumagebant et liberos confirmabant (liberos illos con- 
firmabant Schol. Bern. Kurz Beil. z. Jahresbericht d. Gymnas. zu 
Burgdorf 1889 S. 25) und Sedul. Carm. Pasch. 6,102 haec sputa per 
dominum nostrum lavere figuram, His alapis noble libertas maxima 
plausit] sind unbefriedigend. Das Richtige ist wol das von Heraus- V. 
429 vorgeschlagene subalapo = subalapator. Es gab ein volkstüm- 
liches Verbum alapari prahlen (Rönsch Rhein. Mus. 1879 , 632 = 
Coli. phil. 25), in der Literatur wol nur bei Commodian. Carm. apol. 
453 nam quasi maleficum alapantur cruce levatum, sonst in der 
Corveyer vorhieronymischen Bibelübersetzung Jac. 3,14 quid ala- 
pamini? (pri) xauxäoOe) und CGI. II 14,23 alapatur dXanaCei (?) III 
372,56 xau/Tjr/)? alapator V 4,11 alapari pro jactantia ; woraus nach 
Vulcanius span. alabare = laudare, jactare. Bücheier vermutete 
Plaut. 928 nihil alapari für nihili phiari, was Scholl aufgenommen 
hat. Ein Verbalsubstantiv auf von einem Deponens wie alapo ist 
auch nugo, und überhaupt war die Unterscheidung zwischen Aktiv 
und Deponens im Volksmund keine scharfe (Heraus S. 386). Gegen 
die von Bücheier als möglich angenommene Form subalapa und 
deren Zusammenstellung mit transfuga incola bubsequa etc. be- 
merkt H&räus, daß diese Substantiva von Wurzelverben (also Ver- 
ben der 3. Konjugation) gebildet sind; während ein Beispiel bei 
Verben der abgeleiteten Konjugation kaum zu finden wäre (doch 
vgl. unten); von involare z. B. gibt es nur die Möglichkeiten *in- 
volo oder involator usw. Subalapator wie subsannator. Leo Anal. 
Plaut. III p. 13 A. verteidigt subalapa mit Hinweisung auf Seneca 
contr. II 4,12 quasi disertus es, quasi formosus es, quasi dives es, 
unum tantum es non quasi, alapa (alapam codd. vappa JFGronov) 



240 Anmerkungen zu 38. 

und für die Bildung auf feniseca. > Vielleicht liegt die Sache so, 
daß alapor erst von alapa > Protz« gebildet ist, und daß dies irgend 
wie mit griech. XantCw, XaTuofxa zusammenhängt. Dann ist subalapa 
von alapa richtig abgeleitet.« Heraus. 

et non vult sibi male. In der Literatur wol nicht, dagegen 
CGI IV 529,36 improbus, inconsideratus vel qui soli sibi vult bene. 
Heraus- V. 429,1. 

Itaque proxime + cum hoc titulo proscripsit. Bücheier findet 
cenaculum (statt cum; so ed. I) weder sachlich (auch wegen der 
Wiederholung) noch paläographisch wahrscheinlich, und hält auch 
casam (ed. 3) nicht mehr für richtig. Micam (Seneca Epp. 51,12 
habitaturum tu putas unquam fuisse in mica Gatonem?), an das 
Bücheier auch gedacht hat, würde kaum passend sein, da es wie 
es scheint, eine nicht bloß kleine, sondern auch niedliche Wohnung 
bedeutet. (Zu Martial II 59,1.) Sollte cum nicht aus einer Ver- 
stümmelung von locationem entstanden sein (wie unten hoc titulo 
auctionem proscripsit, worauf nachher folgt auctionem faciet)? 

ex kalendis Iuliis. Als Haupttermin des Wohnungswechsels 
auch Martial. XII 32,1. [Vgl. Zangemeister zu CIL IV 138. Bruns 
Fontes juris p. 422 ed. V. Heraus.] 

cenaculum locat: an Aftermieter. 

quid ille qui libertini loco iacet. Der locus libertini muß 
ein im gewöhnlichen Leben allgemein so genannter Platz gewesen 
sein, sonst hätte dieser Ausdruck in einer Gesellschaft von lauter 
Freigelassenen nicht gebraucht werden können. Am nächsten liegt 
es, ihn für den untersten zu halten (der Platz des Freigelassenen 
in einer Gesellschaft von Freien), doch in imo imus ist ein andrer 
(s. oben). Wollte man an den Platz des bevorzugten Freigelasse- 
nen denken, der in der Regel oder doch oft zur Tafel gezogen 
wurde und dann wol neben dem Hausherrn lag (also in imo 
seeundus), so müßte, wie Mau bemerkt, libertini aus dem dann 
erforderlichen liberti verdorben sein, und man könnte als un- 
tersten Platz nur etwa den eines unerwachsenen Haussohns an- 
nehmen. 

quam bene se habuit. 58 bene nos habemus. 

Impropero. Öfter in der Vulgata und bei christlichen Autoren, 
Rönsch 368; auch in Glossen. Ital. improperare frz. improperer. 
Heraus S. 5. 

decies : der senatorische Census = 217521 Mark. 

sed male Yacillavit. [Cic. Cat. 2,21 qui ... in vetere aere 
alieno vacillant. Heraus.] Otto Archiv VI 330 = Spr. pes 3 Anm. 
vergleicht 12 rerum venalium — quarum fidem male ambulantem 
obscuritas temporis facillime tegeret. 



Anmerkungen zu 38. 241 

non puto illum capillos liberos habere. Otto Archiv VI 54 
«= Spr. anima 2. Terent. Phormio 661 Quid? ßi animam debet? 
Donat. Graecum proverbium Ti hk et t^jv tyuxv ötpetXet; 

mehercules. Zu 33 m. 

sed liberti scelerati, qui omnla ad se fecerunt. Dies wurde 
wol oft als Grund von Vermögensverfall angegeben. Seneca Be- 
neff. II 27,1 Gn. Lentulus augur, divitiarum maximum exemplum, 
antequam illum libertini (1. liberti) pauperem facerent. Vgl. auch 
Petron. 43 habuit autem oricularios servos qui illum pessum de- 
derunt. Ad se fecerunt so wol nur hier. 

sociomm olla male fervet. Mißverstanden von Otto Spr. 
olla 1 und mir. Den wahren Sinn des Sprichworts hat Bacher A 
Talmudic proverb in Petronius (Jewish quarterly review October 
1892 p. 168—70) nachgewiesen. Ein im Babylonischen Talmud 
(Erubin 3a und Baba Bathra 246) angeführtes Sprichwort stimmt 
fast buchstäblich damit tiberein: a pot which is the common pro- 
perty of a number of partners is neither cold nor hot. Bacher 
meint, daß es (durch Sklaven oder Freigelassene) eher von Osten 
nach Westen übertragen worden sei als umgekehrt. Doch ist eine 
spontane Entstehung hier wie dort eben so möglich wie bei der 
von ihm angeführten Talmudischen Analogie zu der Phrase nunc 
populus domi est leones, foras vulpes. 

et ubi semel res inclinata est, amici de medio. Weiter unten 
inclinatis quoque rebus suis. >Wo das Geld kehrt und wend't, hat 
die Freundschaft bald ein End.« Düringsfeld I n. 614. Plaut. 
Stich. 521 Si res firma est, itidem amici firmi sunt; si res labat, 
Itidem amici conlabascunt , res amicos invenit. Vgl. Petron. 80 
Zenob. I 90 etc. Otto Archiv V 383 = Spr. amicus 7. [Eine 
feste Form scheint der Gedanke bei den Alten nicht angenommen 
zu haben. Eine in sehr mangelhaftem Latein abgefaßte Inschrift 
in Arelate (Ende des 1. oder Anfang des 2. Jahrhunderts), worin 
nach Ovid. Tr. I 9,5 ss. ausgeführt wird, daß man wahre Freunde 
nur im Unglück erkennen könne, fängt an: Quat (quoad) habeas 
valeas pascas, multos tu habebes amicos. Si haliquit casu aliter 
adduxerit aster etc. CIL XII 915. Hirschfeld.] 

quam honestam negotiationem exercuit — libitinarius fuit. 
Das Gewerbe des Leichenbesorgers, für Freie so wenig anständig, 
daß es Bie von den städtischen Magistraturen ausschloß (Mar- 
quardt StV I 179,1), galt in diesem Kreise immer noch für ein 
sehr anständiges, und war ohne Zweifel ebensowenig ein Hinder- 
nis für die Erlangung des Sevirats als die ebenfalls von den 
Ehrenämtern ausschließenden Gewerbe des Ausrufers und Seh 

Petronii Cena Trimalchioniß. 2. Aufl. 16 



242 Anmerkungen zu 38. 

Spielers. Schmidt 67 sq. 78 Servus libitinarii illius qui inter hos 
honestissimus erat. 

apros gausapatos: jedenfalls ein technischer Ausdruck der 
Küche. 

plus Tini gab mensa effundebatur, quam allqnis in eella 
habet. Vgl. 74 Trimalchio vinum jussit sub mensa effundi und 37 
argentum in ostiarii — cella plus jacet quam quisquam in fortunis 
habet. 

phantasia, non homo. Entweder: ein Mensch, wie er nur in 
der Einbildung existiert. Quintilian. VI 2,29 quas cpavxaalac Graeci 
vocant (nos sane visiones appellamus) per quas imagines rerum 
absentium ita repraesentantur animo, ut eas cernere oculis et prae- 
sentes habere videamur. Oder: nicht ein Mensch, sondern die 
personifizierte Pracht (oder Prahlsucht). Denn daß diese Bedeu- 
tung von «pavxacla (Diodor. XII 83,4 ol pis 'Efearaiot ^pTjpidixaiv 
tcXtj&oc lit£Set(;av, xd \ib* otxoOev xd hk Tiapd xä>v daxuifetTÖvcov ^p7]oap.evot 
<pavxaclac fve*ev Act. apost. 25,23 rjj oöv tnabpioy £X$<5vxoc xoö ' A^piinta 
xal X7jc Bepevfottjc p.exd «oXXfjc «pavxaala« xal eloeX&övxarv eU tö dbcpoarfj- 
piov ouv xotc /iXidp^oi« xal dv&pcfei xotc *ax lioyty oöot xfj« itöXeooc 
xxX) auch in die lateinische Vulgärsprache übergegangen war, darf 
man aus den von Ducange s. phantasia 2 angeführten Stellen 
schließen: Eustach. in vit. Stae Pelagiae meretricis c. 2 in Vitis 
Patrum: Et processit cum summa phantasia, adornata ut nihil vi- 
deretur super ea nisi aurum et margarita et lapides pretiosi. 
Gildas De excid. Britann.: cum magno apparatu magnaque phan- 
tasia vel potius insania repetentis ad patriam. Von den analogen 
Wendungen bei Petron (43 discordia non homo 44 piper non homo 
58 mufrius non magister 74 codex non mulier 134 lorum in aqua 
non inguina. Segebade p. 5) bietet die erste eine vollständige Ana- 
logie für die zweite Erklärung. 

ne ereditores illum conturbare existimarent. IUuin für eum. 
Oben zu 38 scripsit ut Uli semen boletorum ex India mitteretur. 

T. Inlius Procains. Nach reliquos autem collibertos müßte 
auch dieser wie alle anwesenden Stammgäste (59 Trimalchio — 
delectatus colliberti eloquentia) ein Mitfreigelassener Trimalchios, 
also ein Pompejus sein. Den fremden (übrigens wie Maecenatia- 
nus zunächst auf die Zeit des August und Tiberius weisenden) 
Gentilnamen Julius könnte er auf dieselbe Weise erhalten haben, 
wie Ciceros Freigelassener M. Pomponius Dionysius (Marquardt Prl 
I 22,4). Bücheier N. Schweiz. Mus. III 30,7. 

auctionem faciet rerum supervacuarum. Auctionen, um 
sich überflüssiger Gegenstände zu entäußern oder sich auf außer- 



Anmerkungen zu 38. 39. 243 

gewöhnliche Weise Geld zu verschaffen, waren sehr häufig. 
Mommsen Pompejanische Quittungstafeln des Cäcilius Jucundus. 
Hermes XH S. 88f. SG I 313. 

39 Interpellant. Zu 26. 

hilaresque convivae. Hilaris und hilaritas braucht Petron oft: 
23 adjuvit hilaritatem comissantium cymbalistria 52 Trimalchio hi- 
larius bibit 59 simus — a primitiis hilares 60 ludorum missio hi- 
laritatem [hie] refecit 61 hilaria mera sint 64 interdiu severa, nunc 
hilaria 65 delectatus hac Trimalchio hilaritate 74 hilaritas nostra 
turbata est. 

hoc Tinum, inquit, tos oportet suave faciatis: durch eure 
Tischreden. Ebenso 48 yos illud (vinum) oportet bonum faciatis. 
Anders Marti al. V 78,16 vinum tu facies bonum bibendo. 

pisces natare oportet. Wander Sprichwörterlexikon unter 
Fisch 33 (deutsch, englisch, französisch). 

rogo mit folgender direkter Frage (oder Imperativ) Segebade 
p. 15 Guericke p. 64. 

me putatis illa cena esse contentum? 68 poteram hoc feri- 
culo esse contentus. 

'sie notus Llixes T Aen. II 44. Über die Allgemeinheit des 
Zitierens aus Virgil, auch in den Kreisen der Ungebildeten SG III 
403, 1 u. 2. Vgl. auch 68 (Deklamation aus der Äneide). 

quid ergo est? Zu 30 f. 

oportet etiam inter cenandum philologiam nosse. Lehrs 
Herodian. p. 384: Earum litterarum orbe quem philologia complec- 
titur, nulla exclusa scientia est, nee ipsa philosophia. Id et Ci- 
ceronis aliquot loci satis docent, nee si Vitruv. praef. VII Home- 
rum omnis philologiae ducem dixit, philosophiam eximi voluit. 
Vgl. besonders Gic. Farn. XVI 21 Non est enim sejunetus jocus a 
philologia (h. e. a litterarum studio) et quotidiana auC^r/jaet; Attic. 
II 17 Seneca Epp. 108,23 (quae philosophia fuit, facta philologia 
est); philologus ib. 30. 31. Apocol. 5,4 Claudius gaudet esse illic 
philologos homines. 

patrono meo ossa bene quiescant. Wilmanns Ex. Inscr. 186 
= Inscr. de l'Alg. 1794 == CIL VIII 1,5930 o(ssa) t(ua) b(ene) q(uies- 
cant). Wilmanns Ib. 590 ut jaceant ossa quieta mihi. Daß diese 
und verwandte Formeln (CIL VIII 2 p. 1104) außerhalb Afrikas 
selten sind (Wilmanns Ib. 186) ist nur Zufall, wie auch diese Stelle 
zeigt. Vgl. auch Wilmanns 1493 Orelli 4488. 4758. 

qui me homlnem inter homines voluit esse wie 57 homo inter 
homines sum 74 hominem inter homines feci. Diese Redensart war 
offenbar unter Sklaven und Freigelassenen besonders gebräuchlich. 

16* 



244 Anmerkungen zu 39. 

Vgl. Otto Spr. homo 6. Herondas 5,15 i^\ii rrfaxpcov, i\ ce ftetca 
h dv&p<6itot<; Tac. Hist. IV 64 liberi inter liberos. Heraus S. 37. 

sicut ille fericulus iam habnlt praxlm (ZZ, am Rande ope- 
rationem). Interpretare sicut illud ferculum jam demonstravit.' 
Bücbeler I. 

fericulus auch 68. Guericke 46. Die Form fericulum (3 Mal 
bei Petron) auch bei Seneca (ed. Haase III 519). 

caelus Guericke 46. Suchier Untergang des geschlechtslosen 
Substantivum Archiv III 163: der Übergang der Neutra in Mas- 
culina wahrscheinlich zuerst in der 2. Declination, wofür fatus vinus 
die ältesten vulgärlateinischen Belege sind (doch über fatus vgl. 
zu 42 malus Fatus). Bücheier- Windekilde 7. 

expudoratum auch in Glossen. Heraus S. 5 ital. spudorato. 
Cesareo 46. 

arietilli (fehlt bei Georges) Stichname für Undankbare? Zenob. 
IV 63 (xptö; Tpocpet* dizhiaev) i\ 7rapotp.ta im xtov d^apioxcov. Heraus 
S. 6. 

calcitrosi. Heraus S. 6. Zu 28 succossi. 

qui utrosque parietes linunt. Otto Archiv V 12= Spr. pariesl. 
»Wer auf beiden Achseln trägt, schwarz und weiß aus einem 
Tiegel malt.< (Körte 7051). A6o totyouc iXelcpeiv im täv dxcajxcpoTe- 
piCövroav xal öiot piaou /oopo6vT(ov dv ficfyaic *} «piXfcai;. (App. prov. 2,2 
Apost. 6,37). Cic. Farn. VII 29,2 noli hanc epistulam Attico osten- 
dere; sine eum errare et putare me virum bonum esse nee solere 
duo parietes de una fidelia dealbare. 

in cancro ego natus sum. ideo multis pedibus sto. Quin- 
tilian. XII 9,18 itaque in his actionibus omni, ut agricolae dieunt, 
pede standum est. Otto Archiv VI 330 = Spr. pes 3. Daß die 
Geburt im Zeichen des Krebses zu gewinnbringender Tätigkeit, 
namentlich kaufmännischen Geschäften jeder Art befähigte, war 
anerkannt. Manil. Astr. IV 162: 

Cancer ad ardentem fulgens in cardine metam 

106 Attribuit varios quaestus artemque lucrorum: 
Merce peregrina fortunam ferro per urbes 
Et gravia annonae speculantem incendia ventis 
Credere opes, orbique orbis bona vendere posse 
170 Totque per ignotas commercia jüngere terras etc. 
Vgl. SG I 369,5. Collignon p. 271. 

Cancer et hoc et illoc quadrat. Über hoc, die Form der am 
Altlateinischen festhaltenden Umgangssprache statt des hochlatei- 
nischen huc Wölfflin Archiv VII (1890) 332. Ebenso istoc 57 



Anmerkungen zu 39. 245 

(p. 142,15). Sueton. Galig. 55 (Schreiben Caligulas an den König 
Ptolemäus von Mauretanien: ei quem istoc misi neque boni quic- 
quam neque mali feceris). Vgl. Neue-Wagner Latein. Formenl. II 8 
613—615. Serv. A. VIII 423: pro huc hoc veteres dicere solebant. 

et ideo iam dudum nihil super illnm posni. Oben 35 super 
cancrum Corona m. 

cataphagae. Über <pa*fac xaTcupaja; und verwandte Wörter 
(ytjoa« xopoCä; XapuYYac Sa*va«) Lobeck Phrynich. p. 434. 

imperiosi. Zu 38 succossi. 

strabones, qui holera spectant, lardum tollunt« (Horat. S. 
II 6,63 uncta satis pingui ponentur oluscula lardo.) Buchstäblich 
zu verstehn, nicht mit Otto Archiv IV 350 = Spr. lardum 'die Nei- 
dischen, Selbstsüchtigen 1 . Strabonus 68 am Ende. 

aemmnosi. Zu 38 succossi. 

quibus prae mala sna cornua nascuntur. Ebenso 46 prae 
litteras fatuum esse. Guericke 56. Suchier Archiv III 165: Die 
Volkssprache strebte Akkusativ und Ablativ zu der Funktion 
eines Casus auszugleichen. (Ex litteras CIL VIII 10570 — zwi- 
schen 180 und 183 p. C.) 

Ob die Vorstellung, daß den Kümmerern vor lauter Mühsal 
Hörner wachsen, verbreitet war, ist unbekannt. Beruht sie auf 
demselben Grunde, wie die vom Hörnertragen betrogener Ehe- 
männer (%epaa«p6poi SG I 477,7)? Jedenfalls bestand diese letztere 
schon im Altertum; mit Unrecht also leitet Grimm DW IV 2, 
1817,6 'Hörner setzen' von einer Sage her, nach welcher ein von 
dem Zauberer Virgil verfertigtes Erzbild untreuen Frauen den ihm 
beim Reinigungseide in den Mund gelegten Schwurfinger abbiß, 
während dem betrogenen Ehemann ein Hörn aus der Stirn wuchs. 

sie orbig vertitur tanquam mola. Tanquam in Vergleichun- 
gen zweier Substantive: 41. 43 (76). 44 (4). 51. 57. 58. 62 (4). 71. 
72. 74. 78. Segebade p. 4. 

et semper aliquid male facit, ut homines aut nascantnr 
aut pereant. Der bekannte Gebrauch von maleficus und mala' 
ficium in der Bedeutung 'Zauberer Zauberei' läßt mindesten* ftir 
die Umgangssprache einen entsprechenden Gebrauch von 
facere voraussetzen, der allein diese Stelle verständlich 
[Auch ist ein Zeugnis dafür vorhanden. Rönsch Semaa, Befer III 
57 (Doctr. XII Apost. firagm. Mellens. II 2: mm UnimrerU, 
non male facies, wo im griechischen Text o£ juepteif steht 
Heraus.] 

terra — omnia bona in se habet tanqmmm fm» Vgl. 43 
crevit — tanquam favus 76 crescebat tanquam : 



246 Anmerkungen zu 40. 

40 sopkos universi clamamus. Hirschfeld Philol. LI 470 
glaubt, bei Martial VI 48 (Quod tarn grande sophos clamat tibi 
turba togata) eine Reminiszenz an diese Stelle zu entdecken; wie 
auch M. XIII 62 = p. 119,33 (ingeniosa gula est) M. V 70,5 = 
p. 141 (centies comesse). Vgl. Collignon p. 391—394. 

Hipparchum. Der wissenschaftliche Begründer der Astro- 
nomie 160—125 v. Chr., dessen Kommentar zu Arat noch vorhan- 
den ist. 

Aratumque. Der Verfasser des allbekannten, mehrfach ins 
Lateinische übersetzten Schulbuchs <Daw6fAeva %<xi Aioat)|ma (um 270 
y. Chr.), das der großen Mehrzahl der Gebildeten die Anfangs- 
gründe der Astronomie vermittelte. 

donec advenerunt ministri« Engländer Donec als koordinie- 
rende Partikel Archiv VI 468 übersetzt donec hier und 55 mit 
'darauf, eine Bedeutung, die auch Gröber Archiv II 103 auf Grund 
entsprechender romanischer Partikeln, wie afrz. donc donques 
'denn, da 1 für die Vulgärsprache voraussetzt; vgl. AZimmermann 
Jätymol. Versuche Progr. d. Mariengymnas. zu Posen 1891 S. 12. 
Doch die beiden Stellen bei Petronius sind nicht bloß offenbar zu 
stark zusammengezogen, als daß man aus ihnen für die Bedeutung 
der Partikel etwas schließen könnte, sondern kommen auch in der 
Erzählung vor, welche die vulgäre Ausdrucksweise ausschließt. 
[Ebensogut wie hier könnte donec 6,4; 21,2; 69,5; 109,8; 114,10; 
134,6 mit darauf übersetzt werden. Mütter.] 

toralia praeposuerunt toris. Vit. Elagab. 191 toros — tora- 
libus texit. Heraus. 

necdum sciebamug, quo mitteremus suspiciones nostras. 
54 nee longe aberravit suspicio mea. 

et ecce« Zuerst bei Varro; bei Petron 4 Mal, wovon 3 Mal 
in Reden von Freigelassenen 40. 45. 66. 76. Segebade 27. Oft bei 
Apulejus: Eoziol Stil des A pule jus S. 317. 

canes Laconici« Vgl. Interpr. ad Vergil. G. III 405 velocis 
Spartae catulos acremque Molossum. Horat. Epod. 6,5 qualis aut 
Molossus aut fulvus Laco und Schneidewin-Nauck zu Soph. Aj. 8. 

circa mensam discurrere coeperunt. Zu 27 errare coepimus. 

secutum est hos repositorium. Der zweite Gang der eigent- 
lichen Mahlzeit. 

primae magnitndinis aper. Das Auftragen ganzer Eber für 
wenige Gäste, von P. Servilius Rullus etwa in Sullas Zeit einge- 
führt (Plin. N. h. VIII 210 SG in 40,8), war noch in Juvenals 
Zeit Sitte, wo sogar Einzelne sie sich auftragen ließen (1,140 sq). 

altera caryotis altera thebaicis repletae. Caryotae Mar- 
quardt Prl II 428. Stat. S. IV 9,26 Thebaicaeve Caricaeve. 



Anmerkungen zu 40. 41. 247 

circa autem minores porcelli wie 66 porcum — et circa 
saviunculum et gizeria und scriblita — circa cicer et lupinum. 

ex eoptoplaeentis facti. Coptoplacenta (nach Vespae Iudic. 
eoci et pistoris Anthol. lat. I 99, 47 Kiese Nos facimus populo 
studiose coptoplacentas) dasselbe oder etwas ähnliches wie copta 
Martial. XIV 68. Bei Athenaeus %oirro7cX<xxouc. Heraus S. 28. 

qui altilia lacerayerat. Zu 36 laceravit obsonium. 

alicula. Zu Martial XII 81,2. 

lotam. für au wie 43 oricularios. Ludwig 10 Guericke 13. 

41 ego qui privatum habebam secessum. Worin dieser be* 
steht, da Encolpios seinen Platz zwischen Hermeros (qui supra me 
accumbebat 36 u. 57) und Agamemnon (49) hat, und zwar beiden 
so nahe, daß er sich mit ihnen lekie unterhalten kann, ist nicht klar. 

in multas cogitationes diductus sum. Das überlieferte di- 
ductus ist nicht zu ändern. Vgl. Verg. A. V 720 in curas animo 
diducitur omnis Tac. A, IV 40 cum in omnes curas distraheretur 
und ähnliches. Heraus. 

postquam itaque omnes bacalusias consumpsi. Die Ver- 
mutung von Georges, daß bacalusiae eine Art Naschwerk und der 
Sinn sein könnte 'nachdem ich alle Nüsse geknackt', ist sehr un- 
wahrscheinlich. Bücheier denkt an einen Zusammenhang des 
ersten und Hauptteils mit ßdfaqXoc = baceolus (Sueton. August. 
87 ponit assidue — pro stulto baceolum), vielleicht mit einer volks- 
etymologischen Anlehnung des zweiten Teils an ludere ('Flausen'). 
Doch Ed. 4 Index: ßauxcMjcei;? 

dnravi interrogare Interpretern menm wie 36 non erubui 
interrogare. Durare mit dem Infinitiv sonst poetisch (Lucan. IV 
519 victurosque dei celant, ut vivere durent, Felix esse mori. Sil. 
X 653 miranti durarunt prodere Poeno XI 75 Bomuleis durastis 
succedere muris [Commodian. Carm. apol. 755) kommt auch in 
Prosa vor : Mela I 72. Heraus.] 

plane etiam hoc servus tnns indicare potest. Plane zu An- 
fang der Sätze (gewiß, sicherlich) 12. 63. 67. 69. Ein einzelnes 
Wort bestätigend oder bekräftigend: unten zu plane matus sum. 

servus tnns. Nur hier erscheint servus in der Anrede als Ge- 
genstück zu domine, wie in den modernen Sprachen, ,Ihr Diener' 
Elebs S. 663. Vgl. die Anm. zu 46 habebis ad latus tuum ser. 
vulum. 

hie aper, cnm heri summa cena enm vindicasset. Summa 
cena soviel als caput cenae, der Hauptgang, wie summa mensa 
Martial. X 37,9 das Hauptgericht. Dagegen 67 in summo zum 
letzten Gange. 



248 Anmerkungen zu 41. 

a convivis dlmissus est wie 67 pernae missionem dedimus. 

damnayi ego stuporem menm. Über den pleonastischen Ge- 
brauch des pronomen personale (74. 48. 78. 62. 9. 26. 82. 92) Sege- 
bade 8 Guericke 53. Landgraf, zu Cic. Rose. Am. (ed. maj.) p. 131. 
[Doch steht auch das pleonastische ego meist im Gegensatz zu einer 
genannten Person. MüUer.] 

ne yiderer nunquam inter honestos cenasse. 34 multo ho- 
nestiores cenabant. 

puer speciosus wie 74 puer non inspeciosus. 

modo Bromlum interdum Lyaeum Euhiumque confessus. 
Modo — interdum auch 113,ö; öfter bei Sallust Bell. lug. 42,L 
66,8. 62,9. 74,1; auch Curtius, Ovid. Met. II 190. Wölfflin Archiv 
II 263 f. Modo — saepissime Petron. 114,8. 

Allem Anschein nach ist hier an eine pantomimische Darstel- 
lung eines Textes zu denken, in dem Bacchus mit allen drei Prä- 
dikaten bezeichnet war, wobei der Darsteller jedes durch eine be- 
sondere Haltung und Gebärde ausdrückte. Denn daß die Panto- 
mimen ihre Texte auch Wort für Wort durch entsprechende Gesten 
wiederzugeben suchten, ist bezeugt. SG II 468, 3 u. 4. 

poemata domini sui. Vgl. zu dem Tristichon 34 und SG I 
423,6. 

circumeuntem puerum sane perbasiamus. 64 puer — jam- 
dudum circumibat pedes nostros. 

Liberum patrem. Er, der gewesene Sklave, der als solcher 
ditefcoip war, besitzt nun einen freien Vater, hat einen Freien zum 
Vater. Bücheier. 

llbertatem sine tyranno wol sprichwörtlich. 

eoepimus inritare. Zu 27 errare coepimus. 

cum pataracina poposcisset. 'non tarn meracum, quam gran- 
dioris potorii genus appellatum fuisse puto qualia ananeaea erant 
vel Aüifana ab Horatio vel batiacae a Plauto Athenaeo Arnobio 
memoratae. alia calicum poculorumque nomina Martialis congessit 
in apophoretis. »poseunt majoribus poculis« dixit Cicero in Ver- 
rem actione seeunda I 26,66'. Bücheier I. Hesychius nennt als 
Namen von Trinkgefäßen ir^uaxvov und 7iaxavia — Ä itihayya xaXoüoiv. 
,Legt man nun Tidxayyov zugrunde (Hes. Phot. p. 402,2), so ergibt 
dies im lateinischen Munde mit bekannter Epenthesis patacinum, 
woraus im Volksmund leicht pataracinum mit Anlehnung an das 
stammverwandte patera (auch patara geschrieben) sich entwickeln 
konnte. Sehr viele Namen von Trinkgeschirren waren mit dem 
Comment aus Griechenland in Born eingedrungen 1 . Heraus- V. 
S. 433. 



Anmerkungen zu 41. 249 

dies nihil est, dum versag te nox fit. — et mundum frigus 
habuimus. Dies deutet in Verbindung mit 30 III et pridie ka- 
lendas Ianuarias (vgl. die Anm.) auf den Januar. [Seneca. Ira. III 
43,5 dum respicimus, dum versamus nos (im Umsehn, im Handum- 
drehen) mortalitas adest. Heraus.] Neapolitanisch: la jornata e 
no muorzo, mentre te gire e te vuote, e fatto notte. Gocchia 
p. 314. 

balneus — yinns. Guericke 46 und zu 39 caelus. 

staminatas duxi sc. potiones. Bückeier hält die bei Bitschi 
Opp. II 510 gegebene Herleitung des Wortes aus einer Latinisie- 
rung von axdfxvo; mit Vokaleinschaltung (wie drachuma mina etc.) 
nicht mehr für wahrscheinlich, da gegenüber so vielen griechischen 
Maßbezeichnungen oxa^vo; nicht zu den Italikern gekommen zu 
sein scheint, auch die Ableitung mit -atus da weniger passend ist. 
Er versteht unter staminatas jetzt meracas, »nur mit stamen ver- 
sehen, ohne subtemen, d. h. nur mit Wein ohne Zusatz von Wasser. 
Das Bild, angelehnt an vestiarius, war den Alten vielleicht auch 
sonst geläufig, vgl. Hesychius s. cnf)p.viov (cnjiidvtov) und onr)p.ovla« 
xixfovo'j; bei Kratinos (die einzeln für sich stehn), cn){ji<5viai Bta- 
Xiq^et; cpuXXou bei Theophrast (die eigentlichen Rippen des Blatts). 
Eine Hauptsache bei der Metapher ist jedenfalls der Wortstamm 
sta- (wie stabiles, vgl. engl. Standard book)«. Crusius vergleicht 
,spinnen' für trinken ohne abzusetzen; Bloch S. 548 ,es regnet Bind- 
fäden' und die Studentenausdrücke ,strippenmäßig ( (wie eine Sack- 
strippe) trinken. Cesareo p. 40 vergleicht franz. estaminet und 
neapol. stainata 'corrifpta significatione urceus in quo exta coquun- 
tur\ Gröber bemerkt dazu folgendes: »Die Grundlage für franz. 
estaminet ist noch nicht erkannt. Es ist eigentlich ein Wort der 
wallonischen Mundart, von wo es in den italienischen Sprach- 
schatz übergegangen ist, und begegnet in keiner andern romani- 
schen Sprache. Es bedeutet nicht schlechtweg Schenke, sondern 
den Raum, in welchem geraucht wird, jedenfalls einen abgegrenzten 
Raum im Wirtshaus. Sicher ist es eine Deminutivbildung, die von 
einem Stamm estamin ausgeht. Leider ist estaminet im ganzen 
französischen Mittelalter nicht belegt, so daß man die Geschichte 
des Wortes nicht kennt. Das neapolitanische stainata verzeichnet 
Ambra Vocabolario napoletano-toscano mit der Erklärung = ital. 
calderone, caldajone (großes irdenes Gefäß zum Kochen und Sie- 
den). Neapolitanisch stainata ist dasselbe Wort wie sicil. stagnatu 
= vas stagno obductum = ital. stagnata, Öl- und Wasserständer 
von Zinn oder verzinnt, also = stagnone Zinngeschirr, aus stagno 
Zinn «= lat. stannum (stagnum). Da stagnum (stannum) die Grund- 



250 Anmerkungen zu 41. 

läge des neapolitanischen Worts bildet, ist es jedenfalls etymo- 
logisch nicht zu staminata zu stellen.« 

plane matus sum. Wölfflin Z. latein. Gradation Archiv 198: 
'Plane scheint im Konversationston beliebter gewesen zu sein als 
prorsus, besprochen ist es von Schmalz Asinius 8. 96, womit der 
Gebrauch bei Petron und Tertullian (z. B. Apol. 22 plane male) 
übereinstimmt'. Petron. 39 plane non pro expectatione magnum 
43 plane Fortunae filius 45 plane fugae merae 52 in argento plane 
Studiosus sum 87 et non plane jam molestum erat munus. 

matus (mattus scripturam e glossario Remensi adnotavit Tile- 
bomenus. Bücheier I). Das Substrat des italienischen matto. Das 
Bedenken von Dietz (Et. W. II a. s. v.) gegen die Ableitung von 
madidus (der er jedoch den Vorzug vor der von fia-nS; = ^rftatoc 
gibt) ist durch die Bedeutung von madidus nicht begründet; denn 
wie er selbst sagt, konnte der Begriff von betrunken, benebelt sehr 
leicht in den von unvernünftig, sinnlos übergehn. Dagegen erregt» 
wie Gröber bemerkt, die Form Zweifel; 'denn d'-d zu t oder tt 
ist verschieden von t'-d zu tt, z. B. nitidus ital. netto; auch frigi- 
dus ital. freddo zeigt, daß die media als solche sich erhielt und 
nur bei Berührung mit der tenuis (wie bei nitidus: nit-dus) sich 
assimiliert, also t(t) ergibt'. Nach Heraus S. 6 f. ist matus als Par- 
tizipialbildung zu fassen (für madefactus) wie egretus = egressus 
Paul. Fest. p. 78,4 (so Bücheier), falls es nicht überhaupt dem Stamm 
matt fremd ist. 'Die Scaliger-Glosse unbekannter Provenienz CGI 
V 604,41 lehrt matum est : humectum est, emollitum, infectum. — 
Andrerseits heißt es dem ital. matto töricht entsprechend V 568,58 
fatuus: stultus, sine sensu, vacuus, follis (frz. fou) mattus (vgl. 
Du Cange s. mattus). 1 Die Ansicht der Romanisten und Germa- 
nisten (vgl. Grimm DW), daß ital. matto (span.-portug. mate, frz. 
mat, woraus das seit dem 12. Jahrhundert nachweisbare deutsche 
matt) von der Schachspielformel schäh mät (der König ist gestorben) 
herkomme, ist nach Nöldeke problematisch; denn schah ist persisch 
und mät arabisch. > Allerdings ließe sich schah als technischer Aus- 
druck hier im Arabischen denken, aber dann wäre wieder die 
Wortstellung ungewöhnlich; das Verbum stände im Arabischen 
von Rechtswegen voran. Gildemeister hat nun (Ztschr. d. d. mor- 
genl. Gesellsch. XXIX 696) mät als ein persisches Adjektiv er- 
klärt, das etwa »nicht aus — noch ein wissend' bedeute. Dafür 
spricht einiges; aber leider ist dies mät bis jetzt nur in der Verbin- 
dung mit schäh bekannt. So kommt es schon bei Firdusi vor. 
An sich wäre es freilich wahrscheinlich, daß auch die Formel, wie 
die Namen der einzelnen Figuren, den Arabern von den Persern 
zugekommen wäre, nicht umgekehrt. Wie dem aber auch sei, 



Anmerkungen zu 41. 42. 4251 

hebräisch ist mät nicht, und zu Neros Zeit hat es vielleicht 
selbst in Indien, jedenfalls aber in andern Ländern noch kein 
Schachspiel und kein schäh-mät gegebene Noldeke. 

42 balniscus enim f nllo est« Clemens Alex. Paedag. c. III (3) 
(bei Studer Obss. crit. p. 12): al hh toö ßaXavefou cove^eTc XP^ oeii 
xaftatpouot xa; äuvapetc *al xou; cpuaixou; jakutai tövou;, TtoXXaxi; hk 
£%X6oeic dfyouoi %ai XeHroftupiac — d^%pmnofsa^eXa dxdXouv a6rd 
ol itaXatol, iirel ftartov tj 7tpoofjxev jtoxot xä odEiftaxa xal Trpo^pdtaxeiv 
dva-pcdtC« %a&£4><ma, xaxot xot auxÄ xijj OL&f]p<p uaXaaoofiivT)«; xij} depfx6- 
TTQTt t?jc oap7C(5;. 

laecasin kann nichts andres sein als ein von Xefyetv (fellare) 
abgeleitetes Xei^dCetv, wenn auch diese Form nicht bezeugt ist; 
denn das Onomasticon vocum latino-graecarum, wo sie vorkommt, 
hat Löwe als modernes Machwerk erwiesen. Nur ein solches Wort 
(fellare), nicht XaixdCeiv fornicari, eignet sich für eine grob abferti- 
gende Redensart. Bei Martial. XI 58,12 (Aei^Cetv cupidae dicet 
avaritiae) ist es in den Handschriften in leicazin, dann leicatin ent- 
stellt. Vgl. meine Anm. Die Erklärung von Georges laecasin 
aller se faire foutre (so auch Bloch S. 548) ist unmöglich, da 
1) fornicari nicht dasselbe ist wie futuere, und 2) das se faire fehlt, 
auf das es gerade ankommt. 

ful In funus. Ludwig p. 35 Guericke p. 58 Petron. 15 in con- 
troversiam esse. Wilmanns Ex. Inscr. 2083,18 in curiam esse etc. 
Seneca Epp. 108,4 et qui ad philosophum fuerunt, traxerint aliquid 
necesse est, quod prodesset etiam neglegentibus. [Vgl. übrigens 
auch in funus rogata c. 72, in funus venire bei Cicero (Varro b. Serv. 
A. XI 143 ad exsequias rogare). Die Verbindung in funus war 
eben fest geworden. Heraeus.] 

animam ebulliit. 62 paene animam ebullivi. Seneca Apo- 
col. 4,2 et ille quidem animam ebulliit et ex eo desiit vivere vi- 
deri. Pers. 2,10 si Ebuliiat patruus. 
. modo, modo me appellarit. Zu 37 et modo, modo quid fuit? 

ntres inflati. Epicharm. fr. 145 Ahr. (p. 157 Lorenz) 9601; 
dvftpdfmoöv doxol necpuatapivoi. Otto Spr. uter. 

minores quam mnscae snmns. Das überlieferte minores ist 
vielleicht beabsichtigter Sprachfehler. Wenigstens geben die spä- 
tem Grammatiker den Unterschied von plures und plurc's in ihren 
Antibarbaris an; z. B. Beda GGL VII 284,27; minores und minores 
esse p. 279,22. Heraus. 

nos non pluris snmns qnam bnllae. Varro R. r. I 1,1 cogi- 
tans esse properandum, quod — ut dicitur, si est homo bulla, eo 
magis senex. Schol. Pers. 2,10 ex quo etiam proverbialiter dici- 



252 Anmerkungen zu 42. 

tur, homo bulla est. Der Vergleich ist durchgeführt von Lucian. 
Charon 19. Otto Archiv IV 23 = Spr. bulla. 

et quid si non abstinax folsset wie unten quid si non illam 
optime accepisset; charakteristisch für die Bedeweise dieses Se- 
leucus wie ad summam u. a. für die des Hermeros (zu 37). 

abstinax nur hier. Über Wörter auf ax in der Vulgärsprache 
Ludwig p. 30 Guericke p. 31. [Retinax Symmach. Epp. I 47. Heraus.] 

tarnen abilt ad plures. Plaut. Trin. 291 quin prius me ad 
plures penetravi? Aristoph. Eccl. 1073 (1118) fpauc dveonpiuia icapd 
t&v irXsiövoov. Otto Spr. plures. Vgl. auch Bücheier N. Jahrbb. 
LXXVII 1858 S. 69 über Henzen-Orelli 6042 plures me antecesse- 
runt, omnes expecto. 

malus Fatus. 71 etiamsi illos malus Fatus oppressit. 11 hoc 
mihi dicit fatus mens. Heraus S. 42. Im Volksglauben gingen 
aus der Vorstellung des Schicksals männliche und weibliche Gott- 
heiten, Fatus und Fata hervor. Der Fatus, der jeden Einzelnen 
durchs Leben begleitet, bestimmt dessen Verlauf und führt schließ- 
lich den Tod herbei. Peter s. Fatus, Fata in Röscher Mytholog. 
Lexicon. 

medicus enim nihil aliud est quam anlmi eonsolatio. Vgl. 
Ps. Quintilian. Decl. maj. 8,9 medicina quid praestas nisi ut juxta 
te nemo desperet? Weyman Archiv. XIII 390. Heraus. 

tarnen bene elatus est, vitali lecto. 77 interim Stiche pro- 
fer vitalia in quibus volo me efferri. Vitalia (ursprünglich für 
mortualia) auch Seneca Epp . 99,22 quam multis cum maxime funus 
locatur! quam multis vitalia emuntur! Munro zu Lucret. III 820 
(quod letalibus ab rebus munita tenetur, wo die codd. vitalibus 
haben). Mit einem ähnlichen Euphemismus nannten die collegia 
funeraticia sich salutaria. De Rossi Bull. comm. di Roma 1882 
p. 144 ff. 

maligne so viel als parce. Laudare maligne Horat. Epp. II 1,209 
vgl. C. I 23. Seneca Beneff. VI 16,7 nee quae sciebat maligne 
dispensavit etc. 

sed mulier quae mulier. 'Quae sana mihi esse persuasit 
Varro de compositione saturarum apud Nonium p. 67,11 M: parec- 

tatae (1. pareutaetae) adsunt, mulier quae mulier, Venus, caput 

(Weib vor Weib).' 1 ) Bücheier I. Vielmehr: ein rechtes Weib, das 
voll und ganz Weib ist, im Gegensatz zu virgines. Bücheier, 



i) wo LMüller Nonius p. 90,16 liest: paientactoe adsunt mulierque 
[mutier] vennsta. 



Anmerkungen zu 42. 43. 253 

Attisch-römische Ephebenbezeichnung. Rhein. Mus. N. F. XVIII 
(1893) 631,1. 

milvinum genas. Ans dem Begriff der Raubsucht (Martial. 
IX 54,10 rapax milvus Hieronym. Epp. 68,1 feritate lupos, rapa- 
citate milvos vincere, ebenso pecuniae accipiter Plaut. Pers. III 3,5 
vgl. accipiter Otto Spr. XLII und 2) hat sich der der Selbstsucht 
und Herzlosigkeit entwickelt; noch allgemeiner braucht Trimalchio 
75 milva als Schimpfwort gegen Fortunata. Vgl. P zu den latein. 
Sprichw. Archiv III 67 und Otto das. 394 = Spr. milvus. Rib- 
beck Com.2 coroll. p. XLIX stellt folgenden Senar her: mulier 
quae mulier [omnes] milvinum genus. 

neminem nihil boni facere oportet« Neminem ist Objekts- 
akkusativ; vgl. c. 44 aediles male eveniat. Die Verdoppelung der 
Negation auch 58 nee sursum nee deorsum non cresco. 76 nemini 
tarnen nihil satis est. Guericke p. 59 Segebade p. 7. 

aeque est ac si in puteum conicias. aeque est: Beispiele 
des Adverb mit dem Hilfsverbum Ludwig p. 33 Guericke p. 54. 

ac si. Ac (nie vor Vokalen und h c g q) in Reden von Frei- 
gelassenen hier und 29 ac Laenatis gladiatorium munus. Segebade 
p. 30. 

in puteum conicias« Horat. S. II 3,242 qui sanior ac si Illud 
idem in rapidum fluvinm jaciatve cloacam u. a. Otto Archiv IV 25 
= Spr. cloaca. 

sed antiquus amor Cancer est« Otto Spr. amor 2: 'ist wie 
ein KrebsgeschwuY. Vgl. Lucr. IV 1064 ulcus enim vivescit Apo- 
stol. VII 3 IXxo; f^t» töv Ipota. Doch vielleicht: 'hält fest wie 
mit Krebsscheren' (vgl. Orci cancros Apulej. met. VI 8). 

43 molestus fuit. 46 quid ille argutat molestus? 

Philerosque: verschieden von dem 46 genannten causidicus 
Phileros. 

vivornm memlnerimns. Cic. De fin. V 1,3 sum multum equi- 
dem cum Phaedro ... in Epicuri hortis, . . . sed veteris proverbii 
admonitu vivorum memini. 'Halts mit den Lebendigen, laß die 
Toten ruhen/ Düringsf. II n. 17 Otto Spr. vivus 6. Hier im 
eigentlichen Sinne; in weiterer Bedeutung (laßt uns an Dinge 
denken, die uns angehn) 75. 

ab asse crevit« Zu 38 de nihilo crevit. 

paratns fuit assem de stereore mordicus tollere. Horat. Epp. 
1 16,63 Qui liberior sit avarus In triviis fixum cum se demittit ob 
assem. Pers. 5,111 Inque luto fixum possis transcurrere nummum. 
Otto Archiv IV 39 und VI 66 = Spr. as 4 [mordicus: Lucil. 659 



254 Anmerkungen zu 43. 

Marx. Heraus] Neapolitanisch: s'avarria pigliato no tornete co la 
vocca da miezo a la m(erda). Cocchia p. 314. 

itaqne ereilt, quiequid crevit, tanqnam favus. 76 quiequid 
crevit, crescebat tanquam favus. Ist quiequid crevit vielleicht in 
der ersten Stelle aus einer am Rande gemachten Verweisung auf 
die zweite in den Text gekommen? Falls es ursprünglich dazu 
gehört hat, ist quiequid Akkusativ des Inhalts. Vgl. auch 39 
omnia bona in se habet tanquam favus. 

mehercules. Zu 33 m. 

solida centum« Martial. IV 37,4 ex insulisque fundisque tri- 
cies soldum. 

in nummis wie in praesenti, in aspero, in cistophoro, in auro 
(Martial. XI 23,3). Vgl. CFW Müller zu Cic. ad fam. praef. XIX u. a. 
Heraus. 

verum dicam qui lingnam caninam comedl. Ein sonst nicht 
bezeugter Volksglaube. SG I 529. 

durae — buccae. Verwandt Juvenal. 11,34 Curtius et Matho 
buccae (Zungendrescher). Vgl. Otto Spr. bucca 2*). 

linguosus. 63 certus est et minime linguosus. Rönsch 126. 
Heraus S. 7. Vgl. zu 38 suecossi. 

discordia non homo. Zu 38 phantasia non homo. 

amicus amico. 44 sed rectus, sed certus, amicus amico. Eine 
stehende, bei den Komikern öfter vorkommende Verbindung Plaut. 
Mil. glor. 658 Cure. 332 Terent. Phorm. 662 etc. Otto Spr. amicus 11. 
CIL VI 6275 = Anth. lat. ep. 999,1: hie est ille situs, qui qualis 
amicus amico Quaque fide fuerit, mors fuit indicio. Heraus S. 36. 

plena mann. Seneca Apocol. 4,2 Lachesis fecit illud plena 
manu et Neroni multos annos de suo dedit Id. Epp. 33,6; 120,10 
Consol. ad Polyb. 9,4 und andre Stellen bei Otto Spr. manus 17. 

malam parram pilavit. Eine wie es scheint mit dem Volks- 
glauben, daß die parra ein böses Omen sei (Horat. C. III 27,1) 
zusammenhängende Redensart für 'Unglück haben'. P Zu d. la- 
tein. Sprichw. Archiv III 67. Otto Spr. parra. Heraus S. 37. 

rejcorrexit. Heraus S. 7. 

hereditatem, ex qua plus inrolavit quam ei relictum est* 
68 anulos — quos amicae tuae involasti 63 jam puerum strigae in- 
volaverant. Catull. 25,6 remitte pallium meum mihi quod involasti. 
Rönsch 372. 

stips für stipes Ludwig 21 Guericke 15 sq. Über analoge 
Bildungen Heraus S. 44. Stipes wie codex (Petron. 74) und truneus 
(auch Cic. ND 1 30,84 quae potest esse in ejusmodi trunco sapien- 
tia?) Terent. Haut. 877 Quae dieta sunt in stulto: caudex, asinus, 
stipes plumbeus. Cic. In Pison. 9,19 sed qui tanquam truneus 



Anmerkungen zu 43. 255 

atque stipes, si stetisset modo, posset sustinere tarnen titulum con- 
sulatus. De harnsp. resp. 3,5 stipitem illum. Post red. in senat. 
6,14 Cum hoc nomine an cum stipite. Otto Archiv IV 190 = 
Spr. stipes. 

neseio cui terrae fllio Patrimonium elegavit. Minuc. Fei. 
Octav. 21,7 ut in hodiernum (sie) inopinate visos, caelo missos, 
ignobiles et ignotos Terrae filios nominamus. Tertull. Adv. nat. 
II 12 nam et vulgo generis incertos Terrae filios jactitamus. Cic. 
Att. I 13,4 et huic Terrae filio neseio cui committere epistulam 
tantis de rebus non audeo. Farn. VII 9,3 Gn. Octavius est an G. 
Cornelius quidam — Terrae filius. Pers. 6,57 progenies terrae. 
(Quintilian. III 7,26 qui terra dieuntur orti Autochthonen. Serv. 
Verg. G. I 9 terrae filius ut solet de his dici quorum per anti- 
quitatem latent parentes. Fraterculus gigantis bei Juyenal. 4,98 
gehört nicht hierher.) P Zu den latein. Sprichw. Archiv III 216. 
Otto Spr. terra 2. 

longe fngit qnlsqnls suos fugit. Dies Sprichwort hat Varro 
zum Titel einer satura Menippea gewählt. Büoheler Petron. 4 
p. 190 (244 u. 245). 

habuit antem orlcularios servos. Oricularios für auricularios. 
Zwei Beispiele für den Obergang aus äü in ö (loreolum, pollulum) 
Bücheier Rhein. Mus. XI 510 f.; dazu oricula Cic. ad Quint. fr. 
II 13,4 (Med.). Becher Archiv VI 84. Rönsch 464: orata, orum, 
oricula, oricularius (bei Celsus). 

Ducange: Auricnlarius drraxouffrf)«. Die bilinguen Glossen bei 
Funck Philol. LIII 129. Gloss. Isidor. Auricnlarius auscultator. 
Saepius vero pro fido consiliario. Lib. II Samuel. 23: Fecitque enm 
sibi David auricularium a secreto (xcp&c xot; dxool; auxou Rönsch 131) 
i. e. secretarium, consiliarium. Heraus S. 7. 

nnnquam antem recte faeiet qui cito credit« Nee cito cre- 
dideris Ovid A. a. III 685 und Ähnliches bei Otto Archiv VI 52 
= Spr. credere 2. 

frunitus est« 44 fruniscar 75 fruniscaris. Guericke p. 35 und 
Über die Konstruktion mit dem Akkusativ 53. Heraus S. 7. 

plane Fortunae Alias. Vgl. Intpp. ad Horat. S II 6,49 ludos 
speetaverat una, Luserat in campo 'Fortunae filius 1 omnes. Plin. 
N. h. VII 43 tu qui — te ne alumnum quidem ejus (sc. Fortunae) 
existumas, sed partum. Vgl. Juvenal. 6,605 ss. Otto Spr. For- 
tuna 10. 

plane: zu 41 plane matus sum. 

plumbum aurum fiebat. Ein in die Midassagen gedrungener 
Zug aus einem Märchen vom Glückskinde. Cr»* " " Neapo- 
litanisch lo chiummo se faceva oro. Cocchia ' 



256 Anmerkungen zu 43. 

ubi omnia qnadrata currnnt. Wenn diese Redensart über- 
haupt aus einem Märchen stammt, könnte es wol nicht ein Mär- 
chen vom Schlaraffenlande sein (so Grusius S. 38), sondern eher 
ein Märchen von unmöglichen Dingen (Lügenmärchen) SG I 624. 

et quot putas illum annos secum tulisse? 'Oft in Grab- 
schriften, z. B. Anth. lat. epigr. 470,1 ff. (= CIL X 2311) scire la- 
boras, annos quot tulerim mecum? 1069,3 viginti tecum nam fers 
non amplius annos. 387,5. 1188,3 (perferre), anderes s. bei Burmann.' 
Heraus S. 36. 

corneolus falt« »Ein hagebuchener Kerl«, vielleicht sprich- 
wörtlich. Otto Spr. cornu 1**). 

aetatem bene ferebat. Macrob. Sat. III 1: M. Cicero cum 
apud Damasippum cenaret et ille vino mediocri posito diceret, *bi- 
bite Falernum hoc, annorum quadraginta est', 'bene' inquit 'aeta- 
tem fert'. Seneca Epp. 88,6 scire, cum minor Hecuba fuerit quam 
Helena, quare tarn male tulerit aetatem. 

niger tanquam corvus. Apulej. Met. II 9 corvina nigredine 
Valer. Migne 87 col. 443 nigrior corvo. Otto Spr. corvus 1. 

olim oliorum. Bezeichnung eines Superlativs der Vergangen- 
heit. So auch Thielmann Philol. XLIII 357. Orelli Lect. Petron. 
p. 5 vergleicht a la fin des fins; Heraus alvö&ev alvä>;, olödev oio; und 
(Wünsch Sethian. Verfluch S. 24) ffir] *jSwoiv u. a. S. oben 37 zu 
nummorum nummos. Oliorum von oli (olli), das sich zu olim ver- 
hält, wie illi zu illim. Härder Archiv II 317 (in der dort ange- 
führten Stelle des Lucilius bei Serv. ad Verg. A. XII 5 velut olli 
Auceps ille facit liest Lachmann (1166) olim statt olli); ebenso 
Marx 1319 mit Dousa. [Jedenfalls stehn olim und adhuc im Gegen- 
satze. Heraus.] Die Erklärungen von J. van der Vliet Archiv 
XI 249 Olim oliorem noch älter als Olim und Miodonski Archiv 
XIII (Olim oliorum = senex seniorum) sind verfehlt, schon weil 
ein Siebziger noch nicht Antiquitate antiquior ist. 

non mehercules illum puto in domo canem reliquisse. Otto 
Spr. canis 17 übersetzt »übrig gelassen und geschont«. Vielmehr 
»mit geschlechtlichen Nachstellungen verschont«. So häufig zu 
relinquere erklärende negative Partizipien (intactam u. dgl.) hin- 
zutreten, so hat doch das Verbum im Zusammenhang schon allein 
diese Kraft. Ovid. Her. 9,5159 quarum de populo nulla relicta 
tibi est. Ahnlich Cic. imp. Pomp. 94 quorum alter relictus, alter 
arcessitus. Cic. ad Attic. IX 7,5 promitto tibi tegulam illum in 
Italia nullam relicturam (heil lassen). Heraus- V S. 434. Der Zusatz 
virginem (v. d. Vliet Archiv XI 249) ist also überflüssig. 

pullarins. Das überlieferte puellarius verteidigt Havet Archiv 
I 194. Allerdings konnte puellarius (von puellus) 7rai&epa<rrrj« be- 



Anmerkungen zu 43. 44. 257 

deuten. Doch da es dafür zwei unzweideutige Ausdrücke gab, 
puerarius (Corp. Gloss. II 164 Tertullian. De anima 64,55 cum puera- 
riis Piatonis) und pullarius (Corp. Gloss. II 392,6 p. 7iai&epaoTf)c 
Rönsch Semasiol. Beitr. p. 60. Äuson. Epigr. 70,5 = 65 Schenkl 
feles — pullaria — Corrupit totum qui puerile secus, Perversae 
Veneris postico volnere fossor — pullopremus), so wird im Ge- 
brauch sich die Bedeutung von puellarius auf die von mulierarius 
fixiert haben. 

omnis minerrae homo. Ps. Sallust adv. Cic. 4,7 quem Minerva 
omnes artes edocuit. P Zu d. lat. Sprich w. Archiv III 215. Vgl. 
68 omnis musae mancipium. Otto Spr. Minerva 5. Müller ver- 
gleicht das spätlateinische totius innocentiae, integritatis, pudicitiae, 
was so formelhaft zu sein scheint, daß CIL III 9507,2 steht: ob 
meritis et fidelitatem totiusque sanctitatem. Passender vergleicht 
Heraus omnium artium puer Cic. Rose. Am. 120. 

hoc solum enim secnm tulit. Henzen-Orelli 6042 cum vives 
benefac [tibi, namque] hoc tecum feres [jetzt auch bei Bücheier 
Carm. epigr. 1317, der semper statt tibi namque ergänzt. Heraus], 
Vgl. über diese und ähnliche Grabschriften (deren Sinn ist: was 
einer genossen hat, kann ihm niemand rauben, dies nimmt er also 
mit sich ins Grab) SG III 741,5 und zu 69 laudo illum: hoc enim 
nemo parentat. 

44 quod nee ad caelum nee ad terram pertinet. App. prov. 

IV 47 ouxe Y'fjs °& TS oöpavoö aTTretai* lizi täv nepiTTäw xal prfihv itpöc 
tö 7ipaYP-a oüvTeXouvxaiv. Lucian. Alexand. 64 ^prjapioüs — o&te y*)S 
cpaolv öftre o&pavou ditTO[x£vou;. Otto Spr. caelum 2. 

quid annona mordet. Quid est quantum. BUcheler I. Über 
den Indikativ in der indirekten Frage Guericke p. 64. 

mehercules. Zu 33 m. 

aediles male eveniat. Guericke p. 52. 

qui cum pistoribus colludunt. Vgl. Einl. S. 39,6. 

serva ine, servabo te. 46 manus manum lavat. Wegen der 
Redeform vgl. die auf Ringen häufige Inschrift ama me, amabo te 
s. Le Blant, 750 inscr. de pierres gravees n. 144. Heraus S. 37. 

popnlns minutus. »Der kleine Mann.« Ebenso Acta martyrum 
ed. Gebhardt p. 202,18. CGI II 269,40 8fjp.oc fuxpö* haec plebs 
359,49 Xeitxou S^p.ou «J^cptcpia plebiscitum. Phaedr. IV 6,13 minuta 
plebs. Ital. minutaglia, Pöbel. Popolo minuto, Arbeiter im mittel- 
alterlichen Florenz. Heraus. 

nam igt! maiores maxillae semper Saturnalia agunt. Se- 
neca Apocol. 12 dicebam vobis: non semper Saturnalia erunt. 
Isti — maxillae wie unten larvas istos. 

Fetronii Cena Trimalcliionis. 2. Aufl. 17 



258 Anmerkungen zn 44. 

cum primnm ex Asla veni. Trimalchio sagt 75 tarn magnus 
ex Asia yeni quam hie candelabrus est. 

illud erat vivere. Eph. ep. VII 360 auf einem Spieltäfelchen: 
oco est vivere. Heraus. 

günilia sicilia tnterloreg et« Wahrscheinlich steckt in diesen 
verdorbenen Worten ein Satzglied nach Art des von Bücheier an- 
genommenen, das mit si begann und mit esset sehloß. 

larras istos percolopabant. Larva als Schimpfwort auch 
Plaut. Merc. 981 etiam loquere, larua? 

percolopabant. Percolopare = percolap(h)are. Über o für a 
Guericke p. 12, Vernachlässigung der Aspiration nach Labialen 
p. 18 sq. Ähnlich percatapsare. 61. percatapsat valde caedit. Löwe 
Prodromus p. 359. Vgl. Götz Quaest. misc III Ind. Jenens. hib. 
1889 p. V. In der Literatur und den Glossen findet sich nur cola- 
phizare. Heraus S. 44 f. 

nt Ulis Inppiter iratus esset. 58 Athana tibi irata sit curabo. 
62 ego si mentior genios vestros iratos habeam. 

Saflnium. Ein gar nicht seltener Name, schon bei Cicero, 
mehrmals in Inschriften (CIL X s. Index), Dessau I. 8. 3011 (1 p Chr). 
7166. Vgl. WSchulze, Zur Geschichte lateinischer Eigennamen 223. 
481,10. 423,8. Heraus. 

piper non homo. Zu 38 phantasia non homo. Nach Ignarra 
De palaestra Neapolitana bei Cesareo 13 sagt man im Neapolita- 
nischen von einem qui sagacitate alacritate et acumine valet: e 
tutto di pepe. Doch hier bezeichnet der Pfeffer die hitzige Natur 
des Mannes, der quaeunque ibat, terram adurebat. Uomo tutto 
pepe (ohne Angabe der Bedeutung) Cocchia p. 314. Esser di pepe 
= vafrum esse Haupt Opp. III p. 599. 

amicus amico wie 43. 

cum quo audacter posseg in tenebris mlcare. Über das 
mit micare digitis bezeichnete Morraspiel Marquardt Prl II 836,3 
u. 4. Cic. Offic. III 19,77 a quibus (sc. rusticis) natum est id quod 
jam tri tum est vetustate proverbium; cum enim fidem alieujus bo- 
nitatemque laudant, dignum esse dieunt quicum in tenebris mices. 
De fin. II 16,52 Cur justitia laudatur? Aut unde est hoc contritum 
vetustate proverbium, quocum in tenebris ? Fronto p. 13 N. aliud 
scurrarum (Mai rusticorum) proverbium: en cum quo in tenebris 
mices. Augustin. De trinit. 8,5 Porro cum quo mices in tenebris, 
ei liberum est, si velit fallere. Otto Spr. micare. 

quomodo singulos ptlabat. Entweder von pilo in einer sonst 
nicht vorkommenden Bedeutung, etwa an den Haaren zausen statt 
der Haare berauben, [oder von pilo zusammendrücken, vgl. compilo, 
suppilo. Heraus]. 



Anmerkungen zu 44. 259 

nee Schemas loquebatur. Dieser Metaplasmus von Schema 
auch in der Schriftsprache. Sueton. Tiber. 43 exemplar imperatae 
schemae. Appul. Met. IV 20 vanis corporis sui schemis ac moti- 
bus. Guericke p. 40. 

sed directum. Seneca Contr. II 4,10 p. 199 Kießling: non 
schemate sed directo (certo codd. corr. Madvig). Heraus. 

cum ageret porro in foro, sie illius tox crescebat tanquam 
tnba. nee sudarit unquam nee expuit, pnto eum neselo quid 
Asiadis habuisse. Bezieht man das letzte Satzglied auf das un- 
mittelbar Vorhergehende, so kann man das von Burmann vorge- 
schlagene nescio quid assi a dis habuisse nicht für unmöglich 
halten, mit Erinnerung an Catull. 23,11 ss., wo es von Furius und 
seiner Familie heißt, daß sie corpora sicciora cornu, und magis 
arida Sole et frigore et esuritione haben, und dann A te sudor 
abest, abest saliva Mucusque et mala pituita nasi (Riese führt die 
Stelle des Petron an). [Varro bei Non. p. 396 Persae . . . eam sunt 
consecuti corporis siccitatem, ut neque expuerent neque emun- 
gerentur. Heraus.] Bezieht man das Satzglied puto — habuisse 
auf die Art zu sprechen des Safinius, so kann man annehmen, daß 
dem Redenden eine dunkle Vorstellung von dem genus Asianum 
vorschwebt, und er mit der Kenntnis eines technischen Ausdrucks 
groß tun will, wobei Asiadis sogar der ihm von Petron in den 
Mund gelegte Ausdruck sein könnte. 

annona pro lnto erat. Wie englisch dirtcheap. 51 aurum 
pro luto haberqmus 67 omnia pro luto haberemus. Plaut. Truc. 556 
qui bona sua pro stercore habet: Otto Archiv II 29 = Spr. lutum 5. 

nunc oculum bublum vidi maiorem. Bublum wie 57 pedu- 
clum, ridiclei 56 u. 58 offla Guericke 16. Heraus S. 45 f. Es ist 
hier also an ein rundes Brot zu denken, wie deren in Pompeji 
gefunden worden sind. Schreiber Kulturhistor. Atlas Altertum 
Taf. 76,1. [Vidi wie Plaut. Epid. 524 malleolum Sapientiorem vidi 
excusso manubrio. Heraus.] 

haec eolonia retroversns creseit. Wie auf munizipalen In- 
schriften die Stadt niemals mit urbs oder oppidum bezeichnet wird, 
sondern entweder nach ihrer rechtlichen Stellung als eolonia, mu- 
nieipium, oder allgemein als civitas, patria und (seltener) respublica, 
so auch in der Sprache des gewöhnlichen Lebens. Die Ausdrücke 
urbs und oppidum braucht keiner der Teilnehmer der Gena, son- 
dern auschließlich eolonia (44. 55. 76) oder patria (76 u. 45), das 
sich schon hier abschwächt zu dem Begriff 'meine (uusre) Stadt 1 . 
Klebs S.676f. 

retroversns (— um Macrob. Plaut.) Heraus S. 47. 

17* 



260 Anmerkungen zu 44. 

dorn! gaudet. Vielleicht nur Variation von in sinu gaudere 
u. ä. (CGI IV 86,49 hilarens (-ris?) aput se gaudens), also mit c. 38 
domi nascuntur zu vergleichen. Heraus. 

ged quare mos habemus aedllem trium eauniarum. Über 
den Pleonasmus des persönlichen Pronomens zu 41 damnavi ego. 

trium cauniarum zur Bezeichnung der Geringwertigkeit nur 
hier. 

denarios mllle aureos. Zu 33 aureos argenteosque denarios. 
Welche Beziehung dieser Summe Rudorff Feldmesser II 246 zum 
Dekurionenzensus (oben S. 33) annimmt, weiß ich nicht 

sed si nos coleos haberemus. Pers. 1,103 Haec fierent, si 
testiculi vena ulla paterni Viveret in nobis? [Aristoph. Lys. 662 

non tantum sibi placeret. Vgl. zu 46 sibi placens fit 

populus. Sehr gebräuchlich für Bürgerschaft in Munizipal- 
inschriften Orelli-Henzen Ind. III p. 160. Wilmanns Ex. Inscr. II 
p. 612; z. B. ordo populusque etc. p. 701. 

populus est dorn! leones. Guericke p. 60 sq. Aristoph. Pax 
1189 foxes ofaoi [xev X£ovte<;, Iv fAdtyfl ^dXcJbirexe«. Otto Spr. leo 3. 
Auch oriantalisch: zu c. 38 Sociorum olla fervet 

foras für foris. Id. p. 68. 

casulas meas. 46 casulas nostras. 

ita meos fruniscar. 44 quod frunitus est 86 peculium frunis- 
caris Guericke 63. Heraus S. 7. 

a dilbus. Dibus häufig in Inschriften. Guericke 46. 

nemo ieiunium serrat. Ein Fasten ordneten die sibyllinischen 
Bücher zuweilen bei Prodigien an Liv. XXXVI 37,4. Marquardt 
StV III 261,6. Auch das sacrum anniversarium Cereris, bei dem 
die Frauen in weißen Kleidern die Erstlinge der Früchte darbrach- 
ten, und das ebenfalls mit Fasten und Enthaltung verbunden war, 
verdankt den sibyllinischen Büchern seinen Ursprung. Im J. 663 
= 191 wurde das jejunium Cereris als alle 6 Jahre zu haltendes 
eingesetzt, doch das Ealendar. Amiternin. führt das jejunium Ce- 
reris am 4. Oktober auf, also als jährliches Fest. Im ganzen süd- 
lichen Italien sind die sacerdotes Cereris überaus häufig. StV III 363 f. 
Vielleicht stand im Original: nemo Cereris jejunium servat 

opertls oeulis. 62 operire oculos amplius non potui. 141 
operi modo oculos et finge te . . . comesse. Wenn auch wie Otto 
Archiv VI 312 = Spr. oculi zeigt, clausis oeulis sonst das Gewöhn- 
liche ist (Tertull. Apolog. 2 Pall. 2 Resurr. carn. 61 clausis quod 
ajunt oeulis Hieronym. Adv. Jovinian. I 36 clausis quod dicitur 
oeulis andabatarum more pugnare Adv. Rufin. II 28 Epp. 82,5 
Augustin. C. ep. Parmen. 2,1 [überall clausis ut dicitur oeulis] 



Anmerkungen zu 44. 261 

Lactant. VII 1,16 [clausis oeulis]} so sagt doch Seneca Tranq. an. 
1,16: nißi quaedam — opertis oeulis transiluissent. Heraus S. 37 
fügt noch hinzu Seneca Beneff. IV 37,2 Quintilian. XI 3,76 Juvenal. 
6,432 Pompon. com. 100 Ribbeck. 

antea stolatae ibant nudis pedibus in clivnm — et Iovem 
aquam exorabant. Fest. epit. p. 125,15 matronas appellabant eas 
fere quibus stolas habendi jus erat. SG I 474. Marquardt Prl 
II 547,7. 

Eine Art des aquaelicium, eines Betfestes, das den Zweck 
hatte, bei großer Dürre von Jupiter Begen zu erflehen, wobei 
nudipedalia stehend waren. Tertull. Jejun. 16 cum stupet coelum 
et aret annus, nudipedalia denuntiantur. Marquardt StV III 261 f. 

in cliYum: wol das Eapitol, das Kolonien gewiß nie fehlte 
(SG III 198), und wo der Haupttempel des Jupiter war. 

nrceatim. Cesareo p. 48 zitiert ital. piovere a orci nach Fan- 
fani (Vocabolario dell' uso Toscano oder Bigutini e Fanfani Voca- 
bolario della lingua parlata Florenz 1875). Orcio = urceus, also 
>aus Krügen regnen«. 

ployebat. Fest. p. 250 perplovere. Die Einschaltung des v 
in allen romanischen Sprachgebieten. Gröber Archiv I 144 £ Über 
o f ttr u Guericke p. 11. 

aut tunc aut nunquam. Horat. Epp. I 17,3 hie est aut nus- 
quam quod quaerimus. Gic. Lael. 2,9 aut nemo aut ille. Flor. p. 17,11 
Jahn tum igitur aut nusquam. Heraus- V. 435,2. 

udi tanquam innres. Grimm DW VI p. 1816,3»: naß wie eine 
gebadete Maus; vgl. I 1072 unter > baden«, 12. 

udi. Die ganze Prozession, von der die Frauen nur einen Teil 
ausmachten. 

itaqne pedes lanatos habent, qnia nos religiös! non snmns. 
Schol. Horat. 0. III 2,31 (raro antecedentem scelestum Deseruit 
pede poena claudo) : Hoc proximum est illi quod dicitur deos iratos 
pedes lanatos habere, quia nonnumquam tarde veniunt nocentibus. 
Dagegen wird das proverbium: deos pedes laneos habere von 
Apollodor bei Macrob. Sat. I 8,5 von der Fesselung des Saturn 
mit einem laneum vinculum, das an den Saturnalien losgebunden 
wurde (Marquardt StV in 252,2) abgeleitet, schwerlich richtig, wie 
Otto Spr. deus 10 glaubt. 1 ) Welchen Sinn auch immer die pedes 
lanei oder lanati der Götter ursprünglich hatten, so viel ist klar, 
daß bei Petron nicht von dem leisen Tritt der zur Strafe oder 



*) Bei Quintilian. V 11,24 liest man jetzt allgemein planipedis senis 
nach Regina für das in A überlieferte lanipedi (tog. ine. IV Ribb.) Heraus. 



262 Anmerkungen zu 44. 46. 

Bache heranschreitenden Götter die Bede ist, sondern von ihrer 
Zurückhaltung in der Gewährung ihres Beistandes. Doch »ge- 
fesselte Füße« (so P Archiv III 209) können pedes lanati nicht 
sein. Sind es die in Wolle gewickelten der Podagristen? und 
drückte die Vulgärsprache scherzhaft so die Abneigung der Götter, 
zum Beistande herbeizukommen, durch Beilegung eines Gebrechens 
aus (etwa wie wir Nichterhörung durch > taube Ohren«)? In dem- 
selben Sinne sagt Martial I 98 von Einem, der nicht mit Geld 
herausrücken will, er habe das Chiragra. 

45 centonarius Fabrikant von Lappendecken (centones), die 
mit Wasser getränkt zum Feuerlöschen dienten. Marquardt 
Prl II 585,9. Die in Inschriften häufig vorkommenden collegia 
fabrum et centonariorum (Henzen Ind. p. 171 sq.) sind Feuerwehren. 
SG III 207,2. 

oro te — melius loquere. Don. Ter. Andr. I 2,33 bona verba, 
quaeso] est eucpr)piap.öc, quasi, dicat ,meliora loquere, rogo te*. Sonst 
bene dice Plaut. Cas. 346 u. ö. melius ominare Plaut. Bud. 337. 
Gic. Brut. 329. Apul. Met. I 22 (meliora) gr. eücpVjfiei, eu^jxa <p<&vei 
(Trag.) Heraus S. 37. 

modo sie , modo sie, inquit rusticus, varium porcum per- 
diderat. Die aus den Beden Sam Wellers und den Sammlungen 
niederdeutscher Sprichwörter (Höfer Wie das Volk spricht. Sprich- 
wörtliche Bedensarten. 4. Aufl. 1862) bekannte Form von Aus- 
sprüchen bestimmter Personen in einer bestimmten Situation, die 
durch eine ungewöhnliche Anwendung auf dieselbe einen über- 
raschenden Sinn erhalten und so komisch wirken, war auch im 
Altertum bekannt. Mehrere griechische Beispiele (wie Theocrit. 
16,77 xaXXioT* 'Iväot Ttäoai' 6 xdv vuöv ein 1 c£ito%X$a;) hat Haupt Ind. 
Berol. lib. 1868 = Opp. II 395 sq. angeführt (dazu Eratin. fr. 251 
Kock Taux' atad irpaTTw, cpdax' dM)p o6Sev rcouöv Otto Spr. S. XXX 4), 
von lateinischen außer dieser Stelle nur Fest. p. 282 M (rideo, inquit 
Galba canterio). Doch war diese Bedeweise auch im Lateinischen 
häufig. Quintilian. VII 21: 7iapotp[ac genus illud, quod est velut 
fabella et per allegoriam aeeipitur, Non nostrum, inquit, onus bos 
clitellas. Vgl. die Zusammenstellung solcher Sprichwörter bei Otto 
Spr. XXX. Über diese adagia cum epilogo, also (nicht wie Otto 
sie nennt apologische, sondern) epilogischen Sprichwörter s. Grusius 
Anall. crit. ad paroemiogr. Gr. 1883 p. 74 f. Derselbe Bhein. Mus. 
XLIV 448. 459 ff. XLVI 1891 S. 321 u. Bürger Epilogische Volks- 
witze in den Fabelsammlungen. Hermes XXVII 1892 S. 359 ff. 

quod hodie non est, cras erit: sie vita truditur. 'Membra 
puto poetae.' Bücheier I. Vgl. Otto Spr. cras 2 und die umge- 



Anmerkungen zu 45. 263 

kehrte Wendung in dem Zauberspruch Ps. Plin. 1 4 hodie quod est; 
cras non est. Heraus S. 37. Truditur dies die Horat. 0. II 18,15 
Seneca Brev. vit. 17,6 per occupationes vita trudetur. 

mehercules. Zu 33 m. 

laborat hoc tempore, nee haec sola. Über die Häufigkeit 
finanzieller Notlagen der Städte und deren Veranlassungen Einl. 
S. 37. 

ubique media» caelus est. Düringsfeld I n. 237 : Der Himmel 
ist uns überall gleich nahe. Otto Spr. caelum 5. 

dices hie poreos eoctos ambnlare. Ein Zug aus einem Schla- 
raffenmärchen. SG I 527. Crusius S. 37. 

et ecce. Zu 40 et ecce canes Laconici. 

munus exeellente in triduo. Dreitägige munera zu Antium 
Peltuinum Pompeji SG II 424,2 u. 3. 

exeellente. 86 Hispanum exeellente. Guericke 43. 

die festa. Hier ist vielleicht eine nähere Bestimmung, wie 
proxima oder der Name der Gottheit, der das Fest galt, ausge- 
fallen. 

familia non lanisticia, sed plurimi liberti. Von freiwillig 
auftretenden Fechtern, besonders solchen, die nach einer Reihe 
von Kämpfen die Entlassung erhalten hatten (rudiarii) durfte man 
natürlich mehr erwarten, als von den zu den Banden der lanistae 
gehörigen. SG II 369. Vgl. Mau Iscriz. gladiat di Pompei Mitt. 
d. archäol. Inst. (Rom. Abt.) 1890 V p. 38,3. 

Titus noster. Durch die Bezeichnung des dem Honoratioren- 
stande angehürigen Spielgebers mit dem Vornamen gibt der Spre- 
cher zu verstehen, daß er mit ihm vertraut ist. 

caldicerebrius. 58 nee sum natura caldicerebrius. Vgl. 75 
experieris cerebrum meum. [Dares B. Troj. p. 16,21 ed. Meister 
sagt in der Charakteristik des Diomedes: cerebro calido. Heraus.] 
In Sizilien sagt man cauddu i ciriveddu (caldo in cervello) Oesareo 
p. 46. Neapolitanisch: caudo de cellevriello. Cocchia p. 314. 

quid utique = aliquid utique. 

miseix wol gleichbedeutend mit miscellio. Paulus Festi p. 123,7 M : 
miscelliones appellantur qui non sunt certae sententiae sed vario- 
rum mixtorumque judiciorum sunt. 

earnarium in medio. Während sonst die kampfunfähig ge- 
wordenen Gladiatoren im spoliarium (Frdl. bei Marquardt StV 
III 2 564,4) getötet wurden, sollte es hier vor den Augen der Zu- 
schauer geschehn. »Aus dem Bericht über die Martyrien in Lyon 
bei Euseb. Hist. eccles. V 1 lassen sich die nötigen Voraussetzun- 
gen für earnarium in medio, ha ol £v t<j> dpupi^eciTptp 6pwoiv leicht 
gewinnen. < Bücheier. 



264 Anmerkungen zu 46. 

nt amphitheater yideat. »So vulgärlateinisch arater für ara- 
trum Lex August, bei Gromat. p. 112,24 und viel Ähnliches.« 
Bücheier. Bull. comm. XIX 1891 p. 344 g (Frammenti epigr. di editti 
prefettizi del secolo IV) AMPHITHEATER vgl. p. 363. Chronic. 
364 Mon. Germ. IX p. 146 : populo spectante amphitheater ruit 
147,16 hoc imp. amphitheater arsit. 

Ober das Amphitheater von Puteoli SG II 669 f. Beloch. Cam~ 
panien 137 f. Einl. S. 76. 

et habet unde. Alt- u. neufrz. il a de quoi; vgl. Diez Born. 
Gramm. III« 231. Scheffer vergleicht Ter. Ad. I 2,42 est unde haec 
fiant u. Plaut. Gapt. 860 scis bene esse, si sit unde. Heraus S. 38. 

relictum est Uli sestertium trecenties: über 67 2 Millionen 
Mark. Dieselbe Summe will Trimalchio hinterlassen 71 f. und be- 
hauptet 76, soviel durch einen Schiffbruch verloren zu haben. Vgl. 
88 alius donum promittit — si ad trecenties sestertium salvus per- 
venerit. 

decessit illius pater, male, nt quadringenta impendat etc. 
Male gibt weder in Verbindung mit dem Vorhergehenden noch 
mit dem folgenden einen befriedigenden Sinn und ist verdorben 
oder verstümmelt. [Auch male vor decessit zu stellen (wie Pass. 
Porp, et Fei. c. 7 per infirmitatem . . . male obiit) empfiehlt sich 
nicht. Heraus.} 

quadringenta: 87000 Mark. Über die Kosten der Fechter- 
spiele SG II 361,1, 423 f. Nach dem SC de sumptibus munerum 
gladiatoriorum minuendis von 176/177 Eph. ep. VII p. 390 sollten 
bei den 6 Klassen von munera der städtischen Honoratioren und 
Provinzialpriester die Preise von 30000 bis 200000 und darüber 
steigen. 

iam Manlos aliquot habet, 'homines rusticos ineptosve 1 Bü- 
cheier* Index. >Die Altertümlichkeit des damals schon unge- 
bräuchlich gewordenen praenomen macht es besonders geeignet zu 
solch typischer Verwendung wie bei uns Hanse, Peter. Man denke 
an das Sprichwort multi Manii Ariciae (Otto Spr. Manius) und den 
Titel einer Varronischen Satire Manius, nach welchem man auf 
Bauerntypus schließen könnte.« Bücheier. Das von Beines und 
Gudeman vorgeschlagene mannos ist unannehmbar, da die essedaria 
nur zwei, höchstens drei manni braucht, nicht aliquot. 

midierem essedariam. Zu 36 ut putares essedarium etc. Die 
Essedarier, die ohne Zweifel die Kampfart der britannischen Wa- 
genkämpfer möglichst treu darstellen, mochten durch die Kriege 
in Britannien unter Claudius und Nero bei amphitheatralischen 
Spielen besonders in Aufnahme' gekommen sein. In neuentdeckten 
pompejanischen Gladiatoreninschriften (Mau Iscr. glad. di Pompei 



Anmerkungen zu 45. 265 

Mitt. d. röm. arch. Inst. V 1890 p. 26 ff.) kommen 6 essedarii vor 
(i quali pare abbiano destato un interesse speciale p. 33). Daß 
hier eine mulier essedaria erwähnt wird, erklärt sich daraus, daß 
die Frauen der Britannier auch als Führerinnen zu Wagen im 
Kampfe erschienen. Tac. A. XIV 36 (61 p. C.) Bouduica, curru filios 
prae se vehens — solitum quidem Britannis feminarum ductu 
bellare testabatur. SG II 634. 

dispensatorem Glyconis. Da die lex Petronia wahrscheinlich 
damals bereits den Herrn die Macht genommen hatte, ad bestias 
depugnandas suo arbitrio servos suos tradere (Marquardt Prl I 
190,4), wäre bei dem folgenden Glyco — dispensatorem ad bestias 
dedit eine vorausgegangene Entscheidung des praefectus urbi an- 
zunehmen. 

delectaretur hier und c. 62 für delectaret Guericke 60. Über 
das Deponens statt des Aktivums vgl. auch Heraus S. 38 f. 

yidebis populi rixam. Bücheier I vergleicht Henzen 6187 = 
CIL X 1948 post praemia rixulasque vestras (Anrede eines ver- 
storbenen Schauspielers an die Zuschauer). 

amasiunculos. Deminutiv von amasio ,Buhle', als solches noch 
von Osb. p. 6 aufgeführt. In Glossen nur amasius. Heraus S. 8. 
76 amasiuncula. 

sestertiarius homo wie unten gladiatores sestertiarios 68 do- 
minus dupunduarius. 74 homo dipundiarius. Vgl. Heraus S. 8. 

magis illa matella dlgna fult quam taurus iactaret. Mar- 
tial. Sp. 22,6 jactat ut impositas taurus in astra pilas; Id. I 43,14 
sed tu ponaris cui Charidemus apro und II 14,18 ad cenam Selium 
tu, rogo, taure voca mit meiner Anm. Mißverstanden von Otto 
Spr. matula 4. 

sed qui asinum non potest, Stratum caedit« Wander Sprich- 
wörterlex. I 872 unter Esel 464 Wer den Esel nicht klopfen kann, 
der klopft den Sattel. Vgl. Düringf. II n. 170 Man schlägt auf 
den Sack und meint den Esel. 

Hermogenis fllieem. Filix (auch felix Paul. Fest. p. 86,10 M. 
felicones mali et nullius usus a felice dicti) »das Farnkraut, in 
dessen Wurzeln der Pflug sich verfängt, daher Verg. G. II 189 
curvis invisus aratris und am besten durch Feuer zu vertilgen 
Plin. N. h. XVIII 300c Kießling zu Horat. S I 3,37 neglectis 
urenda filix innascitur agris. Bücheier sieht darin zugleich eine 
Anspielung auf filiam. 

bonum exltum facturam. Exitum facere gewöhnlich von Per- 
sonen; obenso c. 2 in urbaner Rede non alium e. fecit; auch bei 
Sen. Epp. 116,16 Sueton. Nero 46. Klassisch ist nur exitum habere. 
Heraus S. 35. 



266 Anmerkungen zu 45. 

Üle milTO yolanti poterat ungues resecare. Die Redensart 
stammt vielleicht aus einem Märchen wie Grimm 124 Von den drei 
kunstfertigen Brüdern, von denen der Barbier einen Hasen im Lauf 
rasiert, der Schmied einem Pferde im Rennen die Hufeisen abreißt 
und wieder anschlägt SG I 527. In Wien sagt man >Maikäfer in 
der Luft klystieren«. P Zu d. lat. Sprichw. Archiv III 67. Otto 
Spr. milvus 3. Der Sinn: der selbst einen Erzräuber (zu 42 mil- 
vinum genus) zu berauben imstande, einem Erzbösewicht noch 
tiberlegen war. 

colubra rtotem ntfn parit. Otto Spr. colubra 2. 

Glyco, Glyco dedit suas. Bücheler versteht dedit und sieht 
in suas eine Verallgemeinerung des konkreten uxorem suam: die 
in seiner manus befindlichen Weiber, gewissermaßen matrem und 
filias familiae einschließend, wobei die Annahme, daß Glyco 
Töchter gehabt habe, nicht einmal notwendig sei. Doch ist wol 
vielmehr zu suas mit Hirschfeld und Heraus (der -dp dgtav udgl. 
vergleicht) poenas zu ergänzen, folglich dedit als Perfekt zu fassen. 

habebit stigmam« 69 curabo stigmam habeat Guericke 40. 

nee illam nisi Orcns delebit. 46 quod Uli auferre non possit 
nisi Orcus. 

sed subolfacio quod nobis epulum daturus est Mammaea, 
binos denarios mihi et meis. Subolfacio quod wie dixi quod 
mustela comedit 71 scis quod dedi epulum. 131 vides — quod — 
excitavi. 138 quod verberatus suni, nescio. Guericke 64. 

epulum — binos denarios. Das Geld an Stelle der Speisen 
(außer Brot und Wein). Vgl. Einl. S. 57 ff. u. Wilmanns Ex. Inscr. 
II Ind. p. 664 (divisiones, epulum). Über den Gebrauch von epulum 
für Speisen- und Geldverteilungen Toller De speetaculis etc. (S. 57,6) 
p. 78 ff. So z. B. Orelli-Henzen 6126 (Asisii) : ein Ehepaar epulum 
decurionibus sing, x V sexvir. x III plebei x IS dederunt. 

Unter mihi et meis ist entweder mit Bücheler I das collegium 
fabrum et centonariorum zu verstehn (oben zu centonarius), zu dem 
der Redende gehörte, und dessen Patron der Veranstalter der Be- 
wirtung sein mochte ; oder (mit Schmidt p. 109,3) die Augustalen, 
die bei den Verteilungen am häufigsten mit der Summe von 2 De- 
naren bedacht wurden. 

Mammaea« Nur als Frauenname bekannt, daher schon von 
Heinsius bezweifelt, ebenso von Bücheler I. Burmann vermutete 
Mamma oder Mama. Ebenso Hübner, der auf die Beispiele dieser 
cognomina in Antium CIL X 66,79 und Salernum ib. 557,1 1. 3 
(L. Appulejus L. 1. Mama) und Muratori 920,15 (wahrscheinlich 
unter den Columbarien in CIL VI) hinweist. 



Anmerkungen zu 45. 267 

eripiat Norbano totum fayorem. Dieser erscheint als einer 
der angesehensten Honoratioren auch 46, wo es von dem causidicus 
Phileros heißt: nunc etiam adversus Norbanum se extendit. Der 
Name gehört zu den gentilicia auf anus, der älteste bekannte Trä- 
ger desselben ist C. Norbanus Baibus cos. 671 = 83 a. Chr. Hüb- 
ner Quaest onomatol. I Nomina gentilicia in anus. Eph. epigr. II 
p. 43. Als cognomen ib. 60 (C. Numitorius Norbanus a. p. C. 2 
tessera glad. M. Salvius Norbanus Fab. signator diplomatis a. 74 
CIL III ix). 

selas oportet plenls Teils hunc vlnciturum: Bei der nächsten 
Wahl der Duumvirn und Ädilen (so auch Bücheier I). Vgl. Einl. 
S. 32 u. 36. 

Cic. pr. domo 10,24 plenissimis velis navigares. Quintil. decl. 
12,16 plenis velis mors venit Ammian. XVIII 6,6 velificatione 
plena (offen und energisch). Hieronym. Epp. 18,1 plenis ut ajunt 
ventis ingenii sui intendere vela. Otto Spr. velum 2. 

ylnclturum für victurum Guericke 47; »möglicherweise vom 
Volk gebildet zum Unterschiede von victurum von vivo, findet sich 
noch Iul. Val. I 12 Kübel.« Heraus S. 40. Daß victurus von vinco 
ungebräuchlich war, zeigt auch, wie Heraus bemerkt, Non. p. 188 
victurus: victoriam potiturus auctoritas prudentium putavit esse. 

iam meliores bestiarios vidi. Bestiarii die zum Tierkampf 
verurteilten Verbrecher, die nicht wie die venatores dazu ausge- 
bildet, in der Hegel also natürlich sehr ungeschickt waren. SG II 
391,12. 

occidit de lucerna equltes: Männerchen, wie man sie auf 
Lampendeckeln sieht. Auf diesen waren Gladiatorendarstellungen 
häufig. SG II 521. eqnites: Das. 534,13. 

burdubasta. Die Übersetzung von Georges, 'lendenlahmer 
Esel', ist ganz willkürlich, aber auch die von Cesareo p. 20 'asi- 
nus clitellarius' läßt sich nicht rechtfertigen. Burdus (Nebenform 
burdo) ist Maultier (Diez EtW I borde); für bastum ist mit Grö- 
ber Archiv I 248 nach den entsprechenden romanischen Wörtern 
die Bedeutung 'Trage Stütze PacksatteP anzunehmen (Diez EtW I 
basto). Hiernach »könnte die Bedeutung 'Packesel' sich in der Tat 
nur ergeben, wenn die beiden Bestandteile umgekehrt geordnet 
aufträten (wie ususfructus, homicida). Handelt es sich bei bur- 
dubasta wirklich um jene beiden lateinisch-romanischen Wörter, 
so müßte wol bei der Wortfolge ein additives Verhältnis statt- 
finden (wie bei sacrosanctus «= sacer et sanctus) oder ein apposi- 
tives (wie etwa bei Juppiter) oder ein komparatives (wie etwa be 
deutsch stocksteif). Im ersten Falle müßten addierbare Synonyme 
vorliegen, was burdus und bastum nicht sind; im zweiten müßte 



268 Anmerkungen zu 45. 46. 

das zweite Wort einen Begriff bedeuten, unter den sich der erste 
subsumieren ließe, was ebenfalls hier unmöglich ist; der letzte 
Fall tritt wol nur da ein, wo das zweite Glied einen Adjektiv- 
begriff darstellt, was hier gleichfalls ausgeschlossen scheint Müßte 
demnach ein determinatives Verhältnis zwischen den beiden Wör- 
tern bestehn, so käme man etwa zu einer Benennung wie 'Maul- 
tiertrage', die insofern für einen unbrauchbaren Gladiator oder 
bestiarius als verächtlich charakteristisch allenfalls denkbar wäre, 
als das Traggestell auf dem Bücken eines Maultiers aus Krücken 
roh zusammengestellt, mitsamt den Waren, die es zu umschließen 
diente, den Eindruck des Ungefügen Unfesten Schwankenden 
hervorrufen konnte: freilich eine so gesuchte Yergleichung, daß 
sie nur im häufigen Vorkommen des betreffenden Gegenstandes 
allenfalls ihre Legitimation fände.« Grober. 

loripes. (Plinius N. h. Juv.) zuerst bei Plautus Pön. 510. 
Heraus. 

tertiarins mortuus pro mortuo. Der dem Sieger als Ersatz- 
mann statt des gefallenen gegenüber gestellte Fechter (sonst sup- 
positicius, hier tertiarius als der Dritte zu dem ursprünglich käm- 
pfenden Paar SG II 388,4 (CGI. II 320,59 !<pe5po« tertiarius. Heraus 
S. 8) , der aber ganz untauglich und ebenso ungefährlich gewesen 
war als der Gefallene. 

nervla. Varro Sat. M. 368 B: Briseidem — quae ejus nervia 
tractare solebat. Ib. 366 quemadmodum in psalterio extendamus 
nervias. Gell. IX 7,3 (Suetonius — adfirmat) nervias in fidibus 
brumali die alias digitis pelli, alias sonare. Vgl. Gröber Archiv 
IV 132 Diez EtW IT» nervia. In Glossen mit veypa übersetzt; [oft 
auf Defixionstäfelchen. Audillent Defix. tabb. Index p. 491. He- 
raus]. Lebt im Romanischen fort; sard. nervia, span. nervio. 
Heraus S. 43. 

Thraex. SG II 531,5. 

qul et ipse ad dictata pugnarit. Dictata die Kommandos 
des Schulfechtens, deren sich die Lehrer bei den Übungen be- 
dienten (Terz, Quart usw.) (und die den Fechtern in der Arena 
auch vom Publikum zugerufen wurden. SG II 381 8 — 10). Der 
Sinn ist: der nach den Kegeln der Schule (nicht naturalistisch) 
focht. 

ad summam. Zu 31 ad s. 

omnes postea sectl snnt: gegeißelt. Horat. Epod. 4,11 sec- 
tus flagellis hie triumviralibus Ovid. Am. II 7,22 Tergaque — 
verbere seeta Pers. 1,114 seeuit Lucilius urbem Martial. IX 92,9 
Tortorem metuis? podagra cheragraque secatur Gaius et mallet 



Anmerkungen zu 46. 46. 269 

verbera mille pati X 5,14 sectus Aeaci loris Juvenal. 10,316 secat 
ille cruentis verberibus. 

adhibete: virgas ferrumque. Bücheier I. 

plane fugae merae. plane: zu 41 plane matus. merae: zu 
37 mero meridie. 

46 manus manum lavat, auch Seneca Apocol. 9,6. Epicharm. 
bei Apostol. I 36» (Lorenz Epicharm. p. 174) d 8s x^p t?jv x e *P a 
vlCei. Menand. Monost. 543. Düringsfeld I n. 375 Otto Archiv VI 
321 a Spr. manus 3. 

argutat für argutatur (auch Prop. I 6,7 illa mihi totis argu- 
tat noctibus ignes) 57 tu nee mu nee ma argutas. Guericke 35 u. 49. 
Heraus S. 39. 

loquere, non loqnls (nach Büchelers sehr wahrscheinlicher 
Emendation) mit derselben Vertauschung des Genus verbi. 

molestus wie 43. 

non es nostrae fasciae. Otto Spr. farina vergleicht Pers. 5,115 
cum fueris nostrae — farinae. [Doch ist nostrae fasciae wol = 
nostrae mensurae. Fascia ist im Ed. Diocl. ein Längenmaß für Lein- 
wand; in Gallien ein Ackermaß Dessau Inscr. sei. 5995 Forum 
Julii: fines fasciae fundi Pacatiani. Fascia im Mittelalter in Süd- 
frankreich pro certa portione (Ducange). Fronto p. 187 N. scis saepe- 
numero multis usu venisse, sed non nostrae mensurae hominibus. 
Heraus.] 

pauperorum. So auch Henzen-Orelli 7355 (Christliche Grab- 
schrift 341 n. Chr.). Rönsch 275 Ludwig 20 Guericke 41. Vgl. auch 
Plaut. Vid. fr. 3 paupera res fr. ine. 47 paupera mulier. Probus 
App. GL IV 197, 31 pauper mulier, non paupera mulier. Neue 
— • Wagner Formenl. IIa 25. 

seimns te prae litteras fatuum esse« Zu 39 prae mala sua. 

quid ergo est? Zu 30 f. 

te persuadeam. 62 persuadeo hospitem nostrum 81 qui ne 
vir esset a matre persuasus est. Ludwig 33 Guericke 52. Nene — 
Wagner Formenl. 113 261. 

easnlas nostras wie 44 casulas meas. 

qnod manducemus. 56 boves quorum beneficio panem man- 
ducamus. Rönsch 214. 

belle erit. Zu 42 aeque est. 

omnia hoc anno tempestas dispare pallavit. >Dispare ist 
wol Adverb (vgl. das späte comparus — Orelli 4322 cursando fla- 
bris compara — als Nebenform zu compar), wie z. B. Concorde 
statt concorditer, was Neue Formenl. II 2 659 damit zusammen- 
stellt, umgekehrt largiter statt large usw. Palare (in Hdschr. 



270 Anmerkungen zu 46. 

gelegentlich mit 11 geschrieben) existiert überhaupt nur in der Sa- 
tire der unechten Sulpicia (43), es gibt sonst nur palari, dessen 
Sinn hier keineswegs paßt. Das Richtige trifft wol Reiskes Kon- 
jektur pullare, intransitiv 'ausschlagen, sprossen' (Calpurn. Ecl. 
6,20), hier faktitiv zu fassen: 'das Wetter hat heuer alles zur un- 
gehörigen Zeit wachsen lassen 1 . « Bücheier. Dispare = inaequabili- 
ter führt Cesareo p. 25 aus Acta SS Aprilis II p. 724 an. 

cicaro mens. 71 ad dextram ponas statuam Fortunatae — et 
cicaronem meum. »Ein volkstümlicher Ausdruck für einen Jun- 
gen, wie MtxxuXtoDv u. dgl. Ich zweifle nicht, daß Cicero dasselbe 
Wort ist, das mit Eichererbsen ebenso wenig zu tun hat, wie 
Lentulus mit Linsen usw.; vielmehr gehört jenes als cognomen 
mit Paullus Pollio und den zahllosen ähnlichen Namen für 'Klei- 
ner' zusammen. Freilich die Etymologie ist nichts weniger als 
klar. Man kann an Zusammenhang mit cicur (vgl. unser 'Täub- 
eben' für Mädchen) oder eiecum 'Kleinigkeit, Wenigkeit' denken. 
Ich betrachte es bis auf weiteres als reduplizierte Bildung von 
y car zeugen (wovon creare crescere proceres usw.). Die Re- 
duplikation wäre malend für incrementum, die auf viele Zeit- oder 
Ortsmomente sich verteilende Handlung (wie Staucpoc gegen coepfo, 
cicindela gegen candela). Dann wäre es genau 'ein Sprößling', 
vielleicht mit Einschluß von t ^pet7z6^< Bücheier. Das letztere 
müßte es 71 bedeuten, da Trimalchio keine Kinder hat (74). He- 
raus Archiv XII 161 rechnet es zu der Sprache der römischen 
Kinderstube. 

iam quattuor partes dicit. 'Die Anfänge des Dividierens, 
daß der Knabe von jeder (wol durch 4 teilbaren) Zahl */* V2 3 U 
angeben kann, was auch in den einfachsten Lebensverhältnissen 
überall zu gebrauchen war*. HvUsch. Vgl. dessen Beitrag zur 
Kenntnis d. volkstümlichen Rechnens bei den Körnern. N. Jbb. 
1889 S. 335 ff. und zu 58 partes centum dico, 75 decem partes dicit. 
Partes tot dicere heißt also den so und so vielten Teil des Ganzen 
ausrechnen und ansagen. Billeter Gesch. des Zinsfußes im griech.- 
röm. Altertum S. 227. 

si Tixerit, habebis ad latus serrulum. Der Freigelassene 
hat seine alte Gewohnheit, sich als Sklaven zu fühlen, noch nicht 
abgelegt. Zu 61 uxorem Terentii coponis. 

in aves morbosus est. Morbosus entspricht der Bedeutung 
von morbus : krankhafte Neigung, Sucht. Cic. Verr. IV 1,1 Seneca 
Exe. controv. III praef. § 10 Seneca Epp. 79,3. 83,20 Juvenal. 2, 
17 u. 60; 9,49. 

cardeles statt cardueles. Ludwig 9 Guericke 11. Über car- 
dus Wölfflin Archiv IX 6 u. 297. In Glossen findet sich cardelus, 



Anmerkungen zu 46. 271 

das im Ital. cardello fortlebende cardellus und cardella. Heraus 
S. 46. 

dlxi qnod mustella comedit. Zu 45 subolfacio quod. 

ceterum iam Graeculis calcem impingit heißt nicht 'gibt dem 
Griechischen einen Fußtritt 1 , d. h. gibt es auf (so Georges und 
Otto Archiv VI 332 = Spr calx 1); denn die erste Stufe war 
auch in dieser urbs Graeca natürlich das allgemein gesprochne 
Lateinische, auch soll ja hier von den Fortschritten des Knaben 
die Bede sein. Der Sinn ist also: er macht schon einen Anfang 
im Griechischen und das Latein treibt er recht tüchtig. 

etiam si magister eins sibi placens fit. Vgl. über sibi pla- 
cere und displicere Heraus S. 32 und meine Anm. zu Juv. 6,276. 
Seneca Beneff. V 7,4 non minus placens sibi et se suspiciens et ut 
ita dicam, adsentator suus. Id. Epp. 59,14 animi tenor erecti et 
placentis sibi. Ib. 88,37 liberalium artium consectatio molestos, 
verbosos, intempestivos, sibi placentes facit. Ib. 115,18 magnus et 
opinionum securus et ob ipsa quae aliis displicent, sibi placens. 
Brev. vit. 2,2 sibi displicens. Vgl. auch 44 non tantum sibi pla- 
ceret und 126 nolo tibi tarn valde placeas. 

sed yenit, dem litteras, sed non mit laborare. Interpreter, 
venit petens ut tradam quod litteris consignet, grammatista simul 
et librarius ad manum'. Bücheier I. [Vgl. auch Bücheier zu Carm. 
epigr. 91,7. Auffallend bleibt freilich, daß in diesem Kapitel 
litterae sonst im Sinne von , Bildung' steht. Heraus.] 

qui plns docet quam seit« Nicht mit Otto Spr. docere 2 für 
sprichwörtlich zu halten. 

libra mbricata. Guericke 47. Heraus S. 43. Juristische 
Bücher, in denen die Titel der Gesetze mit Botel geschrieben 
wurden; vgl. Jahn ad. Pers. 5,90 si quid Masuri rubrica notavit. 

ad domusionem« 48 in domusionem — litteras didici. Varro 
Sat. Men. 517 Diogenem litteras scisse, domusioni quod satis esset. 

litteris satis inqninatns est für imbutus, wol vulgär. Seneca 
Epp. 59,9 diu in istis vitiis jaeuimus, elui difficile est. non enim 
inquinati sumus, sed infecti. 

destinari illnm aliquid artifleii docere. Eine Konstruktion 
von docere mit dem Genitiv kann man allerdings, wie Büehder 
bemerkt, nicht für unmöglich halten, namentlich in dem prägnan- 
ten Sinn von 'lernen lassen, zu einem Beruf ausbilden 1 (Stäaoxd- 
fxevoc ™X!fi.oio, itokipoio Sa-f)p.evai, doctus alieujus rei, docilis mo- 
dorum). Aber docere aliquem artificii ist nicht bloß ohne Beispiel, 
sondern nach den folgenden Akkusativen auch hier ein Akkusativ 
nicht wohl zu entbehren, und der Ausfall eines Wortes wie aliquid 
in H nicht selten. 



272 Anmerkungen zu 46. 

aliquid artiflcii. [Carm. epigr. 101,2 parentes suasi, artefi- 
cium discerem. Heraus.] Unten artificium nun quam moritur 53 in- 
gratum artificium esse 66 difficillimum artificium 58 propter arti- 
ficium meum diis gratias ago 69 non omnia artificia servi nequam 
narras. 

ant tonstreinnm aut praeconem ant certe cansidlcum. Ton- 
streinum sc. opus; vgl. zu 64. [Sueton. Gramm. 23 textrinum di- 
dicit. Heraus.] Dieselbe Verbindung wie die von aliquid artificii 
mit den beiden letzten Akkusativen auch 66 quod — putamus — 
difficillimum artificium? ego puto medicum et nummularium. 

Die Konstruktion docere aliquem causidicum entspricht ganz 
der von discere mit dem Nominativ: discat citharoedus aut cho- 
raules Martial. V 66,9. Ebenso Xen. Mem. IV 4,5 dotSdiSaTo auTov 
cxux£a und Dio Chr. 65 p. 283 R Sampcm)« 7iat« wv ^dlv&ave Xt&o- 
E6o; t?)v toü 7raxp6; t£y>yrp (wie bei uns: 'er lernt Tischler, studiert 
Lehrer'.) [Kaibel Epigr. 340,6 9jv jx£v p.oi t£^vy] Xaof-öoc Ammian. 
XVI 8,10 Dionysius — tonstrices docuit filias. Schol. Juv. 3,68 
Höhler: palaestriarii discunt. Heraus.] Der Grund der Verbindung 
des Abstr. tonstrinum mit einem Personalbegriff liegt wol darin, 
daß für causidicus ein entsprechendes Substantiv noch nicht üblich 
war (causidicatio — dicina — dicatus finden sich erst spät, wäh- 
rend für praeconem praeconium allerdings möglich war). Alles bei 
Heraus S. 9,3. 

Über die Einträglichkeit des Geschäfts der praecones SG I 313, 
der causidici 327. 

quod Uli auferre non possit nisi Orcus. 45 nee illam (stig- 
mam) nisi Orcus delebit. 

Primigeni. Sehr gewöhnlicher Individualname, auch von Skla- 
ven, und daher cognomen von Freigelassenen ; vgl. die Indices des 
CIL, z. B. Orelli 4426 = CIL VI 24931. Eph. ep. VII 193 Car- 
thagine: Primigenius Aug. Ziegelstempel Primigeni(us) duo(rum) Do- 
mitior(um) ser(vus) f(ecit). Bull, com d. Roma XVIII 1890 p. 259- 

crede mihi, qnidqnid discis, tibi discis. Daß diese Worte 
einen Hexameter bilden, dem nur der erste Fuß fehlt, ist vielleicht 
nicht Zufall (mihi und tibi in demselben Verse ist nicht auffallend, 
zu Martial I 36,1). Doch ist eine rhythmisch gefaßte Sentenz im 
Munde gerade dieses Redners überraschend. Wenn es eine solche 
ist, konnte sie nicht wohl die Anrede einer bestimmten Person 
enthalten, wie der von Stowasser Archiv VI 211 konstruierte Hexa- 
meter: Primigeni credas, quidquid discis tibi discis. 

Phileronem wie 63 Niceronem in einer Rede des Trimalchio, 
während es in der Erzählung 73 Nicerotem heißt. Über diese in 



Anmerkungen zu 46. 273 

der Vulgärsprache sehr gewöhnliche falsche Deklination griechi- 
scher Namen auf os, otis s. Bticheler I p. X. Guericke 44. Heraus 
S. 44. 

Phileronem causidieum. Daß der Redende einen der an- 
wesenden Gäste, den 43 eingeführten Phileros, auf diese Weise 
bezeichnet, was Bücheier a. a. 0. und im Index der ed. 3 und 4 
für möglich hält, ist mindestens sehr unwahrscheinlich. Auch 
würde Petron, wenn er in dieser Gesellschaft, in der die scholastici 
als ein fremdes Element angesehn werden, einen Anwalt hätte auf- 
treten lassen, ihn wo nicht durch eine gebildete Ausdrucksweise, 
wenigstens durch die Affektation einer solchen charakterisiert 
haben. Sicherlich ist auch der 43 redende Phileros ein homo ne- 
gotians. Übrigens kommt auch der Name eines andern Gastes, 
des Hermeros (59), noch einmal als der eines Gladiators (52) vor. 

modo modo. Zu 37. 

collo circumferebat onera yenalia wie 37 modo solebat collo 
suo ligna portare. 

adyersus Norbanum« Zu 45 eripiat Norbano totum favorem. 

thesaurum. Guericke 47. Heraus S. 42. 

artiflcium numquam moritnr« Sprichwörtlich. Ebenso, aber 
in anderm Sinne, in den Hermen. Leidens. CGI. III 39,15: riyyri 
fotp pLeTaxl^erai — ars enim transfertur — dbrö dv^pohrou — ab no- 
mine — elc fafymnos — in hominem — xal Sid touto tI^vt) — et 
propterea ars — oöx dirodv/joxei — non moritur. 

47 nee mediel se Inyeniunt, Seneca Controv. III praef. 13 
agedum istos declamatores produc in senatum, in forum — vix se 
invenient. Seneca Beneff. V 12 minusque se inyeniunt, quo in 
majorem partem ineiderunt. Studer S. 90. Plin. med. I 25 Böse: 
multi medici se medicos adyersum hoc malum non inyeniunt. Vgl. 
Ruhnken zu Ovid. Her. 15,113. Heraus S. 38. Forcellini — De 
Vit: non inyenire se dieuntur qui aliquando eas in se vires aut 
facultatem non agnoseunt quam alias habere se probe sciunt. 

malicorium. Öfter bei Celsus. Plin. N. h. XXIII 102 (ma- 
licorium appellant medici); als Ingrediens von Medikamenten 
XXVIII 173 sq. XXIX 43. Auch Not. Tir. Heraus S. 10. 

taeda ex aceto. Plin. N. h. XXIV 41 taeda decoeta in aceto 
dentium dolores efficaciter conluunt. Ex und in wechselt bei der- 
artigen Rezepten, z. B. (panis) datur ex vino — et — ex aceto 
Plin. N. h. XXII 138. 

pndorem sibi imponet. Martial. 1 52,9 impones plagiario pu- 
dorem. Heraus. 

Petronii Cena TrimalcMonis. 2. Aufl. 18 



274 Anmerkungen zu 47. 

sua re facere. Ich vermute suam rem facere (und 66 et cum 
meam rem facio, non ploro) 1 ), entsprechend unserm 'sein Geschäft 
machen 1 , wie facere absolut in obscönem Sinne unserm 'es tun 1 
(Grimm DW III p. 1120,53) entspricht (coepit ad stelas facere se 62 
gehört nicht hierher). Dagegen bemerkt Bücheier: »Der Ablativ 
sua re trägt ein so altertümlich formelhaftes Gepräge, daß diese 
Phrase als ein Gegenstück zu dem sonst keines habenden mea re 
fert ('es trägt in meinem Interesse = ist mir zuträglich 1 ) erscheint : 
wo man später sagte in rem meam est oder ex re mea est, da 
bediente sich die älteste Sprache des bloßen Ablativs (auf dessen 
Analogie auch jene halbpräpositionalen Verbindungen mea causa 
und mea gratia zurückgehn). Bei Plaut. Capt. 296 ist überliefert 
tua re feceris (wirst du in deinem Interesse handeln), richtig wie 
ich glaube (die Herausgeber tua ex re). Ich finde hier also einen 
alten, ursprünglich vielleicht im Becht usw. gebrauchten, dann 
euphemistisch auf die necessitas naturae übertragenen Ausdruck 
'in eigner Sache handeln' = unserm 'seine Notdurft verrichten', 
entsprechend. Geschützt wird der Ablativ auch durch causa, mag 
dies nun erklärender Zusatz sein (sua re sei zu fassen wie sua 
causa) oder mag die erste volle Phrase sua re causa facere sein 
mit asyndetischer Aneinanderreihung von res und causa (wie usus 
fructus, pactum conventum); wenn ich auch gerade für diese zwei 
Worte kein Beispiel des Asyndeton finde (wiewohl bei Liv. I 34 
in alter Formel quarum rerum litium causarum, in den Notae des 
Probus siremps lex res jus causaque omnium rerum esto und man- 
ches Ähnliche erhalten ist): der doppelte Begriff wäre sachlich 
sehr zutreffend; sua re facit, weil sein eigen ist, was er ausgibt, 
sua causa facit, weil in seiner Bechtssphäre und lediglich bei ihm 
liegt, was er ausgeben will. Ich neige daher jetzt dazu, die ganze 
handschriftliche Lesung dem Autor zu vindizieren.« 

pudeatur. Guericke 50. 

nemo nostrum solide natus est. 102 tanquam solidos aUi- 
gaturus, quibus non soleat venter injuriam facere. Obsequens c. 26 
und 40 puer solidus posteriore naturae parte natus. Heräics. Das 
Adverb, solide wie Sueton. Versp. 23 improbius — nato. «Heraus 
S. 38. 



*) Freilich ist, wie Michaelis bemerkt, das zweimalige Eindringen 
derselben Glosse (causa zu re) in den Text (hier und c. 66} sehr unwahrschein- 
lich, doch sein Vorschlag zu lesen : sua reclusa facere (seine Schleusen öff- 
nen) wäre nur wahrscheinlich, wenn die Ergänzung zu sua eine selbstver- 
ständliche wäre. 



Anmerkungen zn 47. 275 

continere. Sueton. Glaud. 32 dicitur etiam meditatus edic- 
tum, quo veniam daret flatum crepitumque yentris in convivio 
emittendi, cum periclitatum quendam prae pudore ex continentia 
repperisset. 

hoc solum vetare ne Joris potest. Mit Unrecht hat Heinsius 
ne in nee geändert, das sich in den Beden der Freigelassenen so 
nicht verwendet findet, ebensowenig ne — quidem, wohl aber ein- 
mal, wie es scheint, non c. 66 de scriblita quidem non minimum 
edi. Ne für ne — quidem anerkannt bei Apulej. Scr. Hist. Aug. 
u. a.; Anthol. lat. 1178,33 Bücheier (heu ne fragmento me vo- 
luisti tegi); bei Quintilian. I 5,39 als Beispiel der detractio (ne 
hoc fecit). Heräus-V. S. 432. 

IoyIs (auch 58) alt- und spätlateinisch und volkstümlich. Lud- 
wig 21. Heraus S. 43. 

desomnem nur hier. Georges. 

yetuo. Nach dem Perfekt vetui gebildet. Zahlreiche derartige 
vulgäre Rückbildungen in Glossen. Heraus S. 39 f. 

foras statt foris. Zu 30 foras cenat. 

lasani statt lasana. Guericke 46. 

minutalia. In den Glossae Aynardi CGI V 621,26 nach Aufr 
Zählung andrer Bedeutungen am Schluß: vel illud quod ponitur in 
latrinis ad purgandam anum (lignum cum adhaerente spongia 
Seneca Epp. 70,20). Heraus nimmt wol mit Recht an, daß diese 
Bedeutung nur aus unsrer Stelle erschlossen, also ein Beleg für 
das Fortleben Petrons im Mittelalter ist. Vgl. zu c. 47 neniae 
Heraus S. 9 f. 

anathymiasis. Auch bei dem Arzt Th. Priscianus u. Not. Tir. 
Heraus S. 10. 

dum nolunt sibi verum dicere. Seneca Tranq. an. 1,16 non 
est enim, quod magis aliena judices adulatione nos perire quam 
nostra. quis enim sibi verum dicere ausus est? 

in medio lautitlarum, quod alunt, clivo laborare. Seneca 
Epp. 92,15 an quae res tantum valet, ut eifeptum calamitatibus 
inter beatos locet, non potest adicere quod superest, ut beatissi- 
mum faeiät? in summo deficit clivo? Id. ib. 31,4 clivum ist um uno, 
si potes, spiritu exsupera. Vgl. die von Otto Archiv IV 34 *= Spr 
clivus angeführten Redensarten: Ovid. Epp. 19,41 mille doli restant, 
clivo sudamus in imo und Petron. 134 lassus tanquam caballus in 
clivo. Ovid. Rem. am. 394 prineipio cliyi noster anhelat equus. Sil. 
Ital. IV 606 virtus interrita clivo. 

lautitiarum. Zu 27 cum has ergo miraremur lautitias. 

18* 



276 Anmerkungen zu 47. 48. 

mundatig ad sjmpnonlam mensis: vor dem Auftragen des 
neuen (zweiten) Ganges der Mahlzeit. 

ad srniphoniam« Zu 28 ad caput ejus symphoniacus. 

nomenculator. Heraus S. 46. 

petauristarios Intrasse et porcos, sicut in elreulis mos est» 
portenta allqua facturos. Petauristarius: Heraus S. 10. Circuli 
Kreise von Personen, die auf Straßen oder Plätzen zusammenstehn 
(SG 1 421,5), vor denen Gaukler mit abgerichteten Tieren, zu denen 
namentlich Schlangenbändiger gehörten, ihre Kunststücke zeigten. 
SG I 27,11 u. 28,1. 

quem — ex eis Tultis in cenam statim fleri. 74 gailus — 
ut aeno coctus fieret. Martial. XIII 54 Gerretana mihi fiat vel 
missa licebit De Menapis. Die Bedeutung von facere 'zubereiten' 
(gallum enim gallinaceum — rustici faciunt: mei coci etiam vitulos 
aeno coctos solent facere) fehlt bei Georges. Vgl. darüber Heraus 
S. 30. 

penthiacum. Vespae Judic. coci et pistoris Riese Anthol. lat. 
199,77: Est Bromio Pentheus, est et mihi de bove Pentheus. Ein 
Gericht, das davon den Namen hat, daß das zuzubereitende Fleisch 
zerstückelt ist wie Pentheus von den Mänaden. 

nenias: Die Erklärungen des Wortes in der hier anzunehmen- 
den Bedeutung in den Glossen sind: vanae res; superflua, loqua- 
citates, fabulae inanes seu vilissimae res; mendacium; res super- 
vacuae; deliramenta; fabulationes vacuae. Die nach den Not. Tir. 
und Arnob. anzunehmende Bedeutung von nenia als eines Gerichts 
aus Schweinernem ist hier durch ejusmodi ausgeschlossen. Heraus 
S. lOf. 

ex quota — decuria es? Über die Einteilung der Sklaven in 
Dekurien und deren Beaufsichtigung durch decuriones Marquardt 
Prl I 154,4. 

empticius, inquit, an dorn! natus. [Das von Bücheier ein- 
geschobene inquit ist entbehrlich. Vgl. Phaedr. I 29,9. Verg. A. 
II 41 ss. Heraus.] empticius Heraus S. 11. domi natus S. 11,1. 

Pansae« Cognomen der Titinii, Vibii u. a. Wahlempfehlungen 
für C. Cuspius Pansä zur Ädilität in Pompeji CIL IV Index p. 236. 

in decuriam viatorum« „Auch ich halte viatorum für ver- 
dorben. Vielleicht boiatorum? Von bojatus, vgl. imboio CGI 
II 350,64 xXotiv ictpvc((h]|&i. u Heraus. 

48 Yinum — tos oportet bonum faciatis wie 39 hoc vinum 
vos oportet suave faciatis. 

Africam Ire für in Africam Guericke 54 sq. 
Tarraciniensibus« Derartige Bildungen (iensis statt ensis,. 



Anmerkungen zu 48. 277 

nach Athenienses) wie Arimjniensis, Lugduniensis scheinen volks- 
tümlich zu sein. Heraus S. 47. 

In domnsionem — litteras didicit« Zu 46 ad domusionem etc. 

ne me pntes studla fastiditum für fastidivisse Guericke p. 60. 

perlstasim deolamatlonis tuae. Iul. Vict. Rhet. I 1: Scire 
autem est rem, de qua dicturus sis, universam pernoscere — et 
peristasin cansae quam susceperis, et in ea judicatum, tö xpivd- 
jxevov, per singulos propra Status articulos investigare — Accepto 
igitur themate primum circumstantiam sectari debes, cujus partes 
sunt Septem hae: 'quis, quid, quando, ubi, cur, quemadmodum, 
quibus adminiculis'. Quintilian. III 5,18 (causam nunc intellega- 
mus faöfteoiv, negotium ireploraciv). V 10,104 hoc genus argumen- 
torum sane dicamus ex circumstantia, quia rceploraoiv dicere aliter 
non possumus vel ex iis, quae cuiusque causae propria sunt In 
H steht am Bande: circumstantiam. 

pauper et dives inimici erant« Ein gewöhnlicher Anfang von 
Eontroversthemen, in denen der Arme und der Reiche gern als 
Feinde oder Freunde zusammengestellt wurden (SG III 392,4), 
z. B. Quintilian. Declam. ed. Ritter 269 pauper et dives amici 
erant, ebenso 332; dagegen 379 pauper et dives inimici. Vgl. 304. 
305. 333. 344. 346. 365. 370. Seneca Controv. II 1; V 2 (Pauper 
cum haberet filium et divitem inimicum filiam habentem etc.); 
Vin 6; X 1. 

hoc — si factum est, controrersia non est« Ein frostiges 
Spiel mit dem Doppelsinn von controversia non est: «dann ist es 
keine Kontroverse« und »dann ist kein Streit darüber« (ob es ge- 
schehen ist). 

aerumnas Herculis. Altertümlich wie Plaut. Pers. 2 und 
Fronto p. 262 N. (fehlt bei Otto Spr.). Üblicher labores oder 
athla. Heraus. 

de Ulixe fabulam, quemadmodum Uli Cyclops pollicem po- 
ricino extorsit. Ohne Zweifel liegt hier eine dunkle Erinnerung 
an das Ausdrehen des Auges des Polvphem zu Grunde. Die Ver- 
suche poricino zu emendieren, bleiben um so problematischer, da 
Trimalchios Vorstellungen unberechenbar sind, und außerdem die 
Möglichkeit einer stärkeren Entstellung (z. B. durch verstümmelnde 
Zusammenziehung zweier Worte wie forcipe ligneo oder oleagino 
mit Erinnerung an den po^Xöc iXdtvoc der Odyssee) nicht ausge- 
schlossen ist. Bücheier denkt bei dem von ihm in den Text ge- 
setzten porcino an die Benennung einer keilförmigen Schlachtord- 
nung porcinum caput (Veget. mil. Ul 19) und versteht »ein dem 
Schweinskopf ähnliches Instrument zum Zwischenschieben, Klem- 
men und Spalten, das im Volksmunde schlechtweg porcinum be- 



278 Anmerkungen zu 48. 49. 

nannt war«. In der von ihm (Ind. ed. 3 und 4) angeführten Stelle 
des über monstrorum heißt es in B (Pithoeanns) am Schlüsse des 
Abschnitts über die Cyklopen (Haupt Opp. II 226 adn. ad 1. 14): et 
Ulixes magnum burcellum (fortasse burdellum vel burdillum i. e. 
fustem) jecit in oculum ejus (vgl. Ducange s. burdillus). 

solebam haec ego pner apnd Homeram legere. Er spricht 
auch hier, als ob er den ludus grammaticus besucht hätte. 

nam Sibyllam qnidem Cnmls ego Ipse ocnlis meis Tidl in 
ampulla pendere. Nam wie 38 nam mulam quidem nullam habet 
(Das ausgelassene Zwischenglied etwa: ȟber andre alte Dichter 
weiß ich ebensogut oder noch besser Bescheid«.) 

Die Annahme zahlreicher Sibyllen (Marquardt StV HI 350 ff.) 
hatte zur Folge, daß ihre durch hohes Alter (das sprichwörtlich 
war: StßtfXXTjc dpxätÖTepo« Macar. VE 61. Prop. II 2,16; 24,33 Mar- 
tial. IX 29,3 Priap. 12,1 Ovid. Fast. III 634 IV 876 sq. P Archiv 
HI 223 = Otto Spr Sibylla 1) zu fabelhafter Winzigkeit zusammen- 
geschrumpften Mumien an mehr als einem Orte gezeigt wurden 
(vgl. SG II 177,6). Ampel. Lib. memorial. 8,16: Argyro (?) est 
fannm Veneria super mare: ibi est lucerna etc. sed et Herculis 
aedes antiqua, ibi e colnmna pendet cavea ferrea rotunda, in qua 
conclusa Sibylla dicitur. 

Cumis. Vgl. die Einleitung S. 8. Unter Gumis mit Bücheier 
(Conjectanea Rhein. Mus. N. F. LVII, 1902, S. 327) ohne nähere 
Bezeichnung das äolische Kup/r] zu verstehn, halte ich für ebenso 
unmöglich, als z. B. unter Cambridge ohne nähere Bezeichnung 
in der Rede eines heutigen Engländers Cambridge bei Boston. 

ELßvXka, xl &eXeig; — dxo&aveZv &eka>. Bücheier be- 
merkt, daß diese Worte mit Einschaltung eines Trochäus z. B. 
elitev einen Trimeter bilden und glaubt, daß der Vers ans einer 
Etymologie herausgesponnen ist, wie sie die Glosse des kyprischen 
Dialekts ol ßöXe xi $£Xei< bei Hesych. bietet, und die aus gramma- 
tischen Kreisen in die der Fremdenführer herabgesickert wäre. 

49 nondnm efflaverat omnia. Flor. IV 7,11 = II 17,7 ed. 
Jahn: quam verum est quod moriens Brutus efflavit. 

repositorium cum sne ingenti. Der dritte Gang. 

maior — quam panlo ante aper: Das Hauptstück des zwei- 
ten Ganges (40). 

exinteratns. 54 cocus — qui oblitus fuerat porcum exinterare. 
So, nicht exenterare, auch die codd. und edd. der Naturalis histo- 
ria des Plinins. Georges. 

mehercules. Zu 33 m. 



Anmerkungen zn 49. 60. 279 

voca, yoca. Über Doppelsetzung von Imperativen Birt Das 
Arvallied Archiv XI 18a Eeräus. 

voea coeum In medio. Über in mit dem Ablativ anf die 
Frage wohin? Rönsch 406 f. [Herondas 6,81 fjXdev — h phy. Eeräus.] 

despolia — despoliatur, wie 30 servns despoliatua. Über 
despoliare, 'entkleiden' (in späterer Zeit häufiger so exspoliare) 
Heraus S. 32. 

solet fleri. Kedensart der Fürsprache. Heraus S. 38. Vgl. 
Don. Ter. Phorm. II 1 } 16 quod a precatoribus dici solebat eommunia 
esse et posse fieri und cap. 129. Sen. Contr. II 4,10 p. 199 Kießling. 
Derselbe. 

ego, erndellssimae severitatis. Ebenso 68 Ascyltos, intem- 
perantis licentiae [c. 16 nescio quis — calvus, tuberosissimae fron- 
tis c. 140 podagricum — lumborunqe solutorum. Ähnlich der Dativ: 
neuter auxilio sibi c. 89 v. 46. MüUer]. Jacobs vergleicht Sueton. 
Domitian. 16 pr. Flavium dementem — contemptissimae inertiae. 

plane, nie debet servns esse neqnissimns. Zu plane 41. 69 
servi nequam und nequissimus servus. 

palam nobis. Palam Präposition? Heraus. 

hinc atqne illinc. Zu Martial IV 14,8. 

60 post hoc automatum. Eunstleistung auch 140 dum frater 
sororis suae automata per clostellum miratur. Dagegen 64 Maschi- 
nerie, Mechanismus, wie Sueton. Claud. 34. 

Gaio feliciter. Zu 30 C. noster. 

in lance — Corinthia. Marquardt Prl II 688. Zu 31 asellus 
— Corinthius. ^ 

vera corinthea. Guericke 7 zweifelt an der Schreibart ea, 
doch steht sie auch in dem Zitat dieser Stelle bei Isidor. Origg. 
XVI 20,4 und CIL VI 8686 imaginem Corintheam; X 6 = Orelli 
3838 pelvim aeream Corintheam. Heraus S. 46. 

quia scilicet auch 63. Ludwig 39 Segebade 7. 

qnaeris. Trimalchio redet Agamemnon an. Bücheier I. 

nesapinnu Terentius Scaurus De orthogr. GL VII 12,4 nesapus 
qui non sapit. Dies ist die korrektere Form ; vgl. florisapus busti- 
rapus, piscicapus etc. Heraus S. 11. 

valde bene sclo. Zu 38 valde suecossi sunt. 

miscellanea« Das Wort hier zuerst. Heraus S. 11. 

eatilla. Über catillum statt catillus Heraus S. 42. 

statnncnla. Das Neutrum statunculum (Donat Art. gramm. 
II 4,3 GL. 376,9 k) bei Tertullian, Cyprian und im mittelalterlichen 
Latein (Ducange s. v.). Weinhold Genuswechsel der Deminutiva 
Archiv IV 186 nimmt den Einfluß eines bedeutungsverwandten Sub- 



280 Anmerkungen zu 60. 51. 

stantivs an (der allgemeinste Begriff Signum zog das Geschlecht 
der Spezies nach sich). Vgl. Heraus S. 43. 

ignoseetis mihi quod dlxero. 'Ob nicht das überlieferte quid 
dixero als Vulgarismus beizubehalten ist? Quis und quid (wie 
später tU) für qui, bzw. si quis z. B. Carm. ep. 618,7, 520,7, wie 
in der alten Gesetzessprache, s. Scholl Leg. XII tabb. p. 75 sq. 
Man erinnert sich des Homerischen -rj vefAeo-fjoeat 8m *£v efaa> (Suet. 
Tib. 89 ignoscas, rogo, si quid . . . liberius — dixero Phaedr. 
IV 20,14 nolo irascaris, libere si dixero u. ä.' Heraus. 

certe non olunt. Die Form olere Guericke 48, über den Ge- 
ruch der Gorinthia, der als Zeichen der Echtheit galt, zu Martial 
IX 59,11. 

51 admissus — Caesarem. Ludwig 34 Guericke 55. 

valdiug. Zu (50 valde bene scio) 38 valde succossi sunt. [Vgl. 
Georges Wortformen s. valde; ebenda valdissime; dies auch in 
einem Brief auf Papyrus bei Wessely Schrifttafeln Nr. 1. Heraus.] 

yasum für vas. Vgl. Georges s. vas und Heraus S. 42. 

martiolum. Nur hier. Bücheier erklärt die Form aus der 
Übertragung der Endung von malleolus (malliolus) auf das gleich- 
bedeutende martulus (so alle codd. Plin. N. h. VII 195) oder vul- 
gär martellus, das die romanischen Sprachen behalten haben, wäh- 
rend sie die Form marculus fallen ließen. Ducange s. martus Diez 
EtWI martello Gröber Archiv III 527. Doch kann, wie Heraus 
S. 45 f. bemerkt, martiolus ebensogut eine Weiterbildung von mar- 
tulus sein, wie manuciolus c. 63 von manuculus. 

otio i. e. per otium, otiose. Scheffer, Heinsius. Phaedr. 1 25,6 
quamlibet lambe otio. 

hoc facto putabat se soleum Iovis teuere« Horat. Epp. I 
17,34 Res gerere et captos ostendere civibus hostes Attingit solium 
Jovis et caelestia tentat. Stat. S. HI 1,25 Sive tui (Herculis) solium 
Jovis et virtute parata Astra tulit. Valer. Flacc. IH 385 ad solium 
venere Jovis. Verwandte Ausdrücke, wie caelum tenere (von Alexan- 
der) Seneca Beneff. I 13 und andre zu 37 in caelum abiit. Otto 
Spr caelum 11. Soleum wie Gorintheus (Heraus S. 46). 

aurum pro luto haberemus* Zu 44 annona pro luto erat 
Nach Plinius wurde die Erfindung des biegsamen Glases unter 
Tiberius gemacht. N. h. XXXVI 195 Ferunt Tiberio principe ex- 
cogitato vitri temperamento ut flexile esset, totam officinam arti- 
ficis ejus abolitam, ne aeris argenti auri metallis pretia detraheren- 
tur, eaque fama crebrior diu quam certior fuit. Dio LVII 21 (22 
p. C): ein Architekt, dessen Namen man nicht kennt, weil Tiber aus 
Neid ihn nicht in die &rcopvf)paTa schreiben ließ, habe eine Porticus 



Anmerkungen zu 51. 62. 281 

in Born, die sich gesenkt hatte, auf wunderbare Weise wieder ge- 
rade gerichtet, Tiber ihn zwar belohnt, aber aas Born verwiesen: 

fxexa tk. xauxa «poceX&6vxo« ol aöxou xal Ixexelav iroioup^voo, xdv xo6x<p 
nor/jpt6v xt öaXoüv xaxaßaXövxo« xe l(;eitlxTqBec xal $Xaa&6v irw« t?} ouv- 
xpiß^v tat« xe ^epol &iaxpl<|>avw>c xal £&pauaxov icapa/p^pia diro^vavxoc, 
£; xal auf7vt()(jiY)« Sta xoüxo xeu£op,evou, xal arc£xxeivev a&xtfv. Als eine 
Fabel betrachtet diesen Bericht auch Blümner Technol. n. Terminol. 
IV 407, doch kann man, wie Dehio bemerkt, sehr wohl an ge- 
sponnenes Glas denken. 

62 In argento« Die Ausstattung der Schenktische mit altem 
Silbergerät (dies ist argentum auch hier wie 37} gehörte zu dem 
beliebtesten Kunstluxus. SG III 311. 

plane Studiosus« Zu 41 plane matus. 

scyphos urnales. Biesenpokale; 1 urna = 4 congii = 
13,13 Liter. 

plus minus C. Plus minus asyndetisch vor Zahlwörtern, in- 
schriftlich meist in der Abkürzung P. M. Heraus S. 32. 

quemadmodum Gassandra etc. Dies Satzglied ist mit dem 
vorausgehenden Plural scyphos ebenso unvereinbar, wie das fol- 
gende ubi Daedalus mit dem vorausgehenden capides, denn daß 
100 oder mehr Pokale dieselbe Darstellung enthielten, ist undenk- 
bar. Vor beiden Satzgliedern sind also Lücken anzunehmen. Mit 
Gassandra ist Medea gemeint. 

pueri mortui iacent sie ut rivere putes. Ovid Met. X 250 
virginis est verae facies ut vivere credas. 'On parlait dans la pe- 
tite feuille (de Strassbourg) du tombeau du marechal de Saxe et 
Ton disait avec ce ton precieux ä la mode: la figure de la mort 
a tant d'expression qu'on pourrait dire qu'elle est pleine de vie. 1 
Jacobs. 

quas rellquit patrono meo Mummlus. Diese auch paläogra- 
phisch durch ihre Leichtigkeit sich empfehlende Konjektur Büchelers 
bietet einen Namen, den seinem Trimalchio in den Mund zu legen, 
dem Autor nach der unmittelbar vorausgegangenen Stelle über 
Korinth nahe lag. 

ubi Daedalus Nlobam. Gemeint ist die Einschließung der 
Pasiphae in eine hölzerne Kuh. 

nanu Zu 38 nam mulam quidem. Zu ergänzen etwa: Doch 
enthalten meine Silberarbeiten nicht bloß mythologische Darstel- 
lungen. Die Zusammenstellung dieser mit amphitheatralischen wie 
29 f. Iliada et Odyssian — ac Laenatis gladiatorium munus. 

Petraitis. 71 Petraitis omnes pugnas. Von dem durch eine 
lykische Inschrift bezeugten Gladiatorennamen Petraites scheinen 



282 Anmerkungen zu 52. 

Petrahes (so auf einer Gladiatorenszene eines Glasgefäßes zu Lille« 
bonne) und Petrahites vulgäre Nebenformen zu sein. SG II 522. 
[S. jetzt auch Dessau J. s. 5137 f. (Tetraites). Heraus.] 

menm — intelllgere. »Seit Cicero war also die ursprünglich 
gelehrte Konstruktion in die Kreise der Halbgebildeten gedrungen.« 
Wölfflin der substantivierte Infinitiv. Archiv III 75 (das. 90 Mar. 
Victor. 3 ejus intelligere 5 sine intelligere). 

nngax* Zu 43 abstinax. 

statum puer demlsso labro orare. ITlabrore at. Heerdegen 
Untersuchungen z. latein. Semasiologie III 73 glaubt, daß der In- 
finitiv, der hier gestanden hat, nicht orare, sondern rogare gewesen 
sein wird, schwerlich mit Kecht. 

tanquam ego tibi molestus sim. Seneca Epp. 21,1 tu tibi 
molestus es. Brev. vit. 11 sibi ipsi molesti sunt. Studer 90. 

tandem ergo. Tandem ergo vom Epitomator bei einer Kür- 
zung zur Verbindung mit dem Vorausgehenden gesetzt wie 31 tan- 
dem ergo discubuimus. 

missionem dedit puero wie 64 puer — missionem rogabat. 

excipimus urbanitatem iocantis« Ausgefallen ist etwas wie 
plausu nos. Bücheier I. 

hilarius bibit. Zu 39 hilaresque convivae. 

cordacem nemo melius ducit. Dieser der alten Komödie eigen- 
tümliche, ausgelassene Tanz wurde vielleicht damals von Panto- 
mimen getanzt; wenigstens nennt Plutarch Qu. conviv. VII 8,3,3 
r?)v BaOuXXetov (ffp^Tjaiv) — T °u *öp5axo« dnTOfiiv/jv (SG 461,2). Für 
eine Frau war er im höchsten Grade unanständig. 

Syrum histrionem exhibebat. Ein unbekannter Pantomime, 
da Syrus schwerlich Gentile ist, in welchem Fall der Syrer Nomius 
(SG II 457,2) gemeint sein könnte. 

concinente tota familia: madeia, perimadeia. Die Sklaven- 
familie singt zu dem von Trimalchio aufgeführten Pantomimentanz 
den Text, vertritt also die Stelle des im Pantomimus gewöhnlichen 
Chors (SG II 453 f.). Die Textworte madeia perimadeia sind rätsel- 
haft. Daß der Text eines Pantomimenlibretto griechisch war (wie 
es nach dem zweimaligen ST scheint), wäre nicht auffallend, da 
auch in Rom griechische Texte von Tragöden vorgetragen (Sueton. 
Nero 46) und überhaupt wol auf den dortigen Bühnen nicht selten 
gehört wurden (SG II 450). Vgl. auch 64 nescio quid taetrum sibi- 
.lavit, quod postea Graecum esse affirmabat. Doch der von Büche- 
ler3 angenommenen Herstellung Ribbecks M^Seta, Uepip-tfieia (nach 
Theocrit. 2,16 [xfJTe ti M-r\helas, p^xe fjowfta« üepi^STjc ; vgl. Propert. 
II 4,8) stehn die stärksten Bedenken entgegen. Ob es jemals die 
Formen Mdtöeta und IlepifAaöeia gegeben hat, ist mindestens zweifei- 



Anmerkungen zu 52. 53. 283 

haft; daß aber solche kaum erhörte Singularitäten in dem Libretto 
eines damaligen Pantomimus vorkommen konnten, erscheint nach 
allem, was wir von diesen wissen, unglaublich. Bücheier 4 Index: 
madeia perimadeia, cordacis cantilena, uept gradationem facit, ut 
(ßapu) tö neptßapu xpuoc, ignotum nomen potest cognatum esse ma- 
dori, quasi vica pervica. 

prodisset in medium wie 69 ultimo etiam in medium pro- 
cessit. 

credo dixerit. Über den parataktischen Gebrauch von credo 
crede credite Segebade 13. 

nam modo Fortunatam etc. Tarn concisa haec sententia est 
ut detraxisse de ea excerptorem credaro. idem quo commissuram 
orationis hiantem occultaret, et ante plane (53) interpolavit.' Bü- 
cheier I. 

ad naturam suam reyertebatur = Querolus p. 15,15. rursum 
ad ingenium redit Ter. Ad. 71 ad mores suos Cic. Att. VII 3,8 u. a. 
(fehlt bei Otto). Heraus. 

53 et plane interpellavit. Plane zu 41. Interpellavit zu 26. 

actuarius. Hier in dem Gloss. Graecolat. C. Gl. II p. 457a,7 
angegebenen Sinne: &iro{AV7)[i.aT07pa<po« actuarius, memoralius (sie). 

tanquam urbis acta recitavit. Wenn dieser Bericht eher wie 
eine karrikierende Nachahmung der im Kaiserhause geführten ephe- 
meris aussieht (SG I 199), so ist doch der Vergleich mit den acta 
urbis (Teuflfel RLG 216,2) schon durch die darin herrschende 
Affektation des Tons offizieller Bekanntmachungen hinreichend 
begründet Übrigens mögen Vorlesungen wirtschaftlicher Berichte 
in großen Haushaltungen (wenn auch natürlich nicht vor Gästen) 
nicht ungewöhnlich gewesen sein. Seneca Tranq. an. 8,6 numerus 
Uli (Demetrio Pompei liberto) cotidie servorum velut imperatori 
exercitus referebatur. 

YII kalendas Sextiles: den 26. Juli. Vgl. Einl. S. 11. 'rationes 
semestres puta, ut intra sex menses ante VII kal. Augustas pueri 
tot nati, tot sublati modii, tot boves domiti sint' Bücheier I. 
Zur Erklärung des Datums kann man annehmen, daß es der Ab- 
schluß der halbjährigen Rechnung ist, deren Fertigstellung 3 bis 
4 Wochen erfordert hatte. Vgl. unten nisi intra sextum mensem 
sciero. Außerdem muß man dann aber auch hier eine durch Abkür- 
zung herbeigeführte Änderung des Originals annehmen, da neben 
Angaben über die Erträgnisse von 6 Monaten unter eodem die 
zwei Ereignisse (die Kreuzigung des Sklaven Mithridates und der 
Brand in einem Park) angeführt sind, die sich an einem Tage zu- 
getragen haben. Vielleicht war im Original auch ein Grund an- 



284 Anmerkungen zu 53. 

gegeben, warum dieser Bericht erst nach etwa 6 Monaten verlesen 
wurde. 

In praedlo Cnmano. Auch dies wäre schwer mit Mommsens 
Annahme, daß das Gastmahl in Cumä stattfindet, zu vereinigen. 
Bei einem in Cumä verlesenen Bericht erwartet man in praedio 
suburbano (vgl. 48 in suburbano — quod ego adhuc non novi). 

milia modinm quingenta — 43770 Hektoliter, für 10000 Er- 
wachsene auf ein Jahr zur Ernährung hinreichend. 

Gai nostrl genio. Zu 30 C. noster. 

sestertium centies = 2175210 Mark. 

in hortis Pompeianis: die früher dem Patron Trimalchios C. 
Pompejus gehörigen oder die bei Pompeji gelegenen. 

Nastae vilici. Der Name, aus II. B 867 entlehnt, auch Mar- 
tial. IX 87,5 als Sklavenname. 

excandnit Trimalchio. 57 unus ex collibertis Trimalchionis 
excanduit. Vgl. 85. 87. 98. 100. 105. 115. 136. 

in rationes meas inferri. Sueton. D. Julius c. 47 rationibns 
inferre. 

vetuo wie 47. 

testamenta quibus Trimalchio com elogio exheredabatnr. 
Elogium Klausel, besonders im Testament, so in dem des Mäcenas: 
tali ad Augustum elogio : Horati Flacci ut mei memor esto. Quin- 
tilian. decl. 325 Lemma (dives decessit herede instituto bonorum 
omnium paupere et elogio tali, peto ut hanc hereditatem restituas 
— ei cui rogavi); besonders Enterbungsgrund. Cic. Gluent. 45,135 
elogium recitasti de testamento — idcirco se exheredasse filium 
quod etc. Quintilian. VII 4,20 si exheredatum a se filium pater 
testatus fuerit elogio, propterea quod etc. Apulej. Apol. 99 diu 
sum — renisus, ne hunc — exheredaret. Elogium gravissimum jam 
totum — per8criptum ut aboleret — oravi. Vgl. African. Digg. 
XXVIII 2,14 § 2. ülpian. ib. XXXVII 10,1 § 9 und Dirksen Ma- 
nuale s. elogium. 

Wenn hier Sklaven gemeint sind, so war schon das ihnen ein- 
geräumte Recht zu testieren, ein Beweis großer Milde des Herrn 
(Marquardt Prl 1 189,6). Aber auch bei Freigelassenen empfing der 
Patron stets einen Teil der Erbschaft als Pflichtteil, der Freige- 
lassene mochte ein Testament gemacht haben oder nicht — vor- 
ausgesetzt, daß er sich nicht bei dessen Lebzeiten die libertatis 
causa gemachten Versprechungen hatte erfüllen lassen. Bein Stuttg. 
Realenzykl. s. libertus. 

circitore. Circitor Flurhüter, wie Priap. 17,1, da vilici und 
saltuarii vorhergehn, wie in CGI III 27,39 ff. In Glossen wird cir- 



Anmerkungen zu 53. 285 

citor (lustrator) mit xuxXeoT/j«, <*YPo<p6Xa£, Ttepio^unfjc übersetzt 
Heraus S. 11. 

Baias« Von Puteoli wenige Kilometer entfernt. 

petauristarii autem tandem venerunt. Tandem wohl ein 
Zusatz des Epitomators, der die Auslassung verdecken soll. Zu 31 
tandem ergo discubuimus. 

baro« Hier ein Athlet, c. 63 ein ungewöhnlich starker Mann. 
Als Grundbedeutung dieses problematischen, lmal (varo) bei Lucil, 
4 mal bei Cicero, lmal bei Persius vorkommenden Worts hat 
Wölfflin corporis robore ferox aufgestellt. Heraus teilt die, vor- 
züglich in Glossen enthaltenen Erklärungen in 3 Gruppen: 1) baro 
ßcfaqXoc (Suid. (x^a; pev, dvörjTo; hl), 2) baro mercenarius, fortis in 
laboribus, f. in bello, 3) baro dvfjp (in den pyrenäischen Sprachen, 
vorwiegend »Mann« oder »tüchtiger Mann«). »Die Gruppen 1) und 2) 
zusammengenommen scheinen in der Tat für Wölfflins Erklärung 
zu sprechen, nur daß ich lieber ,corporis robore stolide ferox 1 an- 
setzen würde, und lassen den Übergang in die Bedeutung proceres 
Vasallen (so schon in den Kapitularien Karls des Kahlen) verstehn.« 
Heraus S. 11 f. 

odaria saltare. Liedertexte (die wohl ein Sänger vortrug) mit 
pantomimischen Gesten begleiten. SG II 462,2. [Magister odaria- 
rius Dessau Inscr. sei. 6229. Herätcs.] 

ingratum artiflcium esse. Zu 29 aliquid artificii. 

cornicines.' Vgl. 78 novum acroama, cornicines, in triclinium 
jussit adduci. Über das überlieferte, wie es scheint, vulgäre cor- 
nices (wie tibices für tibicines) s. Heraus S. 48. 

acroamata. Das überlieferte (a)cromata war später nicht un- 
gebräuchlich. Prudent. Perist. II 234 ergon cachinnis venditus 
acroma festivum fui. CGI IV 6,37 acromata: scenicorum carmina. 
Heraus S. 48. 

tricas nieras« Zu 37 mero meridie. 

nam« Zu 38 nam mulam quidem. Zu ergänzen etwa: Bekannt 
sind mir sämtliche acroamata. 

comoedos — malui — Atellanam facere« Über die Komödie 
(Palliata) SG II 444 ff.; die Atellane 436 f.; comoedi als Sklaven 
468 f. Etwa wie: das Personal einer italienischen Oper eine deutsche 
Lokalposse aufführen lassen. 

choraulen meum iussi Latine cantare. Daß der schon als 
Knabe aus Asia gekommene Trimalchio (29 und 76) seine Mutter- 
sprache, das Griechische, bis auf einzelne Brocken (48) völlig vergessen 
hat, zeigt sich auch 69, wo er bei der Aufführung der Homeristen 
den Text lateinisch vorliest. Er glaubt, wie es scheint, daß es 



286 Anmerkungen zn 64. 65. 

ebenso wie lateinische und griechische Gesänge, auch lateinische 
und griechische Instrumentalbegleitung gebe. 

54 Cum maxime hoc dicente Gaio puer. Cum maxime mit 
dem Partizip auch Seneca Epp. 61,2 tanquam me cum maxime 
scribentem mors evocatura sit 

Gaio verdorben, denn nur von seinen Sklaven und Freunden 
(zu 30 C. noster), nicht vom Erzähler konnte Trimalchio Gajus 
genannt werden, falls es nicht etwa spottweise geschieht. 

Bücheier vermutet, daß in der hier ausgelassenen Stelle die 
im Glossar. S. Dionysii (petaurus genus ludi. Petronius petauro- 
que jubente modo superior (?) angeführten Worte (Petron fr. XV) 
vorkamen. 

hominem tarn putidum. Zu 34 putidissimi servi. 

ne necesse haberent alienum mortuum plorare« Crusius 
S. 38 f. leitet diese Redensart aus einem Märchen von der ver- 
kehrten Welt ab, deren Bewohner weinen, wenn jemand gestorben 
ist, den sie nicht kennen. Doch war das Entstehen einer so be- 
zeichnenden Phrase neberi verwandten Wendungen allgemeinerer 
Art, wie alienum negotium agere (z. B. Seneca Epp. 70,10) zu na- 
türlich, als daß man einen solchen Umweg annehmen sollte. Auch 
gab es mehr als eine Form derselben. Seneca Epp. 12,3 quid te 
delectavit alienum mortuum tollere? 

missionem rogabat wie 52 missionem dedit puero. 

pessime mihi erat. Guericke 54. 

catastropha überraschende Wendung, nur hier. Vgl. 60 nee 
diu mirari lieuit tarn elegantes strophas. 

nee enim adhuc exciderat cocus ille. 56 quae jam excide- 
runt memoriae meae. 

nee longe aberravit suspicio mea. Vgl. 40 needum sciebamus 
quo mitteremus suspiciones nostras. 

puerum jussit liberum esse: technisch, wie Liv. XXIV 16,9 
Martial. IX 87,4 u. a. Heraus. 

55 quam in praeeipiti res humanae essent. Der Konjunktiv 
des Imperfekts ist nur aus einer wol durch Abkürzung entstandenen 
Entstellung des Textes zu erklären. 

ita, inquit Trimalchio. Ita beim Beginn der Bede, bekräf- 
tigend, so viel als recte. c. 25 ita, ita, inquit Quartilla, bene ad- 
monuisti. Segebade 19. 

Das Epigramm besteht aus 2 Hexametern und einem Penta- 
meter, wie das frühere 34. 

ex transverso. Seneca Vit. beat. 15,6 debilitates et cetera 
ex transverso in vitam humanam ineurrentia. Sprichwörtliche Be- 



Anmerkungen zu 55. 28? 

densarten im Sinne von > Unverhofft kommt oft« Otto Archiv VI 49 
=» Spr. spes 1. 

ab hoc epigrammate. Die ganze Stelle ist zu verstümmelt, 
als daß eine auch nur annähernde Herstellung möglich wäre. Wol 
mit Recht nimmt Bücheier an, daß die Worte diuque summa — 
memorata est für einen vom Epitomator veränderten Satz aus einem 
Vortrage Trimalchios über Literaturgeschichte zu halten sind. Der 
große Dichter Mopsus aus Thracien gehört wol in eine Reihe mit 
dem Eroberer Trojas Hannibal. 

donee» Zu 40 donec advenerunt ministri. 

quid pntas inter Clceronem et Publilium Interesse? ego 
alternm puto disertiorem, altermn honestiorem. Auch hier will 
sich Trimalchio den Anschein geben, als besitze er eine Schul- 
bildung. Wenn nach Phaedr. III epil. 33 (Ego quondam legi quam 
puer sententiam: Palam mutire plebejo piaculum est) Sentenzen- 
sammlungen in den Schulen gelesen wurden, so werden sie ohne 
Zweifel ebenso wie später (Hieronym. Ep. ad Lactant. 107 zitiert 
einen Vers des Syrus mit der Bemerkung: legi quondam in scholis 
puer) ganz besonders Sprüche des Publilius Syrus enthalten haben, 
die ja wegen ihres moralischen Inhalts (Seneca Epp. 8,8) sich ganz 
besonders für Schulen eigneten. 

quid enim bis melius dici potest? Daß ein Autor wie Petron 
ein so langes Stück eines andern, das zur Charakteristik seines 
Trimalchio nicht das geringste beiträgt, eingelegt haben sollte, 
erscheint undenkbar. Allem Anschein nach ist dies ein eigner Ver- 
such, den Ton und die Form des Publilius Syrus wiederzugeben, 
den der Verfasser hinlänglich gelungen fand, um ihm, wie den 
beiden größern poetischen Stücken 89 und 119 in seinem Buche 
einen Platz zu gönnen, und mit den Worten quid enim his melius 
dici potest? scherzhaft einzuführen. Auch Bernhardy RLG 5 S. 478 
Anm. 357 sagt: das Fragment > sieht einer frei gemachten oder 
musi vischen (?) Arbeit ähnlich, die mehr den Geist als den Stil des 
Syrus wiedergibt.« Schwerlich beabsichtigte Petron ein Mysti- 
fikation, sie wäre bei gebildeten Lesern kaum möglich gewesen. 

Daß die Eleganz der Verse und die Allitteration ebensowohl 
der Zeit des Syrus entspricht, als daß nichts darin vorkommt, 
was nicht für die Zeit Cäsars (und zwar vorzugsweise als neu) be- 
zeugt ist, oder (nach Zeugnissen aus der Zeit Augusts) für sie 
vorausgesetzt werden kann, bemerkt Bücheier bei Wölfflin Publil. 
Syri sententiae Prol. p. 13. Mästung von Pfauen Plin. N. h. X 46 
Varro R. r. III 6. Zubereitung von jungen Störchen Horat. S. II 
2,49 c. schol. Babylonische Teppiche (schon Plaut. Stich. 378) 
Lucret. IV 1029. 1123 (plumatum Stickerei Marquardt Prl II 638). 



288 Anmerkungen zu 65. 66. 

Numidische Hühner (gallinae Africanae) Varro B. r. III 9,1 Afra 
avis Horat. Epod. 2,53. Luxus mit Edelsteinen seit dem Triumph 
des Pompejus über Mithridat Plin. N. h. XXXVII 12. Anfänge 
des Perlenluxus circa Sullana tempora Plin. N. h. IX 123. SG III 
81,8. Der ventus textilis im vorletzten Verse bezeichnet nicht 
notwendig vestes Coae (diese zuerst Horat S. I 2,101; Marquardt 
Prl I 493). 

eiconla — pietaticultrix — aris exul hiemis, tltulus tepidl 
temporis. Gassiodor. Var. ed. Mommsen p. 63 Epp. II 14 ad 
Symmach.: ciconia redeuntis anni jugiter nuntiatrix, ejiciens tristi- 
tiam hiemis, laetitiam verni temporis introducens, magnum pietatis 
tradit exemplum. Eine Reminiszenz an Petron? Collignon 2 p. 8. 

pietaticultrix. Auf das Kultbild eines der beiden Tempel 
der Pietas (auf dem Forum olitorium und beim circus Flaminius) 
geht wahrscheinlich die Darstellung der Göttin mit dem Storch als 
Begleiter zurück, die uns zuerst auf den Münzen des M. Antonius 
743 = 11 begegnet, dann in mehrfachen Variationen auf den Kaiser- 
münzen. Wissowa Religion u. Kultus der Römer S. 276. 

tiibacla lndica« Horat S. II 3,239 filius Aesopi detractam 
ex aure Metellae — aceto Diluit insignem bacam. Über tribacia 
vgl. Heräus-V 438 (quadribaciüm CIL II 3386 xplxoxxa terniones 
CGI III 203,8). 

tollat pedes. Etwas anders bei Martial. X 81,4 XI 71,8. 

Carchedonios — ignes lapideos. Plin. N. h. XXXVII 92 
principatum habent carbunculi a similitudine ignium appellati — 
Horum genera Indici et Garamantici quos et Carchedonios vocavere 
propter opulentiam Carthaginis magnae. Vgl. ib. 96 sq. u. 104. 

nisi ironisch. 

66 artificium. Zu 46 aliquid artificii. 

nummularium. Münzbeamter oder Geldwechsler, da beide 
die Münzen auf ihre Echtheit zu prüfen hatten. Marquardt StV 
112 66f. 

quod mihi iubent saepe anatinam parari* Nach Plutarch. 
Cato maj. 23,6 behandelte Cato die Kranken in seinem Hause 
Xa/dtMotc xal oapxiStoi; v/jcotjc *j \af& — Toiaörj) hk $6paite($ xal StaCxig 
XP<£fj.evoc bfiatvetv (j.ev aötcfc, öyialvcmac hk to&c dauxou cpuXofcreiv. Alte 
Hausmittel mochten sich im Volke ebenso von Generation zu Ge- 
neration fortpflanzen, wie alte Ausdrücke. Dennoch ist wol ane- 
thinam (ein häufig bei den Medizinern vorkommendes Ingrediens 
von Medikamenten; vgl. die von Georges angeführten Stellen) 
wahrscheinlicher. 



Anmerkungen zu 66. 289 

qnl per argentum aes yldet. Plin. N. h. XXXIII 132 mis- 
cuit denario triumvir Antonius ferrum, miscent aera faisae monetae 
— igitur ars facta denarios pro bare. Ist hier schon an die Nero- 
nischen Denare zu denken (Martial. XII 57,8 Neroniana nummula- 
rius massa)? 

nam mutae bestiae. Zu 38 nam mulam quidem. Zu ergän- 
zen: nicht bloß unter den Menschen gibt es Klassen, die sich be- 
sonders vor den übrigen auszeichnen. 

apes enim — quae mel vomunt, etiamsi dienntnr illud a 
Ioye afferre. Gegen die Annahme von Crusius 1 , hier liege eine 
Trimalchionische Entstellung der Sage vor, daß die Bienen dem 
Zeuskinde Honig brachten, spricht Vergil Ge. IV 1 aerii mellis 
caelestia dona, vgl. die Erklärer. Heraus. Über enim s. zu enim 
c. 71. 

ubicumque dnlce est, ibi et acidum invenies« Sonst werden 
stets dulce und amarum, mel und fei zusammengestellt. Otto Spr 
mel 3. [Doch Plaut. Pseud. 739 s. ecquid — habet aceti in pectore, 
Atque acidissimi — Quid si opus sit, ut dulce promat icdidem? 
Vgl. dulcacidus bei Seren. Sammon. und Glossen. Plus aloes quam 
mellis Juv. 6,181. Heraus.] 

iam etiam philosophos de negotio deiciebat. Seneca Epp. 
88,44 Zenon Eleates omnia negotia de negotio deiciebat: ait nihil 
esse. Studer 90. 

pittacia — circnmferri coepernnt. Zu 27 errare coepimus. 

puerque gnper hoc positns officium. 30 super hoc officium 
erat positns. 

apophoreta recitavit» Ober die Verlosung von Gastgeschen- 
ken, die mit Aufschriften versehen waren, vgl. meine Vorrede zu 
Martial. Apophoreta (XIV).. In diesen Aufschriften den Gästen 
Rätsel aufzugeben, war wol nicht ungewöhnlich. Auch August 
verteilte bald wertvolle bald geringe Geschenke bei Satumalien- 
und andern Schmausen titulis obscuris et ambiguis Sueton. August 
75. Es ist also nur die Art der ambiguitas, die für Trimalchios 
Geschmack charakteristisch ist. 

argentum seeleratum: perna — aeetabula. 'Latinum vocabu- 
lum axeXtöoc graecae simile elegit Trimalchio 1 . Bücheier I. Daß 
die aeetabula von Silber waren, verstand sich ebenso von selbst 
wie bei Salzfässern. Marquardt Prl I 319,1. In den Glossen er- 
scheinen sie stets unter der Rubrik De argenteis. Vgl. Funck 
S. 126. Heraus S. 11,3. 

ceryical: offla collarls allata est. 'Cervicale proprio dicitur 
quod ad collum pertinet'. Bticheler I. CGI III 287,61 f. _ 668,17: 

Petronii Cena TrimalcMonis. 2. Aufl. 19 



290 Anmerkungen zu 56. 

Uxt aivtjira xal «rfp Tp«xT)Xtoa — date sinape et collarem (Halsstück). 
Funck u. Heraus a. a. 0. Offla für offula (Guericke 16) hier 2 Mal 
im Munde des Erzählers. Heraus S. 46. 

serisapia et contumelia: xerophagi e sapa — et eontus 
cum malo« serisapia > Spätklugheit < (sero sapiunt Phryges Trag, 
ine.) so viel als ö<|/tfi<£deia Sittl Archiv II 610. Ebenso nun wie 
contumelia durch eontus cum malo (gesprochen melo: das erste 
Zeugnis für diese romanische Form Sittl a. a. 0. vgl. Archiv HE 
628 VI 438) bezeichnet ist, muß auch der Name des andern apopho- 
retum lautlich mit serisapia wenigstens annähernd tibereinstimmen. 
Daß e sale aus e (ex) sapa verdorben ist (vgl. caseum ex sapa 66), 
kann hiernach nicht zweifelhaft sein. Das erste Wort ist zwar 
nicht mit Sicherheit festzustellen, doch das auch diplomatisch nahe 
liegende xerophagi wahrscheinlich, da x im Volksmunde fast wie 
s lautete (Alesander, Dester) und umgekehrt (Prob. App. miles non 
milex, aries non ariex, poples non poplex, locuples non locuplex) 
Guericke p. 22. Das Sustantiv xerophagia (bei christlichen Autoren 
Gefängniskost, z. B. Tertullian. Jejun. 12 revelationum — quae 
xerophagiis extorquentur) setzt ein Adjektiv ^poeperpe voraus, dem 
doch wol auch ein $T)p6<p a^o? entsprach. Xerophagi sc. panes könnte 
der Name von hartgebacknen, für lange Aufbewahrung bestimmten 
Broten gewesen sein. Athen. III p. 113 A: 6 dpT07rrfetvoc 5pToc — 
lorai (bei einer gewissen Bereitung) xal XajATcpöc xal eößpcoTo* npöe 
SrjpocpaYtav. 

porri et persica: flagellum et eultrum aeeepit. Daß die 
porri das flagellum bedeuten, erklärt Jacobs wol mit Recht daraus, 
daß eine der beiden Gattungen des porrum sectile oder sectivum 
hieß (zu Martial. III. 47,8) und flagello secare eine geläufige Ver- 
bindung war (zu 45 f. omnes postea seoti sunt). Auf keinen Fall 
ist mit Studer p. 17 an einen Ruf der Circuswagenlenker porr' i 
zu denken. 

persica >a persecando duxit Studerus. respici conflatas 'per 1 et 
'sica' voces censebat Oriolius, acinacen Persicum Burmannus, Per- 
sei harpen alius.« Bücheier I. Heraus S. 13,3 dachte bei persica 
an CGI II 662,48 üapfttxöv pta^aCpiov cultellum. [Doch vielleicht 
hat Studer recht: die komposita von seco haben ja oft den Um- 
laut mit i angenommen, wie praesicatur Varro L. 1. V 104 u. R. r. III 
16,34; resicare R. r. I 81,2 exsicare Plaut, u. Cato; s. Georges Wort- 
formen u. a. Persica konnte also wie feniseca u. ä. klingen« 
Heraus.] 

passeres et muscarium: uvam passam et mel Atticum. 'mel 
cum allectans impediensque muscas perdat, muscarii (Fliegenwedel. 



Anmerkungen zu 66. 57. 291 

Martial. XIV 67 u. 71 m. pavoninum und bubulum) instar est 1 . Bü- 
cheier I. Heraus S. 13. 

cenatoria« Tafelkleider wie 30 accubitoria Marquardt Prl 
II 571,1. 

forensia. Kleider zum Ausgehn. Das. II 553,1. 

offlam den cenatoria entsprechend, etwas ad cenandum. 

tabulas den forensia entsprechend, da man bei Gängen auf 
das Forum Schreibtafeln bei sich zu haben pflegte. 

canale et pedale: »res cani pedibusque aptas (lepus et 
solea)« Bücheier I. Canale nach Burmann für canalis iu der 
chirurgischen Bedeutung ,Röhre für das geschiente Bein' (Oels. 
VIII 10), wozu pedale in der Bedeutung Socken um die Füße 
(CGI II 144,19) gut passen würde« Faßt man mit Burmann u. a. 
solea als Sandale, so fehlt der Witz. »Sollte nicht der Fisch 
gleichen Namens gemeint sein, den schon Plaut. Cas. 495 zu einem 
Wortspiel benutzt hat? So wären lepus und solea beide Eßbares.« 
Heraus S. 13. 

excidemnt: 54 nee enim adhuc exciderat. 

57 ceterum, Ascyltos, intemperantis licentiae wie 49 ego 

crudelissimae severitatis. 

sublatis manibus wie 40. 

usque ad lacrimas. Usque ad Lieblingswendung Petrons. 
Thielmann Archiv VI 499 ff. 

excanduit wie 53. 

is ipse qui supra me discumbebat. 36 eum qui supra me 
aecumbebat. Sein Name ist Hermeros 59. 

vervex. Das in E tiberlieferte berbex (Substrat von brebis) 
hält Wölfflin Archiv VIII 568 schon in Petrons Zeit für möglich. 
Sicher nachgewiesen ist es erst in den Arvalakten vom 8. Februar 
183 neben verbeces; auch in Inschriften und Glossen. Heraus S. 48. 
Vervex als Schimpfwort gewöhnlich. Plaut. Merc. 667. Vgl. 
Capt. 820 Cas. 3,2,6 Seneca Nee injur. nee contum. 17,1 Chrysippus 
ait quendam indignatum, quod illum aliquis vervecem marinum 
dixerat. Juvenal. 10,48—50 (Democritus) cujus prudentia monstrat 
Summos posse viros — Vervecum in patria — nasci. Otto Spr 
vervex. 

lautitiae. Zu 27 cum haa ergo miraremur lautitias. 

domini mei. Damals allgemein gebräuchliche Bezeichnung und 
Anrede geehrter Personen. SG I 143 ff. 

convivare statt convivari Guericke 49. Heraus S. 39. 

ita Tutelam huius loci habeam propitiam. IJoch Hieronym. 
(f 420) in Esaiam c. 57 vol. III p. 418 ed. Bened. sagt: Hoc 

19* 



292 Anmerkungen zu 57. 

errore et pessima consnetudine vetustatis mnltarum provinciarnm 
uibes laborant ipsaque Roma orbis domina in singulis insulis do- 
mibusque Tutelae simnlaorum cereis venerans ac lucerniß, quam 
ad tuitionem aedium isto appellant nomine, nt tarn intrantes quam 
exeuntes domus suas noliti semper commoneantur erroris. Marquardt 
StV III* 126,1. 

propitianu c. 74 ita genium meum propitium habeam. Vgl. 
c. 58 Occuponem propitium c. 60 dii propitii CIL IV 2451 sit 
utreisque Venus Pompejana propitia Carm. epigr. 233 sie habeas 
Venere Pompejanam propytiam [Dessau J. s. 1967 et vos habeatis 
— deos propitios u. ä. Heraus], 

iam Uli balatum cluxissenu Das überlieferte duxissem kann 
aus der Bedeutung > ab führen« (zur Bestrafung, Hinrichtung) nicht 
befriedigend erklärt werden. Dagegen ist claudere (cludere) das 
eigentlich passende Wort für (einer Rede) »Einhalt tun«; so Liv. 
XLIV 45 Horum ferocia vocem Euandri clausit. Im Volksmunde 
konnte clusissem lauten cluxissem (zu 56 xerophagi). Daß x 
nicht bloß im Anlaut und Auslaut für s eintrat, zeigt die Form 
Calixtus für Callistus; doch die Inschrift JRN 2586, die De Vit 
Onomast. s. Callistus für die erstere Form anführt, lautet CIL X 
1547: Asclepio et Saluti sacrum ex voto Callistus d. [Vielleicht 
stammt das x vom Abschreiber: Flor. p. 139,1 Roßb. haben BN 
praecluserat, L praecluxerat u. ä. Heraus]. Die Verschreibung d für 
cl und umgekehrt war in Minuskelschrift häufig; so hat 35 L odo- 
petam für oclopetam, 41 H clamat für Dama. 

bellum pomum ein Ausdruck, der mit unserm »Früchtchen« 
nichts gemein hat; dies ist nach Grimm DW unter Frucht 4) von 
partus, fetus zu verstehn. 

rideatur statt rideat Guericke 50. Heraus S. 38. 

larlfuga nur hier, nocturnus. 82 sive ille planus fuit sive 
nocturnus grassator. 

qul non valet lotium suum sein eignes Wasser. Gewiß ist 
suum nicht als gen. plur. zu fassen. 

ad summam. Zu 31. Der Redner braucht es mit Vorliebe. 
Zu 37. 

si circummlnxero illum, neseiet qua fugiat. Für den 
Volksglauben an die festbannende Kraft des Umharnens, der sich 
auch 62 zeigt (ille circumminxit vestimenta sua — illa autem la- 
pidea facta sunt) hat Pischel (Zu Petron. Sat. 62. Abhandlungen 
für M. Hertz 1888 S. 69 ff.) eine Parallele aus dem indischen Alter- 
tum nachgewiesen. »Das Umharnen des Knechts.« »Während er 
(der Knecht) schläft, soll (der Herr) seinen Urin in das Hörn eines 
Tieres lassen und nach linkshin dreimal um ihn herumgehn, indem 



Anmerkungen zu 57. 293 

er dabei den Urin sprengt (und die Verse spricht): »Von dem 
Berge (deiner Heimat), von Mutter und Schwester, von den Eltern 
und Geschwistern und den Freunden löse ich dich ab. Knecht, 
du bist umharnt, wohin wirst du umharnt gehn?« Vgl. über den 
in Indien von Alters her angewendeten magischen Kreis, der in 
der Zauberkunst eine große Rolle spielte Daselbst S. 73 f. und 
über den Glauben an die Zauberkraft des Urins überhaupt die 
mir von HKöhler freundlich mitgeteilte Schrift von Prof. Eugen 
Wilhelm On the use of beefs urine according to the precepts of 
the Avesta and on similar customs with other nations. Bombay 
1889 p. 25 ff. In der Legenda aurea sive historia Lombardica des 
Erzbischofs von Genua Jacobus a Voragine (1230—1298) c. 4 de 
Sancta Lucia p. 31 : putans vero Paschasius secundum quorun- 
dam figmenta, quod lotio fugarentur maleficia, jussit Luciam lotio 
perfundi. 

mehercules. Zu 33 m. 

in molle earne vermes nascuntur. Mißverstanden von P 
Zu d. lat. Sprichw. Archiv III 68: >Ein weichherziger Mensch ist 
am meisten den Angriffen der Spötter ausgesetzte Ebenso Otto 
Spr vermis 2. Vielmehr: »Wo gewisse Ursachen eintreten, bleiben 
auch die entsprechenden Folgen nicht aus.« (Wenn man Holz haut, 
fallen Späne.) 

numquid pater fetum emit lamna? Der von Bücheier I an- 
genommene Sinn (rusticum videtur proverbium fuisse de eo qui 
ovillum suillumve fetum parvo aere — lamna soll ein Armband be- 
deuten — lucratur) paßt nicht in den Zusammenhang, der von 
Otto Archiv VI 49 = Spr. lamna angenommene: »Glückspilze, bei 
denen das Geld Junge bekommt«, kann nicht in den Worten liegen. 
Der Sinn ist: Hat dein Vater sein Früchtchen (d. h. dich, seinen 
Sohn) für Geld gekauft? D. h. Bist du auf bessere, vornehmere Art 
zut Welt gekommen als andre Menschenkinder? 

lamna Geld auch 68 defero lamnam und unten lamellulas; 
vgl. zu Martial. V 19,12 und Seneca Vit. beat 21,3 M. Cato cum 
laudaret — illud seculum, in quo censorium crimen erant paucae 
argenti lamellae, possidebat ipse quadragies sestertium. 

eques Romanus es ? Als solchen erkennt er ihn an den gold- 
nen Bingen, die er 68 verächtlich anulos buxeos nennt. 

et ego regia fllius. Mit dergleichen mochten Sklaven oft 
prahlen. Vgl. über die angeblich königliche Abstammung der Acte 
SG I 122,1. 

quare ergo servivisti? qula ipse me dedi in servitutem 
et malni civis Romanus esse quam tributarius. »Der Provinziale, 
der nach Rom in die Sklaverei verkauft, dort die Freiheit e 1 



294 Anmerkungen zu 57. 

hatte, dünkte sich nun mehr als seine freigebliebenen Landsleute; 
in der Tat war er ein römischer Bürger, sie »Tributpflichtige«, 
d. h. sie zahlten nicht bloß Grund-, sondern auch Personensteuer, 
und die letztere galt im Altertum als ein Zeichen der Unfreiheit« 
SG I 225 f. Marquardt StV H 197. 

hämo inter homines sum. Zu 39 qni me hominem inter bo- 
ntines voluit esse. 

capite aperto ambulo. Öfter ein Zeichen von Schamlosigkeit 
Flaut. Capt. 475 de foro tarn aperto capite ad lenones eunt Quam in 
tribu sontis aperto capite condemnant reos. Seneca Vit beat 13,2 
luxuriatur et jam nude, aperto capite. Gregor. Cypr. I 81 y^Ü 
t^ xecpaX-jj in\ tän dtaaiöx^ VTa, C X 09 ? ^™^ ^pöc ^äv tö xyyfa. Otto 
Archiv V 61 = Spr caput 3. 

assem aerarium nemini debeo« CIL VI 21975 = Anthol. 
lat. ep. 67,4 nomine unquam debui. Cic. Verr. Act. II 2924 debe- 
bat nullum nummum nemini. Heraus S. 37. 

»Der as aerarius ist ähnlich aufzufassen wie die octoni, duo- 
decim aeris an den in meiner Metrologie S. 296 Anm. 3 zitierten 
Stellen. Außerdem kommen in Betracht octussibus bei Horat Sat 
I 3,156, vigessi und aere quaterno bei Martial. XII 76,1, partes 
centum dico ad aes bei Petron. 58 (vgl. meinen 'Beitrag zur Kennt- 
nis des volkstümlichen Rechnens bei den Römern 1 in Fleckeisens 
Jahrb. 1889 S. 335 ff., besonders Anm. zu S. 335). 

Für octussibus bei Horaz gilt dieselbe Erklärung, welche ich 
bereits in der Metrologie S. 297 gegeben habe : man sagte duo- 
decim aeris und nicht tres sestertii oder nummi octoni aeris und 
nicht duo sestertii oder quinarius, weil als Zahlungsmittel die 
kupferne Scheidemünze, nicht der gleichwertige Betrag in Silber- 
stücken, vorschwebte. Das war also der volkstümlichen Rede- 
weise entnommen. Der kleine Mann war unter Umständen froh, 
wenn er den zu zahlenden Betrag in Kupfermünzen zusammenhatte 
und diese Stücke selbst als Zahlung hingeben konnte. Er rech- 
nete nach aes, weil er fast nur aes in Händen hatte. 

Mit dem Jahre 16 v. Chr trat insofern eine Änderung ein, 
als nun der Sesterz und Dupondius in Messing ausgebracht wur- 
den (Metrologie S. 313 f.). Im Umlauf waren also seitdem (abge- 
sehen von den Goldmünzen und alten Silbersesterzen, welche letz- 
tere aber gewiß bald aus dem Verkehr geschwunden sind) silberne 
Denare, messingene Sesterze und Hälften derselben, kupferne 
Asse und Hälften und Viertel derselben. Ein Anlaß, die frühere 
volkstümliche Bezeichnung kleinerer Geldbeträge zu ändern, war 
dadurch nicht gegeben. Wahrscheinlich wurden nun die Sesterze 
dem aes zugerechnet; wenigstens können sie nicht als Silber- 



Anmerkungen zu 57. 295 

geld betrachtet worden sein (das weißgesottene Kupfer, welches 
das Silber ersetzen sollte, ist erst eine spätere Erfindung). Doch 
wie dem auch sei, jedenfalls stand nichts entgegen, auch fernerhin 
kleinere Geldbeträge nach der Zahl der Kupferasse zu bezeichnen. 
So vigessi und aere quaterno bei Martial, so auch assem aerarium 
nemini debeo hier. Der Zusatz aerarium ist keine unnütze Tau- 
tologie: der Freigelassene und Freund des Trimalchio bezeugt in 
volkstümlicher und drastischer Weise seine geordneten Vermö- 
gensverhältnisse : 'ich schulde keinen Geldbetrag, der in Gold oder 
Silber zurückzuzahlen wäre, ja nicht einmal einen solchen, der mit 
der üblichen Kupfermünze abzutragen wäre'. Das entspricht also 
sehr nahe dem deutschen Ausdruck, der zum Glück aus früherer 
Zeit sich erhalten hat, 'nicht einen roten Heller 1 . In Sachsen und 
Thüringen und wol auch anderwärts war früher auch 'Kupferdreier' 
in ähnlicher Weise volkstümlich. 

Das letztere Beispiel hilft uns zugleich, um dem möglichen 
Einwände zu begegnen, daß Petronius, wenn unsere Erklärung 
gelten soll, den Freigelassenen vielmehr 'quadrantem' statt assem 
hätte sagen lassen müssen. Denn der quadrans war die kleinste,) 
damals noch ausgeprägte Münze (Metrol. S. 313). Doch ist leicht 
zu erkennen, weshalb der Schriftsteller mit Erwähnung des as sich 
begnügt hat. Wie der As ehedem die Hauptmünze schlechthin, 
so war er damals wenigstens noch die Hauptmünze in Kupfer; er 
war am häufigsten im Geldtäschchen des kleinen Mannes vertre* 
ten, insbesondere weit häufiger als semis und quadrans, Scheide- 
münzen, welche schon damals wegen des gesunkenen Geldwertes 
seltener beim Einkauf zu verwenden waren. Der Tischgenosse des 
Trimalchio bezeugt also genügend seine Freiheit von jeglicher 
Geldverbindlichkeit durch die Verneinung: 'ich schulde niemanden 
auch nur einen Kupferas\< HuUsch. 

constitutum habui nunquam« Über habere mit dem Particip 
perf. pass. vgl. Thielmann Archiv II 443. Constitutum Termin 1 
auch 15 et nos metu criminis non venissemus ad constitutum. 
Vgl. Mayor zu Juvenal. 3,15. Seneca Brev. vit. 16,3 cum alicujus 
alterius vel voluptatis vei. spectaculi exspectatur constitutum, tran- 
silire medios dies volunt. 

glebulas emi. Juvenal. 14,166 saturabat glebula talis Patrem 
ipsum turbamque casae. Apulej. Met. IX 35 jamque tota frugali- 
tate spoliatum ipsis etiam glebulis exterminare geatiebat. 

lamellulag paravL Oben zu numquid pater fetum emit lamna. 

riginti ventres paseo et eanem* Seneca Tranq. an. 8£ fa- 
milia petit vestiarium victumque.. tot ventres avidissimorum ani- 
malium tuendi (?) sunt, emenda vestis etc. Epp. 17,3 türba servo- 



296 ' Anmerkungen zu 57. 

rum ad quos pascendos transmarinaram regionum est optanda fer- 
tilitas. facile est pascere paucos ventres etc. 

ne quis in rinu Illius manag tergeret wie 27 digitosque — 
in capite pueri tersit. Ullas: Zu c. 38 scripsit at ille ex India etc. 

mille denarios pro capite soM. Seneca Epp. 80,4 pecolium 
suum quod comparaverant ventre fraudato, pro capite numerant. 
Mille denarii = 870 Mark. 

serir gratus factus sann Verzeichnis der seviri gratis facti 
bei Schmidt p. 76—78. Einl. S. 41 ff. 

tu autem tarn laboriosns es, at post te non respicias« Te- 
rent. Haut. 60 Nullum remittis tempus neque te respicis. Ev. Luc. 
9,62 Wer seine Hand an den Pflug legt und hinter sich sieht, der 
schickt sich nicht zum Reiche Gottes. Otto Spr respicere 2. 

in alio peduclum yides, in te ricinum non Tides. Peduclum 
für peduculum Guericke 16. Heraus S. 46. In den romanischen 
Sprachen liegt tiberall diese Form , nicht pediculus (Georges s. v.) 
zu Grunde. Gröber Archiv IV 431. 

Zusammenstellungen ähnlicher sprichwörtlicher Redensarten bei 
Otto Archiv III 67 f. VI 312 f. u. 337 = Spr alienus 2 (Nachtrag 
S. XLIIJ mantica, tuber 1, ulcus 2. Die Phrase vom Splitter und 
Balken Ev. Matth. 7,5 Luc. 6,42. Cic. Tusc III 30,73 est enim 
proprium stultitiae aliorum vitia cernere, oblivisci suorum. Seneca 
Ira II 28,8 aliena vitia in oculis habemus , a tergo nostra sunt. 
Catull. 22,21 sed non videmus manticae quod in tergo est (vgl. 
Horat. S. II 3,299 Pers. 4,24). Horat. S. I 3,73 qui ne tuberibus 
propriis offendat amicus Postulat, ignoscet verrucis illius. Seneca 
Vit. beat. 24,4 papulas observatis alienas, obsiti plurimis ulceri- 
bus etc. Plutarch. De inimic. util. 4 zb toü Tpa-ppSoS* aXXtov larpöc 
afabz &xeai ßp6a>v (Eurip. Fr. 1086 N). Ambros. De vid. 10,60 et 
dum alienis medemur ulceribus, ulcera nostra cumulemus. Horat 
S. I 3,25 cum tua pervideas oculis mala lippus inunctis, Cur in 
amicorum vitiis tarn cernis acutum ete. 

ridlclei. Guericke 16. ei für i wie in maleicorium 47 ton- 
streinum 46. Irrig nimmt Gesareo p. 38 eine Form ridicleus an, 
ebenso Lommatzsch = Segebade im Lex. Petr. s. v. u. praef. p. V. 
Heraus S. 10,3. 

magister tuus homo maior natus« Wol ein Vulgarismus und 
nur hier. > Allerdings ist natus bei Altersangaben früh formelhaft 
geworden, z. B. CIL IX 1017 annorum XX natus, wo der Genitiv 
für sich steht, natus nur angeschoben ist. In der Schriftsprache 
ist major natus nur in Verbindung mit einer bestimmten Zahl fest- 
geworden: CIL I 198 (lex repet.) 13 minor annis XXX majorve 
annos LX gnatus. Cic. p. Rose. 14,39 annos natus major XL Ne- 



Anmerkungen zu 57. 297 

pos 21, 2, 3 major annos LX natus (nach der Gesetzesformel) Liv. 
XLV 32 und sonst; darüber nach Madvig z. B. Lupus Sprachge- 
brauch des Nepos S. 59 Kühner Lat. Grammatik II 2 S. 978. < Bü- 
cheier. 

tu lacticulosus. Gloss. nom. ed. Löwe p. 61, 1029 lacticulo- 
sus, lac desinens habere. Corp. gloss. II p. 361 Xt7co*rc£Xa%Toc lacti- 
cularius, lacticulosus; vgl. p. 120. Ib. III unter De moribus humanis 
[Aap.p.<5&peTrcoc lacticulosus p. 179,40; 251,65; s. Funck S. 128. Zur 
Bildung vgl. somniculosus , siticulosus, meticulosus u. a. Heraus 
S. 13 f. Ober Adjektive auf osus Guericke 32. 

nee mu nee ma argutas. Enn. bei Varro L. L. VII 101 
(Vahlen p. 174) neque ut ajunt mu facere audent und bei Donat. 
ad Terent. Andr. III 2,75 (Vahlen ib.) nee dico nee facio mu. 
Lucil. bei Charis. Inst. gr. II p. 240, 3, 8, 28 k (ed. Lachmann 1138) 
non laudare hominum quenquam nee mu facere unquam. Hilar 
Epp. 84,7 et mu ultra non faciam ib. 12 ne mu quidem facere. 
Otto Spr mu, mut, muttire. Argutas : Zu c. 46 argutat. 

vasus fletilis, immo lorus in aqua. Über die Maskulinformen 
Guericke 46. Lorus bei Apulej. Met. 2 Mal, Schol. Juv. 6,480; 
CGI II 286,7 ei[idi lorus, lorum. Vasus ist in Glossen nicht mit 
Sicherheit nachzuweisen. Heraus S. 42 f. Vgl. 138 lorum in aqua 
non inguina habet. Martial. VII 58,3 madidoque simillima loro 
Inguina. 

lentior non melior. Eine familiäre Redensart? Tac. II 38 
Cn. Pompeus, oecultior non melior. Heraus S. 38. 

ad summam. Oben zu 31 ad s. 

seilt. Neue FormenL II 2 522 (scii Cic. Farn. X 4,1 Baiter). 

puer eapillatns in hane eoloniam veni. Zu 27 inter pueros 
capillatos. Vgl. 54 cum primum exAsia veni und 75 tarn magnus 
ex Asia veni. 

maiiesto nur hier. 

dignitosso. Zu 38 suecossi. Dignitosus d£uu|j.aTixö; Corp. Gloss. 
II p. 49,38. Ital. dignitoso. Für die Bildung finden sich wenige 
Analogien: das klassische calamitosus, das nachkl. amaritosus in- 
felicitosus egestosus, bez. -uosus, desgl. tempestuosus, voluptuosus. 
Heraus S. 13. 

cuius pluris erat unguis quam tu totus es« Porphyr, ad 
Horat. S. I 4,14 sensus ex proverbiali consuetudine duetus, sole- 
mus namque dicere 'minimo me digito provocat', cum volumus 
quem intellegi tantum valere minimo digito, quantum alium totis 
viribus. Ist die Erklärung auch falsch, so ist doch die Existenz 
der Redensart nicht zu bezweifeln. Otto Archiv VI 3 = Spr di- 
gitus 6. 



298 Anmerkungen zu 57. 58. 

et habebam in domo qni mihi pedem opponerent hae illacu 

Ohne Zweifel eine gewöhnliche Redensart. Otto Archiv VI 390 
«■ Spr pes 7 vergleicht Ovid. Ex Ponto IV 6,7 perstat enim Por- 
tana tenax votisque malignum Opponit nostris insidiosa pedem. 
Hac illac: Heraus S. 32. 

genio illins gratlas. Zu 37 ignoscet mihi genius tuus. 

enatavi. Gic Tusc. V 87 reliqui habere se videntur angustius, 
enatant tarnen. 

athla« Diese Rede des Hermeros enthält mehrere griechische 
Wörter und Benennungen, vgl. unten Jovem Olympium, Atfcana, 
deurode. 

accede istoc. Heraus S. 32. Istoc statt istuc. Wölfflin Ar- 
chiv VII 332. Bücheler-Windekilde 102 und oben zu 39 hoc 
et illoc. 

quid nunc stupes tanquam hircus in ervilia? Die wie es 
scheint allgemein angenommene Erklärung von Goes: 'wie der Bock 
auf einem Felde voll eines für ihn ungenießbaren Krautes 1 , ist ganz 
aus der Luft gegriffen. NachFest.p.62ervum et ervilia a Graeco sunt 
dicta, quia illi ervum tfpoßos, ervilium Apößivov appellant (vgl. Hehn 
Eulturpfl. 5 S. 178) ist ervilia eine Erbsenart. Nun haben aber, 
wie mir mein Kollege Fleischmarm (Direktor des landwirtschaft- 
lichen Instituts in Königsberg) mitteilt, Ziegen gerade eine be- 
sondere Vorliebe für die ganze Familie der Papilionaceen , beson- 
ders Leguminosen. Es ist also die Überfülle seiner Lieblingsspeise, 
bei deren Anblick der Bock vor Staunen außer Fassung gerät. 

58 Giton qui ad pedes stabat: in der Rolle des Sklaven, 
der bei dem Mahle zu den Füßen des Herrn stand (servus a pe- 
dibus), die Schuhe desselben auszog und in Verwahrung nahm, und 
auch das, was der Herr von dem Mahle mit nach Hause nahm, 
trug. Marquardt Prl I 148, 5—7. 

indecenter hier 'unschicklich'; dagegen 64 catellam — inde- 
center pinguem 'häßlich 1 . 

caepa cirrata. So nennt er den etwa 16jährigen (97) Giton 
wegen seiner langen Locken, der comula besalis (unten), cirrati 
Schulknaben Pers. 1,29 cirrata caterva magistri Martial. IX 29,7. 
[Zu caepa als Schimpfwort (wie cepula Plin. IV 384,5) vergleicht 
Orelli das ebenso gebrauchte cipolla. Heraus.] 

io Satumaiia. Zu Martial XI 2,5. 

quando vicesimam numerasti? d. h. wann hast du die Frei- 
lassung erhalten? Die bei derselben vom Werte des frei zu las- 
senden Sklaven erhobene Abgabe von 5 Prozent wurde entweder 
von diesem oder von dem Herrn gezahlt. Hirschfeld Verwaltungs- 



Anmerkungen zu 58. 299 

beamte 2 108. Marquardt StV II 281. Trimalchio, der seine sämt- 
lichen Sklaven in seinem Testament freiläßt, vermacht einem der- 
selben außerdem unter anderm den Betrag der vicesima 71. Vgl. 
zu 65 cum vicensimariis magnam mantissam habet. 

quid faciat, crucis offla« ,Ist dies ohne Komma nach fa- 
ciat zu lesen? Über die Formel ,quid faciat' handelt Burmann zu 
c. 14, allerdings mit Beimischung von Fremdem. Ähnlich auch 
Ammian. XXIX 4,15 quid faciat maniosus et nequam? Die Formel 
dient zur Entschuldigung, an unsrer Stelle zur ironischen Ent- 
schuldigung: ,Was kann man auch von einem Galgenstrick anders 
erwarten?' Eine kleine Lücke vor quid faciat scheint allerdings 
anzunehmen, und dadurch wird die Sache freilich wieder unsicher. 
Ich würde die Überlieferung halten.' Heraus. 

crucis offla, coryorum cibaria. Horat. Epp. I 16,48 (Non) 
pasces iu cruce corvos. Vgl. Aristoph. Thesmophor. 1027 £[*' 
£xp£fjtaoe %öpa?t oeinvov und die Verwünschung U %6paxas = abi in 
malam crucem. Otto Spr corvus 3. Vgl. BSchmidt Alte Ver- 
wünschungsformeln. Neue Jahrbb. 1891 S. 561—76. 

offla. Zu 56 oben. 

cibaria als Feminin aus der Itala nachgewiesen von Rönsch 
Coli. phil. p. 197. Heraus. 

curabo iam tibi IOTis iratus Sit wie unten curabo longe tibi 
sit comula ista besalis und Athana tibi irata sit curabo. Vgl. 69 
curabo stigmam habeat 74 curabo domata sit Cassandra caligaria 
und curabo me unguibus quaeras 75 curabo fatum tuum plores. 
Phaedr. V 2,6 jam curabo sentiat. Guericke 63 Segebade 16. ,Auch 
sonst ist curare mit dem Konjunctiv ohne ut keineswegs, wie Lach- 
mann zu Lucret. VI 231 behauptet hat, selten. Zu den von mir 
(Krit. Bemerk, zu latein. Prosaikern. Progr. d. Gymnas. zu Lands- 
berg a. d. Warthe 1865 S. 12) angeführten Stellen füge ich noch 
hinzu : Plaut. Bacch. 551 accuratum habuit quod posset mali Fa- 
ceret in me, inconciliaret copias omnis meas. Cic. Acad. II 22,71 
(ex, wo ut von Lambinus herrührt) Plin. Epp I 24,1- Arnob. p. 254,1 
Reiff. Carm. de figuris 66/ Müller. 

Iovis wie 47. 

ist! qui tibi non imperat: Ascylto. Lachmann 1. 1. ('scilicet 
magistro tuo Agamemnoni, nam interpretes non recte capiunt') ist 
selbst im Irrtum. Imperare alicui: Heraus S. 32. 

istud conliberto meo dono ähnlich wie 30 f. dono vobis eum. 
conliberto: Trimalchioni. 59 Trimalchio delectatus colliberti elo- 
quentia. 

depraesentiarum nur hier und 74, sonst impraesentiarum. 
Rönsch 230. 



300 Anmerkungen zu 58. 

iam tibi — reddidissem sc. quod debui, quod reddendum erat 

bene nos habemns. 38 quam bene se habuit 

nugae von Personen auch Cic. Att. VI 3,6 Pompejus amicos 
habet meras nugas. 

plane. Zu 41 pl. 

qualis dominus talis et servus. 'Wie der Herr, so der 
Knecht 1 Düringsfeld II n. 640. Hieronym. Epp. 7,5 talisque sit rec- 
tor quales Uli qui reguntur. Griechisch olanep i\ hhizowa «rola -tf] 
%6a>v. Diog. Vindob. 3,61 Cic. Att V 11,5. Otto Archiv V 381 « 
Spr dominus, vgl. rex 6. 

caldicerebrius. Zu 58 c. 

matrem meam dupundii non facio und unten nemo dupondii 
evadit. Hieronym. Adv. Helvid. 16 col. 224 Vall. quis te oro du- 
pondii supputabat? Unten dominus dupunduarius, 74 homo dipun- 
diariuB. Über u für i Guericke 12. 

recte, videbo te in publicum. Unten recte, venies sub den- 
tem 74 recte, curabo me unguibus quaeras. 

in publicum. Guericke 58. 

terrae tuber. Im Neapolitanischen ist tartufolo ein Ausdruck 
für einen geistesträgen Menschen nach Ignarra De palaestra Nea- 
politana bei Cesareo p. 13. 

nee sursum nee deorsnm non cresco. Über die Verdoppe- 
lung der Negation Guericke 58. Sursum — deorsum (so auch 63) : 
Otto Spr. sursum. 

nisi dominum tnnm in rutae folium coniecero. Zu 37 quem- 
vis ex istis babaecalis in rutae folium coniciet. 

parsero statt pepercero Guericke 47. 

licet mehercules. Die Verstärkungs- und Versicherungspar- 
tikeln, wie hercle, medius fidius, pol stehn oft in den Nebensätzen 
«derjenigen Sätze, zu denen sie gehören; so licet hercle auch bei 
Cic. Vgl. außer dem bei Seyffert zu Cic. Laelius (2. Ausgabe von 
CFWMüller S. 477) angeführten, Beispiele wie Sali. fr. I 48,17 d. 
quanto mehercules avidius pacem petieritis, tanto bellum acrius 
erit Petron. Frgm. 43,3 (Bücheier I p. 222) sed si magis ipsa ve- 
nires, Ornares donum , pulchra puella , tuum kann ich auch nicht 
anders verstehn, als si venires, magis ornares. Mütter. 

mehercules. Zu 33 m. 

Iovem Olympium. Zu 57 athla. 

longe tibi sit comula ista besalis et dominus dupunduarius. 
Longe esse und abesse alicui: nichts helfen. Caes. B. G. I 36 si 
id non fecissent, longe iis fraternum nomen populi Eomani afu- 
turum. Verg. A. XII 52 longe illi dea mater erit Ovid. Her. 12,53 
quam tibi nunc longe regnum dotale Creusae. Id. Met. IV 649 



Anmerkungen zu 58. 301 

vade procul, ne longe gloria rerum, Quam mentiris, ait, longe tibi 
Iuppiter absit. Sil. Pun. XVII 79 longe conjugia ac longe Tyrios 
hymenaeos Inter Dardanias acies fore. Flor. II 2 longe Ulis nau- 
ticae artes II 6,34 longe illi triplex murus. Vgl, auch JFGronov 
ad Senecae Hippolyt. 974 und Heinsius zu Ovid. Met VIII 435. 

comula besalis. Oben zu caepa cirrata. Schon Georges 
(Wortformen) bemerkt, daß dies, nicht das zu erwartende bessalis 
überall die Lesart der besten Handschriften ist. Heraus S. 47. 
Heinsius versteht unter besalis : nur einen bes wert. Ebenso Marx 
Lucil. 1318; er vergleicht ein Fragment des Diphilus (CAF II 
p. 564,75 K), wo von jemand die Rede ist, der nichts besitzt, ei jj/J) 
xixfovou; <££fouc XCxpaw Suotv (eine nicht befriedigend erklärte Stelle). 

recte, venies snb dentem« Laber. ap. Gell. VI 9,4 (Ribbeck 
Fr. com.2 p. 241) sub dentes mulieris veni bis, ter momordit. Vgl. 
Sueton. Tiber. 21 miserum populum Romanum qui sub tarn lentis 
maxillis erit. Otto Spr dens 2. 

non deridebis. 62 nee tarnen derisit, etsi fugit; vgl. 61 sa- 
tius est rideri quam derideri und Lex. Petr. s. v. 

licet barbam auream habeas« Sprichwörtliche Redensart, wol 
daher entstanden, daß man die Köpfe besonders geehrter Gott- 
heiten oft mit vergoldeten Barten sah. Vgl. Pers. 2,58 sitque illis 
aurea barba mit Jahns Anm. 

Athana tibi irata Sit* Oben zu curabo jam tibi Jovis iratus 
sit und 57 athla. 

qui te primus deurode fecit. Gemeint ist Ascyltos, der seinen 
Sklaven nicht gehörig in Zucht gehalten hat (isti — qui tibi 
non imperant). In deurode erkennt Bücheier wol mit Recht den 
Akkusativ eines griechischen Adjektivs auf o>8t]«, da diese Rede 
auch sonst einiges Griechische enthält (zu 57 athla). Doch ist we- 
der Bt){i.(65t) (ed. 2) noch IXeu&epriät] (ed. 3) wahrscheinlich. Unter 
allen Adjektiven auf coSt)« paßt hier, wie mir mein Kollege Lud- 
wich auf Grund einer wol vollständigen Sammlung derselben mit- 
teilt, dem Sinne nach wie diplomatisch nur X7jp<65ir] : der (durch 
seine ungehörige Nachsicht) dich zu einem (naseweisen) Schwätzer 
gemacht hat. [Näher als lerode lägen ein hybrides delir — c65yj, 
doch kann ein Verb wie de-pude-fecit sich darin verbergen. 
Heraus.] 

non didici geometrias« Vor diesen Worten ist eine bisher 
noch nicht bemerkte Lücke; denn die ganze folgende Rede des 
Hermeros ist nicht mehr an Giton gerichtet, sondern an Ascyltos, 
über den Hermeros seinen Unwillen schon wiederholt geäußert 
hat. Daß Ascyltos sich anschickt, auf eine gegen Giton gerich- 
tete Rede zu erwidern (59 coeperat Ascyi frta WÄl *e respondere con- 



302 Anmerkungen zu 58. 

vicio), könnte man allenfalls damit erklären, daß er seinen Skla- 
ven in Schutz nehmen will, der selbst zu antworten sich nicht 
herausnehmen darf. Doch auch Trimalchio ermahnt 59 den Er- 
zürnten, mit Ascyltos Nachsicht zu haben (parce adulescentulo), 
nicht mit Giton. Schon dies wäre unverständlich, wenn die 
Schmähungen des Hermeros dem letztern gegolten hätten. Sodann 
aber können folgende drei Äußerungen nur gegen Ascyltos ge- 
richtet sein: jam scies patrem tuum mercedes perdidisse, quamvis 
et rhetoricam scis; nisi si me judicas anulos buxeos curare, quos 
amicae tuae involasti; eamus in forum et pecunias mutuemur. 
Von einem Sklaven, für den Giton gilt, konnte nicht vorausge- 
setzt werden, daß sein Vater für ihn Schulgeld bezahlt habe, am 
wenigsten, daß er die höchste, die Durchmessung der frühern 
Stufen voraussetzende Bildung, die rhetorische, besitze. Im besten 
Falle mochte er in den litterae serviles Bescheid wissen (Seneca 
Tranq. an. 9,5 plerisque ignaris etiam seryilium litterarum libri 
non studiorum instrumenta, sed cenationum ornamenta sunt), d. h. 
lesen, schreiben und rechnen können, eben das, was zu wissen 
Hermeros zufrieden ist. Ascyltos dagegen ist der Schüler des Rhe- 
tors Agamemnon und als solcher eingeladen (zu 26 init.). Die 
anuli buxei, vor denen Hermeros keinen Respekt zu haben er- 
klärt, weil Ascyltos auf unrechtmäßige Weise dazu gekommen 
sei, können nur die goldnen Ringe des eques Romanus (57 eques 
Romanus es?) sein, die auch Trimalchio nicht zu tragen wagt (32); 
denn sie waren eben die einzigen, die ihrem Träger Respekt ver- 
schaffen konnten. Endlich kann Hermeros einen Sklaven nicht 
auffordern zu erproben, ob er so viel Kredit habe als er selbst, 
da ein Sklave überhaupt keinen hatte. 

alogias. Seneca Apocol. 7,1 citius mihi verum, ne tibi alo- 
gias excutiam. 

menias. Men(en)ias? Porphyr. Horat. S. H 3,287 Menenium 
melius furiosum accipimus vel potius stultum, unde Meneniae (codd. 
meniae) stultitiae vel ineptiae. Vielleicht schwebte Porphyrio diese 
Stelle vor. Auf Kenntnis des Petron weist die Bemerkung C HI 
2,32 quod dicitur deos iratos pedes lanatos habere und non bibit 
inter aquas zu S I 1,68 (so Petron. c. 82 und das dem Petron zu- 
geschriebene Gedicht Anthol. C. 477,9 Riese: inter aquas urit 
sitis arida fauces). 

lapidarias litteras scio: 'scilicet reliquis lectu faciliores'. 
Hübner Exempla inscr. p. XXIII b. Weiter reicht seine Fertigkeit 
im Lesen nicht, namentlich kann er die durch den Mangel der 
Worttrennung und Interpunktion schwierigere Bücherschrift nicht 
lesen. Schreiben zu können behauptet er gar nicht. 



Anmerkungen zu 58. 303 

partes centum dieo ad aes, ad pondus, ad nnmmnm« D. h. 

ich kann von jeder Summe in Assen, Pfunden und Sesterzen die 
Hundertstel angeben. Nummus = sestertius, aes, weil kleinere Be- 
träge (und zwar durch den Genitiv aeris : Hultsch Metrol. 2 297 mit 
Anm. 3 und zu Martial Xu 76) in Assen ausgedrückt wurden, in 
denen die fälligen Zinsen zu berechnen oft bequemer war als in 
Sesterzen und deren Bruchteilen. Dieselbe Rechnung bei Horat. 
Epp. II 3,325 Romani pueri longis rationibus assem Discunt in 
partes centum diducere. Ein Hundertstel galt seit Sulla als der 
Normalzins auf einen Monat (d. h. 12o/ jährliche Zinsen); da aber 
der wirkliche Zins in der Regel niedriger ausgeworfen war, mußte 
er durch weitere Teilung der centesima ermittelt werden. Das 
Ausrechnen der centesimae, das zu verstehn Hermeros sich rühmt, 
ist also nur der Anfang der in der Praxis vorkommenden Zins- 
rechnungen. [CIL XI 1236 (Placentiae) — Attico ser | qui vixit 
ann | XX litteratus | Oraecis et latinis | librarius | partes dixit cco 
d. h. konnte 4prozentige Zinsen ausrechnen. Vgl. CIL V 7274 
(Susae) — qui vixit an. VIII m. VI dies VI IS ambulavit ann(o 
primo) partes habuit X . . . Hirschfeld.] Vgl. die erschöpfende Er- 
örterung des ganzen Gegenstandes von Hultsch Ein Beitrag zur 
Kenntnis des volkstümlichen Rechnens bei den Römern. N. Jahrbb. 
f. cl. Philol. 1889 S. 335—343; zu 46 jam quattuor partes dicit und 
75 decem partes dicit. 

ad summam wie 57. 

defero lamnam. Zu 57 numquid pater fetum emit lamna? 

qui de nobis? longe venio, late venio: solve me. dicam 
tibi qui de nobis currit et de loeo non movetur: qui de nobis 
ereseit et minor fit. Die von Bücheier p. 129 ed. 4, gegebene Lö- 
sung dieser drei Räthselfragen: von »Fuß, Auge und Haar«, wobei 
das dreimalige qui de nobis zu verstehn ist: welcher Teil von uns, 
welches Körperglied? ist wol die richtige. Das Haar wächst und 
wird (durch Schneiden) kleiner. Das Auge bewegt sich nicht von 
der Stelle und schweift doeh in die Ferne. Am Fuße erschien 
dem Volke die Fähigkeit sich in verschiedenen Richtungen zu be- 
wegen, als etwas vorzugsweise bezeichnendes. 

Eine andre , von meinem Freunde Eduard Schwor* (+ 26. Mai 
1891) herrührende Lösung habe ich im Rhein. Mus. XLII 1887 
S. 310 mitgeteilt. Die beiden letzten Rätsel hielt er für eine Art 
Dialog zwischen Wolle und Spindel. Die letztere läuft beständig 
um ihre Achse (currite — fusi Catull. 64,328) und kommt doch 
nicht vom Flecke; die erstere nimmt beständig auf dem Rocken 
ab, und zugleich in demselben Maß auf der Spindel zu. Das erste 
Rätsel bezog er auf das Weben, an dessen Takt vielleicht der Rhyth- 



304 Anmerkungen za 68. 

mus der Worte erinnern solle. Bei einfarbigen Geweben, wie es 
die wollenen und leinenen mindestens in der Kegel waren, wurde 
Aufzug und Einschlag von demselben Garn genommen. Der zu 
jenem wie zu diesem gebrauchte Faden spricht: >Ich komme lang 
(als Aufzug) und komme breit (als Einschlag). Nun löse m ick 
(mit dem Doppelsinn des Abnehmens vom Webstuhl und des Er< 
raten s), Daß auch diesem Bätsei das in dem Dialog sehr wohl, 
hier aber nicht passende qui de nobis vorgesetzt ist, könne nur 
ein Versehen des Schreibers sein. 

Gegen diese Lösung spricht zweierlei. Erstens, daß in zwei 
Rätseln der Gegenstand im Grunde derselbe ist: der Wollfaden 
(der Spinnerin und der Weberin). Sodann bemerkt Bücheier ohne 
Zweifel mit Recht, daß alle ältesten Rätsel für die Umschreibung 
das grammatische Geschlecht des betreffenden Rätsel worts fest- 
halten, also dem qui entsprechend die zu ratenden Worte männ- 
liche sein müssen. Bei fusus ist dies der Fall, für das erste Rätsel 
könnte man filus als Form des zu ratenden Worts annehmen. 
Doch was auf dem Rocken abnimmt, ist nicht der Faden, sondern 
die Wolle. 

Das Erraten von Rätseln war eine bei Ungebildeten beliebte 
Tischunterhaltung. Plutarch. Quaest. conv. V praef. 6 xal ol <pop- 
Ttxol xal dcpiXdXofOi jxexd tö SeiTrvov ly* if)5ova« itlpaz toü o(6fi.atoc dbraj- 
Tckt» t^jv hidsoiav dhralpouatv, alyifp.ai.Ta xai fpkpouc %a\ d£aetc ömo|aö[tcov 
£v iptdfAoT« (xal £XXa) &7toaufi.ßoXa 7rpoßdXXovxec. 

curris. 'non sanum. expecto rmütis (61) vel mtnurris, quod 
est omnium minutissimarum avicularum. mures mtmire non murrire 
in glossariis dieuntur.' Bticheler I. 

tanquam mus in matella. Schwerlich hängt, wie Genthe p. 7 
meint, damit die Redensart ubi mures ferrum rodunt (Plin. N. h. 
VIII 222) bei Seneca Apocol. 7 zusammen ('id quod fieri solet in 
matellis, cum mures capti frustra effugere quaesitant et denticulos 
vel in ferreis clathris sive filis fatigant 1 ). Zwar mag es eiserne 
matellae gegeben haben, aber schwerlich häufig genug, um eine 
sprichwörtliche Redensart zu veranlassen, vollends diese. Vgl. zu 
27 alter matellam tenebat argenteam. Dagegen ist verwandt Plaut. 
Cas. I 1,52 tum tu fureifer Quasi mus in medio pariete vorsabere. 
Otto mus 2. [Vgl. die Erklärer zu Herond. 2,62 puc £v rctooTQ. 
Laber. 94 R. amore cecidi tamquam blatta in pelvim. Heraus.] 

molestare. Rönsch 167. [Plaut. Pön. 26 male loqui meliori- 
bus. Horat. Epp. I 1,48 ; 2,67 Iul. Valer. p. 68 K. Phädr. II epil. 
17 meliores carpere u. ä. Heraus.] 

qui te natum non putat. Zu Martial IV 83,4 (VIII 64,8 
X 27,4 XI 87,2 vgl. XI 12,2, und die von Otto Archiv V 375 — 



Anmerkungen zu 58. 305 

Spr. nasci . 2 angeführten Stellen . Plaut. Aulul. 231 Cic. Farn. 
IX 15,4 Seneca Apocol. 3,2 [nemo enim unquam illum natum 
putavit]). 

anulos buxeos. Zu 57 eques Romanus es? 

inyolasti. 43 ex qua plus involavit quam ei relictum est. 

Occuponem propitium. Offenbar eine Gottheit der kleinen 
Leute, ein Helfer im Handel und Wandel und überall, wo es auf 
Erfassen und Festhalten ankam. Auch hier zeigt sich, daß der 
Volksglaube noch immer hr der alten Weise produktiv war und 
dem Bedürfnis der Gläubigen durch Erschaffung immer neuer 
kleiner Hilfsmächte entsprach, die ihnen um so näher standen, je 
enger begrenzt ihre Machtsphäre war, und daher auch in geeigneten 
Fällen mit um so größerem Vertrauen angerufen wurden. Der 
Name gebildet wie 38 Incubo; vgl. auch 60 Cerdo Felicio Lucrio. 

iam scies hoc ferrum fldem habere. Ferrum der eiserne 
Bing, der also auch damals noch von solchen getragen wurde, die 
nicht das Recht hatten, den Goldring zu tragen. Vgl. Mommsen 
StR III 1,514,3; 517,3. Juvenal. 11,128 nam pes argenteus illis, 
Anulus in digito quod ferreus. 

yah, bella res est volpis uda. Phaedr. App. 12,3 bella res, 
sed mehercules Male cessit, artis quia sum nescius. [Seneca Epp. 
€9,6 bella res est mori sua morte. Heraus.] 

volpis uda. Über 'volpis st. volpes Heraus S. 43 f. Die Re- 
densart bezeichnet wol nur den durch gründliche Beschämung 
außer Fassung Gebrachten, wie »begossener Hund«, »gebadete 
Katze« (Grimm DW V 289); vgl. poule mouillee. So auch Otto 
Spr. vulpes 5. Bücheier denkt an äsopische Fabeln (wie 30 und 
45 Halm), wo Wasser gerade dem Fuchs Verlegenheit bereitet. 

ita lucrum faeiam et ita bene moriar ut populus per exl- 
tum meum iuret, nisi te ubique toga perrersa fuero perse- 
cutus. Eine Vermischung zweier verschiedener Formen der Be- 
teuerung. Entweder konnte es heißen: ne lucrum faeiam (oder 
wie 61 omne me lucrum transeat) nisi, oder: ita lucrum faeiam, ut* 

populus per exitum meum iuret kann wol nur bedeuten: 
möge man künftig schwören >so wahr ich ein so gutes Ende haben 
will wie Hermeros!« Welcher Wert in diesen Kreisen auf ein 
gutes Ende gelegt wurde, zeugen Äußerungen wie 43 honeste vixit 
honeste obiit 57 spero sie moriar ut mortuus non erubescam, d. h. 
wol: in gutem Leumunde, nach Erfüllung aller meiner Verpflich- 
tungen. Doch wird dabei zugleich an eine anständige Bestattung 
gedacht: 43 tarnen bene elatus est etc. 78 ego gloriosus volo efferri, 
ut totus mihi populus bene imprecetur. 

Petronii Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 20 



306 Anmerkungen zu 68. 

nisi te ubique toga perversa fuero persecutus« Mommsen 
StR I 419 schließt aus Seneca De ira I 16,5 (Itaque, et si per* 
versa induenda magistratui vestis et convocanda classico contio 
est, procedam in tribunal non furens nee infestus, sed voltu legis *), 
et illa sollemnia verba leni magis gravique quam rabida voce con- 
cipiam et agi jubebo non iratus sed severus. et cum cervicem noxio 
imperabo praeeidi et cum parrieidas insuam culeo et cum mittam 
in supplicium militare et cum Tarpejo proditorem hostemve publi- 
cum imponam, sine ira eo voltu animoque ero, quo serpentes et 
animalia venenata percutio), daß bei den Volksgerichten der Re- 
publik der anklagende Magistrat die Toga verkehrt trug (die regel- 
mäßige magistratische Trauertracht), und nimmt an,daß toga per- 
versa persequi sprichwörtlich von unerbittlicher Verfolgung gesagt 
worden sei. Dagegen bemerken mein Kollege ASehÖne und 
EKlebs (Philol. Spplmtbd. VI 663 ff.), daß nicht der Ankläger die 
Trauertracht anlegte, sondern der Urteilsverkünder. Die Ablegung 
oder Umkehrung der Prätexta bei der Urteilsverkündung entspricht 
also dem Aufsetzen des schwarzen Baretts in englischen Gerichts- 
höfen. Schöne erinnert an den von Val. Max. IX 12,7 erzählten 
Fall: der im J. 66 v. Chr. wegen Erpressung angeklagte Liciniua 
Macer sah den Prätor Cicero, qui id Judicium cogebat, nach der 
Stimmensammlung im Begriff, die Trauertracht anzulegen (prae- 
textam ponentem), und gab sich den Tod, um nicht als damnatus, 
sondern als reus zu sterben. Diese Verhandlung fand vor einem 
der ständigen Gerichtshöfe, der quaestio repetundarum statt, welche 
immer von einem Prätor als Vorsitzenden geleiten wurde. Eine 
contio ist dabei ebensowenig möglich als ein Todesurteil. Kapi- 
tal war die Verurteilung, weil sie das exilium und damit den Ver- 
lust der bürgerlichen Rechtsexistenz (caput) nach sich zog. 

Andrerseits war der alte magistratische Prozeß bis zur Provo- 
kation hin nach modernem Ausdruck reiner Inquisitionsprozeß, in 
dem es eine Scheidung zwischen Ankläger und Richter nicht gab. 
Der anklagende und der leitende Magistrat sind ein und dieselbe 
Person. Wenn also im römischen Kriminalprozeß der Bepublik in 
einer causa capitis die Abstimmung die Verurteilung des Ange- 
klagten ergab, legte derjenige, welchem die Verkündigung des Ur- 
teils oblag — sei es der Magistrat im Judicium populi, sei es der 
Leiter einer quaestio, das Trauergewand an. Klebs a. a. 0. S.664f. 
Da nun in toga perversa nur der spricht und handelt, der einem 
Andern den Tod bringt oder verkündet, heißt toga perversa per- 
sequi so viel als usque ad internecionem. 

i) Klebs Philolog. Supplementbd. VI 663,10. 



Anmerkungen zu 68. 307 

Igte qui te haec docet: Agamemnon. 

mufrius, non magister. Das rätselhafte mufrius leitet Bti- 
cheler (Altes Latein, Rhein. Mus. XXXIX 1884 S. 426— 427) von 
einem Stamm muf ab, den er mit jxu&oc fiufte6etv (xuOtqt/jc gleicht, 
nach dem schlimmen Sinn dieser Worte (Anacreon 16 puftfrai 
Bergk fi.u&ifjTai Apollon. Lex. Hom. 114,3 6 U Ävaxpltuv {jluOi^toc 
to&c aTaaicteac elrcev ; vgl. Et. M. 593,48): Schwätzer, Störenfried. 

Zwar hat sich Hermeros im Anfang Beiner Rede über Aga- 
memnon günstig geäußert (57 ecce magister tuus homo major 
natus, placemus Uli) ; doch daß er, sich hier in immer großem 
Zorn hineinredend, ihn für das schlechte Betragen seines Schülers 
verantwortlich macht und ihn mit einem jedenfalls Geringschätzung 
ausdrückenden Prädikat belegt, ist begreiflich. 

cave maiorem maledicas wie 96 maledic illam. Guericke 52. 

at nunc mera mapalia: nemo dupondii evadit. So (at nunc 
statt des überlieferten aut nu) hat Heraus den Text hergestellt, 
ebenso einfach als überzeugend. Ich habe die Stelle mit Unrecht 
für verstümmelt gehalten. Bücheier, der die Überlieferung {mit der 
Lesung aut numera mapalia: nemo dupondii evadet) im wesent- 
lichen für richtig hält, erklärt: aut numera, ut documento tibi 
sint homines qui inordinate ac solute vivunt, omnes non unius 
assis esse videbis. »Ich verstehe also, indem ich die brachylo- 
gische Fassung aus der Trivialität der Redeweise und dem viel- 
leicht häufigen Vorkommen ähnlicher Gnomen ableite oder ent- 
schuldige: 'Das sind die wahren Lebensmaximen.' Andernfalls 
zähle (d. h. ziehe das Facit vgl. z. B. Juvenal. 9,41 numera sestertia 
quinque Omnibus in rebus, numerantur deinde labores) nur traurige 
Kunden (mapalia: solute viventes nach Festus, vielleicht auch 
>Lappalien<); keiner bringt es (bei andern Maximen) zu etwas/ 
Aut numera stände hier also gleich einem ceteri omnes; aut sagt 
mehr als bloßes alii.« 

Doch daß die von dem Lehrer den nach Hause gehenden 
Knaben für ihr Betragen auf der Straße erteilten Vorschriften 
selbst einen Hermeros als Lebensmaximen gelten konnten, von 
deren Befolgung oder Nichtbefolgung der ganze sittliche Wert 
eines Menschen abhing, ist schwer glaublich. Ferner bleibt es in 
der Stelle des Festus p. 146,25 M mapalia casae Poenicae appellan- 
tur, in quibus quia nihil est secreti, solet solute viventibus obici 
id vocabulum (eine völlig unverständliche Erklärung), unklar, in 
welchem Sinne dies Wort zu einem solchen Vorwurf gebraucht 
worden ist: daß es aber eine Bezeichnung für solute viventes ge- 
wesen sei, ist sehr unwahrscheinlich. Birt De Senecae apocol. Ind. 

20* 



308 Anmerkungen zu 68. 59. 

Mb. 1888 Marburg, p. XVIII liest cave mera mapalia, ebenfalls als 
Worte des Lehrers. Doch dieser konnte wol zu seinen Schülern 
sagen: hütet euch vor Possen, aber nicht: hütet euch vor bloßen 
Possen. 

propter artiflcium meum: für das was ich gelernt habe. Zu 
46 aliquid artificii. 

59 eoeperat Ascyltos respondere conrieio: er war im Be- 
griff zu antworten, wie c. 67 eoeperat surgere, nisi — Fortunata — 
esset vocata. Muller. 

colliberti. 58 istud conliberto meo dono. 

scordallas nur hier; scordalus 95 Seneca Suasor. VII 14 
s. ~fin. Seneca Epp. 83,12 (Tullius Cimber, nimius in vino et 
scordalus). 

suaviter sit wie 65 sed tarnen suaviter fuit. 75 vos rogo — 
ut vobis suaviter sit. Zu 42 aeque est. 

sangnen archaisch (Bücheier- Windekilde 14,2) und bei christ- 
lichen Autoren. 

semper in hac re qui yincitur vincit. Ovid. A. a. II 197 
cede repugnanti: cedendo victor abibis. Ambros. Offic. 15,20' 
haec arma sunt justi, ut cedendo vincat. Gato monost. 42 qui 
vinci sese patitur pro tempore, vincit. Otto Spr. vincere 2. [Ähn- 
licher der Form nach als diese Stellen ist Publil. Syr. 398 Ribb. 
non vincitur sed vincit, qui cepit suis. Heraus.] 

et tu cum esses capo, cocococo, aeque eor non habebus. 
eocococo (sc. faciebas) ist das cueurrire (xoxx6Ceiv) der Hähne; 
die griechische und lateinische Benennung des Hahnenschreis 
entspricht also dem armorischen, nordfranzösischen, angelsächsi- 
schen coq, cocc, dem finnischen und esthnischen kukko, kuk. Hehn 
Kulturpfl.2 492 f. 

Die Schwierigkeit, daß capo nur in der Bedeutung »Kapaun« 
vorkommt, während hier »junger Hahn« erfordert wird, sucht Bär 
cheler in der Voraussetzung, daß die Oberlieferung richtig ist, 
dadurch zu heben, daß er als Grundbedeutung »nicht zeugender 
Hahn« annimmt: hier der zur geschlechtlichen Tätigkeit noch zu 
junge, gewöhnlich der durch Kastration dazu unfähig gewordene. 

Wie Heraus bemerkt, hat Heinsius das überlieferte atque wol 
mit Recht in aeque geändert, da atque außer vor Vokalen nur vor 
c und h, sonst nirgend in Reden der Freigelassenen vorkommt. 
Segebade 32.21. 

simus ergo — a primitiis hilares« Auch hier hält Bückeier 
die Überlieferung für richtig. »Worauf es ankommt, ist, daß das 



Anmerkungen zn 59. 309 

Geschehene gar nicht als geschehen betrachtet, die Heiterkeit also 
ganz so als wenn nichts vorgefallen wäre, wieder aufgenommen 
werde. A primitiis ist hier so viel als die' (Ig) <*px*j« (mit oder 
ohne e&Mc, rcd&iv in der Konversationssprache sehr häufig). Com- 
modian. Instr. I 11 (12) 18 Apollon a primitia quoque pecora Da- 
visse fertur, ungefähr so viel als 'einst', besser 'erst'. [Lactant. 
Plac. fabb. VII 3 (Mythogr. ed. Munck p. 336) : Aesonem in primitias 
reduxit. Müller.] Der Ausdruck mag aber bei Petron noch kon- 
kretere Färbung haben, nach den sacralen primitiae, wenn man die 
Hilaria (Marquardt StV III 372) hineinzieht, wo eben non lugere 
oder dgl. die von der Gottheit geforderten Erstlinge sind. Selbst 
jedes Zurückdenken an Zank wird ausgeschlossen durch die For- 
derung der a primitiis heiteren Stimmung.« 

hilares: zu 39 hilaresque convivae. 

Homeristas spectemus. Homeristae in der Literatur sonst 
nicht, in Glossen (CGI III [quae in theatro] p. 240,7 vor x<pp.«p&6;, 
xpaY^Bo; ; p. 172,46 zwischen Seiltänzern, Ballspielern einerseits und 
Spielleuten andrerseits. Heraus S. 14. Hier Darsteller von Szenen 
aus der Ilias in Kosttim, die offenbar die darin vorkommenden 
Reden und Dialoge im Originaltext oder einer Bearbeitung, doch 
jedenfalls griechisch, deklamierten. Nach dem folgenden ut inso- 
lenter solmt scheinen diese nur hier erwähnten Aufführungen nicht 
selten gewesen zu sein. SG I 423 ff. 

intravit factio statim hastisque genta concrepult. Ver- 
stümmelt Daß factio jemals in der Bedeutung von caterva oder 
grex (Truppe, Bande) gebraucht worden ist, läßt sich nicht nach- 
weisen, und vollends hier, wo zwei Parteien einander als kämpfende 
gegenüber stehn, kann es nur die eine derselben bedeuten. Auch 
die Stellung von statim zeigt die Störung der ursprünglichen Ord- 
nung. Der Originaltext kann etwa gelautet haben: intravit pri- 
mum factio Graecorum deinde Trojanorum, ac statim hastis utraque 
scuta concrepuit. Vielleicht waren aber auch die Hauptpersonen 
der Aufführung, auf die sich Trimalchios Angaben beziehen, von 
dem Erzähler genannt, so wie der später auftretende Ajax. 

Trlmalchio in pulvino consedit. Er setzt sich auf den pul- 
vinus, auf den gestützt er bisher gelegen hat, weil man sitzend 
vorlas, während man freie Vorträge, namentlich Übungsreden, 
stehend hielt. Pers. 1,17 sede leges celsa Juvenal. 7,152 nam quae- 
eunque sedens modo legerat, haec eadem stans Perferet mit Mayors 
Anmerkung. 

canora voce wie 68 proclamavit subito canora voce von dem 
zwischen Deklamation und Gesang die Mitte haltenden Vortrage 
poetischer Werke. SG EI 837,3. 



310 Anmerkungen zu 59. 60. 

Parentini. Weshalb Trimalchio auf die Bewohner der Stadt 
Parentium in Istrien als Gegner der Trojaner verfallen wäre, ließe 
sich nicht erraten. [Scheffers Konjektur Tarentini hat viel für sich. 
Trimalchio führt nur große Namen im Munde; vielleicht hat er 
einmal von einem tarentinischen Kriege (des Pyrrhus) gehört und 
verwechselt ihn mit dem trojanischen. Heraus.] 

yitulus in lance ducenaria elixus allatus est« Daß hier an 
eine Silberschüssel zu denken ist, zeigt die Gewichtsangabe (zu 31 
lances , in quarum marginibus etc.) Ducenaria = 64,4 Kilogramm. 
Der Luxus mit ungeheuren Silberschüsseln (die zugleich als Re- 
servefonds dienten), war schon in der spätem Republik verbreitet 
und blieb es auch unter den Kaisern. Plin. N. h. XXXTIT 145 Paullo 
enim ante haec (bellum civile Sullanum) factae sunt lances e cen- 
tenis libris argenti, quas tunc super OL numero fuisse Romae con- 
stat multosque ob eas proscriptos dolo concupiscentium. — nostra 
aetas fortior fuit. Glaudi principatu servus ejus Drusillanus nomine 
Rotundus, dispensator Hispaniae citerioris, quingenariam lancem 
habuit cui fabricandae officina prius exaedificata fuerat, et comites 
ejus octo ad CCL libras. Vgi. Marquardt Prl II 2 696,9. SG 
IH 122,2. 

Das gesottene Kalb ist das Hauptgericht des vierten Ganges, 
zu dem auch die 60 erwähnten, mit Safran gefüllten Kuchen und 
Früchte gehören, denn die mensae secundae erscheinen erst 68. 

modo versa modo supina gesticulatus. Zu beiden Ablativen 
ist manu zu ergänzen. 

60 tarn elegantes «trophas« Gewöhnlich wie im Griechischen 
im Plural: Phaedr. I 14,4 Verbosis sibi acquisivit famam strophis 
Seneca Epp. 26,5 remotis strophis ac fucis Prudent. Apoth. 37 
prooem. Hieronym. in Ruf. III 14 etc. Im Singular Martial. XI 7,4 
jam stropha talis abit Plin. Epp. I 18 f. ego aliquando stropham 
invenirem. Vgl. 54 catastropha. 

laennaria sonare coeperunt — diductis lacunaribus. Ober 
bewegliche lacunaria (die es auch im Mittelalter gab) SG III 97,6; 
98,6 (die an der ersten Stelle geäußerte Vermutung, daß sie erst 
der Zeit Neros angehören, ist irrig; sie kommen schon bei dem 
Gastmahl des Metellus Pius vor. Valer. Maxim. IX 1,5 demissas- 
que lacunaribus aureas Coronas. Marquardt Prl II 311,4). 

eoronae cum alabastris unguenti. Wenn diese auch Ge- 
schenke für die Gäste (apophoreta) sind, sollen sie doch zunächst 
bei der bald beginnenden comissatio dienen, und zeigen, daß das 
Mahl sich seinem Ende nähert. So in den Acta arval. vom 27. Mai 
218 post epulas — unguenta et Coronas acceperunt. Vgl. 65 (Ha- 



Anmerkungen zu 60. 311 

binnas) comissator — oneratus — aliquot coronis et unguento per 
frontem in oculos fluente und Marquardt Prl I 331,5. 

Priapus — gremio — satis amplo omnis generis poma et 
uras sustinebat more yulgato d. h. in der gewöhnlichen Stellung 
solcher Figuren. Als Gartengott hat Priapus einen Fruchtschurz 
wie Flora; so Mus. Pio Gl. I 51. 0. Müller Handb. d. Archäol. 
404,3, Baumeister Denkmäler unter Priapus. 

ayldius ad pompam manus porreximus« Vielleicht ist vor 
pompam hanc ausgefallen. Pompa, zum Prunk veranstaltete Schau- 
stellung, daher auch Prunk, Pracht, besonders die am meisten in 
die Augen fallenden Hauptgerichte einer Mahlzeit. Martial. X 31,3 
mullus tibi quattuor emptus Librarum cenae pompa caputque fuit 
XII 62,9 Ausonio similis — pompa macello (die für den Saturnalien- 
schmaus des Terentius Priscus in Spanien eingekauften Speisen) 
Plaut, bei Macrob. Sat. II 12 quojus haec ventri portatur pompa? 

sed nora ludorum missio hilaritatem |hic] refecit. Das 
sonst nicht vorkommende ludorum missio ist wol richtig, da mittere 
sowie dessen Derivate und Komposita in bezug auf Schauspiele 
manmchfach angewendet wurden. So Seneca Epp. 41,6 aliter leo 
aurata juba mittitur — aliter incultus; missus die Umläufe der 
Wagenrennen um die metae des circus; remissus der zur Wieder- 
holung eines Rennens zugelassene Wagen SG II 502; commissio 
Wettkampf (Sueton. Aug. 89 ne paterentur nomen suum commis- 
si onibus obsolefieri Calig. 53 Senecam — commissiones meras com- 
ponere). Bei den Scr. H. A. bezeichnet, wie Klebs a. a. 0. S. 665 
bemerkt missio mehrmals die einzelnen Abschnitte (Akte), in die 
eine venatio zerfällt: Vit. Pii 10,9 centum etiam leones una mis- 
sione edidit V. Marci 17,7 centum leones una missione simul ex- 
hiberet V. Probi 19,9 edidit — una missione centum jubatos leones 
— editi deinde centum leopardi Libyci etc. »Die übertragene An- 
wendung von missio auf einen besondern Gang des Nachtischs ent- 
spricht also sinnverwandten deutschen Übertragungen der Worte 
Akt, Nummer (des Programms) oder Stück.« 

hilaritatem« Zu 39 hilaresque convivae. 

refecit: 23 refectum igitur est convivium — adjuvit hilaritatem 
oomissantium cymbalistria. 

vexatio Drücken Quetschen wie Martial. XI 89,2 a te vexatas 
malo tenere rosas. 

rati ergo esse sacrum fericnlum tarn religioso apparatu 
perfusum. Zu 39 sicut ille fericulus* Zu dem bei Opfern ver- 
wandten Käucherwerk gehörte crocus vorzugsweise. Marquardt 
StV III 170. Vgl. z. B. Ovid. Fast. I 75 (1. Januar) Cernis, odo- 
ratis ut luceat ignibus aether Et sonet accensis spica Cilissa focis? 



312 Anmerkungen zu 60. 

Augusto patri patriae feliciter. Hierin ist wol mit Marquardt 
StV III 127,7 die Verehrung (veneratio) des genius Augusti zu er- 
kennen. Bei Horat. C. IV 5,31 erfolgt sie erst beim Nachtisch: hinc 
ad vina redit laetus et alteris Te mensis adhibet deum, zugleich 
mit der Verehrung der Laren 34 sq. laribns tuum miscet numen. 
Auch diese findet bei Trimalchio vor der Wegnahme der mensae 
primae (68) statt. Seine Tischordnung ist also eine etwas andre 
als die von Horaz und auch von Servius zu VergiL A. I 730 
(s. unten zu unus pateram vini circumferens etc.) angenommene; 
wie auch der Beginn der comissatio vor dem Nachtisch (zu 64 et 
sane jam) ungewöhnlich ist. 

Der hier verehrte Kaiser könnte kaum Tiberius sein, da er 
den Beinamen pater patriae beharrlich verschmäht hat. Vgl. Einl. 
S. 11,2. 

mappas implerimus. Diese sind also hier von den Gästen 
mitgebracht, wie 66 von Habinnas: ego tarnen duo (mala) sustuli 
et ecce in mappa alligata habeo) und Martial. II 37 VII 20. Mar- 
quardt Prl I 314,1 und 2. 

inter haec. Vielleicht rührt dieser Übergang hier und 65, 
ebenso wie interim 27, 67, 68 vom Epitomator her. 

tres pueri — quorum duo Lares bullatos super mensam 
posuerunt. super mensam: zu 34 itaque jussi suam cuique men- 
sam etc. 

Lares bullatos. Über die bulla an Figuren von Göttern und 
Heroen Jahn Ficoron. Gista S. 18 Anm. 6. An die den Laren beim 
Austritt aus der Kindheit geweihten bullae (Pers. 5,31) ist nicht 
zu denken, da diese gewiß nicht an ihren Bildern aufgehängt 
wurden. 

Die drei hier zur Verehrung durch die Gäste auf den Tisch in 
der Mitte des Tricliniums gestellten drei Bilder des Gerdo Felicio 
Lucrio sind die beiden (aus der aedicula des armarium in der 
porticus (29 herbei gebrachten) Laren und der mit ihnen in der 
Regel zusammen verehrte Genius des Hausherrn (Marquardt StV 
III 125 Anm.), mit dessen in möglichst vollkommener Porträt- 
ähnlichkeit wiedergegebenen Gesichtszügen (veram imaginem ipsius 
Trimalchionis). Von solchen Bildern des Genius des Hausherrn 
besitzen wir noch eine ganze Reihe, meist mit den Laren zusam- 
men, mit Schale und Füllhorn, das Haupt bald umhüllt, bald frei, 
vielfach in opfernder Stellung, das Gesicht meist mit Porträttypus 
(Birt. s. Genius in Koscher Mythol. Lexicon; eine Juno mit Por- 
trättypus Österreich. Mitteil. XIII 177). Daß auch das Bild 
des Genius Trimalchios hereingebracht und auf den Tisch gesetzt 
wurde, war in der ausgefallenen Stelle erzählt. Die Namen, die 



Anmerkungen zu 60. 61. 313 

Trimalchio den drei Haasgöttern gegeben hat, Cerdo Felicio Lucrio 
(dii Lucrii Preller RM II 3 122), zeigen, was er vor allem andern 
von ihnen erwartet und ihnen zu verdanken glaubt. Dergleichen 
aus dem Glauben einzelner oder kleiner Kreise hervorgegangene 
(wie von Verbalstämmen — 38 Incubo 68 Occupo — gern auf o 
gebildete) Benennungen werden nicht selten gewesen sein (67 cap- 
sellam quam Felicionem appellabat) und konnten leicht durch zahl- 
reiche Beweise der Macht und Wunderkraft solcher Idole weitere 
Verbreitung finden. 

Cerdonem — Felicionem — Lucrionem. Paul. Festi p. 56,14 
cercopa Graeci appellant lucrari undique cupientem, quasi x£p$a>va, 
quem nos quoque lucrionem vocamus. Lucrio auch als Cognomen 
und als Sklavenname; ebenso Felicio (als Sklavenname SG I 126) 
Heraus S. 14. 

unus pateram vini circumferens 'dii propitii' clamabat. 
Serv. A. I 730 Apud Romanos etiam cena edita sublatisque mensis 
primis silentium fieri solebat, quoad ea quae de cena libata fuerant, 
ad focum ferrentur et in ignem darentur ac puer 'deos propitios' 
nuntiasset, ut diis honor haberetur tacendo. +que nos cum inter- 
cessit inter cenandum, Graeci quoque &e&v rcapoualav dicunt. Mar- 
quardt StV III 126,6 Prl I 327 Anm. Daß mit dem (hier wol von 
dem Epitomator ausgelassenen) Speiseopfer eine Weinspende ver- 
bunden war, zeigt außer dieser Stelle Horat. C. IV 5,33 te multa 
prece te prosequitur mero Defuso pateris et laribus tuum Miscet 
numen. Doch das Wegnehmen der mensae primae erfolgt bei 
Petron erst 68 cum secundas mensas Trimalchio jussisset afferri, 
sustulerunt servi omnes mensas et alias attulerunt. Dii propitii 
Schlußwort der Einleitung des Colloquium CGI III 283,23. He- 
raus S. 32. 

61 postquam ergo omnes bonam mentem bonamque valetu- 
dinem sibi optarunt. Offenbar war es bei dieser Gelegenheit 
üblich, diese auch sonst in Gebeten ganz allgemein geäußerten 
Wünsche auszusprechen, und zwar mit diesen Worten. Petron. 88 
quis inquam venit in templum et votum fecit si ad eloquentiam 
pervenisset? ac ne bonam quidem mentem aut bonam valetudinem 
petunt, sed statim antequam limen Capitolii tangant, alius donum 
promittit etc. Seneca Epp. 10,4 votorum tuorum veterum licet diis 
gratiam facias, alia de integro suscipe: roga bonam mentem, bonam 
valetudinem animi, deinde tunc corporis. Bona mens allein Pers. 
2,8 mens bona, fama, fides: haec clare etutaudiat hospes (mit der 
Anm. von Jahn) Petron. 70 bonam mentem habet 84 nescio quo- 
modo bonae mentis soror est paupertas 115 extrahimus clamantem 



314 Anmerkungen zu 61. 

et jubemus habere bonam mentem (vernünftig zn sein) 131 quid 
est, inquit, fastose, ecquid bonam mentem habere coepisti! Der 
bekannte Vers Juvenal. 10,356 orandum est ut sit mens sana in 
corpore sano ist also nur eine andre Form jenes Gebets, das auch 
Horaz G. I 31,17 — 19 frui paratis et mlido mihi Latoe, dones ac 
precor integra cum mente im Sinne hatte. Vgl. die Anm. von 
Mayor zu Juvenal. 1. 1., wo die meisten dieser Stellen angeführt 
sind. 

ergo deutet auch hier auf eine Kürzung. Zu 31 tandem ergo 
discubuimus. 

solebas suavius esse wie 64. Guericke 54. 

taces nee muttis. Muttio 'mucksen' meist mit Negation und 
von Menschen gebraucht, von Hunden Vulg.; im Romanischen er- 
halten (sard. mutire = rufen u. a.). In Glossen mit Tpu£a> und mit 
loqui und garrire zusammengestellt. Heraus S. 15. 

sie felicem me yideas, narra illud quod tibi usu venit. 72 
sie vos felices videam, coniciamus nos in balneum. 

omne me lucrum transeat, nisi. Zu 58 ita lucrum faciam. 

gaudimonio dissilio« gaudimonium wie 63 cum — nos tum — 
in tristimonio essemus. Rönsch 28*) Ludwig 29 Guericke 31. 

dissilio wie 75 felicitate dissilio Seneca Epp. 113,26 dissilio 
risu, cum mihi propono soloecismum etc. Vgl. rumpor (risu, 
invidia) findor (Pers. 3,9 sc. ira Plaut. Bacch. 251 cor mi et cere- 
brum finditur Istius hominis ubi fit quomque mentio). Vgl. Otto 
Spr. rumpere. 

itaque hilaria mera sint. Zu 39 hilaresque convivae und 37 
mero meridie. 

yiderint. Derselbe sagt 62 f. viderint alii quid de hoc exopi- 
nissent. 

derideri. Zu 58 aut non deridebis. 

<haec ubi dieta dedit«' 'celeberrimum hemistichium Lucilianum 
(1 167 haec ubi dieta dedit, pausam facit ore loquendi) Vergilianum 
(velut Aen. II 790).' Bücheier I. 

Gavillae« >Gavilla von Gavia = Gaja regelmäßig abgeleitet. 
Ein Q. Sullonius Gavillus (Mediolanium) CIL V 5830. Davon ab- 
geleitetes Gentile III 3047 (Albona) Ti. Gavillius C. f. Claud. Lam- 
bicus.« Hübner, 

ibi quomodo dii volunt amare coepi. 76 ceterum quemad- 
modum di volunt, dominus in domo factus sum und cito fit, quod 
di volunt. Plaut. Miles 117 fit quod di volunt. Vgl. Heraus 
S. 33. 



Anmerkungen zu 61. 315 

uxorem Terentii coponis. Dieser wird gleich darauf ihr con- 
tubernalis genannt, muß aber nach dem gentile Terentius ein 
Freier (Freigelassener) sein. Doch der Erzähler braucht das nur 
für einen Sklaven passende contubernalis nach einer aus der Zeit 
seines Sklavenstandes beibehaltenen Gewohnheit, wie sein Mitfrei- 
gelassener Echion 46 seinen Sohn dem Agamemnon als einen künf- 
tigen servulus empfiehlt. 

bacciballum: ' vulgare vocabulum haud dubie recte traditum 
ad plenam opinor et rotundam formam spectans; a baccis derivat 
illud Orioüus.' Bücheier I. Sittl Archiv II 610 vergleicht das orien- 
talische saraballum und dpußaXXo; (Schöpfgefäß, das unten bau- 
chig ist). 

mehercules. Zu 33 m. 

corporaliter. Guericke 33. 

fefellitus sum. Mit Unrecht bezweifelt von Guericke 47; wie 
pepercitum bei Lucifer wol unter griechischem Einfluß gebildet, 
und auch insofern gleichartig, als die betr. Supina falsum u. par- 
sum ungebräuchlich sind (doch findet sich falsus und fallitus sum). 
Heraus S. 40. 

huius contubernalis: der copo Terentius s. oben. 

ad villam snpremnm diem obiit. Wie es scheint, ist hier an 
eine Gastwirtschaft an der Landstraße zu denken (5 Million von 
der Stadt entfernt), wie sie von Gutsbesitzern häufig auf ihren an 
Straßen grenzenden Grundstücken errichtet und von deren Skla- 
ven und Freigelassenen verwaltet wurden SG II 41,6. Daß bei 
der Bajanischen Villa des Faustimus keine Wirtschaft war (Mar- 
tial. III 68,24 non segnis albo pallet otio copo) hält Martial einer 
ausdrücklichen Erwähnung wert. 

itaque per scntnm per oeream egi aginavi. 

per scutum per oeream: trotz aller entgegenstehenden Hin- 
dernisse. Eine der sprichwörtlichen Redensarten, die dem allgemeinen 
Interesse an Gladiatorenspielen ihren Ursprung verdanken. Scutum 
und ocrea gehören zur Bewaffnung der Samniten SG II 630 f. Zu 
derselben Gattung von Phrasen gehört die Redensart per ornamenta 
ferire Seneca Qu. nat. IV. praef. 6 (cum omnia caveris, per orna- 
menta feriet) oder percutere Epp. 14,16 (ars ei constat qui per 
ornamenta percussus est). 

egi aginavi. Bücheier Altes Latein Rhein. Mus. XXXVII 
1884 618: agina Wage oder Teil derselben, davon aginare für die 
Tätigkeit des Krämers (s. Georges s. aginator). Andre und viel 
weitere Verwendung bezeugt das Mittellatein, in dem aginare iden- 
tisch ist mit festinare (Scheler Anhang zu Diez EtW p. 1) und die 
romanischen Sprachen, in denen zwar das Verbum fehlt (Gröber 



316 Anmerkungen zu 61. 62. 

Archiv I 236), aber agina Behendigkeit und Geschwindigkeit be- 
deutet. Den Keim zu dieser Entwicklung enthält die Glosse des 
Philoxenus (Corp. Gloss. II p. 11,34) : agina t hiaTipdaaexai orp£<pei 
|X7]xaväxat. An der Richtigkeit des überlieferten egi aginavi zwei- 
felt jetzt auch Bücheier nicht: »eine asyndetische Zusammenstellung 
der Worte, wo das eine das andre summiert und rektifiziert, wie sie 
öfter formelhaft in Wörtern desselben Stammes vorkommt (dare 
donare, forte fortuna u. dgl.).< Vgl. Hayley Harvard Studies VII 
1896 p. 217—219 und Heraus S. 14. 

scitis autem in angustiis amici apparent. »Wahre Freunde 
erkennt man erst in der Not« (Düringsfeld I n. 436). Ennius bei Gic. 
Amic. 17,64 (p. 146 Vahlen) amicus certus in re incerta cernitur. 
Publil. Syr. 42 amicum an nomen habeas aperit calamitas. Eurip. 
Hecuba 1226 lv toi; xaxot« -jap dr(a%o\ ca<p£aTaToi <DlXoi etc. Otto Ar- 
chiv V 382 = Spr. amicus 6. 

62 ad scruta scita expedienda: 'res quaelubet inutiles utiles. 
Bücheier I. Scruta Gerumpel. Lucil. 1062 L. quidni? et scruta 
quidem ut vendat scrutarius laudat, Praefractam strigilem, soleam 
improbus dimidiatam. Horat. Epp. I 7,65 vilia vendentem tunicato 
scruta popello. Vgl. Heraus S. 15. 

persuadeo hospitem nostrum. Zu 46 te persuadeam. Gue- 
ricke 52. 

ad qulntum miliarium: eine deutsche Meile. 

fortis tanquam Orcus:~wie der Teufel, wie der Tod. Cantic. 
cantic. 8,6 Stark wie der Tod ist die Liebe. Otto Archiv III 212 
= Spr. Orcus 6. 

tanquam: zu 39 sie orbis vertitur tanquam mola. 

apoculamus nos. 67 ego me apoculo. »Von ab und oculus 
(aboculus vulgärlateinisch = aveugle) kann es nicht herkommen, 
da dann das p kaum zu rechtfertigen wäre. Will man an eulus 
denken (rineulare, reculer, sich ärsen [ärschen], ärschlings = re- 
trorsum Grimm D. W.), so paßt die Bedeutung nicht und die hy- 
bride Komposition mit &n6 erscheint wieder unmöglich. Ich kann 
sprachlich nur auf drcoxaXetv kommen, latein. apoculare wie nomen- 
culator (so auch 47, von calare) und muß annehmen, daß das 
Wort in dieser Sphäre zu der Bedeutung gekommen, in der Be- 
deutung festgeworden ist: ursprünglich dominus apoculat servum 
u. dgl. dann, weil das > Rufen« in solchem Fall = »Abrufen« = 
»von der Stelle bringen« ist, ein Tropus der Sklavensprache ego 
me apoculo = ich mache mich weg. Mir scheint das darum glaub- 
lich, weil auch bei uns gewisse Metaphern mit »rufen« eingebür- 
gert sind, die wohl auf eine gemeinsame Grundanschauung zurück- 



Anmerkungen zu 62. 317 

gehn, z. B. »er ist von Gott abgerufen worden« = »aus dem Leben 
geschieden.« Bücheier. 

yenimus intra monimenta« Einl. S. 25. 

homo mens wie unten miles meus. Phädr. V 7,32 homo meus. 
Theoer. XIV 30 töv djxöv Auxov. Heraus. 

coepit ad stelas faeere se. coepit: zu 27 errare coepimus. 
Stellas est orfjXXac cujus scripturae testes sunt Graecae inscriptiones 
sexcentae et libri Lactantii Diy. inst.I 11 ubi Ennium (p. 171 
Vahleni) descripsit.' Bücheier I. 

coepit ad stelas faeere se, eo ego cantabnndns. Überliefert 
ist coepit ad Stellas faeere, sed ego cantabundus. Das von He- 
raus vorgeschlagene sedeo ego paßt nicht zu dem folgenden re- 
spexi und stabam, auch ist es natürlicher, daß er die Stellen im 
Gehen zählt; dies führt auf eo 'schlendre 1 wie Horat. S I 9,1 ibam 
forte via sacra. Heinsius: sed ego eo; doch statt sed müßte es at 
oder tum heißen. 

faeere nicht wie Bücheier 4 Index erklärt: mejere. Faeere se 
(fieri) 'sich an einen Ort begeben'; in sedeo steckt wol das se. 
Donat. ad Ter. Phorm. IV 3,30: huc te fac dicitur pro huc accede. 
Apulej. Met. V 2 accessit et — intra limen sese facit. Tertull. 
Pall. 3: ad illum ex Libya Hammon (se?) facit. Apulej. Met. X 32 
ante judicis conspectum facta. Hilar. p. 152,32 ed. Zingerle: et ab 
his longe factus habitat in deserto. Augustin. Opp. VI 598,1 ed. 
Zycha: longe ab illo facti estis. Müller. 

exuit se et omnia vestimenta seeundum viam posnit — cir- 
cumminxit yestimenta sna et subito lnpns factus est — illa 
autem lapidea facta sunt. Über Werwölfe vgl. Grimm DM 915 ff. 
Keller Tiere des kiass. Altert. 165 ff. und besonders Pischel Zu 
Petron. Sat. 62 (Abhandl. f. M. Hertz 1888 S. 70), welcher Abhand- 
lung ich das Folgende entnehme: Werwölfe ziehen sich vor der 
Verwandlung nackt aus, daher muß er ganz besondres Gewicht 
auf die Verwahrung seiner Kleider legen (vgl. Aesop. nr. 196 Halm 
%X£irrr)c %al 7tow&oxe6«). Hier liegt die Anschauung zu Grunde, daß 
die Rückverwandlung vom Wiederfinden der Kleider abhängig ist 
(Hertz der Werwolf 1862 S. 91 ff.). Darum bannt der Werwolf sie 
durch Umharnen fest (zu 57 si circumminxero illum). Die Er- 
zählung des Niceros trägt also einen sehr altertümlichen Charakter. 

mihi anima in naso esse. Mißverstanden von Otto Archiv 
VI 320 = Spr. nasu8 2. Morientis animam per os vel nasum 
effugere volgo credebatur. Crusius Rhein. Mus. XLVI 319. 

stabam tanquam mortuus. Verwandte Redensarten bei Otto 
Archiv V 380*) = Spr. mortuus 1. Vgl. unten ut larva intravi. 

paene animam ebullivi. Zu 42 animam ebulliit. 



318 Anmerkungen zu 62. 63. 

per bifurcum. Forcellini: per femora et crura — seu potius 
per inferiorem maxillarnm partem ad gulam (so Georges). Bücheier: 
über den Hucken, das Kreuz. 

oculi mortui. 68 vix oculo mortuo unquam. 

mirari coepit. Zu 27 errare coepimus. 

nobis adiutasses. Ludwig 34 Guericke 53. 

tanquam lanius. Zu 39 sie orbis vertitur tanquam mola. 

nee tarnen derisit. Zu 68 aut non deridebis. 

Gai nostri: des G. Pomp ejus, dessen Freigelassene alle An- 
wesenden sind. 

tanquam copo compilatus. Entweder wie ein bestohlener 
Gastwirt (Otto Spr. caupo) oder wie ein durchgebläuter (Georges) 
Apulej. Met. VII 18 totum me compilabat [caedit] (vgl. Boßbach 
Rhein. Mus. XL VI 315) fusti grandissimo. IX 2 nee dubio me lan- 
ceis Ulis vel venabulis — membratim compilassent. Vielleicht 
eine bekannte Mimen- oder Atellanenfigur. 

bovis. Varro Sat. Men. fr. 3 mugit bovis. Ludwig 21 Guericke 
43 Bücheler-Windekilde S. 5,2. Heraus S. 43. 

yersipellem in der seltnen Bedeutung: Werwolf. Heraus 
S. 15. 

yiderint alii. Zu 61 viderint. 

exopinissent nur hier. Ludwig 31 sq. Guericke 35 und 49 
Funck Verzeichnis der Verba auf isso und izo Archiv III 420. 

genios vestros iratos habeam* Zu 37 ignoscet mihi ge- 
nius tuus. 

63 salvo, inquit, tno sermone, Trimalchio, si qua fides 
est , ut mihi pili inhorruerunt, quia scio Niceronem nihil nu- 
garum narrare. Wenn Trimalchio die Beteuerung, daß sich ihm 
die Haare gesträubt haben, damit einleitet, daß er nichts gegen 
die Erzählung des Niceros sagen wolle, so heißt das nicht, daß 
er keinen Zweifel an ihrer Wahrheit hege, denn dies sagt er nach- 
her zur Rechtfertigung des empfundenen Grausens, sondern daß 
er sie damit nicht etwa als für eine Tischunterhaltung ungeeignet 
erklären wolle. 

Trimalchio kann nur sagen, man möge ihm glauben (vgl. c. 265 
si qua est dicenti fides), daß sich ihm die Haare gesträubt haben, 
nicht wie sehr. Entweder ist also ut zu streichen, oder mit 
Heraus eine Vermischung zweier Ausdrucksformen (wie c. 58 ita 
lucrum faciam, nisi statt ut) anzunehmen: si qua fides est, mihi 
pili inhorruerunt und ita mihi fides sit, ut mihi pili inhorruerunt. 

Über die nicht seltne Stellung von inquit (z. B. Caes. B. G. V 30,1 



Anmerkungen zu 63. 319 

vincite, inquit, si ita vultis, Sabinus) Vahlen Hermes XXX 26 Pet- 
schenig Archiv V 676f. Heraus. 

Niceronem. Zu 46 Phileronem. 

linguosus. Zu 43. 

asinus in tegulls. Die Erklärer erinnern an Prodigien wie H. 
A. Pertinax 1 equus pullus — in tegulas ascendit Liv. XXXVI 37 
boves duos domitos in Carinis per scalas pervenisse in tegulas 
aedificii proditum memoriae est und an Valer. Max. IX 1,1 Ora- 
tam ostrea si inde (a lacu Lucrino) petere non licuisset, in tegulis 
reperturum. Der Sinn der Phrase, die eine sprichwörtliche ge- 
wesen sein muß, wäre dann: es geschieht manches wider die 
Ordnung der Natur. Bücheier bemerkt: >Ich fasse das Wort als 
eine konkrete Form des rot (xev £va> %efca>, tä Se xckiu dfoco (unten 
quod sursum est deorsum faciunt), der von den alexandrinischen 
und augustinischen Dichtern in andern Farben (dulcia amara prius 
fient etc.) ausgemalten Verkehrtheit und Naturwidrigkeit der Dinge. 
Wie weit damit andre sprichwörtliche Verbindungen »auf dem 
Dach« {im toO T&puc Aristoph. Lysistr. 389 ss.) zusammenhängen, 
wäre erst zu untersuchen. Eine Parallele zu den römischen Pro- 
digien bietet die Richmodissage in Cöln (Bädeker Rheinlande & 
380, wo die Sage von 1359 erzählt ist) : (die tote Gattin) »kehrte 
in das Haus ihres Gatten zurück. Diesem war die Begebenheit so 
rätselhaft, daß er ausrief, er wolle eher glauben, daß seine 
Pferde auf den Söller stiegen und zum Fenster hinausschauten. 
Alsbald hörte man auf der Treppe Fußtritte und erblickte oben 
Pferdeköpfe.« 

Einen ganz andern Sinn haben die Worte, wenn man darin 
mit Otto Spr. asinus 7 eine Anspielung auf eine Fabel wie Babrius 
125 erkennt: &voc ti« dvaßotc elg tö Säpa xal icalCaw Töv %£pafiov IftXa 
%ai Tic a&TÖv dv&p<67ta>v 'Efti&paficbv xazt^e t<j> £6Xq> 7ta(a>v; worauf 
der Esel sagt, der Affe habe vor ihm dasselbe getan und dabei 
Beifall gefunden. Dann will Trimalchio sagen: »So gut wie Nice- 
ros kann ich allerdings nicht erzählen; im Vergleich mit ihm bin 
ich der Esel auf dem Dache.« Bei beiden Erklärungen läßt die 
Abgerissenheit der Phrase eine Kürzung durch den Epitomator 
vermuten. 

capillatus. Zu 27 inter pueros capillatos. 

Titam Chiam gessL Wol sprichwörtlich für vitam mollem ac 
delicatam. Thucydid. VIII 45 ofc Xioi dvatoxuvroi Diogen. 3,87 y&w« 
Xioc Otto Archiv III 373*). [Athen. 23 E: tä« StxeXixÄ« *al 2u- 
ßaprnxA« xal 'kaXiTtA« xpaic^C««, ffir\ &£ xal Xla;* papTopouvtat fty 
Xioi o6x SXatrov In 6<|/apTUTixijj etc. Heraus.] 



320 Anmerkungen zu 63. 

ipsimi nostri unseres Herrn. 69 solebam ipsumam meam de- 
battuere 75 tarnen ad delicias ipsimi [domini] annos quatuordecim 
fui — ego tarnen et ipsimae [dominae] satisfaciebam 76 cepi ipsi- 
mi cerebellum. Die nach Art der Superlative (a&TÖTatoc) gebildete 
vulgäre Form ist entstanden aus der Gewohnheit der Sklaven, den 
Herrn und die Herrin ipse, ipsa zu nennen (z. B. 29 barbam ipsius) ; 
vgl. Riese zu Catull. 3,7. Die Form ipsimus als eine vulgärlatei- 
nische setzen die romanischen Wörter (altfrz. medesme ital. me- 
desimo — aus met + ipsimus vgl. Forcellini s. met) voraus. Grö- 
ber Archiv III 269 f. Für die Superlativbildung ipsimus vergleicht 
Heraus S. 16 CGI V 179,17 clarimum: clarissimum, purime bei Panl. 
Fest. p. 252 und bruma aus brevima. CGI : impurimum dxctöapTov. 

delicatus. Marquardt Prl I 145,1; 158. 

mehercules. Zu 33 m. 

margaritum. Diese Form auch 55 in dem angeblichen Frag- 
ment des Syrus oben p. 146,15. Neue Formenl. I 2 549. 

caecitus« Wol sicher entstellt, nach Rönsch (Neue Jahrbb. 
CXXV 1882 S. 424—426 — Coli, philol. 1891 p. 256) aus zacritus 
= &ie£xptTo; (egregius; vgl. 37,6 saplutus = zaplutus). Reinesius 
hatte eccritus vermutet. 

omuium numerum. Ebenso 68. Numerum omnium auf einer 
Bronzeplatte im Bonner Museum (Bonner Jahrbb. XC 29,3 CIL 
XIII 1027,225); vgl. Bücheier Zu Kamp Epigraph. Anticaglien in 
Co In S. 15 Nr. 186. Hirschfeld. Sonst omnibus numeris absolutus 
u. dgl. (Georges s. numerus II 1). 

misella. Nicht zu ändern, trotz der zu 65 servo suo misello 
angeführten Stellen. 

plnres in tristimonio essemus. Plures = complures, nicht 
wie Bücheier I erklärt: plures sie ut multi esse in aliqua re di- 
euntur homines (wofür plussciae = multisciae nichts beweist), nisi 
forte dies intereidit. Vgl. Rönsch Semas. Beitr. II 39. 

tristimonio« Vgl. 61 gaudimonio. 

strigae. Die Hexen (mulieres plussciae) oder Nachtunholdinnenn 
(Nocturnae 63 f. und 64) des Volksglaubens , die quod sursum est 
deorsum faciunt, striges, vulgär strigae, Heraus S. 41 f. (ital. streghe). 
Man glaubte auch, daß sie den Kindern das Blut aussaugen; als 
Schutzmittel dagegen knüpfte man Knoblauch in die Windeln und 
legte Weißdornruten in die Fenster. SG I 454,1 u. 2. Preller RM 
113 239,3 Grimm DM* 882ff. [Ob die Ergänzung Stridore (wovon 
Ovid. Fast. VI 139 strix ableitet) durchaus nötig ist? Heraus.] 

Cappadocem, longum. Die Kappadozier waren gewöhnlich 
große, starke Leute, daher gern zu Sänftenträgern gewählt. Mar- 
tial. VI 77,4. Marquardt Prl I 149,4. 



Anmerkungen zu 63. 321 

mulierem tanquam hoc loeo — salvum sit quod tango — 
mediam tralecit. Wuttke Der deutsche Volksglaube (1869) § 453 
S. 289: »Sieht man an Jemandem einen äußerlichen Schaden, ein 
Geschwür usw. oder besehreibt rncm dies, so darf man weder sich 
noch andre an der betreffenden Stelle berühren, sonst bekommt 
man dasselbe Leiden < (Thttr. Bö.). BKöhler. 

plane non mentiar. Zu 41 plane etiam hoc. 

baro. Zu 53 b. 

illum tetlgerat mala manus: der der Volksglaube vermut- 
lich alle plötzlich entstandenen Krankheiten und Schäden, auch 
unerklärlich scheinende Todesfälle zuschrieb (vgl. unser >Hexen- 
schußc). Die in der Grabschrift eines vierjährigen Kindes zu 
Verona Orelli 2486 vorkommende Hexenhand (eripuit me saga manus 
erudelis ubique,-Cum manet in terris et nocet arte sua) ist etwas 
Ähnliches, wo nicht dasselbe. 

amplexaret für amplexaretur. Guericke 49. Heraus S. 39. 

manuciolum. Eine Weiterbildung von manuculus. Heraus 
S. 45. Nach Ignarra De palaestra Neapol. bei Cesareo p. 13 ist 
manucolo für Bündel im Neapolitanischen gebräuchlich. 

Involaverat. Zu 43 involavit. 

vavatonem. Das als vulgärlateinisch anzunehmende, weil 
spezifisch und allgemein romanische bava Schleim, Geifer (Diez 
EtW I bava) scheint ursprünglich ein Naturlaut zu sein, der das 
von Lallen begleitete Geifern der Säuglinge bezeichnet (Gröber 
Archiv I 246), und davon ist vavato (bavato) wol abzuleiten. Ce- 
sareo p. 44: vavato, a vava, voce infantium adhuc viva in Sicilia 
Gampaniaque; vgl. Fisch Substantiva personalia auf ö Archiv V 87 
= Latein. Nomina auf o (1890) S. 88 f. Dann sollte das Wort aber 
nach der Analogie von edo, bibo etc. vav— o lauten; die Bildung 
vavato wäre jedenfalls anomal, und man möchte glauben, daß 
mit Heinsius zu lesen sei vavatorem, wenn nicht dies allerdings 
normal gebildete Wort, wie Gröber sehr richtig bemerkt, für 
diese Stelle etwas zu ernst klänge. Bückeier glaubt, daß vavato 
eine Reduplikationsbildung ist, wie das durch susurrus susurrare 
verständlichere susurro, und daß t zum Stamme gehört, wie in 
Oato. »Die Erklärung des Varro von Vaticanus und die Gleichung 
von Vagitanus und Vaticanus bei Gell. XVI 17, wie verkehrt oder 
haltlos sie im Übrigen auch sein möge, berechtigt uns, dem 
Stamme vat eine dem vagitus verwandte Bedeutung zu vindi- 
zieren.« 

rogo tos wie rogo, rogo te öfter im Anfang von Sätzen; 7. 75. 
77. 86. 

Petronii Cena TrimalcMonis. 2. Aufl. 21 



322 Anmerkungen zu 68. 64. 

plussciae nur hier. 

quod Surgam est deorsum faciunt. Seneca Epp. 44,4 sursum 
deorsum fortuna servavit. Donat. ad Terent. Eun. 1069 proverbiale 
est — sursum deorsum. Menand. fr. 614 Rock t6 XeYÖfxevov toüt' &ot\ 
müv dsm %dxm, cpaolv, tä xcCtod VdEvco. Otto Spr. sursum. Vgl. 68 
nee sursum nee deorsum non cresco. 

ceterum baro Üle — nunquam colorls sui fuit. Nicht wört- 
lich von der gesunden Gesichtsfarbe zu verstehn, ebensowenig wie 
Frgm. 47 Bücheier I p. 224 argumentum coloris ingenui, wo 
LMttller falsch doloris ing. konji ziert hat. Bei Seneca Epp. 62,3/4 
wechselt seeundae sortis — prima nota — genus aliud — tertius co- 
lor: alles dasselbe. Cic. Scaur. 9,19 unus color, una vox, una natio 
omnium testium. Cyprian. Heptat. Jesu Nave 298 Peiper 'utque 
fidis certae yaleant servare colorem'. Ich würde übersetzen: ( er 
kam nie wieder in seinen alten Schick.' Müller. 

nt suis se teneant. Wie Zielinski Philol. LX 6 mit Hinwei- 
sung auf Horat. S. II 3,324 teneas, Damasippe, tuis te bemerkt, 
ist das von den Herausgebern hinter suis gesetzte sedibus zu 
streichen. 

64 et sane iam. In der vor diesen Worten ausgefallenen 
Stelle (wenn nicht schon früher) war das Anzünden der Lampen 
erwähnt; daß es bereits Nacht ist, wird 67 f. gesagt: interdiu se- 
vera, nunc hilaria. Daß der Erzähler seiner Sinne nicht mehr 
ganz mächtig ist, zeigt , daß die comissatio hier früher begonnen 
hat als gewöhnlich, nämlich vor dem erst 68 aufgetragenen Nach- 
tisch (vor dem ja auch das Larenopfer erfolgt ist: 60). Denn 
während der Mahlzeit trank man mäßig (Marquardt Prl I 331). 
Dazu stimmt, daß Habinnas bereits von einer comissatio kommt 
(66 comissator — ebrius — oneratusque aliquot coronis et un- 
guento per frontem in oculos fluente). Daß die Mahlzeit vor dem 
Beginn des Nachtisches als beendet angesehen wird, zeigt sich auch 
67, wo Fortunata das Silbergeschirr verwahrt und die Beste der 
Speisen unter die Sklaven verteilt. 

lucernae — plnres. S. die Erkl. zu Juvenal. 6,306. Heraus. 

tibi dico: Redensart um jemand anzurufen, daß er aufmerke. 
Heraus S. 33. 

delectaris« Zu 46 delectaretur. 

solebas guavius esse wie 61. 

deverbia gesprochne dramatische Szenen, im Gegensatz zu 
den unter Musikbegleitung vorgetragenen. Über die Form deverbia 
statt diverbia vgl. Frdl. bei Marquardt StV III 644,2. 



Anmerkungen zu 64. 323 

melica: lyrische Dichtungen, die stets für musikalischen Vor- 
trag bestimmt waren. SG III 336. 

canturire« Die verba desiderativa (nicht von urus, sondern 
von Stämmen auf tur, so canturio von cantor, ursprünglich can- 
tur), in der Literatur nicht sehr zahlreich, dagegen in der Ko- 
mödie, Satire, Briefliteratur, bei Petron, Martial, Apulejus (also 
in der höhern Sprache wol vermieden), sanken im Spätlatein auf 
das Niveau der Stammverba. Aber auch hier ist canturire nichts 
anderes als cantare; ebenso bei Paul. Festi 68,16 Dagnades sunt 
avium genus — quae vellicando morsicandoque et canturiendo as- 
sidue non patiuntur dormire potantes. Wölfflin Die Verba desi- 
derativa. Archiv I 408 ff. Heraus S. 16. 

tisicus für phthisicus, nicht auffallender als tisana für pti- 
sana (zu Martial XII 72,5). Vgl. Fleckeisen N. Jahrbb. XGIII 
1866 S. 3 u. 244. 'Bemerkenswert ist die bei Marcellus Empiri- 
cus c. 16 in der französischen Handschrift ständige Schreibung 
tphisici, so zu erklären, daß ursprünglich nur tisici stand, ein 
gelehrter Korrektor dann ph über t schrieb.' Bückeier. [Vgl. 
WSchulze Orthographica (Marburg 1904 p. 52. Heraus.] 

quid saltare? Über den sehr verbreiteten Dilettantismus in 
der Tanzkunst SG II 465 f. 

quid tonstrinum? Die Darstellung des Barbiergeschäfts 1 ). Das 
Kopieren der Gebärden, der Bedeweise und des ganzen Auftretens 
von Personen bestimmter Berufsarten war ebenso wie das Nach- 
ahmen von Tierstimmen im griechischen wie im römischen Alter- 
tum ein beliebtes Mittel der Unterhaltung; aus dem erstem haben 
sich die Mimen entwickelt, wie Wölfflin Proll. ad Publil. Syr. 
p. 6 bemerkt, die ursprünglich nicht auf der Bühne und von nur 
einem Actor aufgeführt wurden: Sic Eudicos pugiles et athletas 
imitari solebat Athen. I 19 F — sie Parmenon suem grunnientem 
Plutarch. Qu. conv. p. 674 B Paroemiogr. App. II 87 Phaedr. Fab. 
V 5, sie etiam Marcus quidam quadrupedum et avium voces teste 
Ausonio epigr. 76 = 72 Schenkl. 

Zu dieser Klasse von Darstellern gehört der lusor argutus 
mutus des Tiberius, qui primus invenit causidicos imitari CIL VI 
4886 SG I 330,5. So kopiert 64 Trimalchio tubicines, 68 ein puer 
Alexandrinus luscinias; der Sklave des Habinnas parem non ha- 
bet, sive muliones volet sive circulatores imitari; derselbe modo 
harundinibus quassis choraulas imitatus est, modo lacernatus cum 
flagello mulionum fata egit. Ganz besonders mögen die tonsores 



i) Büchtier* Index: tonstrinum xoupetov pro arte mlmi et cantoris 46 
et 64(?). 

21* 



324 Anmerkungen zu 64. 

durch ihre Geschwätzigkeit (Plutarch. Garrul. 13) und ihre Manie- 
ren bei dem Betriebe ihres Geschäfts (Martial, VII 83 Eutrapelus 
tonsor dum circuit ora Luperci Expingitque genas, altera barba 
subit; vgl. VIII 521) zur Nachahmung aufgefordert haben, und ihre 
Darstellung beliebt gewesen sein. Das höchste Ziel und der 
größte Triumph der Virtuosen auf diesem Gebiet ist aber immer 
gewesen, mehrere Personen mit verschiedenen Stimmen zugleich 
darzustellen. Das tonstrinum des Plocamus kann sowohl eine 
Darstellung des einzelnen, einen Kunden bedienenden Barbiers 
(tonstrinum opus, negotium vgl. 46 tonstreinum), als einer ganzen 
Barbierstube gewesen sein; denn auch die Kunden boten der Kopie 
dankbare Objekte. Seneca Brev. vit. 12,3 Quid? Mos otiosos vo- 
cas, quibus apud tonsorem multae horae transmittuntur, dum de- 
cerpitur si quid proxima nocte succrevit, dum de singulis capillis 
in consilium itur, dum aut disjecta coma restituitur aut deficiens 
hinc atque illinc in frontem compellitur? quomodo irascuntur, si 
tonsor paulo neglegentior fuit, tanquam virum tonderet? quomodo 
excandescunt, si quid ex juba sua decisum est, si quid extra or- 
dinem jacuit, nisi omnia in anulos suos reciderunt? quis est isto- 
rum qui non malit rempublicam turbari quam comam? qui non 
sollicitior sit de capitis sui decore quam de saiute? qui non 
comptior esse malit quam honestior? hos tu otiosos vocas inter 
pectinem speculumque occupatos? 

Über die doppelte Bedeutung von tonstrinum 'Barbierhand- 
werk' (so z.B. in der lex metalli Vipascensis) und 'Barbierstube' (CGI 
11354,24 xoupiov tonstrina tonstrinum tonsorium) vgl. Funck Philol. LUI 
128 und Heraus S. 8. Ebenso bedeutet sutrinum sowohl Schuster- 
handwerk als Schusterwerkstätte, textrinum Weberei und Web- 
stube. Vgl. die doppelte Bedeutung von Bäckerei, Tischlerei u. dgl. 

quem parem habui, 68 parem non habuit sive muliones vo- 
let sive circuiatores imitari. 

nisi unum Apelletem. Der namentlich auch durch die Schön- 
heit seiner Stimme berühmte, bei Caligula eine Zeit lang einfluß- 
reiche Tragöde Apelles aus Ascalon. SG I 119, 6 und 7. Einl. 
S. 12. Über die Form Apelletem Guericke 45. Heraus S. 44. 

oppositaque ad os mann. Ovid. Med. II 276 opposuitque 
manum fronti Fast. IV 178. Sueton. Octavian. 78 conquiescebat 
opposita ad oculos manu. Funck Philol. LUI 130. 

Graecum. Wahrscheinlich waren die Texte der von Apelles 
gesungenen cantica griechisch. Zu 52 madeia perimadeia. 

cum tubicines esset imitatns« Oben zu quid tonstrinum? 

ad delicias suas. Zu 28 deliciae ejus. 



Anmerkungen zu 64» 325 

eatellam — indeeenter pinguem« Zu 58 indecenter. 
quo admonitus offlcü Trimalchio. 'officii: ut rideatur con- 
sueta homini dfpoixia. Bticheler I. Wol abgekürzt. 

Scylacem iussit adduci, 'praesidium domus familiaeque'. 

'jubentis haec Trimalchionis verba puta'. Bücheier I. Theophrast. 
Charact. 4 rcepl dfypotxlac p. 126, 11 Petersen: xai t6n x6va rcpocxa- 
Xeaafxevo; %ai dirtXaß6(xevoc tou jäu-y^ouc etiretv • outoc ^uXcfrrTei tö ^a>p(ov 
xai ty]v olxtav. Das Lob des Haushundes ist also ein formelhaftes. 
Segebade p. 28,18 (der auch bemerkt, daß quo sonst in den Re- 
den der Freigelassenen nicht vorkommt). 

admonitusque ostiarii calce, ut cubaret* Man sagte also zum 
Hunde cuba, wie frz. couche. Heraus S. 33. 

Margaritamque : das Hündchen des Crösus, ein Name wie 
Bijou u. dgl. [Als Hundename auch Carm. epigr. II 75. Heraus.] 
Bücheier erinnert an die von Martial. I 109,4 carior Indicis lapillis 
genannte catella Issa. 

crystallina« Gefäße aus Bergkristall (Marquardt Prl II 765) 
oder Kristallglas, wie die alexandrinischen crystalla (Martial. 
XH 74,1). 

bucca, bucca quot sunt hie 2 Aus einem Einderspiel, wo 
einem der Mitspieler, dessen Augen verbunden waren, auf die 
Backen geklopft wurde, und er erraten mußte, mit wie viel Fingern 
es geschehen sei (so Scheffer) oder von wie viel Mitspielern. Daß 
der Knabe die gewohnte Form der Frage beibehält, obwohl er auf 
die Schultern klopft, wäre auch bei der zweiten Erklärung 
denkbar. 

In der von Scheffer angenommenen Form besteht das Spiel noch 
heut. Pitre Giuochi fanciulleschi Siciliani (1883) p. XLIV: ügiuoco 
A eäneara e betta o ad emea ed emeona, in cui uno fa da mastro, 
che tura gli occhi ad un compagno che fa da cavallo, ed un terato 
salta addosso a costui, che deve indovinare quante dita mostri 
il cavaliere, e se non s'appone, rimane sotto, ist das bei der Stelle 
Petrons, die Pitre anführt, vorauszusetzende. Das Spiel kommt auch 
in verschiedenen Gegenden Italiens, in Bearn, Andalusien, Portu- 
gal, England (Bück bück, how many in hand Do I hold up?) und 
Schweden vor. 

repressus ergo aliquamdiu. Die Kürzung zeigt auch das 
ergo. Zu 31 tandem ergo diseubuimus. 

camellam auch 135 u. 137. Vgl. Heraus S. 16. 

servis qui ad pedes sedebant. Die Sklaven der Gäste, die 
hinter ihren Herrn (a pedibus) entweder standen (so Giton 58) oder 
wie hier und 68 (servus qui ad pedes Habinnae sedeb*« «Aßen 
(Mau bei Marquardt Prl I 148,5) und zwar in subselli 



326 Anmerkungen zu 64. 66. 

hilaria. Zu 39 hilaresque convivae. 

66 hane humanitatem inseeutae sunt matteae. inseeutae: 

an 34 insecatus est. 

matteae sind Delikatessen, die, wie es scheint, erst gereicht 
wurden, wenn nach Beendigung der cena (60) eine längere Pause 
eingetreten war, und die Eßlust von neuem erwacht sein konnte. 
Auch Martial. X 69,3 setzt sie der cena entgegen: dives et ex 
omni posita est instructa macello Cena tibi, sed te mattea sola 
juvat. Bei Trimalchio scheinen auch Austern, Muscheln und 
Schnecken dazu zu gehören (70) und die ganze zweite Mahlzeit 
nach dem Bade (73 f) aus matteae zu bestehn: 74 sumptis igitur 
matteis. Es waren natürlich leichte Speisen, weshalb sie Martial 
a. a. 0. mit kurzen Epigrammen vergleicht Besonders gehörten 
dazu Hasen und Krammetsvögel : Martial. XIII 92 Inter aves turdus, 
siquid me judice certum est, Inter quadrupedes mattea prima lepus. 
Daß nun statt der üblichen Krammetsvögel (pro turdis) hier Mast- 
hühner gegeben werden, womit der Assimilationsfähigkeit der Gäste 
nach einer so langen und reichlichen Mahlzeit viel zu viel zuge- 
mutet wird, ärgert den Erzähler noch in der Erinnerung. Vgl. über 
mattea Heraus S. 16 u. 49. 

si qua est dicenti fldes wie 63 si qua fides est. 

ova anserina pilleata wie 66 f. Daß Trimalchio die Dotter 
von Gänseeiern für Masthühner ohne Knochen (im Gegensatz zu 
den wirklichen Masthühnern) erklärt, scheint ein Witz sein zu 
sollen. 

inter haec. Zu 60 inter haec. 

triclinii valvas lictor percussit. Habinnas läßt sich von 
dem Lictor, der ihn bei seinen Amtshandlungen als Sevir zusteht, 
begleiten und durch Schlagen an die Tür (mit den fasces Mar- 
quardt Prl I 236,3) anmeiden. Jedenfalls hatte jeder einzelne Se- 
vir nur einen Lictor (Marquardt StV I 176,10), aber das ganze 
Oollegium wol zwei (so wenigstens nach dem Stein des Brixianer 
Sevirs Valerius Asiaticus, abgebildet bei Schmidt). 

A. L. (Zu Petronius. Berliner philol. Wochenschr. 1900 S. 926 f.) 
findet in der Einführung des Habinnas eine Reminiszenz an die 
des Alcibiades in Piatos Symposion 212 D, und vermutet, daß die 
cena Tr. eine geistreiche Travestie des Symposion sei. 

amictusque veste alba: festlich gekleidet In der Kleinstadt 
genügen auch als Schmuck an Festtagen tunioae summis aedilibus 
albae. Juvenal. 3,179. 

comissator. Zu 60 coronae cum alabastris unguenti. 



Anmerkungen zu 65. 327 

praetorem. Hier nicht offizielle Titulatur, sondern allgemein 
für einen hohen Beamten. Einl. S. 8. 

nudos pedes in terram deferre wie 72 nudisque consurrexit 
pedibus. Zu Martial XII 60,12. 

Habinnas. Nicht im CIL. Collignon p. 387 führt an: Abina 
Y 2,6302 Abinneus X 2,8059, 185 Abinaeus XIV 1443 [Bücheier 
Umbrica p. 72 leitet Habinnas von umbrisch habina Schaf ab, 
Schulze Gesch. d. röm. Eigennamen 567 hält es für etruskisch, wie 
Aulinna Lancinna. Heraus.] 

lapidarius qni yidetur monumenta optime facere. Vgl. 71 
Geschäfte für Grabdenkmäler SG I 301, 8 u. 9. Über lapidarius 
Heraus S. 16. 

reposui cubitum. Zu 27 cubitum ponetis. 

ebrius — oneratugque aliquot coronis et unguento per 
frontem in oculos fluente. Zu 60 coronae cum alabastris un- 
guenti. 

praetorio loco se posult. Der sonst locus consularis ge- 
nannte Platz (imus auf dem lectus medius Marquardt Prl I 305,1) 
heißt hier als Platz des höchsten städtischen Beamten praetorius. 
Habinnas nimmt ihn als der Vornehmste unter den Anwesenden 
ein; er ist der einzige noch fungierende Sevir, Trimalchio und 
Hermeros sind bereits in den Privatstand zurückgetreten (Mar- 
quardt StV I 202,4). — Scintilla und Fortunata nehmen wol auf 
dem lectus imus Platz. 

Tinum et ealdam poposcit. Man mischte bei der comissatio 
den Wein in der Regel mit warmem Wasser. 68 puer — qui eal- 
dam ministrabat. Marquardt Prl I 332,8. 

hac — hilaritate. Zu 39 hilaresque convivae. 

mehercules. Zu 33 m. 

bene fuit, wie nachher suaviter fuit und 46 belle erit. Zu 
42 aeque est. 

Scissa. Wenn ein Frauenname (?), so läge Cissa am nächsten, 
das z. B. CIL XIII 6018 u. C. J. Bhenan. Brambach 1876 vorkommt. 
Heraus. 

lautum. Zu 27 cum has ergo miraremur lautitias. 

noyemdiale. Sonst die neuntägige Trauerzeit für einen Toten 
und das am Ende derselben seinen Manen gebrachte Opfer (Por- 
phyr, ad Horat. Epod. 17,48 novemdiale dicitur sacrificium, quod 
mortuo fit nona die qua [1. quam] sepultus est), hier die cena no- 
vemdialis. Marquardt Prl I 379—380. 

seryo suo misello. Tertullian. De testimon. animae 4 cum 
alieujus defuneti recordaris, misellum vocas eum. Vgl. Intpp. ad 



328 Anmerkungen zu 65. 66. 

Catull. 3,16 io miselle pasBer. Apulej. Met VIII 1 iam fuit Cha- 
rite. nobisque(?) misella — manes adivit. Häufig auch in poetischen 
Grabschriften, besonders in Afrika. Heraus S. 33. 

quem mortuum manumiserat. Ein nachlässiger Ausdruck für 
moribundum. [Eine ähnliche Nachlässigkeit Liv. Epit 70 Ptole- 
maeus . . . mortuus heredem populum Bomanum reliquit. Heraus.] 
Dergleichen sterbenden Sklaven zum Tröste bewilligte Freilassungen 
(so bei Martial. I 101 die seines 19 jährig gestorbenen Schreibers 
Demetrius) mögen nicht selten gewesen sein. 

«um vicensimariis magnam mantissam habet. Die vicensi- 
marii sind die Pächter der fünfprozentigen Freilassungssteuer (zu 
58 quando vicesimam numerasti?), socii vicesimae libertatis Mar- 
quardt StV H 281,8 Hirschfeld Verwaltungs-G. 2 107,1. [Carm. epigr. 
543,3 prima fuit litis (nominatio) vicesima rite soluta. Heraus.] 
Der Preis von 50000 Sesterzen, zu dem sie den Verstorbenen 
(wenn auch zu hoch) taxieren, läßt annehmen, daß es ein Lieblings- 
sklave war (Marquardt Prl I 174,20 ff.; vgl. 68 illum emi trecentis 
denariis). Mantis(s)a nach Plaßberg Rhein. Mus. LIV 639 f. eigent- 
lich Brühe, Sauce (Lucil. mantisa obsonia vincit) hier im Sinne 
von Schererei. 

ossucula. Guericke 8. Apic. U 52 ossucla. Heraus S. 46. 

quid habuistis in cena? Apul. apol. 58 si quas avis in cena 
habuistis; auf einer Spieltafel (Marquardt Prl S. 860) abemus in 
cena pullum piscem. etc. Heraus. 

si potuero. Über das 2. Futurum CFWMüller zu Cic. Att. 
p. CVI. Heraus. 

66 sayiunculum, wol so viel als savillum Cato B. r. 84 (aus 
Käse Mehl Honig Ei und Mohn). 

gizeria. Non. p. 119,16 LMüller gigeria intestina gallinarum 
conhis et ita (1. concisa et ita Heraus) 1 ) cocta. Luciiius lib. V1JU 
gigeria insunt (codd. gizerini sunt) sive adeo hepatia. LMüller 
(Lucil. VIH 8) hält wol mit Unrecht (vgl. Lachmann 259 Marx 309) 
gigeria für die ursprüngliche, gizeria für die spätere und deshalb 
in den Handschriften häufigere und in die romanischen Sprachen 
übergegangene Form: frz. gßsier, altfrz. jisier, juisier. Ducange 
s. gizeria Diez EtW II c gäsier Gröber Archiv II 438. Auf gizeria 
weisen die Handschriften auch bei Apic. IV 141. 181. V 200; vgl. 
die Anm. von Schuch zur ersten Stelle. Bei Paul. Festi p. 95,7 
gizeia] ex multis obsoniis decerpta hat die beste Handschrift (Mon.) 
gigeria, zwei andre (Guelf. und Lugdun. 116) gizeria. 



*) Bei LMüller: cum isiciis cocta. 



Anmerkungen zu 66. 329 

panem autopyrum. Plin. N. h. XXII 138 sagt, daß das Speise- 
brot innumeras medicinas enthalte, und fahrt nach Angabe seiner 
Verwendung gegen verschiedene Übel fort: ad omnia autem fer- 
mentatus qui vocatur autopyrus utilior. 

de suo gibi. Über diese der lateinischen Volkssprache eigne 
Verstärkung von suus (auch bei Cic. Verr. 3,82 Phil. 2,96 Att. VII 11,1) 
vgl. Reisig-Haase Anm. 387 (Ausg. v. Schmalz u. Landgraf III 142 f.) 
[und Landgraf Archiv VIII 43; IX 564; XI 137. Heraus.] 

et cum mea re facio. Zu 47 si quis vestrum voluerit sua re 
facere. 

scriblita frigida. Zu 35 scriblita — - placenta. 

excellente wie 45 munus excellente. 

Hispanmn. Spanischer Wein (aus Bätica, geringer aus Tar- 
raconensis, Marquardt Prl II 453) war ein Hauptgegenstand der 
Einfuhr in Ostia und Puteoli (SG II 140,4). 

de melle me usque tetigi. Usque ordentlich, gehörig. Thiel- 
mann Usque als selbständiges Adverb Archiv V 447 f. Plaut. Poen. 
692 replebo usque. 

Tangere mit der Bezeichnung einer Flüssigkeit im Ablativ 
oder de mit dem Ablativ (Ps. Plin. II 12 duabus manibus tangis 
de melle) kommt tingere nahe, eine durch contingere begünstigte 
Vertauschung. Heraus S. 38. 

ealvae sc. nuces Apic. VI 232 IX 437 sqq. Schuch zur ersten 
Stelle: nux pontica, tenui putamine, barba molli majorem partem 
protegente, summo capite ut nudo prominente ' Bartnuß \ Nach 
Hehn Kulturpfl. 5 321 hat man bei Gato R. r. 8,2 nuces calvas 
avellanas praenestinas et graecas bei den erstem die Wahl zwi- 
schen Wallnüssen und Kastanien (welche beide aus dem Pontus 
stammen), das. 319. Da itovrixöv auch in den Glossen stets als Er- 
klärung für Haselnüsse steht, wird man geneigt sein, Schuch recht 
zu geben. Heraus S. 17. 

in mappa. Zu 60 mappas implevimus. 

bene me admonet domina mea« c. 25 ita, ita, inquit Quartiila, 
bene admonuisti. Heraus S. 33. Über domina als ehrende Anrede 
der Ehefrau von Seiten des Mannes SG I 448 und 474,3. 

in prospectu habuimus ursinae frustum. Bücheier hält in 
prospectu für eine Bezeichnung des Hauptgerichts als des 'Ge- 
richts in Sicht 1 , weil es, etwa auf einem Nebentisch, zuerst von 
ferne präsentiert wurde, ehe es auf die Tafel kam. Eher bedeutet 
es wol ein gleichsam als Reserve (piece de resistance) auf einem 
Nebentisch aufgetragenes Gericht. Diese Erklärung findet viel- 
leicht eine Untersützung in einer Stelle des Seneca (Epp. 78,24), 
wo er denjenigen, die den Kranken bedauern, weil er sich nicht 



330 Anmerkungen zu 66. 

einer maßlosen Schlemmerei hingeben dürfe, entgegnet: Edet 
quantum concoquat. Non jacebit in conspedu aper nt viiis caro a 
mensa relegatus nee in repositorio ejus pectora avium (totas enim 
videre fastidium est) congesta ponentur. Bei Petron. 73 ist das 
vinum in conspectu defluens ebenfalls auf einem Seitentisch zu 
denken. 

nrsinae. Der nur hier erwähnte (Keller Tiere des klass. 
Altertums S. 121) Genuß von Bärenfleisch wird bei der massen- 
haften Verwendung der Bären bei Tierhetzen und deren Vorkom- 
men in Lucamen (SG II 640) nicht selten gewesen sein. CGI in 
316,59 unter allerhand Fleischarten auch apxia ursina; 364,31 und 
543,19 arcea ursine carne. "Apxoc ist die spätgriechische Form für 
dtpxTo;; in Glossen ungemein häufig, ebenso Ed. Diocl. VIII 33 
äpxeioc = ursinus/Heräus S. 17 A. 3. Beruht etwa die Angabe des 
Galen, ed. Kühn VI 666: & Aeuxav(a he rfj; 'ItaXlac tö ftexagtS tokk 
<Xpxxou xal aufo darauf, daß man fand, daß das Bärenfleisch, wie 
Habinnas sagt, ipsum aprum sapiebat? 

Scintilla. 'Der Name auch CIL VI 12411 = Maffei Mus. Ve- 
ron. 270,5 D. m. Arriae Scintillae. II 3597 Aemil. Scintilla marito 
dignissimo und vielleicht Xu 4815 Dom[it]ia[e] C. L Scinti[llae]\ 
Hübner. 

in summo: nicht (wie 41 summa cena) als Hauptgang, den 
ein solches Allerlei nicht bilden konnte, sondern zuletzt Quinti- 
lian. VII 1,10 Celsus — (putat) primo firmum aliquid esse ponen- 
dum, summo firmissimum, imbecilliora medio, quia et initio mo- 
vendus sit judex et summo impellendus. 

caseum möllern. Wol ein technischer Ausdruck. Heraus 
S. 17,5. 

eordae. Im CGI III unter lauter Schweinernem. Heraus S. 18. 

rapam. Rapa scheint für rapum später die übliche Form ge- 
wesen zu sein. Heraus S. 41. 

catiUum concaeatum. Ein vulgärer Ausdruck, etwa von einem 
Ragout, dessen feste Bestandteile von einer Sauce Übergossen 
waren; Seneca Epp. 95,28 sagt von einem solchen: non esset con- 
fusior vomentium eibus. Burmann vergleicht das griechische 
dvMXeoot« (Lobeck Phrynich. 366), einen Küchenausdruck wahr- 
scheinlich für Füllen, Farcieren (Suidas cbv&uXeupivoc 6 xoitptac igpaw). 
Athen. 6476: xaxtXXoc dpvaxoc 6 XefdfAevoc rcapcfc 'Pwpatoc Heraus 
S. 17. 

pax Palamedes. Päx = -*<& (Diphil. ap. Athen. II p. 67 D 
Herond. VII 114 Hesych. K6f£ 6fx[ota<| irdf- Lobeck Aglaopham. 
p. 775 ss.) ein Naturlaut, so viel als basta; der Gieichklang mit päx 
Friede ist rein zufällig. Plaut Trin. 891 Mil. 808 Stich. 772 Terent. 



Anmerkungen zu 66. 67. 331 

Haut. 291. 717. Apulej. Apol. 75 Auson. Technopaegn. CXXVII 
Schenk! 13,22. Mit Unrecht sagt Ritschi Opp. II 254 , daß die 
Stellen des Plautus und Terenz mit Ausnahme der ersten aut re- 
quirunt aut patiuntur eam notionem quae conjuncta est cum pacis 
cogitatione. [Daß a in tk££ kurz gesprochen wurde, bezeugt Hero- 
dian. I 491,8 Lentz, s. meine Bemerkung Archiv XIV 421 f.; in pax 
ist a lang. Heraus.] Zur Verbindung mit dem Namen Palamedes 
mag (wie bei > Donner und Doriac) die Alliteration beigetragen 
haben; was sie aber eigentlich herbeigeführt hat, ist nicht zu er- 
raten. *) Vielleicht kam der Name in Redensarten der Umgangs- 
sprache öfter vor. In der Inschrift Eph. ep. VII p. 371, 1229 (Ostia) 
D. m. Marco Aurelio Parthenopeo. non cot fata sed Palamedes 
(Bücheler Conjectanea Rhein. Mus. XLVI 1891 S. 329; mortem Par- 
thenopaei non fatis debitam fuisse, sed dolo puto humano, nempe 
Palamedis) ist die Bedeutung des Namens problematisch. 

oxyeomina. Ellis Journal of philology XI 239 Gloss. Ball, 
oximinum (1. oxicominum) acetum cumino mixtum; eine (da cumi- 
num ein Lehnwort ist) nicht einmal hybride Komposition (wie oxy- 
garum und oxypiper). Im CGI findet sich nur Verwandtes. Heraus 
S. 18. 

nam pernae missionem dedimus. Als Zwischenglied ist vor 
nam (zu 38 nam mulam quidem) zu ergänzen: daran hatten wir 
genug. Vgl. 41 aper — heri a convivis dimissus est. 

67 Gai. Zu 30 C. noster. 

argentum. Zu 37 argentum in ostiarii etc. 

nisi reliquias pueris diviserit. [Vgl. über diese Sitte Eieß- 
ling zu Horat. S. II 6,66. Heraus.] Auch hier zeigt sich, daß die 
cena beendet ist; zu 64 et sane jam. 

ego me apoculo. Zu 62 apoculamus nos. 

venit ergo galbino guccincta cingUlo, ita ut infra cerasina 
appareret tuniea. Infra unter dem Oberkleide, das so hoch ge- 
gürtet war, daß die kirschrote Tuniea darunter zum Vorschein 
kam. Vielleicht ist vor galbino ein Wort (vestem, stolam, pallam) 
ausgefallen, allenfalls kann es hinzugedacht werden. Die Gürtung 
der (in der Taille straff um den Leib gezogenen) palla kommt in 
den von Marquardt Prl II 578,3 verzeichneten Stellen vor. Horat. 
S. I 8,23 vidi egomet nigra succinetam vadere palla Canidiam etc. 
Cingillum: Heraus S. 18. 

est te, inquit, videre? Eine gewöhnliche Begrüßungsformel. 



i) Bücheier* Index p. 125 pax Palamedes inventor <pei litterae p. 133 
pax Palamedes sit venia verbo. 



332 Anmerkungen zu 67. 

Gottid. colloq. libell. Haupt Opp. II p. 512,30 %a\ 6 htQ^vqs rcpoep- 
j6[uso^ dlir/)VTfjoe tij> <p£Xtp aurou xai elitev* ^alpotc Tdit' xal £%pc£rr]aev 
aür&v xal dlvrrjOTraaaTO o&t&v Xtfcnv* 'Earl oe töetv; xt irpetrreic; (Et re- 
galutavit eum dicens: Est te videre? quid agis?) Est = licet 
wurde am frühesten und häufigsten mit dem Infinitiv videre ver- 
bunden. Wölfflin II 135 ff. Vgl. Heraus S. 33 f. 

eo deinde perventum. Hier ist wol eine Unterhaltung der 
beiden Frauen über den Reichtum ihrer Toiletten ausgelassen. 

nltimo — periscelides resolvlt wie unten ultimo — Stateram 
jussit afferri. Ultimo außerdem noch 6 Mal, s. Lex. Petr. 

reticulum aurenm. Haarnetze aus Gold Marquardt Prl II 
702,3. Die Form reticulus (auch bei Varro Fenestella Plinius) Gue- 
ricke 46. 

ex obrussa: Das die Feuerprobe bestanden hat. Obrussa 
hier nicht = Probegold; s. Bücheier bei Willers, Numismat. Ztschr. 
XXXI 14. Heraus. Vgl. Heraus S. 18. 

notarit. Zu 27 notavimus etiam res novas. 

barcalae, Bücheier Rhein. Mus. XXXV (1880) 70 f. Martyrius 
De B et V GL VII 176,3: bardus dvatod^toc, bargus dcptW)«. 'Fuit 
igitur aliquando bargus aequa origine nee vi aut usu multum 
distans a bardo et barone, nam in lexico graecolatino p. 406,14 
Vulc. depu-rj; exponitur bardus, sine genio vel mgenio. adnumeran- 
dum Uli nominum familiae fortasse etiam barcalae est Petronianum 
quo stultos designari opinor. 1 

sex pondo et selibram debet habere. Ober die Gewichts- 
angaben auf Gegenständen aus Silber (und Gold) 31 duae lances 
in quarum marginibus etc. 

nlhilo minus wol, wie im spätem Latein häufig = item. Vgl. 
Rönsch Semas. Beitr. II 75 und CGI s. v. Heraus. 

habeo decem pondo armillam ex millesimls Mercnrii faetanu 
Decem pondo = 3,27 Kilogramm, also ein für ein Armband enor- 
mes oder vielmehr unmögliches Gewicht. Die Erklärung >von dem 
Tausendtel eines Gewinnes, der dem Mercur gelobt, aber nicht ge- 
geben war« (Georges), ist unannehmbar. Denn schwerlich würde 
sich Trimalchio zu einem solchen Betrüge seines Schutzgottes (zu 
29 caduceum tenebat) bekennen, und wenn, doch nicht ohne Erklä- 
rung und Entschuldigung. Vielleicht ist gemeint, daß das Arm- 
band aus ebensoviel Silber oder Gold gefertigt ist als die millesima 
Mercurii betrug, und der Sinn durch die Epitomierung verdunkelt. 
Die Prahlerei wäre auch hier eine ungeheuerliche; der Gewinn, von 
dem das Tausendtel zu entrichten war, würde 3270 Kilogramm 
(Silber oder Gold) betragen haben. 



Anmerkungen zu 67. 333 

capsellam — aureolam, quam Felicionem appellabat. Der 

(von Trimalchio einem seiner Hausgötter gegebene) Name (vgl. 60) 
Felicio zeigt, daß Gegenstände, die man für glückbringend hielt, 
und deshalb stets bei sich trug, gleich Fetischen in den Augen 
der Gläubigen eine Art Persönlichkeit gewannen. Natürlich konn- 
ten dies auch kleine Idole sein, wie das Apollobildchen, von dem 
sich der sonst ganz ungläubige Sulla nie trennte (Plutarch. Sulla 
c. 29 SG III 511,4). Capsella: Heraus S. 18. 

crotalia. Plin. N, h. IX 114 (elenchos) digitis suspendere et 
binos ac ternos auribus, feminarum gloria est. subeunt luxuriae 
ejus nomina et taedia exquisita perdito nepotatu, si quidem cum id 
fecere, crotalia appellant, ceu sono quoque gaudeant et conlisu 
ipso margaritarum. Heraus S. 18. Über den Perlenluxus der Frauen 
SG III 81 ff. 

domini — mei. Über diese Anrede und Benennung des Mannes 
von seiten der Frau SG I 443 und CIL XI 3325 (Forum Cassi) D. 
m. L. Aemilio Zotico domino meo sanctissimo conjugi. 

excatarissasti. ( a xaOapCCetv' Bücheier* Index (?). Funck Die 
Yerba auf issare und izare Archiv III 410 versteht > ausfegen, aus- 
beuteln«, Georges >bis aufs Blut quälen«. 

plane si flliam haberem. Zu 41 plane etiam hoc etc. 
omnia pro luto haberemus. Zu 44 annona pro luto erat. 
nunc hoc est caldum meiere et frigidnm potare. Der Sinn 
der sprichwörtlichen Redensart ist: Jetzt heißt es empfindliche 
Ausgaben machen und (durch die Einnahmen) ungenügenden Ersatz 
erhalten. Die Erklärung Ottos Spr. calidus »die Ausgaben gehn 
schnell, die Einnahmen langsam« ist verfehlt. Carm. epigr. ed. 
Bücheier 118,2 noli stomacare. suadeo caldum bibas. moriun- 
dust. vale. 

Interim. Zu 60 inter haec. 

mnlieres sauciae inter se risemnt ebriaeque iunxerunt 
oscnla« 'Decurtasse narrationem compilator videtur. nam sauciae 
vino si inteüigantur, Sic t<x6töv sin maledictis Habinnae offensae, 
planius hoc ipsum debebat exprimi.' Bücheier I. Außerdem muß 
aber auch ausdrücklich erwähnt gewesen sein, daß Fortunata sich 
betrunken hatte, da sie 67 offenbar noch eben so nüchtern ist, wie 
52, und ebenso Scintilla, falls man nicht annehmen will, daß diese 
schon betrunken zu Trimalchio gekommen ist. 

an an. Au (verdoppelt wie Ter. Ad. 336) drückt Erstaunen 
und Entrüstung aus, nicht körperlichen Schmerz; vgl. Donat. zu 
Eunuch. 899. Heraus. 

composita ergo. Ergo zeigt auch hier die Kürzung. Zu 31 
tandem ergo discubuimus. 



334 Anmerkungen zu 68. 

68 hoc fericulo. Zu 89 fericuluß. 

gl quid belli habes. 78 dicite aliquid belli. 

Interim« Zu 60 inter haec. 

puer Alexandrinus. Zu 84 larvam argenteam. 

luscinias imitari. Zu 64 quid tonstrinum? 

muta: die Melodie, wie in den Terenzhandsehriften noch in 
Donats Zeit m. m. c. wahrscheinlich mutati modi cantioi bedeutete. 
Frdl bei Marquardt StV III 644,6. 

servus qui ad pedes Habinnae sedebat. Zu 64 servis qui ad 
pedftB sedebant. 

eanora voce. Zu 59 c. v. 

nullug unquam sonus aeidior. Zu 31 acido. 

miscebat* 'potius immiscebat. comparandus ille Indus est 
cum Margite Homerico nisi quod hie versus obscenos Vergilianis 
mixtos esse opinor. 1 Bücheier I. 

erndibam statt erudiebam. Neue- Wagner II * 444 f. 

parem non habet sive muliones volet siye circulatores 
imitari. Zu 64 quid tonstrinum? 

desperatum valde wie insanum valde und Ähnliches bei 
Plautus. Lorenz Plaut. Most 895 (insanum bonam) Brix Trin. 673 
Seyffert Stud. Plaut, p. 21 sq. Guericke 54. valde. Zu 38 valde 
suecossi sunt. 

omnis musae maneipium. Grell, m 10 plerique — ejusdem 
musae viri und zu 43 omnis minervae homo. 

omnium numerum wie 63. 

recutitus. Heraus S. 18. 

strabonus für strabo. Guericke 33. natum fortasse ex strabus 
Bücheier* Index, oder aus dem in Glossen vorkommenden strambus 
(Nonius p. 27 strabones sunt strambi quos nunc dieimus). Heraus. 

sicut Venus spectat« Gemeint ist wol der schwimmende Blick 
(t&v 6cp&aX|Aa>v tö &Tpöv) der Venusbilder. 0. Müller Hdb. d. Archäol. 
§ 127,4; 375,3. 

ideo nil tacet, vix oculo mortno unquam. >Die Alten sind 
gewohnt, in ihren physiognomischen Betrachtungen einen Schaden 
mit dem andern in Verbindung zu setzen. Beispiele gibt der so- 
genannte Apulejus (Rose Anecdota I p. 23) oculi ad superna versi 
— si subrubeant et magni sint — lingua promptissimos ad clamo- 
rem ostendunt. Ib. 13 pravi oculi — venerium Signum est — si 
sicciores et patuli fuerint, impudentiae — esse designant. x a P 0170 ^ 
p. 124,10 coinquinatorem negotiorum atque causarum nunquam 
quietum, nunquam non mali aliquid cogitantem declarant — 
p. 125,26 oculi caligine obsiti malis artibus imbuti sunt, infideles 



Anmerkungen zu 68. 69. 335 

intemperantes (p. 152,19 verdrehte pupulae zeigen nimietatem in 
Omnibus rebus).« Bücheier. 

yix ocnlo mortuo unquam wol: er hat die Augen immer offen; 
vgl. 62 oculi mortui. 

illnm eml trecentis denariis. Ein sehr niedriger Preis, da 
schon 600 ein niedriger war (Horat. S. II 7,42 stoltior ipso Quingen- 
tis emto dracbmis). Marquardt Prl I 174. 

( illum male praeponitur'. Bücheier I (wol infolge der Epito- 
mierung). Vgl. zu 38 scripsit ut Uli. 

69 Interpellavit loquentem Scintilla. Zu 26 interpellavit. 

et plane, inquit, non omnla artiflcia seryi nequam narras» 

plane. Zu 41 plane etiam hoc. artiflcia: zu 46 aliquid 
artificii. 

nequam. Derselbe unten nequissimus; zu 49 plane hie debet 
servus esse nequissimus. 

agaga. Die Glossen, in denen das Wort sehr oft mit leno, 
lenocinator erklärt wird, bezeugen nur das Deminutiv agagula» 
Edict. Theoder. regis 54 maritus his criminibus convietam dimittat 
uxorem, si adulteram, st maleficam, vel etiam quam vulgus appellat 
aggagulam (sie), judicio potuerit approbare. Die Bedeutung 
>Kuppler« paßt nicht zu dem folgenden nil sibi defraudit etc., da- 
gegen sehr gut die von Ducange s. agagula aus einem Gloss. vet. 
ex cod. reg. 7646 (nach conciliator i. e. leno) angeführte Bedeu- 
tung vanus, fornicator. Ib. Aliud ex cod. 521: agagula, lecator, 
qui agit gulam (vgl. Diez EtW I leccare). Rursum aliud Lat. Gall. 
ex cod. 7692 agagula iechierre. >Ganz gewöhnlich bedeutet leca- 
tor altfrz. Iechierre Wüstling, lecherie Hurerei. Vgl. Godefroy 
Dictionnaire de l'ancienne langue frangaise IV 750 bis 752. € Gröber. 
>Daß die ursprüngliche Bedeutung leno war, zeigt schon die Her- 
kunft des Worts von V ay zuführen, lat. de — und perducere (lat. 
perduetor = leno bei Cic). Irre ich nicht, so ist es den Bildungen 
auf äi wie %aTa<pafac, fcaxva; (Lobeck Phrynich. 433) zuzurechnen, 
also dr(afdLQ, wofür das regelrechte ^T <n T Ä « wäre, vgl. izpoafwtfs = 
leno, dfu^etov (Pollux) domus lenonia.« Heraus S. 29 f. 

curabo stigmam habeat. Zu 58 cüräbo jam tibi Jovis etc. 

stigmam. Zu 45 habebit stigmam. 

adeognosco. Guericke 39. Über dies auch in Glossen vor- 
kommende Doppelkompositum Heraus S. 48. 

Cappadocem. Den Kappadoziern wurde ein Studium naturale 
ad falsa testimonia proferenda vorgeworfen. Schol. Pers. 6,77; sie 
gehören zu den xpla xdbrrca xobuoxa (Suid. s. xdmza 5t7cXoöv). Demodoc. 
3 (Brunck Anal. II 56) Kairrca&öxai ^poö 1 * •*)« 84 tu^vtec 



336 Anmerkungen zu 69. 

«pauXÖTepor x£p&ou« V etvexa ^aüXÖTotoi. [Vgl. Sonny Archiv VJLU 
488 f. Heraus.] Mayor zu Juvenal. 7,15. Für ihre Liederlichkeit 
kenne ich sonst kein Zeugnis. Cappadox Kuppler in Plaut. 
Curculio KSchmidt Hermes XXXVII 181. 

defraudit« Eine Nebenform von defraudat (Ludwig 26 Gue- 
ricke 48) oder eine Neubildung ? Aucb die Konstruktion sibi defr. 
statt se ist singulär, nach nil sibi detrahit u. ä. Heraus S. 39. 
[Vgl. auch das ebenfalls eigentümlich ausgedrückte nil fraudans 
genii sibi vel ulli bei Apoll. Sid. C. 23,462. Derselbe.] 

mehercules. Zu 33 m. 

laudo illum: hoc enim nemo parentat« D. h. ich lobe ihn, 
denn nach dem Tode kann uns das niemand (gleich einer Opfer- 
gabe) bieten. Man muß sich daher im Leben so viel Genüsse als 
möglich verschaffen, die dann den einzig unverlierbaren Besitz 
bilden. Der Sinn ist also ein ähnlicher wie 43 nee improbo: hoc 
enim solum secum tulit. 

ipsumam meam. Zu 63 ipsimi nostri. 

debattuere obsetfn wie Apulej. Met. IX 7 inclinatam dolio 
pronam uxorem fabri super ineurvatus secure dedolabat Vgl. 75 
ipsimae satis faciebam. [Für obseönes battuere s. Cic. Farn. IX 22,4. 
Heraus.] 

et ideo me in vilicationem relegarit. Vgl. Marquardt Pri 
S. 179. Heraus. 

tnbicines imitatus est. Zu 64 quid tonstrinum? 

ultimo etiam in medium processit wie 52 et prodisset in 
medium. 

modo — mulionum fata egit. Studer S. 89 verstand unter 
fata dieta, was unmöglich ist >Falls fata richtig ist, wäre es wol 
abzuleiten von der Häufigkeit des Worts in der damaligen Dichter- 
sprache wie Lucan. IV 361 turba haec sua fata peregit (die ihr 
vom Schicksal zugeteilte Bolle)* Oder ist speziell an die Unfälle 
bei diesem Gewerbe zu denken? Büeheler. Heraus hält Mulionum 
fata für den Titel eines mimus: 'Leiden und Freuden der muliones'. 
Mimum agere ist technisch s. Thes. 1. 1. s. v. agere. Über den 
mulio im mimus s. Wehles Bemerkungen. 

tanto melior. >Nota satis laudationis formula. rettulit in 
glossarium suum Philoxenus (Corp. Gloss. II 195): tanto melior 
Tooo6t(p xpetooov. usus est ea formula Seneca Epp. 71,28 — mul- 
toque audire mavult 'tanto melior 1 quam 'tanto felicior'. Ib. 31,4 
clamabo ( tanto melior 1 , surge et — spiritu clivum istum uno, si 
potes, exsupera«. Haupt Opp. II p. 323, wo noch mehr Stellen an- 
geführt sind. Phaedr. III 5,3 Aesopo quidam petulans lapidem 
impegerat. Tanto 1 inquit 'melior 1 . Quintilian. VIII 2,18 unde illa 



Anmerkungen zu 69. 70. 337 

scilicet egregia laudatio: 'tanto melior. ne ego quidem intellexi'. 
Plaut. Pers. II 5,26 Trucul. V 61 Terent. Haut. III 2,28 Donat. in 
Terent. Adelph. IV 1,2. Vgl. Brix Plaut. Menaechm. 430 (tanto 
nequior) Plin. Paneg, 71,4 ('tanto major, tanto augustior'). [Ovid. 
M. XIV 657 tanto potentior. Seneca Tranq. an. 16,3 tanto fortior, 
tanto felicior. Müller.] 

caligas. Caligae mulionicae sive rusticae Ed. Diocl. 9,5 Mar- 
quardt Pri II Ö9ö,4. 

epidipnis. Eine Benennung der mensae secundae (68). Martial. 
XI 31,7 Marquardt Pri I 327. 

insecuta sunt Cydonia. Zu 34 insecutus est. 

quicquid videtis hie positnm, de uno corpore est factum. 
Vielleicht war es eine beliebte Leistung der Räche, aus einem Ma- 
terial täuschende Nachahmungen der verschiedensten Gerichte her- 
zustellen, so aus Kürbissen Martial. XI 31; doch dürften dies (wie 
auch hier) nur Schaugerichte gewesen sein. 

ego scilicet, homo pmdentissimus : ironisch im Hinblick auf 
frühere irrige Vermutungen, wie 49. 

vidi Romae Saturnalibus einsmodi cenarum imaginem fleri. 
Auf dem Markt der Sigillaria. Marquardt StV III 687 f. 

70 ita crescam patrimonio, non corpore. Der Zusatz non 
corpore ist durch die abergläubische Furcht veranlaßt, daß die 
Götter eine unerwünschte Gewährung des Wunsches eintreten lassen 
können, wenn er nicht in einer, jedes Mißverständnis ausschließen- 
den Weise formuliert ist, etwa wie Phaedr. App. fab. novae 3 ed. 
LMtiller (SG I 532 f.). 

volueris. S. die Erklärer zu Juv. 3,78 jusseris. Heraus. 

colaepio. Dem griechischen xuiX^v, %a>Xeöc (Hüftknochen mit 
daran sitzendem Fleisch des Schweins), wovon das Deminutiv xojXu- 
<piov, entspricht coloe(y, o, u)phium; colaepium ist vielleicht eine 
plebejische Form. Golyphia schon Plaut. Pers. 92, coloepbia Ath- 
letenspeise Martial. VII 67,12 Juv. 2,53. Heraus S. 19. 

Daedalus. Als Tausendkünstler. Apulej. Florid. 1 9 hominem 
— tot utensilium peritia Daedalum. Apoll. Sidon. Epp. III 13,10 
hoc fabricatu Daedalus noster amicitiarum eulmen aedificat. Otto 
Spr. Daedalus. 

eultros Norico ferro. Über die Auslassung von ex Guericke 
55; über norisches Eisen Blümner Gewerbl. Tätigkeit der Völker 
d. klarfs. Altert. S. 146 f. 

subito. Die Abgerissenheit dieses Eingangs verrät die Ab- 
kürzung. 

Petronü Cena Trimalchionis. 2. Aufl. 22 



338 Anmerkungen zu 70. 

tanquam qui. Die Hinzufügung des Relative scheint vulgär; 
vgl. Gertz zu Seneca Beneff. II 24,3, Müller Gic. Att p. C. Heraus. 

notarimusque. Zu 27 notavirnus. 

e gastris. Gastra (auch c. 79) oder gastrum , wie es scheint, ein 
tönerner Topf, von fdorpa Bauch eines Gefäßes. Heraus S. 19. 

has lautitias. Zu 27 cum has ergo miraremur lautitias. 

inaudito enim more pueri capillati attulerunt unguentum 
in argentea pelve pedesque recumbentium unxerunt* pueri 
capillati: zu 27 inter pueros capillatos. Plin. N. h. XIII 22 lini- 
que jam, non solum perfundi, unguentis gaudent. vidimus etiam 
vestigia pedum tingui, quod monstrasse M. Othonem Neroni prin- 
cipi ferebant. Spielt Petron hierauf an? Inaudito more spricht 
mindestens nicht dagegen. Othos Freundschaft mit Nero fällt in 
die Zeit von 64-68. Tac. A. XIII 12 u. 46, SG I 211. 

iam coeperat Fortunata Teile saltare. Wie 9 coepitque mihi 
velle pudorem extorquere. 28 si Gitona tuum amas, iocipe velle 
servare. Coepi velle auch bei Cicero und Seneca (Apocol. 14,2 in- 
cipit — velle respondere) Segebade und zu 27 errare coepimus. 

Philargyre, et Carlo, etsi prasinianus es famosus, die et 
Menophilae — discumbat. Abgekürzt. Die Anrede muß auf Phil- 
argyre bezogen, et Cario als eine Art parenthetischer Einschal- 
tung gefaßt werden. Etwas wie discumbas oder discumbatis ist 
ausgefallen. Cario Sklavenname auch Plaut. Mil. und in Inschrif- 
ten. Collignon p. 377. [Kapfov, von Kap, aus der Komödie; vgl. 
KSchmidt Hermes XXXVII 181 f. Heraus.] 

prasinianus« Anhänger der Grünen im Zirkus, die in der 
ersten Kaiserzeit meist den Vorrang behauptet zu haben scheinen, 
und für die auch Nero entschieden Partei nahm. SG II 338,11. 
Trimalchio selbst scheint hiernach ein Anhänger der Blauen (ve- 
netianus) zu sein, doch ist er auch in dieser Beziehung gegen 
seine Sklaven tolerant (vgl. zu 28 ostiarius prasinatus). 

notavi. Zu 27 notavirnus. 

Ephesum tragoedum. Sonst unbekannt. 

coepit — dominum suum sponsione provocare, gi prasinus. 
proximis circensibus primam palmam. Wetten über den Aus- 
gang der Zirkusspiele waren gewöhnlich. Juvenal. 11,201 spectent 
juvenes, quos clamor et audax Sponsio, quos cultae decet assedisse 
puellae. [Wegen si in der Wette: Stangl Tulliana p. 27. Heraus.} 

proximis circensibus. Ob hier an Zirkusspiele in Rom oder 
in Puteoli zu denken ist, bleibt ungewiß. Über die erstem konn- 
ten sich Liebhaber des Sports in den Städten Italiens leicht auf 
dem Laufenden halten, zum Teil vielleicht auch durch die in Ab- 
schriften verbreiteten acta urbana (Einl. S. 29). Außerhalb Borns 



Anmerkungen zu 70. 71. 339 

gab es in Italien Zirkusspiele, wenn überhaupt, nur ausnahmsweise* 
Frdl bei Marquardt StV III 528,6. Wenn nach Beloch ein Zirkus in 
Puteoli war (Einl. S. 75), so mag es in Neros Zeit dort Zirkusspiele 
gegeben haben.. In Juvenals Zeit gab es sie dort ebensowenig als 
in irgend einer andern Stadt Italiens Einl. S. 59 Anm. 3. 

71 diffusus hac contentione Trimalchio. Wahrscheinlich 
hatte sich an die Aufforderung zur Wette ein (vom Epitomator 
ausgelassener) Streit über die Grünen und Blauen (ein fast unver- 
meidlicher Gesprächsgegenstand: Martial. X 1,14 SG II 349,2) 
geknüpft, an dem noch mehrere Sklaven teil genommen hatten. 

unum lactem bibernnt« Die Form lactem verwirft mit Un- 
recht Kitscbl Opp. II 576 ff. ; vgl. Georges s. lac [und C. Wagner 
N. philol. Rundschau 1899 S. 73 ff. Zum Gedanken vgl. Varro Sat. 
M. 261 tarn eum, ad quem veniunt in hospitium, lac humanum 
fei lasse. Heraus.] 

etiamsi illos malus Fatus oppressit. Zu 42 medici illum 
perdiderunt, immo magis malus Fatus. 

cito aquam liberam gustabunt. Ovid. Am. I 6,26 nee tibi 
perpetuo serva bibetur aqua. Antiphanes Fr. 25 Kock inq^Troft' 
uSoap 7:10t (j.' £Xe6$epov. Hesych. dXeMepov öEwp. Otto Spr aqua 10. 

ad summam. Zu 31 ad s. 

Philargyro etiam fundum lego et contubernalem suam« 
Die 70 genannte Menophila. Vgl. eine von Scaevola Digg. XXXII 
1,41 § 2 angeführte testamentarische Verfügung: omnibus autem 
libertis meis — contubernales suas, item filios filias lego und Mar- 
quardt Prl I 165,4 und 177,2. 

vicesimam. Zu 28 quando vicesimam numerasti? Hirschfeld 
Verwaltungsbeamte S. 108 Anm. 

nam Fortunatam meam heredem facio. Zu 38 nam mulam 
quidem. Zu ergänzen: Für Fortunata ist kein Legat nötig. 

oblltus nugarum. Eine Redensart der Umgangssprache, im 
Sinne von 'Ernst machend 1 . 136 oblitus itaque nugarum pedem 
mensulae extorsi. Anders Seneca Apocol. 7,3 Claudius, ut vidit 
virum valentem, oblitus nugarum intellexit neminem sibi parem 
Romae fuisse, illic non se habere idem gratiae. Studer 91. 

yalde te rogo. Zu 38 valde suecossi sunt. 

Coronas et nnguenta. Zur Erinnerung an die mitgemachten 
Gelage. Zu 60 coronae cum alabastris unguenti. 

Petraitis omnes pngnas. Zu 52 nam Hermerotis pugnas et 
Petraitis in poculis habeo. Gladiatorendarstellungen auf Grab- 
monumenten (so in Pompeji Aeclanum Venafrum Abella) waren 
offenbar nicht selten. SG II 522. 

22* 



340 Anmerkungen zu 71. 

In fronte pedes centnm, In agrum pedes dueentL Eine un- 
gewöhnlich große Ausdehnung einer Grabstätte (obwol auch 
größere vorkommen), die durch die Anlage der Obst- und Wein- 
gärten bedingt ist. Gewöhnliche Grabstätten hatten 25 bis 30 Fuß 
im Quadrat. SG III 133. 

omne genug enlm poma slnt clrea cinerea meos et Tlnearum 
largiter. In dem Testament von Langres (Wilmanns E. I. 315) 
wird die Anpflanzung von Obstgärten bei dem Grabmal angeord- 
net, die fort und fort durch drei Gärtner mit ihren Lehrlingen im 
Stande erhalten werden sollen. Dergleichen Anlagen machte man, 
> damit die abgeschiedenen Seelen sich an der schönen Natur er- 
freuen möchtonc (Serv. ad Verg. A. V 760). SG III 769. [Moni- 
mentum sive pomariolum CIL X 3594. Hirschfeld.] 

enlm dient hier und im nächsten Satz zum Übergang auf einen 
andern Gegenstand, wie sonst nam (vgl. zu c. 38 nam mulam quidem), 
ebenso c. 56 apes enim. Mütter. 

largiter. Guericke 33 (adverbia auf iter) u. 54. 

yalde enim falsum est« Zu 38 valde succossi sunt. 

hoc monumentum heredem non sequitur. In dieser Formel 
(Wilmanns E. I. Ind. II p. 693) hier mit Mommsen Hermes XIII 
116 einen andern Sinn zu finden, als den, 'daß die Grabstätte mit 
Ausschluß der der Familie nicht angehörigen Erben der Deszen- 
denz verbleiben 1 oder, falls wie hier eine solche fehlt, unberührt 
bleiben soll, ist um so weniger ein Grund, als auch die übrigen 
Anordnungen nichts Abnormes enthalten. 

praeponam enlm unum ex libertis sepnlcro meo custodiae 
causa. Auch dies geschah häufig. Ausführlich handelt von der 
custodia sepulcri und der Stiftung dazu die Verfügung des T. 
Flavius Syntrophus Orelli-Henzen 7321 = CIL VI 10239. Marquardt 
Prl I 370,4. 

naves etlam — facias plenis velis euntes. Mit bezug auf 
Trimalchios Seehandel (76). Ein in den Hafen segelndes Schiff 
auf dem Denkmal des pompejanischen Augustalen L. Munatius 
Faustus IRN 2346 = CIL X 1030. [Ähnliche Reliefs: Westd. 
Ztschr. Eorresp. 1896 S. 63. Heraus.] Auf Seehandel bezieht 
Schmidt p. 83 auch die Figur eines oder zweier Schiffer anf dem 
Grabstein des Brixianer Sevirs M. Valerius Anteros Asiaticus. 

et me in tribunall sedentem praetextatum cum anulis au- 
reis qulnque et nummos In publico de sacculo effundentem. 
Ebenso ist der Brixianer M. Valerius Anteros Asiaticus (unten zu 
sestertium reliquit trecenties) auf seinem Grabmal dargestellt, wie 
er als Sevir vom Tribunal herab Geld spendet; vgl. die Abbildung 



Anmerkungen zu 71. 341 

bei Schmidt, Ein]. S. 44 f. nnd zu 29 levatum mento in tribunal 
excelsam rapiebat. 

in tribunali praetextatum. Bei Funktionen erschienen die 
Augustalen in der Prätexta (in der sie auch bestattet wurden 78) 
und saßen auf dem tribunal. Marquardt StV I 207. 

cum anulis aureis qninqne. Mommsen StR III 1, 514,4: 'Da 
Trimalchio als Spielgeber (vielmehr Veranstalter eines epulum) mit 
dem Tribunal und der Prätexta sich fünf goldner Ringe erfreut 
hat vielleicht der Goldring auch zur Tracht des Obermagistrats 
gehört 1 (vgl. 515,1). Nach dem Ablauf des Sevirats darf er keine 
Goldringe tragen: zu 32 habebat enim in minimo digito. 

scis enim qnod epnlnm dedi, binos denarios. Über die 
Konstruktion scis quod dedi Guericke 64. Zu 45 subolfacio quod. 

epnlnm — binos denarios. Wilmanns E. I. II Ind. p. 664 
(divisiones, epulum). Einl. S. 67. 

faciatnr — et triclinia, facias et totum popnlnm sibi 
snayiter facientem. Die Zahl der triclinia, an denen die ganze 
Bürgerschaft (zu 44 nunc populus est domi leones) speiste, mußte 
eine beträchtliche sein. In Ostia waren es einmal 217. Orelli 3882 
= CIL XIV 375,17 (P. Lucilius Gamala) epulum trichilinis (sie) 
CCXVII colonis dedit, idem prandium sua peeunia colonis Ostiesi- 
bus bis dedit. Ib. 2793 (Gabii) — ut — decur. et VI vir. Aug. 
publice in triclinis suis epulentur. Einl. S. 67. 

faciatnr. Der Singular Gräcismus. Rönsch Itala 435. Heraus. 

popnlnm 'sibi snayiter facientem. In Grabschriften öfter 
sibi bene facere, auch ohne sibi. Suaviter statt des gewöhnlichen 
bene auch c. 75 suaviter vobis sit. Heraus S. 36. 

cicaronem meum. Zn 46 cicaro meus. Kinder hat Trimal- 
chio nicht (74 non patiaris genus tuum interire). Vielleicht ist 
hier ein Liebling gemeint, etwa der 28 und 64 vorkommende 
Crösus. 

amphoras — gypsatas wie 34. 

efflnant transitiv. Guericke 63. 

qnisqnis horas inspiciet. Varro L. 1. VI 4 solarium dictum 
id, in quo horae in sole inspiciebantur. Heraus. 

velit nolit. Otto Spr velle 1. 

C. Pompeins Trimalchio Maecenatianns. Zu 30 C. Pompejo 
Trimalchioni. »Der Freigelassene ist — auf die Führung eines 
einzigen cognomen beschränkt — Hiervon gibt es indes — eine 
allgemeine Ausnahme: in dem kaiserlichen Hause sowie in den- 
jenigen großen Familien, die unter der ersten Dynastie 
maßen als Pairs des Kaiserhauses galten, war die Zt 



342 Anmerkungen zu 71. 

ven so ungeheuer, daß zur Verminderung der Homonymie r na- 
mentlich bei Erbfällen, die Sitte bestanden haben muß, den neu 
hinzu tretenden Sklaven ein von ihrem früheren Herrn entlehntes, auf 
anus auslaufendes cognomen zu geben. So nannte sich ein von 
Vedius Pollio dem Augustus vermachter Sklave nach der Freilas- 
sung C. Julius divi Aug. 1. Niceros Vedianus, ein andrer, den 
König Amyntas von Galatien der Li via hinterlassen haben muß, 
M. Livius Aug(ustae) 1. Anteros Amyntianus, eine wahrscheinlich 
von der Marcella an Valerius Messalla gekommene Sklavin Valeria 
Nama Messallae 1. Marcelliana. Dem entspricht genau unser G. 
Pompejus Trimalchio Maecenatianus. — Den snob hat Petron für 
ein römisches Ohr durch die Doppelnamigkeit unvergleichlich cha- 
rakterisiert; wie es denn wol auch kein Zufall ist, daß zwei der- 
jenigen Persönlichkeiten, die durch ihre Grabschriften sich als 
nächste Geistesverwandte des Trimalchio charakterisieren, ebenfalls 
mit Doppelnamen versehen sind — ich meine den Brixianer An- 
teros Asiaticus und den noch zu nennenden Assisinaten Eros 
Morula.« Mommsen Hermes XIII 117 f. Trimalchio will sich also 
durch das cognomen Maecenatianus ein größeres Ansehn geben, 
ohne wirklich (als ehemaliger Sklave des Mäcenas) darauf Anspruch 
zu haben. Andre Maecenatiani CIL VI 4016. 4032. 4095. X 6014 
bei Haley Quaestiones Petronianae. Harvard Studies in classical 
philology II 13,2. 

hie requiescit 'ist, wie alle Formeln, die ein Pathos in sich 
tragen, plebejisch und also in guter Zeit nicht unerhört (CIL I 
1489; vgl. das. 1064 Wilmanns Ex. Inscr. II p. 681 CIL V p. 1214 
Orelli 651), aber eben so selten, wie in christlicher gemein 1 , 
Mommsen das. S. 118. [Vgl. Church Z. Phraseologie der latein. 
Grabschriften. Über die Quiescoformel Archiv XII 226ff. Heraus.] 

huic seviratus absenti decretus est. IRN 4337 = CIL X 5394 
(Aquinum): ei honorem IIH vir(atus) detu[lerunt Veronenses ra- 
tione habita] absentis ejus extra or[dinem]. Mommsen Das. S. 118 f. 
Der Sevirat wurde vom Municipalsenat verliehen. Vgl. Schmidt 
p. 32. Einl. S. 41. 

cum posset in omnibus decurlis Romae esse, tarnen noluit* 
>Aus den Freigelassenen vornehmlich, sagt Tac. A. XIII 27, wur- 
den die decuriae genommen, ministeria magistratibus et sacerdoti- 
bus (d. h. deren Subalternbeamte — apparitores — , die in Dekurien 
organisiert waren); und zahlreiche Inschriften bestätigen es, daß 
die Apparitoren der Beamten wie der Priester eben dieser Klasse 
vorzugsweise angehörten, daß es ganz gewöhnlich war, Stellungen 
dieser Art zu kumulieren, und daß man in diese Posten sich ein- 
kaufte. Von diesen römischen Dekurien sagt also Trimalchio, der 



Anmerkungen zu 71. 343 

wohlhabende Mann, — daß er in alle hätte gelangen können, wenn 
er Lust dazu gehabt hätte. Freilich hätte er dann wol seinen 
Wohnsitz in Rom nehmen müssen; denn die Inschriften dieser 
Apparitoren sind ganz überwiegend stadtrömisch und bestätigen, 
was an sich schon wahrscheinlich ist, daß der Inhaber eines sol- 
chen Postens, wenn auch kaum Amtsgeschäfte, doch ein Amts- 
domizil in Rom hatte. Darum eben läßt der Dichter seinen Hel- 
den nicht zu dem Besitze solcher Stellungen gelangen, sondern 
nur ihn erklären, daß es allein von ihm abgehangen haben würde, 
in der Hauptstadt eine amtliche Stellung zu bekleiden und in die 
öffentlichen Dekurien zu gelangen.« Mommsen Das. S. 119. Vgl. 
StR I 3 p. 332— 337. Immerhin ist dabei etwas Prahlerei, auch 
abgesehn davon, daß die Dekurien vorzugsweise aus der Aristo- 
kratie der Freigelassenen bestanden; denn in die vornehmste der- 
selben, die der scribae (Sekretäre und Rechnungsführer der Quä- 
storen und Ädilen) gelangten Freigelassene, obwohl sie nicht aus- 
geschlossen waren, nur selten ; in der Regel wurden diese Dienste 
von Söhnen Freigelassener bekleidet, aber auch keineswegs selten 
von Männern des Ritterstandes. SG I 371. 

plus 9 fortig, fldelis. Die Verbindung von fortis und fidelis 
(ebenso der Adverbia fortiter und fideliter), auch asyndetisch (Liv. 
XXII 60,20 viginti milia armatorum fortia fidelia) gewöhnlich mit 
et (SC de Asklepiade a. 676 bei Bruns Font. jur. Rom. 2 p. 121) que ? 
non minus — quam (tarn fortis tamque fidelis Horat. S. II 5,102), 
ist eine stehende und bei Cicero und Livius häufig (z. B. opera 
fortis fidelisque Cic. Catilina 3,14 Liv. XXIII 46,6 XXXVII 64,28 
XLV 14,2 etc.). Wölfflin Alphab. Verzeichnis der alliterierenden 
Verbindungen der latein. Sprache Sitzungsber. d. Bayr. Akademie 
1881 S. 58. Die Verbindung mit pius nur hier (Piae fideles nannte 
Claudius zwei Legionen. Mommsen S. 120). 

ex parvo crevit. Zu 38 de nihilo crevit. (Was CIL V 7647 
ab asse quaesitum 6623 ab ase posit bei Mommsen das. heißt, ist 
nicht klar.) 

sestertium reliquit trecenties. 'Bekannt ist die Parallele aus 
Horaz (S. II 3,87), wo ein Valerius seinen Erben auferlegt sum- 
mam patrimoni insculpere saxo. Wir haben aber auch eine In- 
schrift, in welcher dies in der Tat geschehn ist; es ist dies eines 
asisinatischen Arztes, der natürlich auch Sevir war (Orelli 2983: 
P. Decimius P. 1. Eros Merula medicus clinicus chirurgus ocula- 
rius, VIvir. Hie pro libertate dedit HS (L milia); hie pro seviratu 
in rem p(ublicam) dedit HS (II milia); hie in statuas ponendas in 
aedem Herculis dedit HS (XXX milia); hie in vias sternendas in 
publicum dedit HS (XXXVII milia). Hie pridie quam mortuus 



344 Anmerkungen zu 71. 72. 73. 

est reliquit patrimoni HS milia quingenta viginti'. Mommsen. Die 
Summe trecenties (6V2 Millionen Mark) kommt bei Petron mehr- 
mals vor; zu 46 relictum est Uli sestertium tricenties. 

nee unquam philosophum audirit. Ober die Verachtung, 
in der die Philosophie wegen ihrer Nutzlosigkeit bei den Klein- 
städtern stand (besonders natürlich bei Geld- und Geschäftsleuten) 
SG III 678 f. 

Tale: et tu. 'Solche Dialoge zwischen dem Toten und dem 
Wandrer, die der letztere von dem Grabstein ablesen sollte, sind 
häufig. Wilmanns Ex. Inscr. 180. SG III 771,7. Vale: et tu kehrt 
wörtlich wieder z. B. CIL V 4887. 7838.' Mommsen a. a. 0. S. 121. 

72 quare non yiyamns? warum wollen wir nicht das Leben 
genießen? Zu Martial I 15,4. 

sie tos felices yideam wie 61 oro te sie me felicem videas, 
narra illud. 

coniciamus nos in balneum. — sie calet tanquam furnus. 
Über die Sitte, unmittelbar nach der Mahlzeit sehr heiße Bäder 
und Dampfbäder zur Beförderung der Verdauung zu nehmen, 
Marquardt Prl I 290, 8 u. 9. 

nudisque consnrrexit pedibus. 66 tentavi assurgere et nu- 
dos pedes in terram deferre. 

assentemnr t zum Schein, um nicht zum Mitgehn genötigt zu 
werden. 

per porticum. Die 29 beschriebene, in deren Mitte sich die 
gleich darauf erwähnte piscina befindet. 

canis catenarius: der 64 vom ostiarius ins triclinium ge- 
brachte. 

qui etiam pictum timueram canem. Vgl. 29 init. 

atriensis: der aus dem atrium, in dem er sich aufhielt 30, 
(?vgl. oben S. 215) in die anstoßende Porticus kam. 

73 quid faciamus. Der Epitomator hat hier eine wörtlich 
angeführte Frage des Encolpios oder Ascyltos mit dem bereits zur 
Erzählung gehörigen Relativsätze quibus lavari jam coeperat Vo- 
tum esse zusammengezogen. 

putidissimam eins iaetationem. Zu 34 putidissimi. Die 
Prahlerei besteht darin, daß er die Kleinheit des Bades für einen 
Vorzug ausgibt. 

inyitatns balnei sono. Laut Beden und Singen gehörte zu 
den heilgymnastischen Übungen (Seneca Epp. 15,7 nee tu inten- 
tionem vocis contempseris — 8 — non id agimus, ut exerceatur 
vox, sed ut exerceat. Plutarch. De sanit. praec. c. 16 p. 130), be- 



Anmerkungen zu 73. 345 

sonders auch im Bade. Seneca Epp. 66 init. beschreibt die ver- 
schiedenen Geräusche in einem Bade in Bajä: adice — illum cui 
vox sua in balneo placet. 

Menecratis cantica. Sueton. Nero c. 30 Menecratem citha- 
roedum et Spiculum myrmillonem triumphalium virorum patrimo- 
niis aedibusque donavit. SG III 357,5. Einl. S. 12. 

qui linguam eins intellegebant. Seneca Apocol. 5,2 non in- 
tellegere se linguam ejus. Studer 90. 

labrum. Ein erhöhtes, rundes, flaches Becken, das in einer 
halbrunden Nische des caldarium stand, und um welches ein Um- 
gang gelassen war. Es diente, wie es scheint, zu kalten Über- 
gießungen. Marquardt Prl I 287,3—5. 

gingllipho 'indicat ut puto cantilenam, quam dum nexis ma- 
nibus in orbem currunt, canebant, sive a YfyfXupos profectum e*st 
sive a wfikia^z (7177X10^6;), quo usus gmgüismo Schefferus pro- 
posuit, cum deberet proponere gmgüismon, sive aliunde.' Buche-' 
ler I. Gewiß ist hier an etwas der Art zu denken, und die Ver- 
suche, wirkliche Worte herzustellen, wie singuli sophos, Gai so- 
phos, sind verfehlt. 

exsonabant. Das Wort auch 16, 19, 109. 

alii autem paßt nicht zu ceteri convivae, gewiß eine Folge 
der Abkürzung. 

nos — in solio quod Trimalchtoni temperabatur, descen- 
dimus. Wie Encolpios und Ascyltos (einer nach dem andern?) 
die für Trimalchio bestimmte Wanne benutzen konnten, bleibt 
unverständlich, wol infolge starker Verstümmelung des Originals, 
durch welche auch die Erwähnung des Grundes, weshalb Trimal- 
chio auf sein Bad verzichtet hatte, ausgefallen sein wird. 

Die Wanne befand sich ebenfalls im caldarium, an der der 
Nische mit dem labrum gegenüber liegenden Schmalseite dessel- 
ben. Marquardt Prl I 287 f. Ȇbrigens kann man sich doch kaum 
der Lesung in solio entziehen; sie findet sich öfter, wenn auch 
nicht in den besten Texten (z. B. Schol. Juvenal. 2,142 in solio 
— si qua descenderit) , und in der Sprache des gewöhnlichen Le- 
bens scheint sich die Phrase früh festgesetzt zu haben, neben dem, 
strenggenommen, logisch nicht so zutreffenden in solium descen- 
dere: man steigt allerdings in die Wanne, aber erst in der Wanne 
steigt man nieder.« Bücheier. Gewöhnlich ist in solium descen- 
dere (Cels. Vitruv. Fest. Caper), doch vgl. c. 19 in hoc deversorio 
admitti, ebenfalls in urbaner Kede. Heraus S. 34. CIL VI 579 ni 
= ne) qua mulier velit in pisoina virili descendere. Derselbe. 



346 Anmerkungen zu 73. 74. 

temperabatur. Plin. N. h. XXVIII 183 solia sie (lacte asini- 
no) temperata. XXVI 8 in balineis solia temperabantur humano 
sanguine ad medicinam eam. CGI III 587,30 %aXu>; i-pLixpazai i\ 
i^aTt) bene temperatum est solium. Heraus S. 34. 

ergo weist auch hier auf Abkürzung. Zu 31 tandem ergo 
diseubuimus. lautitias. Zu 27 cum has ergo miraremur lautitias. 

aeneolosque piscatores. Aeneolo (sie) quod ex aere fit dici- 
mus. Paul. Festi p. 28,4 M. 

Yinum in conspectu defluens. Zu 66 in prospectu. Der Sac- 
cus statt des Trichters zum Durchgießen des Weins in den Krater. 
Marquardt Prl I 334,6. 

barbatoriam fecit. Corp. Gloss. II 426 rarrrovoxoupfa barba- 
toria. Zu 29 et pyxis aurea etc. Daß barbatoria ein Festtag, also 
wol (wie zu natalis) dies zu ergänzen ist, bestätigt die Einreihung 
der obigen Glosse in den Absc hnitt De diebus festis. Die sub- 
stantivierten Bildungen auf oria sind, wie die entsprechenden Ad- 
jektive, verhältnismäßig jung und ihre Ergänzung verschieden. 
Heraus S. 19 f. 

micarius: qui micas panis colligit et victum sibi parce com- 
parat. Forcellini. 

tangomenas faciamus. Zu 34 t. f. 

74 gallns gaUinaceus cantavit. qna voce eonfnsns Trimal- 
chio yinum sub mensa iussit effundi — immo annlum traiecit 
in dexteram mannm et «non sine causa' inquit, <hic bucinns 
Signum dedit; nam ant incendium oportet flat ant aliqnis in 
Ticinia animam abieiet 9 . Beide hier zur Abwendung der Feuers- 
gefahr von Trimalchio angewendeten abergläubischen Gebräuche 
kommen in zwei von Frobeen Quaest. Plinian. spec. I Regim. 1888 
p. 52* angeführten Stellen der Nat hist. des Plinius vor. XXVIII 
26 incendia inter epulas nominata aquis sub mensam perfusis 
abominamur (Trimalchio läßt Wein ausgießen, 'ut cui in omni re 
inusitatissimum quidque et quod possit demonstrare divitias suas, 
sit adamatum'; vgl. 34 vinumque dedere in manus; aquam enim 
nemo porrexit). XXVIII 57 ad hoc (sternumenta et singultus) Varro 
suadet palmam in altera manu scalpere, plerique anulum e sinistra 
(zu 32 habebat etiam etc.) in longissimum dextrae digitum trans- 
ferre, in aquam ferventem manus mergere. 

bucinus. Trompeter, vom Hahn gesagt. Varro Sat. M. Riese 
128,4 ist bucinu' Konjektur von Riese für de albu eibus (Bücheier 
127 de Albuci subus). Sonst nur in Glossen, in zweierlei Bedeu- 
tung: als Tritonmuschel und als Instrument: Heraus S. 20. 



"* Anmerkungen zu 74. 347 

dicto citius. 131 dicto citias nervi paroerunt Seneca Apocol. 
13,2 Liv. XXIII 47,6 (dicto prope citiue) Verg. A. I 142 Horat. 
S. II 2,80 Ammian. Marc. XVII 18,4 Otto Spr dicere 5. Phaedr. 
App. 8,28 dicto celerius. 

ut aeno coctus fleret. Zu 47 quem — ex eis vultis in cenam 
Station fieri. 

laceratus. Zu 36 laceravit obsonium. 

snmptis igitur matteis. Igitur macht hier den Übergang 
nach einer Auslassung, wie sonst ergo. Zu 31 tandem ergo dis- 
cubuimus. 

matteis. Zu 65 hanc humanitatem insecutae sunt matteae. 

subiit igitur alia classis. Subire ohne Zusatz von der Ab- 
lösung auch Martial. X 48,2 et pilata redft jam, subiitque cohors 
mit meiner Anm. [Ebenso CIL X 444,7 qui in collegio hodie essent 
quique postea subissent. Plin. N. h 14,4. 15,72 etc. Müller.] 

Tale Gai — ave Gai. Zu 30 C. noster. 

hilaritas nostra. Zu 39 hilaresque convivae. 

pner non inspeciosus wie 41 puer speciosus. 

*ex aequo ins flrmum' wol eine sprichwörtliche Redensart 
oder bekannte, vielleicht juristische Sentenz. 

purgamentum. Curtius VI 11 purgamenta servorum X 2 pur- 
gamenta quondam urbis suae Vulg. Interpr. I Cor. 4,13 tanquam 
purgamenta hujus mundi facti sumus. Als Schimpfwort (= xdftappa) 
auch in Glossen. Heraus S. 20. 

dedecusqne. Von Personen, wie Afran. Com. 42. 

canis als Schimpfwort Terent. Eun. 803 ain vero, canis? etc. 
Otto Spr canis 1. 

ambubaia. Vgl. Eießling zu Horat. S. II 1,1. 

de machina illam sustuli« D. h. von der catasta, auf der 
die Sklaven zum Verkauf ausgestellt wurden. Marquardt Prl I 
171,11. Quint. Cic. de pet. cons. II 8 amicam — de machinis emit. 

hominem inter homines feci. Zu 39 qui me hominem inter 
homines voluit esse. 

inflat se tanquam rana. Mit Erinnerung an die Fabel Phaedr. 
I 24 (9 dum vult validius Inflare sese, rupto jacuit corpore) Horat. 
S. II 3,314 ss. Otto Spr rana 1. 

in sinum suum non spult. Dies gehörte zu den Mitteln der 
Abwendung der Nemesis, welche die Überhebutfg straft. Juve- 
nal. 7,112 conspuiturque sinus. Jahn Ober den Aberglauben des 
bösen Blicks. Ber. d. Sachs. Gesellsch. 1855 S. 83 ff. (wo diese Stelle 
fehlt) und Otto Spr sinus 3. 

codex non muller. Zu 38 phantasia non homo und 43 ille 
stips. 



348 Anmerkungen zu 74. 

somniatnr statt somniat. Guericke 50. Heraus S. 38. 

ita genium meum propltlum habeam. Zu 37 ignoscet mihi 
genius tuus. 

eurabo domata Sit. Zu 58 curabo jam tibi Iovis iratns sit. 

domata statt domita Guericke 47. 

Cassandra caligaria * mulier virilis audaciae' Bücheier I und 
Index 4 . Eher bezeichnet caligaria (wol vulgär für caligaria Gue- 
ricke 31) die gemeine, ordinäre, gleichsam eine Cassandra in ca- 
liga. Der Name Cassandra (auch 52) mochte Leuten von Trimal- 
chios Schlage vom Theater her bekannt sein und von ihnen zur 
Bezeichnung einer stolz einhertretenden (also wie 75 fulcipedia) 
Theaterprinzessin gebraucht werden, die aber hier statt der co- 
thurni caligae trägt. Verfehlt ist die Erklärung von Otto Archiv 
III 526: >Fortunata ist ihm durch ihre Strafpredigten so zuwider, 
wie Cassandra den Troenu ; sehr unglücklich die von Stowasser 
Wiener Studien VI 209 quae quassat (cassat) <2v5pa caliga. 

homo dipundiarius. Zu 45 sestertiarius homo und 56matrem 
meam dupundii non facio. 

sestertium centies = 2 175 210 Mark. 

unguentarins herae proximae wol ein von der Besitzerin des 
Nachbarhauses in eine ihr gehörige tabema als institor eingesetz- 
ter Sklave oder Freigelassener (Marquardt Prl I 161,4). Es ist, 
wie Bückeier bemerkt, sehr glaublich, daß unguentarii sich oft 
mit Vermittlung von Heiraten abgaben, da in ihren Läden ja vor- 
zugsweise Frauen verkehrten (SG III 86). 

suadeo non patiaris. Guericke 63. [Carm. epigr. 198,2 rogo 
. . . non violes. Heraus.] 

bonatns. Bücheier Altes Latein Rhein. Mus. XXXIX 1884 S. 
425 ff. : wie malatus cxo-pö« C orp. g loss. II 126 und viel Gleiches 
im Romanischen. >Die Endung atus beim Adjektiv (bellatus, Plaut. 
Cas. IV 4,28 = 708 belle bellatula) drückt wol zunächst nur ein 
hohes Maß der Eigenschaft aus; daher wäre bonatus = zu gut, 
also frz. bonasse, wie Ducange angibt, das übrigens mit Recht 
mit frz. bonace, ital. bonaccia Windstille gleich gesetzt wird.« 
Gröber. 

ipse mihi asciam in crus impegi. ApuleJ. Met. III 22 meque 
sponte asciam cruribus meis illidere compellis. Augustin. De ge- 
nes, c. Manichaeos I 5,8 (Migne 34 col. 177) ne cum volunt verbis 
sacrilegis concidere veritatem quam videre non possunt, redeat 
Ulis securis in crura. Cic. Mur. 24,48 quam te securem putas in- 
jecisse petitioni tuae ? Plane. 29,70 rei publicae infligere securim. 
Otto Archiv VI 17 = Spr crus 1. [Commodian. Instr. I 23,6 ipse 
tibi figis asciam in crure; so Dombart nach Cod. C. Heraus.] 



Anmerkungen zu 74. 75. 349 

recte. Zu 58 recte, videbo te etc. 

curab.o — quaeras. Zu 58 curabo jam tibi Iovis etc. 

depraesentiarum. Zu 58 d. 

nolo — ponag, nolo — basiet Guericke 63. 

75 homines sumus, non del. 130 fateor me — saepe pec- 
casse, nam et homo sum et juvenis. Juvenal. 6,283 homo sum. 
Plin. Ep. V 3,2 ut — breviter amplectar, homo sum. Otto Archiv 
III 207 == Spr homo 2. [Weyman Archiv XIII 384 homo. Heraus.] 

per geninm eins Gaium appellando rogare ooepit. Zu 37 
ignoscet mihi genius tuus. 

Gaium appellando. Zu 31 C. noster. 

ut se frangeret. Cic. Ad famil. IV 6 cum jam frangerem ipse 
me cogeremque illa ferre toleranter. 

rogo. Zu 63 rogo vos. 

sie peculium tuum fruniscaris. Zu 43 quod frunitus est. 

decem partes dicit: er kann die Zehntel ausrechnen, ist also 
schon weiter als der Sohn des Echion, der jam quatuor partes 
dicit (46). Hultsch in der dort angeführten Abhandlung S. 342. 

librum ab oculo legit. CGI III 381,63 ff. legi lectionem 
meam: quam mihi exposuit (magister) diligenter, donec intelligerem 
et personas et sensum verborum autoris: deinde ab oculo citatim 
ignotum et quod rare legitur (i. e. glossas). Heraus S. 34. Er kann 
also mehr als Hermeros, der nur litteras lapidarias lesen kann 58; 
vgl. dort die Anm. 

thraecium. 'id est armatura Thraecis. Thraecidica eam 
appellavit Cicero Phil. 7,17' (vgl. SG II 531 f.). Bücheier I. »Wie 
bei unsern Kindern Soldaten- oder Matrosenanzug, ähnlich der 
Tracht der gefeierten Gladiatoren, eben weil diese national- 
soldatenmäßiges Gepräge hatte, und zwar das einer fremden 
Nation, dergleichen Kinder besonders anzieht. < Bücheier. Viel- 
leicht war auch die geschnürte Tunica der Wagenlenker als 
Kindertracht beliebt; vgl. über viridis thorax Juv. 5,143 SG II 
343,1. 

arcisellium. Nicht von arca und sella (ein Sessel mit auf- 
klappbarem Sitz), sondern von arcus und sella = sella arcuata 
CGI III 366,6; (arquata sellula Arnob. II 28, arcus einer sella 
(gestatoria) Tac. A. XV 57). Heraus S. 21 f. Nettleship Contribu- 
tions p. 266: arcisellium: probably a seat with rounded back. 

non est dignns qnem in ocnlis feram? Terent. Eun. 401 Rex 
te ergo in oculis gestare Cic. Phil. 6,4,11 jam fert in oculis Att. 
6,2,5 publicanis in oculis sumus Quint. fr. III 1,9 Balbum vero in 



350 Anmerkungen zu 76. 

oculis fero. Famil. XVI 27,2 Te-fero in oculis. Otto Archiv VI 
311 = Spr oculus 2. 

fulcipedla »eine den Fuß durch Unterlagen oder hohe Ab- 
sätze (fulmeota) hoher machende, im Sinne von 'hochfahrend'.« 
Biicheler Altes Latein Rhein. Mus. XXXIX 1884 S. 426 ff. 

bonum tnum concoquas. Bonum tuum ist ironisch au fassen: 
Suche mit dem Schlimmen, was du dir zugezogen hast (meinem 
Zorn:, so gut fertig zu werden, als du kannst. (Also wie tibi quod 
intristi, exedendura est. Otto Spr interere.) 

milva nur noch CGI II 587,28 u. Schol. Juv. 9,66. Die Gram- 
matiker lassen nur milvus als Femininum zu. Heraus S. 22. Zu 46 
milvinum genus. 

ringentem: ringi est stomachari tacitum: est enim translatiö 
a canibus latraturis. Donat. ad Terent. Phorm. 341. Horat. Epp. 
II 2,127. Corp. Gloss. II p. 174 ringitur rcwpalverat — öpy(Cerai. 

amasiuncula. Zu 45 amasiunculos. 

claTO tabulari wie sonst trabali. Cic. Verr. V 22,63 Et ut 
hoc beneficium, quemadmodum dicitur, trabali clavo tigeret. Arnob. 
II 43 ne velut trabalibus clavis affixi corporibus haereatis. Plaut 
Asin. 156 Fixus hie apud nos animus tuus clavo cupidinia. Darum 
führt die Necessitas bei Horat. C. I 35,17 Hl 24,5 clavos trabales. 
Otto Archiv V 12 = Spr clavus 1. Vgl. Heraus S. 21. 

sed yivorum meminerimus. Zu 44 v. m. 

tos rogo* Zu 73 rogo vos. 

ut Yobis suaviter sit wie 59 suaviter sit potius. Zu 71 po- 
pulum, suaviter sibi faci entern. 

tarn fui qnam tos estis. Guericke 54. 

corcillum statt corculum (Cic. Tusc. I 18 Nasica ille prudens 
bis consul Corculum) nur hier. 

quisquilia stat quisquiliae Guericke 41. Heraus S. 43. 

felicitate dissilio zu 61 gaudimonio dissilio. 

gterteia fehlt bei Georges. 

iam curabo fatnm tuum plores. Zu 58 curabo jam tibi Jovis 
iratus sit. 

tarn magnus ex Asia veni. 44 cum primum ex Asia veni. 

candelabrus statt candelabrum Guericke 46. 

ad sununam. Zu 31 ad s. 

rostrnm barbatum. Kostrum Schnabel für Maul. Plaut. Men. 
89 apud mensam plenam hominis rostrum deliges. Varro Sat. Men. 
419 itaque videas barbato rostro illum commentari. 

tarnen: Trotz meines Bartes, der sonst diesem Verhältnis ein 
Ende machte. Martial V 48,7 wünscht für Encolpos, deliciae des 



Anmerkungen zu 75. 76. 351 

Pudens, der bereits sein langes Haar abgeschnitten hatte: Sed tu 
ne propera — brevibus ne crede capillis — Tardaque pro tanto 
munere barba veni. 

ipsimi — ipsimae. Zu 63 ipsimi nostri. 

nee turpe est qnod dominus labet. Hater. bei Seneea Contr. 
IV pr. p. 378,9 Burs. impudicitia in ingenuo crimen est, in servo 
necessitas, in liberto officium. Marquardt Prl I 179,1. 

satisfaciebam vgl. 69 solebam ipsumam meam debattuere. 

76 quemadmodum di yolunt. Zu 61 quomodo dii volunt. 

dominus in domo faotns sum. Juvenal. 3,72 viscera magna- 
rum domuum dominique futuri. 

coheredem me Caesar! fecit. Den Kaiser im Testament zu 
bedenken, konnte ein Mann in einigermaßen hervorragender 
Stellung nicht unterlassen; vgl. Marquardt StV II 294. Tac. Agric. 
43 satis constabat, lecto testamento Agricolae, quo coheredem 
optimae uxori et piissimae filiae Domitianum scripsit, laetatum eum, 
velut honore judicioque. 

Patrimonium laticlayium. Im Senatorenstande waren Ver- 
mögen von Hunderten von Millionen nicht selten. SG- I 245 f. 

nemini tarnen nihil satis est. Zu 42 neminem nihil boni 
facere oportet. 

contra aurum wie auro contra Plaut. Epid. 411 Trucul. 538 
Curcul. 201 aurichalco contra Mil. 660 Epid. 688 Otto Spr aurum 1. 

naufragarunt. Rönsch 167. 

factum non fabula. Eine der allitterierenden Redensarten der 
Umgangssprache. Segebade 6. 

non mehercules mi haec iactnra gnsti fnit. mi wie unten 
Bücheier- Windekilde 112. gnsti Guericke 62 Rönsch 260 f. Btt- 
cheler-Windekilde 62. Den Verlust schmeckte, d. h. merkte ich 
kaum. Heraus S. 42,2 : non gusti fuit scheint nach Analogie von 
non hujus, non hettae, non flocci, non hili (cf. Petron 44) facere u. ä. 
gesagt, indem auch gustus 'die Probe 1 eine Kleinigkeit bezeichnet. 

tanqnam nihil facti. Seneea Epp. 22,14 nemo quiequam habet 
facti: in futurum enim nostra distulimus. 

viram fortem. Mütter bemerkt zu Cic. Rabir. post. c. 3 p. 260,1 
(Fortissimus et maximus publicanus) in den Adn. crit. p. LXXV1I: 
Fortunatissimus Halm. Fortitudo eadem est virtus quae magnitudo 
animi (v. 2 et 15), quae in negotiis gerendis est * Unternehmungs-, 
Spekulationsgeist \ [Übrigens kann fortis auch geldkräftig, ver- 
mögend bedeuten, vgl. Nonius p. 306 s. v. fortis (ähnlich vires), 
aber natürlich nicht hier. Heraus.] 

geitis, magna navis magnam fortitndinem habet. Nach dem 
einleitenden scitis wol sprichwörtlich : 'ein großes Schiff, ein star- 



352 Anmerkungen zu 76. 

kes Schiff' (vgl. Serv. Verg. A. VII 662 Hercules] habuit M?em 
fortem et aere munitam), aber in besag maf das vorhergehende fortifl 
doppelsinnig such: ein großes Schiff (zu bauen) beweist großen 
Unternehmungsgeist Heraus. 

onerarl rarst* Tinmm lardmm fabam seplasimm mamelpia. 
Die Sklaven wird er in Puteoli eingehandelt haben, wo gewiß ein 
großer Sklavenmarkt war. Von der übrigen Fracht gehören Weine 
(die feinsten, Marquardt PriII450f.; Beloch Campanien 2 117; 
vgl. auch Petron. 43) und Parflimerien (Marquardt das. 782 Blümner 
Gewerbl. Tätigkeit d. V. d. kl. A. 116 ff.) zu den bekanntesten 
Produkten Campaniens, dessen fruchtbarer Boden ohne Zweifel 
auch für Gemüsebau besonders geeignet war (aus Pompeji wurden 
außer Wein und Feigen auch Zwiebeln und Kohl ausgeführt 
Nissen Pompej. Studien 267). Für die dortige Schweinesucht ist 
mir kein Zeugnis bekannt. 

seplasinm. Diese Form nur hier. Guericke 41. 

cito fit quod di volunt. Liv. I 39,4 evenit facile quod dis 
cordi esset. Ovid. Met. VIII 619 quidquid superi voluere peractum 
est. Otto Archiv III 217 = Spr deus 2. 

quiequid tangebam crescebat tanqnam favus* Zu 43. 

manum de tabula« Cic. Farn. VII 25 Sed heus tu, manum de 
tabula, magister citius adest quam putaramus. Plin. N. h. XXXV 
SO uno se praestare, quod scilicet manum de tabula sciret tollere. 

per libertos fenerare. Wie H. A. Pertinax 3,3 mercatus est 
per suos servos. 

negotium meum agere. Seneca Apocol. 10,1 Divus Augustns 
— Ego, inquit — seuaper meum negotium ago. 

exhortavit. Guericke 49. 

Graeculio für Graeculus nur hier. 

Serapa. Ze P a-ä; GIG III 6977. 

consiliator deorum. Cic. N. D. 18,18 tanquam modo ex deorum 
consilio et ex intermundiis Epicuri descendisse. Otto Archiv III 
212 u. 385 s Spr deus 6. [In beiden von Otto angeführten Stellen 
Sallust. Invect. in Cic. 2,13 (die sich auf Cic. de consulatu meo 
bezieht: Quintilian. XI 1,24 et Jovem illum a quo (Cicero) in con- 
cilium deorum advocatur) und ib. 4,7, ist in concilio deorum über- 
liefert. Heraus.] 

ab acta et acu. Acia volkstümliches Wort für Faden. 
Heraus S. 22. Dieselbe Zusammenstellung (reliqui acus aciasque 
ero atque erae nostrae Titin. fr. 4 Ribbeck Fr. com. 2 p. 134 
(aus Non. p. 5,20 LMüller frygiones). Wölfflin Allitt. Verbind, 
d. lat. Spr. Sitzungsber. d. Bayr. Akad. 1881 S. 29; vgl. S. 46. Daß 
diese in Gedanken an die Nähterei und Schneiderei entstandene 



Anmerkungen zu 76. 77. 368 

Redensart zugleich gewählt ist, weil sie dem ABC entsprach 
(Büeheler Alt. Lat. Rhein. Mus. XXXIX 1884 S. 426 ff.), ist kaum 
wahrscheinlich, da die Kreise, in denen sie entstand, gewiß an- 
alphabete waren. 

intestinas statt intestina Guericke 40 (wobei wol ein Begriff 
wie partes gedacht ist) ; auch Apic. II 59 und in Glossen ; im Volks- 
mund zu stentinae verdorben. Heraus S. 41. 

tantum quod mihi non dixerat, quid pridie cenareram« 
Guericke 64. 

77 rogo Habinna wie 75, zu 63 rogo vos. 

tu dominam tuani de rebus 1111s feclsti. Unter domina ist 
die frühere (69 und 75 ipsima genannte) Herrin Trimalchios zu ver- 
stehn. Suum facere war für sibi devotum facere gebräuchlich. 
Drakenborch Liv. XLI 8,12 : ne quis quem civitatis mutandae causa 
suum faceret. Apulej. Met. IX 14 pistor ille qui me pretio suum fecerat. 
Ib. X 13 miles ille, qui me — sine pretio suum fecerat. Nep. 
Alcib. 3 plures etiam opera forensi suos reddiderat. Terent. Ad. 
5, 6, 10 paulatim plebem primulum facio meam. Res im Plural 
euphemistisch = res venereae. Heraus S. 34. De spätlateinisch zur 
Angabe des Mittels und Werkzeugs: Rtfnsch Itala p. 392 sqq. 

tu viperam sub ala nutricas« Phaodr. IV 19 — Aesop. 97. 
Plutarch bei Apostol. 13,79 a &ptv rp£<pew xal Tiovrjpöv euepfrreTv xai- 
t6v daxtv. Cic. De harusp. resp. 24,50 etiamne in sinu atque in 
deliciis quidam optimiviri viperam illam venenatam ac pestiferam 
habere potuerunt? 

Fatus* Zu 42 malus Fatus; doch hier im Sinne von fatum: so 
sagt meine (in den Sternen geschriebene) Bestimmung. 

fandos Apuliae lungere wie 46 nunc conjungere agellis Si- 
ciliam volo. 

satls tItus pervenero wie 75 virtute mea ad hoc perveni 88 si 
ad trecenties sestertium salvus pervenero. 

dum Mereurius vigilat« Zu 29 caduceum tenebat Vigilat ist 
vielleicht ein aus der sakralen Sprache in die Umgangssprache 
übergegangener Ausdruck. Serv. ad Vergil. A. VIII 3 is qui belli 
susceperat curam, sacrarium Martis ingressus, primo ancilia com- 
movebat, post hastam simulacri ipsius, dicens 'Mars vigila'. Preller 
Rom. MythoL I* 350. Der Hahn als Tier des Mereurius das. 231,2, 

smsM statt sursttm. Heraus S. 47. 

sesserhm hier ein Wohnraum, entsprechend dem englischen 
sitting-room, bei CoeL Aurelian. I acut 11 (vel quoHbet sessorio 
leniter atque mediocriter moveantur) ein Sessel. Auch Ducange 
führt nur för die Bedeutung sedes Belege aa. 

Petrom Cm Trauldrink. lld. 23 



354 Anmerkungen zu 77. 78. 

ad Bummtm. Zu 31 ad s. 

Scaurug. Dies cognomen der Aemilii (Einl. S. 11) Aurelii 
(Tac. Germ. 37) Terentii soll hier einen vornehmen Mann in Born 
bezeichnen. 

mayolnit statt maluit Guericke 47. 

assem habeas, assem valeas; habeas 9 habeberls. Lncil. bei 
schol. Juvenal. 3,143 Quantum habeas tantum ipse sies tantique 
habearis (fr. ine. 23 M). Horat. S. I 1,62 quia tanti quantum habeas 
sis. Apulej. Apol. 23 tanti revera estis quantum habetis Augustin. 
De diso. Christ. 11,12 (Migne 40 col. 676) nnde et illud proverbium 
qnantum habebis tantum eris (= 8,9 col. 674). Vers eines griechi- 
schen Tragikers bei Seneca Epp. 115,14 nbique tanti quisquam 
quantum habuit, fuit. Plut. 7t. cptXoTtXouo. 7: toooutou vöjuCe aeaor&v 
££iov, 3aov av £yj];. Otto Archiv VI 48 = Spr habere 1. 

qui fuit rana nunc est rex. > Wer dächte hier nicht an das 
Märchen von dem Froschkönig und dem eisernen Heinrich, das 
erste kostbarste Stück der Grimmschen Sammlung ! — Es gibt nicht 
viel Fälle, wo die Beziehungen (des Sprichworts zum Märchen) 
so charakteristisch und einleuchtend sind.« Crusius S. 46. 

vitalia. Zu 42 tarnen bene elatus est. 

78 praetextam, die ihm bei amtlichen Funktionen als Sevir 
der Augustalen zugestanden hatte (zu 71 in tribunali — prae- 
textatum); da, wer ein Amt verwaltet hatte, mit den Insignien 
desselben bestattet wurde. Marquardt Prl I 347,4. Einl. S. 42,1. 

gloriosus volo efferri ut totus populus mihi bene impreee- 
tur« Hier ist wol an Nachrufe zu denken, wie sie auf Grab- 
schriften üblich waren, als sit tibi terra levis, ossa tua bene quie- 
scant etc. 

ampullam nardi. Die aus nardus bereiteten unguenta gehörten 
zu den kostbarsten. Marquardt Prl II 783 f. 

nam vinum quidem in yinarium iussit infandi. Zu 38 nam 
mulam quidem nullam habet. Zu ergänzen : er begnügte sich nicht, 
uns mit der Nardenessenz einzureiben. 

ad parentalia mea. Totenfeier, die teils in der staatlich 
für den Kult der Verstorbenen bestimmten Zeit (13.— 21. Februar), 
teils an deren Geburt 8- und Todestagen, teils als Rosen- und Violen- 
feste, wobei man die Gräber mit diesen Blumen bekränzte, began- 
gen wurde. Marquardt StV III 310 ff. Vgl. Heraus S. 22. 

novum acroama, cornicines: sowohl, weil er an ihnen vor- 
zugsweise Geschmack findet (53), als, weil auch sie bei Begräbnis- 
musiken bliesen Marquardt Prl I 351 f. So auch auf der Relief- 
darstellung eines funus in Aquila. Mitt. d. arch. röm. Inst. V 
1890 p. 72. 



Anmerkungen zu 78. 355 

flngite me, inquit, mortnum esse. Ob Trimalchio hier eine 
Nachahmung der conclamatio aufführen läßt (so Mau bei Marquardt 
Prl I 346,5) oder des Begräbnisses (so Marquardt wegen der Musik 
351,7), bleibt dahingestellt. Unerhört war dergleichen nicht. Se- 
neca Brev. vit. 20,3: Turranius (SG I 286,7) fuit exactae diligen- 
tiae senex, qui post annum nonagesimum, cum vacationem procu- 
rationis ab C. Gaesare ultro accepisset, componi se in lecto et 
velut exanimem a circumstante familia plangi jussit. Tägliche 
Parodie eines Leichenbegängnisses Seneca Epp. 12,8. Vgl. Tac 
H. IV 45. Einl. S. 42,1. 

dielte aliquid belli* Diese Aufforderung an die cornicines 
erklärt sich daraus, daß dicere und canere promiscue gebraucht 
wurden. SG III 337,3. CGI IV 166,19 sambucistria quae in cithara 
rustica canit 43 sambucinarius ipse qui dicit. Apul. Met VI 24 
ad fistulam dicere V. Elagab. 32,8 ad tibias dixit (= tibiis cecinit), 
tuba cecinit. Heraus S. 34 f. Hygin. munit. castr. c. 20 ubi munera 
legionum dieuntur (wo die Signale für den Dienst der Legionen 
geblasen werden) 21 si castra longiora fuerint, classica dicentur 
(wenn sie länger sind, wird man die Signale blasen müssen), wo 
Domaszewski die Stelle des Petron verglichen hat. MüUer. 

unus — servus wie 26 unus servus Agamemnonis. 

libitinarii illius qui inter hos honestissimus erat: des Julius 
Proculus, von dem es 38 heißt et quam honestam negotiationem 
exereuit — libitinarius fuit. 

inter hos honestissimus, Inter suos? So oft bei Cic. z. B. 
Flacc. 22 inter suos nobilis Rose. Am. 16 honestissimus inter suos. 
Heraus. 

vigiles qui custodiebant Vietnam regionem. Entweder eine 
städtische Nachtwache und Feuerwehr (Bücheier I p. Villi) oder 
die von Claudius (Sueton. Claud. 25) nach Puteoli verlegte Kohorte 
der vigiles (Beloch Campanien S. 91. Nissen Ital. Landeskunde II 
2,739). Über die Einteilung Puteolis in Regionen Beloch S. 129. 

Agamemnon! verba dedimus — raptimque — fugimus. Verba 
dedimus ganz wie] in der von Gell. XVII 2,24 angeführten Steile 
des Claudius Quadrigarius: Cominius, inquit, qua ascenderat, des- 
cendit atque verba Gallis dedit. Verba dedisse Cominium Gallis 
dicit, qui nil quiequam cuiquam dixerat: neque eum Galli qui Ca- 
pitolium obsidebant, ascendentem [aut descendentem] viderunt, sed 
verba dedit haud secus posuit, quam si tu dicas, latuit atque obrepsit. 



23* 



REGISTER 

zu der Einleitung und den Anmerkungen. 

Die Ziffern bedeuten Seitenzahlen. 



Aberglaube s. Volksglaube 
ex (in) aceto 273 
ab acia et acu 362 f. 
acro(a)mata 285 
acta urbis 283 
adagia cum epilogo 262 
Adilen32f. 257. 260. 
Adverbium s. est 
Ägyptische Gebräuche 226 f. 
aetatem bene ferre 256. 
agaga 335 

Agamemnon 208 etc. 
agina, aginare 315 f. 
alapa,_-o, ari, ator, subalapa 239 
pueri Alexandrini 226 f. 
alienum mortuum plorare 286 
Alimentation 52 f. 
Allitteration 287. 331. 343. 352 f. 
Amphitheater 60 ff. 264 
amphitheater 264 
anatina 288 
anethina 288 
dvOpcoiroYvacpera 261 
anima in naso 317 
anulum traicere 346 
anulus, i s. Ringe 
Anzeigen 29 f. 
Apelles 12. 324. 
apoculare 316 
apophoreta 289. 310 
arcisellium 349 
argentum 234 f. 281 
Armenuntersttitzung 52 ff. 
artificium 272. 273. 308 
as aerarius 294 
asciam in crns impingere 348 
Asiadis 259 
asinus in tegulis 319 
ab asse crevit 239 
assem de stercore mordicus tol- 
lere 253 f. 



assem habeas, assem valeas 354 

Astrologie 219. 353 

Atellana 285 

atriensis 217. 344 

au 333 

Aufführung der Totenklage 355 

Augustalen 40 ff. 

Auktionen 242 f. 

auricularius 255 

Ausgaben der Städte 46 ff. 

* ax 252 

babaecalus 235 f. 
babulus, baburrus 235 
bacalusiae 247 
bacciballum 315 
Bad 212 f. 

im Hause Trimalchios 344 f. 

Baden gleich nach Tisch 344 

Bäder in allen Städten 50 ff. 

balatum cludere 292 

Ballspiel 211 

balneum s. Bad 

barba aurea 301 

barba condita 217 

barbatoria 346 

barcalae 332 

baro 285 

Bauten 49 ff. 

Begräbnisse, feierliche 65 

Begräbnisplätze 54 

bes(s)alis 301 

bestiarii 267 

Bewirtungen der Gemeinde 57 ff. 

341 
bifurcum 318 
bisaccium 222 
bonam mentem bonamque vale- 

tndinem optare 313 
bonatus 348 
bovis 318 



Register. 



357 



bucca, bucca etc. 325 
bullae 251 f. 
bullati (Lares) 312 
burdubasta 267 f. 

caccitus 320 

in caehim abire 232 

caelus 244 

caepa cirrata 298 

caldicerebrius 263 

caldum mejere et frigidum po- 

tare 333 
calvae 329 
Gampanien s. Exportartikel 

canale (-1s) 291 

Cancer Himmelszeichen 228. 244 

Cancer = nlcus? 253 

canticum 324. 334. 345 

canturire 323 

capillatus puer 210. 216. 297 

capo 308 

Cappadoces_320. 335 f. 

cardelis, -us 270 

carpere 231 

Cassandra caligaria 348 

catillum concacatum 330 

cave canem 214 

cedrus 236 

cena libera 208 

Census der städtischen Beamten 

33 
centonarius 262 
Cerdo 313 
ceterum 214 
Chia vita 319 
choranles 285 
cicaro 270 
circenses 338 f. 
circuli 276 

circummingere 292 f. 317. 
cirrati 298 
citrus 236 

clavo tabulari fixum 350 
clivus figürlich 276 

Capitol 261 

cluzissem 292 

cocococo 308 

coepi mit d. Infinitiv 210 

velle 338 

coheres Caesari 351 

collegia s. Vereine 

colonia diese (unsere) Stadt 259 



color = genus, nota 322 

comissatio 310. 322. 326 

Communalärzte 53 

comoedi 285 

compilare 318 

concrepare digitis 212 

constitutum 295 

copo compilatus 318 

corcillum 350 

cordax 282 

Corinthia 222. 279 f. 

cor meines (cornices) 285. 355 

coronae et unguenta 310. 339 

credrae 236 f. 

crescam patrimonio non corpore 

ool 
crevit ab asse 239 de nihilo 239 

tanquam favus 254. 352 ex 

parvo 343 
crocus 311 
crotalia 333 
culare 237 
culcitra 238 
Cumae 8 f. 278 

curare mit d. Konjunktiv 299 
Curatoren der Städte 37 
Curien 34 
cursores 216 
custodia sepulcri 340 



Baedalus 337 
debattuere 336 
decuriae in Born 342 f. 
Decurionen 34 f. 
defraudit 336 
denarius aureus 223 
Desiderativa 323 
desperatum valde 334 
deurode 301 
deverbia 322 f. 
dicere = canere 366. 
dietata 268 
dicto citius 347 
dii propitii 313 
dipundiarius 348 
discumbere 220 
dispare 269 f. 
dispensator 216 
dissilire 314. 350 
domi gaudere 258 
domina = uxor 329 
doml nasci 236 



358 



Register. 



dominus ehrende Anrede 291. 

d. coniux 333 
donec 246 

dnpundii non facere 300 
durare mit d. Infinitiv 247. 308 
Duumvirn 32 

ebullire 251 
Ehrenstatuen 64 
Eingravierung des Gewichts auf 

Silber 222. 224. 310. 332 
Einnahmen der Städte 46 f. 
elogium 284 
enim für nam 340 
epidipnis 337 

Epilogische Sprichwörter 262 
epulum 341 vgl. Bewirtungen 
ergo bei Kürzungen 220. 314. 

325. 333 
ervilia 298 

esse mit in c. Acc. 251 
essedarii 230 f. 264 f. 
est mit einem Adverb 253 
excatarissare 333 
exitum facere 266 
exopinissent 318 
Exportartikel Campaniens 352 

facere obszön 274. opfern 209. 

zubereiten 276 
facere se sich wohin begeben 

317 
facere ad se 241 
facere sua re (suam rem?) 274 
factio 309 

Falernum 12. 213. 225f. 
fasces 218 

fascia = mensura 269 
fata mulionum 336 
Fatus 252. 339. 353 
fefellitus 315 
Felicio 313 
fericulus 244 
fercula s. Gänge 
Feste 67 ff. 66 f. 
filix 266 

foras = foris 219 
fortis unternehmend 351 
fortis fidelis 343 
Fortunae filius 255 
Fortunata 231—34 
fulcipedia 360 



Garns Anrede Trimalchios 218 f. 

286. 349 
Gajus = C. Pompejus 318 

§allus gallinaceus s. Hahnkrat 
iänge der Mahlzeit: erster (ini- 
tium cenae) 229—231. zweiter 
246. dritter 278. vierter 310 
vgl. promulsis und mensae se- 
cundae 

Garde, Dienst in der römischen 
68 

Gavilla 314 

gaudimonium 314 

Geldverteilungen 57. 341 

quo genere = qua ratione 209 

Genius, Bitten und Beteuerungen 
beim G. 231 

genius Augusti 312 

Trimalchios 312 

Gewichtsangaben s. Eingravie- 
rungen 

gingilipho 345 

gizeria 328 

Gladiatoren 60 ff. 267—269 

Glas, biegsames 280 f. 

Goldringe 222 f. 302 

Grabmal Trimalchios 44. 339 ff. 

Grabmäler an den Landstraßen 
26. 317 

Geschäfte für Gr. 327 

gusti 361 

Habinnas 327 

Hahnkrat bedeutet Feuers- 
brunst oder Todesfall 346 

Haushund 326. 344 

Heinse Übersetzer des Petron 
löf. 

hilaris, -itas 243 

hircus in ervilia 298 

hoc » huc 210 

Homeristae 309 

homines sumus 349 

homo inter homines 243 f. 294 

Hörner der aerumnosi 245 



iatraliptae 213 

igitur nach einer Auslassung 

220. 347 
ille für das Reflexivum und 

statt is 237 
illoc s. istoc 



Register. 



359 



in im o im us 238 

imus statt issimus 320 

Incubo 239 

Infinitiv substantiviert 282 

Innungen 30 f. 

Insassen 46 

insecutus est 224 

Interjektionen, Grundlage für 

Nomina und Verba 235 
interpellare 209 
se invenire 273 
involare 254 
ipsimus, a 320 
istoc = istuc 244 f. 
^vüs 223 

Januar, Zeit der cena 218. 249 
jejunium 260 
Julius Proculus 242. 355 
Juno in Falerii 66 

Krebs Zeichen d. Er. 244 

laoerare 233 
lacte gallinaceum 237 
lactem 339 
lacticulosus 297 
lacunaria, bewegliche 310 
laecasin 251 
Laenas 217 
lamellulae 295 
lamna 293 
lapidarius 327 
Lares 217 

Verehrung der Laren 312 f. 
lanati, pedes 1. 261 f. 
larva 226 f. 258 
lautitiae 212 

lecti (des triclinium), Personen- 
zahl 221 
liberti scelerati 241 
libertini locus 240 
libitioarius 241. 355 
lictor des Sevirn 326 
litterae lapidariae 302 
litterae quadratae 215 
litterae serviles 302 
locus imus in imo 238 
locus libertini 240 
locus praetorius 327 
locus primus 221 
Lokalkulte 65 f. 



longe esse (abesse) 300 f. 

Lucrio 313 

ludus duodecim scriptorum 223 

lupatria 232 f. 

pro luto 259 

machina 347 

madeia 282 f. 

Maecenatianus 341 f. 

major natus 296 f. 

mala manus 321 

male facere zaubern 245 

maligne 252 

Mammaea 266 

Manii 264 

mantissa 328 

manuciolus 321 

manum de tabula 352 

manumissio mortui 328 

mapalia 307 f. 

mappae 312 

Märchen 231. 239. 256. 263. 286. 

354 
Martial, Reminiszenzen an M.? 

246 
martiolus 280 
matella figürlich 265 
matellae 211 
mus in matella 304 
matteae 326 

matus (matto, matt) 260 f. 
mehercules, Stellung 300 
Menecrates 12. 345 
Menelaus 212 
Meneniae (Meniae) 302 
mensa 225 

mensae secundae 337 
Mercurius , Schutzgott Trimal- 

chios 216 
Mercurii millesimae 332 
Mercurius vigilat 353 
merus 232 

Messen u. Märkte 67 
methodium 230 
micare 258 

millesimae s. Mercurius 
milva 360 

qua milvi volant 234 
milvinum genus 253 
milvo ungues resecare 266 
omnis minervae 257 # 

minutalia 275 
minutus, populus m. 257 



360 



Register. 



mi8cix 265 
miscllus 320. 327 f. 
missio ludorum 311 
Mittelalter, Petron im M. 27ö 
modio nummos metiri 231 
modo modo 231 
modo sie modo sie 262 
monumentum, -a s. Grabmal, 

Grabmäler 
monumentum heredem non se- 

quitur 340 
morbosus 270 
nee mu nee ma 297 
mufrius 307 

Municipalpatriotismus 48 ff. 
mures ferrum rodunt 304. 
udi tamquam mures 261 
mus s. matella 
omnis musae 334 
Musikliebe Trimalchios 214 
muta 334 
muttire 314 

Nachahmung von Personen- u. 

Tierstimmen 323 
Nachtisch s. mensae seeundae 
nam braehylogisch 238 
natum non putare 304 f. 
Neapel nicht der Ort der cena 9 f. 
Negation verdoppelt 253 
neniae 276 
nervia 268 
de nihilo crevit 239 
Nocturnae 320 
non minus 230 
Norbanus 267 
notare 211 
novemdiale 327 
nugae von Personen 300 
oblitus nugarum 339 
nummorum nummos 234 
nummos modio metiri 231 
nummularius 288 

obiter 221 

Occupo 306 

oclopecta 229 

in oculis ferre 349 f. 

ab oculo legere 349 

opertis oculis 260 f. 

olim oliorum 256 

Opimianum vinum 11. 225 f. 

Orcus 266. 272. 316 



oricularius 255 
Q8sa b ene quiescant 243 
-osus 238 
oxycomina 331 

Palamedes 330 f. 

panem aeeipere de manu ali- 

cuius 231 f. 
panis autopyrus 329 
Pantomimen 221. 248 
parentalia 354 
parentare 336 

parietes utrosque linere 244 
parra 254 
partes quattuor, decem, centum 

dicere 270. 303. 349 
pataracina 248 
pater patriae 11. 312 
patria unsre Stadt 259 
Patrone 69 
pax Palamedes 330 f. 
pedale 291 

ad pedes 298. 325. 334 
pedes lanati 261 
pedes unguere 338 
pediseauus 210 
pedueuius 296 
penthiacum 276 
percolopare 258 
peristasis 277 

perversa toga persequi 306 
Petra(h)ites 281 f. 
Petron, Zeit des P. pica varia 214 

Musikliebe Trimalchios 214 

essedarii 230 f. 264 f, pedes 

unguere 338 
Petron, Reminiszenzen an P. 

beiMartial? 246 Lucian? 230 

Cassiodor? 288 Porphyrio 302 
phalerati cursores 214 
phantasia 242 
Phileros causidicus 272 f. 
philologia 243 
pica pulvinaris 233 f. 
pica varia 214 
Pietas mit dem Storch 288 
pilare 254. 258 
piper 258 
placens sibi 271 
plane 250 
plena manu 254 

?lenis velis 267 
linius 55 f. 



Register. 



361 



plovere 261 

plures die Toten 252 

plussciae 322 

pompa 311 

C. Pompeius 218 

populus 260, p. minutus 257 

porricinum 277 f. 

Poticus im Hause Trimalchios 
215. 344 

Porphyrio, Kenntnis des Petron 
302 

praenomen (ehrende Anrede) 218 f. 

praetexta der Sevirn 42. 44. 341. 
354 

praetor 8 f. 327 pr. in Cumae 8 

praetorius locus 327 

prasinatus 214 (vgl. auch 170,4 

prasina fascia) 
prasinianus 338 
prasinus 338 
Primigenius 272 
a primitiis 308 f. 
Processionen 66. 261 
procurator 217 
Produkte Campaniens 352 
promulsidare 221 f. 
promulsis 221—224 
propinare 213 
in prospectu 329 f. 
Publilius Syrus 287 
puellarius 256 
puerarius 257 
pullare 269 f. 
pullarius 256 f. 

Puteoli 10. 73—76 vigiles, Re- 
gionen 356 Zirkusspiele? 75. 

quadrata littera 215 

quid ergo est 219 f. 

quid faciat 299 

quod nach Verbis sentiendi 266 

rana — rex 354 

tamquam rana se inflat 347 

Raetsel 303 f. 

recte 300 

relinquere 256 

Reminiszenzen s. Petron 

res = res venereae 353 

respicere post se 296 

Ringe Trimalchios 222 f. Eiserne 

305, goldene der Sevirn 42. 

44. 222 f. 341 



Ringe der römischen Ritter 302 

Ringe an der linken Hand ge- 
tragen 222 

ringi 350 

Ritter 68. 293. 302 

in rutae folium conicere 235 
300 

Safinius 258 

saga manus 321 

salvum sit quod tango 321 

saplutus 232 

saviunculum 328 

Scaurus 11. 354 

Schauspiele 59 ff. 

schema 259 

Schenkungen 48 ff. 

Scintilla 330 

Scissa 327 

scissor 230 

scordaliae 308 

scriblita 228 

scruta scita 316 

per scutum per ocream 315 

secare 268 Composita von s. 290 

Senate in Munizipien 34 f. 

Senatoren, römische S. 68. 70 

Seneca Sprache des S. 12 

seplasium 352 

serisapia 290 

sessorium 353 

seviratus absenti decretus 342 

sevir gratis factus 296 

Sevirn 41 ff. 218. 296. 342 

Sextilis 11. 283 

Sibylla 278 

siccus sobrius 233 

Silberbecher von Boscoreale 227 

Silbergeschirr s. argentum und 

Eingravierungen 
Silberschüsseln 310 
Singen im Bade 344 f. 
in sinum spuere 347 
Sitzen beim Vorlesen 309 
Skelett bei Tische 226 f. 
solidus, -e 274 
in solio descendere 345 
solium Iovis tenere 280 
solium temporäre 345 
Sprichwörter, s. Epilogische Spr. 
Statuen 64 f. 
statunculum 279 f. 
stellae = stelae 317 



362 



Register. 



Bterilicula 228 

Stiftungen 51 ff. 

ßtipes, stips 264 f. 

stolatae 261 

Storch bei der Pietas 

strigae, -es 320 

Btrophae 310 

Bubalapo, -a 239 

8ua re (suam rem?) facere 274 

de buo sibi 329 

ad sumniam 220. 232. ect. 

in Bummo 330 

ßupellecticarius 224 f. 

ßursum deorsum 322 

suum facere 363 

Syrus histrio 282 

Pnblilius Syrus 287 

tarn grandi8 220 

tangere mit de oder dem Ablativ 
329 

tangomenas facere 226 

tandem, tandem ergo nach Aus- 
lassungen 220 

tanquam 246 

tanto melior 336 f. 

textorum dicta 223 

Terrae filius 246 

thraecium 349 

Tiberius Caesar 11. 12 

toga perversa 306 

tonstr(e)iimm 272. 323 f. 

topanta 232 

tribunal 216. 341 

tributarius 293 

triclinium Trimalchios 221. 226 

triclinia bei epula 62. 341 

Trimalchio 11. 43 f. 209 f. 

Tristicha 227 

Tutela 291 f. 

ubi bei bildlichen Darstellungen 

21öf. 
Umharnen 292 f. 
unguentarius 348 
unguere pedes 338 
Unterrichts wesen 54 ff. 
urceatim plovere 261 
ursina 330 



Talde 238 

Valerius Anteros Asiaticus in 
Assisi 44 f. 342 

Venusblick 340 f. 

verba dare 355 

Vereine 30 f. 

vermes in molli carne 293 

Versicherungspartikeln, Stellang 
300 

versipellis 318 

vervex 291 

vicesima 298. 339 

yicesimarii 328 

vigilare 353 

vigiles 356 

vinciturus = victurus 267 

vinum Falernnm 213. 225 f. His- 
panum 329 Opimianum 11. 225 f. 
aus Campanien 352 

vinum effundere 213 f. 346 

viperam sub ala nutricare 353 

vitalia 252. 354 

vivorum meminerimus 253 

Vogelmilch 237 

Volksglaube s. anulum traicere, 
circummingere, crescam patri- 
monio non corpore, Felicio, 
Hahnkrat, Incubo, mala (saga) 
manus, Occupo, salvum sit 
quod tango, strigae, Werwölfe 

Volksmärchen s. Märchen 

Volksrätsel s. Rätsel 

volpis uda 305 

Wahlempfehlungen 30 

Wasserleitungen 50 ff. 

Weine s. vinum 

Werwölfe 317 f. 

Wetten 338 

Wiederholung derselben Worte 
s. coepi, hilaris, insecutus est, 
interpellare, lautitiae, notare 

Wohlfeilheit in den Städten 
Italiens 71 f. 

Xerophagi, xerophagia 290 

Zirkusspiele in Puteoli? 75. 
338 f. 



Druck von Breitkopf & H&rtel in Leipzig.